#41

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 27.01.2013 11:09
von Duck | 1.741 Beiträge

Zitat von Lebensläufer im Beitrag #40
derpae du musst hier vor Niemanden geradestehen nur weil der meint, paar Jährchen vor dir am Kanten gewesen zu sein. Oder gar meint, es besser zu wissen weil er mal Offizier war. .Deine Geschichte war gut, war ehrlich, da gabs nicht zu meckern. Ich könnte hier (auch in nem anderen Forum) immer sinngemäß ausrasten, wenn paar Exgrenzer meinen:

Aber "nein Mann so war das nicht und zu meiner Zeit, da war das ganz anders und sieh doch mal Mann, der Abweiser hatte nen Plastesockel(das nur als ein Beispiel hier aus nen Fred) und der hätte dich doch nie getragen und wunderschön sahs auch noch aus was da auf den Fotos mit dem Grenzsignalzaun zu sehen war, wie gerade frisch gebaut das Ding so kurz vorm Ende der DDR".

Weißte was derpae, da sagt der Rainer Pustekuchen, ich bin da 1977 als junger Pionier rübergeklettert ohne auszulösen und damit wars gut. So einfach war das an der damaligen Grenze und jeder hatte es zu seiner Zeit anders(ganz anders) erlebt ohne sich hier heute irgendwelche Kinkerlitzchen vorhalten zu lassen oder sich gar noch klein machen zu lassen.

Manche scheinen hier völlig die alten beschissenen Zeiten vergessen zu haben, die schwelgen sowas von im Technikkram und wunderbar wars doch damals am Kanten und ne, ich könnte glatt nochmal die wunderschöne Uniform anziehen und her mit die tollen Resitreffen und hoppla nochmal über die Eskaladierwand als heutiger Opa und wollen wir nicht gleich noch den Härtetest mit hinten anhängen.

Deswegen bin ich auch nicht in diesem sagenhaften Urgrenzerforum von dem alle so schwärmen weil du wohl da noch heute Männchen machen müsstest, wenn dir mal auf die Schnelle nach 36 Jahren nun gerade das Details zu ner bestimmten Sache von damals am Kanten einfach nicht einfällt." Mein Gott, was für eine Schande wäre das denn und da stehst du dann, gebranntmarkt und wie bissel blöde und alles lacht."

Aber nicht mit mir Leute, nicht mit mir. Und hoffendlich auch nicht mit Anderen hier die sich ehrlich einbringen, nur simpel und einfach von ihrer Zeit am Kanten texten möchten.Ich denke, das war deutlich genug formuliert das hier Einige mal langsam wachwerden.

Lebensläufer...vormals hier unter Rainer-Maria Rohloff


Man Rainer, es ging doch nicht darum das jeder seine Dienstzeit anders erlebt und in Erinnerung hatte, sondern darum das diese tolle Geschichte falsch war oder erfunden. Es gab an Kanten z.B. keine 2000ner mit Ledermantel und das hat ja derpae auch zugegeben und erfundene Geschichten brauch dieses Forum nun wirklich nicht, oder?


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


nach oben springen

#42

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 27.01.2013 11:33
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Duck so einen Typen(ein älterer Mann damals) mit dem Ledermantel von der Gestapo, der lief noch Mitte der 80er in meiner Nachbarschaft in Leipzig herum.Zog seinen Trabbi aus der Garage, stieg ein und fuhr davon. Da hat nicht Einer gefragt, was er da für ein tolles Mäntelchen anhat und das doch die Gestapo früher sowas auch...., das die Herren an sowas zu erkennen waren in den Defafilmen. und wohl auch in der Wirklichkeit. Und na klar, das mag in dem Text von derpae bissel komisch klingen, ist aber nicht so abwegig siehe der ältere Mann Anfangs.

Lebensläufer

Warum soll eigentlich Einer vom MfS nicht auch so ne Macke gehabt haben? Zumal, heute meinen doch Einige, (auch hier im Forum) das waren dann wohl die roten Faschisten, nur Mäntelchen kurz mal weggehängt und dann wieder rausgekramt, als sie meinten, es ist genügend Zeit ins Land gegangen.
Im übrigen, wer hätte sich erdreistet, zu DDR-Zeiten einen Mitarbeiter vom MfS noch blöd anzumachen? Den hätte ich wirklich sehen mögen. Mensch, die Jungs waren "Halbgötter", so ähnlich wie der alte Generaloberst Bär hier im anderen Fred, ein falsches Wort und du wärst angetanzt zur Klärung eines Sachverhaltes.


nach oben springen

#43

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 27.01.2013 15:07
von derpae.der99 | 107 Beiträge

Ob der Mann nun von der Stasi war, kann ich natürlich nicht behaupten. Ich könnte mir auch vorstellen, das es jemand vom Stab war, der im Vorfeld dem KC über die Neuen berichtete. Vielleicht stand derartiges in meiner Akte und er wollte mir bei dieser Gelegenheit nur die allgemeine Betriebs-Wachsamkeit vermitteln. In meiner Stasi-Akte befand sich jedenfalls kein Bericht in diesem Zusammenhang. Nur ein einziges Blatt über meine Grenzdiensttauglichkeit als möglicher Resi war zu finden. Im Übrigen habe ich noch Bilder vom Zivilalarm. Neben einem Kameraden, trug auch ich eine Lederjacke. Sogar eine vom Klassenfeind. Und weil ich gerade beim Zivilalarm bin, in meine Levis passte ich gerade noch so rein. Ich hatte 10 Kilo zugenommen.

Was mir noch so zum ersten Tag einfällt. Als unsere Alten aus dem GD kamen wurden wir Knollen erstmal instruiert, was wir zu tun und vor allem was wir zu lassen hatten. Wir wussten von da ab, wie wir das nächste halbe Jahr überleben werden. Fize schlagen, Mutsprung, sozusagen die ganze Palette und genau diese beiden Sachen waren zugegebener Maßen schon beeindruckend. Ein Blick aus dem Fenster nach unten verlieh der Sache schon ein wenig Würze. Unsere Zusammenleben in der Kompanie war aber trotzdem intakt. Vor allem ab dem Tag, wo ich einem Gefreiten mal nach Dienstschluss gesagt habe, das ich ihn mal locker hätte entwaffnen können. Da waren einige etwas angesäuert, aber man hat sich dann schnell wieder an die Tugend des Respekts voreinander erinnert.

@ Rainer, in meiner Leipziger Nachbarschaft hatten auch noch genug Leute eine Thälmann Jacke im Schrank. ;-)


EK 83 II
nach oben springen

#44

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 27.01.2013 15:23
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

So einen in Räuberzivil habe ich auch nicht in der GK getroffen, hatten alle Uniform an, ich glaube mich zu erinnern das man uns da erst mal gar nichts gefragt hat, waren ja schon vorab bestätigt worden..
An den Bandmaßschnipsel-Regen kann ich mich noch erinnern, die Einteilung auf die Gruppen und Züge und dann warst du halt da und die "alten" haben dir gesagt wo es lang geht.
Mittags angekommen und abends ging es schon raus mit der A-Gruppe, war beeindruckend das erste mal im Abschnitt und du wurdest mit Rotlicht von den Taschenlampen angestrahlt, das war schon irgendwie blöd, aber so war es halt nun mal.


zuletzt bearbeitet 27.01.2013 16:29 | nach oben springen

#45

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 29.01.2013 00:13
von Jackson | 102 Beiträge

Nach Abschluss der 3 Monaten Grundausbildung in Halberstadt, wurden die Leute dann Ende Oktober auf die GK aufgeteilt. Ein Ufz hat mich in Empfang genommen und zu einem LO gebracht. Dort saßen dann schon Leute, 6 Frische wie ich und zwei Resis. Aufsitzen und ab gings. Die Resis waren ganz locker. Eh kuckt mal da, der Brocken. Scheiße, hab ich gedacht, man wo gehts denn nun hin. Dann endlich in der GK angekommen war ich so überrascht, wie klein die war. Am Dorfrand idyllisch gelegen. Ich kannte ja nur das riesen Objekt in Halberstadt. Abgesessen und dann hat sich erst mal keiner um uns gekümmert. Eine Stille in dem Objekt, ein Aufzug war draußen, der andere schlief nach der vergangenen Nachtschicht. Ich hab mich dann etwas umgesehen, da stand kurz ein noch recht junger Offizier neben mir, keine Dienstgradabzeichen auf der Bluse und beachtet hat der mich auch nicht. He, was isn das für einer. Naja im laufe des Tages hab ich dann erfahren das es der KC war. Die erste Erfahrung des Tages war; hier läuft alles ganz anders als auf der Knollenburg. Mit dem anderen Frischling hab ich mich auf Anhieb gut verstanden, er war vor der Einberufung nebenbei Bassist in einer kleinen Blues Band. Leider war er nicht lange da, Er wurde nach ein paar Tagen zur PIK versetzt. Als die Nachtruhe dann beendet war, kam auch endlich der Schreiber und hat uns die Stube zugewiesen. Dort wurden wir erst mal informiert wie wir uns gegenüber den älteren zu verhalten haben. Welche Aufgaben, Farben, Worte, Takte usw zugestanden haben. Auch sofort Zeuge von Anflügen EK Bewegung, da einer von den schon etwas längeren in einem Dauerstreit mit einem zukünftigen Alten lag und musste sofort die Stube saubermachen. Ich hab da schon etwas gekuckt und mir geschworen, mit mir macht das garantiert keiner. Am späten Nachmittag wurde dann die Kaschie zugeteilt. Ich durfte meine TS in Empfang nehmen. In den Grenzdienst wurde ich noch nicht mit eingeteilt. Aber ein Nass Revier bekommen. Der Abschluss, an diesem Abend mussten wir dann noch den Anschnitt des Bandmaßes durchführen.

Um mal das Idyllische zu zeigen

Angefügte Bilder:
fahne 5.jpg


nach oben springen

#46

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 29.01.2013 05:21
von furry | 3.580 Beiträge

Zitat von Jackson im Beitrag #45
Nach Abschluss der 3 Monaten Grundausbildung in Halberstadt, wurden die Leute dann Ende Oktober auf die GK aufgeteilt. ... Der Abschluss, an diesem Abend mussten wir dann noch den Anschnitt des Bandmaßes durchführen.


@Jackson, kann der Bandmaßanschnitt nicht doch etwas später gewesen sein? Ich tippe so auf Ende November. 30.Nov. + 150= 28. Apr.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
nach oben springen

#47

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 29.01.2013 08:41
von Jackson | 102 Beiträge

@furry, Hm, rein rechnerisch musst du ja recht haben. Dann hab ich es wohl nur anders in Erinnerung. Aber ich denke immer noch, dass es sehr, sehr kurz nach Ankunft in der Kompanie war. Leider steht auf meinen Fotos, die ich aus der Zeit habe, auch kein Datum.



nach oben springen

#48

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 29.01.2013 10:57
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

mein erster Tag an der Grenze.... ich kram mal in meinem Gedächtnis:
Der LKW aus Eisenach rollte auf den Hof der Grenzkompanie in Kaltenwestheim und wir sprangen ab.
Aus den Fenstern der Kompanie erschallte ein Sprechchor: "1...2...3...4...5...usw." - wir wurden von den "Alten" gezählt.
Danach Zuweisung der Stuben und Spind einräumen.
Ein Blick aus dem Fenster in den Wald sagte mir: "Oh je, hier bist du ja wirklich am A.. der Welt !"

Noch eine Erinnerung an die erste Schicht draussen:
Es war nachmittags, Ende April 79 und ich sass auf dem B-Turm irgendwo in der Hohen Rhön - kein Ort im Sichtbereich. Die Landschaft war grau in grau und es kam noch mal ein Schauer Schnee, der gleich wieder taute, so wie er den Boden berührte.
Das Metallband des 3 m hohen Grenzzaunes sah ich vor mir - von Horizont zu Horizont, gespickt mit SM70.
Keine Abwechslung in der ganzen Schicht, der Postenführer war auch recht schweigsam und ich hing so meinen Gedanken nach:
"Hier ist also unsere Welt zu Ende. Und dahinter ? Ein fremdes Land... Was leben dort für Menschen ?"
Na ja, was soll ich sagen: Ich war ganz im Sinne dieses States erzogen worden, hatte keine Westverwandschaft, kam von der anderen Grenze zu Polen und kannte auch kein Westfernsehen, vom "Schwarzen Kanal" mal abgesehen.
Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie es hinter diesem Zaun so aussah.

Heute weiss ich es - und dafür bin ich dem Schicksal dankbar, trotz aller Unruhe, die dadurch in mein Leben gekommen ist.


Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
lutz1961, Sonne und GR33 haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#49

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 29.01.2013 11:46
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von Jobnomade im Beitrag #48
mein erster Tag an der Grenze.... ich kram mal in meinem Gedächtnis:
Der LKW aus Eisenach rollte auf den Hof der Grenzkompanie in Kaltenwestheim und wir sprangen ab.
Aus den Fenstern der Kompanie erschallte ein Sprechchor: "1...2...3...4...5...usw." - wir wurden von den "Alten" gezählt.
Danach Zuweisung der Stuben und Spind einräumen.
Ein Blick aus dem Fenster in den Wald sagte mir: "Oh je, hier bist du ja wirklich am A.. der Welt !"

Noch eine Erinnerung an die erste Schicht draussen:
Es war nachmittags, Ende April 79 und ich sass auf dem B-Turm irgendwo in der Hohen Rhön - kein Ort im Sichtbereich. Die Landschaft war grau in grau und es kam noch mal ein Schauer Schnee, der gleich wieder taute, so wie er den Boden berührte.
Das Metallband des 3 m hohen Grenzzaunes sah ich vor mir - von Horizont zu Horizont, gespickt mit SM70.
Keine Abwechslung in der ganzen Schicht, der Postenführer war auch recht schweigsam und ich hing so meinen Gedanken nach:
"Hier ist also unsere Welt zu Ende. Und dahinter ? Ein fremdes Land... Was leben dort für Menschen ?"
Na ja, was soll ich sagen: Ich war ganz im Sinne dieses States erzogen worden, hatte keine Westverwandschaft, kam von der anderen Grenze zu Polen und kannte auch kein Westfernsehen, vom "Schwarzen Kanal" mal abgesehen.
Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie es hinter diesem Zaun so aussah.

Heute weiss ich es - und dafür bin ich dem Schicksal dankbar, trotz aller Unruhe, die dadurch in mein Leben gekommen ist.


Gruss Hartmut



Hartmut, da hast du gut die ersten Gedanken ausgedrückt, glaube so haben viele gefühlt.


nach oben springen

#50

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 29.01.2013 12:23
von Duck | 1.741 Beiträge

Zitat von derpae.der99 im Beitrag #43
Ob der Mann nun von der Stasi war, kann ich natürlich nicht behaupten. Ich könnte mir auch vorstellen, das es jemand vom Stab war, der im Vorfeld dem KC über die Neuen berichtete. Vielleicht stand derartiges in meiner Akte und er wollte mir bei dieser Gelegenheit nur die allgemeine Betriebs-Wachsamkeit vermitteln. In meiner Stasi-Akte befand sich jedenfalls kein Bericht in diesem Zusammenhang. Nur ein einziges Blatt über meine Grenzdiensttauglichkeit als möglicher Resi war zu finden. Im Übrigen habe ich noch Bilder vom Zivilalarm. Neben einem Kameraden, trug auch ich eine Lederjacke. Sogar eine vom Klassenfeind. Und weil ich gerade beim Zivilalarm bin, in meine Levis passte ich gerade noch so rein. Ich hatte 10 Kilo zugenommen.

Was mir noch so zum ersten Tag einfällt. Als unsere Alten aus dem GD kamen wurden wir Knollen erstmal instruiert, was wir zu tun und vor allem was wir zu lassen hatten. Wir wussten von da ab, wie wir das nächste halbe Jahr überleben werden. Fize schlagen, Mutsprung, sozusagen die ganze Palette und genau diese beiden Sachen waren zugegebener Maßen schon beeindruckend. Ein Blick aus dem Fenster nach unten verlieh der Sache schon ein wenig Würze. Unsere Zusammenleben in der Kompanie war aber trotzdem intakt. Vor allem ab dem Tag, wo ich einem Gefreiten mal nach Dienstschluss gesagt habe, das ich ihn mal locker hätte entwaffnen können. Da waren einige etwas angesäuert, aber man hat sich dann schnell wieder an die Tugend des Respekts voreinander erinnert.

@ Rainer, in meiner Leipziger Nachbarschaft hatten auch noch genug Leute eine Thälmann Jacke im Schrank. ;-)

Also zwischen Thälmann Jacken und Ledermäntel, da liegen schon Welten dazwischen, wenn Du verstehst was ich meine


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


nach oben springen

#51

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 29.01.2013 12:39
von 80er | 572 Beiträge

Mein erster Tag an der Grenze begann gleich mit einer Nachtschicht


zuletzt bearbeitet 29.01.2013 13:52 | nach oben springen

#52

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 29.01.2013 13:27
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von 80er im Beitrag #51
Mein erster Tag an der Grenze begann gleich mit einerNachtschicht




Der mit der pathetischen Geste war gut


80er hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#53

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 05.02.2013 13:40
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Mein erster Tag an der Grenze......darüber schrieb ich schonmal vor längerer Zeit unter einer anderen Überschrift in einem anderen Thread.
Meine Versetzung an die Grenze-Ankunft in der Grenzkompanie
Ich stell meinen Beitrag deswegen hier nochmal ein.

Heute möchte ich über meine Ankunft in der Grenzkompanie Riebau berichten.
Als das 1.Halbjahr in der Grenzausbildung (GAR-7 Halberstadt / Knollenburg) endlich vorüber war,ging es nun raus an die “Basis”.
Wir wurden jetzt den einzelnen Grenzkompanien zugeordnet.Dazu mußten alle antreten.Auf dem Platz standen die Lkw’s in Reihe und Glied.Daneben immer der dazugehörige Fahrer mit einem Offizier aus der jeweiligen Kompanie.Die Reihen lichteten sich immer mehr.Meine ehem.Zimmerkameraden und auch andere Leute aus dem Zug waren größtenteils schon aufgeteilt.Auch die Jungs aus meiner Heimatstadt.
Es wurde akribisch darauf geachtet das niemand mit jemand zusammen kam,den er von der Ausbildung her kannte.Die Angst bei der Führung war groß das sich Soldaten zu einem späteren Fluchtversuch verabreden könnten,bzw.eine Republik/Fahnenflucht planten.Ich sah mir die Leute so an und wußte gleich zu wem ich eigentlich nicht gerufen werden wollte.Denn einige Offiziere erschienen mir sehr unsympathisch.Z.B.stand neben einem Ello ein Riese von Leutnant.Er war blond,hatte eine dunkle Brille auf und hätte der große Bruder von Heino sein können. Außerdem war sein Blick sehr finster.Natürlich wurde ich genau diesem Offizier zugeteilt.Mal wieder von Fortuna verlassen,dachte ich mir,denn in solchen Dingen hatte ich irgendwie immer Pech oder zumindest dieses Gefühl.
Als alle Kameraden aufgeteilt waren ging es mit dem Ello nun gen Riebau bei Salzwedel.Dort auf dem Kompaniehof angekommen,erwartete uns schon ein “Empfangskommando”.Ein riesen Gegröle ging los und mit roten Turnhosen,die über Besenstile gesteckt waren,wurde uns zu gewunken.Dabei lief volle Pulle das Musikstück”Spiel mir das Lied vom Tod”.Ich dachte ich bin im falschen Film.Der Ello hielt an und parkte parallel zu den Garagen.Jetzt sahen wir vom Ello aus ein Zeltlager mit Mannschaftszelten.Dieses befand sich seitlich neben dem Kompaniegebäude bzw.hinter dem Tankcontainer.Die Ladefläche wurde hinten aufgeklappt und die Ek’s bildeten ein Spalier.Jetzt wurde jeder neue sehr “zuvorkommend” von den E’s in Empfang genommen.Sie nahmen einem das Gepäck ab,griffen zur Hand und ermahnten uns,doch bitte sehr vorsichtig zu sein,damit wir uns nicht verletzen!Schließlich seien wir ja ihre Ablösung.Das Lied lief immer noch,es war wohl eine Endlosschleife.Die haben mit ihrer Anlage das ganze Dorf beschallt.Als wir alle vom Ello abgestiegen waren passierte dann eine kleine Panne.Der “Kompanie-DJ”berieselte jetzt die Kompanie und das Dorf mit NDR 2 Nachrichten.Hier geht ja was ab,dachte ich mir.Der Typ hat wahrscheinlich nen falschen Knopf bedient oder zu spät umgeschalten.Denn es war nicht das einzigste mal das wir über unsere Anlage den “Klassenfeind” empfingen.
Jedenfalls erfuhren wir nun den Grund,warum hier ein Zeltlager stand.Im Kompaniegebäude wurde die Heizungsanlage komplett saniert.( Nur nebenbei,bis in den Spätherbst hausten wir in den Zelten.Also ein gutes halbes Jahr.Es wurde schon ziemlich kalt und zum waschen gab es nur kaltes Wasser. )
Zurück zur Ankunft in Riebau.Nach dem wir nun abgestiegen waren hieß es essen fassen.Wir gingen in den Speiseraum und ich setzte mich an ein Fenster.Was für ein Fehler!Ich hatte mir soeben meinen ersten”Putz”unbewußt eingehandelt.
Und glaubt mir,es war nicht mein letzter.Die Fensterseite war ausschließlich den Ek’s vorbehalten.Uns “Blasen” stand nur die Wandseite zu!Eigentlich dachten wir ja das wir im 2.Halbjahr “Vieze”seien,welch Trugschluß!Uns wurde erklärt das wir gerade die Metamorphose von der “Knolle”zur “Blase” überstanden hätten.
Unsere Schulterstücke waren aber schon auf Vieze “geschmückt”.Also ein toller Knick in der Mitte des Schulterstückes.Diese Tatsache wurde sofort von den Ek’s beseitigt,indem jeder von uns ein Sägeblatt bekam und es in die Schulterstücke einschieben mußte.Nun waren wir schöne “Glatte Blasen”,so wie es laut EK-Gesetz Vorschrift war.Jetzt wurde uns auch mitgeteilt was uns erlaubt war und was nicht.
Wörter wie Herbst/Heimat,Frühling/Freiheit,Heimi/Zivil,etc.waren ab jetzt für uns tabu.Die Farben grün und blau gab es für uns nicht mehr.Wir hatten nur noch eine Farbe zu kennen und zwar rot.
Das ging so weit das man im Grenzdienst bei einer Meldung durchs GMN genau überlegen mußte was man sagt.Es hätte ja ein Ek mithören können und dann gab es Putz ohne Ende.Aus blau wurde halt himmelrot und grün war nun wiesenrot.Der totale Schwachsinn,aber so war es.Wir durften auch keine blauen oder grünen Kulis benutzen bzw.mit dieser Minenfarbe schreiben.Aber das ist eine andere Geschichte,gehört in die Rubrik EK-Bewegung.Und die war bei uns sehr ausgeprägt.
Hätte nicht gedacht das es so etwas hartes an der Grenze gibt.
Ich will aber wieder zum Thema kommen.Nach dem essen ,natürlich bekamen es erst die Ek’s,wurden wir unseren Stuben zugewiesen und lernten unsere “Patenonkel”kennen.Die zeigten uns dann unsere Betten,die sich natürlich alle oben befanden.Die unteren waren nur den Ek’s vorbehalten.Ab nun hatte man auch 2 Betten zu machen ,nämlich das des “Onkels”und das eigene.Danach wurde einem sein “Revier”gezeigt,was man zu reinigen hatte.
Ach ja,wir wurden doch auch noch tatsächlich offiziell vom KC + Spieß begrüßt.
Und was soll ich sagen,der “Heino”vom Anfang meiner Geschichte,wurde doch wirklich so in der Kompanie genannt.Ich mußte auch noch feststellen das mich mein erster Eindruck über ihn täuschte.
Er war ganz verträglich und man konnte mit ihm klar kommen..Letztendlich war ich froh in dieser Kompanie gelandet zu sein,trotz der EK-Bewegung.Denn wir hatten auch sehr viele Freiheiten,wovon andere Grenzeinheiten nur träumen konnten.
Dazu aber ein anderes mal mehr.


Gruß ek40


exgakl, silberfuchs60, derpae.der99 und Kimble haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#54

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 05.02.2013 13:51
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Oje EK40, ein halbes Jahr im Zelt hätte ich nicht hausen wollen, nee niemals
Hatten mal als Knollen Baueinsatz am Kanten, 2 Wochen im Winter und natürlich mit Wohnen in der "Jurte", fürchterlich.


zuletzt bearbeitet 05.02.2013 13:56 | nach oben springen

#55

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 05.02.2013 16:59
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #54
Oje EK40, ein halbes Jahr im Zelt hätte ich nicht hausen wollen, nee niemals
Hatten mal als Knollen Baueinsatz am Kanten, 2 Wochen im Winter und natürlich mit Wohnen in der "Jurte", fürchterlich.


Tja @GW62,es ging nicht ums wollen,da wurden wir nicht gefragt,es war eine Notwendigkeit,ein Muß.....leider......zum Leidwesen Unsereiner.
Schlimm war noch,dass man jedesmal beim waschen an diesen Zinkwaschtrögen im Waschzelt eine "Gescheuert" bekam.
Da hieß es,wir sollen uns nicht so haben,bisschen Kriechstrom.......es härtet uns ab.........

Zum Glück konnten wir dann nach ca.7 Monaten in das Kompaniegebäude ziehen,welches schöne neue warme Heizungen zu bieten hatte.
Ich glaube Grenzdienst im Winter und nach Dienst dann in Zelten hausen wäre nicht gut gegangen.
Dann hätten die uns woanders untergebracht.......denk ich zumindest.

Vom Platz mit den Zeltfundamenten habe ich noch Fotos,werde sie demnächst mal einstellen.

Gruß ek40


nach oben springen

#56

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 05.02.2013 17:03
von derpae.der99 | 107 Beiträge

Im Zelt sollte man aber besser oben schlafen. Die EK Bewegung hat mir über die Zeit geholfen. Es war doch schön, wenn das Hirn und die Stimmbänder wieder die Vokabel Gelb verarbeiten durften.
Und wenn ich dran denke wie unsere Alten unser Bergfest mit Fize schlagen, gefeiert haben. Ich kann mich noch erinnern, wir machten an dem Tag nen Postentreff und ich fragte den anderen Postenführer, der noch zu den Vernünftigen zählte, wie das so ist - das Fize schlagen. Er antwortete: "Wie soll das schon sein, Scheiße natürlich. Ich habe heute noch Narben am Hintern".


EK 83 II
nach oben springen

#57

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 05.02.2013 17:50
von GKUS64 | 1.611 Beiträge

Was war Fize schlagen? Ich war ja schon1964/65 am Kanten (hieß damals auch noch nicht so!) und eine EK-Bewegung gab es auch noch nicht. Bis zum Uffz. waren wir fast alle gute Kumpels!

MfG

GKUS64


nach oben springen

#58

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 05.02.2013 18:32
von derpae.der99 | 107 Beiträge

Fize wurde man zum Bergfest, also wenn die Tage abwärts gezählt wurden. Das Fize schlagen war ein Ritual. Bei uns gab jeder EK 2 Schläge ab auf jeden werdenden Fize im Zug. Damit das alles etwas dramatisiert wurde, musste man ein Handtuch zwischen die Zähne nehmen. Danach Hose runter und dann gab es mit dem Koppelriemen auf den nackten Hintern. Wer dich gut leiden konnte streichelte nur, wer nicht, zog schon mal etwas mehr durch. Verwundet wurde natürlich niemand. Als Vize durftest du dann mit dem kleinen und dem Zeigefinger grüßen und wie schon erwähnt nebst Rot halt Gelb. Und, wie EK 40 schon schrieb, das Schulterstück wurde geknickt, damit das auch jeder draußen sah, der dies zumindest verstand.


EK 83 II
GKUS64 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#59

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 05.02.2013 18:53
von Acki | 169 Beiträge

zum Vize schlagen, solche Rituale zeugen auch davon, dass es den NVA Soldaten generell noch viel zu gut ging.
Genau wie heutzutage, dass Jugendliche die Geburtstag haben verprügelt werden.Irgendwo muss so eine Scheiße ja ihren Ursprung haben.


nach oben springen

#60

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 05.02.2013 19:05
von derpae.der99 | 107 Beiträge

NVA k.A.. Ein Außenstehender versteht keine EK Bewegung. Und gut ging es uns irgendwie nicht.


EK 83 II
nach oben springen



Besucher
3 Mitglieder und 33 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Oderfischer
Besucherzähler
Heute waren 264 Gäste und 22 Mitglieder, gestern 3936 Gäste und 179 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14372 Themen und 558383 Beiträge.

Heute waren 22 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen