#261

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 17.07.2012 12:47
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #255
Rüganer,

ich will ein Beispiel bringen.

Von einem Kumpel der Sohn lernte einen Beruf. Schon zu Lehrbeginn war klar, dass die Ausgebildeten nicht übernommen werden. Ich kenne aber auch Betriebe, die bilden entsprechend des Bedarfes aus. Sprich es gibt beides.
Genau wie nicht jeder Arbeitgeber ein "Ungheuer" ist. Aber es gibt eben solche und solche. Hast Du dich vielleicht noch nicht gewundert, wie Konkurenten bestimmte Preise machen können. Dies geht doch nur wenn ích Beschiss mache oder Trick 18 anwende. Und warum Herr XY für 5,00 Euro arbeitet ? Weil er für diese Kohle arbeiten gehen muss. Ganz einfach.


Es wird aber nirgendwo ehrlich bilanziert, welch ein gigantischer Schaden für erfolgreiche und trotzdem vergebliche Ausbildungsmaßnahmen entstehen.
Ich hatte Leute mit drei Facharbeiterbriefen auf der Lok zur Ausbildung, teilweise haben die mit 30 noch nie einen unbefristeten Arbeitsvertrag gehabt, eben weil sie am Bedarf vorbei qualifiziert wurden.
Die DDR war hier ohne Frage moderner und effizienter aufgestellt, indem die Kombinate bei den Schulen ihren Facharbeiterbedarf anmeldeten, alle Betriebe koordiniert von einer zentralen Stelle ein Lehrstellenverzeichnis heraus gaben und es den Schülern der 9. Klasse, ein Jahr vor dem vorläufigen Schulende vorlegten.
Und hier gab es begehrte Berufe wie Friseuse oder Kfz- Schlosser und eben vermeintlich weniger attraktive Berufe in gößerer Anzahl, wobei nach meinen Kenntnissen diese Vorgaben auch eingehalten wurden und die leistungsstärksten POS- Absolventen in der Regel auch die besten Karten hatten.
Und was ist jetzt fortschrittlicher ?
Allen ihren Wunschberuf lernen zu lassen- wir leben ja in Freiheit- und sie dann in eine perspektivlose Zukunft beim Start ins Berufsleben zu schicken oder von vornherein so auszubilden, daß eine nahtlose Integration ins Berufsleben ralisiert wird.
Übrigens gäbe es eine gute Lösung, Betriebe zur Ausbildung zu ermutigen aber da schmeißt man dem "Ungeheuer" Arbeitgeber gesetzlicherseits Knüppel zwischen die Beine.
Ich meine damit die vertragliche Sicherheit, daß die Ausgebildeten wegen der Investition des AG auch lange genug im Betrieb, der ausgebildet hat verbleiben müssen, sofern der Betrieb diesen Bedarf hat und genau dieses Ansinnen ist hierzulande nicht gerichtsfest zu regeln.
Und so werden vermeintliche Errungenschaften im Arbeitnehmerrecht zum Bummerang und so mißtraut jeder jedem, weil ein unfähiger Gesetzgeber einmal mehr unpopuläre Maßnahmen nicht durchsetzen kann oder will- es ist wie im Streichelzoo !



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#262

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 17.07.2012 12:51
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Zitat von Rüganer im Beitrag #260
Zitat von EK 82/2 im Beitrag #257
[quote=Alfred|p203120]Rüganer,

wer macht denn die politik? genau hier liegt das problem. wenn sich eine regierung permanent gegen einen landesweiten mindestlohn wehrt weil es die konzerne treffen könnte gibt man den ausbeutern honig in die hand. schaut mal in stellensuchen einiger firmen, tariflohn fehl am platz, 400€ jobs dominieren wie auch 20 stunden wochen und zeitarbeiter sind eh hoch gefragt. davon kann niemand leben ohne aufstockung nur der unternehmer lebt gut davon und die aktien der politiker steigen an wert.


Na da sind wir doch schon wieder beim bösen Unternehmer...
hat doch Methode...
Alfred, der Herr XY, der für 5,00 Euro muss, ja, kann er nichts anderes? Warum geht er nicht dorthin, wo er besser bezahlt wird? Hat er keine Ideen als Dipl. - Ing? Ist er vielleicht zu alt? Ohne dies alles zu wissen, kann man schlecht drüber urteilen.
Ach und EK 82/2|, solange du vielleicht auch ein Anhänger der Devise : "Geiz ist geil " bist, solange wirst du dafür sorgen, dass nur das billigste Produkt gekauft, der billigste Unternehmer liefern kann, der billigste Handwerker den Zuschlag erhält und somit derjenige, der den Mindestlohn bezahlt, außen vor bleibt. Es muss ja alles billig sein, wenn möglich unter den Herstellungskosten.
Wenn man lauter Waren aus China kauft, muss man sich nicht wundern, wenn die Einkommen auch langsam in Richtung chinesischer Wanderarbeiter tendieren.

nee rüganer so gegen die unternehmer meinte ich es nicht, sondern gegen die konzerne welche die kleinen unternehmer kaputt machen. du schreibst schon richtig das billigkauf vieles zerstört, aber vorher muß man erst mal das geld verdienen um nicht nach den preis zu sehen. glaubst du wirklich das ein billigjobber mit aufstockung darauf achtet ob sein produkt aus kinderarbeit stammt oder aus massentierhaltung? das ist dem sch....egal leisten muß er es sich können ohne sich zu verschulden und nur der lohndumping zwingt ihn dazu, weil herr xy mit milliardenumsätze täglich seinen kavier haben möchte. die jacht kostet am liegeplatz schließlich auch und die angestellten zum hausputz usw.
mal ein bsp. ich kenne eine verkäuferin bei karstadt die eine 25 stunden woche hat obwohl sie gerne vollzeit arbeiten würde, meinste die kauft irgend etwas bei karstadt ein? da träumt karstadt vielleicht von das der lohn im laden umgesetzt wird. der landet im billigdiscounter aus finanznot. solange dies so ist gehen immer mehr firmen pleite durch ihren eigenen lohngeiz.


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
zuletzt bearbeitet 17.07.2012 13:02 | nach oben springen

#263

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 17.07.2012 13:11
von Rüganer (gelöscht)
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Nostalgiker,

ich vertiefe keine Gräben, ich stelle nur fest, dass hier von dir und anderen pauschal gegen Unternehmer geschossen wird. Ob nun Kleinst-, Klein-, oder mittelständische Unternehmer, sie alle sind diejenigen, die lt. EK 82/2 gut leben, gemäß deines alten Posts schlecht bezahlen und ( jetzt setze ich einen drauf ) ausbeuten. Dagegen habe ich mich verwahrt.
Nebenbei, meinetwegen kann applaudieren wer will, mir ist der Button auch egal, ich habe nur gesehen, wer dies bei deinem Post getan hat und dachte mir meinen Teil.
Wir halten uns auch keine Tendenzen vor, Vorhaltungen sehen doch wohl ganz anders aus und ich jedenfalls würde mir nicht herausnehmen, jemanden seine Gesinnung, seine Ideologische Einstellung oder gar seine Politische Heimat vorzuhalten, darüber zu lästern darf aber erlaubt sein, oder?
Wie ich Alfred schon geantwortet habe, ohne den Fall mit den 5,00 Euro näher zu kennen, kann man darauf nur fragen warum und wenn du sagst, er wäre territorial gebunden, dann ist es so. Ich weiß, dass ich nicht für 5, irgendwas arbeiten gehen würde und meine Klitsche schon verkauft oder den Kindern gegeben hätte und mit Frau ausgewandert wäre. Zum Glück muss ich mir mit 62 darüber aber keine Gedanken mehr machen.
Ich hätte aber auch als Kraftfahrer gearbeitet und mit der Hand abgeladen. Nun macht es ein gelernter Einzelhandelskaufmann und der wird demnächst in das Büro umziehen, also aufsteigen und dann geht die Sucherei wieder los.
Wenn ich an meinen vorletzten Urlaub zurückdenke, wo ich mir ein Privattaxi mit Fahrer mieten konnte, der mir und meiner Frau die Stadt zeigte, der irgendwo wartete und nach Anruf 10 Minuten später am Treffpunkt war und die nächste Sehenswürdigkeit anfuhr, dann denke ich, wir haben noch zu wenig Service. Kann aber sein, dass es in Deutschland so was ja gibt, hier auf Rügen jedenfalls nicht.
Radios – ich war dabei, als in Neuruppin Nostalgieradios für den Westen gebaut wurden, auf selbsterfundenen Vorrichtungen, mit Handarbeit und einem ungeheuren Aufwand. Als westdeutsche Besucher dann diese Produktion sahen, die an mittelalterliche Manufakturen erinnerte, drückten sie den Preis noch einmal. Das Radio wurde dann wohl für unter 20 DM verkauft und tauchte bei Quelle und Neckermann auf. ( Dies kann ich aber auch durcheinander bringen, Boelleronkel steckt da besser in der Materie drin)
Vergeudung von Materialien, Arbeitskraft und Ressourcen, Aber dafür Devisen.

@EK 82/2
wenn du die ganz großen meinst, dann schreib dies auch so. Es klang und las sich ganz anders.


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#264

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 17.07.2012 13:15
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Zitat von Rüganer im Beitrag #263
Nostalgiker,

ich vertiefe keine Gräben, ich stelle nur fest, dass hier von dir und anderen pauschal gegen Unternehmer geschossen wird. Ob nun Kleinst-, Klein-, oder mittelständische Unternehmer, sie alle sind diejenigen, die lt. EK 82/2 gut leben, gemäß deines alten Posts schlecht bezahlen und ( jetzt setze ich einen drauf ) ausbeuten. Dagegen habe ich mich verwahrt.
Nebenbei, meinetwegen kann applaudieren wer will, mir ist der Button auch egal, ich habe nur gesehen, wer dies bei deinem Post getan hat und dachte mir meinen Teil.
Wir halten uns auch keine Tendenzen vor, Vorhaltungen sehen doch wohl ganz anders aus und ich jedenfalls würde mir nicht herausnehmen, jemanden seine Gesinnung, seine Ideologische Einstellung oder gar seine Politische Heimat vorzuhalten, darüber zu lästern darf aber erlaubt sein, oder?
Wie ich Alfred schon geantwortet habe, ohne den Fall mit den 5,00 Euro näher zu kennen, kann man darauf nur fragen warum und wenn du sagst, er wäre territorial gebunden, dann ist es so. Ich weiß, dass ich nicht für 5, irgendwas arbeiten gehen würde und meine Klitsche schon verkauft oder den Kindern gegeben hätte und mit Frau ausgewandert wäre. Zum Glück muss ich mir mit 62 darüber aber keine Gedanken mehr machen.
Ich hätte aber auch als Kraftfahrer gearbeitet und mit der Hand abgeladen. Nun macht es ein gelernter Einzelhandelskaufmann und der wird demnächst in das Büro umziehen, also aufsteigen und dann geht die Sucherei wieder los.
Wenn ich an meinen vorletzten Urlaub zurückdenke, wo ich mir ein Privattaxi mit Fahrer mieten konnte, der mir und meiner Frau die Stadt zeigte, der irgendwo wartete und nach Anruf 10 Minuten später am Treffpunkt war und die nächste Sehenswürdigkeit anfuhr, dann denke ich, wir haben noch zu wenig Service. Kann aber sein, dass es in Deutschland so was ja gibt, hier auf Rügen jedenfalls nicht.
Radios – ich war dabei, als in Neuruppin Nostalgieradios für den Westen gebaut wurden, auf selbsterfundenen Vorrichtungen, mit Handarbeit und einem ungeheuren Aufwand. Als westdeutsche Besucher dann diese Produktion sahen, die an mittelalterliche Manufakturen erinnerte, drückten sie den Preis noch einmal. Das Radio wurde dann wohl für unter 20 DM verkauft und tauchte bei Quelle und Neckermann auf. ( Dies kann ich aber auch durcheinander bringen, Boelleronkel steckt da besser in der Materie drin)
Vergeudung von Materialien, Arbeitskraft und Ressourcen, Aber dafür Devisen.

@EK 82/2
wenn du die ganz großen meinst, dann schreib dies auch so. Es klang und las sich ganz anders.


einspruch, weil da kam sicher etwas falsch an. ich meinte die konzerne und nicht die kleinen. ich arbeite seit der wende selber unter kleinen unternehmern und kann nur sagen das diese an ihrer grenze leben und meist die löhne korrekt und pünktlich zahlen. selber aber probleme haben ihre rechnungen von anderen einzufordern. ich denke nun hast du meine ansicht verstanden.


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#265

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 17.07.2012 13:42
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #259
Rüganer,


Nachdem sich herausstellte das danach im Angebot viele der 100.000 Dinge des täglichen Bedarfs fehlten kamen die obersten Wirtschaftslenker auf die glorreiche Idee das jeder Betrieb, egal was seine Kernkompetenz war wie es Heute heißt, auch Konsumgüter herstellen mußte.
Da wurden die seltsamsten Sachen produziert. Eine Werft! stellte Vogelbauer her. Wie witzig.......

In dem Kombinat in dem ich tätig war kam irgendjemand auf die Idee wir könnten doch Radios herstellen. als ob es keine Firmen in der DDR gab die Radios herstellte.
Aber gesagt, getan und mit einem immensen Entwicklungsaufwand wurde ein durchaus edles Radio zur Produktionsreife gebracht. Wobei die zuständigen Entwickler auf diesem Gebiet keine erfahrenen Profis waren.
Wenn dann auch noch dieses Radio mindesten zu seinem Selbstkostenpreis verkauft worden wäre, kein Mensch hätte es sich leisten können.....
So wurden also Ressourcen verschleudert welche woanders besser aufgehoben wären und der Betrieb macht mit diesem Produkt auch noch Verlust.
Aber es war Staatlicherseits so gewollt.

Gruß
Nostalgiker



Aber diese "neue" Erfindung fand ich damals wirklich hilfreich, denn meiner Meinung war das so konzipiert, daß man eben solche Waren des täglichen Bedarfs im "Vorbeigehen" produzieren sollte.
In meinem Bahnbetriebswerk waren das auch nach heutigen Prämissen recht hochwertige Partygrills, die um die 100 Mark brachten und stark nachgefragt waren.
Leute, die Leerlauf hatten, bastelten die überwiegend aus immer wieder anfallenden Kleinteilen zusammen und zwar ohne Vorgaben.
Einen derartigen Entwicklungsaufwand, wie Du ihn beschreibst, ist da eher etwas, das man hätte vermeiden sollen, da es bei dieser Idee um die Aufdeckung schlummernder Reserven ging.
Leider hat man die ganze Sache einmal mehr nicht zu Ende gedacht, denn alle, die während ihrer Leerlaufzeit es nicht geschafft hatten, sich gut genug zu verstecken oder anderweitig wichtig zu machen, wurden in diese Nebenproduktion einbezogen, ohne etwas davon zu haben.
Man hat sich einmal mehr nicht bis zur letzten Konsequenz zum viel propagierten Leistungsprinzip durchringen können.



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#266

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 17.07.2012 14:03
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Rüganer im Beitrag #260
Zitat von EK 82/2 im Beitrag #257
[quote=Alfred|p203120]Rüganer,

wer macht denn die politik? genau hier liegt das problem. wenn sich eine regierung permanent gegen einen landesweiten mindestlohn wehrt weil es die konzerne treffen könnte gibt man den ausbeutern honig in die hand. schaut mal in stellensuchen einiger firmen, tariflohn fehl am platz, 400€ jobs dominieren wie auch 20 stunden wochen und zeitarbeiter sind eh hoch gefragt. davon kann niemand leben ohne aufstockung nur der unternehmer lebt gut davon und die aktien der politiker steigen an wert.


Na da sind wir doch schon wieder beim bösen Unternehmer...
hat doch Methode...
Alfred, der Herr XY, der für 5,00 Euro muss, ja, kann er nichts anderes? Warum geht er nicht dorthin, wo er besser bezahlt wird? Hat er keine Ideen als Dipl. - Ing? Ist er vielleicht zu alt? Ohne dies alles zu wissen, kann man schlecht drüber urteilen.
Ach und EK 82/2|, solange du vielleicht auch ein Anhänger der Devise : "Geiz ist geil " bist, solange wirst du dafür sorgen, dass nur das billigste Produkt gekauft, der billigste Unternehmer liefern kann, der billigste Handwerker den Zuschlag erhält und somit derjenige, der den Mindestlohn bezahlt, außen vor bleibt. Es muss ja alles billig sein, wenn möglich unter den Herstellungskosten.
Wenn man lauter Waren aus China kauft, muss man sich nicht wundern, wenn die Einkommen auch langsam in Richtung chinesischer Wanderarbeiter tendieren.



Warum er hier für 5,00 Euro arbeitet ?

Da kann es viele Gründe geben.
Dies kann daran liegen, dass der Ehemann hier einen Job hat und er diesen aus verschiedenen Gründen nicht aufgeben will. Dies kann sein, dass man sich noch um seine Kinder oder seine Eltern kümmern - will - muss. Dies kann aber noch viele andere Gründe haben.
Mit den "Geiz ist Geil " hast Du RECHT. Aber hier gibt es auch wieder DIESE und JENE. Habe ich einen ordentlichen Lohn, kann ich mir was leisten, habe ich diesen nicht, bin ich eben gezwungen auf die Ausgaben zu achten.
Und da ist es egal, ob ich von Lebensmittel oder Möbeln oder anderen spreche. Es ist ja nicht so, dass alle aus GEIZ handeln,sondern es soll auch einige geben, die können nicht anders.


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#267

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 17.07.2012 14:26
von Rüganer (gelöscht)
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@Alfred

keine andere Meinung, Alfred, die einen müssen so zugreifen und die anderen machen daraus einen Sport - das Resultat ist jedoch immer das gleiche - Verfall der Preise, solange man vergleichbare Leistungen anbietet oder vergleichbare Produkte herstellt. Und wenn "man" mir höhere Lohnzahlungen abverlangen würde bzw. diktiert, dann müsste ich dies in Kalkulationen einfließen lassen, denn irgendwo muss das Geld dafür ja herkommen. Ob ich es dann erziele, in der Konkurrenz mit Internetanbietern, mit Firmen aus anderen EU-Ländern, mit Scheinunternehmern und was weiß ich, wer da noch alles mit die Finger im Brei hat, bliebe abzuwarten. Es könnteaber auch das Resultat kommen, ich gebe als Unternehmen auf, weil zubuttern ist ja nicht der Sinn der Sache. Was dann?
Wenn es heute dünner wird, dann bleibt immer nur eins - Personalkosten runter, die sind der größte Faktor bei den Kosten. Entweder weniger machen mehr oder alle für weniger Geld. Leider und ich betone leider kann man die Mathematik nicht überlisten und ich bin weder die DDR, die über die Verhältnisse gelebt hat, noch die BRD, die momentan über ihre Verhältnisse lebt.
Ich bin nur ein privater Krauter.....


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#268

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 17.07.2012 14:46
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Rüganer,

es scheint Dich wirklich mächtig zu wurmen, aus einer Bemerkung von mir welche im Nachhinein nicht so ganz glücklich ausformuliert war, machst Du ein Drama als ob ich ständig bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit behaupten würde Unternehmer, egal ob 1 Angestellter oder zig Tausende seien schon von ihrer Art her Menschen denen man nicht über den Weg trauen sollte.
Da steigerst Dich ein wenig in etwas hinein.

So zu dem bewußten Dipl.-Ing.
Es/Sie ist ein hochspezialister Mensch im Bereich Telekommunikation. Da der Konzern in dem er arbeitet sich wie so viele auf seine Kernkompetenz besonnen hat wurde die Stelle nicht etwa gestrichen sondern in per Outsourcing in eine eigenständige Gesellschaft überführt. Als neuer Arbeitsort wurde ein idyllischen Fleckchen in der brandenburgischen Pampa erspäht und mit Fördergeldern!, weil ja neue Arbeitsplätze geschaffen wurden die entsprechenden Gebäude hochgezogen.
Neue Firma, neues Glück, sprich neue Arbeitsverträge mit besagtem Lohn........
Auf Grund seiner Spezialisierung und der Übersichtlichkeit der dazu vorhandenen Stellen bei Konkurrenzunternehmen ist ein Wechsel witzlos. Zumal die Stellen eh alle besetzt sind und welch junges, dynamisches Team nimmt schon einen nach ihrer Ansicht Scheintoten in ihre Reihen auf.....

Aus eigenem Erleben, auch ich mußte mich notgedrungen vor einigen Jahren neu orientieren. Was ab einem bestimmten Alter nicht so einfach ist.
Ein sehr interessantes Gespräch mit einer Personalchefin hatte ich auf der C-Bit.
Nachdem sie meine Unterlagen studiert hatte und sich mit mir ausführlich unterhalten hatte meinte sie zu mir das sie mir eine Stelle anbieten könne ABER! mit meinen Qualifakation, meiner Berufserfahrung und bereits geleisteten Arbeitsjahren müsse sie mir Summe X als Jahresgehalt zahlen (ohne Boni und ähnlichem Schickschnack). Das bekomme sie nicht genehmigt denn für diese Summe bekäme sie zwei Absolventen die zwar keine Ahnung von der Materie haben, Unsinn anstellen und sich meist (ihre Erfahrung) sowieso nicht längerfristig an eine Firma binden wollen......
Und für die Summe (das Absolventengehalt) dürfe sie nun wiederum mich nicht einstellen.....

Sehr aufbauend. Nun gut ich habe woanders eine Stelle gefunden und nicht zu Absolventenkonditionen.
Einen ehemaligen Kollegen den es damals auch traf hatte sich auf ein Arbeitsverhältnis eingelassen in dem die Bezahlung fast sittenwidrig war, wenn ich die Branche zu Grunde lege....
Er hatte dann auch das "Glück" das die Firma pleite ging, Insolvenverschleppung, Veruntreuung von Geldern durch den Eigner, Nichtzahlung von Sozialabgaben und Krankenkassenbeiträgen während des Arbeitsrechtsverhältnisses......
Mit anderen Worten das volle Programm......
Was ist diesem Unternehmer passiert? Richtig: Nichts. Denn er hatte alles so schön geregelt das er für nichts haftbar gemacht werden konnte......
Solche Typen hatte ich im Hinterkopf und nicht den kleinen Krauter heutzutage der auch sehen muß wie er über den Monat kommt.....

Um zum ursprünglichen Thema zurückzukommen.
In einem Betrieb unseres Kombinates stellte ein Teil der Produktionsarbeiter in Eigenregie und ganz ohne Konsumgüterproduktionsbeschluß der Partei Grills für den Garten her. Klug durchdacht, aus Nirosta(war gerade im "Angebot", formschön anzusehen und vor allem sie funktionierten auch! Ich habe mir auch so ein Ding gesichert, Holzkohle dazu bekam ich auch, also was wollte der Mensch mehr.
Offiziell wurden diese Grills nie gefertigt, was im Betrieb dann als Konsumgut hergestellt wurde, ich weiß nicht......
Doch eine weiteres Radio, so ein kleines.......

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#269

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 17.07.2012 15:09
von Rüganer (gelöscht)
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@Nostalgiker

Es ist immer das Problem, dass man mit höherem Alter ( vielleicht schon ab 40??) als alt und überqualifiziert angesehen wird und solche beschriebenen Probleme bekommt.
Ganz klar Scheibenkleister, wenn es einen dann trifft. Wie viele Spezialisten sind heute aber anderweitig tätig, nicht mehr bei dem, was sie einmal gelernt haben, wofür sie allerhöchste Qualifikation besitzen?
Mein bayrischer Freund war bei der Telekom, gründete dann eine eigene Firma, ging damit nach einigen Jahren den Bach herunter, musste in dem stockkonservativen Land die seinerzeit noch notwendige Eidesstattliche Versicherung umgehen, weil ihn sonst keiner mehr mit dem Ars... angesehen hätte und hat sich dann als IT Spezialist in eine Arbeitsverhältnis gerettet, wo er nach wiederum einigen Jahren durch jüngere Kollegen gemobbt wurde. Sein Können hat ihn aus den Schulden gerettet und bis zum Erreichen des Rentenalters in der Firma ausharren lassen, auch wenn er jeden Tag die Schnauze voll hatte.
Es gibt also hüben, wie drüben Beispiele, wie es gehen kann und wie man kämpfen muss. Manchmal auch berufsfremd.
Grills zu bauen, war scheinbar in der DDR Usus. Gegen 2 Kästen Berliner Bier, 0,5 l Flaschen, haben wir auch einem neu zugezogenen Paar hier in der Werkstatt einen TOP – Grill gebaut. Dafür fand sich auch Blech, leider kein Edelstahl, dafür aber 2,5mm starkes Schwarzblech, der Grill hat schon 25 Jahre durchgehalten.
Schattenwirtschaft habe ich es in diesem Thread schon einmal genannt.
Schade war nur, dass man ein ganzes Werkstattkollektiv zum Fleischer schicken musste, um wenigstens genügend Kammscheiben damals in der DDR zu haben.


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#270

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 17.07.2012 15:20
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@Rüganer,

es gibt immer solche und solche Beispiele genauso wie es Menschen gibt welche sich durchbeißen und welche die irgendwann aus den vielfältigsten Gründen resignieren.......

Kein Wunder das es beim Fleischer keine Kammscheiben zum grillen gab wenn sie Werkstattkollektivweise weggekauft wurden und das bestimmt auch noch während der Arbeitszeit......

Fernsehantennen waren auch solch ein beliebte Fertigung......
Habe als Lehrling selber welche gebaut....

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#271

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 17.07.2012 22:29
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

rüganer es ist ein kreisproblem aus dem wir nicht raus kommen. ich weis durchaus gute ware zu schätzen und leiste mir sogar hin und wieder ein anständiges steak vom metzger frisch. ganz andere qualität aber zu teuer auf dauer und so haben die kleinen unternehmer ihren kummer gegen die großen zu bestehen. aber wo kein geld vorhanden ist kann auch nicht markenqualität gekauft werden. solange die löhne sinken und das volk immer weniger in der tasche hat (ausnahmen gibt es immer) wird der billigkauf dominieren bis auch de billigdiscounter nicht mehr genug umsatz haben. und was kommt danach? das weis keiner.


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#272

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 18.07.2012 21:44
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #213
.

Wir bekamen zum Beispiel Mitte der Achtziger die ersten Bürocomputer und alles (fast) wurde auf EDV Umgestellt.
Nicht nur das wir in einem Nachweisbuch genaustens die Auslastung des PCs dokumentieren mußten, nein es wurden auch die benötigten Daten ganz schick auf Datenträgern dargereicht. Floppys; 5,25″.
Aus dem NSW und deshalb schwer bewacht und sparsam eingesetzt.
Schicken war nicht so das Ding, besonders nachdem es öfters vorkam das die Floppys am Begleitschreiben festgetackert wurden......
Also machten sich Zwei!!! Kollegen mit der Floppy auf den Weg um sie persönlich abzuliefern.
Ich glaube wir hatten so einen PC 1715 zur Verfügung ohne große Festplatte. Also wurden die Daten ausgedruckt!
Weiter möchte ich nicht ins Detail gehen.....

Nur wenn ich davon ausgehe das aus 20 Kombinatsbetrieben sich jeden Monat 2 Kollegen auf den Weg machten um eine Datendisk nach Berlin zu bringen.......
Einzige Entschuldigung ein Intranet gab es damals noch nicht zum Datenaustausch und Übermittlung.....
Aber ich glaube die Datenübermittlung getrommelt wäre ein wenig effektiver gewesen......

Nebeneffekt; die Kollegen, meist Frauen, hatten eine umfangreiche Einkaufsliste ihrer Kollegen welche sie in Berlin abarbeiteten und Abends fuhren sie mit dem Städteschnellexpress wieder zurück in ihre Heimat......
Oder ihre Wünsche wurden vorab übermittelt und wir besorgten die Begehrlichkeiten denn auch in Berlin gab es nicht immer alles zu aller Zeit.....

@Hackel39, die Leute welche ich kannte und die in das NSW fahren durften um solche Geschäfte abzuwickeln wußten schon was sie wollten und wo sie es bekommen konnten.
Das "falsche" kauften sie in der Regel nicht ein aber der Knackpunkt war wie bei so vielem die Bereitstellung der Finanzmittel und das führte eben dazu das eine zwar hocheffektive Gußanlage für die Herstellung von Aluminiumguß (Motorblöcke) gekauft und installiert wurde aber das "drumherum" was auch zu solch einer Anlage gehört nicht gekauft wurde (Devisen!) sondern in Form der bereits erwähnten Neuerervereinbarungen selbst geschnitzt wurden um die Anlage so einigermaßen zum laufen zu bringen und am laufen zu halten.

Dies hatte den Nebeneffekt das die Bezieher des Alumiumgußes (zum Beispiel die Autohersteller in der DDR) sich Monat für Monat am Tisch des zuständigen Produktionsdirektors versammelten und um unter Vorlage von Dringlichkeitsnachweisen um die Aufteilung der monatlichen Produktionsmenge feilschten .... die Anlage hatte auch nur eine bestimmte Kapazität......
Diesen Irrsinn machte ich bis Ende 1989 monatlich mit......(unter anderem)


Gruß
Nostalgiker


Ich mußte eine ganze Zeit lang darüber nachdenken, an welchen Filmstoff mich das Thema Mikroelektronik in der DDR erinnert hat, nun ist mir der Titel eingefallen- "Zwei schräge Vögel", einer der letzten DEFA- Produktionen der Vorwendezeit gespickt mit beißendem Spott gegenüber den Partei- und Kombinatslenkern und eine für damalige Verhältnisse schon todesmutige Parodie auf den DDR- Alltag in den Betrieben.
http://www.youtube.com/watch?v=KXrSOTOGQ9M&feature=related
Bemerkenswert schon der Song mit Textstellen wie "Ich will nicht über sieben Brücken gehn, die dunklen Jahre sind vertane Zeit..." u.a. wohl in Anspielung auf einen Karat- Titel der 1980er Jahre, alles in allen kommt diese Kinoproduktion, die wohl vor der Wende nicht im Fernsehen lief, der Realität auf tragische Weise recht nah und es ist schon eine kleine Sensation, wie sie die Zensur passieren konnte.
Solche Protagonisten wie die beiden Programmierer kamen in der DDR eigentlich von einem anderen Stern und waren den Oberen so suspekt wie unsereinem heute wohl nur Marsmenschen vorkommen würden.
Nebenbei mit einer glanzvollen Besetzung, u.a. Willy Schwabe, P. Sodann, J. Schwarz, A. Kling u.v.a.
Gute Unterhaltung zum Tagesausklang wünsche ich.



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#273

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 19.07.2012 11:27
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #272
...Ich mußte eine ganze Zeit lang darüber nachdenken, an welchen Filmstoff mich das Thema Mikroelektronik in der DDR erinnert hat, nun ist mir der Titel eingefallen- "Zwei schräge Vögel", einer der letzten DEFA- Produktionen der Vorwendezeit gespickt mit beißendem Spott gegenüber den Partei- und Kombinatslenkern und eine für damalige Verhältnisse schon todesmutige Parodie auf den DDR- Alltag in den Betrieben.
http://www.youtube.com/watch?v=KXrSOTOGQ9M&feature=related
Bemerkenswert schon der Song mit Textstellen wie "Ich will nicht über sieben Brücken gehn, die dunklen Jahre sind vertane Zeit..." u.a. wohl in Anspielung auf einen Karat- Titel der 1980er Jahre, alles in allen kommt diese Kinoproduktion, die wohl vor der Wende nicht im Fernsehen lief, der Realität auf tragische Weise recht nah und es ist schon eine kleine Sensation, wie sie die Zensur passieren konnte.
Solche Protagonisten wie die beiden Programmierer kamen in der DDR eigentlich von einem anderen Stern und waren den Oberen so suspekt wie unsereinem heute wohl nur Marsmenschen vorkommen würden.
...

Hallo Hackel39,

danke für den schönen Link. Den Film hatte ich schon verdrängt. Meiner Freundin fiel auch erst bei den Bildern des Films wieder ein, dass sie den mal im Kreis ihrer damaligen Studiengruppe gezeigt hatte, um danach darüber zu diskutieren. Die näheren Umstände dazu verloren sich aber im Dunkel der Erinnerung.

Anmerkung zum Todesmut: Nein. 1988 und 1989 gab es eine recht breite Auseinandersetzung, die sich im wesentlichen auf das Vorbild Glasnost und Perestroika stützte. Das wurde von Partei und Führung nicht gern gesehen, gern unterbunden, aber Todesmut war da schon nicht mehr vonnöten, um solche Parodien zu machen. Sicher, viele verpackten die Kritik in Anspielungen und brachten sie nicht so deutlich zur Sprache, wie dieser Film hier. Aber das war auch eher eine Gewohnheit des Duckens. Insofern waren die Filmemacher schon mutig, aber als Todesmut würde ich es nicht bezeichnen. Übrigens: Die Gesellschaftskritik in dem Film erinnerte mich an einen mehr als zwanzig Jahre zuvor produzierten und am Schneidetisch schon verbotenen Film, den ich auch erst nach der Wende zu sehen bekam: "Wenn Du groß bist Lieber Adam (http://de.wikipedia.org/wiki/Wenn_du_gro...st,_lieber_Adam).

Anmerkung zu den Protagonisten: Nein, solche waren nicht nur suspekt, solche sind es heute noch genauso. Und das ist eigentlich der nette Gedanke, an den mich der Film erinnert hat. Das eigentliche Problem der DDR war nicht unbedingt, dass Menschen in Führungs- und Entscheidungspositionen solche Haltungen entwickelt haben, wie sie der Film zeigt. Solche Leute habe ich heute auch haufenweise in meiner Zeit als Trainer und Berater in den verschiedensten Institutionen und Firmen erlebt. Das Problem war, dass man sich in der DDR nicht damit auseinandersetzen konnte. Die aus der marx'schen Theorie direkt abgewandelten soziologoschen Axiome (z.B. "das materielle Sein bestimmt das gesellschaftliche Bewusstsein") und die sture Behauptung, dass die Partei immer recht hätte, machten Auseinandersetzungen mit Entscheidungsschwachen, Kleindenkern und Überforderten schlichtweg unmöglich. Die standen, "wo die Partei sie hingestellt hatte" und mussten laut gesellschaftlicher Theorie funktionieren. Funktionierten sie nicht, so musste die Umgebung "überzeugt werden", dass das schon irgendwie seine Richtigkeit hatte.

Heute kann ich beobachten, dass solche Leute immer noch zu finden sind und je größer die Einrichtung und je verschachtelter die Hierarchie, desto länger können sie sich im Sattel halten. Je schneller solches Fehlverhalten auf den Profit einer Firma durchschlägt, desto schneller kommt es zur Auseinandersetzung. Ein alter Freund hatte mir mal, halb im Scherz, halb im Ernst, den schnoddrigen Satz hingeworfen: "Die DDR war eigentlich nichts anderes, als ein Kapitalismus ohne Kapitalisten". Der Film erinnert mich daran, dass dieser Gedanke, so lax er auch ist, durchaus etwas für sich hat.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#274

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 19.07.2012 12:21
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat
Die aus der marx'schen Theorie direkt abgewandelten soziologoschen Axiome (z.B. "das materielle Sein bestimmt das gesellschaftliche Bewusstsein") und die sture Behauptung, dass die Partei immer recht hätte, machten Auseinandersetzungen mit Entscheidungsschwachen, Kleindenkern und Überforderten schlichtweg unmöglich. Die standen, "wo die Partei sie hingestellt hatte" und mussten laut gesellschaftlicher Theorie funktionieren. Funktionierten sie nicht, so musste die Umgebung "überzeugt werden", dass das schon irgendwie seine Richtigkeit hatte



Es ist schon erstaunlich wie man in 3 Sätzen das Grundübel des Scheiterns unseres Staates zusammenfassen kann. Respekt dafür @ Rainman, den Absatz sollte man sich ausdrucken und einrahmen.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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zuletzt bearbeitet 19.07.2012 12:25 | nach oben springen

#275

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 19.07.2012 14:08
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Feliks D. im Beitrag #274

Zitat
Die aus der marx'schen Theorie direkt abgewandelten soziologoschen Axiome (z.B. "das materielle Sein bestimmt das gesellschaftliche Bewusstsein") und die sture Behauptung, dass die Partei immer recht hätte, machten Auseinandersetzungen mit Entscheidungsschwachen, Kleindenkern und Überforderten schlichtweg unmöglich. Die standen, "wo die Partei sie hingestellt hatte" und mussten laut gesellschaftlicher Theorie funktionieren. Funktionierten sie nicht, so musste die Umgebung "überzeugt werden", dass das schon irgendwie seine Richtigkeit hatte


Es ist schon erstaunlich wie man in 3 Sätzen das Grundübel des Scheiterns unseres Staates zusammenfassen kann. Respekt dafür @ Rainman, den Absatz sollte man sich ausdrucken und einrahmen.




.........du meintest Scheitern deines Staates!


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#276

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 19.07.2012 14:23
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #275
Zitat von Feliks D. im Beitrag #274
...Es ist schon erstaunlich wie man in 3 Sätzen das Grundübel des Scheiterns unseres Staates zusammenfassen kann. Respekt dafür @ Rainman, den Absatz sollte man sich ausdrucken und einrahmen.


.........du meintest Scheitern deines Staates!



Och nö, Gert. Im Dialog mit mir hat er da schon recht. Es war auch mein Staat. Also ist "unser" Staat da schon mal richtig. Aber die Info, dass es nicht Deiner war, ist auch ganz brauchbar.


ciao Rainman


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(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


exgakl hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#277

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 19.07.2012 18:59
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #273
Zitat von Hackel39 im Beitrag #272
...Ich mußte eine ganze Zeit lang darüber nachdenken, an welchen Filmstoff mich das Thema Mikroelektronik in der DDR erinnert hat, nun ist mir der Titel eingefallen- "Zwei schräge Vögel", einer der letzten DEFA- Produktionen der Vorwendezeit gespickt mit beißendem Spott gegenüber den Partei- und Kombinatslenkern und eine für damalige Verhältnisse schon todesmutige Parodie auf den DDR- Alltag in den Betrieben.
http://www.youtube.com/watch?v=KXrSOTOGQ9M&feature=related
Bemerkenswert schon der Song mit Textstellen wie "Ich will nicht über sieben Brücken gehn, die dunklen Jahre sind vertane Zeit..." u.a. wohl in Anspielung auf einen Karat- Titel der 1980er Jahre, alles in allen kommt diese Kinoproduktion, die wohl vor der Wende nicht im Fernsehen lief, der Realität auf tragische Weise recht nah und es ist schon eine kleine Sensation, wie sie die Zensur passieren konnte.
Solche Protagonisten wie die beiden Programmierer kamen in der DDR eigentlich von einem anderen Stern und waren den Oberen so suspekt wie unsereinem heute wohl nur Marsmenschen vorkommen würden.
...

Hallo Hackel39,

danke für den schönen Link. Den Film hatte ich schon verdrängt. Meiner Freundin fiel auch erst bei den Bildern des Films wieder ein, dass sie den mal im Kreis ihrer damaligen Studiengruppe gezeigt hatte, um danach darüber zu diskutieren. Die näheren Umstände dazu verloren sich aber im Dunkel der Erinneru

Anmerkung zu den Protagonisten: Nein, solche waren nicht nur suspekt, solche sind es heute noch genauso. Und das ist eigentlich der nette Gedanke, an den mich der Film erinnert hat. Das eigentliche Problem der DDR war nicht unbedingt, dass Menschen in Führungs- und Entscheidungspositionen solche Haltungen entwickelt haben, wie sie der Film zeigt. Solche Leute habe ich heute auch haufenweise in meiner Zeit als Trainer und Berater in den verschiedensten Institutionen und Firmen erlebt. Das Problem war, dass man sich in der DDR nicht damit auseinandersetzen konnte. Die aus der marx'schen Theorie direkt abgewandelten soziologoschen Axiome (z.B. "das materielle Sein bestimmt das gesellschaftliche Bewusstsein") und die sture Behauptung, dass die Partei immer recht hätte, machten Auseinandersetzungen mit Entscheidungsschwachen, Kleindenkern und Überforderten schlichtweg unmöglich. Die standen, "wo die Partei sie hingestellt hatte" und mussten laut gesellschaftlicher Theorie funktionieren. Funktionierten sie nicht, so musste die Umgebung "überzeugt werden", dass das schon irgendwie seine Richtigkeit hatte.

Heute kann ich beobachten, dass solche Leute immer noch zu finden sind und je größer die Einrichtung und je verschachtelter die Hierarchie, desto länger können sie sich im Sattel halten. Je schneller solches Fehlverhalten auf den Profit einer Firma durchschlägt, desto schneller kommt es zur Auseinandersetzung. Ein alter Freund hatte mir mal, halb im Scherz, halb im Ernst, den schnoddrigen Satz hingeworfen: "Die DDR war eigentlich nichts anderes, als ein Kapitalismus ohne Kapitalisten". Der Film erinnert mich daran, dass dieser Gedanke, so lax er auch ist, durchaus etwas für sich hat.

ciao Rainman



Irgendwie kommt es mir so vor, als ob in der letzten Schlacht der DDR- Führung nur noch Schilder im Heer vorhanden waren und kaum noch Schwerter.
Keine Angst, ich meine das verbal und sehe gerade unseren Dienststellenleiter bei einer unserer letzten Versammlungen vor mir, ratlos im ND blätternd, um sich zum jeweiligen Thema der FDJ- Wahlversammlung zu positionieren.
Als jemand aus unserer Schlosserbrigade wissen wollte, was die Russen in Afghanistan suchen, haute er ihm seine letzte Aktion mit den ausgelassenen Schmierstellen beim Gelenkwellen abfetten um die Ohren, das war's.
Also Rainman, ich fand's trotzdem todesmutig, erwiderte aber auch bloß, daß es niemand wissen kann, weil ja keiner ins sowjetische Nachbarland rein kam.
Es gab auf dem Sterbebett der DDR auch eine Mangelwirtschaft an Antworten, das ND als Schild und mit stumpfen Schwert war auch ideologisch nicht mehr viel zu retten.
Allein dem Sozialismus instinktiv freundschaftlich verbunden zu bleiben, reichte nicht aus aber manchmal wünschte ich mir schon, zur Wendezeit etwas älter als 23 gewesen zu sein, womöglich hätte ich da heute eine andere Wahrnehmung.



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#278

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 19.07.2012 20:58
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #276
Zitat von Gert im Beitrag #275
Zitat von Feliks D. im Beitrag #274
...Es ist schon erstaunlich wie man in 3 Sätzen das Grundübel des Scheiterns unseres Staates zusammenfassen kann. Respekt dafür @ Rainman, den Absatz sollte man sich ausdrucken und einrahmen.


.........du meintest Scheitern deines Staates!



Och nö, Gert. Im Dialog mit mir hat er da schon recht. Es war auch mein Staat. Also ist "unser" Staat da schon mal richtig. Aber die Info, dass es nicht Deiner war, ist auch ganz brauchbar.


ciao Rainman


OK Rainman, so herum macht es Sinn. Mistverständnis glaubte er redet auch für mich, sorry


.
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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#279

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 22.07.2012 20:41
von Harra318 | 2.514 Beiträge

jeder ist sein Glückes......!Siehe dein Freund @Felix 2Häuser und 3 Wohnungen.Ach ein ehemaliger DDR-Bürger.Jeder ist des Glückes eig...........!!!!![/quote]

freunde ?.entschuldige bitte, suche ich mir bitte immer noch selber aus ! ich bild mir meine eigene meinung , bin auch nicht neidisch wie du auf anderen besitzstand sondern interresiere mich für die be - oder mißhandlung von bedürftigen in diesem land , was nun nicht aber auch rein gar nichts mit : jeder ist seines glückes ...zu tun hat !!![/quote]
Verzeihung lieber@Frank, es ist meine Schuld, ich habe mich nicht klar und deutlich ausgedrückt. Ich wollte damit nur sagen, dass man heutzutage sehr gut beraten ist wenn man Eigentum besitzt, zum Beispiel sein eigenen Wohnraum. Es ist ein großer Kostenfaktor in der Haushaltskasse. Neidisch bin ich auf gar keinen Fall, denn ich kann mein Eigentum wirklich mein Eigentum nennen. Wie man dazu kommt ist eben jeden seine eigene Angelegenheit, deshalb der Spruch..... . Jeder, wirklich Jeder hatte vor 20 Jahren die Möglichkeit seine Weichen des Lebens selbst zu stellen,(Gesundheit in diesem Fall nicht berücksichtigt).
MfG Harra318


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#280

RE: Die DDR war doch noch zu retten

in Themen vom Tage 29.07.2012 22:28
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #32
Andy, Fahre doch mal mit offenen Augen durch Dörfer und Städte.wenn Du dann immer noch schreibst es hat sich nichts geändert,dann muss ich mal zum Augenarzt.Es hat sich doch gewaltig was verändert,alles viel Freundlicher,Farbenfroher und viel Moderner.Schau mal gerade bei diesem Wetter über Dörfer und Städte,wieviele Ofenheizer Du noch entdecken wirst.Das hat für mich auch was mit Blühenden Landschaften zu tun.

Ich war letzte Woche mal wieder in Thüringen.Geisa, Vacha, Eisenach, Creuzburg, Treffurt, Ifta usw. Es sieht toll aus. Allein die Infrastruktur. Da kann mein Kreis in NRW nur träumen. Was ich aber viel wichtiger finde , ist die Meinung der Menschen die ich dort kennengelernt habe. Alle sind froh das das Thema DDR zu Ende ist. Viele sind froh das sie nicht mehr im Schutzstreifen wohnen. und machen können was sie wollen. Ich fand die Einstellung toll. Aber warum denken manche so. Und andere wieder so negativ. Was sind die Gründe?



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