#701

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 17.06.2015 08:18
von furry | 3.572 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #700

Wenn ich in der Grenzkompanie sagte: Ich befehle! passierte es mir im besten Fall, das ich ein unappetitliches Angebot bekam.



Was passierte denn im schlechtesten Fall?


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#702

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 17.06.2015 09:57
von exgakl | 7.235 Beiträge

Zitat von Mart im Beitrag #689
Zitat von Fritze im Beitrag #688
Weisst Du noch ob es gekochte Eier oder Rühereier gab ?


Leider nicht so wirklich. Man merkt sich ja, was sich wiederholt. Und so gesehen hatte ich auch nur das halbe Jahr als Uschi. Und dann immer als UvD stehend im US-Speisesaal.

Hmm, was ist noch in meinem Gedächtnis? Einiges ist Wiederholung, schrieb ich schon mal.

Theoretische Essenszeit war früh, mittags und abends je 20 Minuten. Von denen gingen aber fünf Minuten ab: Einmarsch, Essenausgabe, "Fertigwerden!". Und das war noch die Idealversion. Denn das war für den UvD kaum einzuhalten: Die Kampanie kam zu spät von Ausbildung oder strödelte beim Heraustreten oder beim Antreten auf dem Ex-Platz. Als UvD war man da zwischen Baum und Borke, denn andererseits waren Essenszeiten heilig, da konnte schon ein ordentlicher Anschiss abfallen.

Obwohl das der erweitere Verpflegungssatz GT war, war das Essen eher spärlich:

Früh drei Brötchen, knapp bemessen Butter, Löffel Marmelade aus dem Pappeimer, drei Scheiben Wurst und manchmal Schmierkäse. Übrigens kann ich mich nicht an Puddingsuppe erinnern.

Mittags ist klar. Dazu gab es ab und an einen Apfel oder eine Nachspeise.

Abends Graubrot, knapp bemessen Butter, drei Scheiben Wurst usw. Ab und an noch grünen Salat.

Ich erzählte es schon: Wenn man als UaZ an der U-Schule verblieb, änderte sich das: Da aß man im Speisesaal der BU. Es standen einem nur die normale Truppenverpflegung zu, also das was die Uschis auch bekamen. Und da standen tatsächlich drei solche Teller, direkt neben der Abwäsche. Und daher schmeckte das alles nach Fit.

Man konnte aber inoffiziell am Wahlessen der BU teilnehmen: Früh und abends Büffet, Mittags drei Wahlessen, dazu wählbare Nachspeise. Das war für DDR-Verhältnisse schon eine ganz andere Liga. An der Kasse gab man seine Essensmarke ab, den Mehrpreis muste man bar zahlen.




@Mart ich hole mal einen alten Beitrag von dir hoch, da liest sich das mit der Verpflegung noch ein bisschen anders.....


#411 RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg in Grenztruppen der DDR
03.06.2012 02:57

von Mart • | 429 Beiträge • messageNachricht senden | profileProfil ansehen | Verwarnen | Zitat vormerken
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Also ich kenne alle Speisesäle, alle. Ich habe darüber auch schon ausführlich geschrieben. Ich weiß nicht, was Du da gesehen hast, also einen Speiseplan im Offz-Speiseraum erinnere ich mich wirklich nicht. Die Batzen bekamen genau das, was es im Uffz-Speiseraum auch gab. lediglich mit einer süßen Plastetischdecke drunter und einem lustigen Plasteblümchen auf dem Tisch.


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#703

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 17.06.2015 11:10
von Fritze | 3.474 Beiträge

@exgakl Die Erinnerung wird bei uns "älteren " Männern nicht besser ! Irgendwann verblasst mit Hilfe der äusseren Einflüsse alles zu einem

grossen grauen Aschehaufen !

Fritze


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#704

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 17.06.2015 21:36
von Mart | 734 Beiträge

Zitat von exgakl im Beitrag #702

@Mart ich hole mal einen alten Beitrag von dir hoch, da liest sich das mit der Verpflegung noch ein bisschen anders.....



Wo siehst Du da einen Widerspruch? Sage mal bitte genauer, ich löse dann auf. (Ich gehe von einem Missverständnis aus.)


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#705

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 18.06.2015 01:27
von vs1400 | 2.387 Beiträge

Zitat von Mart im Beitrag #699
Zitat von vs1400 im Beitrag #698

ach Mart,

Ach VS,

Zitat von vs1400 im Beitrag #698

im vergleich würde ich dieses "woanders", ohne vorwurf, eher gern als realität bezeichnen wollen.



Einwurf abgelehnt.

Wir beide sind doch erwachsen und lebenserfahren. Du hast Dir den Kanten nicht ausgesucht und ich mir nicht die U-Schule. Und dann hat man versucht, Mensch zu bleiben, unter wirklich widrigen Umständen. Und diese Umstände haben weder Du noch ich herbeigeführt.

Die Ausbildung an der U-Schule war nicht praxisnah. Uns Ausbildern wurde erklärt, dass wir Formalausbildung machen, Praxis wäre dafür schädlich. Es wäre nicht hilfreich, wenn wir Ausbilder Grenzerfahrung hätten.

Mir ging es um etwas anderes: Das Spannungsfeld zwischen "oben" und "unten" und wir dazwischen. Und das war überall gleich.

In sehr vertraulichen Gesprächen mit Kameraden, die am Kanten liefen wurde mir klar, dass der liebe Gott mir dieses Schicksal ersparte, das "Angst haben". Der Preis dafür ist, dass in Haftung genommen werde für ein System, was ich lediglich beschreibe - aber nicht verantworte: Ich meine die Ausbildung an der U-Schule.

Und, ja: Das System der U-Schule lief in den ersten Wochen real auf "brechen des Willens" hinaus, den Ausbildern, die zuhören wollten, wurde es in Schulungen ansatzweise erklärt.

Natürlich die Gesamtheit des Systems: Und dazu gehört der Freizeitentzug. Dazu gehört die Essenseinnahme, dazu gehört das Marschtraining dahin. Dazu gehören die unwürdigen hygienischen Zustände. Und vieles andere mehr. Ich habe das sehr genau schon beschrieben.

Ich war ohne Frage Mitläufer, das darf man mir vorwerfen. Der Mut zu sagen "ich kohle ab, die Konsequenzen für mein Leben sind mir egal" - den hatte ich nicht.

Das lasse ich mir von Abkohlern vorwerfen - aber nicht von anderen Mitläufern. Die glauben, dass das System anders irgendwie anders gewesen wäre. Nein, war es nicht.

Das - zum Nachdenken.


mensch Mart,
meine aussage scheinst du ja überlesen oder ignoriert zu haben.
ich hab nen strich unter dieses thema gemacht, ist heute geschichte und daher ohne vorwurf an irgend jemand. daher gab es auch keinen "einwurf", meinerseits.
es sind schlichtweg vergleiche, zu denen du nicht wirklich etwas beifügen kannst. ... ohne vorwurf.

das von dir erwähnte, ... "vergleichbare" spannungslfeld" ..., war nicht vergleichbar. denn,
mit reinem obrigkeitsdenken und, in der masse, nach unten treten, hätte es keine uffze in gk's geben können.

diesbezüglich gab es wohl ne klare "selektion", wer dies oder eben dass "durfte".
vermittelt wurde "uns" damals, wer ausbilder wird, der zählt zur "elite", weil er's drauf hat.
... ist jedoch alles schon lange geschichte und diesbezüglich auch nur meine ansicht.

von abkohlern würde ich mir nichts vorwerfen lassen, Mart.
falls du ihre gesuche bewusst verzögert hast ... solltest du darüber berichten.
diesbezüglich hätte ich interesse an eventuellen, internen anweisungen, "befehlen".

gruß vom Torsten


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#706

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 18.06.2015 01:44
von Mart | 734 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #705

es sind schlichtweg vergleiche, zu denen du nicht wirklich etwas beifügen kannst. ... ohne vorwurf.

Das ist klar. Aber umgekehrt gilt das exakt identisch: Klar war man als Uschi da. Aber den Blick und die Komplexität, Probleme der Ausbilder (insbesondere UaZ) haben Uschis nicht haben können.

Zitat von vs1400 im Beitrag #705

diesbezüglich gab es wohl ne klare "selektion", wer dies oder eben dass "durfte".
vermittelt wurde "uns" damals, wer ausbilder wird, der zählt zur "elite", weil er's drauf hat.

Das halte ich für Unfug. Unter den Ausbildern waren auch Unsportliche und auch Leute, die nicht allzuviel in der Birne hatten. Ich habe eine ganz andere Vermutung. Vermutlich waren unter den Ausbildern eine ganze Reihe, bei denen die V2000 im Lehrgang zur Auffassung kam, dass die Blutgruppe für den Kanten nicht reicht. Und so ein Indiz gibt es auch bei mir. Leider sind größere Teile meiner Akte bei BStU nicht vorhanden, also zur Wende vernichtet worden, daher werde ich das nie erfahren.

Zitat von vs1400 im Beitrag #705

von abkohlern würde ich mir nichts vorwerfen lassen,

Der Satz bezog sich ganz allgemein auf Fragen der Moral. Und vermutlich geht es Dir nicht viel anders: Du wirst Dir Deinen Grenzdienst auch nur von den wenigsten vorwerfen lassen.

Zitat von vs1400 im Beitrag #705

Mart.
falls du ihre gesuche bewusst verzögert hast ... solltest du darüber berichten.
diesbezüglich hätte ich interesse an eventuellen, internen anweisungen, "befehlen".

Ich habe kein Problem, völlig offen über alles zu berichten, was mir zur Kenntnis kam. Sonst wäre ich nicht hier.

Das Thema lief an den GF völlig vorbei, die (und auch ich) haben das schlicht nicht mitbekommen. Es gab in den ersten TAgen die Fragebögen, nach meiner Erinnerung zweimal. Vermutlich um beide Versionen vergleichen zu können. Und es gab immerzu Einzelgespräche, mit jedem. Das machten aber die Polits und wohl die ZF. Da ging es um die Frage, ob man schießen würde usw.

Das waren auch erstaunlich wenige, die vor der Vereidigung schon sagten: "Ohne mich, mit allen Konsequenzen". Ich meine, mich für einen Lehrgang an vier Leute zu erinnern, bezogen auf die 12 Kompanien.

Ich kenne nur einen einzigen Abkohler-Fall näher. Das war ein BU, mein guter Freund Olaf A. aus der Nähe von Halle. Da war die persönliche Nähe so groß, dass ich das erfuhr - und auch wie V2000 usw. in solchen Sachen agierte. Olaf war BU, meine Einstellung. Und er wurde mit mir Ausbilder in der 7. Nach zwei Jahren nutzte er eine persönliche Möglichkeit (die 2000 hatte etwas Privates erfahren und machte Druck). Olaf zog das ganz konsequent durch: Es hat nicht gewackelt, aber auch nichts gegen den Staat gesagt. Jeden Befehl ausgeführt. Nach 2,5 Jahren war er raus, ein halbes Jahr vor mir.


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#707

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 18.06.2015 03:33
von Nomex | 254 Beiträge

Zitat von Mart im Beitrag #706
e]
....., die nicht allzuviel in der Birne hatten. Ich habe eine ganz andere Vermutung. Vermutlich waren unter den Ausbildern eine ganze Reihe, bei denen die V2000 im Lehrgang zur Auffassung kam, dass die Blutgruppe für den Kanten nicht reicht.



Das mit der Blutgruppe kann bei einigen der Fall gewesen sein. Muss aber noch andere Gründe gegeben haben. Weil ich war eigentlich im GAR als Ausbilder, bin aber in meinem 4. DHJ auch mal 4 Wochen auf einer Grenzkompanie gewesen. Dort wurde ich sogar als Postenpaar mit einem Soldaten aus dem GAR im Abschnitt eingesetzt. Das muss aber wohl eine absolute Ausnahme gewesen sein. Ich habe vorher und hinterher nie wieder davon gehört das ein UaZ aus einem GAR auf einer Grenzkompanie im Einsatz war.

Gruß Nomex


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Günther Zieschong: "Mir hätten das System erst mal leasen solln...."
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#708

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 18.06.2015 03:54
von Mart | 734 Beiträge

Es ist spekulativ, jedenfalls in meinem Fall. Ich hatte bei der Musterung auf Nachfrage gesagt, dass ich [Gründe wären zu persönlich] nicht zu den Grenztruppe möchte, da ich mir nicht vorstellen kann im Frieden zu schießen. Weiterhin gab es zwar keine Westverwandtschaft, aber es gab durchaus Westpakete. Das wurde in unserer Familie ganz konsequent verschwiegen. Und auch ich gab das nie an. Es mag sein, dass ein Zufallsfund der Postkontrolle des MfS während meiner Uschi-Zeit die Weichen stellte.

Es gäbe andere Versionen:
Ich war ja Verwendung Nachrichten. Möglicherweise spielten da weitere Kriterien eine Rolle, jedenfalls sah ich ab dem 4. oder 5. DHJ durchaus vereinzelt GKdoS-Dokumente. Und @Selle hatte mit Sicherheit Blutgruppe A, das ging bei seiner Verwendung nicht anders.

Man unterhält sich aber abends, auch mit GF anderer Kompanien. Ich hatte schon den Eindruck, dass da Blutgruppe eine Rolle spielen könnte.

Andererseits waren mal vielleicht im 3. DHJ Uffz Plä... und ich nacheinander hochdramatisch beim KC einbestellt, dabei auch Hptm Ma... von der V2000. Ich wusste nicht um was es gehen könnte, aber die Art der Einbestellung sorgte dafür, dass mir der Arsch so richtig auf Grundeis ging. Aber nachdem Plä... da raus war, wurde mir bedeutet, dass sich das erledigt habe. Und Plä wurde in der Nacht abversetzt. Das wirkte wie Bestrafung. Wir haben uns aber postalisch verständigt: Er wurde als Funker irgendwo beim GKN gebraucht.

Eine weitere denkbare Version: Die haben die Verwendungsorte schlicht ausgewürfelt. Also gar kein wirkliches System dahinter.

Ich würde jedenfalls bestreiten wollen, dass GF/Ausbilder zum Zeitpunkt der Ernennung irgendwie Elite waren. Die waren genau so wie Du und ich. Die Abbildung des Durchschnitts eines Lehrgangs. Obwohl ich den Begriff Elite auch weiter vermeiden möchte, weil der einfach falsch ist: Es ist schon richtig, dass bei den GF/Ausbildern relativ schnell gesiebt wurde: Die Tauben wurden abversetzt. Und als Ausbilder wurde man weiter ausgebildet, recht viele Dinge. Ich bin zum Beispiel einer derer, die im ersten Karate-Lehrgang an der U-Schule waren.


EK87II, selle und Fritze haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#709

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 18.06.2015 05:52
von damals wars | 12.143 Beiträge

Nur mal so als Erinnerung, an eine Puddingsuppe zum Frühstück kann ich mich auch erinnern, ich glaube, die gab es Sonntags.
Auch gab es Sonntags nur Weißbrot zum Frühstück, und wenig Butter, ich hatte hinterher immer einen Bärenhunger.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#710

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 18.06.2015 05:56
von damals wars | 12.143 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #701
Zitat von damals wars im Beitrag #700

Wenn ich in der Grenzkompanie sagte: Ich befehle! passierte es mir im besten Fall, das ich ein unappetitliches Angebot bekam.



Was passierte denn im schlechtesten Fall?



Dann gab es die Klappe.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#711

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 18.06.2015 08:28
von selle | 51 Beiträge

Zitat von Mart im Beitrag #708
... Und @Selle hatte mit Sicherheit Blutgruppe A, das ging bei seiner Verwendung nicht anders.



Hallöle mal wieder...

Also, der Begriff Blutgruppe ist mir im Zusammenhang mit meiner Vergangenheit völlig neu, erschließt sich mir aber einigermaßen aus den Texten.

Da ich von @Mart erwähnt wurde, gebe ich gern Auskunft darüber: Mein Leben vor den GT war völlig unspektakulär, wenn man mal von einigen Verfehlungen im privaten Bereich absieht (die würde ich allerdings gerne im Dunkeln lassen).
Ich war 10 Jahre in der POS, habe dann Maschinenbauer gelernt und die Lehre vorzeitig beendet, da ich mich für 3 Jahre verpflichtet hatte. Das war ja wohl gängige Praxis. Obwohl meine Eltern beide politisch nicht aktiv waren (keiner in DER Partei), habe ich mich während meiner Lehrzeit "breitschlagen" lassen, war aber eher nur zahlendes Mitglied.

West-Verwandschaft hatten wir in der ganzen Familie nicht, auch keinerlei Kontakt zu irgendwelchen Menschen im anderen Teil Deutschlands. Der einzige Kontakt zu einer BRD-Bürgerin war während einer Rückfahrt von zu Hause an die U-Schule. Da habe ich einer Mitreisenden älteren Dame den Koffer auf den Bahnsteig gewuchtet (in Uniform - ist klar!). Sie steckte mir für meine Hilfsbereitschaft was in die Hand, als sie ging. Es waren 2 DM!
Ich gestehe hier und heute (mir kann ja nix mehr passieren), dass ich diese in den Intershop getragen habe - wohl gefühlt habe ich mich dabei allerdings nicht, denn wenn mich dabei jemand beobachtet hätte... Uiuiui!

Also wenn das ausreicht, mir Blutgruppe A zu verpassen, dann hat @Mart sicher Recht mit seiner Aussage :)

Was den Begriff Elite angeht, würde ich mich@ Mart anschließen - weder vorher noch während oder auch danach, war ich in irgendeiner Form Elite - definitiv NEIN!

Ich wünsche allen einen schönen Tag...


Fritze hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#712

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 18.06.2015 10:01
von Fritze | 3.474 Beiträge

hallo selle und Mart !

Möchte mich mal extra für Eure Beiträge bedanken ! Ist doch für uns alte Kämpen immer erbauend Ereignisse aus dem " Damals " aufzuarbeiten .

MfG Fritze

Da habe ich auch schon die nächste Frage an Dich @Mart ! Hattet Ihr als Ausbilder eigentlich gesonderte Maßnahmen zum Kampfsport ?


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
selle hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#713

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 18.06.2015 10:26
von selle | 51 Beiträge

Hallo @Fritze,

nett, dass du dich extra bedankst! Die Jacke passt aber eher @Mart, der gefühlte 100.000 Posts geschrieben hat. Der hat aber auch eine Erinnerung an die damalige Zeit - irre! Ich habe ihn ja leider nur ein halbes Jahr als Schüler und dann ein halbes als Uffz-Kollege kennengelernt (oder stimmt das auch nicht und meine Erinnerung spielt mir schon wieder einen Streich?), dann war meine Zeit in Perleberg auch schon wieder vorüber (oder vielleicht endlich?). Trotzdem meine ich, dass er hier mit fundierten Kenntnissen aufwartet. Mit seiner Hilfe habe ich mich an so manches erinnert, was bereits SEHR tief verbuddelt war. Trotz allem fehlt eine ganze Menge, deshalb kann ich auch eher weniger mit tatsächlichem Wissen aus der Zeit dienen.

Lesenswert ist es hier allemal und die Erinnerung an vergangene Zeiten ist sicher nicht das Schlechteste, mit dem man seine Zeit verbringen kann...

Also: DANKE @Mart und alle anderen!!!

P.S. Zu Kampfausbildungen etc. kann ich leider nichts schreiben, da es das zu meiner Zeit noch nicht gegeben hat. Haben wir Uffze damals überhaupt noch Weiterbildung (außer vielleicht Polit) gehabt, @Mart? Grübel...


Fritze hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 18.06.2015 10:52 | nach oben springen

#714

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 18.06.2015 19:23
von Mart | 734 Beiträge

Wo fange ich an? Vieles jetzt Nachgefragte habe ich schon geschrieben. Und langsam wächst die Gefahr, dass ich mir widerspreche, das ist ja alles lange her. Übrigens hoffe ich noch, dass ein Vorredner sich wegen der Speisesäle meldet: Ich sehe da keinen Widerspruch. Vielleicht schlecht formuliert, man sein.

Ok, Weiterbildung:
Hier muss man bedenken, dass die GF/Ausbilder die ersten 2,5 Monate eines jeden Lehrgangs zeitlich extrem beantsprucht waren, also so sehr viel Zeit für Weiterbildung gab es gar nicht. Man würde zunächst an Pädagogik, Methodik und "Mitarbeiterführung" denken. Das gab es nicht, wir wurden auf die Uschis losgelassen mit dem Wissen im Handbuch militärisches Grundwissen. Was es aber tatsächlich gab: Psychologie. Wann ist Charakterbildung abgeschlossen, warum in den ersten 14 Tagen, solche Dinge.

Als nächstes war Ausbildungsvorbereitung, das könnte man auch als Weiterbildung ansehen. Das betraf vor allem die Nachrichtenausbildungen auf dem StÜP. @Selle, das ging an Dir vorbei, weil Du mit Deinen Salonsoldaten solche Ausbildungen auf dem StÜP nicht hattest. Vielleicht kannst DU Dich aber an den Brandbahn-Tag oder den Chemie-Tag erinnern: Da wurde der Kompanie Uschis anfangs ordentlich erzählt. Gleichzeitig wurden wir Uffze zusammengenommen und mit uns wurde der Ausbildungstag gedanklich und methodisch durchgespielt, inklusive Sicherheitsbelehrung.

Tja, Polit. Also ich kann mich erinnern, dass der Fahrerzug Polit hatte. Und auch die Offze hatten Polit. Das war vielleicht einmal oder zweimal im Monat, wohl ein halber Tag. Aber wir? Ich kann mich nicht an Polit erinnern. Das könnte verschiedene Gründe haben: Ich hatte schon ein wenig von der sozialistischen Realität gesehen, mir ging schon damals das schön gefärbe Gelaber auf den Zeiger: Wenn es das gab, werde ich mich konsequent gedrückt haben. Da gab es so einige Möglichkeiten: Man hatte Einfluss auf die UvD-Planung. Und ein mit Hauptfeld Schn... (später OFä Schw) abgesprochener Dienstgang in die Stadt war auch mal drin. Auch in Frage kommt: Polit war ja stinkend langweilig. Da nickte selbst der gläubigste Genosse weg. Vielleicht habe ich das wegen Bedeutungslosigkeit einfach vergessen.

An der Stelle ein Einschub:
Bei den Uschis hies das GWA - Gesellschaftswissenschaftliche Ausbildung. Das waren "Vorlesungen", mehrere Kompanien im "Hörsaal" und "Seminare", Unterrichtsstunden. Das war vorrangig M/L-Kram, aber nicht nur. Dabei waren auch Sachen wie "wer gehört zur NATO" und Ansätze Feinderkennung und "wir schreiben eine Beurteilung". GWA war immerhin ein Drittel der gesamten Ausbildungszeit.

Militärischer Kampfsport. Drei verschiedene Versionen, zwei kennt @Selle. Das gnädige Vergessen ...

Selle, wir gehen mal von unserem U500 Richtung MHO runter. Rechts Lehrgebäude, links Küchengebäude, dann BA-Lager. Dann links Handballplatz, anschließend Sandkampfgrube. Da waren so ein paar Trabireifen an Metallstangen. Und die Holz-MPi, genannt Fecht-MPi. Dort konnte man so ein Feder-Dings aufstecken, vorn eine Gummimuffe. Dort wurden verschiedene Arten "stich den Reifen tot" geübt. Dort wurde auch Messerabwehr mit Gummimesser geübt. Und dann musste ich mich wie ein Schütze auf den Sand legen. Du bist in meinen Rücken gesprungen, Kniesprung auf Nieren. Dann hast Du "Finger in Augen" meinen Kopf nach hinten gerissen, irgendwie mit dem zweiten Arm auch um den Kopf, Du drehst Dich und mich und streckst Dich. Und ich bin dann dood, also theoretisch und nur angedeutet alles. Erinnerst? Also das war im Grunde Unfug, nicht brauchbare Dinge.

Dann war Judo, da muss man trennen in "für Ausbilder" und "für Uschis", also da wurden zunächst die Ausbilder ausgebildet. Das fand in einer alten, vor Schweiß stinkenden Baracke gegenüber (zum Außenzaum) statt. Es gab einen Sportmajor, der hatte den 2. Dan. Da lernten wir Fallübungen, Rollen, Hüftwurf, Schulterwurf, Beinfeger. Ach - und Messerabwehr. Die widersprach selbstverständlich der zuvor erlernten Methode völlig. Also das war schon eine andere Klasse. Auch die Uschis hatten das, ich meine aber nicht in der Intensität, die wir erleben durften. @Selle, das musst Du mitgemacht haben.

Und dann war auf einmal Karate, hier gesprochen Ka-ra-t-EEEE. Welche Unterart das war - wurde uns nie gesagt. Jedenfalls war es militärisches Karate, mit Theorie und Praxis. Sensible Körperpunkte und sowas. Praxis waren Stehen, Fallen, Schläge, Tritte - und die Abwehr dieser. Also da reden wir schon über die hohe Schule, die man ohne Not nie anwenden sollte, darf. Auch die Uschis hatten das, auch hier wieder: Wohl nicht so intensiv wie wir. - Erst nach der Wende in verschiedenen Foren konkretisierte sich die Sache: Das betraf wohl nur die 7. und 8. Kompanie und scheint ein Versuch gewesen zu sein. Die 8. hatte zudem noch Fallen von W50-Pritsche, das kenne ich nun nicht. Und das Ganze ist offenbar nach meiner Zeit auch nicht fortgeführt worden.

Und irgendwo hir im Forum gibt es eine allgemeinere Diskussion zu militärischem Karate. Das war ja etwas elitär, da waren in der DDR ja gerade mal HA XXII, DE IX, LStR-40, Spezialaufklärer, vielleicht noch zweie - und eben wir. Warum auch immer.


EK87II, selle und Fritze haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 18.06.2015 19:25 | nach oben springen

#715

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 19.06.2015 01:12
von vs1400 | 2.387 Beiträge

Zitat von Mart im Beitrag #706
Zitat von vs1400 im Beitrag #705

es sind schlichtweg vergleiche, zu denen du nicht wirklich etwas beifügen kannst. ... ohne vorwurf.

Das ist klar. Aber umgekehrt gilt das exakt identisch: Klar war man als Uschi da. Aber den Blick und die Komplexität, Probleme der Ausbilder (insbesondere UaZ) haben Uschis nicht haben können.

Zitat von vs1400 im Beitrag #705

diesbezüglich gab es wohl ne klare "selektion", wer dies oder eben dass "durfte".
vermittelt wurde "uns" damals, wer ausbilder wird, der zählt zur "elite", weil er's drauf hat.

Das halte ich für Unfug. Unter den Ausbildern waren auch Unsportliche und auch Leute, die nicht allzuviel in der Birne hatten. Ich habe eine ganz andere Vermutung. Vermutlich waren unter den Ausbildern eine ganze Reihe, bei denen die V2000 im Lehrgang zur Auffassung kam, dass die Blutgruppe für den Kanten nicht reicht. Und so ein Indiz gibt es auch bei mir. Leider sind größere Teile meiner Akte bei BStU nicht vorhanden, also zur Wende vernichtet worden, daher werde ich das nie erfahren.

Zitat von vs1400 im Beitrag #705

von abkohlern würde ich mir nichts vorwerfen lassen,

Der Satz bezog sich ganz allgemein auf Fragen der Moral. Und vermutlich geht es Dir nicht viel anders: Du wirst Dir Deinen Grenzdienst auch nur von den wenigsten vorwerfen lassen.

Zitat von vs1400 im Beitrag #705

Mart.
falls du ihre gesuche bewusst verzögert hast ... solltest du darüber berichten.
diesbezüglich hätte ich interesse an eventuellen, internen anweisungen, "befehlen".

Ich habe kein Problem, völlig offen über alles zu berichten, was mir zur Kenntnis kam. Sonst wäre ich nicht hier.

Das Thema lief an den GF völlig vorbei, die (und auch ich) haben das schlicht nicht mitbekommen. Es gab in den ersten TAgen die Fragebögen, nach meiner Erinnerung zweimal. Vermutlich um beide Versionen vergleichen zu können. Und es gab immerzu Einzelgespräche, mit jedem. Das machten aber die Polits und wohl die ZF. Da ging es um die Frage, ob man schießen würde usw.

Das waren auch erstaunlich wenige, die vor der Vereidigung schon sagten: "Ohne mich, mit allen Konsequenzen". Ich meine, mich für einen Lehrgang an vier Leute zu erinnern, bezogen auf die 12 Kompanien.

Ich kenne nur einen einzigen Abkohler-Fall näher. Das war ein BU, mein guter Freund Olaf A. aus der Nähe von Halle. Da war die persönliche Nähe so groß, dass ich das erfuhr - und auch wie V2000 usw. in solchen Sachen agierte. Olaf war BU, meine Einstellung. Und er wurde mit mir Ausbilder in der 7. Nach zwei Jahren nutzte er eine persönliche Möglichkeit (die 2000 hatte etwas Privates erfahren und machte Druck). Olaf zog das ganz konsequent durch: Es hat nicht gewackelt, aber auch nichts gegen den Staat gesagt. Jeden Befehl ausgeführt. Nach 2,5 Jahren war er raus, ein halbes Jahr vor mir.




hm, Mart,
ich widerspreche dir nur ungern.
doch auch als us konnte man etwas erfahren, denn auch in perleberg gab es gwd'ler oder eben solche, die zu gwd'lern gemacht wurden.
das warum sollte nicht dringend relevant sein, da gab es solche und solche. deren aussagen wurden jedoch bemerkt.

welche "probleme" ausbilder hatten war für den us nicht entscheidend. jene us kamen aus dem zivilen leben und wollten, "wollten", länger dienen.
auf der gk zählten meine probleme, gegenüber vorgesetzten, auch nicht und es lag an mir.
moralisch etwas vermitteln zu können und
dass hat man in perleberg nicht, zu selten versucht zu zeigen.

als gruppenführer in einer gk war der befehl keine option zu einer lösung. mit dieser gruppe ging es nur miteinander und dass war ein schmaler grad,
auf den man nicht vorbereitet wurde.
statt dessen, versuchte man wohl eher, in perleberg, die fehler der wkk's auszubügeln ... mit fragebögen und dass war wohl eher augenwischerei.

gruß vs











,


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#716

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 19.06.2015 14:00
von selle | 51 Beiträge

Hilfe!!!! Er hat es schon wieder getan!!! Er hat meinem Gedächtnis schon wieder auf die Sprünge geholfen...

Zitat von Mart im Beitrag #714
...@Selle, das ging an Dir vorbei, weil Du mit Deinen Salonsoldaten solche Ausbildungen auf dem StÜP nicht hattest. Vielleicht kannst DU Dich aber an den Brandbahn-Tag oder den Chemie-Tag erinnern: ...


Salonsoldaten, was für ein feiner Begriff für manche meiner Schützlinge *kicher*
Brand- und Chemie-Tag... Stimmt! Bei dem ersten wurde mit so eine Pampe hantiert, NAPALM war es wohl nicht, aber so genannt haben wir es, glaube ich. Aber die Erinnerung ist nur sehr schwach. Vollschutz anziehen war eine der Übungen und Staubsauger "spielen"... Letzeres geistert in meinem Kopf rum, weiß aber nicht, ob ich es selbst gesehen/erlebt habe.

Zitat von Mart im Beitrag #714
Polit war ja stinkend langweilig. Da nickte selbst der gläubigste Genosse weg...
lange nicht mehr so herzhaft gelacht - danke!

Zitat von Mart im Beitrag #714
Militärischer Kampfsport. Drei verschiedene Versionen, zwei kennt @Selle. Das gnädige Vergessen ...
Bei vielen Dingen stimmt das wohl, dass das gnädig ist - anderes wiederum ist einfach nur traurig *schnief*

Der Weg, den du beschreibst, ist bis BA-Lager und gegenüber Schwimmhalle (?) einigermaßen präsent, aber dann wird es wieder dunkel. Allerdings hat deine Beschreibung der Puppen, Reifen, Holzgewehre und Federdingensbummens wieder einkleines Licht entfacht. Die Gummimesser sind wieder sehr deutlich zu sehen!
Unsere körperlichen Verschlingungen (waren das wirklich wir zwei?) hast du sehr schön beschrieben, ja, so könnte das gewesen sein. Warum hast du dir sowas gemerkt?!?! Heute würde schon beim ersten Versuch ein knackendes Geräusch zu hören sein - MEINE Knochen!

Zitat von Mart im Beitrag #714
Dann war Judo, da muss man trennen in "für Ausbilder" und "für Uschis", also da wurden zunächst die Ausbilder ausgebildet. Das fand in einer alten, vor Schweiß stinkenden Baracke gegenüber (zum Außenzaum) statt. ... @Selle, das musst Du mitgemacht haben.

Definitv nein! Da zündet nicht der kleinste Funken in meinem Hirn. Okay, das muss nichts heißen, aber es würde mich schon sehr wundern, wenn das zu 100% weg wäre.

Naja, und Ka-ra-teeee habe ich auch nicht mitgemacht - erst in meiner Anschlussverwendung. Da habe ich in Dresden sogar noch Kollegen ausgebildet... Verdammt! Wie lange ist das nur her...?

@Mart: Ich danke dir ein weiteres mal :)


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#717

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 19.06.2015 14:03
von selle | 51 Beiträge

@vs1400

Es wäre super, wenn du nicht den ganzen Text zitieren würdest, das erhöht die Übersichtlichkeit, und somit die Lesbarkeit, erheblich. Danke schon mal...


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#718

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 20.06.2015 01:41
von Mart | 734 Beiträge

Zitat von selle im Beitrag #716
Hilfe!!!! Er hat es schon wieder getan!!! Er hat meinem Gedächtnis schon wieder auf die Sprünge geholfen...

Immer gern.

Zitat von selle im Beitrag #716
Salonsoldaten, was für ein feiner Begriff für manche meiner Schützlinge *kicher*

Also erstens ist Dein versprengter Haufen ja nie so wirklich bei Nachrichtenausbildungen "ins Feld" gefahren. Und bei Alarm konnten sie mit Deinen Hanseln ja auch nichts anfangen, ich habe die Erinnerung, dass wir (oder Dein Nachfolger) uns mal unterhielten, ich war ja mit meiner Funkbude Bo 4 Marschband und hatte da erheblichen Stress. Und Du (oder Dein Nachfolger) sagte mir eher vertraulich: Wir steigen auf den Ello, lassen uns auch mitfahren und haben keine Aufgabe.

Zweitens (vermutlich nach Deiner Zeit) kamen da schon auch Versehrte, eigentlich nicht wehrtaugliche Herren und auch Jungs, die ein wenig jung wirkten. Die waren aber oft sehr intelligent und sehr sensibel. Ich erinnere mich an einen, der ein Rückenproblem hatte und unter die Matratze offiziell eine Tür gelegt bekam sowie an einen, der die komplette Uschi-Zeit mit Stiefelbefreiung diente. - Im Grunde war das eine Frechheit der Wehrorgane, da wurden Wehruntaugliche eingezogen.

Du meinst vielleicht einen anderen, ich glaube, dass der in Deiner Gruppe war: Der Typ war ganz sympathisch, allerdings 130 Kilo schwer. Und hatte prominente Verwandte, aus denen er kein Geheimnis machte: Seine Mutter. - Ich erinnere mich, dass der kaum einzukleiden war, der hatte mehrere Privataudienzen im BA-Lager. Der konnte nicht einen Klimmzug, wie auch. Und den haben wir Uffze anfangs zu dritt über die E-Wand gehoben. Der Mann darf auch heute sagen, dass er schikaniert wurde: Denn das war Quälerei für ihn. Viel mehr als für viele andere. Aber der hatte ein wirklich sonniges Gemüt: Der war immerzu stolz, dass er seine Uniformen wechseln musste, weil die zu weit waren. Das erzählte er auch jedem und allen. Zum Schluss wog er noch 90 oder 100 kg und schaffte mit allerletzter Kraft fast sechs Klimmzüge. Und war sehr stolz.

Ich habe dessen Namen nicht: Kamerad, falls Du diesen Beitrag irgendwann liest: Allerhöchsten Respekt!

Zitat von selle im Beitrag #716
Brand- und Chemie-Tag... Stimmt! Bei dem ersten wurde mit so eine Pampe hantiert, NAPALM war es wohl nicht, aber so genannt haben wir es, glaube ich.

Nein, das waren zwei verschiedene Ganztages-Programme. An den Chemietag erinnere ich mich kaum, ich weiß nur noch, dass es einen gab. Insoweit rede ich nur über den Brandtag: Den habe ich momentan, weil es da immer großen Ärger gab. Eine Übung war: Unter Schnuffi (Begriff erinenrlich?) das Löschen von Brandnestern im großen Sandkasten - mit Sand. Und Klappspaten. In FDU. Blöd war lediglich, dass von den Übungen der anderen Gruppen der Sand pitschnass vom "NAPALM" war - die gestraften Uschis "löschten" das Feuer an. Ab und an brach selbiges dann unvermutet flächig aus - und das Bein der FDU eines Uschis fing Feuer.

Na wenigstens das war sicher gelöst: Die Verhaltensbelehrungen für die Uschis waren glasklar. Und wir als Ausbilder standen direkt daneben, wir waren in das Risikio der Übung auch eingewiesen. Wir hätten den Angstflüchtenden sofort gegriffen.

Zu "NAPALM": Deine Erinnerung ist korrekt, so nannten wir das. Am Rande waren mehrere 200l-Fässer. Damit manschten die Offiziere tum, es kann sein, dass da ein Feuerwerker dabei war, das weiß ich aber nicht mehr. Da war was drin. Und dann kam noch was rein. Und dann musste der Offizier beweisen, dass er auch Klimmzüge kann: Fleißig rühren. Danach war das dann so wie Götterspeise, vielleicht etwas klebriger. (was da wirklich gemacht wurde erzähle ich nicht, das Forum ist weltweit lesbar.)

Zwecks Deiner Erinnerung: Zwei zerschossene T-34 standen da in Sichtnähe rum. Und etwa dort waren auch die senkrecht eingelassenen Betonrohre über die einer unserer drei T-54 fuhr, damit die Übenden lernten, wie es geht, wenn man überrollt wird und dann von hinten den Panzer mit der Handgranate zerstört. Das Schicksal dieses Übungskomplexes wurde der 7. erspart, wir waren Nachrichten. Wir brauchen das nicht.

Zitat von selle im Beitrag #716
Vollschutz anziehen war eine der Übungen und Staubsauger "spielen"... Letzeres geistert in meinem Kopf rum, weiß aber nicht, ob ich es selbst gesehen/erlebt habe.

Staubsauger - ich ahne, wie Deine Erinnerung zu Stande kommt. Bei der eigentlichen Brandbahn haben wir vorab Dichtekontrolle der Schutzmaske gemacht, Rauchgas ist nicht lustig. Wir hatten zwei Methoden: Die simple war den Schlauch zu verdrehen. Und eben zu gucken, ob noch Luft gezogen wird. Die andere war ohne Filter, flache Innenhand unten an den Schlauch. Nun frag mich, warum das so gemacht wurde ohne Filter. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur noch, dass es auch so gemacht wurde.

Zitat von selle im Beitrag #716
Zitat von Mart im Beitrag #714
Polit war ja stinkend langweilig. Da nickte selbst der gläubigste Genosse weg...
lange nicht mehr so herzhaft gelacht - danke!

Ich kam aus einem eher konservativem sozialistischen Haushalt. das ND war da jedenfalls nicht abonniert. Nun will ich mich nicht zum Helden machen, ich fand damals die Sozialismus-Idee auch sehr schön. (Den ersten wirklich harten Kratzer bekam sie übrigens genau an der U-Schule, das müsste sogar noch Deine Zeit gewesen sein ... oh, ein Thema!)

Ich schiff ab.
Als junger von euch Sacktreter-Uffzen verwirrter Uschi bekam ich ein Abo der ND und noch eins der Jungen Welt auf's Auge gedrückt. Freiwillig, Du weißt. Und völlig freiwillig durfte ich das ND in meiner ersten Soldatenwoche studieren. Also das werde ich nie vergessen: Irgend ein kommunistischer Staatslenker aus einen unbedeutenden kleinen Land in Afrika war in Berlin. Und Herr Honecker und der Herr Staatspräsident trafen sich. Und ein Kommunikee entstand daraus. Und ich hatte das in vier Farben anzustreichen. Ähmmm, was soll ich denn da bitte anstreichen, die Substantive oder wie? Na wenigstens hatte ich verstanden, warum Selle mich mit Kompanie zur MHO führte und mich freiwillig Filzstifte in vier Farben kaufen lies.

Zitat von selle im Beitrag #716
Der Weg, den du beschreibst, ist bis BA-Lager und gegenüber Schwimmhalle (?) einigermaßen präsent,


Ja, kommt hin. Schwimmhalle gegenüber. Übrigens gibt es hier im Forum (?) einen Beitrag von jemandem, der Einlassdienst Schwimmhalle machte: Ich erfuhr, dass die Schwimmhalle (wie auch das Klubgebäude, das wußte ich aber selbst) auch von der zivilen Seite begehbar ist. Wenn ich den Beitrag recht erinnerlich habe, hat dieser Dienst da auch gespannt, waren ja auch zivile Damen dabei. Selle, wir haben da wohl was verpasst: Wir haben immer nur unsere Jungs mit Schwarzkombi und Stahlhelm und Fecht-MPi ins Becken hüpfen lassen.

Zitat von selle im Beitrag #716
einkleines Licht entfacht. Die Gummimesser sind wieder sehr deutlich zu sehen!
Unsere körperlichen Verschlingungen (waren das wirklich wir zwei?) hast du sehr schön beschrieben, ja, so könnte das gewesen sein.

Es war so. Und die Details habe ich nicht genannt, korrekt ausgeführt endet das tödlich. - Ich hoffe sehr, dass wir beide das nicht waren. Wenn, dann wäre ich Uschi gewesen und Du xxx mich. Das mussten dann die Uschis selbst üben, das war aber eher Formalausbildung: Das ging nicht ansatzweise bis an die Grenzen.

Zitat von selle im Beitrag #716
Warum hast du dir sowas gemerkt?!?!


Ich weiß es nicht. Nicht wirklich. Langfristig merkt man sich ja nur Abweichungen vom normalen Lebensablauf.
Ich hatte ein Extremereignis, das war zu Deiner Zeit. Du wirst Dir das nicht gemerkt haben, denke ich. Das sollte an Dir vorbeigelaufen sein. Abr mich hat es extrem beeinflusst, es ist ganz schwer zu beschreiben. Im jugendlichen Helden zerbrach etwas. Und vermutlich dachte ich mir: Alles merken. Vielleicht so.

Zitat von selle im Beitrag #716
Zitat von Mart im Beitrag #714
Dann war Judo

Definitv nein! Da zündet nicht der kleinste Funken in meinem Hirn.

Also vor solchen Nummern, die da vielleicht fünf Übungseinheiten in zwei Wochen waren, da konnte sich ja jeder GF drücken. Vielleicht so. Klar. Andererseits sagt mir mein Unterbewusstsein irgendwie, dass Judo nicht über alle meine sechs DHJ war, eher nur zwei.

Zitat von selle im Beitrag #716
Naja, und Ka-ra-teeee habe ich auch nicht mitgemacht - erst in meiner Anschlussverwendung.


Habe ich schon mal gefragt, für welches Team Du nach Deiner Dienstzeit unterwegs warst? Neh, habe ich nicht. ;-)
Ok, zu privat. Besprechen wir anders.

Zitat von selle im Beitrag #716
@Mart: Ich danke dir ein weiteres mal :)


Und ich freue mich. Und danke gleichfalls.


selle und Fritze haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#719

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 20.06.2015 01:53
von Mart | 734 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #715

welche "probleme" ausbilder hatten war für den us nicht entscheidend.

Mal sehr direkt: Ich war auch US. Genau so einer wie Du.

Zitat von vs1400 im Beitrag #715

moralisch etwas vermitteln zu können und
dass hat man in perleberg nicht, zu selten versucht zu zeigen.

Und daran bin jetzt ich, ich als UaZ/GF/Ausbilder schuld?

Gern lasse ich mich auf Dein Diskussionsniveau ein:
Du bist am Schießbefehl schuld.

Denn genau DAS ist die Konsequenz Deines Vorwurfs an mich: Du nimmst mich in Kollektivhaftung für ein System. Ok, das kann ich auch, ich nehme Dich in genau die gleiche Kollektivhaftung.

Nichts an diesem irrsinnigen System verantworte ich persönlich. Nichts.
Ich verantworte lediglich das, was ich persönlich tat. Und da kann ich mich ohne jedes Problem im Spiegel ansehen.

Höre mit der Kinderkacke "wir Grenzer am Kanten sind die schöneren Grenzer" auf, das ist das Niveau von Sandkastenkindern.


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#720

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 20.06.2015 02:11
von Mart | 734 Beiträge

@Selle:

Wo wir schon so schön dabei sind:
In einem anderen Thread dieses Forums diskutierte ich mit Herren der GT, der NVA, der DVP und des MfS das Thema Zugstreifen. Also Standortstreifen (Stichwort: Kettenhunde, weißes Koppelzeug) hast Du vielleicht auch gemacht. Aber Zugstreife?

Ich hatte mehrfach die eher zweifelhafte Freude, einen Sonderzug (immer Uschi-Urlaub, nie Einberufung oder Abversetzung) als Streifenführer von/nach Leipzig begleiten zu "dürfen".

Da die Uffze häufig, die Züge aber selten waren: Es kann sein, dass Du das nicht weißt. Es kann aber auch sein, dass Du so eine Fuhre mal begleitet hast:

Hast Du mal den Streifenführer im Sonderzug Perleberg-Leipzig oder zurück gegeben? (Nach dem Thread gab es auch eine Tour Perleberg-Berlin, die kenne ich aber erst durch dieses Forum).


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