#1

Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 23.11.2011 13:12
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Um das Thema besser in einem eigenem Thread zu behandeln eröffne ich dieses einmal.

Zitat
Der sozialistische Staat verwirklicht das Leistungsprinzip in entschiedenem Kampf gegen Tendenzen des Raffertums wie auch gegen kleinbürgerliche Gleichmacherei, d.h. gegen eine nivellierende Entlohnung der Arbeit unabhängig von ihrer Quantität und Qualität, von der Qualifikation der Werktätigen und von der Arbeitsproduktivität. Unter Gleichheit versteht der Marxismus nicht Gleichheit der körperlichen und geistigen Fähigkeiten oder der Bedürfnisse, sondern gesellschaftliche, ökonomische Gleichheit. Für den Sozialismus bedeutet das eine für alle gleichermaßen gültige Beseitigung des Privateigentums an den Produktionsmitteln und der Ausbeutung, gleichen Zugang zur Arbeit auf der Grundlage der gesellschaftlichen Produktionsmittel, die für alle gleiche Pflicht zur Arbeit, das für alle einheitliche Prinzip der Entlohnung nach Arbeitsleistung.



So der theoretische Anspruch, doch wie war die Praxis?


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#2

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 23.11.2011 13:40
von Rüganer (gelöscht)
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Solange der Meister eines Kollektives weniger Geld in der Lohntüte hatte, als sein bester Arbeiter, solange der Ingenieur weniger in seiner Gehaltstüte hatte, als der Arbeiter, solange ging der Traum von einer funktionierenden Wirtschaft nicht auf . Welcher guter Arbeiter wollte unter diesen Umständen schon Meister werden? Mit weniger Geld, aber weitaus größerem Ärger nach Hause gehen?
Und so sann man dann auf Möglichkeiten, mehr Geld nach Hause zu holen und begann im Neuererwesen aktiv zu werden oder wartete auf „außerplanmäßige Sonderaktionen“, die materiell stimuliert wurden, Aktionen, die nur dann stattfinden konnten, wenn die Produktion ruhte. Für die gab es dann Prämien, und plötzlich funktionierte alles reibungslos, da war Material da, da war alles vorbereitet, da wurde gezeigt, was man zu leisten imstande war.
Der Faktor Geld war auch im Sozialismus nicht unerheblich, jedenfalls zog der mehr, als Agitation und Propaganda.
Das rigorose Durchsetzen eines Leistungsprinzips hätte auch bedeutet, dass man Alkoholiker und notorische Arbeitsbummelanten gefeuert hätte, so aber wurden die durchgeschleppt, welcher guter Mann schaut da zu, wenn der Kollege mit 3,8 im Turm in der Ecke sitzt und letztendlich auch fast das gleiche Geld am Monatsende nach Hause trägt. Der Meister, der die Kaderabteilung informiert und die Entlassung anregt, wird wegen unzureichender Leitungstätigkeit noch zusammengestaucht, klar, dass der doch beim nächsten Alkoholschlaf nichts bemerkt. An solchen Beispielen ist das Leistungsprinzip schon zu Grunde gegangen.
Vielleicht noch ein Beispiel aus der Praxis:
In der Reparaturabteilung sind in der Zerspanung Leute im Schichtbetrieb tätig. Es wird in den Spät – u. Nachtschichten regelmäßig gegammelt, gepennt und privat gearbeitet. Als die Kollegen dann Arbeitsnormen bekommen, hört dies auf, jedoch erscheint nun ein anderes Phänomen, es gibt nichts mehr zu tun. Anfangs gibt es noch Lohnarbeit für andere Betriebe, doch dann kommt der Moment, wo man sich fragen muss, müssen denn diese Leute noch in 3 Schichten arbeiten? Politische Entscheidung: Aber ja, die Maschinen müssen dreischichtig laufen. Also Normen wieder weg und der alte Gammelbetrieb wieder her, aber: Hurra, wir arbeiten in 3 Schichten mit den Drehbänken. Da verlor mancher seinen Glauben an sein normales Denkvermögen. Soviel zum Leistungsprinzip und der Praxis in einem 5.000 Mann Betrieb.


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#3

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 23.11.2011 20:29
von Boelleronkel (gelöscht)
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Heihiheiho..Rüganer...
wer mindestens schon einmal in seinem Leben mit Feuerwehrschläuchen die alte "Göbbelsschnauze" sprich das Nostalgieradio zusammengeschustert hat,der weiss wovon er spricht!
Herrlicher Beitrag Rüganer ...wirklich.

Das wirklich herrausragende Beispiel an der DDR "Wirtschaft"war die Meldung zum 1.Werktag...ein wirklich absoluter Knaller und wahrscheinlich einmalig auf der Welt.
Von nicht erfüllten Wirtschaftsverträgen,trotz zugeteilter Bilanzanteile und somit eingegangener Lieferverpflichtung wollen wir da mal nicht reden.
Sach mal FED...in einem Ländle wo man 10/15 Jahre auf seine Rennpappe warten muss,jedem Sack Zement,jedem Schalbrett,jedem "Scheisshausbecken und und und...da stellst Du nicht wirklich diese Frage im Ernst?
Der 11.11.lässt grüssen oder wie ist das gemeint?
Was nützt das beste Leistungsprinzip,wenn die Grundlagen zur Erfüllung...wie hiess das Kennziffern? dieser absolut nicht gegeben sind...

Ehrlich...eine scheiss Wirtschaft haben sich die Herren da geleistet...aber keine Mühen gescheut, Millionen jährlich für Staatsjagden und anderen Unsinn verjubelt und dann gabs noch eine "muntere Truppe" die mit aufgepasst hat,das das auch schön so bleibt.

Wie sagte mal ein alter Maurermeister...."Wenn de unten schlecht anfängst,wirste oben nie richtig ankommen!

Und damit wir uns nicht falsch verstehen,nix gegen die Leuts,die geschuftet haben wie die Bekloppten,aus "Scheisse Bonbon gemacht haben"...
Leistungsprinzip,lächerlich...
Beschissen ham se uns und dett jeden Tag uffs Neue!
BO


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#4

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 23.11.2011 20:35
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Boelleronkel

Sach mal FED...in einem Ländle wo man 10/15 Jahre auf seine Rennpappe warten muss,jedem Sack Zement,jedem Schalbrett,jedem "Scheisshausbecken und und und...da stellst Du nicht wirklich diese Frage im Ernst?



Hallo BO,

die Diskussion kam in diesem Thread 4. Oktober 1989 in Dresden - Zeugnisse "friedlicher" Demonstrationen in der DDR (4) hier auf und daher dachte ich dieses Thema ist einen eigenen Wert. Zur besseren Übersicht bat ich auch darum die Beiträge 63-76 hierher auszulagern, bisher leider vergeblich!

Deshalb stellte ich auch keine Frage, sondern lediglich eine These zur Diskussion. Schaun wir doch mal wie sie sich entwickelt, ein interessantes Thema ist es allemal wie der super Beitrag von @Rüganer beweist.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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zuletzt bearbeitet 23.11.2011 20:35 | nach oben springen

#5

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 23.11.2011 20:44
von Boelleronkel (gelöscht)
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Zitat von Feliks D.

Zitat von Boelleronkel

Sach mal FED...in einem Ländle wo man 10/15 Jahre auf seine Rennpappe warten muss,jedem Sack Zement,jedem Schalbrett,jedem "Scheisshausbecken und und und...da stellst Du nicht wirklich diese Frage im Ernst?



Hallo BO,

die Diskussion kam in diesem Thread 4. Oktober 1989 in Dresden - Zeugnisse "friedlicher" Demonstrationen in der DDR (4) hier auf und daher dachte ich dieses Thema ist einen eigenen Wert. Zur besseren Übersicht bat ich auch darum die Beiträge 63-76 hierher auszulagern, bisher leider vergeblich!

Deshalb stellte ich auch keine Frage, sondern lediglich eine These zur Diskussion. Schaun wir doch mal wie sie sich entwickelt, ein interessantes Thema ist es allemal wie der super Beitrag von @Rüganer beweist.




Na gut FED,
These hin oder her,die Geschichte hat in der Realität bewiesen...trotz aller Mühen und Sonderschichten ohne Ende...
So,wie es gelaufen ist, hats jedenfalls nicht funktioniert....weil bei konsequenter Anwendung eines Leistungsprinzips,hätte man die "Obersten"die die Order ausgegeben haben,als ERSTE entlassen müssen!

Gruss BO


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#6

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 23.11.2011 21:22
von Gelöschtes Mitglied
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Irgendwie gehört es hier mit rein also: Viele habe auch noch Honecker bei Wort genommen "da ist noch mehr rauszuholen" das wurde auch nicht offen gelegt, weil eben dann die Leitung selbst in der Kritik stand. Und dieses Problem war nicht unerheblich, es wurde geklaut wo es nur ging. Hatte es selbst erlebt, dass deswegen in einer Firma die Produktion still stand. Am Ende wurde es so gerechnet, dass eben mehr Material verbraucht wurde als geplant.


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#7

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 23.11.2011 23:05
von Gert | 12.356 Beiträge

ja BO und Rüganer,gute und glaubwürdige Beiträge. Das ist O-Ton von der Basis, also Volkesstimme. Es waren sicher alles gute Facharbeiter und Ingenieure in der DDR Produktion, ob die Wirtschaftsfachleute und Manager der DDR gut waren, möchte ich bezweifeln, denn sonst wäre es anders gelaufen. Eins steht jedoch fest, wenn die DDR hochwertige Güter, in ausreichender Menge auf modernen Industrienanlagen produziert hätte und diese dem Volk zur Verfügung gestellt hätte, dann wäre die Mauer obsolet geworden und das nicht durch äußere Einwirkung oder Demos sondern durch einen guten Lebensstandard. Leider sind wohl diese ungeschminkten Wahrheiten nicht bis zur Staatsführung durchgedrungen. Offenbar haben sich alle Ebenen bis nach oben die Taschen vollgelogen nach dem Motto nur gute Nachrichten sichern das Pöstchen. Deswegen sind sie 89 auch aus allen Wolken gefallen in der Staatsführung wegen des aufmüpfigen Volkes.

Gruß Gert


.
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#8

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2011 08:31
von werner | 1.591 Beiträge

@Rüganer hat schon viel dazu gesagt.

Der Mangel an vielen Ecken war hausgemacht und oft war es nicht das schlechte Management, sondern einfach die schlechte Einstellung zur Sache. Die Betriebsleiter hatten ja gar keine Handhabe, ihre Mitarbeiter zur Leistung zu motivieren, denn rausschmeißen ging ja nicht. Es wurde also regelmäßig an das sozialistische Bewusstsein der Werktätigen appelliert, aber das ging immer dann ins Leere, wenn der Drang nach mehr in der eigenen Tasche das tägliche Arbeiten bestimmt hat. Die sozialistische Persönlichkeit gab es oft nur in der Theorie, praktisch haben sich die meisten wie die Lohnarbeiter des Kapitals gesehen: Nimm was Du kriegen kannst.

Zeitweise kam es bei der Verwirklichung des Wohnungsbauprogrammes (nicht nur) in Berlin im normalen Ablauf immer mal zu Verzögerungen (LKW kaputt, Plattenwerk hatte nicht rechtzeitig Kies, Zementwerk hatte einen Großauftrag für Westberlin dazwischen bekommen etc.) - gibt es ja heute auch. Die Planerfüllung stand auf der Kippe. Wenn dann wieder alles normal lief wurden Zusatzschichten eingelegt, um wieder aufzuholen- gegen Extra- Bezahlung (Zuschläge und Prämien) auf der Baustelle. Irgendwann kamen dann findige Menschen darauf, dass man diese Prämien und Sonderschichten mit Extra Geld ja auch steuern kann. So wurde dann auf den Baustellen unter der Woche nach dem Prinzip: Arbeite erst mal langsam, wenn de was verdienen willst und spare Deine Kraft für die Sonderschichten. Hat aber nicht überall geklappt und nicht lange geklappt, denn es gab auch Bauleiter und Vorarbeiter, die auf diese Schweinereien aus Ehrgefühl nicht mitmachten - oder womöglich auch ihre privaten Bauten vor Ort hatten, für die sie entweder eine Ansage von der Frau bekamen, wenn es nicht vorwärts ging oder von ihren privaten Auftraggebern mehr Kohle.

In nicht wenigen Branchen galt der Grundsatz: Privatarbeit geht vor Katastrophe.

In meiner Schulzeit gab es ja den schon mal woanders behandelten UTP mit der PA. Wir waren im TGA Rehfelde und eine der Aufgaben war, Bögen für die Aufhängung der Heizungsrohre zu fertigen. Nachdem wir begriffen hatten, wie es geht und den Lehrmeister erst mal zur Weißglut gebracht hatten wegen der hohen Ausschussquote, jeder einen Platz entsprechend seinen Fähigkeiten bekommen hatte, ging es zur Sache. Und das so, dass einige der Profis zu maulen anfingen, weil wir denen die Normen versauen würden. Da gab es wenig herzliche Ansagen bis hin dass uns Prügel angedroht wurde.

Ähnliches Erlebnis in der Ferienarbeit im STEREMAT und bei der Ernte in der LPG, drei Wochen Arbeit und in der zweiten Woche kam dann von den Facharbeitern bzw. von den anderen Traktoristen die Ansage "Mach mal langsam Junge, uns dreht man sonst die Norm hoch und das geht auf die Jahresendprämie."

Offenbar hat an diesen Stellen das Leistungsprinzip irgendwas stimuliert, Anreize zu höherer Leistung, zum Drang nach mehr Effektivität war es jedenfalls nicht.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#9

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2011 08:51
von werner | 1.591 Beiträge

Zitat von Gert
. . . ob die Wirtschaftsfachleute und Manager der DDR gut waren, möchte ich bezweifeln, denn sonst wäre es anders gelaufen. . . .



Auch die Wirtschaftsfachleute, Betriebsleiter, Direktoren waren mit Sicherheit auch nicht schlecht, sonst wären sie nach 1989 nicht verbreitet sofort wieder in Lohn und Brot gekommen - sofern das Alter das zugelassen hat. Aber sie waren in den politischen Vorgaben und Rahmenbedingungen gefangen.

Wir hatten uns u.a. auf die Fahnen geschrieben "Vollbeschäftigung" und es gibt "keine Arbeitslosigkeit" in der DDR, da das Menschenrecht auf Arbeit zu 100% umgesetzt werden sollte. Denn darin gerade darin wollten wir uns vom Westen Deutschlands abheben. In einem anderen Thread habe ich mal was von den "Weltwundern der DDR" geschrieben. Eines davon war "Obwohl alle Arbeit hatten, hatten viele nichts zu tun". Einen Denkansatz, eine "Arbeitsreserve" von 1% oder auch 3% zu halten, gab es in den 70ern/80igern in der DDR (Prof. Kuczynski). Ein bedarfsorientiertes Arbeitslosenheer gibt es nicht - wie wir auch heute sehen, denn wir haben zwar ein paar Mio Arbeitslose, da es aber die "falschen" Arbeitslosen sind, haben wir dennoch Arbeitskräftemangel.. Also sind sind diese eigentlich Arbeitslosen in der DDR arbeiten gegangen, denn nicht arbeiten war asozial.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#10

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2011 08:56
von damals wars | 12.212 Beiträge

Passt zwar nicht ganz hierher aber etwas ähnliches habe ich im Studentensommer in Polen erlebt.
Da wurden wir auf einer Baustelle eingesetzt und mussten die ersten drei Tage ranklotzen.
Ist ja für einen jungen Menschen kein Problem.
Und am vierten Tag wurde plötzlich der "Lichtschalter" ausgedreht. Die polnischen Bauarbeiter hatten sich beschwert, das wir sämtliche Normen versauen.
Ab da war nur noch "eine ruhige Kugel" schieben angesagt.
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Gearbeitet habe ich gern. Daher brauchte ich keine Motivation ala Zusatzeinkommen. Ich habe natürlich auch "Extraschichten" geschoben, aber da ein Kraftwerk rund um die Uhr läuft gab es nur das normale Gehalt.
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Im Westen angekommen, durfte ich nach einer Umschulung mal ein Praktikum in einer Westbaufirma machen.
Und siehe da, ich kam in eine sozialistische Brigade. 2, die was konnten, 3, die so lala mitarbeitenden und der 6. Mann, der mit einen Besen auf der Schulter und einem Bierkasten in der Hand den anderen nachlief.
Der war zwar Alkoholiker, aber schon lange in der Firma und somit "unkündbar".

Dannach wußte ich, an der Arbeit hat es nicht gelegen, das die DDR untergegangen ist.

Und wer mal ne Straßenbaubaustelle in der USA erlebt hat, aber das ist schon ein anderes Thema.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#11

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2011 09:27
von Rüganer (gelöscht)
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Einer meiner Nachbarn, er ist heute verstorben und deswegen kann ich es so unverblümt schreiben, Abgang 7. Klasse, ungelernt aber deswegen trotzdem ein fleißiger Mann, arbeitete in einer FPG ( Fischereiproduktionsgenossenschaft ), er trug Kisten mit Fisch an die Arbeitstische der Frauen, entsorgte die Schlachtabfälle und war quasi Mann für alle Fälle. Der prahlte einmal mit seiner Jahresendprämie von 14.000 Mark. Es wird nicht nur eine Jahresendprämie sondern auch eine anteilige Gewinnausschüttung gewesen sein, doch in dem Moment fragte ich mich selbst: Du, 13 Jahre zur Schule gegangen, 3 Jahre an der Hochschule studiert, halbes Jahr Praktikum, heute Reparaturtechnologe in einem Großbetrieb der Mikroelektronik zugehörend, du hast eine Jahresendprämie von 1300 Mark. Irgendwas stimmt da nicht. Nichts gegen Fischer, die in Wind und Wetter draußen sind und schuften, dass die schon mal in den Saisonmonaten viel verdient haben, hat auch was mit Leistung zu tun, vieles auch mit Subventionen, aber dass kistentragende Leute mehr bekommen, als der Ingenieur, der die Produktion eines Großbetriebes mit am Laufen erhält, da klemmte was.
Und wenn ich dann auf Rügen später erlebt habe, dass es keine Heizplatten gab, und obwohl es keine Heizplatten gab wurden im Wochenendhaus der Frau T. welche aus dem Kontingent der hiesigen PGH eingebaut, dann will mir doch keiner verdenken, dass auch der übrige Teil der Bevölkerung angefangen hat, eine Schattenwirtschaft aufzubauen, dass Privat tatsächlich vor Katastrophe ging. Es wurde doch vorgelebt und wenn dann die Gänge in der Produktionshalle gestrichen wurden, in denen der Besuch der Bezirksleitung entlang laufen würde, die restlichen aber genauso dreckig und heruntergekommen blieben, wie sie seit Jahren waren, dann begriff doch auch der letzte Mitarbeiter, hier wird nur getäuscht und getrickst.
Die Leiter waren schon teilweise fähig, es ist richtig, man sieht es heute noch, wer da als Firmenschef inzwischen immer noch erfolgreich arbeitet, sie waren aber im System eingebunden und damit in ihrem Handeln gebunden. Titelkämpfe, ZV-Übungen, Versammlungen und all dieser gesellschaftliche Kram, wo stimmte da der Slogan : „Arbeitszeit ist Leistungszeit“? Wenn Brigadier, Meister und Abteilungsleiter zu dritt das Wettbewerbsprogramm eines Meisterbereiches ausarbeiten, dann ist der Tag für diese drei Leute verloren. Heute undenkbar, wer will so was bezahlen, früher fragte danach keiner.
An Millionen solcher Beispiele ist die Ökonomie in der DDR auf der Strecke geblieben und alle haben es gewusst, aber die Verantwortlichen haben es nur Schöngeredet.
@ damals wars
solange der Chef dieser Baufirma die Leute bezahlen kann und dies kann er nur, wenn seine Kunden dieses Spiel der Bauarbeiter hinnehmen, solange mag es ja gehen. Kürzt aber einer die Rechnungen dieser Baufirma oder sagt, dass er für solche langsame Arbeit nicht die geforderte Summe bezahlt, dann sind die lala arbeitenden draußen und der Alkoholiker auch. Oder aber diese Baufirma arbeitet gar nicht mehr. Hundert andere Baufirmen warten nur auf so was.


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#12

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2011 10:26
von eisenringtheo | 9.187 Beiträge

Letzthin sah ich ein Doku über die Gastronomie in der DDR. Der handelte die Fleisch- und Brotschneidemaschinen ab. Die Gastromodelle kamen (angeblich) alle aus Bulgarien, waren bei Anlieferung oft schon kaputt, generell schlecht in der Leistung und der bulgarische Service war unter aller Kanone (lange Anreise!). Andere Hersteller gab es nicht, die für die Gastronomie zugelassen waren und das habe die Arbeitsleistung massiv verschlechtert.
Wenn das kein Einzelfall war, wundert es mich nicht, dass die DDR Ökonomie am Boden war. Es gab woh auch viel Kriminelles. Der Cousin meiner Bekannten war in einem Sanitär Schnellreparaturservice tätig. Oft rückten sie kurz vor fünf an, stellten den Schaden fest, aber auch dass sie schon seit weiss ich wie früh Notfälle hätten und jetzt Feierabend machen müssten und man mit der Hausverwaltung neu terminieren müssten. Das "Trinkgeld" der Bewohner war natürlich gewaltig, nachdem sie sich doch erweichen liessen, tätig zu werden.
Theo


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#13

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2011 10:46
von Rüganer (gelöscht)
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Zitat von eisenringtheo
Letzthin sah ich ein Doku über die Gastronomie in der DDR. Der handelte die Fleisch- und Brotschneidemaschinen ab. Die Gastromodelle kamen (angeblich) alle aus Bulgarien, waren bei Anlieferung oft schon kaputt, generell schlecht in der Leistung und der bulgarische Service war unter aller Kanone (lange Anreise!). Andere Hersteller gab es nicht, die für die Gastronomie zugelassen waren und das habe die Arbeitsleistung massiv verschlechtert.
Wenn das kein Einzelfall war, wundert es mich nicht, dass die DDR Ökonomie am Boden war. Es gab woh auch viel Kriminelles. Der Cousin meiner Bekannten war in einem Sanitär Schnellreparaturservice tätig. Oft rückten sie kurz vor fünf an, stellten den Schaden fest, aber auch dass sie schon seit weiss ich wie früh Notfälle hätten und jetzt Feierabend machen müssten und man mit der Hausverwaltung neu terminieren müssten. Das "Trinkgeld" der Bewohner war natürlich gewaltig, nachdem sie sich doch erweichen liessen, tätig zu werden.
Theo



Theo
gewisse Berufsgruppen hatten dieses "Trinkgeldproblem" massiv, hier gab es einen Fischer, der meinte, man müsste Aal nur noch gegen Westgeld verkaufen. Der Mann war schon satt. Aber Aal, braun gemacht, öffnete ungeahnte Türen bei Kfz-Werkstätten, bei Installateuren, bei Spezialisten aller Art. Da hatte Handwerk noch goldenen Boden, im wahrsten Sinne des Sprichwortes.


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#14

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2011 11:52
von werner | 1.591 Beiträge

Zitat von eisenringtheo
Letzthin sah ich ein Doku über die Gastronomie in der DDR. Der handelte die Fleisch- und Brotschneidemaschinen ab. Die Gastromodelle kamen (angeblich) alle aus Bulgarien, waren bei Anlieferung oft schon kaputt, generell schlecht in der Leistung und der bulgarische Service war unter aller Kanone (lange Anreise!). Andere Hersteller gab es nicht, die für die Gastronomie zugelassen waren und das habe die Arbeitsleistung massiv verschlechtert.
Wenn das kein Einzelfall war, wundert es mich nicht, dass die DDR Ökonomie am Boden war. Es gab woh auch viel Kriminelles. Der Cousin meiner Bekannten war in einem Sanitär Schnellreparaturservice tätig. Oft rückten sie kurz vor fünf an, stellten den Schaden fest, aber auch dass sie schon seit weiss ich wie früh Notfälle hätten und jetzt Feierabend machen müssten und man mit der Hausverwaltung neu terminieren müssten. Das "Trinkgeld" der Bewohner war natürlich gewaltig, nachdem sie sich doch erweichen liessen, tätig zu werden.
Theo



Klempner waren wahrlich noch so ein Kapitel: Mitte der 80er war das üppige "Aufgeld" nicht das Einzige.

O-Ton eines Installateurs, der einen Hahn an der Wanne und eine Toilette anschließen sollte: "Habe in drei Wochen einen Termin frei, wenn´s schneller gehen soll, kostet das 20M die Stunde, oder 5M plus 10 in Westmark." Wer da nicht die richtige Währung in der Tasche musste halt warten. Kommt gut, wenn man aufs Klo will.
Ich habe gewartet und bin so lange meinem Nachbarn auf den Keks gegangen.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#15

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2011 16:21
von uffz_nachrichten | 475 Beiträge

Zitat von Rüganer
Einer meiner Nachbarn, er ist heute verstorben und deswegen kann ich es so unverblümt schreiben, Abgang 7. Klasse, ungelernt aber deswegen trotzdem ein fleißiger Mann, arbeitete in einer FPG ( Fischereiproduktionsgenossenschaft ), er trug Kisten mit Fisch an die Arbeitstische der Frauen, entsorgte die Schlachtabfälle und war quasi Mann für alle Fälle. Der prahlte einmal mit seiner Jahresendprämie von 14.000 Mark. Es wird nicht nur eine Jahresendprämie sondern auch eine anteilige Gewinnausschüttung gewesen sein, doch in dem Moment fragte ich mich selbst: Du, 13 Jahre zur Schule gegangen, 3 Jahre an der Hochschule studiert, halbes Jahr Praktikum, heute Reparaturtechnologe in einem Großbetrieb der Mikroelektronik zugehörend, du hast eine Jahresendprämie von 1300 Mark. Irgendwas stimmt da nicht. Nichts gegen Fischer, die in Wind und Wetter draußen sind und schuften, dass die schon mal in den Saisonmonaten viel verdient haben, hat auch was mit Leistung zu tun, vieles auch mit Subventionen, aber dass kistentragende Leute mehr bekommen, als der Ingenieur, der die Produktion eines Großbetriebes mit am Laufen erhält, da klemmte was.
Und wenn ich dann auf Rügen später erlebt habe, dass es keine Heizplatten gab, und obwohl es keine Heizplatten gab wurden im Wochenendhaus der Frau T. welche aus dem Kontingent der hiesigen PGH eingebaut, dann will mir doch keiner verdenken, dass auch der übrige Teil der Bevölkerung angefangen hat, eine Schattenwirtschaft aufzubauen, dass Privat tatsächlich vor Katastrophe ging. Es wurde doch vorgelebt und wenn dann die Gänge in der Produktionshalle gestrichen wurden, in denen der Besuch der Bezirksleitung entlang laufen würde, die restlichen aber genauso dreckig und heruntergekommen blieben, wie sie seit Jahren waren, dann begriff doch auch der letzte Mitarbeiter, hier wird nur getäuscht und getrickst.
Die Leiter waren schon teilweise fähig, es ist richtig, man sieht es heute noch, wer da als Firmenschef inzwischen immer noch erfolgreich arbeitet, sie waren aber im System eingebunden und damit in ihrem Handeln gebunden. Titelkämpfe, ZV-Übungen, Versammlungen und all dieser gesellschaftliche Kram, wo stimmte da der Slogan : „Arbeitszeit ist Leistungszeit“? Wenn Brigadier, Meister und Abteilungsleiter zu dritt das Wettbewerbsprogramm eines Meisterbereiches ausarbeiten, dann ist der Tag für diese drei Leute verloren. Heute undenkbar, wer will so was bezahlen, früher fragte danach keiner.
An Millionen solcher Beispiele ist die Ökonomie in der DDR auf der Strecke geblieben und alle haben es gewusst, aber die Verantwortlichen haben es nur Schöngeredet.
@ damals wars
solange der Chef dieser Baufirma die Leute bezahlen kann und dies kann er nur, wenn seine Kunden dieses Spiel der Bauarbeiter hinnehmen, solange mag es ja gehen. Kürzt aber einer die Rechnungen dieser Baufirma oder sagt, dass er für solche langsame Arbeit nicht die geforderte Summe bezahlt, dann sind die lala arbeitenden draußen und der Alkoholiker auch. Oder aber diese Baufirma arbeitet gar nicht mehr. Hundert andere Baufirmen warten nur auf so was.



Na ja, wenn das so ist sind wir ja wieder mal auf dem absteigenden Ast. In D.

Aus eigener Erfahrung der letzten 20 Jahre kann ich mit ruhigem Gewissen sagen:
Auch im Kapitalismus ist das meiste nur Blendwerk. Potemkinsche Dörfer? Gab´s nicht nur vor 1989 beim Besuch des Chefs der SED-Kreisleitung, die gibt´s heute auch.
Was meint ihr was los ist in einem Industriebetrieb, wenn sich Fa. XY zum Audit angesagt hat? Oder gar das Fernsehen?
Ok, früher wurde der Eingangsbereich neu geweißt, heute wird mit Klebeband auf dem Hallenboden der Standplatz für den Hubwagen markiert. Das ist schon ein gewaltiger Unterschied. Mir hatten doch früher nüscht, nichma Klebeband.

Oder das Peter-Prinzip:
Wird heute auch wieder gerne angewandt. Wobei sich, im Gegensatz zu früher, wohl weniger das Parteibuch als die richtige "Nase" von Vorteil erweist. Obwohl, wenn beides zusammenkommt........?
Da gibt´s dann eben quasi 2 "Kompaniechefs" und einen Zugtrupp. Und das große Wursteln beim "kleinen Soldaten" tagtäglich in der Produktion beginnt. Materialbestellungen? Schaffung von Arbeitsvoraussetzungen? "Ist nicht mehr, sie zu wie du klar kommst.
Aber wehe du schaffst die Arbeit nicht...."

Worin unterscheidet sich eigentlich das "Durchschleppen" von 3 Alkoholkranken und 2 Arbeitsscheuen früher vom "Durchschleppen" 2er diplomierter Ingonöre heute? Bei denen sich die Tätigkeit darauf beschränkt, ernsthaft! auszudiskutieren, ob die Arbeitsanweisung in Schriftgröße 12 oder 14 auszudrucken ist. Oder der Hintergrund der Powerpointpräsentation nicht doch in hellbeige-kackbraun besser seine Wirkung entfaltet. Und das werktäglich, nicht nur an 3 Tagen zum Quartalsende.
Wenn man derartiges erlebt weiß man, warum Autoersatzteile mit dem stilisierten tatütata drauf so dermaßen teuer sind...

Oder der Stichpunkt Motivation:
Auch heutzutage ist es durchaus so, daß der Verantwortliche zwar den Kopf gegenüber der Obrigkeit hinhalten darf, seine Entlohnung aber nicht unbedingt die Höhe des Entgeldes "seiner" Unterstellten erreichen muß. Und wenn man dies zur Sprache bringt an verantwortlicher Stelle erntet man nur große Augen und unverständiges Kopfschütteln. Für 9,30€ Stundenlohn kann man doch schonmal die Verantwortung für die termin- und fachgerechte Auslieferung von 2 Anlagen im Wert von je 3,4mio € übernehmen, oder?
Dafür gab´s die Tafeln der Besten, eingeführt vom "neuen" West-Manager, wieder. Halt diesmal mit Farb- und nicht mehr mit Schwarz-Weißfoto. Fehlte nur noch das Foto vor der Truppenfahne.

Gert hatte weiter oben was von "neuen" Maschinen und guten Produkten und dann wäre alles gut und besser gewesen oder so geschrieben ( ich scroll jetzt nicht extra hoch ).
Hmm, also ich hab erst im "goldenen" Westen ( Würzburg ) Drehmaschinen von vorm Krieg in laufender Produktion gesehen. Und Hallenböden bei denen die Fahr-und Gehwege aus festgestampftem Lehm bestanden. Ok, die Drehmaschinen standen schon auf Betonsockeln, zugegeben.
Und wenn jetzt jemand denkt es handle sich dabei um eine kleine Klitsche, nietschewo. Dort wurden/werden Hightechkräne gebaut!

Die "DDR-Mangelwirtschaft" hat´s gegeben. Punkt. Aber das lag IMHO weniger an Alkoholkranken oder Arbeitscheuen oder fehlendem Material an sich.

Wenn unser Hartbrandziegelstein nicht "nur" zum Aufbau der Hauptstadt der DDR den Weg auf den Güterbahnhof gefunden hätte........ oder für 8West-Pf das Stück ( zu der Zeit hat der "Westziegelstein" im Baumarkt-West 30Pf/Stk. gekostet ) kleingeschreddert das "Weite" auf diversen Golfplätzen weltweit gesucht hätte........, nur um die Devisen reinzuholen, welche es möglich machten, den höheren Chargen der Staats- und Parteiführung Nintendo´s Gameboy unter den Gabentisch zu packen.......



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#16

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2011 16:29
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Rüganer
Einer meiner Nachbarn, er ist heute verstorben und deswegen kann ich es so unverblümt schreiben, Abgang 7. Klasse, ungelernt aber deswegen trotzdem ein fleißiger Mann, arbeitete in einer FPG ( Fischereiproduktionsgenossenschaft ), er trug Kisten mit Fisch an die Arbeitstische der Frauen, entsorgte die Schlachtabfälle und war quasi Mann für alle Fälle. Der prahlte einmal mit seiner Jahresendprämie von 14.000 Mark. Es wird nicht nur eine Jahresendprämie sondern auch eine anteilige Gewinnausschüttung gewesen sein, doch in dem Moment fragte ich mich selbst: Du, 13 Jahre zur Schule gegangen, 3 Jahre an der Hochschule studiert, halbes Jahr Praktikum, heute Reparaturtechnologe in einem Großbetrieb der Mikroelektronik zugehörend, du hast eine Jahresendprämie von 1300 Mark. Irgendwas stimmt da nicht. Nichts gegen Fischer, die in Wind und Wetter draußen sind und schuften, dass die schon mal in den Saisonmonaten viel verdient haben, hat auch was mit Leistung zu tun, vieles auch mit Subventionen, aber dass kistentragende Leute mehr bekommen, als der Ingenieur, der die Produktion eines Großbetriebes mit am Laufen erhält, da klemmte was.



Warum soll einer das nicht bekommen, nur weil er nicht die Ausbildung hat? Er hat eben dafür schwer körperlich gearbeitet, dafür hast Du ein ganz anderes Gehalt gehabt als er. Er musste in diesen Fall viel körperlich arbeiten als Du und er hat Deine Ausbildung mit bezahlt. Er hat etwas geschaffen was ich von anderen nicht sagen kann, sonst würde die DDR noch heute sein. Bitte jetzt nicht persönlich sehen ,)


zuletzt bearbeitet 24.11.2011 16:39 | nach oben springen

#17

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2011 16:43
von werner | 1.591 Beiträge

Zitat von maxel22


Warum soll einer das nicht bekommen, nur weil er nicht die Ausbildung hat? Er hat eben dafür schwer körperlich gearbeitet, dafür hast Du ein ganz anderes Gehalt gehabt als er. Er musste in diesen Fall viel körperlich arbeiten als Du und er hat Deine Ausbildung mit bezahlt.



Das war die typische Antwort wie schon zu DDR- Zeiten. So kann man die Menschen auch gegeneinander aufbringen.

Typische Antwort auf diesen Satz wäre dann gewesen: Ohne mein technologisches Können würde hier keine Maschine laufen.

Worauf die Entgegnung gewesen wäre: Wenn ich hier keine Fische schleppen würde, müsstest Du selber angeln statt zu studieren.

Merkste was? Einer ist vom andern abhängig - wer will denn jetzt beurteilen, wessen Arbeit höher zu bewerten und damit besser zu bezahlen ist?

Heute mokiert sich keiner darüber, dass ein fähiger Ing. im 10.Jahr nicht unter 150T oder ein Controller nicht unter 90T Brutto nach Hause geht, während ein Zerspaner oder ein Buchhalter sich mit 45T abfinden müssen.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#18

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2011 21:08
von Gelöschtes Mitglied
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Ja Du schreibst es doch selbst, er hat eben mal 14.000 Mark bekommen, dafür bekommt er aber das ganze Jahr nicht viel Lohn. Es ist doch der pure Neid, dass er mal mehr bekommen hat als Du. Jeder war sich selbst der nächste und umso höher umso schlimmer :) Ist auch heute hier so, da gebe ich Dir Recht. im Gegenteil, es ist hier noch viel schlimmer deswegen ist auch das Verhältnis zwischen arm und reich noch größer.
Natürlich hast Du Recht, das wenn einer mehr lernt auch mehr bekommen soll. Du hast aber in Deiner Betrachtung nur die 14.000 Mark gesehen (was ich nicht mal glaube)und nicht das er vielleicht mit 700 Mark pro Monat nach Hause gegangen ist und nach ein paar Jahren körperlich ko und Du sagen wir mal mit 1500 Mark und nach Jahren noch fit.

Wenn Du diese typischen Antworten gebracht hättest, würde ich schreiben: dann hätte er auch 1500 in Monat bekommen müssen wenn Du 14.000 Mark willst.

Grüße


zuletzt bearbeitet 24.11.2011 21:32 | nach oben springen

#19

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2011 22:15
von eisenringtheo | 9.187 Beiträge

Dass anstrengende Tätigkeiten oder Berufe mit niedrigem Ansehen einen relativ gute Bezahlung hatten, hängt wohl damit zusammen, dass in der DDR nicht keine Ausländer dafür geholt werden konnten wie heute, die von einer ausländischen Arbeitsagentur entsendet und nach Heimattarif entlöhnt werden.
Theo


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#20

RE: Die Anwendung des Leistungsprinzips in der politischen Ökonomie der DDR

in Leben in der DDR 25.11.2011 06:38
von werner | 1.591 Beiträge

Zitat von eisenringtheo
Dass anstrengende Tätigkeiten oder Berufe mit niedrigem Ansehen einen relativ gute Bezahlung hatten, hängt wohl damit zusammen, dass in der DDR nicht keine Ausländer dafür geholt werden konnten wie heute, die von einer ausländischen Arbeitsagentur entsendet und nach Heimattarif entlöhnt werden.
Theo



Doch @theo, es gab Ausländer und nicht zu knapp, aber immer noch zu wenig. Hatten wir auch schon mal hier:

DDR-Vertragsarbeiter


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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