#1

Mangelwirtschaft und Wegwerfgesellschaft

in Das Ende der DDR 03.11.2011 00:41
von Siggimann (gelöscht)
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Mangelwirtschaft- und Wegwerfgesellschaft
Teil 1
Die Begriffe Mangelwirtschaft und Wegwerfgesellschaft sind negative Synonyme für
• Sozialismus und Kapitalismus
• Planwirtschaft und Marktwirtschaft
Die meisten Menschen sehen in den Begriffen ein Urteil über die gesellschaftlichen Inhalte, was sich dahinter verbirgt, erfordert aber ein tieferes Eindringen in gesellschaftliche Zusammenhänge. Ich könnte das Thema auch anders benennen. z. B.:
• Indoktrination in den Gesellschaftssystemen oder
• Einfluss der Parteien, Medien und Erziehungseinrichtungen in den gesellschaftlichen Systemen oder
• Wertegestaltung aus meiner Sicht

Ich bleibe bei den Begriffen Mangelwirtschaft und Wegwerfgesellschaft.

Im Sozialismus war am wichtigsten, den Menschen erlebbar zu machen, wie der Reichtum der Gesellschaft entsteht, wer den Reichtum schafft, wie schwer oder schwierig er produziert wird und wie er auf alle verteilt werden muss. Diese wichtige Erkenntnis für ein würdiges, achtungsvolles Leben wurde auf allen Ebenen vermittelt.
Die Achtung vor der Arbeit, die Achtung der Arbeiter und die Achtung der produzierten materiellen Werte standen im Vordergrund. Auch die staatlichen Ehrungen zielten immer auf diesen Grundsatz. Die Ehrung der Arbeit und Leistung der Menschen hatte gleichzeitig Vorbildwirkung und war ein wichtiger Faktor in der sozialistischen Gesellschaft. Es war die Grundlage und das Ziel, den Reichtum zu erarbeiten, auszubauen und zu erhalten. Die Ressourcen eines Landes sollten voll für alle Menschen genutzt werden. Dieser Grundgedanke beherrschte unser Leben, bestimmte die Werte und auch die Werterhaltung im Sozialismus. Es war ein Lebenswerk, dem die Zukunft gehört.
Im Kapitalismus stehen nicht die Menschen, die den Reichtum der Gesellschaft schaffen im Vordergrund. Hier stehen die Schmarotzer, Nichtstuer und Abzocker im Vordergrund. Es sind die Kreise, die an der Vernichtung vom Reichtum viel verdienen. Deren Reichtum wird oft durch Korruption und Krieg noch vervielfacht.
Unser Weltbild von der Nutzung des gesellschaftlichen Reichtums ist eben anders. Eine Vernichtung des Reichtums passt nicht zur Ehrung der Arbeiter als Schöpfer von Reichtum oder der Erhaltung des Reichtums durch Dienstleistung oder Reparaturen. Aber danach wird in der heutigen Gesellschaft nicht mehr gefragt. Z. B.: In einer Nachbarfamilie ging der Geschirrspüler kaputt. Ihre Auffassung war, die Reparatur kostet mehr als eine Neuanschaffung, also wegwerfen. So etwas gab es im Sozialismus nicht. Eine Reparatur war immer preisgünstiger als eine Neuanschaffung.

Wodurch entstanden Mangelsituationen in der DDR?
1. Die Ressourcen wurden überschätzt, falsch eingeschätzt oder das Tempo der Nutzung zu stark beschleunigt. Ein typisches Beispiel ist die Entscheidung, die öfter getroffen werden musste, wird das Material für Fertigerzeugnisse oder Ersatzteile verwendet.
2. Fehler in der Planung – Erkenntnisse waren vom Material her nicht abgedeckt, deshalb waren hohes Verantwortungsbewusstsein und Reaktionsvermögen gefordert.
3. Bedarfswünsche, vor allem bei neuen Erzeugnissen oder Spitzenerzeugnissen, konnten nicht sofort befriedigt werden. Preisregulierungen waren begrenzt. Die Gefahr von Bückware oder Schwarzmarktverhalten bestand in derartigen Fällen.
4. Der Kalte Krieg hat oft starke Auswirkungen durch überhöhte Preise bei Importen, zu niedrige Preise für Fertigerzeugnisse aus der DDR, Lieferunterbrechungen bei notwendigen Materialien und Embargofestlegungen. Derartige Auswirkungen spürte immer die Bevölkerung. Die Reserven waren zu knapp

Was wird durch den negierenden Begriff Mangelwirtschaft nicht sichtbar?

Nicht sichtbar werden die Wertvorstellungen und Hauptanliegen, die die Gesellschaft prägten. Es sind Werte und Anliegen, die in unserem Leben eine wichtige Rolle spielten, wie:
• Wir achteten die Arbeit, weil sie die Grundlage der menschlichen Entwicklung ist, jedes Einzelnen, jeder Persönlichkeit.
• Wir achteten die Arbeit, weil wir für uns gearbeitet haben, für unser Leben und nicht für die Geldsäcke von heute.
• Wir achteten den Menschen, indem wir dafür sorgten, dass jeder Arbeit erhielt.
• Wir achteten die Arbeit, weil nur sie den Reichtum der Gesellschaft hervorbringt.
• Wir achteten den Arbeiter, weil er den Reichtum der Gesellschaft schafft.
• Wir achteten die Meinungen der Arbeitenden in den Betrieben, die insbesondere in den Betriebszeitungen artikuliert wurden.( siehe Anlage )
• Wir achteten den geschaffenen Reichtum der Gesellschaft und schützten ihn vor Vernichtung.
• Wir achteten die Ergebnisse der Arbeit und verhinderten durch Qualität, Service und Reparatur das Werte vernichtet werden.
• Wir achteten die Leistungen durch Anerkennung und leistungsorientierte Gehälter sowie Leistungslohn
• Wir achteten die Leistungen durch Auszeichnungen, z. B. „Held der Arbeit“, „Verdienter Aktivist der sozialistischen Arbeit“ und „Kollektiv der soz. Arbeit“.
• Wir legten Wert auf eine enge Verbindung von leitenden Funktionären und Arbeitskollektiven. Missachtung von Arbeitern war eines der schlimmsten Vergehen in der sozialistischen Gesellschaft
• Wir achteten die Gesundheit der Arbeiter, indem der Staat alle Kosten der Gesunderhaltung übernahm, Betriebspolikliniken und Betriebs Ambulatorien einrichtete.
• Wir achteten die Gesundheit der Arbeitenden, indem fast alle einen bezahlbaren Urlaub durch den Feriendienst der Gewerkschaften erhielten.
• Wir achteten die polytechnische Bildung, weil sie in jungen Jahren an die Arbeit heranführte und ein rechtzeitiges Erkennen betrieblicher Probleme ermöglichte. Patenschaften zwischen Arbeitskollektiven und Schulklassen war ein weiteres Element der Einflussnahme.
• Wir achteten die kulturellen Initiativen und Leistungen der Arbeitenden mit der Durchführung von Arbeiterfestspielen oder Betriebsfestspielen und stifteten Auszeichnungen wie „Hervorragendes Volkskunstkollektiv der DDR“. Besonders gefördert wurden auch die „Schreibenden Arbeiter“ ( siehe Anlage )
• Wir ermöglichten über die Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft(AWG)ziel-und termingebunden eine Wohnung vertraglich zusichern (Anlage) Miethaie waren nicht zugelassen
Diese Werte und Anliegen waren eine solide Grundlage für den Aufbau und die Gestaltung der neuen Gesellschaft. Es waren Ansätze des neuen Menschen im Sozialismus. Alles wurde durch die bürgerliche Gesellschaft, durch die Konservativen vernichtet und wird heute verteufelt.

Die heutige Gesellschaft, die heutige Politik will mit der Delegitimierung und Verteuflung der DDR den Beweis erbringen, dass die Arbeiter und Bauern im Bündnis mit der Intelligenz nicht regierungsfähig sind.
Sie sprechen die Regierungsfähigkeit ab, wollen die DDR vollständig diskreditieren und aus den Gedanken der Deutschen streichen. Sie akzeptieren keine Alternative zum Kapitalismus und vernichten die Andersdenkenden durch Verleumdung. Die Arbeiter- und Bauern-Macht darf es nicht gegeben haben. Hinterhältig ist auch, dass sie die Arbeiter und Bauern und ihre neue Elite durch Schlagwörter beschimpfen, wie Bonzen, Unrechtsstaat oder Stasi. In allen diesen Fragen geht es ihnen um die Verneinung der Macht der Arbeiter und Bauern.
Auch wenn bei DDR Bürgern manchmal durch das Wirtschaftswunder BRD oder die vollgestopften Schaufenster im Westen einige Diskussionen entstanden. Sie erkannten trotzdem immer, den Westen ging es nicht darum, den Brüdern und Schwestern im Osten zu helfen, sondern es ging den Westen nur darum, die DDR zu destabilisieren.

Die Mangelwirtschaft schließt auch das Prinzip der Sparsamkeit ein. Das Prinzip der Sparsamkeit hat nichts mit Mangel zu tun. Es ist ein gesellschaftliches Anliegen, um alle Ressourcen sinnvoll auszunutzen und für nachfolgende Generationen zu erhalten. Das Prinzip der Sparsamkeit gilt für alle Bereiche der Gesellschaft bis in die Familie oder bis zu den Einzelnen. Es war ein Prinzip der Lebensgestaltung geworden. Das Prinzip der Sparsamkeit förderte den Gedanken, es muss alles erst erwirtschaftet werden und wird erst danach verteilt. Das traf auch auf den privaten Bereich zu. Die Schulden der einzelnen Bürger waren gering und die Belastungen durch Schulden und Kredite waren überschaubar, im Gegensatz zu heute. Die Atmosphäre unter den Menschen war durch die geringen Ungerechtigkeiten angenehmer, im Gegensatz zu heute.
Das Prinzip der Sparsamkeit verstand jeder und es bestimmte das Handeln.
Qualität erarbeiten, einarbeiten und erhalten, war die Losung der Mangelwirtschaft. Im Industriezweig Elektrische Konsumgüter hatten wir einen Dienstleistungs-Betrieb der Serviceaufgaben wahrnahm. An den Reparaturen konnte die Qualität abgelesen werden. Die Rückkoppelung auf den produzierenden Betrieb war zu jedem Zeitpunkt gewährleistet. Man erkannte sofort, was die Qualitätskontrolle übersehen hatte oder wo Festlegungen für Forschung und Entwicklung erforderlich waren.
Altmaterial sammeln war auch ein Aspekt der Sparsamkeit. Das Sammeln von Altmaterial wurde finanziell angereizt und die erwirtschafteten Einnahmen kamen der Gemeinschaft oder den Kollektiven wieder zugute. Pioniergruppen nahmen die Erlöse für eigene Veranstaltungen oder Klassenfahrten und die Hausgemeinschaften feierten in den Hausklubs oder örtlichen Einrichtungen. In den Hochhäusern mit 30 oder 40 Familien konnten sich die Erlöse sehen lassen.
Es konnte sich kein Unternehmer wie heute eine goldene Nase verdienen.
Bereits im Kindesalter griff die Sparsamkeit und sie war verbunden mit der Wertschätzung von Spielgegenständen durch Kinder wie Erwachsene. Waren Spielzeuge beschädigt, wurden sie gemeinsam repariert. Spielsachen wurden geachtet und Geschenke erst recht. Und heute entscheidet die Mutti und erzieht zum Wegwerfen. Alles was alt aussieht oder kaputt ist wird weggeworfen. Mein Urenkel erkannte schnell, erst wenn etwas kaputt ist, bekomme ich Neues. Es wird schon im Kindesalter die Wegwerfgesellschaft bewusst oder unbewusst gestaltet.

Die geschilderten Grundwerte des Sozialismus erhalten die Gesundheit der Menschen, sie schützen den Menschen und schützen die Natur. Sie wenden sich gegen die Wegwerfgesellschaft, gegen jegliche Vernichtung und so auch gegen kriegerische Ambitionen.
Sie produzieren
keinen Größenwahn,
kein Prestigedenken,
keine Geldgier,
keinen Hass,
keine Gewalt,
kein Erbschaftsgerangel,
keine Schuldenfallen,
keine Spielsucht,
keine Besserwisserei,
keine Pleiten und Insolvenzen, u. s. w.
Einige sagen, etwas davon gab es auch im Sozialismus. Das stimmt, aber diese Erscheinungen waren nicht gesellschaftlich bestimmend, sie prägten nicht die Gesellschaft und das Verhalten der Menschen in seiner Gesamtheit. Aus den Grundwerten der sozialistischen Gesellschaft kommen diese Wirkungen nicht. Welchen Einfluss Westfernsehen hatte, ist schwer einzuschätzen.

Heute wird das Verhalten der Menschen wesentlich bestimmt durch:
• die Lobbyisten in der Politik im Auftrag der Wirtschaft,
• die gleichgeschalteten Medien mit ihrer
Hysterie- und Sensationsberichterstattung um Angst zu verbreiten
oder Vorbilder, Helden und Wunder zu schaffen und
• den Lawinen der Werbung, um die Menschen zu manipulieren, was konsumiert werden soll.
• den übermäßigen Egoismus und dem Bestreben, wie die Reichen leben zu wollen, ohne ökonomische Voraussetzungen zu haben.

Dass die DDR-Bevölkerung die Werte und die Anliegen des Sozialismus schätzte, kann man an den Wahlergebnissen vom
7. Mai 1989 erkennen. Laut Kirche haben von 12,4 Mio. wahlberechtigten DDR Bürgern 11,2 Mio. den Sozialismus gewählt trotz Wahlboykott - Aufruf der Kirche und der Ankündigung der Grenzöffnung in Ungarn.
Zum Vergleich die Wahl vom 3. März 1990:
Zur Volkskammerwahl 1990 haben Von 12,4 Mio. Wahlberechtigten 4,7 Mio. CDU, 2,5 Mio. SPD und 1,9 Mio. PDS gewählt. Die DDR Bürger waren klug aber verunsichert, sie mussten sich nach den Machtverlust des Sozialismus neu orientieren. Der deutsche Kleinbürger hat sich wieder einmal durchgesetzt. ( Wahl 1990 siehe Anlage )

Bei der Umsetzung der Werte und Anliegen des Sozialismus ging es um 90% der DDR Bevölkerung. Im Kapitalismus geht es immer nur um 10% der Bevölkerung, die Reichen und Wohlhabenden eingeschlossen die Besserverdienenden. Haben sie schon einmal erlebt, dass die Reichen durch von ihnen verschuldeten Krisen existenziellen Schaden erlitten haben, in den seltensten Fällen. Die Wucht der Krisen trifft immer den Normalbürger.
Man muss die Erkenntnisse von Karl Marx immer wiederholen: Die Krisen und das Elend entstehen durch die anarchische Produktion im Kapitalismus, durch das chaotische unplanmäßige Produzieren der Konzerne und Betriebe, was zu Überproduktionskrisen führt. Dazu kommt das Problem der gesellschaftlichen Produktion und der privaten Aneignung, die soziale Ungerechtigkeit. Jede Privatisierung verschlimmert die Krisengefahr und verhindert die Möglichkeiten einer staatlichen Regulierung. Ausgezeichnete Beispiele sind die Finanzkrise und die Bankenkrise. Die zyklische Krise laut Karl Marx hat sich globalisiert. Die private Aneignung lt. Karl Marx und heute als Abzocke zu erkennen, hatten wir durch die zentralisierte Gewinnerwirtschaftung und Gewinnverwendung ersetzt. Damit wurden die soziale Gerechtigkeit und die soziale Sicherheit für alle Bürger gewährleistet. Selbst bei weniger Arbeit durch den technischen Fortschritt war ein bedingungsloses Grundeinkommen oder Bürgergeld möglich.
Deshalb forderten die Massendemonstrationen 1989, die Bürgerbewegung 1989 eine erneuerte DDR.

Kurt Masur, Gewandhauskapellmeister und „ Held von Leipzig“, formuliert in den Spiegelinterview, am 4.10.2010, auf die Frage vom Spiegel: „Sie klingen enttäuscht. War Ihre Hoffnung1989 so gewaltig?“
Masur: Das war der Himmel auf Erden. Ich habe nie wieder so viele glückliche Gesichter gesehen wie an jenen 9. Oktober. Eine friedliche Revolution. Sie war ein Beweis dafür, dass die Menschen in der DDR gelernt haben, politisch sehr bewusst zu handeln. Ich bin noch immer beeindruckt von ihrer Klugheit, auch von der Besonnenheit der Streitkräfte. Es ist an diesem Tag nicht einmal
eine Fensterscheibe zu Bruch gegangen.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-74090755.html

Anlagen: Anlage 1 Betriebszeitungen
Anlage 2 Volkskunstkollektive
Anlage 3 AWG
Anlage 4 Wahlen 1990

Eingefügt 4. Nov. 2011


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#2

RE: Mangelwirtschaft und Wegwerfgesellschaft

in Das Ende der DDR 03.11.2011 09:13
von brummitga (gelöscht)
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vor einigen Tagen gab es im Fernsehen eine interessante Diskussion zum Thema "Lebensmittel wegwerfen"
Die Teilnehmer -einschließlich der Frai Aigner als Ministerin- haben alle möglichen Ursachen für diese Verschwendung diskutiert. Ein Grund, und der ist für mich der wichtigste, wurde aber nicht angesprochen: Wir Verbraucher wollen zu jeder Zeit immer alles in genügender Menge haben. Warum muß das eigentlich so sein ? Können wir nicht einmal eine Woche ohne Bananen auskommen ? Würde das Land in Chaos versinken, wenn der Backshop bei REAL um 17:00 Uhr mal keine frischen Brötchen mehr anbietet ? Oder wird es nicht langsam Zeit, das Thema "MHD" endlich den Realitäten anzupassen ? Natürlich ist es für die großen Handelsketten uninteressant, was der Kunde mit der bezahlten Ware macht, schließlich wird sofort nachgeliefert (und damit Umsatz gemacht) Aber es betrifft ja nicht nur Lebensmittel. Wieviele Industrieprodukte werden verschrottet, weil irgendwo etwas neues aufgetaucht ist oder man sich was Neues kauft, weil das Alte "nicht mehr schön" ist. Ich hatte diese Woche die Möglichkeit, die die Schrott- und sonstigen Container eines großen Baumarktes zu sehen. Da kommen einem die Tränen, was dort alles entsorgt wird. Auch wenn ich jetzt für verrückt erklärt werde, aber die DDR-Mangelwirtschaft hatte in gewisem Sinne auch etwas Gutes: Es wurde nicht soviel erarbeitete Ware sinnlos vernichtet (und damit knappe Ressourcen); an der Redewendung "aus Sch... Gold machen" ist was dran und so ganz nebenbei war der gelernte DDR-Bürger auch kreativ. Tauschen und reparieren kamen weit vor wegwerfen und neu kaufen. Man könnte auch einmal die Frage stellen, was sooooo schlimm daran war, dass Kinder Altpapier, Flaschen usw. gesammelt haben (SERO). Damit wurde nebenbei auch anerzogen, die Werte der Arbeit zu achten. Ich habe es letztes Jahr in Island erlebt, wie Kinder in den Ferien die Parkanlagen der Stadt gepflegt haben. Auf meine Frage, warum das Kinder machen, kam eine für mich sehr logische Antwort: Die Kinder sollen lernen, dass alles erarbeitet werden muss und nicht vom Himmel fällt.

Gruß brummitga


zuletzt bearbeitet 03.11.2011 09:15 | nach oben springen

#3

RE: Mangelwirtschaft und Wegwerfgesellschaft

in Das Ende der DDR 03.11.2011 10:50
von utkieker | 2.911 Beiträge

Lieber Siggimann,

Nehmen wir die Wegwerfgesellschaft - eigentlich eine Wirtschaftsweise, die auf die Kurzlebigkeit der Produkte orientiert um die Konsumtion immer wieder neu anzukurbeln, manchmal macht sie Sinn, manchmal ist sie geradezu zwingend. Ich kenne Niemanden, der sein Präservativ auf die Leine hängt um es ein zweites mal zu benutzen auch aus hygienischen Gründen möchte ich davon abraten. Der größte Wirtschaftszweig, welcher auf Wegwurf orientiert, ist die Energiewirtschaft!
Man kann es drehen und wenden wie man will, Energie läßt sich nicht in einen Kreislauf zurücksetzen. Auch wenn man es immer wieder versucht (die Patentbibliotheken sind voll mit Perpetua mobila), einmal eingesetzte Energie bleibt für immer verloren. Was uns bleibt ist die Möglichkeit schonend mit den uns zu Verfügung stehenden Ressourcen umzugehen, ja es führt kein Weg daran vorbei planvoll zu handeln.
Bleibt also wieder der Reibungspunkt zwischen Planwirtschaft contra Marktwirtschaft? Nun Marktwirtschaft ist eigenlich nichts anderes als die von Marx beschriebene Marktwirtschaft der freien Konkurrenz und basiert auf eine "anarchische" Produktionsweise, d. h. jeder Produzent plant und kalkuliert für sich und reißt sich den Profit ins eigene Portemonaie. So weit zur politischen Ökonomie des Kapitalismus.
Nehme ich die politische Ökonomie der DDR, bleibt mir nur eines die Hände über den Kopf zu schlagen. Die Planwirtschaft der DDR war nichts weiter als eine Top- Down- Kommandowirtschaft, wo die Eckzahlen der Wirtschaft wichtiger waren als eine bedarfsgerechte Produktion! Abgesehen davon fanden Investionen zur Steigerung der Produktion wenn, dann nur sporadisch statt. Eine Erfüllung des Plansolls oder gar deren Überbietung wurde somit auf die Knochen der Arbeiter abgewälzt. Der erwirtschaftete Mehrwert fiel somit sehr bescheiden aus.
Eine Bottom- Up- Planung hätte aber demokratische Prinzipien in der volkseigenen Wirtschaft voraus gesetzt. Eine Ladenhüterproduktion ist nämlich genauso Energieverschwendung!

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#4

RE: Mangelwirtschaft und Wegwerfgesellschaft

in Das Ende der DDR 03.11.2011 12:13
von S51 | 3.733 Beiträge

Na ja.
Die Diskussion über die Wegwerfgesellschaft, gerade was Verschwendung bei Lebensmitteln betrifft, kommt doch nicht ungefähr in einer Zeit als seitens Handel und Lieferanten über die Preise der gelaufenen Ernte verhandelt wird. Wenn da jemand sagt "Lebensmittel sind zu billig" dann heißt das doch übersetzt nichts anderes als "wir wollen die Preise noch deutlicher erhöhen und brauchen eine Begründung".
In unserer Gesellschaft ist nicht Begrenzung das Ziel sondern Wachstum. Das heißt, man will immer mehr zu immer höheren Preisen verkaufen.
Damit der gemeine Bürger nicht zu sauer reagiert gibt man dem ganzen einen moralischen Touch.
Egal wie wir sparen würden, die ärmeren Regionen und hungernde Menschen hätten davon nichts. Weil sich die Preise nicht nur nach den Herstellungs- sondern eben auch Transportkosten richten. Ein Lieferant oder Hersteller wirtschaftlich nicht bestehen könnte, lieferte er zu nicht kostendeckenden Preisen. Weil Billiglieferungen in diese Regionen aber auch den örtlichen Handel und Wirtschaft zugrunde richten, der damit nicht konkurieren könnte.
Wie man an den Folgen unserer jahrzehntelangen Entwicklungshilfe sieht, haben wir eigentlich das totale Gegenteil des Gewünschten erreicht. Die Menschen leben eher weniger als gut von unseren Lieferungen während die ortsansässigen Hersteller von unseren Lieferungen praktisch zerstört werden. Ergebnis ist nicht weniger sondern immer mehr Hunger.
Die chinesische Variante ist ungleich unbequemer und härter aber anscheinend trotzdem besser. Politisch natürlich total unkorrekt.
Unsere ehemals sozialistische Variante hat anders funktioniert. Wettbewerb und Wachstumsglaube wurden durch den Plan reguliert. Merkmal von Plänen ist die fehlende Flexibilität. Merkmal von Wirtschaftsplänen ist ganz offensichtlich eine ähnliche Anfälligkeit für Störungen wie bei Fahrplänen und -Netzen der Bundesbahn. Soll heißen, irgendwas geht immer schief und das hat dann oft quasi globale Folgen.
Die Achtung vor der Arbeit und so weiter war doch eher Politgedöns denn praktisch war das nicht anders als in der Marktwirtschaft auch. Nur entspannter, weil man ja sowieso abgesichert war. Entspannter bedeutet aber auch immer eine Schwachstelle im Plan denn wer es locker sieht, den stören die paar folgende Verzögerungen weniger als den Rest der Welt.
Letzten Endes geht es dann immer weiter nach unten bis zumindest theoretisch 100 % Planerfüllung gleich 0 % Ergebnis sind. Theoretisch freilich nur, weil vorher der Laden zusammenbricht. Eben das ist uns passiert.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#5

RE: Mangelwirtschaft und Wegwerfgesellschaft

in Das Ende der DDR 03.11.2011 12:33
von TOMMI | 1.984 Beiträge

Zitat von brummitga
vor einigen Tagen gab es im Fernsehen eine interessante Diskussion zum Thema "Lebensmittel wegwerfen"
Die Teilnehmer -einschließlich der Frai Aigner als Ministerin- haben alle möglichen Ursachen für diese Verschwendung diskutiert. Ein Grund, und der ist für mich der wichtigste, wurde aber nicht angesprochen: Wir Verbraucher wollen zu jeder Zeit immer alles in genügender Menge haben. Warum muß das eigentlich so sein ? Können wir nicht einmal eine Woche ohne Bananen auskommen ? Würde das Land in Chaos versinken, wenn der Backshop bei REAL um 17:00 Uhr mal keine frischen Brötchen mehr anbietet ? Oder wird es nicht langsam Zeit, das Thema "MHD" endlich den Realitäten anzupassen ? Natürlich ist es für die großen Handelsketten uninteressant, was der Kunde mit der bezahlten Ware macht, schließlich wird sofort nachgeliefert (und damit Umsatz gemacht) Aber es betrifft ja nicht nur Lebensmittel. Wieviele Industrieprodukte werden verschrottet, weil irgendwo etwas neues aufgetaucht ist oder man sich was Neues kauft, weil das Alte "nicht mehr schön" ist. Ich hatte diese Woche die Möglichkeit, die die Schrott- und sonstigen Container eines großen Baumarktes zu sehen. Da kommen einem die Tränen, was dort alles entsorgt wird. Auch wenn ich jetzt für verrückt erklärt werde, aber die DDR-Mangelwirtschaft hatte in gewisem Sinne auch etwas Gutes: Es wurde nicht soviel erarbeitete Ware sinnlos vernichtet (und damit knappe Ressourcen); an der Redewendung "aus Sch... Gold machen" ist was dran und so ganz nebenbei war der gelernte DDR-Bürger auch kreativ. Tauschen und reparieren kamen weit vor wegwerfen und neu kaufen. Man könnte auch einmal die Frage stellen, was sooooo schlimm daran war, dass Kinder Altpapier, Flaschen usw. gesammelt haben (SERO). Damit wurde nebenbei auch anerzogen, die Werte der Arbeit zu achten. Ich habe es letztes Jahr in Island erlebt, wie Kinder in den Ferien die Parkanlagen der Stadt gepflegt haben. Auf meine Frage, warum das Kinder machen, kam eine für mich sehr logische Antwort: Die Kinder sollen lernen, dass alles erarbeitet werden muss und nicht vom Himmel fällt.

Gruß brummitga



Da erinnere ich mich an einen Vorfall zu meiner Zeit als Leiharbeiter.
Ich hatte in einem Milchhof gearbeitet. Die Abteilung, in der ich tätig war, stellte verschiedene sorten Jogurt her.
Mit im Programm war ein Kinder-Jogurt mit Bananenstückchen.
Nun geschah bei der Produktion einer Charge ein Fehler: Die Bananenstückchen fehlten!
Wie lautete die Anweisung? Vernichtung der kompletten Charge, mehrere Tonnen!
Eine Kostprobe ergab, dass das Zeugs einwandfrei schmeckte, das Bananen-Aroma war erhalten.
Man hätte es locker für verbilligte Preise, wenn nicht im Handel, so im Werksverkauf verkaufen können oder es
kostenlos abgeben können, wie zB an Kindergärten, etc.
Wir "vernichteten" dann den Jogurt, so gut es ging, auf unsere Weise: In unsere Mägen bzw durch Mitnehmen.
auf unser Risiko, erwischen hätte man uns nicht dürfen.


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#6

RE: Mangelwirtschaft und Wegwerfgesellschaft

in Das Ende der DDR 04.02.2012 17:05
von Jawa 350 | 676 Beiträge

Zitat von TOMMI

Zitat von brummitga
vor einigen Tagen gab es im Fernsehen eine interessante Diskussion zum Thema "Lebensmittel wegwerfen"
Die Teilnehmer -einschließlich der Frai Aigner als Ministerin- haben alle möglichen Ursachen für diese Verschwendung diskutiert. Ein Grund, und der ist für mich der wichtigste, wurde aber nicht angesprochen: Wir Verbraucher wollen zu jeder Zeit immer alles in genügender Menge haben. Warum muß das eigentlich so sein ? Können wir nicht einmal eine Woche ohne Bananen auskommen ? Würde das Land in Chaos versinken, wenn der Backshop bei REAL um 17:00 Uhr mal keine frischen Brötchen mehr anbietet ? Oder wird es nicht langsam Zeit, das Thema "MHD" endlich den Realitäten anzupassen ? Natürlich ist es für die großen Handelsketten uninteressant, was der Kunde mit der bezahlten Ware macht, schließlich wird sofort nachgeliefert (und damit Umsatz gemacht) Aber es betrifft ja nicht nur Lebensmittel. Wieviele Industrieprodukte werden verschrottet, weil irgendwo etwas neues aufgetaucht ist oder man sich was Neues kauft, weil das Alte "nicht mehr schön" ist. Ich hatte diese Woche die Möglichkeit, die die Schrott- und sonstigen Container eines großen Baumarktes zu sehen. Da kommen einem die Tränen, was dort alles entsorgt wird. Auch wenn ich jetzt für verrückt erklärt werde, aber die DDR-Mangelwirtschaft hatte in gewisem Sinne auch etwas Gutes: Es wurde nicht soviel erarbeitete Ware sinnlos vernichtet (und damit knappe Ressourcen); an der Redewendung "aus Sch... Gold machen" ist was dran und so ganz nebenbei war der gelernte DDR-Bürger auch kreativ. Tauschen und reparieren kamen weit vor wegwerfen und neu kaufen. Man könnte auch einmal die Frage stellen, was sooooo schlimm daran war, dass Kinder Altpapier, Flaschen usw. gesammelt haben (SERO). Damit wurde nebenbei auch anerzogen, die Werte der Arbeit zu achten. Ich habe es letztes Jahr in Island erlebt, wie Kinder in den Ferien die Parkanlagen der Stadt gepflegt haben. Auf meine Frage, warum das Kinder machen, kam eine für mich sehr logische Antwort: Die Kinder sollen lernen, dass alles erarbeitet werden muss und nicht vom Himmel fällt.

Gruß brummitga



Da erinnere ich mich an einen Vorfall zu meiner Zeit als Leiharbeiter.
Ich hatte in einem Milchhof gearbeitet. Die Abteilung, in der ich tätig war, stellte verschiedene sorten Jogurt her.
Mit im Programm war ein Kinder-Jogurt mit Bananenstückchen.
Nun geschah bei der Produktion einer Charge ein Fehler: Die Bananenstückchen fehlten!
Wie lautete die Anweisung? Vernichtung der kompletten Charge, mehrere Tonnen!
Eine Kostprobe ergab, dass das Zeugs einwandfrei schmeckte, das Bananen-Aroma war erhalten.
Man hätte es locker für verbilligte Preise, wenn nicht im Handel, so im Werksverkauf verkaufen können oder es
kostenlos abgeben können, wie zB an Kindergärten, etc.
Wir "vernichteten" dann den Jogurt, so gut es ging, auf unsere Weise: In unsere Mägen bzw durch Mitnehmen.
auf unser Risiko, erwischen hätte man uns nicht dürfen.




Es gibt aber auch ein anderes Beispiel: Beim Fabrikverkauf bei Müllermilch wurde schon solcher Jopgurt verkauft. Dieser hatte ein falsches Etikett.


MfG
Jawa350
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#7

RE: Mangelwirtschaft und Wegwerfgesellschaft

in Das Ende der DDR 20.09.2013 23:58
von SET800 | 3.090 Beiträge

Hallo, welche Mängel, was fehlte den wirklich in der DDR von 1969 - 1979?

Mussten Menschen hungern, gab es wegen fehlendem Obst und gemüse Erkrankungen? Musste Kinde rim Sommer Barfuß und nackig rumlaufen weil Kleidung nicht vorhanden waren, dreckig weil Seife und waschmittel nicht vorhanden waren.

Sass man im Dunkeln weil Glühlampen oder Strom alle waren? Gabe es keine Briketts oder kein Gas für die Küchenherde?

20km Fußweg zur Arbeit weil der Reichsbahn oder dem Bus Diesel fehlten?

Schüler und Studenten ohne Fachbücher?

(Poly)Kliniken knapp aber ohne Verbandsmaterial oder Röntgenfilme?

Ersatzfensterglas nach Hagelunwetter, jahrelang reinregen in die Wohnung?


Unterschied DDR-BRD, oder die Qaulität der Wirtschaftspolitik der DDR:

Die Menschen der DDR lebten mit gleichem oder gar besseren Wohlstand als die der "Führungsnation" UdSSR, durch Dollarkurs, Militärexpeorte, Leizenspolitik und sonstiger kapitalistisch gefärbter Tributzahlungen waren die USA während des kalten Krieges immer im Schlaraffenland betreff Privatverbrauch inde rMehrehit, deutlich oberhalb der "Vasallen"! Schlimme Armut gab es in den USA auch, bekannt.

Vom DDR-Leben zu dem in der UdSSR gab es kein Wohlstandsgefälle, den Russen ging es nicht besser, nicht im schnitt.!



DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.09.2013 00:04 | nach oben springen



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