#281

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 30.07.2012 09:05
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von glasi im Beitrag #280
Zitat von Pit 59 im Beitrag #32
Andy, Fahre doch mal mit offenen Augen durch Dörfer und Städte.wenn Du dann immer noch schreibst es hat sich nichts geändert,dann muss ich mal zum Augenarzt.Es hat sich doch gewaltig was verändert,alles viel Freundlicher,Farbenfroher und viel Moderner.Schau mal gerade bei diesem Wetter über Dörfer und Städte,wieviele Ofenheizer Du noch entdecken wirst.Das hat für mich auch was mit Blühenden Landschaften zu tun.

Ich war letzte Woche mal wieder in Thüringen.Geisa, Vacha, Eisenach, Creuzburg, Treffurt, Ifta usw. Es sieht toll aus. Allein die Infrastruktur. Da kann mein Kreis in NRW nur träumen. Was ich aber viel wichtiger finde , ist die Meinung der Menschen die ich dort kennengelernt habe. Alle sind froh das das Thema DDR zu Ende ist. Viele sind froh das sie nicht mehr im Schutzstreifen wohnen. und machen können was sie wollen. Ich fand die Einstellung toll. Aber warum denken manche so. Und andere wieder so negativ. Was sind die Gründe?


Die in der DDR leidlich aufsteigen konnten, werden eine andere Sicht haben als diejenigen die sich in einem bröckelnden Hinterhausloch mit Kohleheizung und Zinkbadewanne zufriedengeben mussten.
Es ist alles eine Frage von Verlusst und Gewinn.


zuletzt bearbeitet 30.07.2012 09:07 | nach oben springen

#282

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 30.07.2012 09:20
von Gelöschtes Mitglied
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Endlich mal eine vernüftige und der Wirklichkeit angepasste Antwort . Wer mit offenen Augen durchs Leben geht sieht was sich in den letzten Jahren Verändert hat, aber man soll dabei auch nicht vergessen was sich auch nach der Einheit in Deutschland und auch durch das Zusammengehen von Europa geändert hat zum negativen auch zum positiven , Denn das einige Europa gibt uns ganz schön in vielen Bereichen enorme Aufgaben auf.
22 Jahre sind schon wieder ins Land gegangen , bald 1/4 Jahrhundert . mfg ratata


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#283

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 30.07.2012 09:28
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von glasi im Beitrag #280
Zitat von Pit 59 im Beitrag #32
Andy, Fahre doch mal mit offenen Augen durch Dörfer und Städte.wenn Du dann immer noch schreibst es hat sich nichts geändert,dann muss ich mal zum Augenarzt.Es hat sich doch gewaltig was verändert,alles viel Freundlicher,Farbenfroher und viel Moderner.Schau mal gerade bei diesem Wetter über Dörfer und Städte,wieviele Ofenheizer Du noch entdecken wirst.Das hat für mich auch was mit Blühenden Landschaften zu tun.

Ich war letzte Woche mal wieder in Thüringen.Geisa, Vacha, Eisenach, Creuzburg, Treffurt, Ifta usw. Es sieht toll aus. Allein die Infrastruktur. Da kann mein Kreis in NRW nur träumen. Was ich aber viel wichtiger finde , ist die Meinung der Menschen die ich dort kennengelernt habe. Alle sind froh das das Thema DDR zu Ende ist. Viele sind froh das sie nicht mehr im Schutzstreifen wohnen. und machen können was sie wollen. Ich fand die Einstellung toll. Aber warum denken manche so. Und andere wieder so negativ. Was sind die Gründe?


Das liegt an der selektiven Wahrnehmung und an der Macht der Bilder.
Der Zustand der ländlichen Bauten, also überwiegend der Eigenheime spiegelte zu DDR- Zeiten oft auch die Lebenseinstellung der Bewohner wieder, das hatte nicht immer mit Geld zu tun.
Gepflegte Gärten, regelmäßig gestrichene Fassaden, saubere Gehwege teilweise bei gemeinsamen Subbotniks oft mit viel Spaß und geselligen Nachbarn hergerichtet, die gleiche Kultur (kaum Ausländer mit anderen Gestaltungsansätzen) waren auch zu DDR- Zeiten eher die Regel als die Ausnahme.
Über die überwiegend (außer AWG) volkseigenen Städte und den anonym strukturierten Zuständigkeiten, die nichts mit den Bewohnern zu tun hatten schreibe ich hier ausdrücklich nicht.
Dazu kommen noch die Visitenkarten vieler Gemeinden mit Bahnanschluß - die Bahnhöfe und Haltepunkte.
Hier entschied oft der grüne Daumen des Fahrdienstleiters und die Arbeitseinstellung des örtlichen Personals über das Aussehen mancher Bahnanlagen.
Oft hatten die viel Zeit zwischen den Zügen, die sie entweder mit Pkw- Pflege, Karten spielen oder eben der zusätzlich zu absolut notwendigen Reinigungsmaßnahmen der Anlagen verwendeten, es war nicht mehr und nicht weniger als der viel zitierte subjektive Faktor, der darüber den Ausschlag gab, wie es dort jeweils aussah (mal ganz nebenbei, das galt auch für Loks, die immer bestimmten Brigaden zugeordnet waren, die konnten so oder so aussehen...Putz- und Pflegeplan...keine zusätzliche unbezahlte Arbeitszeit !!).
Das hatte nichts mit Etatproblemen zu tun, ich kann mit Sicherheit sagen, daß die Leute, die solche Anlagen in persönlicher Pflege hatten, nicht finanziell drauf gezahlt haben.
Bitte unterstelle mir aber keine Propagandaabsichten, wenn ich empfehle, mal den einen oder anderen Kleinstadtbahnhof zu besuchen, dort wirst Du feststellen, daß es neu erst mal schick aussieht, keine Frage, daß man sehr viel Geld reingesteckt hat, damit es wenige Tage und Wochen später schlimmer aussieht als vorher, weil den Verantwortlichen für den 2. Schritt (zuständiges Personal vor Ort) schon die Puste fehlt.
Bitte sieh Dir auch mittelgroße Städte im Osten an mit ihren entvölkerten Straßenzügen und zugemauerten Fenstern und Türen, Jahrzehnte lang leer stehende Gebäude, weil Erbgemeinschaften nicht geregelt bekommen, um es wenigstens optisch sinnvoll zu verwerten, auf welchem Wege auch immer.



glasi hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 30.07.2012 09:34 | nach oben springen

#284

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 30.07.2012 09:31
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #281

Die in der DDR leidlich aufsteigen konnten, werden eine andere Sicht haben als diejenigen die sich in einem bröckelnden Hinterhausloch mit Kohleheizung und Zinkbadewanne zufriedengeben mussten.
Es ist alles eine Frage von Verlusst und Gewinn.



Wer in der DDR leidlich aufsteigen konnte, was auch immer darunter zu verstehen ist, mußte nicht zwangsweise nach 1990 tief fallen.

Auch Vorderhäuser bröckelten, Kohleheizung war Standard egal ob Vorderhaus, Seitenflügel oder Hinterhaus.
Mobile Zinkbadewanne kenn' ich aus den50ern, danach war sie nicht mehr so in.
Gerüchteweise gehört, es soll in der DDR auch Wohnungen mit "richtiger" Badewanne gegeben haben

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#285

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 30.07.2012 09:45
von Udo | 1.258 Beiträge

Die Zinkbadewanne ist heute auf Flohmärkten ein gefragter Artikel. In meinem Garten steht so ein Teil und bei Temperaturen jenseits der 25 Grad sitze ich da täglich mehrmals drin.
Udo


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#286

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 30.07.2012 09:48
von Rüganer (gelöscht)
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Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #281
[
]Die in der DDR leidlich aufsteigen konnten, werden eine andere Sicht haben als diejenigen die sich in einem bröckelnden Hinterhausloch mit Kohleheizung und Zinkbadewanne zufriedengeben mussten.
Es ist alles eine Frage von Verlusst und Gewinn.



Ich denke eher, wer in der damaligen DDR in einer staatsnahen Beschäftigung war, wer die echte Überzeugung von der Richtigkeit der Sache hatte, dem war es egal, wie er wohnte, wie er Urlaub machte und ob die Häuser grau waren und die Schlangen vor dem Broilerimbiss am Strand schier endlos. - WBS 70 - Wohnung hat auch mich und meine Familie damals sehr glücklich gemacht.
Weil man es eben nicht anders kannte und der Hamster, der da im Laufrad sein Dasein fristet, der ist wohl auch glücklich, weil er nichts von Getreidefeldern weiß und das Leben seiner freien Artgenossen nicht kennt. Und wenn man ihm dann noch erzählt, dass da der böse Raubvogel lauert, der diese freien Artgenossen fressen will, dann ist das Leben im Hamsterrad das non plus ultra für ihn, genauso wie es für die meisten Bürger der DDR war, die nichts anderes kannten.
Heute ist für diese staatsnahen Leute die Welt zusammengebrochen, einige haben sich, wie Felix gut eingerichtet und andere sind gescheitert. Dass diese dann schimpfen und der Vergangenheit nachtrauern, wo sie noch im beschützten Hamsterrad waren und nur eben laufen mussten, ist doch verständlich.
Meine Urlaube in der DDR bestanden immer nur aus Fahrten an die Ostsee und anschließendem Arbeiten an für die Werterhaltung meines Elternhauses. Aber ich hatte wenigstens einen Ostseeplatz für Frau und Kinder. Andere schleppten dafür ganz edle Dinge an und zogen dann in Behausungen, Garagen mit Gardinen am Fenster waren in Binz noch was ganz Gutes.


glasi, josy95 und damals wars haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#287

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 30.07.2012 10:06
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat von Rüganer im Beitrag #286
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #281
[
]Die in der DDR leidlich aufsteigen konnten, werden eine andere Sicht haben als diejenigen die sich in einem bröckelnden Hinterhausloch mit Kohleheizung und Zinkbadewanne zufriedengeben mussten.
Es ist alles eine Frage von Verlusst und Gewinn.



Ich denke eher, wer in der damaligen DDR in einer staatsnahen Beschäftigung war, wer die echte Überzeugung von der Richtigkeit der Sache hatte, dem war es egal, wie er wohnte, wie er Urlaub machte und ob die Häuser grau waren und die Schlangen vor dem Broilerimbiss am Strand schier endlos. - WBS 70 - Wohnung hat auch mich und meine Familie damals sehr glücklich gemacht.
Weil man es eben nicht anders kannte und der Hamster, der da im Laufrad sein Dasein fristet, der ist wohl auch glücklich, weil er nichts von Getreidefeldern weiß und das Leben seiner freien Artgenossen nicht kennt. Und wenn man ihm dann noch erzählt, dass da der böse Raubvogel lauert, der diese freien Artgenossen fressen will, dann ist das Leben im Hamsterrad das non plus ultra für ihn, genauso wie es für die meisten Bürger der DDR war, die nichts anderes kannten.
Heute ist für diese staatsnahen Leute die Welt zusammengebrochen, einige haben sich, wie Felix gut eingerichtet und andere sind gescheitert. Dass diese dann schimpfen und der Vergangenheit nachtrauern, wo sie noch im beschützten Hamsterrad waren und nur eben laufen mussten, ist doch verständlich.
Meine Urlaube in der DDR bestanden immer nur aus Fahrten an die Ostsee und anschließendem Arbeiten an für die Werterhaltung meines Elternhauses. Aber ich hatte wenigstens einen Ostseeplatz für Frau und Kinder. Andere schleppten dafür ganz edle Dinge an und zogen dann in Behausungen, Garagen mit Gardinen am Fenster waren in Binz noch was ganz Gutes.

hallo Rüganer. Ein sehr guter Bericht. Kann es sein das ein DDR Bürger der im Grenzgebiet gewohnt hat das etwas anders sieht ,als einer der im Hinterland gewohnt hat? Hat das West TV einfluß auf euch?



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#288

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 30.07.2012 10:08
von josy95 | 4.915 Beiträge

[quote=Rüganer|

(Zitat@Rüganer Auszug)

Meine Urlaube in der DDR bestanden immer nur aus Fahrten an die Ostsee und anschließendem Arbeiten an für die Werterhaltung meines Elternhauses. Aber ich hatte wenigstens einen Ostseeplatz für Frau und Kinder. Andere schleppten dafür ganz edle Dinge an und zogen dann in Behausungen, Garagen mit Gardinen am Fenster waren in Binz noch was ganz Gutes. [/quote]



....oooooh, wie wahr!

Aber, @Rüganer, wenn man heute schaut, aus was für Ruinen auf Rügen jetzt Fewo`s geworden sind. Einerseits gut, um Verfall & Co zu stoppen, anderseits spürt man, das auch hier nur der nackte Komerz regiert...! Ich möchte nicht hinter so manche Leichtbau- Ständerwand schauen, da liegt mancherorten bestimmt noch die letzte LPG- Schweine- oder Kuh***eiße dahinter!

Selbst hatte ich 2004 einmal in Sellin (Du kennst Dich ja dort aus, gleich links , Ortseingang vor der Autowerkstatt) solch ein regelrechtes Loch, Eigentümer/ Vermieter aus den alten Bundesländern...


josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#289

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 30.07.2012 10:28
von Rüganer (gelöscht)
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Zitat von glasi im Beitrag #287
[hallo Rüganer. Ein sehr guter Bericht. Kann es sein das ein DDR Bürger der im Grenzgebiet gewohnt hat das etwas anders sieht ,als einer der im Hinterland gewohnt hat? Hat das West TV einfluß auf euch?


Glasi,
für Westfernsehen hätte man hier auf Rügen extrem viel getan. Ich könnte Geschichten erzählen, wäre einen eigenen Thread wert.
Wir waren da ahnungslos, es sei denn, es war Nebel, dann kam mit viel suchen etwas durch, Schweden dagegen ging bei Nebel immer, oder Dänemark, verstand man nur so schlecht...
Ich hatte vorher in Neuruppin Gelegenheit, da war immer Westfernsehen, ich habe auch einiges an Westverwandschaft gehabt und war trotzdem Grenzer, von daher war ich nicht der anhnungslose Hamster, aber eben ein Hamster, der nicht geglaubt hat, dass er einmal auf das Getreidefeld laufen darf und selbst entscheidet, wo und was er macht.
Ich bin fest davon überzeugt, derjenige, der sich nicht nur durch fachliches Können, sondern mehr durch politische Überzeugung irgendwie etabliert hat, für den ist eine Welt zusammengebrochen, als die Wende kam. Derjenige, der gearbeitet hat und sich durch Können und durch seine Fertigkeiten etabliert hatte, der hat gesagt, so nun machen wir auf eigene Rechnung weiter, es wird zwar hart werden, aber lass uns anfangen.
Ich kannte noch aus Erzählungen meiner Lehrmeister oder der Alten im Dorf Art und Weise, wie man sich als Selbständiger vor dem Krieg geschunden hat, wie man um Aufträge betteln musste, wie angesehen aber auch der Schmiedemeister oder der Schlossermeister im Dorf war. So ist es heute doch wieder gekommen, jedenfalls im ländlichen Raum.
Frei von Ideologischen Vorgaben und politischem Brimbamborium.


glasi hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#290

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 30.07.2012 10:29
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@Rüganer,
warum mußte nur für 'staatsnahe Beschäftigte' eine Welt zusammenbrechen?
Auch für 'staatsferne Meckerköppe' welche zu DDR Zeiten das Hohelied auf Freiheit, unbegrenzte Reisemöglichkeiten und das überhaupt im Kapitalismus alles besser sei sangen brach nach der Konfrontation mit der Realität eine Welt zusammen.
Auch Teile dieser Spezies stimmen heute in den Chor derjenigen ein die da meinen das in der DDR alles besser war.

Nur wollen wir uns in diesem Thread nicht über Staatsnähe unterhalten, es ist nicht das Thema.
@GW62, wenn Dir dieses Thema so unter den Nägeln brennt, mach doch einfach dazu ein Neues Thema auf.

@glasi,

Eine große Rolle bei der Manipulation der DDR-Bürger spielte allerdings das Westfernsehen.
Viele glaubten eher diesem, und damit bestimmte das Westfernsehen zunehmend die herrschende Meinung in den Köpfen.
Außer den Systemloyalen glaubte also die Mehrheit der DDR-Bevölkerung dem Westfernsehen, dieses spielte letztendlich bei der Weckung von Konsumbedürfnissen und bei der Meinungsbildung eine große Rolle.

Zu Deiner Frage kannst Du hier etwas lesen und bei Bedarf weiterdiskutieren.

"Westfernsehen" war in den FDGB-Ferienheimen nicht so richtig erlaubt um zum Thema Urlaub in DDR zurückzukommen.
Radio hören schon wenn es das mitgebrachte Kofferradio war.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#291

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 30.07.2012 10:34
von Rüganer (gelöscht)
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Zitat von josy95 im Beitrag #288
[quote=Rüganer|

(Zitat@Rüganer Auszug)

Meine Urlaube in der DDR bestanden immer nur aus Fahrten an die Ostsee und anschließendem Arbeiten an für die Werterhaltung meines Elternhauses. Aber ich hatte wenigstens einen Ostseeplatz für Frau und Kinder. Andere schleppten dafür ganz edle Dinge an und zogen dann in Behausungen, Garagen mit Gardinen am Fenster waren in Binz noch was ganz Gutes.




....oooooh, wie wahr!

Aber, @Rüganer, wenn man heute schaut, aus was für Ruinen auf Rügen jetzt Fewo`s geworden sind. Einerseits gut, um Verfall & Co zu stoppen, anderseits spürt man, das auch hier nur der nackte Komerz regiert...! Ich möchte nicht hinter so manche Leichtbau- Ständerwand schauen, da liegt mancherorten bestimmt noch die letzte LPG- Schweine- oder Kuh***eiße dahinter!

Selbst hatte ich 2004 einmal in Sellin (Du kennst Dich ja dort aus, gleich links , Ortseingang vor der Autowerkstatt) solch ein regelrechtes Loch, Eigentümer/ Vermieter aus den alten Bundesländern...


josy95[/quote]

Thomas,

ist klar, in dem Durcheinander haben Raubritter hier enormen Flurschaden angerichtet. Da wurde der Oma schon mal ein Grundstück in Binz für 250.000 DDR Mark und 20.000 DM abgeschwatzt, Lage an der Strandpromenade, heute Millionen von Euro wert.
Da wurden solche Dinge mit Gipskartonwänden verkleidet...und nicht nur durch Wessis..
da hilft nur eins - öffentlich brandmarken und die Leute warnen, geht da nur nicht rein...
und dieser Kommerz ist nicht nur bei den Wohnungen so, aber so ist eben das Leben... Und wer denn nun das Schnäppchen machen will, der sollte bedenken, dass die Saison von Mai bis Ende September geht und dass der seriöse Vermieter irgendwie seine Kosten auch reinhaben möchte. Bei geilem Geiz kann man mit großer Sicherheit auch nur schlimmes Elend erwischen...
sofort Geld zurück und was anderes suchen, hier steht so viel leer, weil die Buchungen immer kurzfristiger erfolgen, je nach dem, wie das Wetter ist


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#292

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 30.07.2012 10:45
von Rüganer (gelöscht)
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[quote=Nostalgiker|p204429]@Rüganer,
warum mußte nur für 'staatsnahe Beschäftigte' eine Welt zusammenbrechen?
Auch für 'staatsferne Meckerköppe' welche zu DDR Zeiten das Hohelied auf Freiheit, unbegrenzte Reisemöglichkeiten und das überhaupt im Kapitalismus alles besser sei sangen brach nach der Konfrontation mit der Realität eine Welt zusammen.
Auch Teile dieser Spezies stimmen heute in den Chor derjenigen ein die da meinen das in der DDR alles besser war.

Nur wollen wir uns in diesem Thread nicht über Staatsnähe unterhalten, es ist nicht das Thema.

Nostalgiker,
es war ganz einfach eine Erklärung, warum heute einige dies so und andere es anders sehen, was bisher erricht und geschaffen wurde.
Und ich sehe eben die staatsnahen, systemtragenden, ideologisch 100 prozentigen als zu der Gruppe gehörend, für die alles zusammengebrochen ist. Es ist ihnen ihr Staat und ihre Partei abhanden gekommen, es ist ihnen das Volk weggelaufen und für diejenigen, die begriffen haben, dass sie politisch missbraucht wurden, ist diese bittere Erkenntnis noch dazugekommen.
Es mag sein, dass auch notorische Meckerköppe auf die Schnauze gefallen sind, ja nun, Unglück schläft nicht, heißt es im Sprichwort hier oben.
Und so wird der Chor immer weiter das Lied singen, das in der DDR alles besser war und die Schuld an der ganzen Sache wird dem Westfernsehen und den Rentnern angehängt werden, die nach ihren Westbesuchen darüber in der Familie berichteten und Puddingpulver von Dr. Oetcker mitbrachten...
Ganz so einfach ist es dann wohl doch nicht gewesen, was?


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#293

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 30.07.2012 12:24
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Nostalgiker im Beitrag #284
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #281

Die in der DDR leidlich aufsteigen konnten, werden eine andere Sicht haben als diejenigen die sich in einem bröckelnden Hinterhausloch mit Kohleheizung und Zinkbadewanne zufriedengeben mussten.
Es ist alles eine Frage von Verlusst und Gewinn.



Wer in der DDR leidlich aufsteigen konnte, was auch immer darunter zu verstehen ist, mußte nicht zwangsweise nach 1990 tief fallen.

Auch Vorderhäuser bröckelten, Kohleheizung war Standard egal ob Vorderhaus, Seitenflügel oder Hinterhaus.
Mobile Zinkbadewanne kenn' ich aus den50ern, danach war sie nicht mehr so in.
Gerüchteweise gehört, es soll in der DDR auch Wohnungen mit "richtiger" Badewanne gegeben haben

Gruß
Nostalgiker


Im verfallendem Altbau wo sehr viele wohnen mussten, ob nun vorne oder hinten, war die Zinkbadewanne noch lange im Gebrauch, bei mir bis 1987.
Hab sie aber eigentlich einem fensterlosen Bad in einer Werktätigen-Aufbewahrungsbuchte vorgezogen und irgendwie war das Baden darin recht nostalgisch


zuletzt bearbeitet 30.07.2012 12:39 | nach oben springen

#294

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 30.07.2012 12:27
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von Rüganer im Beitrag #292
Zitat von Nostalgiker im Beitrag #290
@Rüganer,
warum mußte nur für 'staatsnahe Beschäftigte' eine Welt zusammenbrechen?...


Nostalgiker,
es war ganz einfach eine Erklärung, warum heute einige dies so und andere es anders sehen, was bisher erricht und geschaffen wurde.
Und ich sehe eben die staatsnahen, systemtragenden, ideologisch 100 prozentigen als zu der Gruppe gehörend, für die alles zusammengebrochen ist. Es ist ihnen ihr Staat und ihre Partei abhanden gekommen, es ist ihnen das Volk weggelaufen und für diejenigen, die begriffen haben, dass sie politisch missbraucht wurden, ist diese bittere Erkenntnis noch dazugekommen.
... Ganz so einfach ist es dann wohl doch nicht gewesen, was?


Hm, Rüganer, ich denke auch, dass es nicht so einfach ist. Ich zum Beispiel war staatsnah, systemtragend und definitiv ideologisch hundertprozentig. Für mich brach auch eine Welt zusammen. Das hinderte mich nicht daran, mein Leben neu zu sortieren ... aber das ist nicht der Punkt.

Ich unterscheide heute in der Betrachtung zwischen der politischen und der kulturellen Dimension. Kultur meine ich dabei im übergreifenden Sinn (s.u.). Vermischt man diese beiden Dimensionen, versteht man viele Leute nicht mehr. Beispiel: Leipzig war zu DDR-Zeiten eine graue, schmutzige, verfallende Stadt. Gleichzeitig erlebte ich sie aber als weltoffen, gastfreundlich und kosmopolitisch. In den neunziger Jahren kam es zu einer Entwicklung, die auf der einen Seite ein "nettes Stadtbild" schuf, gleichzeitig die Stadt aber in eine von mir als "eher provinziell" empfundene Mentalität tauchte (keinen Streit dazu bitte, meine Mutter mich dieser Meinung wegen schon fast enterbt). Wenn ich diese Entwicklung bedauere, und das tue ich, dann wünsche ich mir weder das dreckige Leipzig zurück, noch die Besatzung der "Runden Ecke" oder das Staatsmodell DDR. Das zu unterscheiden fällt leider vielen Pauschalierern schwer. Dabei ist es einfach. Der Grundsatz lautet: Das Leben besteht nicht nur aus Politik.

ciao Rainman

PS:
lt. Wikipedia: Kultur ... ist im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur. Kulturleistungen sind alle formenden Umgestaltungen eines gegebenen Materials, wie in der Technik oder der bildenden Kunst, aber auch geistige Gebilde wie etwa Recht, Moral, Religion, Wirtschaft und Wissenschaft.


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


glasi, damals wars und PF75 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 30.07.2012 12:28 | nach oben springen

#295

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 30.07.2012 13:12
von Rüganer (gelöscht)
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Rainman,

gestatte mir mal, festzustellen, dass ich dich auch als ehemals staatstragend ansehen würde, Politoffizier eben, der nun ja wohl auch aus Überzeugung seinen Beruf ausgeübt haben sollte.
Aber!!!!! Ich denke mal, soviel habe ich hier und in einem anderen Forum über Rainman gelesen, du hast selbst irgendwann festgestellt, dass du missbraucht worden bist, du hast deine ideologischen Ansichten inzwischen revidiert. Liege ich falsch, korrigier mich bitte.
Und wenn du nun etwas revidiert hast, dann fällt es dir auch leicht, zu akzeptieren, dass das graue Leipzig sich durch den Fleiß und Ideenreichtum von Anwohnern, Investoren und was weiß ich noch von wem, gewandelt hat, gewandelt zu einer schönen und bunten Stadt Sicher, es hat noch sehr viele Ecken, die gemacht werden müssen. Nun bin ich kein Sachse und würde dies lieber am Beispiel von Stralsund ausführen, es drohte zu zerfallen, heute ist es Weltkulturerbe und wenn man am Hafen durch die Gassen geht oder die Fährstraße hinunter – dann hat sich doch etwas getan. Ob diese Landschaften nun blühen oder nicht, graue Mäuse sind es nicht mehr und die Farbe blättert auch nicht gleich wieder ab.
Wir hätten mit der DDR weder Stralsund noch Leipzig außerhalb der Messezufahrten so hinbekommen, wie es heute aussieht.
Du hast etwas getan, hast deine Möglichkeiten erkannt und dich nicht in Lethargie ergeben, Rainman, dieses Gejammer, was denn früher alles soooo schön war, dieses Klagen auf hohem Niveau, man muss in das Ausland fahren, weil Rügen zu teuer geworden ist, na hallo...
Heute kann man hier an jeder Ecke zumindestens eine Nacht campen, früher hätte den Camper die Polizei aufgegriffen, weil Rügen Grenzgebiet war und selbst das Zelt im Garten, was für die Kinder über Nacht stehen bleiben sollte, wurde vom ABV wegbefohlen. Es hätte der Grenzverletzer drin schlafen können.
Wenn ich mir keine Kreuzfahrt für 10000 Euro leisten kann, dann fahre ich für 15 Euro mit dem Dampfer zur Kreideküste und klage nicht lauthals, wie schlecht doch die Welt ist und dass ich früher mit dem Ruderboot für gar kein Geld auf der Müritz fahren konnte.
Grüße von der Insel


glasi und Rainman2 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#296

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 30.07.2012 16:09
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Rüganer, aber jetzt mal!
So einfach wie Du das geschrieben hast ist es nun doch nicht.

Ersteinmal zum Begriff 'Systemtragend', ich habe gesucht; es gibt ihn einfach nicht. Ist also mehr eine populistische Schlagkeule aus der Ecke sich profilierender Politiker um nebulös große Teile der Bevölkerung, hier der DDR, zu diffamieren.
Als Einschub wird auch von selbigen Politikern gerne behauptet die Bad-Banks oder Banken an sich seien 'Systemtragend' oder abgeschwächt: 'Systemnahe'. Irrtum sie sind das System oder auch ein sichtbarer Ausdruck dafür.

Wenn schon ziehe ich persönlich den Begriff 'Systemkonform' vor, was so ungefähr bedeutet das ich mit mit einem bestehenden politischen , sozialen und wirtschaftlichen System im Einklang bin und es nach besten Gewissen und Kräften unterstütze.
Und da kommt ein kleines Detail ins Spiel, jemand der vorbehaltlos 'Systemkonform' ist, hinterfragt nicht. Hält Auswüchse, negative Erscheinungen usw., sofern sie überhaupt wahrgenommen werden nicht für Systemeigen sondern für vorübergehende Erscheinungen welche sich mit fortschreitender Entwicklung in das Positive entwickeln.
Dafür haben systemkonforme Möchtegernmarxisten den tolle Formel der 'nichtantogonistischen Widersprüche und ihrer Beseitigung beim umfassenden Aufbau des Sozialismus' erfunden. (Mir wird echt schlecht......)
Weiter:

Diese Systemkonformen haben es sich auch verboten; auch unter anderen weil es einem nicht besonders gut bekommen konnte wenn es trotzdem gemacht wurde; irgendwas zu hinterfragen.
Es gab eine Offenbarung und die hieß Marxismus-Leninismus und die Heilslehre welcher diesem Religionsersatz entsprang war weder zu hinterfragen noch waren einzelne Punkte davon zu diskutieren.
Deswegen sind für mich die Systemkonformen die Sorte von Parteimitgliedern, egal in welcher Position sie sich befanden, letzten Endes Gläubige gewesen. Kirche für Atheisten.
Nichts war für die Systemkonformen Parteimitglieder schlimmer als der "Feind" in den eigenen Reihen.

Denn der Teil der Parteimitglieder welcher noch nicht das eigenständige Denken aufgegeben hatte war da schon etwas kritischer und hinterfragte auch. Dieses Hinterfragen, kritisch sein war nicht immer Karriere fördernd und konnte im schlimmsten Fall bis zur gesellschaftlichen Ächtung führen war aber nicht jedermanns Sache.
Nur berühre ich hier schon charakterliche Fragen solcher Art wie weit gehe ich, welche Konsequenzen kann es für mich haben zu meiner Überzeugung, nicht der Ideologie!, zu stehen.
Da und nicht nur da mache ich einen Unterschied zwischen Ideologie und Überzeugung.
Meine ideologischen Ansichten können, müssen nicht, konträr zu meinen Überzeugungen stehen.
Eine Ideologie kann einem Weltbild, sprich Überzeugung; entspringen muß aber dieses Weltbild nicht adäquat spiegeln.

Nach 1945 ging ein großer Teil der Bevölkerung mit dem hehren Anspruch eine friedliche und gerechte Gesellschaft auszubauen daran die Trümmer im Land und die Trümmer einer falschen Ideologie aus den Köpfen zu räumen.
Nur wurde durch eine Funktionärsriege die eine totalitäre Ideologie = falsch durch die "richtige" totalitäre Ideologie ersetzt.

Mein Vater fühlte sich am Ende des Krieges seiner Jugendideale betrogen, sah sich mißbraucht und sah in den "Versprechungen" der neuen Machthaber eine Chance und engagierte sich beim Aufbau der prophezeiten neuen, gerechten Gesellschaft. War er deswegen Systemkonform?
Nach dem Verschwinden des Systems 1989 konnte er für sich im Rückblick konstatieren, das er zweimal von ideologischen Systemen in seinem Leben betrogen und missbraucht wurde......


Einen inneren Bruch mit dem System ohne zum offenen Systemgegner zu werden kann sich in Etappen vollziehen und an vielleicht banalen Dingen festgemacht werden.
Im Prinzip war bei mir diese Entwicklung 1982 abgeschlossen
Ich mußte nicht warten bis Leipzig und andere Städte nach 1990 zum großen Teil mit Baukastenarchitektur a la Gerkan, Braun (Bauliche Scheußlichkeit: Spreedreieck), Forster. überzogen wurden. Weitere schlechte Beispiele erspare ich mir denn sie haben mit dem Ende der DDR nur indirekt zu tun, dass heisst sie wurden durch deren Ende erst möglich.....

Natürlich ist Stralsund in Teilen der Innenstadt schön anzusehen, noch vorhandenes wurde zum Teil behutsam restauriert und renoviert.

Der morbide Charme des Prenzlauer Bergs wurde einer totsanierten und modernisierten Altbausubstanz geopfert in der die solventen Neubewohner vor allem eins für ihr vieles Geld haben wollen: Ruhe!

Es ist letztendlich alles eine Frage der Finanzierbarkeit und der Prioritäten.
An einem hat es in der DDR gemangelt und das andere wurde falsch gesetzt.

Wer sich nicht zu DDR Zeiten von der Ideologie vereinnahmen ließ dem brach 1989 auch keine Welt zusammen.
Es lag letztendlich an jedem selbst sich zu orientieren und sich seine Chance zu suchen.
Nur ist dies nicht jedem gegeben; in keiner Gesellschaftsordnung dieser Welt.

Es wird immer Gewinner und Verlierer geben.
Im Falle der sich verflüchtigten DDR meinen Einige welche sich damals auf der Gewinnerseite sahen sie müssen sich Heute in ihrer Verliererpose zu gefallen.
Genauso wie zu Zeiten der existieren DDR ein Teil der Bevölkerung alles an und in der DDR schlecht fand und den "Westen" grundsätzlich schön, bunt und interessant, so finden die sogenannten Wendeverlierer heutzutage alles nur noch schrecklich und stimmen wahrscheinlich leise das Lied "schön, so schön war die Zeit, alles liegt so weit, so weit. So schön,schön war die Zeit....." an.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#297

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 30.07.2012 17:53
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #296
... Ersteinmal zum Begriff 'Systemtragend', ich habe gesucht; es gibt ihn einfach nicht. Ist also mehr eine populistische Schlagkeule aus der Ecke sich profilierender Politiker um nebulös große Teile der Bevölkerung, hier der DDR, zu diffamieren. ...

Autsch, Nostalgiker,

und ich Depp verwende den Begriff auch noch, hau mir also selbst die populistische Schlagkeule aus der Ecke sich profilierender Politiker auf den Nischel. Ach, so welkt die alte revolutionäre Seele dahin ... Aber ich hab mal in meiner Verzweiflung schnell "gewikipediat" und siehe da, der Westen ist auch schon in die Selbstbezichtigungsecke gekrochen ( http://de.wikipedia.org/wiki/Systemtragend#Systemrelevant ):
"... Bei Kreditinstituten hat sich seit der Finanzkrise ab 2007 für die Rettung von angeschlagenen Kreditinstituten der Ausdruck „systemrelevant“, „systemtragend“ oder „systemisch“ herausgebildet. ..."
Jetzt kann ich mich also wie ein angeschlagenes Kreditinstitut fühlen. Naja, warum nicht ... mal was neues ...


Zitat von Rüganer im Beitrag #295
Rainman,
... du hast deine ideologischen Ansichten inzwischen revidiert. Liege ich falsch, korrigier mich bitte.
Und wenn du nun etwas revidiert hast, dann fällt es dir auch leicht, zu akzeptieren, dass das graue Leipzig sich durch den Fleiß und Ideenreichtum von Anwohnern, Investoren und was weiß ich noch von wem, gewandelt hat, gewandelt zu einer schönen und bunten Stadt Sicher, es hat noch sehr viele Ecken, die gemacht werden müssen. ...


Hallo Rüganer,

die ideologischen Ansichten - ja. Nicht die Ideale, die durch die Ideologie verwässert, verfälscht und verraten wurden. Das ist ein wichtiger Unterschied, den ich gern erwähnt haben möchte. Wie gesagt, Leipzig war nur ein Beispiel für meine kulturelle Wahrnehmung und Kritik der neuen Zeit. Diese Kritik macht es mir durchaus schwer, das Positive hinter der Entwicklung zu sehen und zu würdigen. Da bin ich halt auch nur ein oller deutscher Meckerkopp. Mir fällt dann immer zuerst der Satz ein: Ja, den Häusern geht's gut. Aber wenn Du es so hinschreibst, ist das einen Moment des Nachdenkens wert. Danke!

Ich schließe mal für mich die Sache mit dem Unterschied zwischen politischer und kultureller Betrachtung mit einem Zitat aus dem wunderschönen Film "Harold & Maude" ab. Nachdem Maude über ihre revoltionären Lebensphasen und über ihre Jugend im Wien der Kaiserzeit mit all den feschen Offizieren erzählt hat, sagt sie plötzlich verträumt zu Harold (sinngemäß): "Weißt Du, mir fehlt nicht die Monarchie, aber mir fehlen die Könige!" Und ihr glaubt den Satz auf Anhieb!

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 30.07.2012 17:54 | nach oben springen

#298

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 30.07.2012 20:12
von Rüganer (gelöscht)
avatar

@Nostalgiker

Was interessiert es mich, dass es den Begriff „Systemtragend“ nicht geben soll... Dann kreieren wir den eben!
Systemtragend – das System tragen, es stützen. Viele ehrliche Parteisekretäre und andere Funktionäre haben dieses System der DDR doch am Laufen gehalten, es mitgetragen, ja durch ihre Tätigkeiten am Leben gehalten. Obwohl sie die Schlangen vor dem Baustoffhandel gesehen haben, obwohl sie die Berichte derjenigen, die als Rentner aus dem Westen kamen, auch hörten bzw. kannten.
Und dann gehe ich mit deinen Ausführungen zu diesen Systemtragenden oder wie du sie nennst, Systemkonformen völlig mit, bis an den Punkt der Überzeugung und der Ideologie.
Meine Überzeugung beruht auf meine persönlichen Erfahrungen, meine Erkenntnisse aus Gesprächen mit erfahrenen Älteren, aus Berichten der Eltern, aus Gelesenem.
Ideologie ist etwas anderes und ich behaupte, wer systemtragend war, bei dem war Überzeugung und Ideologie in einem Einklang, sie entsprach genau dem, was Partei und Regierung als Linie vorgaben. Oder aber er war einer der Karrieristen, die sich der Karriere wegen, so ideologisch überzeugt gaben, weil es eben Usus oder verlangt worden war.
Und diese gesamte Spezies meine ich, wenn ich Verständnis dafür habe, dass sie den "Alten Zeiten "nachtrauern und vielleicht auch das „schön war die Zeit“ anstimmen.
Dass etwas nicht hinhaut mit : „der Mensch steht im Mittelpunkt“ habe ich als Schuljunge erfahren, als mein Onkel, der auf Bodenreformland wirtschaftete, bei der Zuteilung von Kunstdünger und der Bereitstellung von Traktorenhilfe durch die MTS benachteiligt wurde, bis er denn klein beigab und in die LPG eintrat. Hineingezwungen. Wahrscheinlich wäre er auf Grund der schweren Arbeit und der Tatsache, dass er kein gelernter Bauer war, irgendwann sowieso eingetreten, aber so lange wollte keiner warten.
Den zweiten Bruch habe ich erfahren, als mir und anderen Abteilungsleitern in der Kaderabteilung klipp und klar erklärt wurde, dass unsere Unterstützung für einen Kollegen seitens der Partei nicht erwünscht sei und wenn wir es nicht unterlassen und bereits organisierte Dinge nicht zurückdrehen, dann würden wir die längste Zeit Abteilungsleiter sein.
Von da ab habe ich gesehen, dass unfähige Leute an das Ruder kamen, die aber Genosse waren und fähige bewährte Könner in die Wüste geschickt wurden. Ab dem Zeitpunkt habe ich angefangen zu Angeln, statt mich noch ein bisschen für das System zu engagieren.
Zitat Nostalgiker:

„Wer sich nicht zu DDR Zeiten von der Ideologie vereinnahmen ließ dem brach 1989 auch keine Welt zusammen.
Es lag letztendlich an jedem selbst sich zu orientieren und sich seine Chance zu suchen.
Nur ist dies nicht jedem gegeben; in keiner Gesellschaftsordnung dieser Welt.

Es wird immer Gewinner und Verlierer geben.
Im Falle der sich verflüchtigten DDR meinen Einige welche sich damals auf der Gewinnerseite sahen sie müssen sich Heute in ihrer Verliererpose zu gefallen.
Genauso wie zu Zeiten der existieren DDR ein Teil der Bevölkerung alles an und in der DDR schlecht fand und den "Westen" grundsätzlich schön, bunt und interessant, so finden die sogenannten Wendeverlierer heutzutage alles nur noch schrecklich und stimmen wahrscheinlich leise das Lied "schön, so schön war die Zeit, alles liegt so weit, so weit. So schön,schön war die Zeit....." an.

Es ist genau so, sehr treffend geschrieben...


glasi hat sich für diesen Beitrag bedankt
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