#121

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 16:17
von damals wars | 12.149 Beiträge

Strafgefangenenlager ohne Strafgefangene.

In Hoheneck hatten meines Wissen alle ein "Urteil". Und das Wissen, wann die Gefangenschaft ein Ende hat.

Guantanamo dürfte eher ein Schutzhaftlager sein.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#122

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 16:19
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Zitat von Feliks D.
Wobei die Aussage an sich ja schon gut ist

Ich war als sie geschlossen wurde bei Tag der offenen Tür in der JVA Landshut. Ich bin froh das ich dort nicht einen einzigen Tag verbringen musste. Ich denke das würde jeder von uns über jede Einrichtung sagen, wer würde schon gern in Haft genommen werden. Passt also immer und überall die Aussage.



Klar (du mögest mir verzeihen)mit deiner Vergangenheit !
Aber egal - in Landshut haben schon ganz andere eingesessen.
Da bist du kein Scheinwerfer, sondern nur eine Kerze !

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#123

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 16:20
von Mike59 | 7.963 Beiträge

Zitat von Oss`n
Sollte es nicht "nicht" um Strafgefangenenlager wie Guantanamo gehen ?
So weit ich weis, ist Hoheneck kein Seitenflügel in Guantanamo.
Darum ging es dann wohl - um Hoheneck und deutsche Rechtssprechung - nicht um Bankok etc.

Oss`n


--------------------------------
Ja - darum ging es wohl. Allerdings auch um Wahrheit und Legende. Kommt mir immer mehr vor wie die Geschichte vom Scheinriesen. Je weiter entfernt um so bedrohlicher erscheint er (hier es) ohne etwas verniedlichen zu wollen.

In diesem Sinne.

Mike59


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#124

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 16:37
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von LO-driver
Würde mal gern diese Tausenden Seiten der hier aufgeführten Akte lesen.

http://www.frauenkreis-hoheneckerinnen.de/sternberg.htm

Ob viele der hier gegebenen Meinungen da noch standhalten?



Hallo LO Driver, einfach pervers, was die Frau Sternberg da schildert. Aber hier sind ja einige der Meinung, dass das genau solche Gefängnisse sind wie in der heutigen Bundesrepublik. Und man muss sich das "Verbrechen " vor Augen halten, die junge Frau wollte einen Mann heiraten, der den aus der Sicht der Stasi falschen Wohnort hatte. Der Preis war sehr hoch, den sie zahlte.

Gruß Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#125

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 16:58
von turtle | 6.961 Beiträge

Meine Zuchthauszeit war bestimmt prima wenn ich an die Verliese im Mittelalter denke. So schön mit Folterknechten und Werkzeug.!
Das wurde bisher als Vergleich vergessen. Ich finde es einfach nur traurig diese Vergleiche. Es ging um ein Gefängnis in der DDR und nichts anderes.Verwundert war ich allerdings nicht was so alles zum Rechtfertigen gebracht wird.Im Prinzip werden die welche wirklich nach Unrechtsgesetzen verurteilt wurden heute von einzelnen noch verhöhnt .


zuletzt bearbeitet 12.11.2011 17:05 | nach oben springen

#126

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 17:36
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Hallo Peter meiner Meinung nach vermengst Du jetzt etwas was so nicht zusammengehört!

Die Haftbedingungen und Vorwürfe um die es hier geht sind das eine, dies kann man sachlich diskutieren und muss sich dabei auch Fragen gefallen lassen wie ich sie im letzten Beitrag gestellt habe.

Die Gründe und Gesetze die zu solchen Verurteilungen führten sind eine ganz andere Baustelle und müssen gesondert betrachtet werden, da sie wenig mit den allg. Haftbedingungen zu tun haben. Das es dort dann auch Dinge gibt die man heute als falsch werten muss ist unfraglich und kann auch nicht wegdiskutiert werden. Zu dieser Thematik hatte ich mich in einem anderem Forum bereits einmal kritisch geäußert als es um die Frage ging was denn echte Opfer wären. Unter anderem brachte ich dort ein Beispiel eines Falles dem ich anfügte, dass ich heute bereit wäre mich bei diesen Betroffenen zu entschuldigen, da ich hier der Meinung bin damals zwar rechtmäßig aber falsch gehandelt zu haben.

Wie gesagt 2 verschiedene Baustellen!


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#127

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 19:10
von LO-driver | 750 Beiträge

Wenn die Frau Sterneberg, wie im geschilderten Fall, von einem Lockvogel sich an eine Fluchthelferorganisation wenden sollte,
wird das MfS doch im weiten Vorfeld schon die einzusetzenden Maßnahmen im Verlauf abgeklärt haben.
Die Druckmittel wie Schlafentzug, ständige Verlegung innerhalb der Haftanstalt (UHA-Pankow), Androhung der Verfolgung
der Familie mit dem Ziel, sie für eine Zusammenarbeit mit MfS zu bewegen, ist doch meilenweit von einer Hochzeit und Übersiedlung
zum zukünftigen Mann weg. Welche intressen gab es vieleicht am Umfeld des Partners?
Ist in so einem Fall, keinem der Untersuchungsführer jemals ein Zweifel gekommen? Wurden nur strickte Vorgaben abgearbeitet, kein Funken
Menschlichkeit an eine Verliebte Frau die nur zu ihren Auserwählten wollte?
Bei diesen vielen Tausend Seiten Akten, werden sicher auch 1...bis..50 Leute für diesen Fall (gearbeitet) haben. Keiner soll jemals Zweifel gehabt
haben? Das Ziel, was mit Frau Sterneberg passieren sollte, ist sicher schon in einen der ersten Akten zu finden. Damit sind alle geschenisse bis zur
Abschiebung und sicher darüber hinaus, als ganzes zu betrachten. Es sind nicht mehrere Baustellen, in einem guten Betrieb sind vom Chef (Mielke)
bis zum Hofarbeiter (RD-Dienste) alle am Ergebnis beteiligt!!!

LO-D



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#128

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 20:44
von damals wars | 12.149 Beiträge

Zitat von Gert


Aber hier sind ja einige der Meinung, dass das genau solche Gefängnisse sind wie in der heutigen Bundesrepublik.
Gruß Gert




Schwierigkeiten mit der Wahrheit?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#129

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 21:49
von Kimble | 397 Beiträge

Mir war eigentlich bis zur Wende nur Bützow als Frauengefängnis bekannt.
Das war nun kein "Geheimgefängnis" denn es war allgemein bekannt das dort z.B. Rettungsringe gefertigt wurden.

Hoheneck war von daher wirklich etwas "geheim" oder in diesem Fall zutreffender "unbekannter" für Normal(DDR) Bürger.
Irgend etwas muss diese beiden Einrichtungen unterschieden haben.

Ich habe, freilich nur als Beobachter, den Unterschied zwischen DDR und Westknast selbst gesehen.
Gelegentlich arbeite ich in einer westdeutschen JVA als Techniker.

Im Straflager der Warnowwerft Warnemünde die kahl geschorenen verhermten jungen Männer mit blasser Gesichtsfarbe.
In der West JVA dagegen Haarschnitt egal. Oft dicke Muskelpakete.
Der Umgangston Hart aber mit gegenseitigem Respekt.

Ich weiss, schlechter Vergleich weil Männerknast aber würde mich wundern wenn es bei den Frauen anders war.

Die Unterscheidung zwischen Kriminell und Politisch ist gar nicht so einfach.
Bei der Mörderin ist die Sache ja noch recht einfach.
Ansonsten lief aber jeder politische Gefahr, auch zum echten Kriminellen zu werden.
Was ist denn wenn man in der DDR seinen Job aus politischen Gründen verloren hat
und dann ohne Einkommen da stand. Sich dann als (Schwarz) Taxifahrer selbst beschäftigt hat.
Oder dann aus purer Geld Not richtig kriminell wurde ?

Zu diesen Fragen finde ich in den paar wenigen Aktenausschnitten einfach zu wenig Fakten.

Mir ist es übrigens völlig egal ob die kriminelle oder politische waren.
Die Art der Aufbewahrung der Hoheneck- Frauen war ohne Diskussion so auf keinen Fall in Ordnung.

Schauerlich der Gedanke, fast sogar selber in den Genuss einer solchen Behandlung gekommen zu sein.


Kannten Sie die DDR ? "Ja, flüchtig"
zuletzt bearbeitet 12.11.2011 21:57 | nach oben springen

#130

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 21:55
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von LO-driver
...Ist in so einem Fall, keinem der Untersuchungsführer jemals ein Zweifel gekommen? Wurden nur strickte Vorgaben abgearbeitet, kein Funken
Menschlichkeit an eine Verliebte Frau die nur zu ihren Auserwählten wollte?
...



Wenn jemand, egal zu welcher Zeit, an welchem Ort, bei welcher Behörde, bei welchem Anlaß auch immer als Untersuchungsführer etwas anderes tut als strikt die Frage nach Tatablauf, Tatursache, Tatmotiv, Strafbarkeit, entlastende und belastende Umstände zu stellen, dann ist er falsch in diesem Job.
Das galt und gilt immer. Bei der Kripo, bei Diensten, bei Staatsanwaltschaften und zu allen Zeiten überall. Auch heutzutage. Der Untersuchende hat nie das Recht, zu urteilen. Er darf keine persönlichen Motive zulassen oder muss den Vorgang abgeben. Ansonsten würde es sich wirklich um reine Willkür handeln.
Der Bürger hüben wie drüben kann solche Fragen stellen. Kann nach Mitleid, nach Gnade auch nach Menschlichkeit fragen. Das ist sein gutes Recht. Dieses Recht jedoch hat jemand, der ermittelt eben nicht. Nur der Richter.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#131

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 22:28
von Kimble | 397 Beiträge

Da wurde aber nicht unabhängig und ohne Ansehen der Person ermittelt.
Mit Schlafentzug und Psycho- Spielchen wie der gute und der böse Vernehmer wurde das gewünschtes Ergebnis "erarbeitet".
Es gab ja sogar Maßnahmenpläne um nach etwas zu suchen, mit dem man jemand an die Karre fahren konnte.
Im Osten war man all dem schutzlos ausgeliefert.

Im Westen ist die Sache schon ein bischen anders. Je nach eignem Inteligenzgrad und ja, leider je nach Geldbeutel.
Die nach Schlafentzug gemachte Aussage wird jeder Jung- Anwalt sofort wiederufen und sie ist dann Makulatur.
Oder man sagt im einfachsten Fall "keine Aussage, ich nix unterschreiben ohne meinen Anwalt".

Ging das so einfach auch in der DDR ?
Die jämmerlichen Ergebnisse der DDR- Anwälte sind ja bekannt.


Kannten Sie die DDR ? "Ja, flüchtig"
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#132

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 22:31
von damals wars | 12.149 Beiträge

Es gab bis Ende der 60iger Jahre auch im Westen die sogenannten Zuchthäuser.
Man kann also die Haftanstalten schon von daher nicht mit der heutigen Zeit vergleichen.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#133

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 22:41
von VNRut | 1.486 Beiträge

Mir war in Magdeburg immer nur die Haftanstalt (heute JVA) am Ring bekannt (http://www.sachsen-anhalt.de/index.php?id=3483) .
Erst einige Jahre nach der Wende hörte ich vom Gefängnis am Moritz-platz http://www.mdm-online.de/index.php?id=lo...ler%5D=Location. Obwohl dieses Gebäude einmal als königliches Amtsgericht und Stadtgefängnis erbaut wurde und am 17. Juni 1953 sogar gestürmt und alle 221 Insassen befreit wurden, war es mir nicht bekannt. Ok, ich bin kein waschechter Magdeburger und auch etwas jünger. Meine Vermutung damals, das Regimegegner im Kroatenweg (http://www.bstu.bund.de/DE/InDerRegion/M...eburg_node.html) einsitzen dürften.


GKM - 05/05/1982 bis 28/10/1983 im GAR 40/1.Abk/2.Zug (Oranienburg 17556) & GR 34/1.Gk/2.Zug (Groß-Glienicke 85981)
Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit. (William Somerset Maugham, britischer Schriftsteller 1874 - 1965)
Ohne die Kälte und Trostlosigkeit des Winters gäbe es die Wärme und die Pracht des Frühlings nicht. (Ho Chi Minh)

http://www.starsofvietnam.net/
https://www.youtube.com/watch?v=OAQShi-3MjA
Gruß Wolle
zuletzt bearbeitet 12.11.2011 23:12 | nach oben springen

#134

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 22:58
von LO-driver | 750 Beiträge

In diesem Fall ist der "Tatablauf" doch von den "Diensten" aber selbst vorgegeben worden. (Lockvogel, Fluchthelferorganisation, Festnahme)
Bei plötzlichen Ereignissen wie Unfällen, Mord u.ä. gehe ich ja voll mit. Aber in so einer Selbst inszenierten Komödie, nicht zu glauben.
An dieser Stelle beginnt wirklich die reine Willkür. Das macht eben diesen "Dienst" (MfS) aus. Dieser ist ja wie bei vielen anderen Fällen schon bewiesen,
auch gleich der Richter gewesen. (Vorschlag Strafmaß gez. Mielke od. E.H.)

siehe Beispiel: http://books.google.de/books?id=Jsw2KgoM...0Mielke&f=false



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#135

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 23:00
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Kimble
Da wurde aber nicht unabhängig und ohne Ansehen der Person ermittelt.
Mit Schlafentzug und Psycho- Spielchen wie der gute und der böse Vernehmer wurde das gewünschtes Ergebnis "erarbeitet".
Es gab ja sogar Maßnahmenpläne um nach etwas zu suchen, mit dem man jemand an die Karre fahren konnte.
Im Osten war man all dem schutzlos ausgeliefert.
...Ging das so einfach auch in der DDR ?
Die jämmerlichen Ergebnisse der DDR- Anwälte sind ja bekannt.
...



Also ich meine doch. Na gut, ich kenne so etwas nur aus dem Bereich der allgemeinen Kriminalität. Doch Willy J., unser Kommissariatsleiter hätte jeden Vorgang, der nach was anderem ausgesehen hätte, wohl böse zerlegt. Damit wäre ich nicht mal bis zum Staatsanwalt gekommen.
Untersuchungspläne waren früher Usus und sind es wohl heute auch noch. Wenn ich eine Antwort wollte, musste ich planen, woher ich sie bekommen konnte. Von der KT oder vom Beschuldigten oder von Zeugen oder von Dritten. Was zulässig war/ist oder eben nicht. Ohne Plan fehlt der logische Faden und man darf sich nicht wundern, wenn die Sache vor Gericht später scheitert.
Niemand war schutzlos! Es gab z.B. eine StPO und da war eindeutig geregelt, was ging und was nicht. Etwas Unzulässiges tun hätte immer bedeutet, das Verfahren "für den Staatsanwalt" zu verlieren!
Bestimmte "Psychospielchen" waren und sind nie auf den Osten begrenzt. Sind ggf. auch zulässig.
Rechtsanwälte waren immer ein "Feindbild par excellance". Die verstanden ihr Fach und ich habe als Anfänger durchaus Lehrgeld bezahlt. Die ließen keinen Fehler unkommentiert und taten für ihre Mandanten, was rechtlich möglich war.
Ein Geständnis war ohne weitere Beweise immer ein Risiko. Das man möglichst vermieden hat. Denn wenn der Beschuldigte, was er ja konnte, es im Verfahren zurückgezogen hat, konnte man ohne Sachbeweise, andere Zeugenaussagen mangels Beweis mit Karracho scheitern. Aber es ist eigentlich OT.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#136

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 23:06
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von LO-driver
In diesem Fall ist der "Tatablauf" doch von den "Diensten" aber selbst vorgegeben worden. (Lockvogel, Fluchthelferorganisation, Festnahme)
Bei plötzlichen Ereignissen wie Unfällen, Mord u.ä. gehe ich ja voll mit. Aber in so einer Selbst inszenierten Komödie, nicht zu glauben.
An dieser Stelle beginnt wirklich die reine Willkür. ...



Nein, ist auch heute eine übliche Vorgehensweise (Drogenbekämpfung, Prostitution, Terrorbekämpfung um nur einiges zu nennen). In gewisser Weise auch beim Einsatz von Zivis, die ja mehr oder weniger warten, bis eine beobachtete Handlung strafrechtlich relevant wird, bevor sie zugreifen. Das ist deshalb keine Willkür, weil ohne den Tatwillen des Beschuldigten ja trotzdem nichts strafrechtlich Relevantes passieren würde.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#137

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 23:06
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von Kimble
Mir war eigentlich bis zur Wende nur Bützow als Frauengefängnis bekannt.
Das war nun kein "Geheimgefängnis" denn es war allgemein bekannt das dort z.B. Rettungsringe gefertigt wurden.

Hoheneck war von daher wirklich etwas "geheim" oder in diesem Fall zutreffender "unbekannter" für Normal(DDR) Bürger.
Irgend etwas muss diese beiden Einrichtungen unterschieden haben.

Ich habe, freilich nur als Beobachter, den Unterschied zwischen DDR und Westknast selbst gesehen.
Gelegentlich arbeite ich in einer westdeutschen JVA als Techniker.

Im Straflager der Warnowwerft Warnemünde die kahl geschorenen verhermten jungen Männer mit blasser Gesichtsfarbe.In der West JVA dagegen Haarschnitt egal. Oft dicke Muskelpakete.
Der Umgangston Hart aber mit gegenseitigem Respekt.

Ich weiss, schlechter Vergleich weil Männerknast aber würde mich wundern wenn es bei den Frauen anders war.

Die Unterscheidung zwischen Kriminell und Politisch ist gar nicht so einfach.
Bei der Mörderin ist die Sache ja noch recht einfach.
Ansonsten lief aber jeder politische Gefahr, auch zum echten Kriminellen zu werden.
Was ist denn wenn man in der DDR seinen Job aus politischen Gründen verloren hat
und dann ohne Einkommen da stand. Sich dann als (Schwarz) Taxifahrer selbst beschäftigt hat.
Oder dann aus purer Geld Not richtig kriminell wurde ?

Zu diesen Fragen finde ich in den paar wenigen Aktenausschnitten einfach zu wenig Fakten.

Mir ist es übrigens völlig egal ob die kriminelle oder politische waren.
Die Art der Aufbewahrung der Hoheneck- Frauen war ohne Diskussion so auf keinen Fall in Ordnung.

Schauerlich der Gedanke, fast sogar selber in den Genuss einer solchen Behandlung gekommen zu sein.



Also Kimble-Ich möchte mal anfügen ohne etwas schön zu reden.Ich kenne den Strafvollzug auf der Warnowwerft -Warnemünde.Habe fast 20 Jahre auf der Werft gearbeitet..Ich weiß auch was die Strafgefangenen dort an arbeiten zu verrichten hatten.Wie z.B.-in der Entrostung oder als Schweißer in der Fertigung,Sektion Doppelbodenbau in der Schiffbauhalle.Aber ich muß sagen,kahlgeschoren waren die nun nicht gerade alle--sicher hat es mal den einen oder anderen gegeben der kurze Haare hatte.Gerade in der Entrostung--war ja auch ein Knochenjob.Will auch gleich mit anfügen-das die Strafgefangenen--das gleiche Werksessen bekamen wie jeder andere Beschäftigte auf der Werft auch,natürlich kein Wahlessen.Aber sie bekamen genauso ihre Fl.Milch zu verfügung gestellt --wie ich sie als Schweißer bekam.Und noch eins--wir steckten ihnen hin und wieder auch mal Zigaretten zu,obwohl es verboten war.Naja wie gesagt,dieses ist keine schön Färberei.Nur Erlebniss. Gruß Rostocker


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#138

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 23:15
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von LO-driver
...auch gleich der Richter gewesen. (Vorschlag Strafmaß gez. Mielke od. E.H.)
...



Das war und ist heute auch nicht wesentlich anders. Ein Vorschlag war und ist immer "nur" ein Vorschlag von der untersuchenden Behörde bzw. dem Staatsanwalt (wobei ich da bei eben diesen Vorgängen meine Zweifel habe), dem der Richter nicht folgen musste und muss aber kann. Das war und bleibt trotzdem seine richterliche Entscheidung.
Der wesentliche Unterschied heute und früher liegt im politischen Einfluss auf den Richter. War er früher der sozialistischen Gesetzlichkeit verpflichtet und somit immer auch irgendwie parteilich, legt die Richterschaft heute bzw. im Westen eben Wert auf ihre richterliche Unabhängigkeit.
Wobei das natürlich auch immer eine Interpretationsfrage ist. Denn so manches Urteil ist verblüfend politisch jeweils wohlfeil...
Aber zu Hoheneck passt das irgendwie im Thema nicht. Sorry.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


zuletzt bearbeitet 12.11.2011 23:27 | nach oben springen

#139

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 12.11.2011 23:33
von brummitga (gelöscht)
avatar

Zitat von S51

Zitat von LO-driver
...auch gleich der Richter gewesen. (Vorschlag Strafmaß gez. Mielke od. E.H.)
...



Das war und ist heute auch nicht wesentlich anders. Ein Vorschlag war und ist immer "nur" ein Vorschlag von der untersuchenden Behörde bzw. dem Staatsanwalt (wobei ich da bei eben diesen Vorgängen meine Zweifel habe), dem der Richter nicht folgen musste und muss aber kann. Das war und bleibt trotzdem seine richterliche Entscheidung.
Der wesentliche Unterschied heute und früher liegt im politischen Einfluss auf den Richter. War er früher der sozialistischen Gesetzlichkeit verpflichtet und somit immer auch irgendwie parteilich, legt die Richterschaft heute bzw. im Westen eben Wert auf ihre richterliche Unabhängigkeit.
Wobei das natürlich auch immer eine Interpretationsfrage ist. Denn so manches Urteil ist verblüfend politisch jeweils wohlfeil...
Aber zu Hoheneck passt das irgendwie im Thema nicht. Sorry.




heute ist der Richter der "bundesdeutschen" Gesetzlichkeit verpflichtet und somit in gewisser Weise auch von Entscheidungen der jeweiligen Regierungsparteien abhängig. Und nicht nur das, siehe Zumwinkel


zuletzt bearbeitet 12.11.2011 23:33 | nach oben springen

#140

RE: Frauengefängnis Hoheneck,

in DDR Staat und Regime 13.11.2011 00:06
von Kimble | 397 Beiträge

@Rostocker

Ja Zigaretten ham wir denen auch mal des öfteren am Ausrüstungskai an Bord "zufallen" lassen.
Keine Frage die wurden scheinbar gut ernährt, die Lackierer auch mit Frei- Milch.
Auch gut ausgerüstet, alles richtig. Ich schrieb ja schon mal irgendwo hier davon.

Ich fand die aber -warum auch immer- nicht so ganz gesund und glücklich dreinschauend. Graue Gesichter !
Die Haare waren mindestens NVA Niveau oder kürzer. Da ist meine Erinnerung noch sehr gut.
Ist ja auch eine bekannte Masche den Menschen die Haare zu stutzen, um den Willen zu brechen,
sie zu einem gleich aussehenden Objekt in der Masse zu machen.


Kannten Sie die DDR ? "Ja, flüchtig"
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