#1

DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 03.12.2011 14:05
von Angelo | 12.396 Beiträge

Ein möglicher Ausgangspunkt für Hass und Gewalt bei den aus Jena stammenden Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ist nach Ansicht des Dresdner Politologen Werner Patzelt auch die DDR-Sozialisation gewesen. «In beiden Fällen hat auch die DDR-Sozialisation zur rechtsextremen Gewalttätigkeit geführt», sagte Patzelt der Nachrichtenagentur dapd.

Hier weiter lesen !
http://www.mz-web.de/servlet/ContentServ...d=1322899670977


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#2

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 03.12.2011 14:45
von ABV | 4.202 Beiträge

Meines Erachtens nach sollte man aber schon zwischen politischer Provokation der Eltern und einer verfestigten rechtsradikalen Einstellung unterscheiden. In der DDR ist sicher einiges schief gelaufen, ohne Zweifel. Aber ob die in der DDR genossene Erziehung als Ausgangspunkt für diese beispiellose Mordserie herhalten kann, bezweifele ich. Möglicherweise sind die Ursachen ja auch in der heutigen Gesellschaft zu suchen? Wie oft wird denn hinter vorgehaltener Hand über Ausländer geschimpft, weil die uns angeblich die Arbeit wegnehmen? Das geschieht tatsächlich besonders dort, wo es kaum Ausländer gibt. Rechtes Gedankengut findet man heute auch schon häufig in der so genannten " Mitte der Gesellschaft".

Gruß an alle
Uwe


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#3

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 03.12.2011 14:53
von Alfred | 6.849 Beiträge

Der eine der Herren lebte 12 der andere rund 16 Jahre in der DDR.
Und in diesen Jahren gab es bestimmt keine braune Erziehung oder ähnliches.

Es ist immer wieder "schön" zu sehen, wie man die DDR für alles mögliche verantwortlich macht - machen will.

Kann man doch auf diese Art von der eigenen Verantwortlichkeit ablenken.


zuletzt bearbeitet 03.12.2011 14:55 | nach oben springen

#4

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 03.12.2011 15:18
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Alfred
Der eine der Herren lebte 12 der andere rund 16 Jahre in der DDR.
Und in diesen Jahren gab es bestimmt keine braune Erziehung oder ähnliches.

Es ist immer wieder "schön" zu sehen, wie man die DDR für alles mögliche verantwortlich macht - machen will.

Kann man doch auf diese Art von der eigenen Verantwortlichkeit ablenken.



Von "brauner Erziehung" in der DDR, stand in dem Artikel ja auch nichts, Alfred. Der Verfasser meinte wohl, dass die Erziehung in der DDR einige quasi um Protest zu zeigen, für rechtsradikales Gedankengut empfänglich machte. Wie dem auch sei, im Fall der beiden Mörder halte ich das für ausgemachten Unsinn. Da dürften wohl ganz andere Ursache eine Rolle gespielt haben. Im Interesse aller wäre es besser nach heutigen Versäumnissen zu suchen, statt die Ursachen immer wieder in der DDR-Vergangenheit zu suchen.

Gruß an alle
Uwe


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#5

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 03.12.2011 16:07
von Alfred | 6.849 Beiträge

Zitat von ABV

Zitat von Alfred
Der eine der Herren lebte 12 der andere rund 16 Jahre in der DDR.
Und in diesen Jahren gab es bestimmt keine braune Erziehung oder ähnliches.

Es ist immer wieder "schön" zu sehen, wie man die DDR für alles mögliche verantwortlich macht - machen will.

Kann man doch auf diese Art von der eigenen Verantwortlichkeit ablenken.



Von "brauner Erziehung" in der DDR, stand in dem Artikel ja auch nichts, Alfred. Der Verfasser meinte wohl, dass die Erziehung in der DDR einige quasi um Protest zu zeigen, für rechtsradikales Gedankengut empfänglich machte. Wie dem auch sei, im Fall der beiden Mörder halte ich das für ausgemachten Unsinn. Da dürften wohl ganz andere Ursache eine Rolle gespielt haben. Im Interesse aller wäre es besser nach heutigen Versäumnissen zu suchen, statt die Ursachen immer wieder in der DDR-Vergangenheit zu suchen.

Gruß an alle
Uwe





Ich schrieb ja auch "oder ähnliches".


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#6

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 03.12.2011 16:19
von Gert | 12.354 Beiträge

es ist interessant was der Politologe da schreibt. Ich hatte in den 60er Jahren nach meiner Flucht aus der DDR zu meiner Verblüffung die Erfahrung gemacht, dass bei gleichaltrigen westdeutschen Altersgenossen eine oftmals sehr linke Einstellung zu erkennen war.Dies wird bestätigt durch den Politologen, dass aus rechts orientierten Elternhäusern eine solcherart links gesinnte Jugend hervorgeht. Die damaligen Altvorderen waren großenteils stramm antikommunstisch bis hin zu NS angehaucht.Ganz besonders bei dem in der Öffentlichkeit der damaligen Zeit stehende linke Mob der Westberliner Strassen, aus dem ja dann auch die Mordbuben der RAF hervorgingen, ist ein Beweis für die Theorie dieses Politologen. Aber schon damals wie auch heute kann man das nicht auf alle übertragen bzw. verallgemeinern. Deswegen halte ich die Aussage, die DDR Erziehung ist schuld, für sehr gewagt.

Gruß Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
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Mahatma Gandhi
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#7

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 03.12.2011 17:25
von Kimble | 397 Beiträge

Dieser Artikel ist Humbug. Am Anfang steht da sinngem. die DDR- Sozialisation hätte sie anfällig für braune Ideen gemacht.
Wenig später heißt es dann "Nicht nur im Westen, sondern auch in der DDR hätten Jugendliche «Lust an der Provokation» gehabt".

Danke für die Erleuchtung, das sind ja völlig neue Erkenntnisse.
Na wenn es ein Politikwissenschaftler herausgefunden hat wird es schon stimmen..

Hallo ? Ist es denn jemals anders gewesen?
Pubertierende sind so und deßhalb ist es ja auch eine schwierige Phase in der Entwicklung.

Und dann: Rechte Schläger stammen also besonders oft aus Familien von Stasi- Offizieren ? Stimmt das wirklich ?
Oder ist es nur so, dass wenn dieses Merkmal zutrifft, es dann eben besonders auffällt ?
Zum Glück sind ja einige ehemalige vom MfS hier. Die könnten da ja mal was zu schreiben.

Ich hoffe, die nächste echte Wirtschaftskriese wird eine reinigende Wirkung haben und solche im Grunde überflüssigen Forschungen, welche oft sogar vom Staat mit finanziert werden (TU) , wieder auf ein normales Maß zurück stutzen.

Schönen 2. Advent allen !


Kannten Sie die DDR ? "Ja, flüchtig"
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#8

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 03.12.2011 17:46
von eisenringtheo | 9.175 Beiträge

Als ich in den 80ern als Tourist die DDR besuchte, stand immer wieder in der Zeitung, dass es in der entwickelten sozialistischen Gesellschaft keinen Klassenkampf und somit auch keinen eigenen Extremismus gebe, sondern alles vom Westen käme, gesteuert von Kräften, die der DDR und dem Sozialismus feindlich gesinnt waren. So hat man vermutlich den Deckel drauf gemacht und Polizei, MfS und andere gesellschaftliche Organisationen mussten helfen, dass diese Idylle erhalten blieb.
Theo


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#9

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 03.12.2011 18:03
von ABV | 4.202 Beiträge

Im Herbst 1989 musste ich mich als ABV um den Sohn eines MfS-Majors kümmern. Dieser war zum wiederholten Mal beim Versuch die Grenze nach Polen zu überqueren, ertappt worden. Der Knabe musste sich dann in einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Arbeit bewähren, in seinen Augen sicherlich die Höchststrafe. Seinem Outfit stellte er so etwas wie einen "vergammelten Studenten" dar. Zu allem fähig, aber am Ende zu nichts zu gebrauchen. Beim Gespräch erfuhr ich dann von ihm, dass er die ganze Nummer nur aus Protest gegen seinen Vater abzog. Dieser dürfte wegen seinem Filius tatsächlich eine Menge Ärger bekommen haben.
Wie man sieht, gab es auch andere Möglichkeiten in der DDR um gegen die " Alten" zu protestieren. Man musste nicht unbedingt zum Nazi mutieren.

Gruß an alle
Uwe


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#10

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 03.12.2011 21:57
von Huf (gelöscht)
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Zitat von Angelo
Ein möglicher Ausgangspunkt für Hass und Gewalt bei den aus Jena stammenden Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ist nach Ansicht des Dresdner Politologen Werner Patzelt auch die DDR-Sozialisation gewesen. «In beiden Fällen hat auch die DDR-Sozialisation zur rechtsextremen Gewalttätigkeit geführt», sagte Patzelt der Nachrichtenagentur dapd.

Hier weiter lesen !
http://www.mz-web.de/servlet/ContentServ...d=1322899670977



Den hier zitierten Link halte ich schlichtweg für hirnrissig!

Ich bin selbst in einem nicht systemkonformen Elternhaus, allerdings angepasst aufgewachsen.
Es ist völlig richtig, dass wir in pubertären Zeiten provokative und "gegen alles"- Verhaltensweisen lebten, aber deren Inhalt waren zu keiner Zeit rechtes Gedankengut oder gar Nazi-verherrlichende Ideologien!
Die heutigen rechtsradikalen Erscheinungen sind ja wohl eher einer nicht konsequenten Vergangenheitsbewältigung in der alten BRD nach dem Krieg und andererseits einem radikalisierten, ausweglos erscheinenden Protestverhalten mancher Menschen im Osten Deutschlands zuzuordnen, die strukturschwächende Einflüsse der Entwicklung Gesamtdeutschlands schicksalhaft am eigenen Leib erfahren haben.
Ausserdem ist nach meiner Meinung die Erziehung unserer Kinder zur Demokratie und Toleranz in Schule und Freizeit völlig unzureichend!
Aber das ist ein sehr, sehr weites Feld....

VG Huf


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#11

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 03.12.2011 22:03
von Huf (gelöscht)
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DDR-Sozialisation

Diesen Begriff kann man nur "lieben".
Ich vermute mal, welche Bedeutung dieser Begriff für die Mehrheit ehemaliger DDR-Bürger im Ganzen, aber auch im Einzelnen, hat, erschließt sich dem Autor nicht, und ebenso Millionen seiner abnickenden Leser!
Das wäre echt ein neues Thema!

VG Huf


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#12

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 04.12.2011 01:38
von Allmi | 144 Beiträge

Stunden, Tage und Jahrelang könnte ich mich aufregen über so viel Stuss was über ein Institut heraus gefunden wurde.
Je öfter das man auch schreibt, glaubens die Leute auch noch. ( Dank Bl. äh Bildzeitung)

Allmi ( Thüringer )


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#13

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 04.12.2011 07:37
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Gert
es ist interessant was der Politologe da schreibt. Ich hatte in den 60er Jahren nach meiner Flucht aus der DDR zu meiner Verblüffung die Erfahrung gemacht, dass bei gleichaltrigen westdeutschen Altersgenossen eine oftmals sehr linke Einstellung zu erkennen war.Dies wird bestätigt durch den Politologen, dass aus rechts orientierten Elternhäusern eine solcherart links gesinnte Jugend hervorgeht. Die damaligen Altvorderen waren großenteils stramm antikommunstisch bis hin zu NS angehaucht.Ganz besonders bei dem in der Öffentlichkeit der damaligen Zeit stehende linke Mob der Westberliner Strassen, aus dem ja dann auch die Mordbuben der RAF hervorgingen, ist ein Beweis für die Theorie dieses Politologen. Aber schon damals wie auch heute kann man das nicht auf alle übertragen bzw. verallgemeinern. Deswegen halte ich die Aussage, die DDR Erziehung ist schuld, für sehr gewagt.

Gruß Gert





@Gert, gewagt???

Das ist ausgemachter Schwachsinn, Volksverhetzung (gegen uns ehem. DDR- Bürger) und dilitantische Profilierungssucht in einem!

Hab ich schon förmlich drauf gewartet, das einer (leider dazu noch ein Studierter) solche geistige Grütze von sich gibt!

Mich wunderts nur, das noch niemand auf den Einfall gekommen ist, ein natürlich mit Steuergeld finanziertes Projekt zur Forschung nach rechter, linker Gewalt, nach Ursachen für Amokläufe an Schulen ect. (egal an welchem Ort) zu starten, wo als Ursache die DDR- Erziehung im Mittelpunkt steht. Wenn auch der eine oder andere Gewalttäter, Amokläufer nicht in der DDR groß geworden ist, vielleicht hat er ja einen Onkel, eine Tante oder einen Cousin/ Cousine in der DDR gehabt..., kann ja alles möglich sein.

Und vielleicht sind ein Herr Özdemir, ein Herr Friedmann & Co noch die Initiatoren für solch Projekt, auch das würde mich nicht wundern!

Einen vagen(!) Denkansatz kann ich vielleicht erkennen, folgen. In der DDR war der Grundtenor der Erziehung, des Lebens nicht auf den Multi- Kulti- Wahn und andere gesellschaftlichen Fehlentwicklungen wie in den 70-er und 80-er Jahren in den alten Bundesländern ausgerichtet. Daraus mag sich auch mit dem Kampf breiter Massen 1989 für Veränderungen, die letzendlich zur Wiedervereinigung geführt haben, eine Art neues, jedoch sanftes nationales Gewissen entwickelt haben.

Jedoch kein Nährboden für rechten Terror!

Ist es nicht vielleicht sogar eine Art Schuldverschieberei, für die der Deutsche Anno 2011 immer bekannter, beliebter wird?
Die in den alten Bundesländer gemachten und bekannten eigenen Fehler mit dem schon vorab genannten Multi- Kulti- Wahn, der total mißlungenen Integrationspolitik jetzt einem nicht mehr existenten Sündenbock zuzuschieben, nähmlich der Ex- DDR und seinen Bürgern? Wär doch mal wieder zu schön, lenkt doch so wunderbar von den tatsächlichen Problemen und Ursachen ab!

Und nochwas. Hatte es ja in dem Thread zur Zwickauer Terrorzelle schon mal geschrieben. Fehlt nur noch derjenige, der die Titelmelodie von Paulchen Panther als rechtsradikale Musik, rechtsradikales Liedgut hinstellt und verbieten lassen will...!

Genauso NPD- Verbot. Da kann ich unseren Politikern nur empfehlen,bekämpft die Ursachen, nicht die Auswirkungen.

Denn ist die NPD erst verboten, formiert sich garantiert eine neue Partei....

Und dann? Wieder Verbotsverfahren, sinnlose Zerredungsdebatten in Bundes- und Landtagen statt Bekämpfung der Ursachen an der Wurzel?


josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#14

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 04.12.2011 11:09
von ABV | 4.202 Beiträge

Vor einiger Zeit lief im Fernsehen ein sehr interessanter Bericht über Neonazis in der DDR. Ein damals aktiver Neonazi äußerte sich auch vor der Kamera zu seinen Motiven. Als junger Mann stand er, wie so viele, auf " Kriegsfuß" mit der offiziellen DDR-Realität. Er wollte "anders sein". Ganz anders eben. Mit seiner Hinwendung zur Ideologie der Nazis wollte er gegen die verkrustete DDR-Gesellschaft protestieren und diese gleichzeitig ärgern und provozieren. Neonazis in der DDR passten ja nun wirklich nicht in die heile Welt der SED. Aber jetzt kommt das entscheidende: Heute würde er nicht im Traum mehr daran denken, einer solchen Ideologie zu folgen. Mit dem Ende der DDR fiel auch der Zweck seines Protestes weg. Ohne DDR wird logischerweise niemand mehr gegen diesen nicht mehr existierenden Staat protestieren. Wer heute noch zur " rechten Szene" gehört, hat sein ideologisches Rüstzeug woanders bekommen. Kommen die Herrn Voigt, Pastörs und Apfel nicht aus den " alten" Bundesländern?

Gruß an alle
Uwe


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#15

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 04.12.2011 13:08
von karlbär (gelöscht)
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Dann müßten ja alle DDR Bewohner Neonazis sein.
Der Politologe hat doch was an der Waffel, die sollen sich ein Kopf um was anderes zu machen als solche Parolen raus zuhauen.


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#16

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 04.12.2011 15:33
von boofinger | 140 Beiträge

In der DDR gabs kaum etwas, was es nicht gab.
Was es allerdings wirklich nicht gab, war irgendwelche Gewaltrichtungen, die mit Rechts in Verbindung zu bringen wären.
Ich selbst bin Jenenser.
In Jena gab es in den 80ern fast alles mögliche.
Jena war zwar bunt, aber "braun" und Rechts war hier nicht zu finden.
Das Stadtbild von Jena war geprägt von normalen Menschen, Punkern, Popern, Schwulen, Gammlern, ferner Ausreisewillige, Widerständler und rote 110%ige Socken ...aber nichts vergleichbares mit den heutigen Glatzen!

Wenn es da mal Kloppe zwischen Jugendlichen gab, war das, weil die Punker die Poper (oder umgekehrt) nicht leiden konnten, weil die Kerle aus dem Nachbardorf auf die hieseigen "Hühner" auf der Disko scharf waren, oder es gab Haue unter Fussballfans.
Von Problemen mit ausländischen Gastarbeitern hat man nur ganz selten mal Gerüchteweise gehört.
Angeblich hatten Gastarbeiter arabischer(?) Herkunft den Ruf (wohl der Methalität geschuldet), bei einem Wortgefecht schnell mal ein Messer zu gezeigen...
Probleme oder Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Afrikanern, Ungarn oder Vietnamesen sind mir nicht bekannt.
Ich möchte behauten, sowas gab es einfach nicht.

Was allerdings aufgefallen ist damals, dass von "Oben" ganz extrem reagiert wurde, wenn es zu (unbedachten) Äußerungen in nazistische Richtung kam.
2. Beispiele, selbst erlebt:

1.Geschichtsunterricht:
Der Lehrer erzählt über den 2. WK und die Bombardierung von Dresden.
Ein Mitschüler (Fussballfan, aber eben nicht von Dresden!) kommentierte lapidar, "Die habens auch nicht anders verdient."
Es war ein unbedarfte Äußerung mit dem Hintergrund, das er Dresden wegen der Fussballmanschfat nicht leiden konnte.
Was es nach dieser Äusserung für einen heiden Aufstand des Lehrers und des hinzugezogenen Schuldirektors gab, kann sich niemand vorstellen.
Die Unterrichtsstunde war gelaufen. Die Eltern des Schülers wurden sofort(!) in die Schule zitiert.

2. NVA 1989
Ein Soldat (mir damals nur vom sehen her in der Kaserne Bekannter) wurde nach Schwedt "versetzt".
Da sowas nur sehr sehr selten vorkam, machte das natürlich die Runde.
Grund für Schwedt war angeblich eine im Suff gemachte Äußerung nach einem Ausgang Nachts einem Offizier gegenüber, so in der Art "Du Nazisau" o.ä.
Im Herbst 89 kam betreffender Soldat aus Schwedt wieder zurück. Nicht wieder zu erkennen der Mann.
So wie in "NVA - Der Film" gezeigt, war der Betreffende eine vollkommen andere Person durch Schwedt geworden.
Hätte ich das nicht selbst gesehen, hätte ich es im genannten Film für maßlose Übertreibung gehalten.

Was ich mit den Beispielen sagen will ist, dass man früher viel entschiedener und extremer auf irgendwelche (auch lächerliche) Anzeichen aus dieser Richtung reagiert hatte.


Boofinger


„Der Weg zum Ziel ist gefährlich. Er ist die Flugbahn aller Geschosse.“ Stanislaw Jerzy, poln. Schriftsteller
* NVA * Grundwehrdienst 88-90 * 3. Raketenbrigade * Vermesser *
zuletzt bearbeitet 04.12.2011 15:35 | nach oben springen

#17

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 04.12.2011 17:33
von VNRut | 1.486 Beiträge

Manchmal hörte man in den Betrieben schon von rechter Gewalt hinter verschlossenen Türen, da von öffentlicher Seite kaum bzw. nicht bekannt gegeben wurde. Als ich in den 80igern noch in Staßfurt wohnte und arbeitete, sprach jeder davon "das ein Neger baden gegangen ist" und die Tatsache war, das ein Mosambikaner verfolgt wurde über die Bode-Brücke (Wasser-Tiefststand im Sommer) geworfen wurde. Eine Überlebenschance gleich Null. Siehe:

Zitat
Dann Eifersucht der deutschen Freunde, Beschimpfungen als "Neger", Kämpfe und Schlägereien, Skinheads. Wie ein Mosambikaner verfolgt wurde und auf der Flucht im Fluss ertrank.

aus: http://www.freitag.de/2007/14/07141502.php

Der MfS ermittelte streng konspirativ und die Täter wurden meist sehr hart bestraft. Selbst bei einer "nazistischen Aktion" in unserer Schule (Hakenkreuze malen) ermittelte das MfS und die als Täter entlarvte Schülerin sowie ihre erziehungsberechtigten Eltern bekamen mächtig Ärger.

Das diese Fremdenfeindlichkeit an der DDR-Erziehung lag verneine ich deshalb, weil der größte Teil der Bevölkerung freundlich den Afrikanern, Asiaten etc. eingestellt war. Und schwarze Schafe gibt es immer. Nach 1990 brach dieser Hass wegen zunehmender Arbeits- und Perspektivlosigkeit aus, außerdem kamen die Rattenfänger der NPD und DVU aus dem Westen und pumpten Wahlgelder in Millionenhöhe in den Osten .... und der Staat schaut bis heute nur zu.

VN_Rut


GKM - 05/05/1982 bis 28/10/1983 im GAR 40/1.Abk/2.Zug (Oranienburg 17556) & GR 34/1.Gk/2.Zug (Groß-Glienicke 85981)
Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit. (William Somerset Maugham, britischer Schriftsteller 1874 - 1965)
Ohne die Kälte und Trostlosigkeit des Winters gäbe es die Wärme und die Pracht des Frühlings nicht. (Ho Chi Minh)

http://www.starsofvietnam.net/
https://www.youtube.com/watch?v=OAQShi-3MjA
Gruß Wolle
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#18

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 04.12.2011 21:24
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

@boofinger,
die geschichte von schwedt glaube ich dir gerne. denn ich sah in rudolstadt 1981 im sommer 2 die aus schwedt kamen. wir hatten dort zur seit des hochwasser wache und es wurden soldaten rangezogen zum sandsäcke füllen, schleppen und später alles säubern. die 2 besagten soldaten waren auch dabei und wir versuchten zu erfragen warum, kein wort erfuhren wir von ihnen.
ein unterfeld unserer gk wurde 1982 auch nach schwedt versetzt. ikarusbus mit einigen offz. kam. einige stunden untersuchung und er stieg mit ein.
aber was in schwedt wirklich abging kann ich nicht sagen.

zum anderen thema. tauchen brennbunkte nicht immer dort auf wo eine masse der gesellschaft unzufrieden ist? dann reicht es wenn eine gruppe kommt und sich als stark und dagegen präsentiert, schon kann man ungefestigte menschen fangen.
ich erinnere mich noch an die wendezeit wo wir zur wahl von npd werbung überschwemt wurden im osten, woher kamen sie denn? alle in der ddr geboren? so einfach ist das neonazitum mit ddr nicht erklärt, vor dem 3. reich gab es nicht mal eine ddr und doch kam die schreckliche flut. wie schon gesagt, denke ich eher an die gesamte situation momentan in diesem sytem das ja nun wirklich nicht besser wird. wenn auch die arbeitslosen zahlen seit jahren sinken, sinken sie doch nur weil es immer mehr billigjobber gibt und damit die armut steigt.
tip: eine schlafbrille kostet ca.3 euro, ist gut so ein teil. man hört nur positive nachrichten und sieht die realität nicht mehr.


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#19

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 07.12.2011 19:36
von P3 | 357 Beiträge

Es ist immer wieder faszinierend, wie sich Leute, die nicht in der DDR aufgewachsen sind, mit aktuellen Problemen auseinandersetzen. Nach dem Motto : Ich erzähle euch mal, wie es bei euch war, sucht Prof. Dr. Werner J. Patzelt die Ursachen für Rechtsgewalt in der Geschichte eines vergangenen Landes. Da sehe ich Parallelen zu einem ehemaligen Innenminister des Landes Brandenburg, welcher auch die Ursachen für die mehrfache Tötung von Kleinkindern der DDR-Zwangsproletarisierung zuschrieb. Es ist also leicht, wenn man Scheuklappen für zeitnahe Probleme bei der Erziehung von Jugendlichen trägt , die Verantwortung einem vergangenem System zu übertragen. Fakt ist, mit der Jugend hat man sich in jenen vergangenen Jahren, auch mit anderen Hintergründen, eben mehr beschäftigt. Wenn ich heute sehe, wie die Freizeit bei Heranwachsenen gestaltet ist, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Sehr viele Jugendliche verblöden vor Computern, schlagen sich die Zeit mit Videospielen tot ! (zum Großteil mit gewaltverherrlichenden Inhalten) Wirklich kreative Tätigkeiten sind da eher die Ausnahme. An die Eltern von heute, sei zum Abschluss meiner Anmerkung auch die Frage gerichtet, ob sie sich überhaupt dafür interessieren, was ihre Kinder denn so treiben.

Gruß
P3


Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum, doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht.


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#20

RE: DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt

in Leben in der DDR 07.12.2011 20:14
von glasi | 2.815 Beiträge

Das diese Fremdenfeindlichkeit an der DDR-Erziehung lag verneine ich deshalb, weil der größte Teil der Bevölkerung freundlich den Afrikanern, Asiaten etc. eingestellt war. Und schwarze Schafe gibt es immer. Nach 1990 brach dieser Hass wegen zunehmender Arbeits- und Perspektivlosigkeit aus, außerdem kamen die Rattenfänger der NPD und DVU aus dem Westen und pumpten Wahlgelder in Millionenhöhe in den Osten .... und der Staat schaut bis heute nur zu.

VN_Rut[/quote]
du hast es genau auf den punkt gebracht. aber die DDR erziehung hat doch ein wenig damit zutuen. aber ich glaube sie hat unabsichlich dazu beigetragen.



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