#101

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 10.02.2013 18:26
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Ari@D187 im Beitrag #98
Besten Dank an Grenzwolf und EK40.

Die grünen Streifen sind die an den Kragenspiegeln?

Ich verstehe dann aber immer noch nicht den Zusammenhang zu:

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #89
[...] weil das "der mit den grünen Streifen" die bekommen hatte weil er schon einen erschießen durfte[...]



Gruß
Ari
@Ari,der Zusammenhang besteht darin,dass von unwissenden Menschen in West (und auch Ost) gedacht und behauptet wurde,dass Träger dieser grünen Balken "Killer" sind.
Also es wurde gedacht/erzählt,Grenzsoldaten mit diesen Balken auf den Schulterstücken haben Flüchtlinge erschossen.
Und als "Auszeichnung/Kennzeichnung" gab es dann unter anderem diese "Ehre" der grünen Streifen auf den Schulterstücken.....

Was natürlich absoluter Quatsch war und ist!
Diese Balken bekam ein Grenzsoldat ausschließlich,wenn er zum PF=Postenführer im Grenzdienst wurde,....nicht mehr und nicht weniger war der Grund.
In der Regel wurde man nach 12 Monaten Gefreiter und Postenführer,also im letzten Diensthalbjahr,für die letzten 6 Monate.
Ausnahmen bestätigen aber mal wieder die Regel.
Es gab später auch welche,die eher Postenführer wurden,dass war die Zeit,als auch einzelne Soldaten Vierteljährlich den Grenzkompanien zugeteilt wurden.
Die wurden dann z.B. nach 3 Monaten Ausbildung an den Zaun gestellt und konnten schon nach 9 Monaten Armeezeit PF werden.
In den Grenzkompanien waren diese Jungs irgendwie immer "Zwischenhänger",da nicht wirklich zu einem Diensthalbjahr zugehörig.
Die hatten es nicht immer einfach.......und fanden das meist selber nicht gut.

Ich wurde auch nach 12 Monaten Postenführer (aber als Soldat).
Denn Gefreiter wurde ich erst nach 15 Monaten,wegen "diszipl. Maßnahmen",die Ursachen hierfür benannte ich schon in einem anderen Thread

(Ich glaube als PF gab es dann etwas mehr Geld.)

Gruß ek40


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#102

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 10.02.2013 19:03
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von ek40 im Beitrag #101
Zitat von Ari@D187 im Beitrag #98
Besten Dank an Grenzwolf und EK40.

Die grünen Streifen sind die an den Kragenspiegeln?

Ich verstehe dann aber immer noch nicht den Zusammenhang zu:

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #89
[...] weil das "der mit den grünen Streifen" die bekommen hatte weil er schon einen erschießen durfte[...]



Gruß
Ari
@Ari,der Zusammenhang besteht darin,dass von unwissenden Menschen in West (und auch Ost) gedacht und behauptet wurde,dass Träger dieser grünen Balken "Killer" sind.
Also es wurde gedacht/erzählt,Grenzsoldaten mit diesen Balken auf den Schulterstücken haben Flüchtlinge erschossen.
Und als "Auszeichnung/Kennzeichnung" gab es dann unter anderem diese "Ehre" der grünen Streifen auf den Schulterstücken.....

Was natürlich absoluter Quatsch war und ist!
Diese Balken bekam ein Grenzsoldat ausschließlich,wenn er zum PF=Postenführer im Grenzdienst wurde,....nicht mehr und nicht weniger war der Grund. [...]


Hallo ek40,

vielen Dank für die ausführlichen Informationen. Mit den Uniformen hatte ich mich bisher kaum beschäftigt und viele Fotos sind schwarz/weiß oder man erkennt solche Details kaum aufgrund der Aufnahmeentfernung.

Dann hatte ich das genau umgekehrt aufgefasst, alles klar. Ich kenne ähnliche Behauptungen in Bezug auf die Schützenschnur. Unter Anderem sollen solche Aussagen von dem Bruder von Günter L. (+ 24.8.1961) gemacht worden sein (ehem. FÜST Kieler Straße in Berlin).

Gruß
Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#103

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 10.02.2013 19:05
von Rostocker | 7.716 Beiträge

Dazu möchte ich auch noch was schreiben.Wie ich hier schon mal im Forum schrieb.Bei uns auf der Kompanie war es schon Tradition,das drei Kameraden die ins dritte Diensthalbjahr gingen erst einen Monat später Gefreite wurden und ich war einer von den Dreien.Das hat mich im Prinzip ganicht weiter gestört.Aber ich bekam pünktlich die Postenführerbalken und durfte PF spielen.Der Geck dabei war,ging man mit dem Neuen in den Dienst-gingen zwei Soldaten raus.Und am schlimmsten war es,wenn man jemanden von einer anderen Kompanie ablöste oder abgelöst wurde.Dann vielen solche Worte--wie---das ist wohl und wird wohl ne Spruzerschicht oder---nun schicken sie schon zwei Glatte zusammen auf Schicht.Man, das war ein harter Monathatte mächtig zu knappern dranAber als Gegenreaktion half dann immer das Bandmaß.


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#104

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 11.02.2013 09:19
von Barbara (gelöscht)
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Hallo!

beim Lesen in diesem Thread sind mir einige Fragen gekommen:

Grenzwolf hatte in „Meine deutschen Fragen“ beschrieben, dass die politische Erziehung in der DDR mit der Schule anfing, also die Kinder früh über ihr Land als sozialistischem Land aufgeklärt wurden und in diesem Sinne erzogen wurden. Also auch über die Notwendigkeit der Grenze zur BRD, und das damit verbundenen „Feindbild“.
Ich stelle mir vor, ein jungen Mann, der - aufgrund dieser Erziehung überzeugt ist, seinen Dienst für seinen Staat zu erfüllen - das erste Mal seinen Posten bezieht an dieser Grenze und macht als allererstes die Erfahrung, dass er 10 m vor seinem Postenführer hergehen muss: Wenn ich das richtig verstanden habe, war der Grund ein prinzipielles Misstrauen einem „Neuen“ gegenüber, er könnte vielleicht abhauen wollen und deshalb möglicherweise vorher seinen Postenführer erschießen. (bitte korrigieren, wenn ich das missverstanden habe)
Hat man sich als vom Sinn der Sache überzeugter junger Mann nicht gefragt: „Was soll das denn jetzt????“ - Also ich meine, erstmal so eine volle Ladung Misstrauen abzubekommen, war das nicht komisch und demotivierend?
Und angenommen, jemand hätte wirklich die Absicht gehabt, abzuhauen, der brauchte doch nur zu warten bis er nicht mehr voraus laufen musste....
-----------------------------------------------------
„Grenzalarm“ stelle ich mir vor: Adrenalin bis in die Haarspitzen, Hektik, Angst, denn es konnte ja um Leben und Tod gehen - auch für sich selbst! Wie groß war die Gefahr die Kontrolle zu verlieren - zum Beispiel in der Dunkelheit. Die Grenze war doch nicht komplett beleuchtet oder? Z.B. die Gefahr aus Versehen in das Minenfeld zu laufen? Und das Gelände war doch auch total unterschiedlich, hügelig, Bäume, Unterholz etc., man stürzt, das Gewehr geht los...
-----------------------------------------------
In einigen Beschreibungen hier kann man lesen, dass manche Kompanieführer den neu angekommenen Soldaten sagten, „es sei zwar richtig was sie gelernt hätten, aber sie sollten das jetzt erstmal vergessen“ Also in gewisser Weise relativierten, was die Neuankömmlinge vorher gelernt hatten. (ziemlich vernünftige Männer finde ich und verantwortungsvolle Vorgesetzte!). War das für sie aber nicht ein Risiko? Wenn das jemand „ausplauderte“? Oder gab es einen Punkt, an dem „die Politik“ sagte: „das überlassen wir jetzt mal den milit. Führern, wie die damit umgehen, davon verstehen wir nichts.“?

Wie habe ich mir „Grenzkoller“ vorzustellen? einfach hinschmeißen und nachhause gehen? Wie wurde damit umgegangen?

Gab es Grenzkoller häufiger? Konnte sich so jemand ins "Binnenland" versetzen lassen?


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#105

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 11.02.2013 09:20
von Barbara (gelöscht)
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ach ja, was bedeutet "wimre"?


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#106

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 11.02.2013 09:32
von westsachse | 464 Beiträge

Acronym Definition
WIMRE Wenn Ich Mich Recht Erinnere (German: If I Remember Correctly)

http://acronyms.thefreedictionary.com/WIMRE

Gruß

Westsachse


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#107

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 11.02.2013 09:51
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #104
Hallo!

beim Lesen in diesem Thread sind mir einige Fragen gekommen:

Grenzwolf hatte in „Meine deutschen Fragen“ beschrieben, dass die politische Erziehung in der DDR mit der Schule anfing, also die Kinder früh über ihr Land als sozialistischem Land aufgeklärt wurden und in diesem Sinne erzogen wurden. Also auch über die Notwendigkeit der Grenze zur BRD, und das damit verbundenen „Feindbild“.
Ich stelle mir vor, ein jungen Mann, der - aufgrund dieser Erziehung überzeugt ist, seinen Dienst für seinen Staat zu erfüllen - das erste Mal seinen Posten bezieht an dieser Grenze und macht als allererstes die Erfahrung, dass er 10 m vor seinem Postenführer hergehen muss: Wenn ich das richtig verstanden habe, war der Grund ein prinzipielles Misstrauen einem „Neuen“ gegenüber, er könnte vielleicht abhauen wollen und deshalb möglicherweise vorher seinen Postenführer erschießen. (bitte korrigieren, wenn ich das missverstanden habe)
Hat man sich als vom Sinn der Sache überzeugter junger Mann nicht gefragt: „Was soll das denn jetzt????“ - Also ich meine, erstmal so eine volle Ladung Misstrauen abzubekommen, war das nicht komisch und demotivierend?
Und angenommen, jemand hätte wirklich die Absicht gehabt, abzuhauen, der brauchte doch nur zu warten bis er nicht mehr voraus laufen musste....
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„Grenzalarm“ stelle ich mir vor: Adrenalin bis in die Haarspitzen, Hektik, Angst, denn es konnte ja um Leben und Tod gehen - auch für sich selbst! Wie groß war die Gefahr die Kontrolle zu verlieren - zum Beispiel in der Dunkelheit. Die Grenze war doch nicht komplett beleuchtet oder? Z.B. die Gefahr aus Versehen in das Minenfeld zu laufen? Und das Gelände war doch auch total unterschiedlich, hügelig, Bäume, Unterholz etc., man stürzt, das Gewehr geht los...
-----------------------------------------------
In einigen Beschreibungen hier kann man lesen, dass manche Kompanieführer den neu angekommenen Soldaten sagten, „es sei zwar richtig was sie gelernt hätten, aber sie sollten das jetzt erstmal vergessen“ Also in gewisser Weise relativierten, was die Neuankömmlinge vorher gelernt hatten. (ziemlich vernünftige Männer finde ich und verantwortungsvolle Vorgesetzte!). War das für sie aber nicht ein Risiko? Wenn das jemand „ausplauderte“? Oder gab es einen Punkt, an dem „die Politik“ sagte: „das überlassen wir jetzt mal den milit. Führern, wie die damit umgehen, davon verstehen wir nichts.“?

Wie habe ich mir „Grenzkoller“ vorzustellen? einfach hinschmeißen und nachhause gehen? Wie wurde damit umgegangen?

Gab es Grenzkoller häufiger? Konnte sich so jemand ins "Binnenland" versetzen lassen?





Ach, Barbara,
lass mich mal ein paar Irrtümer zum Grenzdienst aufklären....
Wir waren ganz normale Wehrpflichtige und wollten gesund und ohne Vorkommnisse wieder nach Hause kommen...
Zu den Grenztruppen kam allerdings nicht jeder, im Vorfeld, bei der Musterung, wurde "gesiebt". Wer schon mal durch Äusserungen gegen den Staat aufgefallen war, wer durch zahlreiche "Westverwandschaft" hatte, wer den Dienst mit der Waffe verweigerte - der wurde kein Grenzer.
Somit war das Risiko, dass ein Grenzsoldat Fahnenflucht gen Westen begeht, schon mal verringert. Nun konnte es ja passieren, dass durch persönliche Krisen, zB Frau/Freundin verlässt ihn, die Gefahr eine Kurzschlusshandlung entsteht. Ein ziemlich dichtes Netz der Überwachung, Gespräche durch Vorgesetzte, Informanden des MfS usw. sorgten dafür, dass solche Dinge den militärischen Vorgesetzten schnell bekannt wurden und derjenige plötzlich nicht mehr in den Grenzdienst kam - das hat in den meisten Fällen auch recht gut funktioniert.
Wenn die "Neuen" aus der Ausbildung in die Grenzkompanie kamen, war es üblich, sie als Posten zunächst mal, für ein paar Schichten, vor dem Postenführer herlaufen zu lassen. Wenn 2 Soldaten 8 und mehr Stunden zusammen "draussen" sind, lernt man sich dann kennen, erzählt sich persönliche Dinge und ein Vertrauensverhältnis baut sich auf - und dann läuft der Posten nicht mehr vor dem Postenführer her....
Man läuft auch nicht aus Versehen auf ein Minenfeld, da sind Zäune davor, nicht zu übersehen. Und Warnschilder,,,
Am besten ist, du schaust Dir den Aufbau der damaligen Grenzanlagen mal in einem Grenzmuseum an - die haben teilweise noch gut erhaltenen Anlagen und umfangreiche Erklärungen dazu. Ich empfehle zB:
http://www.pointalpha.com/
oder
http://www.grenzmuseum.de/
rot markiert: ja, die meisten waren schon vernünftig.....
"Grenzkoller" - kurz erklärt: Nach meiner Erinnerung war ich in dem Jahr an der Grenze ganze 5 oder 6 mal im Urlaub, für ein paar Stunden zu Haus bei Frau (und Kind). Ansonsten war die Welt grau in grau: Uniformen, Kasernenhof, Zaun, Grenzabschnitt (naja, der Wald war grün...).
Ab und an ein paar Stunden Ausgang, mal in der Dorfkneipe ein paar Bierchen trinken - das war die ganze Abwechslung für einen jungen Mann voller Unternehmungslust und Tatendrang.
Da konnte man schon "durchdrehen"...


Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
silberfuchs60 und tesssi55 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.02.2013 10:02 | nach oben springen

#108

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 11.02.2013 10:01
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Mit dem Adrenalin, spätestens nach 4 Wochen war Grenzalarm Routine, du musstest zwar stets von richtigem Alarm ausgehen, aber fast immer war es falscher, meist Signalauslösung durch Wild.
Du gingst in die Abriegelung und so nach 30 Minuten kam Entwarnung.


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#109

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 11.02.2013 10:44
von Duck | 1.741 Beiträge

Das kann ich auch nur so bestätigen, nach ein paar Wochen war Grenzalarm Routine, du warst nur sauer wenn Du gerade in deinem Bettchen lagst und es dann anfing dreimal zu piepen und du wieder raus musstest. Mir ist es auch schon passiert das ich gerade im Ausgang war und mir ein paar "Rhöndrinks" zu viel genehmigt hatte, das mein Zugführer zu mir sagte als mal wieder Grenzalarm war...mensch leg dich bloß wieder hin.
Wir hatten nur einmal (zum Glück) richtigen Grenzalarm und da waren wir auch alle hell wach und ich denke in der Nacht war jeder aufgeregt bis in die Haarspitzen.


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


zuletzt bearbeitet 11.02.2013 10:45 | nach oben springen

#110

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 11.02.2013 10:48
von silberfuchs60 | 1.458 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #107
Zitat von Barbara im Beitrag #104
Hallo!

beim Lesen in diesem Thread sind mir einige Fragen gekommen:

Grenzwolf hatte in „Meine deutschen Fragen“ beschrieben, dass die politische Erziehung in der DDR mit der Schule anfing, also die Kinder früh über ihr Land als sozialistischem Land aufgeklärt wurden und in diesem Sinne erzogen wurden. Also auch über die Notwendigkeit der Grenze zur BRD, und das damit verbundenen „Feindbild“.
Ich stelle mir vor, ein jungen Mann, der - aufgrund dieser Erziehung überzeugt ist, seinen Dienst für seinen Staat zu erfüllen - das erste Mal seinen Posten bezieht an dieser Grenze und macht als allererstes die Erfahrung, dass er 10 m vor seinem Postenführer hergehen muss: Wenn ich das richtig verstanden habe, war der Grund ein prinzipielles Misstrauen einem „Neuen“ gegenüber, er könnte vielleicht abhauen wollen und deshalb möglicherweise vorher seinen Postenführer erschießen. (bitte korrigieren, wenn ich das missverstanden habe)
Hat man sich als vom Sinn der Sache überzeugter junger Mann nicht gefragt: „Was soll das denn jetzt????“ - Also ich meine, erstmal so eine volle Ladung Misstrauen abzubekommen, war das nicht komisch und demotivierend?
Und angenommen, jemand hätte wirklich die Absicht gehabt, abzuhauen, der brauchte doch nur zu warten bis er nicht mehr voraus laufen musste....
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„Grenzalarm“ stelle ich mir vor: Adrenalin bis in die Haarspitzen, Hektik, Angst, denn es konnte ja um Leben und Tod gehen - auch für sich selbst! Wie groß war die Gefahr die Kontrolle zu verlieren - zum Beispiel in der Dunkelheit. Die Grenze war doch nicht komplett beleuchtet oder? Z.B. die Gefahr aus Versehen in das Minenfeld zu laufen? Und das Gelände war doch auch total unterschiedlich, hügelig, Bäume, Unterholz etc., man stürzt, das Gewehr geht los...
-----------------------------------------------
In einigen Beschreibungen hier kann man lesen, dass manche Kompanieführer den neu angekommenen Soldaten sagten, „es sei zwar richtig was sie gelernt hätten, aber sie sollten das jetzt erstmal vergessen“ Also in gewisser Weise relativierten, was die Neuankömmlinge vorher gelernt hatten. (ziemlich vernünftige Männer finde ich und verantwortungsvolle Vorgesetzte!). War das für sie aber nicht ein Risiko? Wenn das jemand „ausplauderte“? Oder gab es einen Punkt, an dem „die Politik“ sagte: „das überlassen wir jetzt mal den milit. Führern, wie die damit umgehen, davon verstehen wir nichts.“?

Wie habe ich mir „Grenzkoller“ vorzustellen? einfach hinschmeißen und nachhause gehen? Wie wurde damit umgegangen?

Gab es Grenzkoller häufiger? Konnte sich so jemand ins "Binnenland" versetzen lassen?





Ach, Barbara,
lass mich mal ein paar Irrtümer zum Grenzdienst aufklären....
Wir waren ganz normale Wehrpflichtige und wollten gesund und ohne Vorkommnisse wieder nach Hause kommen...
Zu den Grenztruppen kam allerdings nicht jeder, im Vorfeld, bei der Musterung, wurde "gesiebt". Wer schon mal durch Äusserungen gegen den Staat aufgefallen war, wer durch zahlreiche "Westverwandschaft" hatte, wer den Dienst mit der Waffe verweigerte - der wurde kein Grenzer.
Somit war das Risiko, dass ein Grenzsoldat Fahnenflucht gen Westen begeht, schon mal verringert. Nun konnte es ja passieren, dass durch persönliche Krisen, zB Frau/Freundin verlässt ihn, die Gefahr eine Kurzschlusshandlung entsteht. Ein ziemlich dichtes Netz der Überwachung, Gespräche durch Vorgesetzte, Informanden des MfS usw. sorgten dafür, dass solche Dinge den militärischen Vorgesetzten schnell bekannt wurden und derjenige plötzlich nicht mehr in den Grenzdienst kam - das hat in den meisten Fällen auch recht gut funktioniert.
Wenn die "Neuen" aus der Ausbildung in die Grenzkompanie kamen, war es üblich, sie als Posten zunächst mal, für ein paar Schichten, vor dem Postenführer herlaufen zu lassen. Wenn 2 Soldaten 8 und mehr Stunden zusammen "draussen" sind, lernt man sich dann kennen, erzählt sich persönliche Dinge und ein Vertrauensverhältnis baut sich auf - und dann läuft der Posten nicht mehr vor dem Postenführer her....
Man läuft auch nicht aus Versehen auf ein Minenfeld, da sind Zäune davor, nicht zu übersehen. Und Warnschilder,,,
Am besten ist, du schaust Dir den Aufbau der damaligen Grenzanlagen mal in einem Grenzmuseum an - die haben teilweise noch gut erhaltenen Anlagen und umfangreiche Erklärungen dazu. Ich empfehle zB:
http://www.pointalpha.com/
oder
http://www.grenzmuseum.de/
rot markiert: ja, die meisten waren schon vernünftig.....
"Grenzkoller" - kurz erklärt: Nach meiner Erinnerung war ich in dem Jahr an der Grenze ganze 5 oder 6 mal im Urlaub, für ein paar Stunden zu Haus bei Frau (und Kind). Ansonsten war die Welt grau in grau: Uniformen, Kasernenhof, Zaun, Grenzabschnitt (naja, der Wald war grün...).
Ab und an ein paar Stunden Ausgang, mal in der Dorfkneipe ein paar Bierchen trinken - das war die ganze Abwechslung für einen jungen Mann voller Unternehmungslust und Tatendrang.
Da konnte man schon "durchdrehen"...


Gruss Hartmut




@Barbara das was Jobnomade geschrieben hat deckt sich voll und ganz mit meinen Erfahrungen.
Wir waren keine Draufgänger, keiner wollte eine Konfrontation mit Grenzverletzern in seinem Abschnitt und was meine Person betraf und meinen Kameraden hatten wir Glück.Jeden Tag zum Dienst mit dem Gedanken...was machste wenn....Scheiben schießen ist was anderes , als auf Menschen.
Man stelle sich mal vor ein naher Verwandter auch noch....der Gedanke was machen....laufen lassen heißt, man hat mich am Arsch und ich darf in Schwedt (Militärknast) einfahren, was mit dem heutigen einbuchten nicht zu vergleichen ist.Ich habe welche kennengelernt,die dort waren....
die durften und wollten auch nichts erzählen...nur soviel dazu.
Was uns Grenzer betraf...schießen ? auf Menschen ?.. mit Mpi ? ..und selbst nur auf Beine zielen....was passiert will ich gar nicht wissen ...denn beim abdrücken es die Waffe hochreisst...
Was für eine psychische Belastung wir alle ausgesetzt waren, kannst Du Dir hoffentlich vorstellen.
Das sich die Menschen in Gefahr begaben die "rüber" wollten, wußte jeder und es darf nicht vergessen werden es waren auch welche bewaffnet und nicht nur mit einem Messer...
In der Haut der Leute die jemanden auf dem Gewissen haben möchte ich nicht stecken...
Grenzer waren Wehrdienstleistende wie in der NVA oder Bundeswehr und Bundesgrenzschutz.

Ich hoffe WIR konnten Dir damit helfen, Deine "Sichtweite" zu verbessern.

Gruß Detlef


xxx
Duck hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.02.2013 10:53 | nach oben springen

#111

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 11.02.2013 16:44
von Barbara (gelöscht)
avatar

Lieber Hartmut, danke!

wir hatten das Thema ja schon mal in meiner "Vorstellung". Weiß ich doch, dass ihr ganz normale Wehrpflichtige wart und Detlef: keine Draufgänger - wobei das folgende unterschied euch sicher von normalen Wehrpflichtigen:
Detlev >Jeden Tag zum Dienst mit dem Gedanken...was machste wenn....Scheiben schießen ist was anderes , als auf Menschen.

Ich habe mit diesen Fragen versucht, mich mal konkret "dieser Grenze zu nähern". Was es bedeutet hat, da diesen "Job" zu machen.

Meine 1. Frage zielte ein bisschen auf das "Vertrauen der Staatsführung" in ihre eigenen Leute, die ja im Zweifel ihren Kopf hinhalten mussten und dennoch einem gewissen grundsätzlichen Misstrauen ausgesetzt waren. Mich hätte das genervt!
Danke für die Links, ja ich schaue mir das nochmal genauer an.

"Grenzkoller" - kurz erklärt: Nach meiner Erinnerung war ich in dem Jahr an der Grenze ganze 5 oder 6 mal im Urlaub, für ein paar Stunden zu Haus bei Frau (und Kind). Ansonsten war die Welt grau in grau: Uniformen, Kasernenhof, Zaun, Grenzabschnitt (naja, der Wald war grün...).
Ab und an ein paar Stunden Ausgang, mal in der Dorfkneipe ein paar Bierchen trinken - das war die ganze Abwechslung für einen jungen Mann voller Unternehmungslust und Tatendrang.
Da konnte man schon "durchdrehen".
.. Das glaube ich gerne und ich stelle mir so einen Dienst auch sehr sehr öde vor. Und vielleicht stellte sich dem einem oder anderen dann auch mal sie "Sinnfrage". Aber wahrscheinlich ist das in jeder Armee gleich und kein besonderes Phänomen dieser Grenze gewesen.

Meine Frage nach dem Grenzkoller bezog sich auf das Folgende:
Danke dir Detlef! Was du beschreibst, zeigt welche "Grenzerfahrung" im doppeltem Sinne eurer Dienst war:
Man stelle sich mal vor ein naher Verwandter auch noch....der Gedanke was machen....laufen lassen heißt, man hat mich am Arsch und ich darf in Schwedt (Militärknast) einfahren, was mit dem heutigen einbuchten nicht zu vergleichen ist.Ich habe welche kennengelernt,die dort waren....
die durften und wollten auch nichts erzählen...nur soviel dazu.
Was uns Grenzer betraf...schießen ? auf Menschen ?.. mit Mpi ? ..und selbst nur auf Beine zielen....was passiert will ich gar nicht wissen ...denn beim abdrücken es die Waffe hochreisst...
Was für eine psychische Belastung wir alle ausgesetzt waren, kannst Du Dir hoffentlich vorstellen
Das kann ich, und ich hätte diesem Druck nicht einen Tag standhalten können...

Danke Grenzwolf und Duck
, also ab einer bestimmten Zeit kein Adrenalin mehr, sondern Routine, kann ich auch verstehen, man kann ja nicht die ganze Zeit unter Hochspannung leben. Duck wegen den paar Bierchen: bedeutete Grenzalarm prinzipiell, dass man rausmusste, auch wenn man gerade dienstfrei hatte?

Praktische Frage: Du gingst in die Abriegelung... - ist das der Bereich zwischen vorderem und hinterem Zaun? Also bei Grenzalarm ging oder fuhr man wahrscheinlich diesen Bereich ab, welche Distanzen hattet ihr zu kontrollieren, also ab wieviel Metern übernahm die Kollegen vom nächsten Posten?
War so ein Grenzabschnitt oder wurde er bei Alarm komplett beleuchtet? Wie gut konnte man sehen?

detlef .... man hat mich am Arsch und ich darf in Schwedt (Militärknast) einfahren, was mit dem heutigen einbuchten nicht zu vergleichen ist.Ich habe welche kennengelernt,die dort waren....
die durften und wollten auch nichts erzählen..
- Horror! Hoffentlich konnten die nach der Wende mal mit irgend jemandem darüber reden.

Also für mich steht fest, man brauchte einiges an persönlicher Stärke an diesem "Zaun" zu stehen....

Ach ja: wie kommt es eigentlich zu dem Wort "Kanten" - kommt das von "Kante"? Also "Rand"?

Herzliche Grüße!
Barbara


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#112

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 11.02.2013 16:51
von 94 | 10.792 Beiträge

Bewährtes Mittel gegen den gemeinen Grenzkoller ...


Quelle: industrieform-ddr.de

Kleine Anmerkung zum Zitieren, gehts noch unübersichtlicher?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#113

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 11.02.2013 16:56
von Duck | 1.741 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #111
Lieber Hartmut, danke!

wir hatten das Thema ja schon mal in meiner "Vorstellung". Weiß ich doch, dass ihr ganz normale Wehrpflichtige wart und Detlef: keine Draufgänger - wobei das folgende unterschied euch sicher von normalen Wehrpflichtigen:
Detlev >Jeden Tag zum Dienst mit dem Gedanken...was machste wenn....Scheiben schießen ist was anderes , als auf Menschen.

Ich habe mit diesen Fragen versucht, mich mal konkret "dieser Grenze zu nähern". Was es bedeutet hat, da diesen "Job" zu machen.

Meine 1. Frage zielte ein bisschen auf das "Vertrauen der Staatsführung" in ihre eigenen Leute, die ja im Zweifel ihren Kopf hinhalten mussten und dennoch einem gewissen grundsätzlichen Misstrauen ausgesetzt waren. Mich hätte das genervt!
Danke für die Links, ja ich schaue mir das nochmal genauer an.

"Grenzkoller" - kurz erklärt: Nach meiner Erinnerung war ich in dem Jahr an der Grenze ganze 5 oder 6 mal im Urlaub, für ein paar Stunden zu Haus bei Frau (und Kind). Ansonsten war die Welt grau in grau: Uniformen, Kasernenhof, Zaun, Grenzabschnitt (naja, der Wald war grün...).
Ab und an ein paar Stunden Ausgang, mal in der Dorfkneipe ein paar Bierchen trinken - das war die ganze Abwechslung für einen jungen Mann voller Unternehmungslust und Tatendrang.
Da konnte man schon "durchdrehen".
.. Das glaube ich gerne und ich stelle mir so einen Dienst auch sehr sehr öde vor. Und vielleicht stellte sich dem einem oder anderen dann auch mal sie "Sinnfrage". Aber wahrscheinlich ist das in jeder Armee gleich und kein besonderes Phänomen dieser Grenze gewesen.

Meine Frage nach dem Grenzkoller bezog sich auf das Folgende:
Danke dir Detlef! Was du beschreibst, zeigt welche "Grenzerfahrung" im doppeltem Sinne eurer Dienst war:
Man stelle sich mal vor ein naher Verwandter auch noch....der Gedanke was machen....laufen lassen heißt, man hat mich am Arsch und ich darf in Schwedt (Militärknast) einfahren, was mit dem heutigen einbuchten nicht zu vergleichen ist.Ich habe welche kennengelernt,die dort waren....
die durften und wollten auch nichts erzählen...nur soviel dazu.
Was uns Grenzer betraf...schießen ? auf Menschen ?.. mit Mpi ? ..und selbst nur auf Beine zielen....was passiert will ich gar nicht wissen ...denn beim abdrücken es die Waffe hochreisst...
Was für eine psychische Belastung wir alle ausgesetzt waren, kannst Du Dir hoffentlich vorstellen
Das kann ich, und ich hätte diesem Druck nicht einen Tag standhalten können...

Danke Grenzwolf und Duck
, also ab einer bestimmten Zeit kein Adrenalin mehr, sondern Routine, kann ich auch verstehen, man kann ja nicht die ganze Zeit unter Hochspannung leben. Duck wegen den paar Bierchen: bedeutete Grenzalarm prinzipiell, dass man rausmusste, auch wenn man gerade dienstfrei hatte?

Praktische Frage: Du gingst in die Abriegelung... - ist das der Bereich zwischen vorderem und hinterem Zaun? Also bei Grenzalarm ging oder fuhr man wahrscheinlich diesen Bereich ab, welche Distanzen hattet ihr zu kontrollieren, also ab wieviel Metern übernahm die Kollegen vom nächsten Posten?
War so ein Grenzabschnitt oder wurde er bei Alarm komplett beleuchtet? Wie gut konnte man sehen?

detlef .... man hat mich am Arsch und ich darf in Schwedt (Militärknast) einfahren, was mit dem heutigen einbuchten nicht zu vergleichen ist.Ich habe welche kennengelernt,die dort waren....
die durften und wollten auch nichts erzählen..
- Horror! Hoffentlich konnten die nach der Wende mal mit irgend jemandem darüber reden.

Also für mich steht fest, man brauchte einiges an persönlicher Stärke an diesem "Zaun" zu stehen....

Ach ja: wie kommt es eigentlich zu dem Wort "Kanten" - kommt das von "Kante"? Also "Rand"?

Herzliche Grüße!
Barbara







Hallo Barbara, in der Regel ja...es gab Urlauber die sind um 0.00 Uhr wieder auf die Kompanie gekommen und konnten um 1.00 schon wieder zur Abriegelung rausfliegen weil Alarm war. Ich konnte mich nur zweimal vor dem Alarm drücken einmal wie geschrieben wegen Trunkenheit und zum anderem mal hatte ich die Grippe gehabt, da haben meine Kumpels gesagt nimm eine Tablette und bleib liegen.


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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#114

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 11.02.2013 17:09
von Barbara (gelöscht)
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Kleine Anmerkung zum Zitieren, gehts noch unübersichtlicher? Ganz bestimmt 94 - gelobe Besserung :-)


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#115

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 11.02.2013 17:12
von Barbara (gelöscht)
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Duck:Hallo Barbara, in der Regel ja...es gab Urlauber die sind um 0.00 Uhr wieder auf die Kompanie gekommen und konnten um 1.00 schon wieder zur Abriegelung rausfliegen weil Alarm war. Ich konnte mich nur zweimal vor dem Alarm drücken einmal wie geschrieben wegen Trunkenheit und zum anderem mal hatte ich die Grippe gehabt, da haben meine Kumpels gesagt nimm eine Tablette und bleib liegen.

Auch ganz schön anstrengend....


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#116

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 11.02.2013 17:44
von Grenzverletzerin | 1.180 Beiträge

Hallo Barbara...kleine Hilfestellung: Zum Einen kannst du unten links...unter dem Bedanken-Button
auf zitieren gehen und du hast den kompletten Kommi als Zitat.
Oder: Du benutzt den Befehl: [q u o t e ]...am Anfang des zu zitierenden Teils und am Ende [/ q u o t e]...aber ohne Leerzeichen.


Unter Chemikern funktioniert die Evolution noch: Dumme Experimentierer werden natürlicherweise und rasch eliminiert.

zuletzt bearbeitet 11.02.2013 17:45 | nach oben springen

#117

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 11.02.2013 18:04
von Barbara (gelöscht)
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Danke dir!! Mach alles noch mit copy und paste - bin technisch insgesamt noch nicht richtig auf zack hier!


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#118

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 11.02.2013 20:23
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Oh, nicht verhaspeln.
Der "Job" war klar ein Stück der Grenze bedingungslos sauber halten, so war umschrieben der Befehl und der war zu befolgen oder es war besser man trollte sich, entweder nach Richtung West oder halt in Richtung Ost, die zwei Möglichkeiten blieben.
Also rausgehen, den "Job" machen und zur Not auch das letzte Mittel einsetzen.
Klar, viele hatten sich ihr persönliches Was-ist-wenn-Modell gebastelt und kamen damit das Jahr durch, ich auch.
Was dann ist wenn es wirklich Ernst wurde ist eine ganz andere Sache, dann gab es kein Modell mehr, dann war Realität angesagt.


94, Winch und DoreHolm haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#119

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 12.02.2013 00:36
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #108
Mit dem Adrenalin, spätestens nach 4 Wochen war Grenzalarm Routine, du musstest zwar stets von richtigem Alarm ausgehen, aber fast immer war es falscher, meist Signalauslösung durch Wild.
Du gingst in die Abriegelung und so nach 30 Minuten kam Entwarnung.

Genau so war es.
A-Gruppe war mit so ziemlich das letzte am Kanten.
Ich musste so manche schieben......
Sehr wenig Schlaf,mit 4 Mann in einem engen Raum der Führungsstelle,in dem es meist auch fürchterlich stank.
Manchmal kam man gar nicht dazu,die Augen zu schließen,weil immer wieder eine "Lage" herrschte.
Entweder löste der GSZ aus oder Mumpeln am Zaun flogen in die Luft.
Wie hier schon erwähnt wurde,waren meist Wild oder Äste die Ursache der Auslösungen.
Auch bei starkem Gewitter war das so eine Sache.
Da wurden wir als A-Gruppe auch zusätzlich rausgeschmissen,denn manchmal wurden Teilestrecken der Selbstschußanlagen am Zaun abgeschalten,damit ein Blitz nicht den halben Zaun dahinfegt.......

Gruß ek40


zuletzt bearbeitet 12.02.2013 00:52 | nach oben springen

#120

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 12.02.2013 08:46
von schnatterinchen (gelöscht)
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Hallo allerseits,

ich weiß nicht ob schon mal behandelt und so richtig passt es hier vielleicht auch nicht rein , aber ich frage trotzdem mal.
Die Sperranlagen, also Zäune, Wege, Signaldrähte usw. von wem wurden die denn gewartet und erneuert?
Ich nehme an Pioniereinheiten.Sind diese dann von Grenzabschitt zu Grenzabschnitt gezogen und haben repariert oder wie lief das?
Ich hatte einen Kollegen der war bei den GT zu Hessen im Grundwehrdienst (mehr weiß ich nicht mehr) der erzählte mir 1988, daß die Grenzanlagen bei ihm in einem ziehmlich desolatem Zustand gewesen wären weil kein Geld mehr da wäre und wenn die Bevölkerung das wüßte , würde es wohl zu Wanderbewegungen in diese Abschnitte kommen.
Beruflich hatte ich damals in vielen VEBs in Sachsen zu tun und erlebte die veralteteten ,defekten Anlagen ,Maschinen und Gebäude sowie die niedergeschlagenen Menschen.
Und wenn dann ein Kollege von denen noch in den Westen abgehauen war , lief stundenlang kaum was im Betrieb und alle saßen in den Ecken rum und haben getuschelt und gejammert.
So richtig vorstellen konnte ich mir das damals nicht, daß da vielleicht ein "Loch" im Zaun ist weil der Staat kein Geld mehr hat.
War da was drann?
Ach ja noch was.Gab es bei Euch an der Grenze auch so eine Art "Neurerbewegung" in Bezug aus die Sperranlagen?

Gruß Schnattchen


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