#1

Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 17.10.2011 20:57
von Uffz (gelöscht)
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Ich habe mich manchmal gefragt, nach welchen Kriterien die Soldaten für die GT ausgesucht wurden. Nach gesundheitlicher Eignung nämlich ganz bestimmt nicht.

Ich erinnere mich an einen Soldaten aus der 1. oder 2. Kp. in Dittrichshütte. Der war, selbst mit Brille, so blind wie ein Maulwurf.

Bei der Schießausbildung in Ruppersdorf lag ich neben ihn. Mit einem Zielspiegel (wie das Ding genau hieß weiß ich nicht mehr) musste ich kontrollieren, ob er die Scheibe richtig anvisiert. Schon beim Suchen des Ziels (eine mannshohe weiße Scheibe in 150 m Entfernung) merkte ich, dass er im wahrsten Sinn des Wortes ziellos durchs Gelände irrte. Zunächst dachte ich, er wäre nur aufgeregt und redete beruhigend auf ihn ein. Dann hielte er die Waffe zwar still, jedoch viel zu hoch. Ich fragte ihn, und meinte es eigentlich ironisch, ob er denn die weise Scheibe nicht sieht. Die Antwort war völlig überraschend, „ich sehe nur die hellen Flecken da vorn“.

Zwischenzeitlich hatten alle geschossen. Nur wir zwei lagen noch da ohne einen Schuss abgegeben zu haben. Alle anderen mussten deshalb auch liegen bleiben und warten. Von hinten hörte ich den KC, der wissen wollte was los ist. Da mir nichts besseres einfiel, habe ich zu den Soldaten gesagt er soll die Waffe auf einen der hellen Flecke richten und schießen wenn ich es sage. Das hat er getan. Die Geschosse schlugen irgendwo im Gelände ein.

Ich weiß nicht was aus dem Soldaten geworden ist. Kann nur hoffen, dass man ihn nicht an den Kanten versetzt hat. Er wäre ganz bestimmt nicht abgehauen. Trotzdem wäre es für alle gefährlich gewesen. Er hätte auf 50 Meter ein Reh nicht von einem Menschen unterscheiden können.

Dieser Soldat war nicht der einzige. Ein anderer hatte einen Herzfehler von dem niemand was wusste. Der ist auf der Sturmbahn bewusstlos zusammengebrochen. Mit jeder Einberufung kamen Leute, die aus gesundheitlichen Gründen mehr oder weniger nicht in der Lage waren die Anforderungen zu erfüllen. Die Hütte war schon für Gesunde nicht einfach. Für Herzkranke war es aber ganz bestimmt lebensgefährlich.

Vielleicht gibt es jemanden im Forum der sagen kann, wie man die Soldaten für die GT ausgesucht hat? Was für Kriterien waren wichtig und was nicht? Oder war es reine Lotterie?


zuletzt bearbeitet 17.10.2011 20:59 | nach oben springen

#2

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 17.10.2011 21:18
von Rostocker | 7.734 Beiträge

Zitat von Uffz
Ich habe mich manchmal gefragt, nach welchen Kriterien die Soldaten für die GT ausgesucht wurden. Nach gesundheitlicher Eignung nämlich ganz bestimmt nicht.

Ich erinnere mich an einen Soldaten aus der 1. oder 2. Kp. in Dittrichshütte. Der war, selbst mit Brille, so blind wie ein Maulwurf.

Bei der Schießausbildung in Ruppersdorf lag ich neben ihn. Mit einem Zielspiegel (wie das Ding genau hieß weiß ich nicht mehr) musste ich kontrollieren, ob er die Scheibe richtig anvisiert. Schon beim Suchen des Ziels (eine mannshohe weiße Scheibe in 150 m Entfernung) merkte ich, dass er im wahrsten Sinn des Wortes ziellos durchs Gelände irrte. Zunächst dachte ich, er wäre nur aufgeregt und redete beruhigend auf ihn ein. Dann hielte er die Waffe zwar still, jedoch viel zu hoch. Ich fragte ihn, und meinte es eigentlich ironisch, ob er denn die weise Scheibe nicht sieht. Die Antwort war völlig überraschend, „ich sehe nur die hellen Flecken da vorn“.

Zwischenzeitlich hatten alle geschossen. Nur wir zwei lagen noch da ohne einen Schuss abgegeben zu haben. Alle anderen mussten deshalb auch liegen bleiben und warten. Von hinten hörte ich den KC, der wissen wollte was los ist. Da mir nichts besseres einfiel, habe ich zu den Soldaten gesagt er soll die Waffe auf einen der hellen Flecke richten und schießen wenn ich es sage. Das hat er getan. Die Geschosse schlugen irgendwo im Gelände ein.

Ich weiß nicht was aus dem Soldaten geworden ist. Kann nur hoffen, dass man ihn nicht an den Kanten versetzt hat. Er wäre ganz bestimmt nicht abgehauen. Trotzdem wäre es für alle gefährlich gewesen. Er hätte auf 50 Meter ein Reh nicht von einem Menschen unterscheiden können.

Dieser Soldat war nicht der einzige. Ein anderer hatte einen Herzfehler von dem niemand was wusste. Der ist auf der Sturmbahn bewusstlos zusammengebrochen. Mit jeder Einberufung kamen Leute, die aus gesundheitlichen Gründen mehr oder weniger nicht in der Lage waren die Anforderungen zu erfüllen. Die Hütte war schon für Gesunde nicht einfach. Für Herzkranke war es aber ganz bestimmt lebensgefährlich.

Vielleicht gibt es jemanden im Forum der sagen kann, wie man die Soldaten für die GT ausgesucht hat? Was für Kriterien waren wichtig und was nicht? Oder war es reine Lotterie?



Wie soll man das so sagen.Ein Lotteriespiel war das nicht--da steckte System dahinter.Zuerst wurden die meisten als Mot.Schütze gemustert.Die man dann zum Grenzdienst vorsah--wurden von anderen staatlichen Organen überprüft. In dem man von Arbeitskollektiv in den sie arbeiteten,Beurteilungen anforderte.Also musste sich der Meister und Brigadier hinsetzen und über einen eine Einschätzung abgeben.Es wurde auch in der Nachbarschaft wo man wohnte, sich über einen erkundigt.Ich selber glaube nicht.das jemand ohne Überprüfung seiner Person zu den GT gezogen wurde--wer das Gegenteil behauptet belügt sich selber. Gruß Rostocker


zuletzt bearbeitet 17.10.2011 21:20 | nach oben springen

#3

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 17.10.2011 21:26
von damals wars | 12.216 Beiträge

Bei meiner Vorstellung hatte ich schon geschrieben, das an der Uffz. Schule Grenztruppen so ziehmlich alle genommen wurden.

Wir nannten den ersten Zug bei uns Invalidenzug.
Leute, die sich schon mehrfach die Knochen gebrochen hatte usw.
Für eine Riesen "mit 200 kg" musste ein extra Mantel genäht werden, auch zwei Koppel wurden zusammengenäht, die dann gerade so um den Mann passten.
Dann waren da welche mit unegalen Füssen etc.

Und, wie schon beschrieben, konnten die natürlich nicht marschieren und bescherten uns so manche Extrarunde, als ob das Marschieren dann besser geklappt hätte!
Viele aus dem ersten Zug hatten sich freiwillig gemeldet, um dann ausgemustert zu werden.
Aber denkste. Es fand sich für jeden eine Verwendung.
Trotz wiederholter Vorsprachen bei den Ärzten.

Der Einzige, der die Ausmusterung geschafft hat, habe ich im Med. Punkt kennengelernt.
Der hatte versucht, sich mit einem Kamm die Pulsadern aufzuschneiden. Der wurde auf Grund seinen Übergewichts von einem Vorgesetzten so schikaniert, das er keinen anderen Ausweg sah.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#4

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 17.10.2011 21:45
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

@ uffz. deine geschichte stammt doch nicht etwa aus dem lehrgang mai 81- oktober 81? denn dort kann ich solche fälle bestätigen, besonders die story mit dem aschenbecher tragenden (brille) und dem herzkranken kommt mir bekannt vor. war in der nachbarkompanie und es gab ne menge fez bis oben wegen einem herzkranken.
nach was die aussuchten ist mir bis heute unbekannt. meine verwandschaft kommt aus nürnberg und ich war im kurzen raum dahin gezogen worden, raum coburg westlicher seite.

ek 82/2


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
zuletzt bearbeitet 17.10.2011 21:47 | nach oben springen

#5

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 17.10.2011 22:27
von Uffz (gelöscht)
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Hi EK,

ich weiß nicht mehr welcher Lehrgang es war. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass zumindest der mit den Lupen auf den Augen in Eurer Kp.war.


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#6

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 17.10.2011 22:40
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Zitat von Uffz
Hi EK,

ich weiß nicht mehr welcher Lehrgang es war. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass zumindest der mit den Lupen auf den Augen in Eurer Kp.war.


dann war es unsere zeit, so einen hatten wir und der herzkranke müßte zur selben zeit bei euch gewesen sein.


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#7

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 17.10.2011 23:02
von Uffz (gelöscht)
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Ich weiß wirklich nicht mehr, ob der Herzkranke bei uns in der Kp. war. Es war das "Tagesthema" auf der Hütte. Der Junge ist ins Krankenhaus gekommen. Dort erst hat man festgestellt, dass er einen Herzfehler hat. Er hätte nie einer solchen Belastung ausgesetzt werden dürfen.


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#8

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 17.10.2011 23:36
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

@ uffz ich kam nur nochmal ins forum um dir zu antworten. die geschichte ist mir bekant und ansonsten bin ich jetzt entgültig weg hier. frag nicht warum, ich antworte nicht mehr weil ich mich nicht einlogge. diese dinge geschahen so wie du sie beschrieben hast. das glaubt uns heute keiner was auf der hütte abging.
ek 82/2


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
zuletzt bearbeitet 17.10.2011 23:52 | nach oben springen

#9

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 18.10.2011 04:58
von Theo85/2 | 1.201 Beiträge

1985 im Herbst ist in Dittrichshütte beim Frühsport ein Soldat tot umgefallen, der hatte auch einen Herzfehler.
Das Objekt war zu der Zeit schon fast leer, der Soldat war Angehöriger einer NABK. Der Kc. war eigentlich unser Kc., welcher für die Dauer der Ausbildung nach Dittrichshütte kommandiert war.

Theo 85/2


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#10

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 18.10.2011 09:56
von S51 | 3.733 Beiträge

Überprüft wurde schon jeder. Zumindest theoretisch denn gar nicht selten scheint selbst bei dort der spitze Bleistift eines seiner Hauptarbeitsgebiete gehabt zu haben.
Für die medizinische Seite gab es die Musterung. Wer jedoch so mit der Zeit mitbekam, welcher Art Versehrte da auftauchten, der erwarb sich bleibende Zweifel an der Objektivität unserer Götter in Weiß. Blinde hatten wir nicht jedoch Leute, die ohne Brille keine drei Meter weit sehen konnten schon und sogar Nachtblinde als UaZ. Das hatte am Kanten eine ganz besondere Note...
Aber das Schicksal oder besser, der KC, meinte es noch gut mit ihm. Er war dann, glaub ich, den Rest seiner Zeit mal Küchenbulle, mal Waffen-Uffz.
Und was die beruflichen Qualitäten betraf, da hatte die NVA wohl gleiche Kriterien analog der deutschen Armeen vor ihr. Ohne Rücksicht auf Fähigkeiten wurde nach Masse dorthin gestopft, wo eben wer fehlte. Nur für Spezialisten wurde gesiebt, oft jedoch erst nach der Grundausbildung.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#11

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 18.10.2011 18:34
von TOMMI | 1.992 Beiträge

Wir hatten einen bei uns, der nur eine Niere hatte. 2/3 der Ausbildung absolvierte er gemeinsam mit uns. Als die Beschwerden bei ihm, ua. mehrere schwere Koliken zunahmen, wurde er schließlich ausgemustert. Man gab sogar zu, dass bei ihm eine "Fehlmusterung" vorlag.
Ein anderer, der ebenfalls nicht zu einer bewaffneten Truppe und schon gar nicht in eine Unteroffiziersschule gehört hatte und trotzdem bei uns war, war schlicht und einfach plemm-plemm. Aber dieser jemand wurde nicht ausgemustert, sondern von Perleberg nach Glöwen versetzt. Zu ihm war man höflich und sagte ihm, dass er wegen "seiner Aussprache" kein Unteroffizier werden könne.
Dass er nach Glöwen kam, führte bei uns zu der irrtümlichen Annahme, dass Glöwen Sammelpunkt für derartige Fälle war. Als einmal
zu einer Veranstaltung im Clubhaus ein LKW mit Glöwenern kam, sagte jemand: "Da kommt Glöwen, da kommen die Doofen."


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#12

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 18.10.2011 19:00
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Zitat von Uffz
Ich habe mich manchmal gefragt, nach welchen Kriterien die Soldaten für die GT ausgesucht wurden. Nach gesundheitlicher Eignung nämlich ganz bestimmt nicht.

Ich erinnere mich an einen Soldaten aus der 1. oder 2. Kp. in Dittrichshütte. Der war, selbst mit Brille, so blind wie ein Maulwurf.
Bei der Schießausbildung in Ruppersdorf lag ich neben ihn. Mit einem Zielspiegel (wie das Ding genau hieß weiß ich nicht mehr) musste ich kontrollieren, ob er die Scheibe richtig anvisiert. Schon beim Suchen des Ziels (eine mannshohe weiße Scheibe in 150 m Entfernung) merkte ich, dass er im wahrsten Sinn des Wortes ziellos durchs Gelände irrte. Zunächst dachte ich, er wäre nur aufgeregt und redete beruhigend auf ihn ein. Dann hielte er die Waffe zwar still, jedoch viel zu hoch. Ich fragte ihn, und meinte es eigentlich ironisch, ob er denn die weise Scheibe nicht sieht. Die Antwort war völlig überraschend, „ich sehe nur die hellen Flecken da vorn“.

Zwischenzeitlich hatten alle geschossen. Nur wir zwei lagen noch da ohne einen Schuss abgegeben zu haben. Alle anderen mussten deshalb auch liegen bleiben und warten. Von hinten hörte ich den KC, der wissen wollte was los ist. Da mir nichts besseres einfiel, habe ich zu den Soldaten gesagt er soll die Waffe auf einen der hellen Flecke richten und schießen wenn ich es sage. Das hat er getan. Die Geschosse schlugen irgendwo im Gelände ein.

Ich weiß nicht was aus dem Soldaten geworden ist. Kann nur hoffen, dass man ihn nicht an den Kanten versetzt hat. Er wäre ganz bestimmt nicht abgehauen. Trotzdem wäre es für alle gefährlich gewesen. Er hätte auf 50 Meter ein Reh nicht von einem Menschen unterscheiden können.

Dieser Soldat war nicht der einzige. Ein anderer hatte einen Herzfehler von dem niemand was wusste. Der ist auf der Sturmbahn bewusstlos zusammengebrochen. Mit jeder Einberufung kamen Leute, die aus gesundheitlichen Gründen mehr oder weniger nicht in der Lage waren die Anforderungen zu erfüllen. Die Hütte war schon für Gesunde nicht einfach. Für Herzkranke war es aber ganz bestimmt lebensgefährlich.

Vielleicht gibt es jemanden im Forum der sagen kann, wie man die Soldaten für die GT ausgesucht hat? Was für Kriterien waren wichtig und was nicht? Oder war es reine Lotterie?




Vielleicht liegt ja in deinem 4. Satz des Rätsels Lösung für die "Einstellung" als Greso !

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#13

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 18.10.2011 19:35
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Die Mitarbeiter des MfS mögen mir meine Aussage verzeihen, aber ich konnte einfach nicht anders, als ich das laß !

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#14

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 18.10.2011 19:55
von GKUS64 | 1.613 Beiträge

Ich wurde 1963 zur Flak gemustert. Im Herbst erhielt ich dann die Einberufung nach Eisenach, "du kommst da zur Grenze" sagten mir meine Kumpels. Ich war echt überrascht. Ich nehme wirklich an, dass damals wirklich das Kriterium "keine Westverwandten" vorrangig galt. Das ergab sich auch aus den Gesprächen mit den anderen. Überprüft wurde ich natürlich auch , Nachbarschaftsbefragungen, Betrieb usw.
In meiner Stasi-Akte waren die befragten Personen und ihre Aussagen sogar teilweise ungeschwärzt zu lesen!Zum Reservedienst wurde ich nie mehr geholt.

Ein Glück, dass dieser Quatsch vorbei ist!

Einen schönen Abend wünscht

GKUS64


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#15

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 18.10.2011 20:46
von Boelleronkel (gelöscht)
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Mangelwirtschaft Personalfrage?
Der ständige "Schiss"das Personal die Seiten wechselt....

Bevor gezogen wurde,klar Musterung....
Ob da nun Nachrichten,Militärktaftfahrer im Verwendungszwech stand spielte vielleicht zu Beginn nicht die entscheidende Rolle.
Westverwandschaft?...hatten doch Viele,mehr oder weniger im permanenten Kontakt....
Letzte Frage bei einer Musterung...."Sind Sie bereit die Grenze der DDR....(falls jemand den genauen Text noch kennt???)

Denke mal bis zur eigentlichen Einberufung hatten die Genossen doch alle Zeit...so viel an Infos aus den zur Verfügung stehenden Jahrgängen zu sammeln..bis die Zahl die man braucht stimmte.
Sicher,es gab Leuts die in Schule,Betrieb,Nachbarn(konnte ja auch der Nachbar selbst sein) Auskunft erfragten oder gaben.
Letztlich als es noch 6 Monate Grundausbildung gab,so meine Meinung, wurde die "letzte Wahl"im GAR getroffen.
Da wurden doch die Leuts für z.B.Stabskompanie...(Furpark,Küche,Ausbildung etc....bis zum Musikus im Klub) erst aus den Kompanien zusammengewürfelt.
Das das Alles im weitem Vorfeld gelaufen sein soll...denke ich nicht..vielleicht eher nur bei den "Fälle wo man meinte",vielleicht doch ein klarer Fluchtkandidat(woraus auch immer man das entnehmen wollte).

Wie GKUS64 schon schrieb und wir hier schon erörtert haben...
Auch uns hat man klipp undklar gesagt,sehr unwahrscheinlich jemals wieder zu den GT einberufen zu werden.

Reserve bei GT für ehemalige AGT ist doch erst in den Achzigern aufgekommen?
Kann mich ja irren,aber das war wohl eine Frage des immer grösser werdenden Personalmangels und dem Wunsch nicht zur Grenze zu kommen.

Gruss BO


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#16

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 19.10.2011 12:59
von GeMi | 556 Beiträge

Zitat von Boelleronkel
Mangelwirtschaft Personalfrage?


Reserve bei GT für ehemalige AGT ist doch erst in den Achzigern aufgekommen?





Hallo,

wir hatten 1977/78 Reservisten aus Berlin am Kanten. Die waren alle Mitte 30.
Diese waren die Ruhe in Person und standen bei allen unter Naturtschutz.


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
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#17

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 19.10.2011 17:52
von Adam | 145 Beiträge

hallo!! gemustert wurde ich zur Ari,und zur einberufungsmusterung hies es dan sie können sich glücklichschätzen ihren dienst bei den grenztruppen der ddr antreten zu dürfen, mfs überprüfung gab es bei mir auch,nachbarn und betrieb, gruß Adam ach so:reservisten hatten wir auch in Pfaffi,stimmt die waren die ruhe selbst und super kameraden!!


Ausbildung:GAR.7 Halberstadt 02.11.1984-25.04.1985
Grenzdienst:GR1/GK1 Pfaffschwende 25.04.1985-29.04.1986
zuletzt bearbeitet 19.10.2011 18:38 | nach oben springen

#18

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 19.10.2011 19:33
von Boelleronkel (gelöscht)
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Zitat von GeMi

Zitat von Boelleronkel
Mangelwirtschaft Personalfrage?


Reserve bei GT für ehemalige AGT ist doch erst in den Achzigern aufgekommen?





Hallo,

wir hatten 1977/78 Reservisten aus Berlin am Kanten. Die waren alle Mitte 30.
Diese waren die Ruhe in Person und standen bei allen unter Naturtschutz.





Jaja GeMi,
das glaub ich gern...ab und an waren schon Resis dabei und "Naturschutz"ist auch klar.

Ich meinte die Menge(die Masse),die zahlenmässige Summe....an gezogenen Reservisten zur Grenze.
Hätt ick ja so auch schreiben müssen.
Also sorry.

Da wär ich glatt der Meinung,das die Anzahl in den 80igern....wirklich gesteigert wurde und meine eben immer noch aus "Personalmangel"....
Desweiteren würd ich sagen,das die Anzahl ,von "Grenztruppenverweigerern"immer mehr wurden....

Hätte also ein klares Nein zur Waffenanwendung(also vom Gemusterten) an der Grenze,dazu geführt,das man wenigstens nicht direkt an den "Kanten"kam?
Wie seht Ihr das,vielleicht ein paar Eindrücke oder Erfahrungen.
Gruss BO


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#19

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 19.10.2011 19:59
von Greso | 2.377 Beiträge

Zitat von Oss`n

Zitat von Uffz
Ich habe mich manchmal gefragt, nach welchen Kriterien die Soldaten für die GT ausgesucht wurden. Nach gesundheitlicher Eignung nämlich ganz bestimmt nicht.

Ich erinnere mich an einen Soldaten aus der 1. oder 2. Kp. in Dittrichshütte. Der war, selbst mit Brille, so blind wie ein Maulwurf.
Bei der Schießausbildung in Ruppersdorf lag ich neben ihn. Mit einem Zielspiegel (wie das Ding genau hieß weiß ich nicht mehr) musste ich kontrollieren, ob er die Scheibe richtig anvisiert. Schon beim Suchen des Ziels (eine mannshohe weiße Scheibe in 150 m Entfernung) merkte ich, dass er im wahrsten Sinn des Wortes ziellos durchs Gelände irrte. Zunächst dachte ich, er wäre nur aufgeregt und redete beruhigend auf ihn ein. Dann hielte er die Waffe zwar still, jedoch viel zu hoch. Ich fragte ihn, und meinte es eigentlich ironisch, ob er denn die weise Scheibe nicht sieht. Die Antwort war völlig überraschend, „ich sehe nur die hellen Flecken da vorn“.

Zwischenzeitlich hatten alle geschossen. Nur wir zwei lagen noch da ohne einen Schuss abgegeben zu haben. Alle anderen mussten deshalb auch liegen bleiben und warten. Von hinten hörte ich den KC, der wissen wollte was los ist. Da mir nichts besseres einfiel, habe ich zu den Soldaten gesagt er soll die Waffe auf einen der hellen Flecke richten und schießen wenn ich es sage. Das hat er getan. Die Geschosse schlugen irgendwo im Gelände ein.

Ich weiß nicht was aus dem Soldaten geworden ist. Kann nur hoffen, dass man ihn nicht an den Kanten versetzt hat. Er wäre ganz bestimmt nicht abgehauen. Trotzdem wäre es für alle gefährlich gewesen. Er hätte auf 50 Meter ein Reh nicht von einem Menschen unterscheiden können.

Dieser Soldat war nicht der einzige. Ein anderer hatte einen Herzfehler von dem niemand was wusste. Der ist auf der Sturmbahn bewusstlos zusammengebrochen. Mit jeder Einberufung kamen Leute, die aus gesundheitlichen Gründen mehr oder weniger nicht in der Lage waren die Anforderungen zu erfüllen. Die Hütte war schon für Gesunde nicht einfach. Für Herzkranke war es aber ganz bestimmt lebensgefährlich.

Vielleicht gibt es jemanden im Forum der sagen kann, wie man die Soldaten für die GT ausgesucht hat? Was für Kriterien waren wichtig und was nicht? Oder war es reine Lotterie?




Vielleicht liegt ja in deinem 4. Satz des Rätsels Lösung für die "Einstellung" als Greso !

Oss`n




Häää. Ich ???
Greso


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#20

RE: Musterung für die GT – ein Lotteriespiel?

in Grenztruppen der DDR 19.10.2011 20:17
von Jawa 350 | 676 Beiträge

Ich wurde damals - wahrscheinlich durch meine Tätigkeit in der Landwirtschaft (Geländererfahrungen) als Panzerfahrer gemustert.

Mit dem Einberufungsbefehl (1964) landete ich dann mit 9 weiteren zur Kraftfahrerausbildung in Eisenach. Diese 9 "Genossen" waren alles Kraftfahrer im zivilen Leben - davon wieder 6 aus dem Bereich Landwirtschaft! Ich denke damals war schon eine gewisse Methode dabei. Wir mussten natürlich in Eisenach "Fahrschule" machen, aber andere und ich kannten unseren Ausbilder aus dem zivilen Leben - deshalb haben wir dabei so manche Rundfahrt durch Thüringen gemacht.

Übrigens mein Opa wohnte zu dieser Zeit bis zu seinen Tod (1976) in Westberlin - also hat das bei der Musterung keine Rolle gespielt.


MfG
Jawa350
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