#61

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 26.06.2016 11:04
von Krepp | 533 Beiträge

Zitat von IM Kressin im Beitrag #60




Ich möchte den Bereich ausfindig machen, an welcher der User Krepp erstmalig seinen großen Zeh badete in bundesdeutsche Wasserfläche.



Das ist ja nun 36Jahre her, aber das ist genau der Weg bis zum Waldrand.
Dort war unser PP, da konnte man in Ruhe "grillen". u.a. auch Chesterdosen
Kontrolle kam nie und wenn wurde die schon von weitem aufgeklärt.

Und den Weg dann gerade weiter, abschüssig durch die Bewaldung
und schon war man am Ufer (Grenzlinie)



Gruß aus Leipzig
I/1979-II/1979 GAR05 GAK9
II/1979-II/1980 GR6 3.GB 10.GK Zarrentin
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#62

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 26.06.2016 13:00
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von Ratze im Beitrag #57

Moin
Auf der Insel gab es ja auch ein "kleines Dorf", wer wohnte denn dort? (Man sieht auf dem Bild die Däche ganz unten am Rand)
Gab es während der Ausbildung zu den Bewohnern Kontakt?
Wie war das mit dem Ausgang, es mußte ja immer der Posten am Bunker passiert werden, wie wurde sich denn dort ausgewiesen,. oder ging das über die übliche Parole?



|addpics|196-l-d88a.jpg-invaddpicsinvv|/addpics|



Mit dem Ausgang war das eigentlich ganz einfach - es gab keinen.
Wir haben das Objekt zu fuss lediglich zum Frühsport (5000 m-Lauf in Stiefeln mit freiem Oberkörper) und zum "kleinen" Härtetest (5000 m-Lauf mit Ausrüstung und anschließende Überwindung der Kampfbahn als Gruppe) verlassen. Ansonsten ging es im geschlossenen W 50 in die Natur der Umgebung und in die Wälder rund um den Schweriner See.
Es gab allerdings die Möglichkeit, im Rahmen des Wettbewerbs um die "beste Gruppe" (Ordnug und Sauberkeit der Unterkünfte) einen Gruppenausgang zu gewinnen. Für den Sieger ging es einmal mtl. am Sonntagnachmittag in Zivil als Gruppe per W 50 nach Schwerin in eine Gaststätte. Dort wurde ausgiebig gegessen und getrunken und gegen 22.30 Uhr ging es wieder ins Objekt zurück. Meine Gruppe hat diesen Wettbewerb genau einmal gewonnen, dann wollten wir nicht mehr. Da wir keinen Alkohol gewöhnt waren, war der Frühsport am Morgen nach dem Gruppenausgang grauenvoll und da haben wir als Gruppe beschlossen, nicht mehr gewinnen zu wollen.

Kontakt zu den Stintenburger Bewohnern gab es nicht.

andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
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zuletzt bearbeitet 26.06.2016 13:05 | nach oben springen

#63

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 26.06.2016 13:06
von Hanum83 | 4.707 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #62
Zitat von Ratze im Beitrag #57

Moin
Auf der Insel gab es ja auch ein "kleines Dorf", wer wohnte denn dort? (Man sieht auf dem Bild die Däche ganz unten am Rand)
Gab es während der Ausbildung zu den Bewohnern Kontakt?
Wie war das mit dem Ausgang, es mußte ja immer der Posten am Bunker passiert werden, wie wurde sich denn dort ausgewiesen,. oder ging das über die übliche Parole?



|addpics|196-l-d88a.jpg-invaddpicsinvv|/addpics|



Mit dem Ausgang war das eigentlich ganz einfach - es gab keinen.
Wir haben das Objekt zu fuss lediglich zum Frühsport (5000 m-Lauf in Stiefeln mit freiem Oberkörper) und zum "kleinen" Härtetest (5000 m-Lauf mit Ausrüstung und anschließende Überwindung der Kampfbahn als Gruppe) verlassen. Ansonsten ging es im geschlossenen W 50 in die Natur der Umgebung und in die Wälder rund um den Schweriner See.
Es gab allerdings die Möglichkeit, im Rahmen des Wettbewerbs um die "beste Gruppe" (Ordnug und Sauberkeit der Unterkünfte) einen Gruppenausgang zu gewinnen. Für den Sieger ging es einmal mtl. am Sonntagnachmittag in Zivil als Gruppe per W 50 nach Schwerin in eine Gaststätte. Dort wurde ausgiebig gegessen und getrunken und gegen 22.30 Uhr ging es wieder ins Objekt zurück. Meine Gruppe hat diesen Wettbewerb genau einmal gewonnen, dann wollten wir nicht mehr. Da wir keinen Alkohol gewöhnt waren, war der Frühsport am Morgen nach dem Gruppenausgang grauenvoll und da haben wir als Gruppe beschlossen, nicht mehr gewinnen zu wollen.

andy


Andy, hättest du auch sagen können tschüss Sintenburg und retour Perleberg?


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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#64

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 26.06.2016 14:44
von andy | 1.199 Beiträge

Tschüss Stintenburg hätte ich wohl sagen können, ob ich dann aber nach Perleberg gekommen wäre - keine Ahnung. Mglw. hätte man mich irgendwo in die Pampa versetzt. Einen solchen Gedanken hatte ich aber nie, für mich war es eine Herausforderung, gerade als ich merkte, dass die Forderungen, die an uns gestellt wurden immer höher wurden. Ich wurde von Beginn an als Gruppenführer eingesetzt und wollte diese Aufgabe so gut wie möglich erfüllen. Meine Gruppe gehörte in der Ausbildung immer zu den Besten und wir alle hatten das Gefühl, zu einer "elitären" Einheit zu gehören, das machte uns auch ein bisschen stolz. Rückblickend bin ich froh, diese Ausbildung absolviert zu haben, man hat mir meine Grenzen gezeigt und mich dazu geführt, diese zu überwinden. Der sich dabei ausprägende Wille, die gestellten Aufgaben zu erfüllen hat mir später oft geholfen - insofern war es eine gute Schule fürs Leben.

andy


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#65

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 27.06.2016 11:17
von Ratze | 393 Beiträge

Moin
in dem Buch von Frau Labs "keine Ausfahrt - Zarrentin" wird von einem Kurt Schmischke berichtet, der eine Bauernstelle auf der Stintenburg hatte, bevor er irgendwann nach Lassahn zog. Er hatte auch als FHG Dienst auf der Halbinsel gemacht.
Seine "illegal" geschossenen Fotos wären sicher interessant.
Ratze


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#66

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 27.06.2016 23:48
von B208 | 1.328 Beiträge

In der DDR gab es so viele schöne Flecken für ein solches Objekt innerhalb des Grenzzauns . Warum wurde Stintenburg ausgewählt ? Gehörten zur Ausbildung auch Ausflüge nach Schleswig-Holstein ???
Wie wurden Euch die pioniertechnischen Anlagen erklärt ? Oder die Grenzboote ??
Gab es Post von den Lieben ? Wenn ja , an welche Adresse ?

B208


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#67

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.06.2016 12:02
von andy | 1.199 Beiträge

Warum gerde die Stintenburg als Standort für die Schule gewählt wurde kann ich nicht sagen. Ich nehme an, dass die Abgeschiedenheit des Ortes im Grenzgebiet ein Grund dafür war, so gab es eine überschaubare Anzahl an neugierigen Blicken. Von den Grenzbooten haben wir wimre gar nichts mitbekommen, gleiches galt für die PTA. Vom Grenzverlauf hatten wir auch keinerlei Ahnung, wir wussten nur, dass sie in der Nähe war. Das Altbundesgebiet habe ich, wie alle anderen auch erst nach der Wende betreten. Das Leben verlief im großen und ganzen innerhalb des Objektes (mit Ausnahme von Frühsport und Härtetest) bzw. wurden wir per geschlossenem LKW ins Umland chauffiert Die meisten von uns wussten zum Anfang gar nicht, wo sie genau waren, ich wusste es nur, weil ich die Gegend schon vor meiner Armeezeit durch meine Berufsausbildun kannte. Post war ganz normal möglich, die Adresse war wimre ein Postfach in Lassahn. Pakete wurden allerdings ganz offen kontrolliert.


andy


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#68

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.06.2016 01:47
von B208 | 1.328 Beiträge

@andy ,

gab es besondere Anweisung für den Fall von BGS Überwachungsflügen im Bereich Schaalsee ? Oder überhaupt für den Fall der Annäherungen von Luftfahrzeugen ?
Oder ist Dir aufgefallen , dass die Ausbilder bei erkennen von Luftfahrzeugen besondere Maßnahmen anordneten ?
Oder gab es über die Funkaufklärung Infos über Hubschrauberaktivitäten und der Dienstablauf wurde geändert und in die Gebäude verlegt .
Hast Du mal einen BGS Hubschrauber gesehen und hast Dir dann Gedanken über den Grenzverlauf gemacht . War ja keine grosse Entfernung .

Wie war es mit ganz alltäglichen Dingen bestellt ?
Verpflegung z.B. , wer hat für Euch gekocht ? Zivis ? Woher kamen die Lebensmittel ?

B208


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#69

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.06.2016 13:06
von andy | 1.199 Beiträge

Hallo Hannes,

also ich kann mich an derartiges gar nicht erinnern und selbst wenn, was hätten die aus der Luft schon sehen können? Der Sportgarten war wimre aus der Luft von der Westseite nicht einsehbar, da zum See hin stark mit großen Bäumen bewachsen. In dem Bereich, der einsehbar war, fanden keine Ausbildungsaktivitäten statt, was also hätte der BGS da schon sehen können? Das sie daran interessiert gewesen wären wenn sie gewusst hätten, was da für eine Schule ist, ist ja klar.
Hatte der BGS oder wer auch immer denn Kenntnis von dieser Einrichtung?

Wie war es mit den alltäglichen Dingen. Gute Frage nach einer so langen Zeit.
Von Mo. - Fr. wurde morgens 0600 durch den diensthabenden Gruppenführer (GF) geweckt und fünf min später war draussen in EsKs-Hose mit Stiefeln und freiem Oberkörper oder, wenn befohlen in Schwarzkombi anzutreten (übrigens zu jeder Jahreszeit). Dann gab es entweder den obligatorischen 5000 m - Lauf oder andere Spielerein im Sportgarten - es war jedenfalls immer ziemlich schweisstreibend. Danach war schüsseln angesagt und um 0700 gab es Frühstück mit frischen Brötchen, Puddingsuppe, Rührei, Wurst, Käse und Marmelade - es war immer sehr reichhaltig. Ab 0800 ging der Dienstbetrieb mit praktischer oder theoretischer Ausbildung im Sportgarten oder im Lehrkabinett los. In der theroetischen Ausbildung waren dann so Themen wie Regeln der Konspiration, Orientierung in der Natur, Ernährung aus der Natur (mit dem Fang und der Zubereitung von Fischen am offenen Feuer), Grundlagen der Observation, Fotografie verdeckt und offen, Arbeit im Fotolabor, in relatv geringem Umfang Sprengtechnik, die Erstellung von Aufenthaltslegenden und ihre Anwendung und was weiss ich noch alles zu pauken. Zumindest mir wurde das nie langweilig - im Gegenteil, es war neu und spannend. Das ging in der Regel bis gegen 1400, zwischendurch gab es Mittag und am Nachmittag tummelten wir uns dann im Sportgarten: Training an Elementen der Kampfbahn wie oberer und unterer Laufbalken, Drahtseil, Reifentunnel Gitternetz, Leitersprossen, die obligatorische Eskaladierwand, die Häuserwand usw.; dann Kraft- und Ausdauertraining mit Hantel, Kreistrainig, Klimmzüge, Beugestützen usw.; milit. Nahkampf wurde wimre in Stintenburg zwar trainiert, es war aber mehr ein Grundlagentraining als ein Intensivausbildung. Hinzu kamen immer wieder kürzere Eilmärsche (5-10 km), die fast im Laufschritt zu absolvieren waren oder eben längere Märsche mit Aufklärungsaufgaben und immer verbunden mit der Orientierung im Gelände mit oder ohne Karte und mit oder ohne Kompass. Da wurde schon der eine oder andere km zusätzlich gelaufen, weil die Orientierung mit Marschrichtungszahl und Doppelschritten erst gelernt und geübt werden musste. Gegen 1800 war in der Regel Dienstschluss und es gab Abendbrot und danach Freizeit. Die Verpflegung war in meiner Erinnerung sehr gut, immer ausreichend und reichhaltig. Fresspakete von zu Hause waren eigentlich nich nötig. Ich glaube, wir hatten 2 oder 3 UaZ, die abwechselnd für das Futter sorgten und die haben sich immer sehr bemüht, was anständiges auf den Tisch zu bringen. Einmal mussten wir einen von ihnen aber insgeheim abmahnen. Er hatte Nieren geschmort und die stanken so elend dass wir ihm drohten, wenn er so was nochmal macht, würden wir mit ihm in den Sportgarten gehen. Es kam aber nie wieder vor, dass wir was zu meckern hatten. Im Objekt gab es eine kleine Verkaufsstelle, in der man alles mögliche, ausser Alkohol kaufen konnte und was es nicht gab, hat die Verkäuferin dann besorgt. Das Objekt hatte einen Klubraum mit einer kompletten Diskoanlage, Tonbandgeräten und einem Mischpult. Die Anlage habe ich mir sofort unter den Nagel gerissen und die durfte kein anderer bedienen. In der Freizeit und am WE konnte man dort auch mal ein schönes Stück Torte mit einem richtig guten Kaffee geniessen. Der Tagesablauf war insgesamt streng durchorganisiert, an Leerlauf in der Dienstzeit kann ich mich nicht erinnern. Die abendliche Freizeit hat man entweder zum regenerieren oder zum lernen genutzt - das theoretisch vermittelte Wissen wurde nämlich in Form von Klassenarbeiten auch abgefragt - eben wie in einer richtigen Schule. Wimre gab es alle drei Wochen Urlaub, immer abwechselnd einen vKU (ab Freitag Mittag) und einen KU (ab Freitagabend). Dazu wurden wir in Zivil zum Bahnhof nach Hagenow gefahren, viele von uns kamen aus dem Berliner Raum sowie Dresden und Leipzig und dann ging es heim. Sonntagabend hatten wir uns bis 2200 wieder in Hagenow einzufinden. Alkohol spielte auf der Rückreise keine große Rolle denn jeder wusste, der Montagfrüh kommt bestimmt (Frühsport).
In der Geländeausbildung wurden dann solche Dinge wie der Bau von Beobachtungsstellen gelernt und auch in der Praxis trainiert. Für die B-Stellen gruben wir uns z.B. an einem Hang an einer Strasse ein und hatten zu Übungszwecken den Verkehr zu dokumentieren. Ein anderes mal legten wir B-Stellen unmittelbar an einem NVA-Objekt an und dokumentierten über drei Tage den UE-Verkehr, vom Zaun bis zum Dorfkonsum. Die Fotodokumentation landete dann wohl über die Militärabwehr auf dem Schreibtisch des Komandeurs ...
Die Orientierungsmärsche hatten i.d.R. gedeckt zu erfolgen, d.h. Ortschaften waren grundsätzlich zu umgehen und das wurde auch kontrolliert. Also mal eben im Dorfkonsum etwas kaufen ging nicht, zumal das mitführen von Geld formal verboten war. Ich kann mich an ein 4tägiges Hungerlager erinnern, zu dem wir mit kleinem "Handgepäck" (Kartentasche und Teil 1 vom Sturmgepäck) ausrücken mussten. Dazu gab es für 7 junge hungrige Männer eine Tüte mit Zwiebeln und so ca 300-400 gr fetten geräucherten Speck - und das für 4 Tage mit Märschen und Aufklärungsaufgaben. Nach dem ersten Tag hatte die Nachtwache, die auch auf die Verpflegung aufzupassen hatte, die Hälfte des Specks aufgefuttert - er konnte nicht an sich halten. Nun hatten wir allerdings in unserer Kartentasche die Möglichkeit, einige nützliche Dinge mitzuführen, verboten waren nur fertige Lebensmittel, Getränke und Geld. So wie wir es gelernt hatten, hatten einige von uns eine Dose Mehl, löslichen Tee, Backpulver und Salz dabei. Daraus stellten wir einen Teig her und backten uns auf dem Feldspaten über offenem Feuer leckere Fladen. Ich hatte in meiner Kartentasche zusätzlich Angelsehne mit Haken und Pose und es gelang uns tatsächlich in einem See zwei Fische zu fangen, die wir ebenfalls über offenem Feuer braten konnten. Dazu gab es Waldfrüchte, Sauerampfer u.ä., verhungert sind wir jedenfalls nicht.
Ein anderes mal wurden wir abends gegen 2200 in der Nähe von Schwerin im Wald mit der Aufgabe abgesetzt, in Schwerin verschiedene Objekte aufzuklären, u.a. die Bezirksbehörde der VP. Dazu waren Lageskizzen und eine Fotodokumentation zu erstellen. 3 Mann mussten zusätzlich zur eigentlichen Ausrüstung Zivilklamotten mitführen. 3 Tage später hatten wir uns am Absetzort wieder einzufinden. Wir suchten uns also am Schweriner Stadtrand eine Art Ausgangsbasis, bauten unser Lager aus (incl. Latrine) und warteten auf den nächsten Morgen. Gegen 0500 wurden wir unsanft durch Motorengedröhn aus dem Schlummerschlaf geweckt und stellten entsetzt fest, dass um uns herum eine Panzerfahrstrecke war und Kolja gerade an diesem Morgen fleissig üben wollte. Da hatten wir wohl alle richtig Angst (ich schrieb das aber irgendwo schon mal).

Während dieser Übungen hatten wir übrigens keinerlei Papiere dabei, mit denen wir uns bei evtl. Kontrollen im Stadtgebiet von SN hätten ausweisen können. Es gab lediglich für jeden von uns einen versiegelten Brustbeutel, den wir bei Kontrollen hätten öffnen müssen. Was da genau drin war weiss ich nicht. Wird aber so etwas wie ein Dienstauftrag mit einer Telefon-Nr. gewesen sein. Musste man den öffnen, galt man allerdings als "tot" und die Übung wurde mit ner 5 bewertet.

Alles in allem waren das aufregende Monate für uns Jungspunde, irgendwie wie Räuber und Gendarm und wir waren immer die Guten...


andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
zuletzt bearbeitet 29.06.2016 13:14 | nach oben springen

#70

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.06.2016 13:35
von berlin3321 | 2.516 Beiträge

Sehr interessant, Andy. Danke.

MfG Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#71

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.06.2016 16:09
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.492 Beiträge

Danke Andy, das war sehr aufschlußreich und interessant.
Existiert noch etwas von Stintenburg?, Kann man sich heute noch etwas anschauen?

gruß Bernd


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#72

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.06.2016 16:42
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von hundemuchtel 88 0,5 im Beitrag #71
...
Existiert noch etwas von Stintenburg?, Kann man sich heute noch etwas anschauen?

gruß Bernd



Die Stintenburg gibts auch heute noch. Allerdings erinnert schon lange nichts mehr an die ehemalige Nutzung. Der Betrieb der Schule wurde bereits 1985 eingestellt und der Sportgarten geschliffen.
Schau mal hier:

https://www.youtube.com/watch?v=IjALK2J5LMU

Das Ausbildungsgelände mit dem eigentlichen Gutshaus der Fam. von Berntsdorff wird in den ersten 5 min. gezeigt. Im 1. OG waren ganz links das GF-Zimmer und die anderen Räume waren ebenfalls Unterkünfte. Im UG war ganz rechts der Clubraum, die restlichen Räume waren Dienstzimmer und Küche, der Speisesaal ging nach hinten raus. Der Sportgarten ist aus der Luftperspektive rechts vom Gutshaus ansatzweise zu sehen. Hinter dem Gutshaus stehen die zwei Garagen für den LO und den W 50, das Lehrkabinett ist nicht zu sehen.

Ironie der Geschichte: Nach der Wende lernte ich ein Mitglied der Fam. von Bernstorff kennen, der als RA arbeitet und mit dem arbeite ich heute noch zusammen. Der war ziemlich baff, als er die Geschichte des Familienanwesens hörte meinte dann aber, so wurde es wenigstens gepflegt.


andy


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damals wars, vs1400, hundemuchtel 88 0,5 und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#73

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.06.2016 16:52
von Sonne | 510 Beiträge

Zitat von Feliks D. im Beitrag #2
Wo hast Du denn diese Story her?


was weißt du darüber?


Gruß Sonne

05/66-10/67
18 Monate meiner Jugend
in Glowe, Rothesütte, Elend


Wer Stroh im Kopf hat, fürchtet den Funken der Wahrheit.
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#74

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.06.2016 16:57
von andy | 1.199 Beiträge

Ich verstehe Deine Frage nicht so richtig. Meinst Du die weitere Verwendung der Kursanten?
Dann lese das Thema mal weiter, das steht viel drin und wurde von mir auch so erlebt und teilweise komentiert.

andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
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#75

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.06.2016 18:05
von Sonne | 510 Beiträge

Die Frage gilt Felix.D der alles besser weiß !!


Gruß Sonne

05/66-10/67
18 Monate meiner Jugend
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Wer Stroh im Kopf hat, fürchtet den Funken der Wahrheit.
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#76

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.06.2016 19:56
von andy | 1.199 Beiträge

Na, da wird wohl keineAntwort mehr kommen.


andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
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#77

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.11.2016 13:31
von Fred.S. | 165 Beiträge

Zitat von Gast im Beitrag #1
Der Begriff Stintenburg meint die "Zentralschule der HA I des MfS" im damaligen Bezirk Schwerin, bei Lassahn am Schaalsee.
Hier wurden in einem villenähnlichen Anwesen, auf einer Insel, direkt an der Grenzlienie , insbesondere aus Perleberg rekrutierte "klassenbewußte" U.Schüler für den Einsatz in der Einsatzkompanie (des MfS) vorbereitet und ausgebildet. Die Angehörigen des halbjährigen Lehrganges hatten ohne ihre Kenntnis den Status eines hauptamtlichen inoffiziellen Mitarbeiters (HIME). Nach außen war das Objekt als eines der Grenztruppen beteichnet. Die Auszubildenten wurden auch als Angehörige der GT geführt. Offizielles Ausbildungsziel war das eines Grenzaufklärers (!). Tatsächlich waren die dortigen Ausbilder und Dienstoberen (Uffz./Offz. in GT-Uniform) Mitarbeiter der HA I des MfS.
Spezielle Ausbildungsinhalte wie Observation, Nahkampf oder Fotografieren sind als Vorbereitung für den Einsatz eines IM`s in den Truppen (nicht nur GT!!!) kriert wurden. Nach der Ausbildung in Stintenburg gelangten die Angehörigen per Versetzung meist nach Bln. Karlshorst oder zur Einsatzkompanie Schulzendorf. Hier wurden die Angehörigen dann per Schweigeverpflichtung dem MfS unterstellt.Von da aus wurden konspirative Einsätze in der Truppe vorbereitet und geplant. (Hierzu bestehrt im Internet gut zu vertehendes Informationsmaterail.)
Alternativ (bei Nichteignung von Angehörigen) waren Sicherungseinsätze, insbesondere in Objekten der HA I / MfS vorgesehen. Was nichts anderes als Objektwache war.
Die Zentralschule sowie die Einsatzkompnie wurden allerdings bereits 1985 aufgelöst. Offiziell wurde diese Tätigkeitsbeendigung mit der Umstruktuierung der Landesverteitigung bei GT und MfS begründet. Ob andere Gründe, z.B. Enttarnungen der inoffiziellen Tätigkeiten ausschlaggebend waren, ist mir nicht bekannt.
P.S.: Parteiangehörigkeit von U-Schülern war nach meines Wissens nicht strikt erforderlich, ein Eintritt war allerdings während der 3- jährigen Dienstzeit alternativlos.
Gruß,
Niclas


Während der Nazizeit hatte hier ein Herr Bonhoeffer, dessen Namen unsere Klinik heute trägt in einen kleinen Freundeskreis immer zu Diskussionsrunden geladen, gegen das Naziregime. Alle verhaftet und hingerichtet worden.
Wir wurden dort als Einzelkämpfer ausgebildet um für den Fall, wenn uns die damalige Bundeswehr mit den NATO-Truppen uns überfallen und unser Gebiet besetzt hielten, Terrorakte, Objekte sprengen,die Soldaten töten, einzeln oder in Gruppen durchzuführen.
Den Sprengstoffgürtel gab es Damals noch nicht.


thomas 48 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#78

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.11.2016 13:42
von Merkur | 1.018 Beiträge

Zitat von Fred.S. im Beitrag #77

Den Sprengstoffgürtel gab es Damals noch nicht.


Der hätte gegen neuralgische Punkte wie Brücken oder Eisenbahnknotenpunkte auch wenig Sinn gemacht. Außerdem sollte der Kämpfer nach Erfüllung seines Auftrages möglichst zurückkehren.



zuletzt bearbeitet 06.11.2016 13:45 | nach oben springen

#79

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.11.2016 15:54
von Fred.S. | 165 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #72
Zitat von hundemuchtel 88 0,5 im Beitrag #71
...
Existiert noch etwas von Stintenburg?, Kann man sich heute noch etwas anschauen?

gruß Bernd



Die Stintenburg gibts auch heute noch. Allerdings erinnert schon lange nichts mehr an die ehemalige Nutzung. Der Betrieb der Schule wurde bereits 1985 eingestellt und der Sportgarten geschliffen.
Schau mal hier:

https://www.youtube.com/watch?v=IjALK2J5LMU

Das Ausbildungsgelände mit dem eigentlichen Gutshaus der Fam. von Berntsdorff wird in den ersten 5 min. gezeigt. Im 1. OG waren ganz links das GF-Zimmer und die anderen Räume waren ebenfalls Unterkünfte. Im UG war ganz rechts der Clubraum, die restlichen Räume waren Dienstzimmer und Küche, der Speisesaal ging nach hinten raus. Der Sportgarten ist aus der Luftperspektive rechts vom Gutshaus ansatzweise zu sehen. Hinter dem Gutshaus stehen die zwei Garagen für den LO und den W 50, das Lehrkabinett ist nicht zu sehen.

Ironie der Geschichte: Nach der Wende lernte ich ein Mitglied der Fam. von Bernstorff kennen, der als RA arbeitet und mit dem arbeite ich heute noch zusammen. Der war ziemlich baff, als er die Geschichte des Familienanwesens hörte meinte dann aber, so wurde es wenigstens gepflegt.
ja, darauf wurde allerdings geachtet, man ging wirklich sorgsam mit dem Mobilar besonders im Clubraum um, wo ich mich am liebsten aufhielt. Und ich musste sogar einen kleinen Plattenwegweg vom Haus an der Hinterseite verlegen, damit das Küchenpersonal trockenen Fußes zu den Abfallbehältern kam.

andy


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#80

RE: Stintenburg

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.11.2016 17:49
von andy | 1.199 Beiträge

Hallo Fred, wann warst Du denn in Stintenburg?

andy


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