#1

Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 08:36
von GKUS64 | 1.609 Beiträge

Ein denkwürdiger Tag der 9. November 1989!

Meine Erinnerungen an diesen Tag will ich euch nicht vorenthalten:

Der 9. November 1989, wie ich ihn erlebte.

1989 , der Osten war in Bewegung geraten. Gorbatschow, Glasnost, Perestroika, das waren die Begriffe der Hoffnung auf eine offene freiheitliche Gesellschaft.
Reisefreiheit war natürlich ein wesentlicher Bestandteil dieser Hoffnung.
Die Ereignisse überschlugen sich in dieser Zeit: Zuflucht hunderter unzufriedener ausreisewilliger Menschen in den Deutschen Botschaften von Prag und Budapest,
Ausreiseverkündung durch Genscher, Gewaltaktionen gegen Regimgegner am Dresdener Hauptbahnhof am 04.Oktober 1989, Militärparade zum 40. Jahrestag der DDR in Berlin am 7. Oktober (die letzten Zuckungen des Systems), Massendemonstrationen in Leipzig mit der Losung „Wir sind das Volk“, Ablösung Honeckers am 18. Oktober.
Wie geht es weiter, siegt die Vernunft, wird dieses Land in eine freiheitliche Zukunft geführt, von wem ?
Diese und ähnliche Fragen standen in den Oktober- und Novembertagen des Jahres 1989 ganz oben bei allen Gesprächen und Diskussionen.
Alle Nachrichten aus Presse, Funk und Fernsehen wurden somit ganz intensiv mit viel
Neugier und noch mehr Hoffnung verfolgt.
Am Abend des 9. November saßen wir in gemütlicher Runde mit Bekannten in unserem Wohnzimmer. Die Gespräche drehten sich natürlich auch um die genanten Fragen und Ereignisse. Der Fernseher war abgeschaltet, aber zu den 21 Uhr-Nachrichten wurde er natürlich zur Information über die neuesten Ereignisse angeschaltet.
Eine Pressekonferenz zu neuen Reisebestimmungen wurde gezeigt und das erregte natürlich unsere Aufmerksamkeit. Von freier Reise war die Rede, „ab wann ?“ war eine Frage der anwesenden Journalisten. In unserer Runde stieg die Spannung. Das Politbüromitglied Schabowski zog nun den berühmten Zettel hervor und verkündete
so halb nebenbei : „Ich glaube ab sofort; ja ab sofort“.
Einige in unserer Runde hatten gar nicht so aufmerksam zugehört und so mussten die nächsten Nachrichten nochmals, jetzt viel aufmerksamer, verfolgt werden. Ja es blieb dabei, mit einem Stempel im Personalausweis als Visa sollte der Grenzübertritt nach
Westberlin oder Westdeutschland möglich sein.
Jetzt war meine Neugier natürlich geweckt. „Das muss ich probieren, wir fahren am Sonnabend (11.11.1989) nach Berlin“ so mein kühner Entschluss. „Ich war bei der Schließung der Grenze dabei , (hierzu habe ich bereits aus Anlass des 50. Jahrestages des Mauerbaues berichtet) da muss ich die Öffnung unbedingt erleben“ war eine
zusätzliche Erklärung für meinen spontanen Entschluss.

Also mit diesen Ereignissen im Kopf bin ich am nächsten Morgen mit den Ausweisen von Frau und 15-jähriger Tochter zum Polizeirevier „Schießgasse“ gefahren. Gegen 7 Uhr angekommen, stand dort an der Eingangstür bereits eine ca. 50 Meter lange Menschenschlange in 3-er Reihe. 8 Uhr wurde geöffnet und sofort war das gesamte Erdgeschoss dicht gefüllt von erwartungsvollen Menschen. Die Polizisten waren außergewöhnlich freundlich und erklärten den Ablauf zur Visaerteilung: 1. Abgabe der
Ausweise gegen Quittung, 2. Ausgabe der gestempelten Dokumente. Für beide Aktionen
benötigte ich zusammen sagenhafte 6 Stunden! Es war an diesem 10. November ja ein Arbeitstag und nach einiger Zeit hatte ich ein schlechtes Gewissen, ich konnte jedoch von einem Telefon meine Firma anrufen und dort hatte man auch Verständnis für meinen Wunsch zu einem Tag Urlaub. Gegen 14 Uhr besaß ich also den begehrten Visa-Stempel.
Zu dieser Zeit ging meine Tochter zur Oberschule und der Unterricht fand auch Sonnabends statt. Am Abend des 10. Novembers, ein Freitag, bin ich also noch zur Lehrerin meiner Tochter gefahren und habe sie für den nächsten Tag entschuldigt. Auch sie hatte Verständnis für meine spontane Aktion.
Unser Plan für Sonnabend war, Start mit dem Trabi gegen 4 Uhr und dann auf der Autobahn bis Berlin. Zu möglichen Grenzübergängen wollten wir uns überraschen lassen.
Gegen 4.30 Uhr sind wir also gestartet und merkten bald an dem endlos erscheinenden
Band von Rücklichtern, dass wir nicht als einzige diese Idee hatten. Unterwegs einige
Auffahrunfälle, es gab bereits teilweise Glätte durch Bodenfrost, gaben mir zu denken,
ob diese Aktion an diesem Tag so sinnvoll ist.
Wir erreichten jedoch unbeschadet das Berliner Adlergestell und aufgrund von Radioinformationen wussten wir auch, dass in Altglienicke ein Grenzübergang besteht.
Wir wollten also den Trabi im Osten stehen lassen und dann zu Fuß nach Westberlin
gehen. Autoschlangen besser Trabi-Schlangen zeigten uns auch ohne Karte den Weg
zum Grenzübergang. Rechts und links der Straße gab es natürlich keine Parkmöglichkeit mehr obwohl auch Fußwege großzügig von der Polizei freigegeben wurden. Immer noch auf eine Lücke hoffend näherten wir uns der Grenze und sahen,
dass nicht nur Fußgänger die Grenze passierten sondern auch Trabis. Kühn fuhren wir an die Grenzabfertigung und wurden zu unserem großen Erstaunen, ohne das mit viel Ausdauer erworbene Visa vorzeigen zu müssen, durchgewunken.
Wir waren im Westen. Wo nun hin? Ich kannte ja noch den Kudamm aus der Erinnerung von 1961, aber wie kommen wir dorthin? Kartenmaterial von Westberlin war ja im Osten nicht erhältlich. Das wussten aber auch die Westberliner und sie hatten
blitzschnell reagiert: Die Bildzeitung mit kompletter Karte von Westberlin wurde kostenlos verteilt. Wir orteten nun wirklich den Kudamm und mit dem Trabi steuerten wir dieses „Traumziel“ an. Auf dem Weg dorthin sahen wir an vielen Ecken von Neukölln wieder lange Schlangen an Sparkassen- und Bankgebäuden, aha dort wird
Begrüßungsgeld ausgezahlt. Auch wir nutzten diese großzügige Geste.
Ein Kuriosum ergab sich dann zusätzlich: wir hatten für unseren Umtausch eine Filiale auf der Karl-Marx-Straße in Neukölln gewählt.

In Erinnerungen schwelgte

GKUS64


IM Kressin und turtle haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#2

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 09:19
von küche69 | 428 Beiträge

Hallo zusammen!

Wie schon des öfteren geschrieben, habe ich vom Mai`88 bis Oktober`89 an der Grenze gedient. Am 26.Oktober wurde ich entlassen, also genau 14 Tage bevor die Mauer fiel, es war ein komisches Gefühl in mir drin.

Selber hatte ich es garnicht so mit bekommen, was da passiert war, erst als mein Nachbar klingelte und mir sagte, "wir sind wieder eins", wusste ich für den Moment nicht was er meinte, danach war es irgendwie komisch, man hatte dann seine Gedanken, mensch da haste noch vor wenigen Tagen deinen Dienst gatan und nun das!

Ich bin heute noch "zwiespältig", es war nicht alles schlecht in der DDR und vieles lag im Argen und so wie es war wäre es auf Dauer auch nicht weitergegangen, aber jetzt liegt auch vieles im Argen, z. B. steht heute in der LVZ ein Zitat; " Für Griechenland, die Banken und Politiker ist immer Geld da, aber für die zu Pflegenden (das Personal) und auch für das "gemeine" Fussvolk ist selten Geld sofort zur Verfügung oder es wird Monate lang darüber gestritten und am Ende kommt garnichst oder wenig raus.

Anstatt die Steuern zu senken, sollte Geld in Kindergärten etc. gesteckt werden.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen schönen Tag!

Grüße von Küche69

_________

"Wer nicht mit beiden Augen sieht, wird nie die ganze Wahrheit sehn!"



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#3

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 09:46
von brummitga (gelöscht)
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Zitat von küche69
Hallo zusammen!

Wie schon des öfteren geschrieben, habe ich vom Mai`88 bis Oktober`89 an der Grenze gedient. Am 26.Oktober wurde ich entlassen, also genau 14 Tage bevor die Mauer fiel, es war ein komisches Gefühl in mir drin.

Selber hatte ich es garnicht so mit bekommen, was da passiert war, erst als mein Nachbar klingelte und mir sagte, "wir sind wieder eins", wusste ich für den Moment nicht was er meinte, danach war es irgendwie komisch, man hatte dann seine Gedanken, mensch da haste noch vor wenigen Tagen deinen Dienst gatan und nun das!

Ich bin heute noch "zwiespältig", es war nicht alles schlecht in der DDR und vieles lag im Argen und so wie es war wäre es auf Dauer auch nicht weitergegangen, aber jetzt liegt auch vieles im Argen, z. B. steht heute in der LVZ ein Zitat; " Für Griechenland, die Banken und Politiker ist immer Geld da, aber für die zu Pflegenden (das Personal) und auch für das "gemeine" Fussvolk ist selten Geld sofort zur Verfügung oder es wird Monate lang darüber gestritten und am Ende kommt garnichst oder wenig raus.

Anstatt die Steuern zu senken, sollte Geld in Kindergärten etc. gesteckt werden.


In diesem Sinne wünsche ich allen einen schönen Tag!

Grüße von Küche69

..und warum ist das so ? weil Kinder und die von dir Genannten für die (ich schreibe bewußt nicht "unsere") Politiker scheinbar nicht "systemrelevant" sind.

_________

"Wer nicht mit beiden Augen sieht, wird nie die ganze Wahrheit sehn!"


zuletzt bearbeitet 09.11.2011 09:46 | nach oben springen

#4

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 15:14
von turtle | 6.961 Beiträge

Fotos aus jener Zeit sagen viel!
In diesem Buch kann man wunderbar sehen wie alles ablief. Die Sprüche und Forderungen waren am Anfang noch anders.

Angefügte Bilder:
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#5

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 16:25
von VNRut | 1.486 Beiträge

Heute ist auch Todestag von Markus Johannes ("Micha") Wolf (9.November 2006 - Berlin)

http://de.wikipedia.org/wiki/Markus_Wolf

Gruß VNRut


GKM - 05/05/1982 bis 28/10/1983 im GAR 40/1.Abk/2.Zug (Oranienburg 17556) & GR 34/1.Gk/2.Zug (Groß-Glienicke 85981)
Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit. (William Somerset Maugham, britischer Schriftsteller 1874 - 1965)
Ohne die Kälte und Trostlosigkeit des Winters gäbe es die Wärme und die Pracht des Frühlings nicht. (Ho Chi Minh)

http://www.starsofvietnam.net/
https://www.youtube.com/watch?v=OAQShi-3MjA
Gruß Wolle
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#6

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 16:42
von Polter (gelöscht)
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Der 09.11. ist ein ereignisreicher Tag. Allgemein wird er auch als Tag des Schicksals bezeichnet.
Nicht zu vergessen ist die Reichsprogromnacht von 1938.


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#7

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 16:46
von Gert | 12.354 Beiträge

Richtig Polter dass du daran erinnerst. Es gibt noch einen dritten Anlass, die Novemberrevolution vom 9.11.18.
Aber in erster Linie ist es ein "Tag der Befreiung". Darauf sollten wir einen trinken.

Gruß Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#8

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 16:55
von Polter (gelöscht)
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Zitat von Gert
Richtig Polter dass du daran erinnerst. Es gibt noch einen dritten Anlass, die Novemberrevolution vom 9.11.18.
Aber in erster Linie ist es ein "Tag der Befreiung". Darauf sollten wir einen trinken.

Gruß Gert



" Tag der Befreiung " ? Wurden da die Wessis befreit?
Von mir verehrte Bundespräsidenten sprechen immer im Mai jeden Jahres von einem Tag der Befreiung. Was es so alles gibt!


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#9

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 18:11
von Telli | 38 Beiträge

Zu dieser Zeit war ich im Grenzregiment Rummelsburg..... wir hatten vorher schon tagelang Urlaubs-und Ausgangssperre.
Die Stimmung war ziemlich aufgeheizt.
Es geisterten die wildesten Spekulationen von geplanten Massendurchbrüchen durch die Stuben.
Dann kam der Spruch von Schabowski ...... das hat keine so richtig gerafft.

Die Grenztruppen haben die Verkündung der Öffnung voll überrollt, keiner wußte Bescheid.

In der Nacht stand dann irgendein "Buckel" bei uns in der Stube und rief Grenzalarm aus.
Auf dem Flur vor der Waffenkammer hielt unser KC eine kurze Rede und wir fuhren ohne Waffen raus in den Abschnitt.
Unsere Einheit wurde aufgeteilt wir standen jeweils an den Flanken der Güsten im Bereich Berlin Mitte.
Ich wurde im Bereich Friedrich Zimmer Str. (linke Flanke Checkpoint Charlie) ausgesetzt.
Da steppte der Bär, keine Aggression nur ausgelassene Freude und Massen von Leute die durch die offene Güst spazierten.
Damals sagte ich noch zu meinem Posten dass wir in dem Moment einen großen Augenblick in der Weltgeschichte erleben.... wobei man eher ein mulmiges Gefühl hatte.
Ich kann heute nicht mehr genau sagen wie lange wir im Dienst waren.

Wenn nur einer der Kommandeure der Güst anders reagiert hätte, wäre ein Blutbad nicht ausgeschlossen gewesen.

Danach war der Dienst eh nur noch Makulatur..... die Mauerspechte hämmerten am antifaschistischen Schutzwall und im Abschnitt wo früher 10 - 15 Mann Dienst versahen, waren nur noch ein Postenpaar eingesetzt.

Man hat mir dann auch angeboten, dass ich früher entlassen werde.


Mit freundlichen Grüßen

Telli


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#10

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 20:02
von Huf (gelöscht)
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Es kann ja heute jeder so sehen, wie er möchte, für mich und meine Familie war der 9. November 1989 ein Glückstag.

VG Huf


zuletzt bearbeitet 09.11.2011 20:02 | nach oben springen

#11

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 20:18
von S51 | 3.733 Beiträge

Wenn ich morgen früh einen Einsatz beende werde ich ein Glas trinken auf alle, die wie ich dort an der Linie gedient haben. Hüben und drüben. Auf alle, die diese Trennlinie beachtet haben und ebenso gleichermaßen auf alle, die dies nicht getan haben.
Auf alle, die gesund von dort zurückgekommen sind wie auf alle, denen dies verwehrt war. Egal warum, denn eben diese Linie gibt es nicht mehr.
Ich grüße damit alle, an die sich noch Menschen erinnern wie auch jene, an die dort sonst niemand mehr denkt.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


zuletzt bearbeitet 09.11.2011 20:19 | nach oben springen

#12

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 20:20
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Respekt, ein edles Ansinnen.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#13

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 20:31
von damals wars | 12.154 Beiträge

Mehr als 40 Jahre Frieden ist eine respektable Leistung.

Das soll uns erst mal einer nachmachen.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#14

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 20:38
von schulmeister | 28 Beiträge

Das Datum 09.11. bietet noch ein historisches Ereignis. 1923 versuchte sich an jenem Tag Adolf Hitler mit seinem Marsch auf München an die Macht in Bayern zu putschen. Der Welt wäre unwahrscheinlich Viel erspart geblieben, wenn er im Kugelhagel vor der Feldherrnhalle bereits das Zeitliche gesegnet hätte.

Meine Dienstzeit bei den GT ging von Nov. 1988 Jan. 1990. Da ich ebenfalls Zeitzeuge vor Ort war, möchte ich kurz meine Erinnerungen an diesen Tag im Jahr 1989 schildern. An jenem abend als Schabowski seine legendären Worte über den Äther schickte, war ich zur Spätschicht im Grenzdienst an der Minigüst Dankmarshausen. Als wir auf die Kompanie einrückten, erhielten wir am selbigen Abend keinerlei Informationen. Selbst noch am darauffolgenden Morgen wurden wir nicht über die neue Lage informiert. Im Nachhinein betrachtet, zeigt sich hier ganz klar wie die Führung von GT von den Ereignissen überrumpelt wurde. An diesem Morgen waren Grenzarbeiten angesagt, d.h. Pflege des K2 entlang der GÜST Gerstungen bzw. Beschäftigungstherapie. Bei eiskaltem klaren Wetter, die Bäume waren völlig mit rauhreif eingedeckt, zogen wir mit unseren Hacken los, um dem Befehl nachzukommen. In Höhe des Bahnsteigs der GÜST angekommen, fuhr auch recht bald ein völlig überbelegter Reisezug mit einer ordentlichen menschlichen Geräuschkulisse ein. Jeder, der diese GÜST vorher schon einmal passiert hat, kennt die eisige Stille, die während der ca.40 minütigen Standzeit des Zuges herrschte. So ganz nebenbei sagte dann auf einmal unser Gruppenführer zu uns, weil
er die Verwunderung in uns erkannte, dass die Grenze auf sei. In den Folgestunden- und Tagen fuhren die Züge mitunter bis zu 150% besetzt in die GÜST ein und auf dem Bahnsteig, wo sonst PKE und ZOLL mit eiserner Miene ihrem Dienst nachgingen, fanden ausgelassene Gelage statt.
Gleich am nächsten Tag durfte ich sämtliche Signalgeräte, die um die GÜST aufgestellt waren, abbauen. Ich erinnere mich, das ich mir in diesem Moment überhaupt keine Gedanken an die Zukunft machte, sondern eher stolz war, diese Dinger abzurüsten. An selbigen Samstag wurde bereits an der alten Autobahnauffahrt Obersuhl/Untersuhl ein Grenzübergang eröffnet, den wir als SIK für die nächsten Wochen zu betreuen hatten. In den Nachtschichten nisteten wir uns trotz Verbots mehrfach in den warmen Containern von BGS und Zoll ein. Letztere sorgten immer wieder durch Fahrten zur nächstgelegenen Pizzeria für eine angemessene Verpflegung.
Im Nachhinein betrachtet erfüllt es mich immer wieder mit Stolz, eine so geschichtsträchtige Zeit auch an der Stelle verbracht zu haben, wo die Geschichte geschrieben wurde und bin mehr als froh, dass dies alles gewaltfrei ablief.


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#15

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 20:39
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von damals wars
Mehr als 40 Jahre Frieden ist eine respektable Leistung.

Das soll uns erst mal einer nachmachen.



Richtig, heute wird wieder für wirtschaftliche Interessen gestorben!

http://www.woschod.de


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 09.11.2011 20:39 | nach oben springen

#16

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 21:58
von Huf (gelöscht)
avatar

@Feliks, bei aller Achtung, Du bist radikaler geworden. Von Dir z.B. hätte ich auch ein paar Worte zu Deiner eigenen Wahrnehmung am 09.11.1989 gelesen, geht das?

VG Huf


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#17

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 22:06
von Krelle (gelöscht)
avatar

Ich nehme das Fernglas zur Hand
und setze es vor meine Augen
Obwohl ich blicke nur auf deutsches Land,
fühle ich, wie meine Herzschläge sich in die Höhe schrauben

Ich schaue auf des Zaunes Streckmetall,
das uns Deutsche soll voneinander trennen
Dass diese Grenze kommt noch heut zu Fall,
kann ich zu dieser Zeit noch nicht erkennen

Unweit von mir steht ein DDR-Beobachtungsturm,
der auch an diesem 9. November ist besetzt
Gleich mir, ahnt auch deren Besatzung noch nichts von jenem Sturm,
der bereits seit dem frühen Abend tobt im HIER und JETZT

Wir beobachten einander so wie immer,
nichts deutet auf die Öffnung dieser Grenze hin
Von Schabowski´s Worten haben wir keinen Schimmer;
wir wissen nicht, dass unser Auftrag hat bereits verloren seinen Sinn

Als schnelle Schritte sind für mich zu hören,
rufe ich „HALT! ZOLL!“ in die Nacht hinein
Wem mögen sie gehören,
wer mag zu mir eilen über Stock und Stein?

Schon sehe ich, dass es ein Vorgesetzter ist
und meine rechte Hand erhebt sich zur Mütze;
Dass man mich auch an einem korrekten Gruß bemisst,
ist normal in meinem Job an dieser Grenze

Noch bevor ich kann berichten und ihm sagen,
dass es keine besonderen Vorkommnisse gibt,
höre ich ihn jenes fragen,
das völlig außerhalb meiner Vorstellungskräfte liegt:

„Was machen Sie denn noch hier?
- die Grenze ist doch offen!“
Fast den Verstand ich nun verlier´,
dass ich das erlebe, wagte ich nie zu hoffen


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#18

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 22:26
von Pitti53 | 8.788 Beiträge

Zitat von Huf
@Feliks, bei aller Achtung, Du bist radikaler geworden. Von Dir z.B. hätte ich auch ein paar Worte zu Deiner eigenen Wahrnehmung am 09.11.1989 gelesen, geht das?

VG Huf



Solange es dieses Forum gibt,hat sich zu diesem Thema sicher jeder schon mal geäußert

Muß das zu jedem Jahrestag sein? Nein


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#19

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 22:27
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von S51
Wenn ich morgen früh einen Einsatz beende werde ich ein Glas trinken auf alle, die wie ich dort an der Linie gedient haben. Hüben und drüben. Auf alle, die diese Trennlinie beachtet haben und ebenso gleichermaßen auf alle, die dies nicht getan haben.
Auf alle, die gesund von dort zurückgekommen sind wie auf alle, denen dies verwehrt war. Egal warum, denn eben diese Linie gibt es nicht mehr.
Ich grüße damit alle, an die sich noch Menschen erinnern wie auch jene, an die dort sonst niemand mehr denkt.




Dem ist nichts hinzuzufügen!


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#20

RE: Vor 22 Jahren fiel die Mauer!

in Das Ende der DDR 09.11.2011 22:41
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Wahrnehmung?

Das sich große Veränderungen ankündigen und der alte Weg nicht weiterführt war ja ab Mitte Oktober nicht mehr zu übersehen. Dieser Zeitraum war geprägt von einem vermehrten Arbeitsanfall, Dienst bis in die Nachtstunden und an sämtlichen Wochenenden. Auch zu diesem Zeitpunkt war ich in der Dienststelle und erhielt die Nachricht von einem unserer BU. Ich dachte erst an einen dummen Scherz und hatte dafür keine Nerven, entsprechend barsch fiel meine Reaktion aus. Nachdem er mir versichterte nicht zu scherzen war ich erst einmal fassungslos, denn Veränderungen und Reformen hatte ich erwartet, eine Kapitulation jedoch nicht. Mir war klar das eine offene Grenze das Ende bedeutete, nur die Geschwindigkeit hat mich letztendlich überrascht.

Letztendlich war aus heutiger Sicht bei dieser verfehlten Politik kein anderes Ergebnis möglich, tragen wir es mit Fassung. Ein andern mal vielleicht.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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