#161

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 07:32
von Rüganer (gelöscht)
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Wenn ich diese theoretischen Abhandlungen über Plan – und Marktwirtschaft hier lese, dann sträuben sich mir die Nackenhaare. Männer, was habt ihr denn alle in der alten DDR gemacht, dass ihr so toll in der Kenntnis der Planwirtschaft seid?
Ich war bis nach Berlin für eine Kühltruhe, von Neuruppin nach Berlin – dort und nur dort gab es welche im Laden. War toll, heute bestellt man die im Katalog oder nimmt sie im Technikmarkt mit, dies hätte die DDR niemals hinbekommen. Es war keine Planwirtschaft, es war eine Mangelwirtschaft, die zu dem Erblühen einer Schattenwirtschaft geführt hat, denn wie anderes will man das Horten von Ersatzteilen, den Tauschhandel oder die sogenannte Konsumgüterproduktion der DDR bezeichnen.
Theoretisch, so wie hier über große Strecken diskutiert wird, theoretisch und mit großem Maul hat immer alles geklappt, in der Praxis klappten doch nur die Türen.
Wenn wir im Heizhaus des Betriebes hier auf Rügen ein Saugzuggebläse brauchten, dann hätten wir dies 5 Jahre zuvor wissen müssen? Heute ruft man in der Firma an, die Saugzuggebläse herstellt und hat so ein Ding, damals musste man etwas zum Tauschen haben, wie z.B. einen Ferienplatz auf Rügen. Schattenwirtschaft, nenn ich so was.
Wenn ich mich 1986 mit Schmiergeld bei der Baustoffversorgung eingeschlichen habe und dann doch nur über Beziehungen meine Gasbetonsteine bekam und die auch nur deswegen, weil die Baustoffversorgung den Waggon frei haben musste und ich über die Technik eines landwirtschaftlichen Betriebes verfügte und somit 2 Traktoren und 4 Hänger hatte, dann vergleiche ich es gerne mit heute. Der Baustoffhandel „schenkt“ mir noch diverse Dinge dazu, wenn sein LKW mir die Paletten mit Yton-Steinen auf die Baustelle bringen darf. Niemals hätte dies die DDR hinbekommen, wer dies bestreiten will, steht nicht mehr auf dem Boden der Realitäten!
Wenn wir hier im ehemaligen Bezirk Rostock schon bis in den Süden der Republik für anständiges Bier gefahren sind, oder eben die Urlaubsgäste dies Bier Kastenweise mitbringen mussten, dann war dies ein Zeichen für gelungene Planwirtschaft? Ob nun langfristige Pläne, mittelfristige Pläne, kurzfristige Pläne – eines hatten sie alle gemeinsam, sie waren für die Katz und Augenauswischerei.
„Und ist der Plan auch gut gelungen – bestimmt verträgt er Änderungen“... so begann ein DDR – bekanntes Gedicht über die Planer.
Theoretisch drüber diskutieren – damals reichten eben auch 20 Liter Diesel für einen Monat und einen Multicar, theoretisch...
Waren die Diskutanten denn hier alle nicht in der Praxis? Oder sind sie alle so jung, dass sie die Realität der DDR nicht mehr kennen können und deswegen so ein verklärtes Bild von der ökonomischen Situation der 80iger Jahre haben?
Bilanzanteile, LV-Vorhaben, Begriffe, die Leute kennen sollten die mit der Planwirtschaft gearbeitet haben und mit deren Ergebnissen. Wenn man keine Bilanzanteile bekam, dann war es vorbei mit dem Plan, dann musste man sich etwas einfallen lassen, wie man trotzdem die Produktion sicherstellen konnte. Erfindergeist war gefragt, Erfindergeist wurde belohnt – finanziell, wie auch gesellschaftlich, insofern habe ich auch mit dieser Mangelwirtschaft noch gut leben können, aber gesund im volkswirtschaftlichen Sinne war dies alles nicht.
Richtig ist, man plant heute auch, aber es sind reale Pläne und die Reaktionszeit auf einsetzenden Bedarf ist ganz anders.
Also Leute, erinnert euch doch bitte daran, wie die Realität ausgesehen hat, bevor ihr hier ein farbenfrohes Bild der untergegangenen DDR malt, mit Farben war das damals auch so eine Sache...


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#162

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 07:53
von Pit 59 | 10.123 Beiträge

So ist es Rüganer.Wieviel mal denn noch : Meine Frau war Sekretärin bei einem Produktionsdirektor eines Kombinates.Die kann ein Lied davon Singen wie die Pläne jeden Monat Zusammengeschwindelt wurden.Da wurde Zeug abgerechnet,wo das Material noch nicht mal im Hause war.So war es nun mal,und da beisst die Maus keinen Faden ab. Die Erichs musste ja Zufriedengestellt werden,auf dem Papier.

P.S. Sie sagt gerade,eine Position waren immer Ersatzteile,dafür hatte man im Monat aber keine Zeit,also Abrechnen was gar nicht da war.Wie es in anderen Betrieben war,kann ich nicht sagen,aber es muss ja genau so gewesen sein,bei der Fülle des Angebotes.
Und von wegen ABI und so,die haben das mit Unterschrieben. Wo waren denn in den ganzen jahren die IM ? Haben sie es nicht gesehen oder wollten sie es nicht.


zuletzt bearbeitet 11.07.2012 09:54 | nach oben springen

#163

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 08:10
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Rüganer im Beitrag #161
Wenn ich diese theoretischen Abhandlungen über Plan – und Marktwirtschaft hier lese, dann sträuben sich mir die Nackenhaare. Männer, was habt ihr denn alle in der alten DDR gemacht, dass ihr so toll in der Kenntnis der Planwirtschaft seid?
Ich war bis nach Berlin für eine Kühltruhe, von Neuruppin nach Berlin – dort und nur dort gab es welche im Laden. War toll, heute bestellt man die im Katalog oder nimmt sie im Technikmarkt mit, dies hätte die DDR niemals hinbekommen. Es war keine Planwirtschaft, es war eine Mangelwirtschaft, die zu dem Erblühen einer Schattenwirtschaft geführt hat, denn wie anderes will man das Horten von Ersatzteilen, den Tauschhandel oder die sogenannte Konsumgüterproduktion der DDR bezeichnen.
Theoretisch, so wie hier über große Strecken diskutiert wird, theoretisch und mit großem Maul hat immer alles geklappt, in der Praxis klappten doch nur die Türen.
Wenn wir im Heizhaus des Betriebes hier auf Rügen ein Saugzuggebläse brauchten, dann hätten wir dies 5 Jahre zuvor wissen müssen? Heute ruft man in der Firma an, die Saugzuggebläse herstellt und hat so ein Ding, damals musste man etwas zum Tauschen haben, wie z.B. einen Ferienplatz auf Rügen. Schattenwirtschaft, nenn ich so was.
Wenn ich mich 1986 mit Schmiergeld bei der Baustoffversorgung eingeschlichen habe und dann doch nur über Beziehungen meine Gasbetonsteine bekam und die auch nur deswegen, weil die Baustoffversorgung den Waggon frei haben musste und ich über die Technik eines landwirtschaftlichen Betriebes verfügte und somit 2 Traktoren und 4 Hänger hatte, dann vergleiche ich es gerne mit heute. Der Baustoffhandel „schenkt“ mir noch diverse Dinge dazu, wenn sein LKW mir die Paletten mit Yton-Steinen auf die Baustelle bringen darf. Niemals hätte dies die DDR hinbekommen, wer dies bestreiten will, steht nicht mehr auf dem Boden der Realitäten!
Wenn wir hier im ehemaligen Bezirk Rostock schon bis in den Süden der Republik für anständiges Bier gefahren sind, oder eben die Urlaubsgäste dies Bier Kastenweise mitbringen mussten, dann war dies ein Zeichen für gelungene Planwirtschaft? Ob nun langfristige Pläne, mittelfristige Pläne, kurzfristige Pläne – eines hatten sie alle gemeinsam, sie waren für die Katz und Augenauswischerei.
„Und ist der Plan auch gut gelungen – bestimmt verträgt er Änderungen“... so begann ein DDR – bekanntes Gedicht über die Planer.
Theoretisch drüber diskutieren – damals reichten eben auch 20 Liter Diesel für einen Monat und einen Multicar, theoretisch...
Waren die Diskutanten denn hier alle nicht in der Praxis? Oder sind sie alle so jung, dass sie die Realität der DDR nicht mehr kennen können und deswegen so ein verklärtes Bild von der ökonomischen Situation der 80iger Jahre haben?
Bilanzanteile, LV-Vorhaben, Begriffe, die Leute kennen sollten die mit der Planwirtschaft gearbeitet haben und mit deren Ergebnissen. Wenn man keine Bilanzanteile bekam, dann war es vorbei mit dem Plan, dann musste man sich etwas einfallen lassen, wie man trotzdem die Produktion sicherstellen konnte. Erfindergeist war gefragt, Erfindergeist wurde belohnt – finanziell, wie auch gesellschaftlich, insofern habe ich auch mit dieser Mangelwirtschaft noch gut leben können, aber gesund im volkswirtschaftlichen Sinne war dies alles nicht.
Richtig ist, man plant heute auch, aber es sind reale Pläne und die Reaktionszeit auf einsetzenden Bedarf ist ganz anders.
Also Leute, erinnert euch doch bitte daran, wie die Realität ausgesehen hat, bevor ihr hier ein farbenfrohes Bild der untergegangenen DDR malt, mit Farben war das damals auch so eine Sache...



Trotzdem hat alles eine Kausalität und unsere nachträglichen Denkmodelle haben nur ausnahmsweise mit Verklärung von Tatsachen zu tun.
Die DDR ist nicht primär gegründet worden, um Leute zu bespitzeln oder künstlichen Mangel zu organisieren- am Anfang dieser Kette steht nun mal der Mensch, der erst mal froh war, den 2. Weltkrieg überstanden zu haben.
Es ging weiter im Monopolyspiel der Systeme mit der einen Republik, die mit der komplett vermieteten Schloßallee (Marshallplan) starten durfte und der anderen, die mit 1000 Mark aus dem Gefängnis kam (Reparationen bis zum Schluß).
Die Orientierung in Richtung Westen war in der Folge fast immer bei denen am weitesten ausgeprägt, die 20 % an der Werkbank ablieferten und am lautesten losplärrten, wenn nicht 100 % im Regal lagen, es ist nicht mehr und nicht weniger als die Unzulänglichkeit des Menschen, die das System zu Fall brachte.
Mein Wechsel in eine neue Firma vor ca. sieben Jahren war so etwas wie ein deja vu mit meinem DDR- Biografieanteil (23 Jahre).
Es kamen Leute zu uns, die teilweise Hartz 4- Karrieren und prekärste Arbeitsverhältnisse hinter sich hatten und plötzlich mehr als das sechsfache Einkommen bezogen.
Da wurden erst mal Einkäufe getätigt, BMW's angeschafft und sogar aus der Provinz nach Berlin gezogen, man ist jetzt wer.
Im weiteren Verlauf merkte man aber, daß ein Arbeitsverhältnis bei der Privatbahn nur deshalb so gut bezahlt wird, weil man hier nicht die Gemütlichkeit einer Staatsbahn bieten konnte und man begann unverschämte Forderungen zu stellen- kleines Beispiel:

"Es ist unzumutbar 650 km pro Schicht zu fahren, erst recht wenn man vorher acht Stunden lang angereist ist, eigentlich reicht auch die Fahrt bis Karlsruhe (halbe Strecke) und zwar auch für 10 Stunden Arbeitszeit"

Solche und viele andere Wünsche wurden vorgetragen und wären wir jetzt in der DDR, hätte man sich genau darauf eingelassen mit der Konsequenz, die gewonnenen Züge wieder zu verlieren und das Konzept der DDR war nun mal so, jeden mitnehmen zu wollen auch solche die BMW fahren wollten und dabei trotzdem ausgeruht vom Dienst heimkehren wollten, die hatten zuletzt die Überhand gewonnen, so sehe ich das.

Der BMW der DDR waren aber die sozialpolitischen Maßnahmen, deren Wert man angesichts der eigenen Produktivität einfach nicht zu schätzen wußte, Bescheidenheit war damals wie heute ein Fremdwort- das Gras war immer anderswo grüner- nur ist das wirklich global betrachtet eine Triebkraft, die konstruktiv und nachhaltig wirkt angesichts der Rohstoffsituation und der neuen weltweiten Verteilungskämpfe um Ressourcen ?



zuletzt bearbeitet 11.07.2012 08:52 | nach oben springen

#164

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 08:12
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Man kann die Sichtweisen von Sozialismus-Theoretikern schon nachvollziehen, immerhin wurde eine angenommene Gesetzmäßigkeit vollkommen auf den Kopf gestellt, der angeblich schon verfaulte Kapitalismus setzte sich gegen den, ebenfalls angeblich starken Sozialismus durch, mit dem einhergehendem Triumph der für alle Zeit abgeschriebenen Marktwirtschaft.
Das zerstört jahrelang angeschulte Weltbilder.
Man spürt oft in Beiträgen hier die Hoffnung auf einen in kürze bevorstehenden Untergang des Kapitalismus, vermutlich um doch noch eine späte Genugtuum zu erfahren.


zuletzt bearbeitet 11.07.2012 08:17 | nach oben springen

#165

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 08:36
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #164
Man kann die Sichtweisen von Sozialismus-Theoretikern schon nachvollziehen, immerhin wurde eine angenommene Gesetzmäßigkeit vollkommen auf den Kopf gestellt, der angeblich schon verfaulte Kapitalismus setzte sich gegen den, ebenfalls angeblich starken Sozialismus durch, mit dem einhergehendem Triumph der für alle Zeit abgeschriebenen Marktwirtschaft.
Das zerstört jahrelang angeschulte Weltbilder.
Man spürt oft in Beiträgen hier die Hoffnung auf einen in kürze bevorstehenden Untergang des Kapitalismus, vermutlich um doch noch eine späte Genugtuum zu erfahren.


Man kann sich in der Marktwirtschaft sogar gegen den Untergang versichern, einfach swaps und puts kaufen, und aus der Ferne auf den crash wetten, und schon ist man heute genauso ein Held wie damals der Ossi mit dem zusammengeklauten und ergaunerten Ersatzteillager und den gehorteten Lebensmitteln.
Und nochmal, Systeme werden immer an der Unzulänglichkeit des Menschen scheitern und je mehr Macht die Spekulanten damals wie heute bekomnmen, desto fragiler wird ein System, das eigentlich für alle halten muß.
Das Politbüro ist gegen diese oder jene Abart von Spekulanten genauso machtlos gewesen wie es heute der Bundestag oder das EU- Parlament ist.
Mir persönlich würde es übrigens außerordentlich schlecht bekommen, wenn dieser Kapitalismus vor die Hunde geht.
Wie ich schon an anderer Stelle schrieb, verbrauche ich wegen meiner tatsächlich angeborenen DDR- Mentalität kaum ein Viertel meines Einkommens und da ich nicht langfristig für Papier gearbeitet haben will, bin ich nun immer noch Eigentümer von Produktionsmitteln, die möglicherweise weg wären, sollte alles kaputt krachen.
Das ist in der Tat schwer zu verstehen, wie man da noch dem Sozialismus nach trauert, aber am Ende des Lebens zählt nur eines und das ist die Summe der glücklichen Tage und die haben zumindest bei mir nichts mit Geld zu tun.



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#166

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 08:47
von Gert | 12.354 Beiträge

es ist schon ermüdend, wie einige vor mir posteten, hier die seitenlangen Posts anderer zu lesen über "was wäre wenn" Szenarien in der eh. DDR. Es werden noch einmal Schlachtformationen überprüft für Schlachten die längst verloren sind, sie haben es nur noch nicht gemerkt. Leute wacht auf aus eurem Traum, der Sozialismus ist untergegangen, platt ein für alle mal und der "verfaulende" Kapitalismus wird euch alle überleben.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#167

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 08:54
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Gert im Beitrag #166
es ist schon ermüdend, wie einige vor mir posteten, hier die seitenlangen Posts anderer zu lesen über "was wäre wenn" Szenarien in der eh. DDR. Es werden noch einmal Schlachtformationen überprüft für Schlachten die längst verloren sind, sie haben es nur noch nicht gemerkt. Leute wacht auf aus eurem Traum, der Sozialismus ist untergegangen, platt ein für alle mal und der "verfaulende" Kapitalismus wird euch alle überleben.




Die Zeichendeuter werden das anders sehen.


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#168

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 09:15
von damals wars | 12.113 Beiträge

Keiner wird gewungen, die Beiträge zu lesen, aber offensichtlich haben interessierte Kgreise doch ein Interesse an diesem Thema.
Und wenn ich sehe, wie ein Bankenknecht nach dem anderen bei den Kommunisten in China einfliegt, um zu betteln, komm ich vor Lachen nicht mehr in den Schlaf.
Oder wenn sich die EU und ihre Rettungskomitees und Troikas beschweren, das Zypern nicht bei Ihnen bettelt sondern sich die Kredite lieber in Russland holt.

Es gibt Alternativen, das ist gut zu Wissen in einer Zeit der planmäßigen "entwickelten alternativloser Ausplünderung der heutigen und der zukünftigen Generationen" zugunsten der Ackermänner.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#169

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 09:51
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #167
Zitat von Gert im Beitrag #166
es ist schon ermüdend, wie einige vor mir posteten, hier die seitenlangen Posts anderer zu lesen über "was wäre wenn" Szenarien in der eh. DDR. Es werden noch einmal Schlachtformationen überprüft für Schlachten die längst verloren sind, sie haben es nur noch nicht gemerkt. Leute wacht auf aus eurem Traum, der Sozialismus ist untergegangen, platt ein für alle mal und der "verfaulende" Kapitalismus wird euch alle überleben.




Die Zeichendeuter werden das anders sehen.



Das schöne daran ist das es die 'pro' und die 'anti' Zeichendeuter gibt. Welche sind denn genau gemeint?

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#170

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 10:09
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #169
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #167
Zitat von Gert im Beitrag #166
es ist schon ermüdend, wie einige vor mir posteten, hier die seitenlangen Posts anderer zu lesen über "was wäre wenn" Szenarien in der eh. DDR. Es werden noch einmal Schlachtformationen überprüft für Schlachten die längst verloren sind, sie haben es nur noch nicht gemerkt. Leute wacht auf aus eurem Traum, der Sozialismus ist untergegangen, platt ein für alle mal und der "verfaulende" Kapitalismus wird euch alle überleben.




Die Zeichendeuter werden das anders sehen.



Das schöne daran ist das es die 'pro' und die 'anti' Zeichendeuter gibt. Welche sind denn genau gemeint?

Gruß
Nostalgiker


Nostalgiker, ich glaube das wird jeder für sich selbst bestimmen, orientiert am politischen Standpunkt. So werden die Schlachten weiter geschlagen nach dem Motto z.B. "den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs' noch Esel auf"


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
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Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#171

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 10:10
von Rostocker | 7.715 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #166
es ist schon ermüdend, wie einige vor mir posteten, hier die seitenlangen Posts anderer zu lesen über "was wäre wenn" Szenarien in der eh. DDR. Es werden noch einmal Schlachtformationen überprüft für Schlachten die längst verloren sind, sie haben es nur noch nicht gemerkt. Leute wacht auf aus eurem Traum, der Sozialismus ist untergegangen, platt ein für alle mal und der "verfaulende" Kapitalismus wird euch alle überleben.




Gert ,da gebe ich Dir Recht,den Sozialismus wie er versucht wurde,zu Praktizieren--den wird es nicht mehr geben.
Aber die Schlachtformationen die längst verloren sind und vom Kapitalismus ausgingen und einige auch nicht überlebt haben.Die werden wohl fortbestehen.


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#172

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 10:14
von Rostocker | 7.715 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #170
Zitat von Nostalgiker im Beitrag #169
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #167
Zitat von Gert im Beitrag #166
es ist schon ermüdend, wie einige vor mir posteten, hier die seitenlangen Posts anderer zu lesen über "was wäre wenn" Szenarien in der eh. DDR. Es werden noch einmal Schlachtformationen überprüft für Schlachten die längst verloren sind, sie haben es nur noch nicht gemerkt. Leute wacht auf aus eurem Traum, der Sozialismus ist untergegangen, platt ein für alle mal und der "verfaulende" Kapitalismus wird euch alle überleben.




Die Zeichendeuter werden das anders sehen.



Das schöne daran ist das es die 'pro' und die 'anti' Zeichendeuter gibt. Welche sind denn genau gemeint?

Gruß
Nostalgiker


Nostalgiker, ich glaube das wird jeder für sich selbst bestimmen, orientiert am politischen Standpunkt. So werden die Schlachten weiter geschlagen nach dem Motto z.B. "den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs' noch Esel auf"




Ja nach den Motto--weit ab der Heimat und packen wir es an ,es gibt noch viel zu tun.


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#173

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 10:43
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@Rüganer,

Bilanzanteile, LV-Vorhaben......
Bilanzanteile berechtigten den Betrieb im aktuellen Planjahr die Menge an Material zu beziehen welche zur Realisierung der Produktion im selbigen Jahr notwendig war. Die Betriebe bekamen im Vorlauf (in der Regel ein halbes Jahr vorab) die ihnen zustehenden Bilanzanteile, für den Einkauf waren sie schon selbst zuständig.
Bilanzanteile hatten ebenfalls Prioritäten bzw. gab es Anteile welche auf Kombinatsebene, auf Ministeriumsebene und auf Plankommissionsebene vergeben wurden......
Bei den "Bilanzanteilen" wurden die Materialbestände aus den Vorjahren mit verrechnet......
Dies ist so manchem Betrieb auf die Füsse gefallen, weil er laut "Abrechnung" soundsoviel im Bestand hatte.
Beispiel (sehr einfach): laut Plan benötigte der Betrieb für die Herstellung eines Produktes 20 Tonnen Nirosta-Bleche 3mm. 1 Tonne Sicherheitreserve um Lieferschwierigkeiten zu Überbrücken. Laut Inventur lagerten im Betrieb aber noch 6 Tonnen von diesem Blech.
Also erhielt er einen Bilanzanteil 15 Tonnen (20 - 6 + 1(Reserve))
Hat also der Betrieb bei der Planabrechnung "beschissen" und die Jahresinventur deckte dies auf fiel ihm das auf die Füsse.

Bilanzanteiliges Material wurde bzw. konnte 2xmal im Jahr bestellt werden, nämlich wenn den Betrieben ihre Bilanzanteile übergeben wurden.
Nicht alle Materialien waren Bilanzpflichtig!

Ersatzteilmaterial unterlag einem besonderen Prozedere. Niemand kann bei Ersatzteilen voraussehen wann sie gebraucht werden und es plante auch hier keiner 5 Jahre im Vorraus weil dies schlicht nicht möglich war und ist.

LV-Vorhaben oder LV-Produktion ist eine Dringlichkeit oder Wertigkeitsstufe gewesen welche gegenüber dem Lieferanten als 'Druckmittel' angewendet werden konnte. Nur mußte dazu das Produkt, was immer es auch war, zentral die Einstufung LV-Produktion haben.
Daneben gab es NSW und SW Produktion, ach ja Inland gab es auch noch.
Die Hierarchie der Wichtigkeit kann sich jeder selber Zusammenstellen.......

@Pit 59, eine Planabmeldung im aktuellen Produktionsmonat wegen nicht gelieferten Materials war keine Schande, Voraussetzung war natürlich das Nachgewiesen wurde das der Lieferant trotz rechtzeitiger Bestellung und Lieferzusage nicht geliefert hatte.....

Bei Deiner Frau im Betrieb saß die ABI permanent mit am Tisch wenn Produktions- und Plansitzungen für den laufenden Monat waren? Interessant.
Das Du in diesem Zusammenhang IM's auf das Niveau von Petzen herabstufst enttäuscht ein wenig.

Wie jemand aus einer versuchten halbwegs sachlichen und keineswegs umfassenden Erläuterung zum Thema zum Thema 'Plan' und Ablauf der Planung in der DDR eine Verklärung selbiger und/oder ein Schönreden damaliger Realitäten erkennt wird wohl sein Geheimnis bleiben oder liegt es an seinem politischen Standpunkt? Nämlich mit heutigen Wissen und heutigen Erkenntnissen Prozesse von damals einzuschätzen und zu werten als hätte derjenige der dies macht selbiges Wissen(Heutiges) bereits damals gehabt.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
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außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#174

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 15:12
von Tobeck | 484 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #163


Trotzdem hat alles eine Kausalität und unsere nachträglichen Denkmodelle haben nur ausnahmsweise mit Verklärung von Tatsachen zu tun.
Die DDR ist nicht primär gegründet worden, um Leute zu bespitzeln oder künstlichen Mangel zu organisieren- am Anfang dieser Kette steht nun mal der Mensch, der erst mal froh war, den 2. Weltkrieg überstanden zu haben.
Es ging weiter im Monopolyspiel der Systeme mit der einen Republik, die mit der komplett vermieteten Schloßallee (Marshallplan) starten durfte und der anderen, die mit 1000 Mark aus dem Gefängnis kam (Reparationen bis zum Schluß).


Das Geld aus dem Marshallplan war nicht geschenkt, sondern nur ein Darlehen, das auch vollständig zurückgezahlt wurde. Im Übrigen bekamen die Westzonen nur 10 % der Marshallplangelder, den Rest andere Staaten. Die Bedeutung des Marshallplans für die Westzonen wird meiner Meinung nach überbewertet. Denn nach heutigem Gegenwert sind das nur 10 Mrd. US-Dollar. Was sind heute schon 10 Mrd. Dollar? Damit kann man keine Volkswirtschaft aufbauen. Nur mal als Vergleich - Griechenland hat in den letzten Jahrzehnten umgerechnet mehrere Marshallpläne geschenkt (!) bekommen.

Das Thema Reparationen und deren Auswirkungen ist in der Literatur umstrittenen. Es gibt Untersuchungen, nach denen die französische Besatzungszone die höchsten Pro-Kopf-Reparationen aller vier Besatzungszonen in den ersten 5 Jahren zu leisten hatte. So paradox es klingen mag, aber für die westlichen Zonen werden in der Literatur sogar einige Vorteile gesehen. Die Briten haben aus ihrer Besatzungszone - vor allem dem Ruhrgebiet - veraltete Maschinen herausgeschleppt und dann in der britischen Industrie eingesetzt. Diese veralteten Maschinen führten aber dann zu einem Wettbewerbsnachteil der britischen Industrie gegenüber der westdeutschen Industrie, die gezwungen war, mit neueren Maschinen zu arbeiten.

Man kann dennoch davon ausgehen, dass die sowjetischen Reparationen und der zu leistende Unterhalt für die sowjetischen Truppen für die DDR eine Bürde in der wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklung darstellten. Die westlichen Besatzungsmächte haben den Unterhalt ihrer Truppen selbst finanziert und stellten sogar einen Wirtschaftsfaktor da ( Arbeitsplätze für Zivilbeschäftigte, Aufträge für westdeutsche Betriebe, Gastronomie, KFZ-Betriebe, Mieteinnahmen für Mietwohnungen u.s.w.), der dem von Westdeutschland zu leistenden Unterhalt für die Instandhaltung der militärischen Einrichtungen gegenüber stand. Nur lässt sich eine marode Mangelwirtschaft nicht alleine mit zu leistenden Reparationen erklären. Das Wirtschaftssystem hat eine nicht zu unterschätzende Bedeutung, wie man auch am Vergleich von Nord- und Südkorea sehen kann.

Zitat von Hackel39 im Beitrag #163

Der BMW der DDR waren aber die sozialpolitischen Maßnahmen, deren Wert man angesichts der eigenen Produktivität einfach nicht zu schätzen wußte, Bescheidenheit war damals wie heute ein Fremdwort- das Gras war immer anderswo grüner- nur ist das wirklich global betrachtet eine Triebkraft, die konstruktiv und nachhaltig wirkt angesichts der Rohstoffsituation und der neuen weltweiten Verteilungskämpfe um Ressourcen ?



Um umfangreiche sozialpolitische Maßnahmen finanzieren zu können, braucht man aber eine starke Volkswirtschaft und man muss rechtzeitig erkennen, wann man die "Schraube" überdreht. Auch Schweden hatte in den achtziger Jahren den Sozialstaat immer weiter ausgebaut, der mit Spitzensteuersätzen bei der Einkommenssteuer von 80 % finanziert werden sollte. Aber irgendwann funktionierte das nicht mehr, als die Einnahmen aus der Einkommensteuer zurückgingen, weil das Kapital das Land verließ. Also steuerte man dagegen und senkte wieder die Einkommensteuer. In den USA hat eine Politik mit hohen Einkommensteuersätzen (bis über 90 %) länger funktioniert (1930 bis 1960). Die Führung in der DDR besaß aus ideologischen Gründen nicht die Flexibilität, auf Fehlentwicklungen rechtzeitig zu reagieren. Da wurde starrsinnig bis zum Untergang an einer einmal festgelegten Linie festgehalten.


zuletzt bearbeitet 11.07.2012 15:15 | nach oben springen

#175

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 18:34
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@Tobeck,
nach Deinen Aussagen hätte es doch der DDR bestens gehen müssen, schleppten doch die 'Befreier' fast alles was auch nur aussah wie ein Teil einer Industrieanlage gegen Osten......

"468.000 Werkzeugmaschinen, zwei Millionen Elektromotoren, 117 Generatoren und Turbinen, 168 Kaltwalzstraßen, 12.500 Dampflokomotiven, 500.000 Güterwaggons, etwa drei Millionen Tonnen Gleise ..."

"Demontiert und abtransportiert wurden unter anderem die komplette Ausrüstung zweier Krankenhäuser, die Einrichtung des städtischen Schlachthofes sowie zwei zerstörte Wassertürme. Im Schlachthof wurde alles abgebaut und ausgeführt, nicht nur Maschinen, sondern auch Büro- und Telefonanlagen."

"Bis Anfang 1948 verließen über 210.000 Eisenbahnwaggons mit demontierten Industrieanlagen und anderen Gütern die ostdeutschen Gebiete jenseits von Oder und Neiße.[Gemeint sind hier die Gebiete östlich der Oder, hauptsächlich Schlesien und Pommern] Aus der sowjetischen Besatzungszone kamen bis 1950 noch einmal 600.000 Waggons hinzu. Nur zum Teil war Stalins Beutezug durch Beschlüsse der Alliierten gedeckt. Doch mit seinem raschen und rigorosen Vorgehen schuf der sowjetische Diktator Fakten."

"Während die westlichen Länder (mit Westdeutschland) vom Marshallplan profitierten und sich wirtschaftlich frei entwickeln konnten, plünderte die Sowjetunion ihre Satelliten erbarmungslos aus. Schlimmer noch, sie zwang diesen Ländern ein wirtschaftliches System nach sowjetischem Vorbild auf, welches das Bestehende zerstörte und militarisierte, was fatale soziale und wirtschaftliche Verwerfungen zur Folge hatte."

Weder auf der Konferenz von Jalta noch auf der Konferenz von Potsdam gelang es, eine feste Reparationssumme zu fixieren. Stattdessen sollte jede Siegermacht ihre Reparationsforderungen im Wesentlichen aus ihrer eigenen Besatzungszone befriedigen. Mit dieser Regelung wurde Deutschland de facto reparationspolitisch geteilt.

Die Marshallplanhilfe betrug insgesamt fast 14 Milliarden US-Dollar, Westdeutschland erhielt davon ca. 1,4 Milliarden. Die Gesamtsumme entspricht im heutigen Geldwert etwa 100 Milliarden USD.
Und 100 Milliarden sind auch Heutzutage kein Klacks....

Erst in den sechziger Jahre hat sich Süd-Korea von einem Agrarstaat in eine Industrienation verwandelt. Davor war Nord-Korea die dominierende Industrienation, zumal der Süden des Landes Rohstoffarm ist.

Den Verfall oder Abstieg des östlichen Wirtschaftssystem nur mit dem politischen System zu begründen ist zu einfach.

Beide Supermächte gründeten ihre Macht nach 1945 unter anderem auch auf ihre Expansionspolitik. Statt auf wirtschaftliche Innovation setzten sie auf Erweiterung und Sicherung ihres Machtbereiches um ihn auszuplündern....
Die eine Supermacht brach 1990 in sich zusammen, mal sehen wie lange es die Verbliebene noch durchhält.......

Kursive Textstellen sind Zitate aus:
Bogdan Musial: Stalins Beutezug. Die Plünderung Deutschlands und der Aufstieg der Sowjetunion zur Weltmacht,
Propyläen Verlag/Berlin, 2010


Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

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aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#176

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 19:38
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Tobeck im Beitrag #174
Zitat von Hackel39 im Beitrag #163


Trotzdem hat alles eine Kausalität und unsere nachträglichen Denkmodelle haben nur ausnahmsweise mit Verklärung von Tatsachen zu tun.
Die DDR ist nicht primär gegründet worden, um Leute zu bespitzeln oder künstlichen Mangel zu organisieren- am Anfang dieser Kette steht nun mal der Mensch, der erst mal froh war, den 2. Weltkrieg überstanden zu haben.
Es ging weiter im Monopolyspiel der Systeme mit der einen Republik, die mit der komplett vermieteten Schloßallee (Marshallplan) starten durfte und der anderen, die mit 1000 Mark aus dem Gefängnis kam (Reparationen bis zum Schluß).


Das Geld aus dem Marshallplan war nicht geschenkt, sondern nur ein Darlehen, das auch vollständig zurückgezahlt wurde. Im Übrigen bekamen die Westzonen nur 10 % der Marshallplangelder, den Rest andere Staaten. Die Bedeutung des Marshallplans für die Westzonen wird meiner Meinung nach überbewertet. Denn nach heutigem Gegenwert sind das nur 10 Mrd. US-Dollar. Was sind heute schon 10 Mrd. Dollar? Damit kann man keine Volkswirtschaft aufbauen. Nur mal als Vergleich - Griechenland hat in den letzten Jahrzehnten umgerechnet mehrere Marshallpläne geschenkt (!) bekommen.

Das Thema Reparationen und deren Auswirkungen ist in der Literatur umstrittenen. Es gibt Untersuchungen, nach denen die französische Besatzungszone die höchsten Pro-Kopf-Reparationen aller vier Besatzungszonen in den ersten 5 Jahren zu leisten hatte. So paradox es klingen mag, aber für die westlichen Zonen werden in der Literatur sogar einige Vorteile gesehen. Die Briten haben aus ihrer Besatzungszone - vor allem dem Ruhrgebiet - veraltete Maschinen herausgeschleppt und dann in der britischen Industrie eingesetzt. Diese veralteten Maschinen führten aber dann zu einem Wettbewerbsnachteil der britischen Industrie gegenüber der westdeutschen Industrie, die gezwungen war, mit neueren Maschinen zu arbeiten.

Man kann dennoch davon ausgehen, dass die sowjetischen Reparationen und der zu leistende Unterhalt für die sowjetischen Truppen für die DDR eine Bürde in der wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklung darstellten. Die westlichen Besatzungsmächte haben den Unterhalt ihrer Truppen selbst finanziert und stellten sogar einen Wirtschaftsfaktor da ( Arbeitsplätze für Zivilbeschäftigte, Aufträge für westdeutsche Betriebe, Gastronomie, KFZ-Betriebe, Mieteinnahmen für Mietwohnungen u.s.w.), der dem von Westdeutschland zu leistenden Unterhalt für die Instandhaltung der militärischen Einrichtungen gegenüber stand. Nur lässt sich eine marode Mangelwirtschaft nicht alleine mit zu leistenden Reparationen erklären. Das Wirtschaftssystem hat eine nicht zu unterschätzende Bedeutung, wie man auch am Vergleich von Nord- und Südkorea sehen kann.

Zitat von Hackel39 im Beitrag #163

Der BMW der DDR waren aber die sozialpolitischen Maßnahmen, deren Wert man angesichts der eigenen Produktivität einfach nicht zu schätzen wußte, Bescheidenheit war damals wie heute ein Fremdwort- das Gras war immer anderswo grüner- nur ist das wirklich global betrachtet eine Triebkraft, die konstruktiv und nachhaltig wirkt angesichts der Rohstoffsituation und der neuen weltweiten Verteilungskämpfe um Ressourcen ?



Um umfangreiche sozialpolitische Maßnahmen finanzieren zu können, braucht man aber eine starke Volkswirtschaft und man muss rechtzeitig erkennen, wann man die "Schraube" überdreht. Auch Schweden hatte in den achtziger Jahren den Sozialstaat immer weiter ausgebaut, der mit Spitzensteuersätzen bei der Einkommenssteuer von 80 % finanziert werden sollte. Aber irgendwann funktionierte das nicht mehr, als die Einnahmen aus der Einkommensteuer zurückgingen, weil das Kapital das Land verließ. Also steuerte man dagegen und senkte wieder die Einkommensteuer. In den USA hat eine Politik mit hohen Einkommensteuersätzen (bis über 90 %) länger funktioniert (1930 bis 1960). Die Führung in der DDR besaß aus ideologischen Gründen nicht die Flexibilität, auf Fehlentwicklungen rechtzeitig zu reagieren. Da wurde starrsinnig bis zum Untergang an einer einmal festgelegten Linie festgehalten.


Tobeck, das hast du sehr gut analysiert. so sehe ich das auch . Einzig die "Verniedlichung" von 10 Mrd $ sehe ich nicht so, damals war der Wechselkurs zwischen $ und DM etwa 1:4 ( diesen Kurs erlebte ich auch noch, als ich Mitte der 60er in die Bundesrepublik kam) das waren also immer hin 40 Mrd DM-chen. , Ende der der 40er Jahre ein gewaltige Summe.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#177

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 20:14
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Heute ist schon in mehreren Beiträgen das Wort Planwirtschaft gefallen. Das war ganz lustig mit der Planwirtschaft. Das ganze Jahr hat man nicht ein und nicht aus gewusst, weil die Ersatzteile fehlten und am 5. Januar konnte man es an der großen Wandtafel lesen, der Plan vom Vorjahr ist mit 102,9 % erfüllt. Das waren immer ganz tolle Dinger, man kann es auch bezeichnen als Selbstbetrug. Nur zwei kleine Beispiele. In unserem ehemaligen VEB sind Busse stehen geblieben nur weil es keinen Keilriemen gab. Das hatte natürlich auch den Vorteil wenn der Bus in der Ecke steht braucht er auch keinen Diesel. Somit konnte man sich brüsten, dass wir im Jahr mehrere hundert Liter Diesel eingespart haben. Wenn mehrere Busse standen waren die Disponenten gezwungen mehrere Dienste zusammenzulegen. Schlussfolgerung war, dass einige Fahrten ausgefallen sind (im Stadtbussbereich). Einen Disponenten hatten wir er sagte jedes Mal“ das lassen wir sausen“, es dauerte auch nicht lange dann hatte er seinen Spitznamen weg. Es war der“Sauser“. Wenn von 180 Bussen in drei Betriebsteilen 15 stehen bleiben müssen, macht sich das schon bemerkbar. Gerade bei diesen Fahrzeugen die stehen bleiben mussten wegen Keilriemen Schaden. Also labal. Da in unseren damaligen VEB auch Fahrzeuge von der“ Deutrans“ mit anwesend waren, in unserem Jargon hießen sie Interzone, hat man dann einen Fahrer ordentliches Geld mitgegeben, also eine konvertierbare Währung und den Auftrag gegeben diese jeweils benötigten Größen von Keilriemen mitzubringen. Als nach einigen Tagen der Fahrer von seiner Tour kam und die Keilriemen der Werkstatt übergab war das Lächeln unseres Betriebsdirektors groß. Nun noch ein zweites Beispiel zur Planwirtschaft. Bekanntlich gab es ja auch keine Reifen für die Busse also musste man sich in der Beziehung auch etwas einfallen lassen. Die Fahrzeuge von Deutrans bekamen immer neue Reifen denn sie haben ja wertvolle Fracht aus unseren sozialistischen Betrieben in das nicht sozialistische Ausland gebracht. Die Busse aus unseren damaligen VEB bekamen so genannte 30 KM/h Reifen, d.h. im Klartext sie waren zweimal rund erneuert. Das war ja auch nicht so schlimm denn es sind ja nur die Werktätigen der sozialistischen Betriebe damit befördert worden die die wertvolle Fracht für das nicht sozialistische Ausland produzierten.


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#178

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 20:23
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #176

Tobeck, das hast du sehr gut analysiert. so sehe ich das auch . Einzig die "Verniedlichung" von 10 Mrd $ sehe ich nicht so, damals war der Wechselkurs zwischen $ und DM etwa 1:4 ( diesen Kurs erlebte ich auch noch, als ich Mitte der 60er in die Bundesrepublik kam) das waren also immer hin 40 Mrd DM-chen. , Ende der der 40er Jahre ein gewaltige Summe.


@Gert, schonmal etwas von nominaler Wert einer Währung und inflationsbereinigtem Wert einer Währung gehört?
Kaufkraft?

Die Aussage wieviel Mitte der 60er Jahre angeblich 10Mrd US Dollar waren sagt überhaupt nichts darüber aus was der Gegenwert in Waren war.

Da lesen bekanntlich bildet hier nochmal ein Satz aus meinem Beitrag #175:
Die Marshallplanhilfe betrug insgesamt fast 14 Milliarden US-Dollar, Westdeutschland erhielt davon ca. 1,4 Milliarden. Die Gesamtsumme entspricht im heutigen Geldwert etwa 100 Milliarden USD.

Vielleicht fallen Dir dann zwei Fehler in Deinem obigen Zitat auf.....

Für Dich Gert noch ein einfaches nachvollziehbares Beispiel (hoffe ich jedenfalls):

Eine Kinokarte kostete in den USA in Premierenkinos Ende der 40 Jahre im Schnitt 25 bis 30 Cent!
Nach Deiner "Rechnung" wären das dann 1 DM.
Die 0,25 US $ von 1948 entsprächen einem Heutigen Preis von ungefähr 30 US $ was dann wiederum ca. 24,5€ wären.....und in DM wären das etwa 48 DM.

Nicht für Umsonst heißt manches "Milchmädchenrechnung" und wie gesagt, Preise, Geldsummen von vor 60 oder 70 Jahren aus dem wirtschaftlichen Zusammenhang gerissen sagen überhaupt nichts aus.


Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#179

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 20:31
von Marder | 1.413 Beiträge

gelöscht weil falsch
MfG Jürgen


Er wirft den Kopf zurück und spricht: "Wohin ich blicke, Lump und Wicht!" Doch in den Spiegel blickt er nicht.
Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selber. Er lässt auch anderen eine Chance.
Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.
Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt.

Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten.
zuletzt bearbeitet 11.07.2012 20:33 | nach oben springen

#180

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 11.07.2012 20:40
von Polter (gelöscht)
avatar

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #178
Zitat von Gert im Beitrag #176

Tobeck, das hast du sehr gut analysiert. so sehe ich das auch . Einzig die "Verniedlichung" von 10 Mrd $ sehe ich nicht so, damals war der Wechselkurs zwischen $ und DM etwa 1:4 ( diesen Kurs erlebte ich auch noch, als ich Mitte der 60er in die Bundesrepublik kam) das waren also immer hin 40 Mrd DM-chen. , Ende der der 40er Jahre ein gewaltige Summe.


@Gert, schonmal etwas von nominaler Wert einer Währung und inflationsbereinigtem Wert einer Währung gehört?
Kaufkraft?

Die Aussage wieviel Mitte der 60er Jahre angeblich 10Mrd US Dollar waren sagt überhaupt nichts darüber aus was der Gegenwert in Waren war.

Da lesen bekanntlich bildet hier nochmal ein Satz aus meinem Beitrag #175:
Die Marshallplanhilfe betrug insgesamt fast 14 Milliarden US-Dollar, Westdeutschland erhielt davon ca. 1,4 Milliarden. Die Gesamtsumme entspricht im heutigen Geldwert etwa 100 Milliarden USD.

Vielleicht fallen Dir dann zwei Fehler in Deinem obigen Zitat auf.....

Für Dich Gert noch ein einfaches nachvollziehbares Beispiel (hoffe ich jedenfalls):

Eine Kinokarte kostete in den USA in Premierenkinos Ende der 40 Jahre im Schnitt 25 bis 30 Cent!
Nach Deiner "Rechnung" wären das dann 1 DM.
Die 0,25 US $ von 1948 entsprächen einem Heutigen Preis von ungefähr 30 US $ was dann wiederum ca. 24,5€ wären.....und in DM wären das etwa 48 DM.

Nicht für Umsonst heißt manches "Milchmädchenrechnung" und wie gesagt, Preise, Geldsummen von vor 60 oder 70 Jahren aus dem wirtschaftlichen Zusammenhang gerissen sagen überhaupt nichts aus.


Gruß
Nostalgiker




Gert widerspricht! Wetten?


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