#81

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 05.02.2012 22:16
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von CASI
Moin,

m.E nach war die DDR als ganzes im Jahr 1990 nicht mehr zu retten gewesen. Der Karren war zu tief in den Dreck gefahren worden und konnte ohne Hilfe von wem auch immer nicht mehr auf eigene Beine kommen.
Viele reiten gerne darauf herum, das die Verschuldung der DDR relativ gering war. Das stimmt sogar, aber wenn man mal die Verschuldung gegen das was reinkommt an Devisen sieht, dann wird es mau.
Weiterhin kommt hinzu, das die Infrastruktur komplett abgewirtschaftet war und die Industrie hauptsächlich damit beschäfigt war, den Karren irgendwie am Laufen zu halten, was natürlich auf Kosten der Produktivität ging.
Als Bsp: Wie z.B. ist es zu erklären, das ein Automobilwerk zig tausende Arbeiter hat, aber es kommen am Ende nur 100000 Autos im Jahr heraus!
Die Bude war komplett war komplett abgewirtschaftet. Notwendige Investitionen wurden nur halbherzig und on "oben" durchgeführt. Am wirklichen "Bedarf" ging das völlig vorbei.
Soviel zur Infrastruktur und zu den Betrieben.
Dann kam hinzu, das ab 1981 auch der "große Bruder" nicht mehr so mitspielte, wie geplant:
Er wollte auf einmal "richtiges" Geld für das vorher doch so billige Öl haben. Das hat dann dazu geführt das z.B. ausgemusterte Dampflokomitven neben einem fast neuen Ölkraftwerk als Heizprovisorien aufgestellt wurden, da die ja auch mit der heimischen Braunkohle befeuert werden konnten.
Der Milliardenkredit des FJS hat der "Deutschen Demolierten Republik" dann noch etwas Luft gebracht!
1989 war dann endgültig Ende im Gelände.
Kohl gab kein Geld mehr her (wohlwissentlich) und Gorbi hatte andere Probleme als die "DDR"

Im Nachhinein kann ich nur folgendes bemerken:
Ich wunder mich bis heute, das die Wiedervereinigung so derart schmerzlos gegangen ist.
Das meine ich gesamtdeutsch, einzelschicksale gibt es Ost wie West.

PS: Ein G.W. kann mich auch gerne weiterhin als Clown bezeichnen. Da stehe ich drüber...

Viele Grüße
Carsten



Aufbau kann aber auch Vernichtung bedeuten.
Ich denke da an die Kredithügel, die man abseits bestehender Infrastruktur errichtet hat, um sich von den alten Nachbarn abzuheben oder, wertfrei ausgedrückt, seine Wohnqualität durch weitgehend überteuerte Wohnimmobilien zu verbessern.
In der Folge stellte man fest, daß die Idee so gut gar nicht war, da man nun auf jedem Fall noch ein Auto braucht, daß man innerhalb der Stadt vielleicht gar nicht nötig gehabt hätte.
Aber der Kindergarten, das Kino, die Arztpraxis und der Bahnhof haben nun mal beim Umzug nicht mit gemacht.
Man hat eben das Feld Bauträgern, euphorisierten Neusiedlern, gierigen Maklern und größenwahnsinnigen Gemeindehäuptlingen überlassen und dabei die gesamtgesellschaftlichen Konsequenzen für die Stadt/ Region/ den Landkreis nicht beachtet.
Auch der Umgang mit Strukturveränderungen ist heute nicht unbedingt vorbildlich angesichts Ein- Euro- Jobs, Niedriglohnsektor, ABM oder gar lebenslanger Auswärtstätigkeit fernab der Heimat, immerhin fanden z.B. alle Kumpel des in den 1980er Jahren ausgestorbenen Kupferbergbaus im Mansfelder Land Arbeit in der näheren Umgebung.
Sie konnten im Lande bleiben, brauchten keinen doppelten Haushalt in 800 km Entfernung, kein Auto, das alle 5-6 Jahre hingeorgelt wird und mußten normalerweise auch keine Angst um ihre Partner/in zu Hause haben, die Eltern wurden wegen lebenslanger Montagearbeit nicht fremd über die Jahre...das alles sind Werteverluste, die der Marktwirtschaft zu eigen sind und in der Tat jeden treffen können.
Möge jeder für sich selbst bewerten, ob der Laptop, Flachbildfernseher und die Mallorcareise so etwas auszugleichen vermag.



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#82

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 06.02.2012 09:25
von damals wars | 12.183 Beiträge

Zitat von glasi

Zitat von glasi
ich frage mich nur wie die DDR neue infrastrucktur bezahlen wollte. oder gewerbiete erschließen. nur sowas lockt doch investoren aus westeuropa an.


und wie wollte die DDR denn personenstrom richtung BRD stoppen bei offener staatsgrenze. eigentlich unmöglich??? wie war das nochmal? kommt die D mark nicht zu uns ,kommen wir zur ihr?




Und? Die sind nun alle im Westen und der Osten lebt immernoch!


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#83

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 06.02.2012 09:41
von Polter (gelöscht)
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Danke Hackel!
Die Beiträge 78,79 und 81 kann ich nachvollziehen und sehe es ebenso. Eine Nachfrage gestatte ich mir. Ich habe in den Tiefen oder Weiten des www irgendwo gelesen, daß die Führer, Chefs, wie auch immer, der großen Wirtschaftsunternehmen unter der Modrow - Regierung für ihre Unternehmen Sanierungspläne erarbeitet hatten. Diese Pläne wurden als funktional eingeschätzt, hinsichtlich Gewinn,
Abgaben und Investitionen. Völlig neue Modelle der Planwirtschaft - befreit von der ökonomischen Aufsicht der SED.
Ist Dir da etwas bekannt? Über eine Quellenangabe für mich zum Nachlesen wäre schön.

Danke vorab!


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#84

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 06.02.2012 10:23
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Zitat von damals wars

Zitat von glasi

Zitat von glasi
ich frage mich nur wie die DDR neue infrastrucktur bezahlen wollte. oder gewerbiete erschließen. nur sowas lockt doch investoren aus westeuropa an.


und wie wollte die DDR denn personenstrom richtung BRD stoppen bei offener staatsgrenze. eigentlich unmöglich??? wie war das nochmal? kommt die D mark nicht zu uns ,kommen wir zur ihr?




Und? Die sind nun alle im Westen und der Osten lebt immernoch!



den personenstrom hätte die brd gestopt. ich glaube nicht das sie von heute auf morgen einige millionen arbeitsplätze hätte, es sei denn das sie die flüchtlinge zum billigtarif genommen hätten und die arbeiter der brd auf die strasse gesetzt hätten. na das gäbe erstmal innerdeutschen zoff.
und bei einer offenen grenze glaube ich auch nicht das die brd sich jedes jahr 100mark begrüßungsgeld für 17 millionen menschen leisten würde.
ek 82/2


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#85

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 06.02.2012 10:51
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Polter
Danke Hackel!
Die Beiträge 78,79 und 81 kann ich nachvollziehen und sehe es ebenso. Eine Nachfrage gestatte ich mir. Ich habe in den Tiefen oder Weiten des www irgendwo gelesen, daß die Führer, Chefs, wie auch immer, der großen Wirtschaftsunternehmen unter der Modrow - Regierung für ihre Unternehmen Sanierungspläne erarbeitet hatten. Diese Pläne wurden als funktional eingeschätzt, hinsichtlich Gewinn,
Abgaben und Investitionen. Völlig neue Modelle der Planwirtschaft - befreit von der ökonomischen Aufsicht der SED.
Ist Dir da etwas bekannt? Über eine Quellenangabe für mich zum Nachlesen wäre schön.

Danke vorab!



Hallo Polter,

ich kann mich nur an die Zuarbeit der Schürer- Kommission erinnern http://www.zeit.de/1997/37/Gewagt_und_verloren (...kleine Nachbetrachtung), jedoch hätte man sicher darauf aufbauen können, erinnert sei nur an die Einlassungen des Herrn Most, der in der Nachwendezeit wohl auch noch aktiv und konstruktiv Modelle zum Überleben der DDR entworfen hatte, die längst nicht so aussichtslos waren wie die Griechenland- Rettung und trotzdem nicht weiter verfolgt wurden.
Es gilt als sicher das Frau Merkel, wäre sie eine reine Wessi- Frau und Kanzlerin im weiterhin geteilten Deutschland den reformierten DDR- Führern heute genauso auf Augenhöhe begegnet wäre wie sie es im Moment mit den Herrschern des kommunistischen gelben Reiches aushalten muß.
Die DDR hätte nach dem Exodus der konsumaffinen Aussiedler nach einem Neustart ein europäisches China werden können von dem jene (fiktive) Frau Merkel West noch etwas hätte lernen können.



zuletzt bearbeitet 06.02.2012 13:53 | nach oben springen

#86

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 06.02.2012 11:32
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Selbst wenn es zu einem Erhalt der DDR, in welcher Form auch immer, gekommen wäre hätte der Lebensstandart abgesenkt werden müssen, da etliche Subventionen so nicht mehr hätten gezahlt werden können. Lebensmittel, Miete, Nahverkehr etc. einhergehend mit zeitweiser Arbeitslosigkeit in Zeiten der wirtschaftl. Umstrukturierung. (Möglicherweise hat dies E.H. nicht gewollt da er ja immer die Verbessung des selben wollte und er somit endgültig politisch unglaubwürdig geworden wäre, deshalb auch nicht schon vor 1989 Reformen dieser Art, obwohl es sehr wohl einige Vorschläge dazu gab) Ob die DDR-Bevölkerung diesen Kulturschock verkraftet hätte bzw. eine sowieso schon angeschlagene Partei- und Staatsführung dies politisch überlebt hätte, selbst bei geschlossener Grenze, ist fraglich.

Wimre gab es allerdings 1987 oder 1988 schon Auflösungen von unrentablen Betriebsteilen in einem? Kombinat (Mansfeld?) und die Umschulung der Mitarbeiter auf andere Arbeitsplätze, mit sozialer Abfederung.


zuletzt bearbeitet 06.02.2012 12:01 | nach oben springen

#87

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 06.02.2012 12:39
von GeMi | 556 Beiträge

Zitat von chucky
es wäre besser gewesen die ddr zu behalten, klar wir haben beim bäcker gestanden, klar beim fleischer usw. heut stehst de beim sozial bzw arbeitsamt lach mich tod




Eine kleine Episode, wie es um die DDR-Wirtschaft bestellt war:

In der Nachtschicht hatten unsere Schlosser keine Rohre mehr. Also sind sie zum Meister und haben ihr Leid geklagt.
Seine Antwort: "Dann müsst Ihr eben welche besorgen."
Im Klartext heisst das: Klaut Euch die Rohre beim Nachbarbetrieb aus dem Regal und lasst Euch nicht erwischen!"

Soviel zum Thema Wirtschaftskraft, Moral und andere Dinge in der DDR.

Meine Meister waren aber nicht irgendwelche Deppen - einer war Held der Arbeit und der andere auch hochdekoriert und beide strenge Genossen.
Bei solchen Diskussionen über die Überlebensfähigkeit der DDR geht es manchmal zu wie bei den alten Kämpfern der Wehrmacht. Die haben böse Sachen erlebt und verbrochen - und haben 40 Jahre später immer noch diskutiert, woran es gelegen hat, daß der Krieg verloren ging.

An ihnen lag es jedenfalls nicht. Sie haben vorbildlich gekämpft.



Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
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#88

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 06.02.2012 14:34
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von GZB1
Selbst wenn es zu einem Erhalt der DDR, in welcher Form auch immer, gekommen wäre hätte der Lebensstandart abgesenkt werden müssen, da etliche Subventionen so nicht mehr hätten gezahlt werden können. Lebensmittel, Miete, Nahverkehr etc. einhergehend mit zeitweiser Arbeitslosigkeit in Zeiten der wirtschaftl. Umstrukturierung. (Möglicherweise hat dies E.H. nicht gewollt da er ja immer die Verbessung des selben wollte und er somit endgültig politisch unglaubwürdig geworden wäre, deshalb auch nicht schon vor 1989 Reformen dieser Art, obwohl es sehr wohl einige Vorschläge dazu gab) Ob die DDR-Bevölkerung diesen Kulturschock verkraftet hätte bzw. eine sowieso schon angeschlagene Partei- und Staatsführung dies politisch überlebt hätte, selbst bei geschlossener Grenze, ist fraglich.

Wimre gab es allerdings 1987 oder 1988 schon Auflösungen von unrentablen Betriebsteilen in einem? Kombinat (Mansfeld?) und die Umschulung der Mitarbeiter auf andere Arbeitsplätze, mit sozialer Abfederung.



Ich stelle es in Frage, daß man den Lebensstandart flächendeckend hätte absenken müssen, zwar wären viele zurück gefallen und hätten noch schlechter gelebt als in der DDR der alten Fassung, aber durch den Weggang der Unzuzfriedenen, die mit ihren Frust auch noch Kollegen, Nachbarn und Freunde angesteckt hatten, darüber hinaus auch womöglich noch in der Schattenwirtschaft aktiv waren, wäre der Blick vielleicht frei geworden auf die Chancen, die eine reformierte DDR in sich geborgen hätte.
Was spricht denn dagegen, daß junge Legionäre zeitweise ins westliche Ausland gehen, um für die zurück gelassene Familie schneller einen Basiswohlstand aufzubauen als es daheim gelungen wäre (wenn man schon nicht abwarten kann...) indem sie nach ungewohnt anstrengenden Arbeitswochen im Vergleich zum Kombinat harte Währung nach Hause schicken für die vermeintlich unvermeidbaren Anschaffungen wie denVW- Golf, die Siemenswaschmaschine und die Granitfliesen fürs Bad - irgendwann am Ende der Konsumträume hätten auch die erkannt, was die wahren Werte einer Gesellschaft sind.

Nach einer Rückkehr, zu der sich solche Wirtschaftsflüchtlinge auf Zeit hätten verpflichten müssen, um DDR- Bürger bleiben zu dürfen hätten sie auch einen gewissen Wohlstand importiert, sich möglicherweise sogar wertvolle Erfahrungen für die Berufstätigkeit in der Heimat angeeignet, die in der Masse von gesamtgesellschaftlicher Relevanz gewesen wären.
Gleichfalls hätte man reisewilligen NSW- Urlaubern eine Arbeitserlaubnis von sagen wir mal 1-2 Wochen im Westen erteilen können, damit sie sich einerseits den Urlaub im begehrten Reiseland finanzieren können, und sich andererseits ihren Horizont erweitern können, der für einen realistischen Vergleich beider Lebensoptionen Plan- oder Marktwirtschaft notwendig gewesen wäre.
Durchaus denkbar und gerecht wäre es wohl auch, wenn z.B. erfolgreiche Exportbetriebe anteilig ihre Beschäftigten in Valuta bezahlt hätten, sofern sie Gewinne erwirtschaften und dem Foristen Gemi mit der Episode der zu klauenden Rohre kann ich versichern, daß Leute, die unter solchen Perspektiven arbeiten, derartige Mängel abgewendet hätten, bevor der Stillstand eintritt.
Seien wir ruhig mal realistisch- genau diese Mißstände, wie fehlendes Material wurde nur allzu häufig hingenommen oder gar provoziert, um sich auf Arbeit nicht tot zu machen.

Es war nicht nur ein Mangel an Offenheit und Freiheit sondern vor allem ein Mangel an Kreativität, der die DDR zu Kentern gebracht hat.
Natürlich können Ideen auch scheitern aber dann muß die politische Klasse zur Korrektur fähig sein und das hätte ich persönlich dem Nachwende- Führungspersonal innerhalb der reformierten SED durchaus zugetraut.



zuletzt bearbeitet 06.02.2012 14:43 | nach oben springen

#89

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 06.02.2012 14:52
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Sicher @Hackel39 wäre dies alles evtl. möglich gewesen, wenn es ein Land mit einer eigenen nationalen Identität gewesen wäre, wie Tchechien, Polen oder Ungarn.

Fakt ist, das ein Überleben der DDR außenpolitisch und wirtschaftlich von den entscheidenden Mächten nicht gewollt bzw. ab Sommer 1990 nicht mehr gewollt war. Wie hier schon geschreiben, allein war die DDR, in der damals bestehenden weltpolitischen Konstellation, nicht überlebensfähig.


zuletzt bearbeitet 06.02.2012 14:57 | nach oben springen

#90

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 06.02.2012 15:46
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von GZB1
Sicher @Hackel39 wäre dies alles evtl. möglich gewesen, wenn es ein Land mit einer eigenen nationalen Identität gewesen wäre, wie Tchechien, Polen oder Ungarn.

Fakt ist, das ein Überleben der DDR außenpolitisch und wirtschaftlich von den entscheidenden Mächten nicht gewollt bzw. ab Sommer 1990 nicht mehr gewollt war. Wie hier schon geschreiben, allein war die DDR, in der damals bestehenden weltpolitischen Konstellation, nicht überlebensfähig.



Es ist wohl so, daß ich oft mit dem Wissen von heute Reparaturvorschläge für gestern zu machen versuche, eine Idee von damals wäre aber durchaus praktikabel gewesen, nämlich der forcierte Jugendaustausch DDR- BRD.
Sicher ist der NSW- Reisetourismus auch an der Finanzierung gescheitert, jedoch sind die teuersten Posten einer Reise Transport, Verpflegung und Unterkunft- die hätte man 1:1 tauschen können, das Problem war nun mal das Taschengeld, das man auf Reisen brauchte.
Das hat man den Jugendfreunden der DDR i.H.v. knapp 100 Mark 1:1 getauscht, das war schon beeindruckend zu erleben wie die Genossen glaubten, daß wir ihnen abnahmen, einen realistischen Deal gemacht zu haben.
Auch die Nachfrage westdeutscher Teenis für das Reiseland am anderen Ufer der Elbe hielt sich wohl in Grenzen und so gab es wohl auch keinen Markt für solche Denkmodelle.
Was ich sagen will ist, daß mit mehr Erkenntnisgewinn durch mehr Reisefreiheit im Vorfeld eine Reparatur der alten DDR im nationalen Rahmen vorstellbar war, die UdSSR mit dem Überbau- Reformer Gorbatschow sehe ich auch im Nachhinein nicht als Hindernis, wissen kann es natürlich keiner.



zuletzt bearbeitet 06.02.2012 15:48 | nach oben springen

#91

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 06.02.2012 15:55
von Rüganer (gelöscht)
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Leute, in welcher DDR habt Ihr gelebt und was habt Ihr da gemacht? Wenn ich die Beiträge so lese und die Art, in der hier diskutiert wird, dann war ich in einer anderen DDR.
„Es war nicht nur ein Mangel an Offenheit und Freiheit sondern vor allem ein Mangel an Kreativität, der die DDR zu Kentern gebracht hat.“
Zitat Hackel39

Sag mal, hast Du gewusst, dass für den Wartburg ein eigner 4 – Takt Motor entwickelt wurde, den die Genossen in Berlin dann abgelehnt haben, stattdessen wurde die VW-Lizenz genommen – mangelnde Kreativität?
Der Trabbi hatte auf dem Reißbrett und wohl auch schon im Modell VW ähnliche Nachfolger – abgelehnt unter anderem durch Genossen Mittag. – mangelnde Kreativität?
Wenn die Produktionsanlage ausfiel, weil die Genossen in Berlin nicht bedacht haben, dass man auch Verschleißteile benötigt, die in amerikanischen Abmaßen mal nicht so eben aus dem Konsumregal zu ziehen sind, dann haben parteilose Ingenieure diese Kiste wieder zum Laufen gebracht – mangelnde Kreativität??
Die Brigadetagebücher und die Wettbewerbsprogramme, der persönlich – schöpferische Plan und was weiß der Teufel noch alles für Unsinn, er wurde niedergeschrieben, obwohl niemand daran glaubte – mangelnde Kreativität???
Nein, daran ist die DDR nicht untergegangen, eine alte, verkrustete Doktrin, dass die Arbeiterklasse und die Partei unbedingt immer die sein müssen, die das Sagen haben, diese Gleichmacherei, diese Lügerei der Bonzen, die selbstbeklatschend große Reden schwangen und in den Dörfern des Nordens bekam der Arbeiter und der Bauer nicht mal ein vernünftiges Bier zum Trinken, dieses Abspeisen mit Worten, ja es war wie GeMI schreibt, „Lass dir was einfallen“. Die Planwirtschaft war am Ende, aber völlig.
Granitfliesen sind was Feines, eine Heizung, bei der ich keine Kohlen schleppen muss, die ist es auch.
Ich sage hier ganz klar, ich war vor der Wende Abt.- Leiter in einem Großbetrieb und danach Technischer Leiter in einem VEG, wer die Mangelwirtschaft bestreiten will, der lügt in meinen Augen deutlich. Heute führe ich ein Unternehmen, heute herrscht auch Mangelwirtschaft, aber jetzt an guten Leuten, die technisches Verständnis besitzen und vor allem aber die Regel akzeptieren, dass man nur soviel verbrauchen kann, wie man erwirtschaftet. ( Danach richtet sich dann unter anderem auch die Entlohnung) Dies hatte die DDR vergessen und dies vergessen all diejenigen, die heute nach der Verteilung von mehr Geld rufen. Dass die vorhandenen Gelder falsch oder oftmals falsch eingesetzt werden – dies ist unbestritten. Aber immer kann nur das aus dem Geldsack bezahlt werden, was auch da drin ist und wenn damals dinge für 17 Pfennig der DDR produziert wurden und für 1 Pfennig BRD auch dorthin verkauft wurden, ja Leute, was ist dies für eine Ökonomie? Wie hätte da etwas reformiert werden sollen?
Hat sich hier jemals einer überlegt, wie die DDR Produkte die Öffnung zum Weltmarkt hin vertragen hätten und was sie dort für Erlöse erzielt hätten. Was wäre dann übrig geblieben, wie hätte dann die Bilanz ausgesehen? Mit den alten Maschinen und Anlagen konnte man keine Weltniveausachen mehr herstellen.
Ich persönlich kann auch heute sehr gut leben und freue mich, Länder gesehen zu haben, von denen ich sonst nur die Führer der Kommunistischen Parteien in der Aktuellen Kamera kennen gelernt hätte.


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#92

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 06.02.2012 18:18
von Anton | 156 Beiträge

Zitat von Rüganer

Hat sich hier jemals einer überlegt, wie die DDR Produkte die Öffnung zum Weltmarkt hin vertragen hätten und was sie dort für Erlöse erzielt hätten. Was wäre dann übrig geblieben, wie hätte dann die Bilanz ausgesehen? Mit den alten Maschinen und Anlagen konnte man keine Weltniveausachen mehr herstellen.



Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen: Die sozialistische DDR hatte vor 1990 schlechte Karten auf dem kapitalistischen Weltmarkt und hätte sie auch beim Weiterbestehen nach 1990 gehabt.

Zitat von Hackel39
Es ist aber anzunehmen, daß bei einer Stichtagsregelung, wonach man alle Ausreisewilligen, die vom 09.11.89-30.06.1990 auf Nimmerwiedersehen die DDR endgültig verlassen wollten, hätte ziehen lassen und alle Übrigen ohne Vereinigung bei geschlossener Grenze und reglementierter NSW- Reisefreiheit eine Neuordnung innerhalb der Qualität Sozialismus versucht hätten bei weitem nicht die Schäden eingetreten wären, wie wir sie heute im entvölkerten und entindustrialisiertem Osten haben.
Man hätte es bei der Drohung "Kommt die DM nicht zu uns, kommen wir zur D- Mark..." drauf ankommen lassen sollen, der so entstandene temporäre wirtschaftliche Rücksetzer hätte die DDR nicht vernichtet.




Ich halte es für sehr fragwürdig, ob die DDR-Bevölkerung nach 1990 eine neue Beschränkung der gerade gewonnen (Reise-) Freiheit akzeptiert hätte. Diese Sichtweise impliziert, der eiserne Vorhang hätte nur zwischen der DDR und der BRD bestanden. Ich vermute eher, die Menschen hätten weiterhin mit den Füßen abgestimmt und die DDR über Drittstaaten verlassen, nachdem alle Relikte des kalten Krieges dort auch restlos verschwanden.
Dann bitte ich auch zu bedenken, was für eine Position hätte eine sozialistische DDR nach 1990 in der Welt gehabt? Wäre sie vergleichbar gewesen mit den anderen ehemaligen Ländern des RGW, die ja auch keinen sozialistischen Weg eingeschlagen haben oder wäre die Position ähnlich der, wie sie heute in Kuba Realität ist?



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#93

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 06.02.2012 18:25
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Rüganer
Leute, in welcher DDR habt Ihr gelebt und was habt Ihr da gemacht? Wenn ich die Beiträge so lese und die Art, in der hier diskutiert wird, dann war ich in einer anderen DDR.
„Es war nicht nur ein Mangel an Offenheit und Freiheit sondern vor allem ein Mangel an Kreativität, der die DDR zu Kentern gebracht hat.“
Zitat Hackel39

Sag mal, hast Du gewusst, dass für den Wartburg ein eigner 4 – Takt Motor entwickelt wurde, den die Genossen in Berlin dann abgelehnt haben, stattdessen wurde die VW-Lizenz genommen – mangelnde Kreativität?
Der Trabbi hatte auf dem Reißbrett und wohl auch schon im Modell VW ähnliche Nachfolger – abgelehnt unter anderem durch Genossen Mittag. – mangelnde Kreativität?
Wenn die Produktionsanlage ausfiel, weil die Genossen in Berlin nicht bedacht haben, dass man auch Verschleißteile benötigt, die in amerikanischen Abmaßen mal nicht so eben aus dem Konsumregal zu ziehen sind, dann haben parteilose Ingenieure diese Kiste wieder zum Laufen gebracht – mangelnde Kreativität??
Die Brigadetagebücher und die Wettbewerbsprogramme, der persönlich – schöpferische Plan und was weiß der Teufel noch alles für Unsinn, er wurde niedergeschrieben, obwohl niemand daran glaubte – mangelnde Kreativität???
Nein, daran ist die DDR nicht untergegangen, eine alte, verkrustete Doktrin, dass die Arbeiterklasse und die Partei unbedingt immer die sein müssen, die das Sagen haben, diese Gleichmacherei, diese Lügerei der Bonzen, die selbstbeklatschend große Reden schwangen und in den Dörfern des Nordens bekam der Arbeiter und der Bauer nicht mal ein vernünftiges Bier zum Trinken, dieses Abspeisen mit Worten, ja es war wie GeMI schreibt, „Lass dir was einfallen“. Die Planwirtschaft war am Ende, aber völlig.
Granitfliesen sind was Feines, eine Heizung, bei der ich keine Kohlen schleppen muss, die ist es auch.
Ich sage hier ganz klar, ich war vor der Wende Abt.- Leiter in einem Großbetrieb und danach Technischer Leiter in einem VEG, wer die Mangelwirtschaft bestreiten will, der lügt in meinen Augen deutlich. Heute führe ich ein Unternehmen, heute herrscht auch Mangelwirtschaft, aber jetzt an guten Leuten, die technisches Verständnis besitzen und vor allem aber die Regel akzeptieren, dass man nur soviel verbrauchen kann, wie man erwirtschaftet. ( Danach richtet sich dann unter anderem auch die Entlohnung) Dies hatte die DDR vergessen und dies vergessen all diejenigen, die heute nach der Verteilung von mehr Geld rufen. Dass die vorhandenen Gelder falsch oder oftmals falsch eingesetzt werden – dies ist unbestritten. Aber immer kann nur das aus dem Geldsack bezahlt werden, was auch da drin ist und wenn damals dinge für 17 Pfennig der DDR produziert wurden und für 1 Pfennig BRD auch dorthin verkauft wurden, ja Leute, was ist dies für eine Ökonomie? Wie hätte da etwas reformiert werden sollen?
Hat sich hier jemals einer überlegt, wie die DDR Produkte die Öffnung zum Weltmarkt hin vertragen hätten und was sie dort für Erlöse erzielt hätten. Was wäre dann übrig geblieben, wie hätte dann die Bilanz ausgesehen? Mit den alten Maschinen und Anlagen konnte man keine Weltniveausachen mehr herstellen.
Ich persönlich kann auch heute sehr gut leben und freue mich, Länder gesehen zu haben, von denen ich sonst nur die Führer der Kommunistischen Parteien in der Aktuellen Kamera kennen gelernt hätte.



Zugegeben Rüganer, aus dem Beitrag allein heraus, auf den Du Dich beziehst geht Deine Wertung in Ordnung, es ging aber ursprünglich um die Alternativen der DDR- Weiterentwicklung ex Honecker & Co.
Somit wollte ich die Kreativität eigentlich dahingehend verstanden wissen, daß es -zig bessere, wenn auch beschwerlichere Wege gegeben hätte, als sich pauschal der BRD zum Fraß vorzuwerfen.
Die europaweite Ausschreibung unseres (angeblichen) Ramschladens hätte höhere Erträge gebracht, die Cocom- Liste hätte sich möglicherweise in Luft aufgelöst, wenn wir die Menschenrechte endlich hochgehalten hätten (siehe Einlassung zur Reise- und Niederlassungsfreiheit) und viele andere Faktoren wie der spürbaren Reduzierung der Rüstungsausgaben hätten uns in der Phase nach Honecker ungeahnte Chancen eröffnet, aber dazu waren eben kreative Politiker gefragt und keine Niederlassungen der Westparteien, deren Filialleiter G. Krause, L. de Maiziere usw. die uns die Weichen in die vermeidbare Abhängigkeit gestellt haben.
Aber ich gebe es nochmals zu, man hätte es damals nicht wissen können und ich als einfacher Eisenbahner schon gar nicht, es ist aber vorstellbar, daß es mit dem Musterknaben China mit seinem erfolgreichen Kopier- und Klau- Strategien 20 Jahre früher ein echtes Vorbild für eine unabhängige DDR gegeben hätte und mit diesem Vorbild der staatlich dominierten Schlüsselindustrien und einer Beteiligungskultur für internationale Investoren auch ohne Kohl eine einigermaßen hoch entwickelte sozialistische DDR hätte werden können.
Aber wie gesagt, es ist zu spät für solche Denkmodelle---timeout---und ob ein großer Teil unserer Bürger für einen solch steinigen Weg fit gewesen wäre, stelle ich persönlich doch eher in Frage, die Chance war aber da.



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#94

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 06.02.2012 18:39
von Anton | 156 Beiträge

Zitat von Hackel39

Aber wie gesagt, es ist zu spät für solche Denkmodelle---timeout---und ob ein großer Teil unserer Bürger für einen solch steinigen Weg fit gewesen wäre, stelle ich persönlich doch eher in Frage, die Chance war aber da.



In aller Bescheidenheit kann ich für mich sagen, daß ich schon fit gewesen wäre, aber nicht bereit dazu. Ich denke, daß das übertragen auf die Mehrheit der Bevölkerung auch so war.



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#95

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 06.02.2012 18:41
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Anton

Zitat von Rüganer

Hat sich hier jemals einer überlegt, wie die DDR Produkte die Öffnung zum Weltmarkt hin vertragen hätten und was sie dort für Erlöse erzielt hätten. Was wäre dann übrig geblieben, wie hätte dann die Bilanz ausgesehen? Mit den alten Maschinen und Anlagen konnte man keine Weltniveausachen mehr herstellen.



Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen: Die sozialistische DDR hatte vor 1990 schlechte Karten auf dem kapitalistischen Weltmarkt und hätte sie auch beim Weiterbestehen nach 1990 gehabt.

Zitat von Hackel39
Es ist aber anzunehmen, daß bei einer Stichtagsregelung, wonach man alle Ausreisewilligen, die vom 09.11.89-30.06.1990 auf Nimmerwiedersehen die DDR endgültig verlassen wollten, hätte ziehen lassen und alle Übrigen ohne Vereinigung bei geschlossener Grenze und reglementierter NSW- Reisefreiheit eine Neuordnung innerhalb der Qualität Sozialismus versucht hätten bei weitem nicht die Schäden eingetreten wären, wie wir sie heute im entvölkerten und entindustrialisiertem Osten haben.
Man hätte es bei der Drohung "Kommt die DM nicht zu uns, kommen wir zur D- Mark..." drauf ankommen lassen sollen, der so entstandene temporäre wirtschaftliche Rücksetzer hätte die DDR nicht vernichtet.




Ich halte es für sehr fragwürdig, ob die DDR-Bevölkerung nach 1990 eine neue Beschränkung der gerade gewonnen (Reise-) Freiheit akzeptiert hätte. Diese Sichtweise impliziert, der eiserne Vorhang hätte nur zwischen der DDR und der BRD bestanden. Ich vermute eher, die Menschen hätten weiterhin mit den Füßen abgestimmt und die DDR über Drittstaaten verlassen, nachdem alle Relikte des kalten Krieges dort auch restlos verschwanden.
Dann bitte ich auch zu bedenken, was für eine Position hätte eine sozialistische DDR nach 1990 in der Welt gehabt? Wäre sie vergleichbar gewesen mit den anderen ehemaligen Ländern des RGW, die ja auch keinen sozialistischen Weg eingeschlagen haben oder wäre die Position ähnlich der, wie sie heute in Kuba Realität ist?




Ich meine, daß es eben keinen allzu großen Unterschied genacht hätte, ob die Konsumflüchtlinge nun innerhalb von sechs Monaten übersiedeln oder sich alles auf einen jahrzehntelangen Aderlaß verteilt, im Gegenteil, die rasch wegbrechenden ineffizienten Industrien hätten die freiwerdenden Arbeiter in einen Fürsorgestaat entlassen müssen, der diese Belastung nicht hätte kompensieren können, so daß die Ausreisewilligen eher nützlich gewesen wären und trotzdem meine ich, daß genügend gestaltungsfähiges Personal übrig geblieben wäre.
Ein großer Anteil hätte sich doch eher mit dem Wenigen begnügt als den Zerfall der Familie und der angestammten sozialen Netzwerke in Kauf zu nehmen, um sich schnell irgendwelche schnelleren Autos und Südseereisen leisten zu können.
Auch meinte ich keineswegs, daß jeder, der bis 30.06.90 nicht drüben ist, für immer hier bleiben muß (beachte bitte meine Formulierung zu NSW- Reisen im Beitrag), ich meinte lediglich, daß jeder, der für alle Zeit die Schnauze voll von sozialistischen Experimenten hatte nach einer "Probezeit" von sechs Monaten endgültig entscheiden möge, welchen Weg er gehen will- und auch der sollte nicht unumkehrbar sein, sofern er zu seinem neuen Frankfurt keine Oder sondern lieber einen Main dazu haben möchte.
Noch weitergesponnen ist es durchaus auch denkbar, daß Übersiedler irgedwann auch mal als kapitalkräftige Unternehmer mit eigenen Visionen in die DDR zurück kommen könnten, weil die DDR ohne schnelle Westmark durchaus noch Chancen zum Investieren geboten hätte.



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#96

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 06.02.2012 18:58
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Anton

Zitat von Hackel39

Aber wie gesagt, es ist zu spät für solche Denkmodelle---timeout---und ob ein großer Teil unserer Bürger für einen solch steinigen Weg fit gewesen wäre, stelle ich persönlich doch eher in Frage, die Chance war aber da.



In aller Bescheidenheit kann ich für mich sagen, daß ich schon fit gewesen wäre, aber nicht bereit dazu. Ich denke, daß das übertragen auf die Mehrheit der Bevölkerung auch so war.




Ich wiederum würde für 1000 Euro weniger im Monat lieber wieder an meinem Wohnort arbeiten und nicht Tag für Tag in der Gewissheit leben müssen, daß mich Kohl vor dem Hungertod bewahrt hat.
Noch verschärfter formuliert, wäre ich lieber wieder eingesperrt, wenn die Alternative zur Einsperrung Aussperrung bedeutet, eben weil ich so wie hundertausende Pendler auf Lebenszeit in einem entvölkerten und entindusrialisiertem Agrarstaat lebe, so wie er von den Siegern einst auch konzipiert war.
Ich war beispielsweise im Monat Januar an 4 Tagen zu Hause und wann immer ich auf meiner neunstündigen An- oder Abreise zur bzw. von der Arbeit wieder mal im verspäteten ICE sitze und Anschlüsse verpasse, oder nach einem halben Tag als Eisenbahnfahrgast meine 600 km - Tour auf der Lok antrete, dann muß ich immer wieder daran denken, wie schön es war, nach 3 min Fahrradfahrt im Bahnbetriebswerk zu sein und ich würde sonst was dafür geben, diesen Status zurück zu gewinnen.
Aber von mir aus, dann bin ich eben ein Jammerossi, der zwar auch fit ist, seinen Beruf liebt und überdurchschnittlich gut verdient, seine Werte aber nicht an Euro und Cent ausrichtet sondern an der Summe der glücklichen Tage am Ende des Monats und diese Abrechnung geht eindeutig zugunsten des DDR- Reichsbahnlokführers Hackel aus.
Jene Bilanz würde ganz klar anders aussehen, wäre eine wohnortnahe Beschäftigung möglich und so einigen wir uns doch darauf, daß vieles nur Zufall ist was zu dieser oder jener Bewertung der aktuellen Lebensumstände im konkreten Fall führt.



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#97

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 07.07.2012 20:27
von Harra318 | 2.514 Beiträge

„ Die DDR war doch noch zu retten „
ja ganz gewiss, aber nur mit Hilfe der BRD. Siehe zum Beispiel Ausbau der Autobahn A9, Transit München- Berlin. Unsere Straßen in der ehemaligen DDR hätten nach 23 Jahren garantiert so ausgesehen. Auch unser Niveau hätte sich den anderen sozialistischen Staaten angepasst.Die Bilder, aufgenommen voriges Jahr bei einer Rumänien- Rundreise.


zuletzt bearbeitet 07.07.2012 21:00 | nach oben springen

#98

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 07.07.2012 21:08
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #96

Zitat von Anton

Zitat von Hackel39

Aber wie gesagt, es ist zu spät für solche Denkmodelle---timeout---und ob ein großer Teil unserer Bürger für einen solch steinigen Weg fit gewesen wäre, stelle ich persönlich doch eher in Frage, die Chance war aber da.


In aller Bescheidenheit kann ich für mich sagen, daß ich schon fit gewesen wäre, aber nicht bereit dazu. Ich denke, daß das übertragen auf die Mehrheit der Bevölkerung auch so war.



Ich wiederum würde für 1000 Euro weniger im Monat lieber wieder an meinem Wohnort arbeiten und nicht Tag für Tag in der Gewissheit leben müssen, daß mich Kohl vor dem Hungertod bewahrt hat.
Noch verschärfter formuliert, wäre ich lieber wieder eingesperrt, wenn die Alternative zur Einsperrung Aussperrung bedeutet, eben weil ich so wie hundertausende Pendler auf Lebenszeit in einem entvölkerten und entindusrialisiertem Agrarstaat lebe, so wie er von den Siegern einst auch konzipiert war.
Ich war beispielsweise im Monat Januar an 4 Tagen zu Hause und wann immer ich auf meiner neunstündigen An- oder Abreise zur bzw. von der Arbeit wieder mal im verspäteten ICE sitze und Anschlüsse verpasse, oder nach einem halben Tag als Eisenbahnfahrgast meine 600 km - Tour auf der Lok antrete, dann muß ich immer wieder daran denken, wie schön es war, nach 3 min Fahrradfahrt im Bahnbetriebswerk zu sein und ich würde sonst was dafür geben, diesen Status zurück zu gewinnen.
Aber von mir aus, dann bin ich eben ein Jammerossi, der zwar auch fit ist, seinen Beruf liebt und überdurchschnittlich gut verdient, seine Werte aber nicht an Euro und Cent ausrichtet sondern an der Summe der glücklichen Tage am Ende des Monats und diese Abrechnung geht eindeutig zugunsten des DDR- Reichsbahnlokführers Hackel aus.
Jene Bilanz würde ganz klar anders aussehen, wäre eine wohnortnahe Beschäftigung möglich und so einigen wir uns doch darauf, daß vieles nur Zufall ist was zu dieser oder jener Bewertung der aktuellen Lebensumstände im konkreten Fall führt.




@Hackl ich lese mit wachsendem Erstaunen deine Posts. Ich lese wie unzufrieden du mit der Tatsache bist, ständig unterwegs zu sein, wie unzufrieden du mit diesem Land bist. Entschuldige bitte , aus meiner Sicht ein Sch.. lebensgefühl
du bist Lokführer, ist doch richtig ? Das ist doch nach meinem Selbstverständnis ein Beruf, bei dem man ständig auf Reisen ist, ist das richtig ? Dann bist du doch im falschen Beruf, oder nicht ? Empfehlung Job kündigen, in die Heimatgemeinde zurückkehren und eine Lottoannahmestelle eröffnen. Da bist jeden Abend zu Hause.



P.S hast du dich nicht vorher darum gekümmert, wie diese Tätigkeit abläuft ?


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#99

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 07.07.2012 21:20
von Gert | 12.356 Beiträge

habe gerade einen Film auf Arte über Kuba gesehen. Kernaussage, der kubanische Staat hat im letzten Jahr

500.000Angestellte

entlassen, weil er sie nicht mehr bezahlen kann. Alternative = Selbständigkeit : Ja, Verdienst Möglichkeiten einer jungen Frau mit einem Cafe, Einrichtung so bescheiden, dass wir es nicht betreten würden, aber vom Staat lizensiert. Sie verdiente monatlich umgerechnet 15€ , die Staatslizens kostete monatlich 11 €, darüber hinaus wollte der Staat 10 % vom Umsatz an Mwst. kassieren.
Sie hat nach einem halben Jahr geschmissen. Wenn man die Zahlen sieht, so kann man das Abkassiermodell des kommunistischen Regimes nur noch unter dem Begriff politisch motivierte Paranoia laufen lassen.
Übrigens, ich wage mal die Voraussage bei einem Weiterbestehen der DDR hätte es solche Entlassungswellen auch gegeben. Honecker und Co hätten die Gesetzmäßigkeiten der Wirtschaft nicht auf Dauer auf den Kopf stellen können,


.
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#100

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 07.07.2012 21:23
von SEG15D | 1.121 Beiträge

Zitat Gert
@Hackl ich lese mit wachsendem Erstaunen deine Posts. Ich lese wie unzufrieden du mit der Tatsache bist, ständig unterwegs zu sein, wie unzufrieden du mit diesem Land bist. Entschuldige bitte , aus meiner Sicht ein Sch.. lebensgefühl
du bist Lokführer, ist doch richtig ? Das ist doch nach meinem Selbstverständnis ein Beruf, bei dem man ständig auf Reisen ist, ist das richtig ? Dann bist du doch im falschen Beruf, oder nicht ? Empfehlung Job kündigen, in die Heimatgemeinde zurückkehren und eine Lottoannahmestelle eröffnen. Da bist jeden Abend zu Hause.



P.S hast du dich nicht vorher darum gekümmert, wie diese Tätigkeit abläuft ?[/quote]


Das ist aber schon etwas unter der Gürtellinie! Einen gestandenen Lokführer auf diese billige Art runterzusauen. Hab ich nicht von Dir erwartet!

Aber um seine Teilaussage zu untermauern: Ich fahre jeden Arbeitstag in die Landeshauptstadt. Das sind pro Tag 2h Fahrzeit für mich, eigentlich Freizeit, die ich gern anders verleben würde.
Aus EF fährt jeden Tag ein "Kollege im Amt" runter nach Apolda um zu arbeiten.
Für ihn ebenfalls fast 2h täglich Verlust der Freizeit mit Familie und so weiter.
So wird es letztenendlich vielen ergehen...da frag ich mich doch wie Du zu solch einer Meinung kommst.....

Und die so vielgerühmte und geforderte "Flexibilität" seitens der Arbeitgeber ist leider nur ein einseitg beschriebenes Blatt!
Ich weiß durchaus, wovon ich hierbei rede.

Grüße vom SEG15D



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