#21

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 12.05.2009 22:02
von manudave (gelöscht)
avatar

In Antwort auf:
Und wenn Du vom "Staatsbankrott"schreibst,dann frage ich mich,wie es trotzdem noch jahrelang weitergehen konnte,


Ein gutes Beispiel bietet der Abbau der Selbstschussanlagen. Warum hat Erich die wohl abgebaut? Etwa aus Nächstenliebe...?

Nein, wegen der westlichen Milliarden, die ihm Franz-Josef-Strauß dafür zugesagt hat. Außerdem musst du unterscheiden Staatsvermögen (was faktisch nicht mehr vorhanden war) - und Privatvermögen der SED - was teilweise heute noch hilft Plakate einer gewissen Partei zu finanzieren.


nach oben springen

#22

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 12.05.2009 22:22
von manudave (gelöscht)
avatar

In Antwort auf:
Wir können nicht flüchten, denn unser Heimatland, unser Vaterland wurde verkauft. Es ist nicht mehr da. Sonst würde ich gehen...
und eine gerechtere DDR aufbauen helfen...


Nicht eine gerechte DDR aufbauen helfen - SONDERN ANPACKEN EIN GERECHTERES GEMEINSAMES DEUTSCHLAND ZU ENTWICKELN

Dieses Nachtrauern find ich so furchtbar. Nach vorne schauen und selbst etwas beitragen


nach oben springen

#23

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 12.05.2009 23:48
von CaptnDelta (gelöscht)
avatar
Zitat von grenzgänger86

...
Und wenn Du vom "Staatsbankrott"schreibst,dann frage ich mich,wie es trotzdem noch jahrelang weitergehen konnte
...

* weil Schalck-Golodkowski alles verhoekert hat was nicht niet-und nagelfest war, z.B. aus der Dresdner Gemaeldegalerie
* weil Schalck-Golodkowski's Bande mit den groessten Waffenschiebern der Zeit dealte, under anderem waren die auch in die Iran-Contra Affaere verwickelt.
* weil man sich politische Gefangene, "Grenzbrecher" und Antragsteller vom Westen hat mit Milliarden ausloesen lassen
* weil man mittels Forum-Schecks einen DM-Vorschuss in Milliardenhoehe gekriegt hat (und man konnte die Dinger nie wieder zuruecktauschen)
* weil schon 1979 der Kaffee welcher in Westpaketen in die DDR geschickt wurde, im Fuenfjahrplan als Posten auftauchte
* weil man in den Achtizger Jahren die komplette Wirtschaft von A bis Z auf Verschleiss fuhr.
* weil man den westlichen Teil der Berliner S-Bahn (1984 ein Schrotthaufen) an Westberlin verkaufte

Einer der Hauptgruende ist jedoch das man bis 1981 billiges Erdoel aus der Sowjetunion bekommen hat, welches man dann veredelt im Westen hat verkaufen koennen. Ab 1981 war Schluss damit, und die "Freunde" haben das Oel direkt nach Westdeutschland verkauft, die haben diese Devisen selbst gebraucht.
Die DDR waere wirtschaftlich nie selbst ueberlebensfaehig gewesen, sorry.

Mal noch zwei oder drei Geschichten zu den von der Treuhand "plattgemachten" Firmen:

Als ich 1990 mit einer japanischen Firma, bei der ich zu der Zeit meine Diplomarbeit machte, zu Pentacon in Dresden kam, da hat's die Japaner fast rueckwaerts wieder rausgeschmissen. Die haben da allen Ernstes gemeint sie kriegen das Betriebsmuseum gezeigt, und wollten die richtige Produktion sehen. Zu der Zeit hat schon in Westdeutschland keine Kameraproduktion mehr konkurrenzfaehig, die sind auch ohne Treuhand von den Japanern plattgemacht wurden. Wie haette man den Pentacon dann retten sollen? Als Industriemuseum? Und Pentacon war eigentlich eher ein Vorzeigeunternehmen der DDR...

Ein aehnliches Erlebniss hatte ein Studienfreund der mit Mercedes nach Ludwigsfelde kam. Da war einfach nix mehr da. Die haben dann allerdings ein neues Werk in der Naehe gebaut.

Hier noch das Wende-Tagebuch des einzigen Herstellers von Tischtennisbaellen in der DDR: http://www.krumhermersdorf.de/geschichte/index.htm
Echt deprimierend, allerdings eher typisch wie es damals aussah. Fuer diese Zustaende die Treuhand verantwortlich zu machen ist Krampf. Das da manches haette besser gehen koennen, ist auch klar. Allerdings es hat halt sowas nie vorher gegeben, von daher werden auch Fehler gemacht (von dem abgesehen das sich da ein eclektischer Mix aus westlichen Schmiergeldjaegern, Seilschaften von SED-Bonzen und Stasi-Mitarbeitern eingeschlichen hatte).

Ich war damals auch der Meinung das sich da der Staat (oder so 'ne halbstaatliche Buerokrazie wie die Treuhand) haette nicht einmischen sollen, einfach von daher weil sich halt der Staat eine Verantwortung auferlegt welche er einfach nicht tragen sollte. Leider ist die Treuhand schon zu DDR-Zeiten gegruendet worden, man haette im Vertrag zur Waehrungsunion die Aufloesung verlangen sollen. Ich glaub' wenn man die Sache einfach der Wirtschaft ueberlassen haette, dann waere das Resultat das gleiche gewesen, und man haette nicht so viel Geld verschwendet (also, eher ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende). Das Geld haette man dann besser zur Anschubfinanzierung von neuen Unternehmen nutzen koennen, welche normal ueber Landesbanken etc. finanziert worden waeren. Ist allerdings alles Spekulation, beim Zusammenbruch der naechsten DDR sind wir dann schlauer.

-Th

zuletzt bearbeitet 12.05.2009 23:52 | nach oben springen

#24

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 13.05.2009 09:49
von CaptnDelta (gelöscht)
avatar

Zitat von CaptnDelta

...
Hier noch das Wende-Tagebuch des einzigen Herstellers von Tischtennisbaellen in der DDR: http://www.krumhermersdorf.de/geschichte/index.htm
Echt deprimierend, allerdings eher typisch wie es damals aussah. Fuer diese Zustaende die Treuhand verantwortlich zu machen ist Krampf
...



Sorry, hab' gerade gemerkt das der letzte Link flasch war. Hier dafuer nun in allen Einzelheiten:
Die Pauli-Fabrik, genannt "Die Plaste"
Die Technologie
Die Qualitätskontrolle
Rationalisierung a la DDR
Masse statt Klasse
Die Wende - das Ende
Zitat von Ökonomie für Anfänger

Eine 1967 gebaute Tiefziehmaschine kostete damals 13.000 Mark. 1985 (nach 18 Jahren) wird sie verschrottet? NEIN !!! sie wird umbewertet auf einen Bruttowert von 110.000 Mark.


-Th


nach oben springen

#25

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 13.05.2009 09:59
von Augenzeuge (gelöscht)
avatar
Danke manudave und CaptnDelta-

für eure Beiträge. Eigentlich müßten wir nun auch den letzten Zweifler zum Nachdenken gebracht haben.
Wißt ihr, diese Sprüche kamen meist von denen, die keinen Einblick in die Betriebe hatten.

Wer heute meint, Buna, Leuna hätten weiter existieren können, hat das Ergebnis 1989 dort sicher nie gesehen. Die grauen Strassen, Häuser, die kranken Menschen, der Gestank. Aber alle hatten ja Arbeit....toll.

Leider, wirklich leider- gab es keine Möglichkeit eine kleine DDR zu gründen, wo man diesen Zweiflern eine Möglichkeit hätte geben können, ihren Staat zu bauen. Ich hätte es ihnen gegönnt. Irgendwann wären die letzten schlau geworden und hätten verstanden, das die Theorie des Sozialismus mit freien Bürgern nicht durchführbar ist. Ob man dann wieder eine "Mauer" gebraucht hätte?

Gruß, Augenzeuge

zuletzt bearbeitet 13.05.2009 10:02 | nach oben springen

#26

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 13.05.2009 10:37
von Rainman2 | 5.761 Beiträge
Nur nochmal die Frage zum Titel des Threads: Und wo bleibt der Respekt für die Ostdeutschen? Wo bleibt der Respekt für die Leistungen? Dass Ihr der Meinung seid, dass alles Mist war, wissen wir. Dass mit den Möglichkeiten nicht mehr zu machen war, ist inzwischen auch klar. Aber diese Einseitigkeit in der Betrachtung bringt mich nicht zum Nachdenken. Es reizt zum Wiederspruch. Ich nehme also mal Zuflucht zu einer Manipulationstechnik - der Erweiterung:

Nachdem, was Ihr (manudave, CaptnDelta, Augenzeuge) hier sagt, war also alles, was plattgemacht wurde, auch wert platt gemacht zu werden.

Was ist eigentlich mit den Beispielen, die aus eigener Kraft überlebt haben? Ich habe leider nicht gleich tausende Beispiele parat, denn ich hatte tatsächlich nichts mit der Industrie zu tun (ist halt ein Grenzerforum und kein Ökonomieseminar). Aber ich würde einen Blick in Richtung Oderbruch empfehlen, LPG Golzow. Ein Beispiel, dass Strukturen auch überlebensfähig waren.

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 13.05.2009 10:39 | nach oben springen

#27

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 13.05.2009 11:10
von sentry | 1.087 Beiträge

In Antwort auf:
Und wo bleibt der Respekt für die Ostdeutschen?


Ich brauche keinen "Respekt für Ostdeutsche", gesprochen als potenzieller "ostdeutscher Respektsempfänger".
Was ist überhaupt ein Ostdeutscher? Wen zählen wir 20 Jahre nach dem Mauerfall dazu? Alle die vor dem 3. Oktober 1990 ihren ständigen Wohnsitz auf dem Gebiet der damaligen DDR hatten und darüber hinaus auch deren Staatsbürgerschaft? Wäre das eine passende Definition?
Prinzipiell sollte jeder Mensch respektiert werden.
Nun könnten wir Attribute zusammenstellen, für die das nicht gilt.
Vielleicht sollte man faule Menschen nicht respektieren oder Specker oder Kinderpornoverteiler...was auch immer.
Aber ich sehe keinen Zusammenhang des nötigen Respekts mit dem Wohnort oder irgendeiner Himmelsrichtung. Warum redet keiner über Respekt für Norddeutsche oder für die so gerne vergessenen Einwohner von Wisconsin? Was ist denn das Besondere am Ostler, dass er besonderen Respekt verdient?
Ostdeutsche brauchen auch keine besondere Anerkennung oder Würdigung ihrer Verdienste oder Lebensleistungen. Wie in jeder anderen Himmelsrichtung auch, gibt es auch östlich der Elbe viele Menschen die gar nichts anerkennens- oder würdigenswertes geleistet haben. Und wer sich dieser Art Anerkennung oder Respekt im Osten verdient hat oder immer noch verdient, der kriegt sie auch. Heute wie damals; aber nicht weil er gerade östlich der Elbe war, sondern weil er es sich verdient hat.

Mir ist es genügend Anerkennung (eigentlich mehr ein innerer Vorbeimarsch), wenn meine schwäbische Verwandtschaft nicht verstehen kann, was wir unterdessen so erreicht haben in unserem Leben und wenn "Wessis" mir nicht glauben wollen, dass ich ein oller Rumpelzoni bin.


nach oben springen

#28

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 13.05.2009 11:17
von grenzgänger86 | 375 Beiträge

Hallo zusammen,

genauso wie Rainman es schreibt,sind doch die Ausführungen gemeint.Ich möchte doch nicht irgendetwas schön reden,sondern MEINE Meinung und Gedanken zu dem Thema äußern.So wie einige nur gute Erinnerungen haben so haben ebend andere nur negative.Es ist nur Schade,das man keine positiven Außerungen über die DDR machen kann,man wird gleich nieder gemacht,ich dachte das ist in diesem Forum anders.Dann werde ich mich nur noch zu Grenzangelegenheiten äußern.
Tschaui


nach oben springen

#29

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 13.05.2009 11:31
von CaptnDelta (gelöscht)
avatar

Zitat von Rainman2
Nur nochmal die Frage zum Titel des Threads: Und wo bleibt der Respekt für die Ostdeutschen? Wo bleibt der Respekt für die Leistungen? Dass Ihr der Meinung seid, dass alles Mist war, wissen wir. Dass mit den Möglichkeiten nicht mehr zu machen war, ist inzwischen auch klar. Aber diese Einseitigkeit in der Betrachtung bringt mich nicht zum Nachdenken. Es reizt zum Wiederspruch. Ich nehme also mal Zuflucht zu einer Manipulationstechnik -


Naja, das manipulative haste da schon oben in dem Du da entweder alles einschliesst ("dass alles Mist war, wissen wir") oder eben alles auschliesst, richtig? ...viele Farben.

Zitat von Rainman2
Nachdem, was Ihr (manudave, CaptnDelta, Augenzeuge) hier sagt, war also alles, was plattgemacht wurde, auch wert platt gemacht zu werden.

Das "alles" war schon platt, das hatten die SED Bonzen schon platt gemacht.

Zitat von Rainman2
Was ist eigentlich mit den Beispielen, die aus eigener Kraft überlebt haben? Ich habe leider nicht gleich tausende Beispiele parat, denn ich hatte tatsächlich nichts mit der Industrie zu tun (ist halt ein Grenzerforum und kein Ökonomieseminar). Aber ich würde einen Blick in Richtung Oderbruch empfehlen, LPG Golzow. Ein Beispiel, dass Strukturen auch überlebensfähig waren.
ciao Rainman


Oder der Pyramidenschnitzer in unserem Ort, der sich schon Ende der 70er in Zahngold bezahlen lies. Der hat auch gleich unsere West-Verwandtschaft mit eingespannt, seine Sachen zu verkaufen. Dem (und seinem Sohn der das Geschaeft uebernommen hat) geht's auch heut noch gut. Die Meissner Porzellan-Manufactur ist auch noch ein Beispiel.

Mal was anderes, Rainman: Gibt's die LPG in Golzow echt noch? Oder nur weil man halt da den laengsten Dokumentarfilm gedreht hat? Das ist jetzt wirklich nicht boes (aber trotzdem ernst) gemeint, aber waere dann Golzow nicht eher 'ne Schroedinger Katze oder ein Heisenbug? Mich hat die Doku unheimlich fasziniert.

Zurueck zum Thema: ManuDave, Augenzeuge und CapnDelta (meinereiner) sind selber Ostdeutsche, von daher ist das ein bisschen hinfaellig das wir uns da "niedermachen". Vielleicht ist einfach das Thema ein bissel daneben.

-Th


nach oben springen

#30

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 13.05.2009 11:44
von CaptnDelta (gelöscht)
avatar
Zitat von grenzgänger86
Hallo zusammen,
genauso wie Rainman es schreibt,sind doch die Ausführungen gemeint.Ich möchte doch nicht irgendetwas schön reden,sondern MEINE Meinung und Gedanken zu dem Thema äußern.So wie einige nur gute Erinnerungen haben so haben ebend andere nur negative.Es ist nur Schade,das man keine positiven Außerungen über die DDR machen kann,man wird gleich nieder gemacht,ich dachte das ist in diesem Forum anders.Dann werde ich mich nur noch zu Grenzangelegenheiten äußern.
Tschaui

Naja, so war's nicht gemeint, waere schade Eure Meinung zu verlieren. Wie schon Voltaire gesagt hat: "Ich glaube nicht, was Sie sagen, aber ich werde Ihr Recht, es zu sagen, bis zum Tod verteidigen." Zumindest holt uns jetzt dann keiner ab wenn wir sagen was wir wollen.

Ich hab' auch sehr viele gute Erinnerungen an die DDR, und ich bin froh das ich da aufgewachsen bin, wo ich war (im Osten *und* im Westen).

Und, uebrigens, das war auch nur meine Meinung.
-Th

zuletzt bearbeitet 13.05.2009 11:57 | nach oben springen

#31

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 13.05.2009 11:58
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo sentry,
Genau richtig was Du schreibst! Ostdeutsche,Westdeutsche,Norddeutsche,Süddeutsche,oder unsere Insulaner auf Helgoland ,wir sind Deutsche!und verdienen alle den gleichen Respekt !


nach oben springen

#32

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 13.05.2009 12:10
von manudave (gelöscht)
avatar

So sehe ich das auch. Keiner brauch mehr oder weniger Respekt. Diesen haben ich vor Lebensleistungen oder herausragenden Persönlichkeiten, aber nicht pauschal für alle aus dem Osten oder Westen.
Deshalb gefällt mir auch die Überschrift nicht.

@Rainman

Ich habe niemals geäußert, dass alles was platt gemacht wurde, auch so richtig war - das bitte ich doch zu beachten. Außerdem kommt das Wort "ALLES" ein wenig oft vor. Ich denke niemand hier hat vor zu verallgemeinern.
Wie bereits mehrfach geäußert, gab es natürlich aus im Privatleben gute Sachen. Schließlich ist jeder seines Glückes Schmied. Allerdings würde ich genau von euch auch gern mal die negativen Sachen hören. Das wiederum hat dir - mein lieber Rainman - eben genau den geforderten Respekt eingebracht - nämlich, dass du dich auch kritisch mit deiner Zeit als Polit auseinandersetzt.


nach oben springen

#33

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 13.05.2009 12:11
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo grenzgänger,
Schreib weiter Deine Meinung und Gedanken hier im Forum.Den Rückzieher machen ist falsch! Wir haben Meinungsfreiheit. Es darf nur nicht jemand pers.angegriffen oder beleidigt werden.Unterschiedliche Ansichten und Meinungen zum Thema DDR wird es immer geben.Pro und Kontra gehört doch einfach in unser Forum.
Ich freue mich weiter auf Deine Beiträge,nicht nur zur Grenze. In diesem Sinn Gruß Peter (Turtle)


nach oben springen

#34

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 13.05.2009 12:12
von Augenzeuge (gelöscht)
avatar

Hallo zusammen,hallo Rainman,

wir sind sicher vom Thema etwas abgewichen. Aber aufgrund der Äusserungen war das auch erforderlich. Gewisse Dinge müssen kommentiert werden. Hierin bist du doch ein Vorbild, Rainman.
Wir dürfen hier 2 Dinge nicht verwechseln. Unsere Fakten zum Zustand der DDR 1989 sind zwar das Ergebnis der wirtschaftlichen Entwicklung, aber nicht das anrechenbare Ergebnis der arbeitenden Menschen in der DDR. Es gab in der DDR eine Ausbeutung, nämlich die des großen Freundes UdSSR. Man hat Weltniveau gefordert, aber den Betrieben die Möglichkeit genommen, zu investieren. So gesehen, trägt die SU die Hauptschuld für den wirtschaftlichen Niedergang.
Dementsprechend ist der Respekt vor dem Ergebnis bei Berücksichtigung der Bedingungen selbstverständlich angebracht.
Weiterhin einen Respekt für den Willen, sich nie mit den Verhältnissen in der DDR abzufinden, einen Respekt für den Willen zur Improvisation zum Erreichen bester Ergebnisse und nicht zuletzt Respekt für eine gemeinschaftliche friedliche Revolution.

Andererseits vermisse ich auch oft den Respekt vor der westlichen Aufbauhilfe. Mittlerweile hat man im Osten wirklich modernste Produktionsstätten, super Autobahnen und eine Infrastruktur geschaffen, die im Westen seinesgleichen sucht. Das ist für alle selbstverständlich. Die Mauer zum Besserwessi ist doch in den Gehirnen noch stark verankert. Man vertraut manchen ehrlichen Wessi weniger, als einem früheren IM.

Ich habe es selbst erlebt, wie die Meinung vom Autokennzeichen abhängig gemacht wurde.

Letztlich denke ich, es bringt die deutsche Nation nicht enger zusammen, wenn wir jetzt anfangen, den Respekt nach Himmelsrichtungen aufzuteilen.

Gruß, Augenzeuge


nach oben springen

#35

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 13.05.2009 13:11
von Rainman2 | 5.761 Beiträge
Hallo zusammen,

na also, es geht doch! Ich wollte es nur nochmal geschrieben sehen. Verzeiht also die Stichelei.

@grenzgänger: Bleib mal hier! Es gibt nicht nur Fakten, es gibt auch Gefühle. Die haben genauso eine Daseinsberechtigung und müssen auch genauso geäußert werden. Die Erinnerung an das Gefühl, das wir mit unserer Heimat verbunden haben, sollten wir uns erhalten. Wie lässt Howard Fast seinen Gracchus im Roman Spartakus so schön sagen: "Rom ist eine Hure. Aber diese Hure hat mich zur Welt gebracht."

@CaptnDelta: Mein letzter Stand zur LPG in Golzow ist schon mehr als 5 Jahre alt. Mit den Filmaufnahmen hatte das Überleben der Golzower LPG nichts zu tun. In den Filmen aus der Wendezeit kommt die Kraft, die von dem LPG-Vorsitzenden und den Leitern der Abteilungen ausgeht, sehr schön zum Tragen. Sie haben sich keine Berater geholt, sie haben selbst nachgedacht und gehandelt, auch gegen den geltenden Zeitgeist, genauso, wie sie es zum Teil schon während der DDR-Zeiten getan hatten. Sie haben die Anbauflächen verkleinert blieben aber bei einer genossenschaftlichen Nutzung. Bis 2004, glaube ich, lebte die LPG in ihrer neuen Form noch. Danach habe ich sie für mich aus den Augen verloren. Im weltweiten Einkaufsnetz findet sich aber noch:
Landwirtschaft Golzow Betriebs-GmbH Tierproduktion, Genschmarer Str., 15328 Golzow, Oderbruch

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 13.05.2009 13:14 | nach oben springen

#36

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 13.05.2009 13:37
von nightforce (gelöscht)
avatar
Zitat von turtle
Hallo sentry,
Genau richtig was Du schreibst! Ostdeutsche,Westdeutsche,Norddeutsche,Süddeutsche,oder unsere Insulaner auf Helgoland ,wir sind Deutsche!und verdienen alle den gleichen Respekt !


Richtig Peter (turtle) sie verdienen den gleichen Respekt, aber, und jetzt kommt es, sie bekommen ihn nicht.
Das fängt mit der Treuhandgesellschaft an, die der westdeutschen Wirtschaft Tür und Tor zu Übernahmen öffnete, um alles platt zu machen.
Ich war selbst in einem Betrieb dabei, was da alles geschah.
Was kann z.B. ein Schraubenschlüsselsatz dazu, daß auf ihm Smalkalda steht, gehört er deshalb verschrottet, Tonnen davon sind in die Schrottkontainer zum Einschmelzen geflogen, vlt waren sie aber auch zu gut und hätten zu lang gehalten, da braucht man ja keine Neuen kaufen, vlt mußten sie deshalb weg.
Ich hab bei meiner Schrauberei bisher viel mehr westdeutsches und Nachwendewerkzeug geschrottet (verbogen, gebrochen, ausgeschlagen), als das mit Werkzeug von Smalkalda der Fall gewesen ist.
Dann geht es ins Private, ein junger Mann zog aus nach Bremen um dort seine Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen, dazu brauchte er ne Wohnung, die bekam er.
Als er fragte, wann er denn seine Mülltonne bekäme, erwiederte der Vermieter, du bekommst keine Mülltonne, ihr Ostdeutschen habt schon genug bekommen.
Oder nun etwas aus heutiger Zeit.
Warum zahlt eine nahmhafte Maschinenbaufirma in einem Zweigbetrieb in Ostdeutschland mit gleichem Quallitätsstandart, gleichen Normzeiten und gleichem Produktauswurf den Mitarbeitern weniger Lohn, als den westdeutschen Kollegen.
Warum bekommt ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes im Osten (Firmensitz in Westdeutschland) weniger Lohn als sein Kollege im Westen, braucht der im Osten vlt weniger aufzupassen?
Was ist mit dem ostdeutschen Montagearbeiter, der ständig in den Altbundesländern eingesetzt wird, bekommt er das gleiche Geld wie sein westdeutscher Kollege?
Dies alles sind die mehr oder weniger ausgeprägten Respektlosigkeiten, die es auch noch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands gibt und auch noch lange Zeit geben wird.
Gruß nf

zuletzt bearbeitet 13.05.2009 13:39 | nach oben springen

#37

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 13.05.2009 14:01
von Pitti53 | 8.788 Beiträge

also es gibt noch mehr ddr betriebe die überlebt haben,aber leider zu wenige.und das auch nur,weil die sich nicht der treuhand überlassen haben,z.b kahlaer porzellan oder multicar


nach oben springen

#38

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 13.05.2009 17:43
von grenzgänger86 | 375 Beiträge

Hallo zusammen,

ok,ok werde mich nicht gleich mit einer Schreibblockade belegen und mich weiter äußern.Vielen Dank für die netten Meinungen von Euch.
Gruß an Turtle und Rainman.
Tschaui der Grenzgänger


nach oben springen

#39

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 13.05.2009 18:43
von Zermatt | 5.293 Beiträge

ich habe es schon mal hier erwähnt:
1990 war ich mal in einem kleinen Betrieb,Metallindustrie,wie ich da rein komm,ich dachte mich trifft der Schlag.
Schrottreife Maschinen,uraltes Werkzeug,Sicherheitsvorkehrung gleich Null,man hatte das Gefühl,wir haben das
Jahr 1950. Unter solchen Bedingungen einigermassen produktiv zu sein-Alle Achtung.
Kein Westdeutscher hätte hier malocht.



nach oben springen

#40

RE: Mehr Respekt für Ostdeutsche

in Das Ende der DDR 13.05.2009 19:38
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Nightforce,
Ich möchte Dir nicht in allen widersprechen. Sicherlich kamen mit der Wende zuerst die Hyänen und Geier ins Land mit dem Blick auf schnellen Profit. Die Unerfahrenheit mit der Kapitalistischen Praxis wurde schamlos ausgenutzt. Ich erinnere mich an jeder Ecke stand plötzlich ein Autohändler und verhökerte seine Schrottkarren. Versicherungsvertreter, Drücker, usw. fielen wie Heuschrecken ein. Man hatte es diesen Leuten auch leicht gemacht ,es musste ja alles aus dem Westen sein! Plötzlich gab es in Leipzig in den Kneipen fast überall Bier aus den alten Bundesländern . Es wurde gekauft was aus dem Westen kam. Da gingen viele ex VEB kaputt da ihre Ware kaum noch gefragt war. Das machte es wiederum den Spekulanten einfacher günstig Schnäppchen zu machen. Bei der Treuhand hat es sicherlich auch Unregelmäßigkeiten gegeben. Es dauerte eine ganze Zeit bis man sich besann dass auch die vertrauten Produkte gut oder besser waren. Doch vieles war inzwischen abgewickelt! Marode Fabriken gab es jedoch genauso unwirtschaftlich und nicht zu retten. Wenn die Realität manchmal schmerzhaft ist oder war es gab oft keine anderen Möglichkeiten als platt zu machen und neues aufzubauen Immer bleiben da einige auf der Strecke das ist nun einmal in unserer Gesellschaftsordnung so. Der Sozialismus ist passee . Das wir noch nicht in allem ein Volk sind ,und leider nicht überall Gleichheit besteht ist leider teilweise immer noch so. Wie schrieb manudave ANPACKEN EIN GERECHTERES GEMEINSAMES DEUTSCHLAND ZU ENTWICKELN.
Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Jammern über Verlorenes bringt uns nicht weiter, zumal die Betrachtungsweise sehr unterschiedlich ist! Was dem einen seine Eule ist dem Anderen seine Nachtigall. Gruß Peter(Turtle)


nach oben springen



Besucher
22 Mitglieder und 50 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Erinnerung
Besucherzähler
Heute waren 1357 Gäste und 93 Mitglieder, gestern 3611 Gäste und 206 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14366 Themen und 557750 Beiträge.

Heute waren 93 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen