#241

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 15.03.2011 18:01
von Perle | 106 Beiträge

Zitat von mannomann14

Zitat von Perle
Hallo Andi

Ich war vom Mai bis Oktober 1980 an der U-Schule in Perleberg.Ich war in der 9. UAK im Mittelblock.2. odert 3. Etage.
Bei Google Earth ist die Schwimmhalle noch zu sehen. Wie ander User bereits schon berichtet haben soll sie bereits schon abgerissen worden sein.Ebenso das Kulturhaus am KDP 1,der Stab ,das Wachgebäude ,der Med-Punkt,derSpeiseraumkomplex mit Küche und der rechte Block und Mittelblock. Der linke Block und das verkeimte Duschgebäude stehen glaube ich noch.

Gruß Perle.




hallo Perle,
ich war in der Zeit von Mai bis Oktober 1976 in der 9. gleich in der Stube am UvD Tisch ( diese Stube hat wohl eine einmalige Geschichte der US ). War zu deiner Zeit noch ein Krü.er als Ausbilder dort?
gruß mannomann



hallo mannomann14,
an einen Ausbilder namens Krü.er kann ich mich nicht erinnern.Dafür erinnere ich mich zu meiner Zeit noch an die Ausbilder Fw.Schw..z,Fw. Mo.l,Fw. Schr...r,Hpt. Wei..r,Olt Rein...e,der Spieß war damals Ofw.Holl...f,Der KC war Hpt.Krau...h.

Gruß Perle


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#242

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 15.03.2011 18:14
von mannomann14 | 625 Beiträge

Zitat von Perle

Zitat von mannomann14

Zitat von Perle
Hallo Andi

Ich war vom Mai bis Oktober 1980 an der U-Schule in Perleberg.Ich war in der 9. UAK im Mittelblock.2. odert 3. Etage.
Bei Google Earth ist die Schwimmhalle noch zu sehen. Wie ander User bereits schon berichtet haben soll sie bereits schon abgerissen worden sein.Ebenso das Kulturhaus am KDP 1,der Stab ,das Wachgebäude ,der Med-Punkt,derSpeiseraumkomplex mit Küche und der rechte Block und Mittelblock. Der linke Block und das verkeimte Duschgebäude stehen glaube ich noch.

Gruß Perle.







hallo Perle,
ich war in der Zeit von Mai bis Oktober 1976 in der 9. gleich in der Stube am UvD Tisch ( diese Stube hat wohl eine einmalige Geschichte der US ). War zu deiner Zeit noch ein Krü.er als Ausbilder dort?
gruß mannomann



hallo mannomann14,
an einen Ausbilder namens Krü.er kann ich mich nicht erinnern.Dafür erinnere ich mich zu meiner Zeit noch an die Ausbilder Fw.Schw..z,Fw. Mo.l,Fw. Schr...r,Hpt. Wei..r,Olt Rein...e,der Spieß war damals Ofw.Holl...f,Der KC war Hpt.Krau...h.

Gruß Perle




oh,je, mir sagt nur noch der erste was,alle anderen Namen sind leider weg
gruß mannomann


Etwas über mich zu schreiben, um sich dann daraus ein Bild von mir machen zu können , wäre ungefähr so, wie der Versuch Architektur zu tanzen...
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#243

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 15.03.2011 19:58
von 19frank63 | 22 Beiträge

War nicht der Scguhputzplatz für den unteren Block an der unteren Stirnseite ( im Bild links neben dem Schulgebäude?)


„Erfahrungen vererben sich nicht - jeder muß sie allein machen. ('')
Kurt Tucholsky
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#244

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 15.03.2011 22:11
von Mart | 734 Beiträge

Zitat von 19frank63
War nicht der Scguhputzplatz für den unteren Block an der unteren Stirnseite ( im Bild links neben dem Schulgebäude?)


Ja, Frank - das ist korrekt.
Der Schuhputz- und Raucherplatz für den linken (und wohl auch mittleren) Block war zwischen Duschgebäude und Lehrgebäude.


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#245

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 16.03.2011 00:31
von Mart | 734 Beiträge

Zitat von mannomann14
ich war in der Zeit von Mai bis Oktober 1976 in der 9. gleich in der Stube am UvD Tisch ( diese Stube hat wohl eine einmalige Geschichte der US ).


Nun erzähle schon!
...

Zitat
zu meiner Zeit noch an die Ausbilder Fw.Schw..z,


Eher klein, stockgerade, leichter Schulterschaden? Wir reden doch nicht etwa über Blacky?


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#246

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 16.03.2011 02:17
von Mart | 734 Beiträge

Zitat von Nordpol
Dein Text danach, was die UvD Dienste anbelangt, dazu kann ich naturgemäß nichts sagen. Ich habe nur soviel mitbekommen, dass den täglichen Schlüssel für die TDR72 (bzw. später TDR78) eben nicht von einem US sondern eben einem der GF der 6. Kp. abgeholt wurden.


Da ist mir vielleicht was entfallen: wofür könnte die 7. (6.) denn den Tagesschlüssel der TDR72 gebraucht haben? Also da fällt mir nun wirklich nichts ein.

Wenn ich mich recht erinnere, haben die Herren des 1. Zugs auch nur ansatzweise mit einer verkleinerten Form der TDR72 geübt: Die reale rosa Klappdingens sahen sie in der Ausbildung nie. Also nach meiner Erinnerung jedenfalls.

Hast Du eine Interpretation dafür, welchen Grund es für die Übermittlung an die 7. gegeben haben mag? Kann das nach meiner Zeit gewesen sein?

Zitat von Nordpol
Zum Thema Einberufung kann ich vielleicht auch noch was beitragen, vor allem was das Thema Nachrichten anbelangt...


In meinem nächsten großen Beitrag möchte ich den Tag der Einberufung abhandeln.
In weiteren großen Beiträgen dann die nächsten Tage. Funkertest, Abversetzungen, Entpflichtungen, sowas.


zuletzt bearbeitet 16.03.2011 02:18 | nach oben springen

#247

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 16.03.2011 06:56
von detlefklimasch (gelöscht)
avatar

Ich war von Mai-Oktober 1978 dort. Ist jemand im Chat der auch zu dieser Zeit dort war. Glaube bei Oberleutnant Schxxxz.

Bitte keine Klarnamen verwenden,Anfragen zum Namen bitte über PN an den User


zuletzt bearbeitet 16.03.2011 09:03 | nach oben springen

#248

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 16.03.2011 08:31
von Nordpol | 71 Beiträge

Guten Morgen,

Zitat von Mart
Da ist mir vielleicht was entfallen: wofür könnte die 7. (6.) denn den Tagesschlüssel der TDR72 gebraucht haben? Also da fällt mir nun wirklich nichts ein.



Versuch dich mal zu erinnern: Der GUvD der 7.(6.) Kompanie hatte jeweils die Aufgabe, bis ca. 11.00 Uhr den jeweiligen Tagesschlüssel vom Bunker abzuholen. Auch ich hatte als US mal diese Aufgabe. Wird wohl damit zusammenhängen, dass die Kompanie als Funkeinheit im Gefechtsfall auch ihre Aufgaben erfüllen konnte. Wenn ich mich recht entsinne gehörte der TDR-Schlüssel zu den dienstlichen Unterlagen des UvD und wurde nebst Waffenkammerschlüssel bei der Übergabe gegen 17.00 Uhr schriftlich (im Dienstbuch) übergeben.



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#249

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 17.03.2011 01:52
von Mart | 734 Beiträge

Zitat von Nordpol
Versuch dich mal zu erinnern: Der GUvD der 7.(6.) Kompanie hatte jeweils die Aufgabe, bis ca. 11.00 Uhr den jeweiligen Tagesschlüssel vom Bunker abzuholen. Auch ich hatte als US mal diese Aufgabe.


Ich erinnere mich tatsächlich nicht.
Beschreibe das Ganze mal bitte genauer. Also was das war, wie es aussah, wo es im UvD-Tisch war.
Das kann ja eigentlich nicht an mir vorbeigelaufen sein.


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#250

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 17.03.2011 03:08
von Mart | 734 Beiträge

Einberufung an der US VI.

Einige Vorbemerkungen.
1) Zeitraum anfangs der 1980er Jahre
2) einmal erlebte ich das als US - fünfmal auf der anderen Seite der Front
3) einzelne "Maßnahmen" werden sich in den Kompanien zeitlich anders dargestellt haben. Der grundsätzliche Ablauf war aber identisch.
4) bei einigen Punkten bin ich mir nicht sicher. Das kennzeichne ich dann.
5) Ich berichte meine Erlebnisse offen. ich bin aber nicht "die DDR" - ich verantworte dieses System nicht. (!)

Wichtigste Vorbemerkung ist aber folgende:
Das Stammpersonal hatte Schulungen. Der Kernpunkt war folgender psychologischer Fakt:
* Das Wertesystem eines Menschen ist mit dem 14. Lebensjahr ausgebildet
* Ein Mensch in einer absolut fremden Umgebung ist etwa drei Wochen "formbar".
Aus meiner damaligen Beobachtung fußte darauf das gesamte System. Auch heute sehe ich keinen Grund, von dieser Abschätzung abzuweichen.

So, jetzt der Tag der Einberufung.
Die Masse der Einberufenen kamen über zwei Sonderzüge ein: Der eine kam via Berlin, der andere via Magdeburg. Da stand dann auf dem Dorfbahnhof Perleberg ein kompletter D-Zug. 18 Wagen. Und nur vier passten an den Bahnsteig - der Rest stieg auf dem Schotter aus.
Die Herren wurden empfangen von Offizieren und Unteroffizieren. Es ging ausnehmend zivil zu. Vor dem Bahnhof sammelte man sich, bildete eine Marschkolonne. Das war sehr GST-mäßig. Und man schritt ohne Tritt in Richtung Kaserne. Und auf dem Weg stand eine sowjetische Kapelle, die seltsam schräge Melodien intonierte.

Auf dem Ex-Platz war das erste Antreten.
Exakt in der Antreteordnung der Kompanien - wie ihr sie von der Vereidigung und anderem Klimbim kennt.
Das dauerte etwas: Die zivilen Herren waren verunsichert. Die Militärs etwas genervt.
Der irritierend-zivile Tonfall der Vorgesetzten hatte ein schlagartiges Ende. Es wurde nun zwar nicht gebrüllt - aber es war schon sehr schneidend. Es war sehr klar, wer hier wer ist.

Jede Kompanie (zweimal, zwei D-Züge) zog nun "in Reihe!" auf den jeweiligen Kompanieflur. Dort wartete der KC: Der machte eine kurze politische Ansprache. Vor allem warteten die ZF und die GF. Es ging auf die Stuben.

Dann war der erste Schritt im Grunde die Wegnahme der Individualität: Alle in den Trainingsanzug rein.
Leider kann ich nicht mehr sagen,wo der empfangen wurde.
Der zweite Schritt (das unterscheidet sich vmtl. je nach Einheit) war das Packen der Zivilkleidung: Das war meist auch am ersten Tag.

Gleichzeitig liefen folgende Dinge:
* Einzelgespräche mit Zugführern (vmtl auch V-2000 schon)
* UvD-Pfiff zum Heraustreten zu - sicher wichtigen Dingen
* Hauptfeld erklärt vor der Front, wie das Abendessen geht

Danach ging es schick weiter.
Es gab keine einzige Sekunde - zu verharren.
Als erstes lernt man völlig unbekannte Vokabeln: Alles heißt jetzt "Maßnahme".
Und das in unbekannter Umgebung. Vor Tagen auf der Disko verabschiedet mit "Abschied von Sex und geilen Weibern, Abschied, wir ..."
Nun war alles ganz anders. Völlig irritierend. Kurz vor dem erlösenden Schlaf bildeten sich erste Freundschaften. Ob sie wohl so sehr klug waren?

Gelegentlich schauen wir uns den zweiten Tag an.
Dann gehen wir zum B/A-Empfang.
Wir lassen uns die Haare nochmals schneiden.
Wir füllen Formulare aus.
Wir üben schon "Männchen" vor dem UvD.
Wir haben schon politische Einzelgespräche.
Wir sind saumüde - wo sind wir den hier hingekommen?

(Den ersten Tag könnte ich ausführlicher beschreiben. Aber das liest dann niemand.)


zuletzt bearbeitet 17.03.2011 03:09 | nach oben springen

#251

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 17.03.2011 09:06
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Mart
(Den ersten Tag könnte ich ausführlicher beschreiben. Aber das liest dann niemand.)


Mach! (Oder um es mal in der Sprache für einen Ausbilder zu beschreiben: Entschluß bestätigt! AUSFÜHRUNG!)
Und dann wird es auch gelesen.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 17.03.2011 09:06 | nach oben springen

#252

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 17.03.2011 21:28
von Nordpol | 71 Beiträge

Guten Abend,

Zitat von Mart
Ich erinnere mich tatsächlich nicht.



Macht ja auch nichts, ich erinnere mich auch nicht an jede Einzelheit. Tja... also: In meiner Erinnerung war das ein Stück Pappe im A5-Format auf der die Felder für den Schlüssel aufgezeichnet waren. Das Ganze steckte dann in einer Plastefolie und wurde dann durch den jeweiligen Funker mit einem Fettstift beschriftet, um es dann am nächsten Tag wieder mit Spiritus abwischen zu können. Da der jeweilige GUvD diese Tafel natürlich nicht offen rumtragen konnte, steckte die in einer Tasche aus Leder. Diese wiederum im UvD-Tisch in einem der 3 Schubfächer.

[Tag der Einberufung]

Mart, genau so und nicht anders war es. So ist auch meine Erinnerung. Bis zum Einrücken in der Kaserne dachte ich auch: "Na so schlimm ist das ja alles nicht." Auf dem Appellplatz kam die Ernüchterung, ab da war alles anders.. Das Sportzeug gab es WIMRE im BA-Lager. Da erstmal nur das Sportzeug "kurz" bzw. "lang" auszugeben war, ging das relativ zügig. Dann sofort die Zivilklamotten verpacken - ab da sahen alle gleich aus. Irgendwann abends die erste Zigarette geraucht und die ersten Bekanntschaften geschlossen und fix und alle ins Bett gefallen.

Später dann als Uffz. war der Tag der Einberufung auch Stress pur, Stichwort: Nachrichten. Da die Funker ja nur Programmzeiten abzudecken hatten (Mo. und Mi. am Tage, Do. zu Fr. in der Nacht) war es eine ungeschriebene Regel im Bunker dass dann während der "funkfreien" Zeit in der Fe/Fs-Vermittlung auszuhelfen war, speziell in Stoßzeiten. Meistens ging es gegen Mittag los, dass die ersten Fernschreiben aus den WKK eintrafen dass sich $Einzuberufener nicht beim WKK eingefunden hatte. Andersherum ging es dann später damit los dass Anfragen an die WKK abzusetzen waren dass Meier, Müller Schulze... noch nicht eingetroffen waren. Das zog sich dann gut und gerne bis 22-23 Uhr hin. Telefongespräche waren nebenbei aber auch noch zu vermitteln (öffentlich, S1 und Direktleitungen). Manchmal stapelten sich schon die FS aus der SCSt, da ja jede Verbindung von Hand aufgebaut werden mußte und die Anschlüsse naturgemäß auch mal besetzt waren.

@94: kann Dein Posting vorbehaltlos unterschreiben.
@Mart: go ahead! (ich habe schon wesentlich längere Postings _komplett_ gelesen - und so halte ich es auch mit Deinen:-)



zuletzt bearbeitet 17.03.2011 21:57 | nach oben springen

#253

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 18.03.2011 00:06
von Mart | 734 Beiträge

Zitat von Nordpol
In meiner Erinnerung war das ein Stück Pappe im A5-Format auf der die Felder für den Schlüssel aufgezeichnet waren. Das Ganze steckte dann in einer Plastefolie und wurde dann durch den jeweiligen Funker mit einem Fettstift beschriftet, um es dann am nächsten Tag wieder mit Spiritus abwischen zu können.


Einer von uns beiden verwechselt was. Aber das kriegen wir raus - es sind ja noch zwei weitere Funker hier - wenn ich das recht verstand.
In meiner Erinnerung ist die TDR-72 folgendes: A4, aufklappbar - was A3 ergibt. Das Ding war rosa. Das war eine Matrix. senkrecht und waagerecht kamen als Streifen von SAS/SND alle 24h. Damit konnte man mehrere Dinge kodieren: Einerseits die Rufnamen. Also aus Gambit wurde 3jgw. Nach meiner Erinnerung gab es für jede FuSt mehrere Kode-Möglichkeiten (Frequenzwechsel!). Weitere Felder waren Signale: Luft, Flugzeug, Atom, Frequenzwechsel, sowas. Es gab auch Blind-Signale - also die nichts bedeuteten.
Die TDR-72 gab es nur im Bunker und im Alarmumschlag des Funkers des Stabschef (was ja mal ich war) beim OvD. Nach meiner Erinnerung wurde die TDR-72 in der Ausbildung der Funker mittlerer/großer Leistung mal kurz gezeigt. geübt wurde allerdings mit einer anderen Matrix.

Was Du beschreibst -da kommt meine Erinnerung wieder- war was anderes.
Das Ding war Pappe, A5. Und weil wir etwas sparen mussten, war die mit durchsichtiger Folie überzogen. Matrix-Prinzip das gleiche. Aber völlig andere Werte: Zwar auch Luft, Flugzeug usw. Aber andere Signale: Wechselkonzentrierungsraum beziehen - sowas.
Woher die Reihen/Spalten-Werte kamen weiß ich nicht mehr. Jedenfalls mußte der GUvD die mit Fettstift (auch wischfester Filzstift kam in Mode) eintragen, dann kam das Ding in die Schublade des UvD-Tischs.

Und wozu das Ganze?
Das war für den Funker des KC gedacht. Ich nehme mal an, dass der arme Mann vom 3. Zug gestellt wurde: Der bekam eine R-105 (oder 109?) auf den Rücken - und die Tabelle in die Hand. Erinnert euch mal: Es gab auch Probealarme, da wanderte man in Richtung StÜP. Also der Mann hatte wirklich die Arschkarte.
So richtig sinnvoll war das alles nicht: Die ersten zwei Monate konnte der Mann das Ding nicht recht bedienen. Und den Rest der Zeit bekam er keine Verbindung - es gab ja keine Gegenstelle. Also jedenfalls ist mir keine erinnerlich: Die 125/1125 und die 142 hatten bei Alarm meines Wissens nach keine Funktion. Die fuhren halt mit - weil alle fuhren.

Vielleicht kann uns das der 19frank63 genauer erklären: Wenn mir recht ist, war er Ausbilder im 3. Zug.

Zitat von Nordpol
@94: kann Dein Posting vorbehaltlos unterschreiben.
@Mart: go ahead! (ich habe schon wesentlich längere Postings _komplett_ gelesen - und so halte ich es auch mit Deinen:-)


Ich muss euch da etwas enttäuschen: Was ich oben schrieb - das war schon der erste Tag. Mehr war da nicht.
Vermutlich schmilzt die Erinnerung da die ersten fünf Tage auf den Tag der Einberufung zusammen; Tage 2 bis 6 - da war der richtige Stress.
Der Einberufungstag kommt in der Erinnerung deshalb so wahnsinnig vor, weil man da ja in eine völlig fremde Welt kam. Und natürlich war man verunsichert. Und wenn man glaubte, dass man irgendwo Halt fand, dann kippte der Pfosten gleich wieder um. Das war das Momentum. Und das war nicht zufällig. Das war gewollt. Ich erzählte es schon: Die Psychologie sagt, dass der Kern der Überzeugungen, Motivationen mit dem 14. Lebensjahr ausgebildet ist. Um-konditionieren kann man das nur in einer Unsicherheitssituation - und dann nur zwei bis höchstens drei Wochen. Das hat die DDR sehr genau gewusst.

Wie gesagt: Am Einberufungstag war nur das, was ich oben schrieb. Mehr ging zeitlich schon nicht: Der Sonderzug aus Richtung Magdeburg war so gegen 1300 da, der aus Richtung Berlin 1500 oder 1600. Da waren dann nur noch die oben beschriebenen "Maßnahmen". Und (danke Nordpol) hinter den Kulissen ein ziemliches Bohei: Immerzu Schäfchen zählen, Stärken melden. Schäfchen wieder einsammeln, wenn sie auf Entdeckungstour gingen.

Bitte nichts verwechseln: Ich berichte aus meinen Erinnerungen. Aber ich verantworte das nicht. Das verantworten andere.


zuletzt bearbeitet 18.03.2011 00:14 | nach oben springen

#254

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 18.03.2011 02:02
von Mart | 734 Beiträge

Zitat von Mart

Die Masse der Einberufenen kamen über zwei Sonderzüge ein: Der eine kam via Berlin, der andere via Magdeburg.


Nordpol,
das könnten wir als besonderes Thema uns gelegentlich auch noch anschauen. Ich war einmal Streifenführer auf der Magdeburger Linie. Ich übernahm den Sonderzug (also jetzt als Streifenführer) in Leipzig.
Aber ich würde denken, dass ich meine Berichte jetzt erstmal von Einberufung bis Vereidigung chronologisch mache. So mit erstem Zugausgang - und solchen Sachen.

Und danach (bei Interesse) kann ich dann mal erzählen, was so ein Kettenhund auf der ersten Fahrt erlebte. Das hat sich mir eingebrannt; ich musste das zum Glück nur einmal machen.


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#255

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 18.03.2011 07:53
von Nordpol | 71 Beiträge

Guten Morgen,

Zitat von Mart
kamen als Streifen von SAS/SND alle 24h



siehste, und das war bei mir schon wieder anders. Die TDR72-Schlüssel habe ich regelmäßig in Form eines A5-Heftchens über die VS-Stelle bezogen. Dieses Heft kam mit den anderen wichtigen Unterlagen in eine braune Ledertasche. Diese Tasche lagerte petschiert beim OvD und wurde jeweils gegen Empfangsbestätigung morgens empfangen und zum Feierabend wieder abgegeben. Wenn Du ins Stabsgebäude reingingst, saß gleich links ein US der jeweiligen wachhabenden Einheit. Seine Aufgabe war es Schlüssel zu den jeweiligen Dienstzimmern herauszugeben und natürlich auch per Knopfdruck den Durchgang zum Treppenhaus zu gewähren. Im Rücken dieses Postens befand sich hinter einem Vorhang die Schließfachanlage.

Ok, vielleicht kann ja noch jemand anders was dazu sagen, ich kann natrürlich nur von "meiner" Zeit sprechen, die gerade mal Dein letztes DHJ einschließt. Ich weiß aber auch noch, dass der arme Kerl von GUvD manchmal ne ganze Weile oben an der Tür ausharrte weil wir grade beim Kaffetrinken waren und ihn schlicht und einfach vergessen haben...



zuletzt bearbeitet 18.03.2011 08:03 | nach oben springen

#256

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 18.03.2011 08:54
von utkieker | 2.916 Beiträge

Also bei meiner Einberufung fuhr der Zug über Schwerin und wir waren schon Vormittags da, sind dann vom Bahnhof zur Unteroffizierschule ohne Tritt marschiert. An eine sowjetische Militärkappelle kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Dafür kann ich mich aber daran erinnern, daß wir umgehend zum Frisör geschickt wurden. Noch bevor die nächsten kamen standen wir schon an um B/A im Empfang zu nehmen, eine Maßnahme folgte der nächsten nur zum Essen kam man nicht. Langsam füllten sich die Stuben aber Ruhe kam trotzdem nicht auf. Ich meine es gab noch Nachzügler, die erst am darauffolgenden Tag nach Perleberg kamen.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#257

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 18.03.2011 10:54
von 19frank63 | 22 Beiträge

Zur TDR-72 (so, wie mir es noch in Erinnerung ist)
Für den UvD der Kompanie war sie Teil seiner Unterlagen, die bei der Dienstübergabe mit an den Nachfolger übergeben wurde (neben Petschaft, WK-Schlüssel u.s.w.) Der aktuelle Schlüssel musste vom Stabsgebäude geholt werden.(VS-Stelle) Für die Ausbildung selbst wurden alte Schlüssel oder Phantasieschlüssel genutzt.
Die R125 (auf GAS69, glaube ich) sowie die R142 ( auf GAS66, mit R111, R-123) mussten bei "Gefechtsalarm mit raus, da sie der Nachrichtenkompanie zugeteilt waren.Der TDR-Schlüssel wurde in die TDR, die sich z.B. auf der R142 im Offiziersraum in der Sitzbank lag, eingetragen. Am Standort angekommen, musste der Truppführer den Fahrer einweisen. Ichglaube, nur zu diesem Zweck ist die Technik auch mit ausgerückt. Haben wir im Rahmen eines solchen Alarms jemals eine Funkstecke aufgebaut? Nach meinen Erinnerungen -Ja (hier kann ich mich auch irren und das Ganze mit dem Funkdienst im GR-Plauen verwechseln).
Während 2 Funker so taten, als ob sie arbeiten, hat sich der Zuführer "nette" Spielereien einfallen lassen. (Arbeit unter gefechtsnahen Bedingungen) Nebenbei musste das ganze Fahrzeug noch bewacht werden.


„Erfahrungen vererben sich nicht - jeder muß sie allein machen. ('')
Kurt Tucholsky
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#258

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 18.03.2011 12:40
von 19frank63 | 22 Beiträge

Unter dieser Adresse findet ihr unter anderem auch die Ansichten der Fahrzeuge und Innenräume
http://www.ddr-nva-galerie.de/Fahrzeuge.html


„Erfahrungen vererben sich nicht - jeder muß sie allein machen. ('')
Kurt Tucholsky
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#259

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 19.03.2011 00:28
von Mart | 734 Beiträge

Zitat von Nordpol
Wenn Du ins Stabsgebäude reingingst, saß gleich links ein US der jeweiligen wachhabenden Einheit. Seine Aufgabe war es Schlüssel zu den jeweiligen Dienstzimmern herauszugeben und natürlich auch per Knopfdruck den Durchgang zum Treppenhaus zu gewähren. Im Rücken dieses Postens befand sich hinter einem Vorhang die Schließfachanlage.


Daran kann ich mich nicht erinnern. Auch nicht, das das ein Posten der Wache war.
Möglicherweise war das nach meiner Zeit. Gründe hat es gegeben:
83 oder 84 hatten wir mal einen heißen Alarm. Also richtig heiß. Da stapelten sich beim OvD die Abholer der verschiedensten Unterlagen - das ging mal garnicht.

Zitat von 19frank63
Die R125 (auf GAS69, glaube ich) sowie die R142 ( auf GAS66, mit R111, R-123) mussten bei "Gefechtsalarm mit raus, da sie der Nachrichtenkompanie zugeteilt waren.Der TDR-Schlüssel wurde in die TDR, die sich z.B. auf der R142 im Offiziersraum in der Sitzbank lag, eingetragen. Am Standort angekommen, musste der Truppführer den Fahrer einweisen. Ichglaube, nur zu diesem Zweck ist die Technik auch mit ausgerückt. Haben wir im Rahmen eines solchen Alarms jemals eine Funkstecke aufgebaut? Nach meinen Erinnerungen -Ja (hier kann ich mich auch irren und das Ganze mit dem Funkdienst im GR-Plauen verwechseln).


Die Funkbuden hatten (bis auf eine) keine Funktion. Die nahm man halt mit, weil das so war. Auf dem Marsch war eh Funkstille. Und auf dem StÜP kam es darauf an: Meist war Abbruch der Übung nach der Einnahme der zugewiesenen Stellungen - was für uns im Grunde der eigene Übungsplatz war. Es mag sein, dass da ab und an in eigener Regie noch etwas Entfaltung Funkstelle geübt wurde.

Eine Besonderheit hab es - die kam mit GM Tanner auf. Dabei weiß ich nicht, ob das von Tanner abhängig war - oder weil zu der Zeit Doppelbeschluß und SS_20 usw. war. Jedenfalls war das dann nicht mehr so gemütliches Ausreiten wie Du das noch kennst. Und da hatte eine Funkstelle tatsächlich eine Funktion; ich hatte das schon mal beschreiben:

Die 1. R-118 war das. Also die: 1. Zug, 1. Gruppe.
Truppführer war der GF. Dazu Fahrer und zwei Uschis. Marschband, Platz vier. So nach x+20 oder x-25 marschbereit. Der Truppführer griff sich die MPi und rannte zum OvD, Umschläge holen. Für Teil 1 und SPA und diesen Zinnober hatte er keine Zeit: Das trug der 1. US im Laufschritt zum Aufstellplatz. R-118 rollt gleichzeitig vom Park. Meldung, Aufsitzen. Schon los.
Dieser Trupp entfaltete dann hinter den beiden Schießbahnen; Sperrbereich. Die Bude wurde vollständig entfaltet. Drei dieser 4-Rad-SPW waren zu unserem Schutz im Umkreis.
Bei den harmlosen Alarmen mit Vorwarnung - da blieb es bei der Funkstille. Bei den etwas schärferen wechselte diese Funkstelle in Funksendeverbot: Hörend im 004. Wenn Wechselrahmen 949 (Nordpol) ausgefallen wäre, wären wir auf Befehl drin gewesen. Sender lief, allerdings gegen Antennenäquivalent.


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#260

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 19.03.2011 02:36
von Mart | 734 Beiträge

Der zweite Tag an der US VI.
Vorbemerkungen:
- Das muss nicht in jeder Kompanie völlig identisch gewesen sein. Beispielsweise hat schon ein Vorredner gesagt, dass er schon am Einberufungstag zum Frisör musste.
- Ich schildere das aus der Sicht eines GF/Ausbilders

Der zweite Tag - das war der Tag der Einkleidung. Eine logistische Meisterleistung: Circa 1.000 Mann an einem Tag einkleiden. Alle anderen "Maßnahmen" dieses Tages hatten entweder mit der Einkleidung zu tun - oder waren Füllmaßnahmen.

0600: Pfiff. Siiiiiieeeemmmmm-Paaaaanie aufstehen! Fertigmachen zum Frühsport! Zeit: Drei Minuten!
Zu diesem Zeitpunkt standen sämtliche Zugführer und Gruppenführer auf dem Flur - denn es drohte das ganz große Chaos: Die jungen Herren wussten ja kaum, wo das Klo war. Und wie man auf dem Flur antritt. Und wie man ohne größere Unfälle die Treppe runter kommt. Von drei Minuten war da real natürlich keine Rede. Nach so 15 Minuten standen die verschlafenen Männer im Turnzeug etwas unsortiert auf dem Flur. Und bekamen erstmal die ersten Anranzer: Zweite Kachel! Fussspitzen! Ruhe!
Bei etwa 30% war dann noch die Anzugsordnung falsch. Das auch noch korrigieren.
Dann folgte die erste logistische Herausforderung: Der Treppenflur. Denn da waren ja auch noch andere Kompanien, die den nutzen wollten. Das war der Einsatz des Hauptfeld (oder eines Zugführers): Er erklärte, wo und wie man auf der Treppe zu laufen habe. - Na denn mal los: Kompanie! Rechts-links um! - Rumms, drei Tote. Und viele Lacher. Soldat! Ruhe! Ok, mal üben: Worin wollen wir eigentlich?
Dann mal runter. Da stehen jetzt schon die ZF/GF: Eine Kompanie aufstellen in drei Reihen. Der Hauptfeld erklärt, dass wir jetzt Frühsport machen. Und zwar in Marschordnung - eine Runde um den Ex-Platz. Übrigens 12 Kompanien gleichzeitig. Ok, geschafft: alle wieder antreten vor dem Block. Der Hauptfeld erklärt, wie man denn über eine Treppe wieder einrückt. Und was dann zu tun sei: Körperpflege, Bettenbau, Vorbereitung zum Frühstück. Alle Mann hoch.

Mit Bettenbau oder Ordnung war da noch nicht so sehr viel: Die Zeit zum Frühstück kniff: Die Kompanie musste punktgenau 0730 (oder was weiß ich) im Speisesaal sein. - Pfiff. Kompanie Raustreten zum Frühstück! Das dauerte dann, bis der letzte auf dem Flur stand. Zweite Kachel! Ruhe! Dann haben die ZF/GF erstmal die gesucht, die Besteck oder Plastetasse vergessen hatten. Etwa an der Stelle gab es übrigens die ersten Mutigen. Mal Grenzen austesten. Aber da standen 4 ZF und 12 GF auf dem Flur. Das wurde fix unterbunden. Es wurde nicht gebrüllt (also ich erlebte das jedenfalls nie). Aber der Ton wurde schneidend scharf.

Nun mal wieder über die Treppe runter: Die Ansprache des Hauptfeld war kürzer und präziser: "Genossen, das kennen Sie jetzt. Wenn das nicht klappt, gibt es Ärger!" - Klappt. Da zuckte keiner mehr. Unten antreten. Ohne Tritt Richtung Speisesaal. Rein da.
Nächste Übung: Aufstellen hinter dem Platz. Alle wieder sortieren. Ruhe durchsetzen. Kompanie setzen! Da stand dann wirklich neben jedem Tisch ein GF und achtete darauf, dass niemand sprach. Aber da war auch Ruhe: Die jungen Herren waren jetzt schon verunsichert: Heilige Scheiße, wo bin ich denn hier angekommen? Wäre Panzer vielleicht doch die bessere Wahl gewesen?

Ich kürze das ein wenig ab: Das ging dann den ganzen Tag so.
Wenn irgendwie Leerlauf war, dann wurde geübt. Raustreten. Über die Treppe runter. Antreten unten. Wieder hoch. Raustreten. Ansprache des Hauptfeld: Was ist ein UvD? Was macht der Tisch da auf dem Flur? Wegtreten.
Und zwischendurch bauen wir mal ein Bett. Vor allem aber füllen wir ein richtig großes Formular (DIN A4, mehrere Seiten) aus. Unter Anleitung: Der Fragebogen fragte persönliches ab: Ob man in der SS war, das war die eher abstruse Frage. Es wurde nach Eltern, Verwandten, Westkontakten gefragt. Also ziemlich viel. (Ich meine, dass das eine Vergleichsübung für V 2000 war, da man den gleichen Fragebogen schon einmal auf dem WKK ausfüllte.)

Wartet, ich komme schon noch auf die Einkleidung.
Weitere Füllmaßnahmen waren die Abgabe der Pakete mit der Zivilbekleidung auf der Post - neben der Wache KDL-1.
Und folgende - die schon erwähnt wurde - aber nicht zwingend an diesem Tag war. Das gucken wir uns mal näher an:
Anweisung war ja, dass man mit militärischem Haarschnitt anzutreten habe. Wir erinnern uns. Und wir erinnern uns daran, dass die meisten das so lösten, dass man notfalls die Haarspitzen ganz knapp über das Ohr bekam. Böse Falle. Ganz böse Falle.
Pfiff. Kompanie raustreten! Rumpel-Pumpel. Bereits nach mehreren Minuten hatten sich alle eingefunden. Zweite Kachel! Fussspitzen! Soldat! Einen Schritt vor! Umdrehen! Zum Frisör!
Da passierte dann regelmäßig folgendes: Der Soldat wollte nun nicht zweimal binnen Tagen geschoren werden. Und leistete erstmals verbalen Widerstand. Er wurde dann sofort eingenordet: "Soldat! Sie sprechen, wenn ich Sie frage!" Ausnehmend scharfer Tonfall - welchen auch die Soldaten wahrnahmen, denen dieses Schicksal erspart blieb.
Sodann (das waren so ca. 30% einer Kompanie) ging es zum Friseur. Das war neben der Poststelle, also KDL-1. Ich möchte mal bezweifeln, dass das ausgebildete Friseurinnen waren: Ich kann mich erinnern, dass das auch die Damen der MHO mit der Schere rumfuchtelten.
Ich muss mal abschweifen: Es kam auch vor, dass da jemand mit richtig langen Haaren antrat. Schwer zu schätzen, ich würde mal denken: Zwei pro Kompanie.

Nun komme ich endlich auf die Einkleidung.
Kompanie runter - ab zum B/A-Lager: Das war ein relativ großes Gebäude direkt hinter dem Küchengebäude.
Dort stand die Kompanie. Und das war die große Stunde des Hauptfeld: Er hielt eine Ansprache an sein Volk: "Wir sind eine sozialistische Armee! Dieses 'passt' - das gibt es hier nicht! Sie gehen an die verschiedenen Stationen. Und dann sind sie so lange da, bis Sie ein passendes 'Teil' haben! Haben Sie das verstanden?"
Ja, Cheffe. Murmelten die völlig irritierten Soldaten - was ist das jetzt wieder für ein Ton?

In Reihe ging es in das B/A-Lager. Dort gab es einen Zwangsweg. Die GF passten fein auf, dass da niemand vom rechten Weg abkam. An jeder "Station" stand jemand. Einerseits irgendwelche Feldwebeldienstgrade. Andererseits dicke Mütterchen, die Babuschka aus dem Gesicht geschnitten waren. Für die Schüler war das völlig irritierend: Der Tonfall war nun wieder zivil - fast nett. Und es wurde wirklich probiert. Ob "das Teil" passt. Und da war auch Zeit dafür da.
Der ganze Krempel kam auf die Zeltbahn. Und wurde immer mehr. Und mehr. Rausschleppen das Ganze. Oh.

Direkt draußen (vor dem B/A-Lager war der kleine Sportplatz) oder auf dem Ex-Platz war dann die erste Vollzähligkeitskontrolle.
Eine ausnehmend formale Veranstaltung.
Vorn stand der Hauptfeld - und war nun nicht mehr so ganz entspannt: Zeltbahn ausbreiten. Sodann nannte er jedes einzelne Stück. Und wo man das auf der Zeltbahn abzulegen habe. Das dauerte schon deutlich. Zwischen den Reihen schritten die GF. Und achteten darauf, dass wirklich das gemacht wurde, was befohlen war: Soldat! Führen Sie Befehle aus! Irgendwann lag das ganze Gesums dann auf der Zeltplane.
Nächste Übung: Der Hauptfeld erklärt, wie eine Vollzähligkeitskontrolle abläuft. Und was man als Soldat auf den Befehl hin zu tun hat: Stahlhelm! Vorzeigen! Das dauerte natürlich auch. Genau an diesem Punkt waren die ersten US mental fertig: Wie schön war es doch bei Mutti. Aber durch die Reihen gingen die GF. Wer da jetzt Widerworte hatte oder nicht mehr mitspielen wollte: Der wurde mit schneidender Stimme fix eingenordet: Hier muss man bedenken, dass auch die GF schon einen langen Tag hatten.
Es kam häufig vor, dass ein "Teil" fehlte. Das Ganze auf Stopp. Soldat im Laufschritt in das B/A-Lager. Empfang.

So. Den ganzen Schotter in die Zeltbahn. Und ab auf die Kompanie.
Eine Marschordnung gab es nicht mehr. Der Krempel war ja sauschwer. Und nicht jeder war ein Gewichtheber. Das ging dann soweit, dass die GF den eher kleinwüchsigen Soldaten beim Tragen halfen. - Ufffff. Alle auf den Zimmern.
Also wer nach dieser Nummer als Soldat nicht knülle war - der war ein Leistungssportler. Gab es auch. Da musste man als GF sehr aufpassen: Die konnten sich zu Aufrührern entwickeln. Was man heutzutage "Sitzstreik" nennt.

Nächste Falle (also aus Ausbilder-Sicht): Mittag beziehungsweise Abendbrot.
Essenszeiten waren heilig. Es wurde in drei Schichten gegessen - da konnte man nicht überziehen.
Die gleiche Nummer: Raustreten. Nochmal der Anranzer, wie man auf dem Flur zu stehen habe - zweite Kachel. Wie man die Treppe zu überwinden habe. Los, Abendbrot.

Die Jungs waren völlig fertig.
Aber da waren ja noch die ZF und GF: Stehen Sie still! Sie reden nur, wenn Sie gefragt werden!
Ab zum Abendbrot. Und zurück. Mal wieder Antreten üben. Und nochmal.

Hochrücken.
Oh, dumm. Da stand der GF schon im Zimmer. Jetzt räumen wir mal einen Schrank ein!
Das war natürlich nicht diese hoch-ideale Packordnung . wie man sie später kennenlernte. Das war mehr oder weniger gestopft: Der GF sagte "das Teil" an. Jeder griff sich dieses "Teil". Der GF sagte an, in welches Fach das gehört. Rein damit. Es waren viele "Teile". Sehr viele.
Wenn da jetzt noch jemand zuckte, dann war ihm die persönliche Ansprache des GF gewiss. Sehr gewiss. Denn der fand diesen Tag auch nicht so sonderlich prickelnd. Und er hatte auch nicht die geringste Lust, einen widersprechenden Rotzlöffel in seiner Gruppe zu haben: Er selbst stand ja auch unter Befehl.

Es kam sehr darauf an, zu welcher Zeit die Kompanie am B/A-Lager war. Falls das sehr früh war, dann gab es am Abend schon die erste Putz- und Flickstunde: Schemel raus. Wir üben mal, wo der zu stehen hat. Und gucken mal, ob alle Knöpfe an der Uniform sind. Das war dann ein ständiges heraustreten auf Befehl: Es wurde angesagt, welches das nächste zu zeigende "Teil" sei.

Etwas Körperpflege dann noch.
Siiiiiem-Paniiiieeee! Nachtruhe! Licht aus!
Die allermeisten waren so knülle, dass sie schlagartig schliefen.

Allerdings geisterten einige-wenige nachts über den Flur. Mal pullern. Oder auch verwirrt. Ich habe da durchaus auch Tränen gesehen.

Abschließend:
Auch der dritte Tag war nicht so lustig. Die Erinnerung dampft die ersten fünf Tage auf den Tag der Einberufung ein. Aber das stimmt nicht.
Ich berichte meine Erinnerungen.
Ich war dabei. Einmal als US, fünfmal als GF/Ausbilder.
Aber ich verantworte das nicht; das verantworten andere. Das mal bitte nicht verwechseln.


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