#1

Gedanken von heute

in Grenztruppen der DDR 03.03.2012 18:05
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Wie oft denkt ihr (ehem. Ang. der GT) an eure Zeit des GWD an die Grenze zurück?
Ihr wart sicher schon da, wo ihr früher euren Dienst versehen habt.
Habt euren Ang. alles gezeigt und ihnen alles erzählt, wie es früher war.
Ist es nicht auch für euch ein unwahrscheinlich schönes Gefühl, das ihr euren Ang. heute zeigen könnt, wie es früher war und wie es heute ist??


Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
zuletzt bearbeitet 03.03.2012 18:08 | nach oben springen

#2

RE: Gedanken von heute

in Grenztruppen der DDR 03.03.2012 18:33
von Hans55 | 762 Beiträge

Hallo,Oss´n!
Da liegt bei meinen Angehörigen überhaupt kein Interresse vor! Gruß Hans!


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#3

RE: Gedanken von heute

in Grenztruppen der DDR 03.03.2012 18:39
von GKUS64 | 1.606 Beiträge

Ja schon durch das Forum denkt man relativ oft an die Zeit des GWD. Das Gebiet, indem ich damals (Untersuhl 1964/65) Dienst tun musste habe ich beginnend 1990 schon viermal besucht, meist wenn ich aus dem "Westen" kam und die A4 nach Dresden fuhr. Das von Dir beschriebene "schöne Gefühl" hatte ich genauso und meiner Frau konnte ich zeigen wo ich damals meine Zeit sinnlos verbracht habe.
Gut dass man jung war und nicht so tiefgründig über alles nachdachte. Als ich 1999 mal dienstlich mit noch drei Kollegen aus Aachen kommend die A4 auf Höhe Wildeck/Untersuhl mit 145 km/h (100 waren erlaubt) geblitzt wurde, habe ich spontan gesagt, das ist die späte Rache für meinen GWD in diesem Gebiet.
Gut dass der Spuk vorbei ist!!!

MfG

GKUS64


zuletzt bearbeitet 03.03.2012 18:41 | nach oben springen

#4

RE: Gedanken von heute

in Grenztruppen der DDR 03.03.2012 19:27
von Annakin | 524 Beiträge

Erst seit dem ich im Forum bin, habe ich mich auch wieder mit meiner Dienstzeit bei den GT beschäftigt. Vorher überhaupt nicht. Meine Frau intressiert sich nicht dafür. Lediglich mein Sohn fragt mich öfter wie das so war früher bei der Armee und in der DDR. Wenn wir uns über unsere Armeezeit unterhalten, höchstens mal auf der Arbeit, weil paar meiner Arbeitskollegen auch an der Grenze waren.


Gruß Annakin


_____________________________________________________________________________________________________________
Wenn Du einen Feind nicht besiegen kannst, mache ihn zum Verbündeten.
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#5

RE: Gedanken von heute

in Grenztruppen der DDR 03.03.2012 19:37
von P601A | 82 Beiträge

Mir geht es da genau wie Annakin. Durch das Forum denkt man tiefgründiger an die Zeit zurück.
Wenn ich mit meiner Frau in meinem damaligen Wirkungskreis unterwegs bin höre ich meistens,
"Das hast Du schon 3 mal erzählt".

Gruß
P601A


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#6

RE: Gedanken von heute

in Grenztruppen der DDR 03.03.2012 21:23
von Rüganer (gelöscht)
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Hallo,Oss´n!

als ich kurz nach Grenzöffnung durch eine der frisch eingerichteten Übergangststellen nach Westberlin ging, Frau und Kinder dabei hatte, da beschlich mich eine ungeheure Wut. Ich habe ein Jahr an diesem Ding aus Beton und Streckmetall gestanden und nun war dies alles freigegeben für Leute, die mit einem Hammer und Meißel Betonklümpchen sammeln gingen. Ungeheuerlich! dann aber habe ich mich besonnen, warum ich da eigentlich unterwegs war, ich wollte eine Satelitenanlage holen, damit wir da auf Rügen auch mehr als die beiden DDR Programme sehen konnten.
Es war also ein schwieriger Denkprozess, der diese Erkenntnis, ab nun kannst du hingehen, wohin du willst, kannst Dinge tun, die du tun willst, kannst auf die Schnauze fallen, aber kannst auch dein Glück machen, brachte.
Heute fragen Freunde und neue Bekannte nur entsetzt - und du hättest auf Menschen geschossen, nur weil sie in die Freiheit wollten? Danach erlischt ihr Interesse an der Grenze wieder und deswegen ist es eigentlich so wichtig, dass die Jungs, die das grüne Band an der Mütze trugen, hier ihre Sicht, ihr Verständnis der damaligen Lage, ihre Ängste und Befindlichkeiten beschreiben. Dass da ein paar Leute bei sind, die als Offiziere und Berufsunteroffiziere dabeigewesen sind und zwangsläufig eine andere Einstellung hatten oder heute noch haben, soll und vom Grundwehrdienst nicht jucken. Rainman hat mir mit seiner klaren Ansage in der Videoproduktion damals gefallen, der den Unterschied zwischen dem lamettabehangenen Uniformträger und dem doch anfangs beeindruckten Grundwehrdienstler angeführt hatte, als es um die Frage des Schießens ging.
Ich denke heute gerne noch zurück an diese besondere Form der Kameradschaft, an dieses Besondere bei GT, die späteren Reservistendienste haben mich damals überzeugt, dass GT das Beste war, was mir passieren konnte.


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#7

RE: Gedanken von heute

in Grenztruppen der DDR 03.03.2012 22:22
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Zitat von Rüganer
Hallo,Oss´n!

als ich kurz nach Grenzöffnung durch eine der frisch eingerichteten Übergangststellen nach Westberlin ging, Frau und Kinder dabei hatte, da beschlich mich eine ungeheure Wut. Ich habe ein Jahr an diesem Ding aus Beton und Streckmetall gestanden und nun war dies alles freigegeben für Leute, die mit einem Hammer und Meißel Betonklümpchen sammeln gingen. Ungeheuerlich! dann aber habe ich mich besonnen, warum ich da eigentlich unterwegs war, ich wollte eine Satelitenanlage holen, damit wir da auf Rügen auch mehr als die beiden DDR Programme sehen konnten.
Es war also ein schwieriger Denkprozess, der diese Erkenntnis, ab nun kannst du hingehen, wohin du willst, kannst Dinge tun, die du tun willst, kannst auf die Schnauze fallen, aber kannst auch dein Glück machen, brachte.
Heute fragen Freunde und neue Bekannte nur entsetzt - und du hättest auf Menschen geschossen, nur weil sie in die Freiheit wollten? Danach erlischt ihr Interesse an der Grenze wieder und deswegen ist es eigentlich so wichtig, dass die Jungs, die das grüne Band an der Mütze trugen, hier ihre Sicht, ihr Verständnis der damaligen Lage, ihre Ängste und Befindlichkeiten beschreiben. Dass da ein paar Leute bei sind, die als Offiziere und Berufsunteroffiziere dabeigewesen sind und zwangsläufig eine andere Einstellung hatten oder heute noch haben, soll und vom Grundwehrdienst nicht jucken. Rainman hat mir mit seiner klaren Ansage in der Videoproduktion damals gefallen, der den Unterschied zwischen dem lamettabehangenen Uniformträger und dem doch anfangs beeindruckten Grundwehrdienstler angeführt hatte, als es um die Frage des Schießens ging.
Ich denke heute gerne noch zurück an diese besondere Form der Kameradschaft, an dieses Besondere bei GT, die späteren Reservistendienste haben mich damals überzeugt, dass GT das Beste war, was mir passieren konnte.



Hallo,Rüganer
Ich finde deine Einstellung und Auffassung in deinem Beitrag beeindruckend!Aber der letzte Satz hat mich auch sehr zur Überlegung angeregt.


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#8

RE: Gedanken von heute

in Grenztruppen der DDR 04.03.2012 10:36
von Rüganer (gelöscht)
avatar

Hallo Harra 318, ich will Dir den letzten Satz erklären, aus den folgenden Reservistendiensten, in denen ich die Seite eines Wehrdienstes kennen lernen durfte, die "Schleiferei" , für mich sinnloses Exzerzieren, die Marschieren zum Essen mit Gesang und Wegtreten, weil einer ungeputzte Stiefel hatte, die ganz klare stupide Kommissallaüren beiinhaltet haben, die eine Reguliererausbildung, bei der mangels Fahrzeugen Reservisten mit "Brum, Brum" auf den Lippen die Fahrzeuge simulierten, wenn ich all dies 18 Monate gehabt hätte - ich wäre wohl geschädigt aus dem Wehrdienst entlassen worden. So etwas gab es zu meiner Zeit bei GT nicht und deswegen dieser Satz, es war für mich das Beste, was passieren konnte. 18 Monate Mucker oder die Hälfte der Zeit unter dem Schnuppersack herumzulaufen - nein Danke!


zuletzt bearbeitet 04.03.2012 10:37 | nach oben springen

#9

RE: Gedanken von heute

in Grenztruppen der DDR 04.03.2012 10:41
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@oss´n, obwohl du die frage auf die agt eingrenzt, mal meine meinung zum thema: ich erlebe es immer wieder, dass leute sich nur an bruchstücke ihrer armeezeit erinnern. meistens sind es dazu noch extreme (positive wie auch negative). wenn sie bereit sind, sich mit der dermaligen zeit und mit ihrem eigenen tun auseinander zu setzen, kommen auch langsam andere erinnerungen wieder zum vorschein. oft habe ich es an gemeinsamen lagerfeuern erlebt, dass jemand eine anekdote aus seiner armeezeit zum besten gibt und plötzlich ein anderer sagt: "eeeh, bei mir war es so ähnlich... " derjenige bekam indem moment nur einen gedankenimpuls....
meiner meinung nach, sind daher persönliche treffen und am lagerfeuer mehr dazu geeignet, ins eigene "ich" abzutauchen. man ist dort auch eher geneigt eigene fehler einzugestehen als in einem öffentlichen forum, wo kleingeister dies dann oftmals ausnutzen.


@oss´n, ich hoffe du nimmst mir meine erweiterung auf alle armeeangehörigen nicht zu sehr übel...


p.p.s. das nächste gemeinsame lagerfeuer für alle waffengattungen ist im forum veröffentlicht....


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#10

RE: Gedanken von heute

in Grenztruppen der DDR 04.03.2012 11:42
von Rostocker | 7.717 Beiträge

Zitat von Rüganer
Hallo Harra 318, ich will Dir den letzten Satz erklären, aus den folgenden Reservistendiensten, in denen ich die Seite eines Wehrdienstes kennen lernen durfte, die "Schleiferei" , für mich sinnloses Exzerzieren, die Marschieren zum Essen mit Gesang und Wegtreten, weil einer ungeputzte Stiefel hatte, die ganz klare stupide Kommissallaüren beiinhaltet haben, die eine Reguliererausbildung, bei der mangels Fahrzeugen Reservisten mit "Brum, Brum" auf den Lippen die Fahrzeuge simulierten, wenn ich all dies 18 Monate gehabt hätte - ich wäre wohl geschädigt aus dem Wehrdienst entlassen worden. So etwas gab es zu meiner Zeit bei GT nicht und deswegen dieser Satz, es war für mich das Beste, was passieren konnte. 18 Monate Mucker oder die Hälfte der Zeit unter dem Schnuppersack herumzulaufen - nein Danke!



Rüganer,da stimme ich Dir voll und ganz zu.Mein letzter Reservistendienst war mitte der 80 er in Beelitz Heilstätten,obwohl man uns Resis in ruhe ließ.Kam mir das da vor wie die Hölle auf Erden.Da sagte ich mir so manchmal--Junge sei froh das du damals bei deinen Grundwehrdienst bei den Grenztruppen gelandet bist-(die 6Monate Glöwen nartürlich ausgeschlossen)Das war gegenüber den Muckern,ne Naherholung.


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#11

RE: Gedanken von heute

in Grenztruppen der DDR 05.03.2012 09:55
von turtle | 6.961 Beiträge

dass GT das Beste war, was mir passieren konnte???


Dieser Grenzdienst hat aber auch beinhaltetet dass es eventuell während meines Dienstes zu einem versuchten Fluchtversuch kommen konnte. Die Anweisungen hierfür waren klar! Die vielen Opfer sprechen eine eigene Sprache! Natürlich sollen uns auch die Opfer unter den Grenzern mahnen. Was hat diese Grenze alles gebracht? Opfer, Trauer ,Vertreibung. Nein nicht die Grenzer waren schuld daran. Schuld waren unterschiedliche politische Systeme, der kalte Krieg und eine unvernünftige Politik.
Aus meiner Sicht als „Sperrbrecher“ wollte ich das loswerden.

Dieser Satz: dass GT das Beste war, was mir passieren konnte??? hat für mich eben eine andere Bedeutung.


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#12

RE: Gedanken von heute

in Grenztruppen der DDR 05.03.2012 12:01
von bendix | 2.642 Beiträge

Zitat von Hans55
Hallo,Oss´n!
Da liegt bei meinen Angehörigen überhaupt kein Interresse vor! Gruß Hans!



Hallo Hans,so ist es bei mir auch,bin ich aber nicht böse drum.

Gruß bendix


Das Zufriedene ist leise,das Unzufriedene ist laut.
Gefreiter der Grenztruppen -1980 GAR 40 Oranienburg/Falkensee-GR 34 Groß-Glienicke 1981-1982
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