#21

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 15.10.2011 18:47
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@Harsberg,

Deine Aussage mag auf kleinere Gemeinde zutreffen. Selbst in Städten mit 50.000 Einwohnern, jedenfalls die in der ich eine Zeit lebte, hatte die Wohnungsverwaltung den Überblick verloren.

In Berlin habe ich in 5 Tagen, in einem relativ kleinen Gebiet im Prenzlauer Berg, soviele leerstehende Wohnungen gefunden, das ich eine Liste mit über 10 Seiten hatte.
Die Bearbeiterin auf dem Wohnungsamt war sehr interessiert, wenigstens einen Teil des Leerstandes zu erfahren aber auf der anderen Seite nicht bereit zuzusichern das ich eine Wohnung der von der Liste bekomme.
So bekam sie die Liste nicht.
Zu einer Wohnung bin ich dann auf eine andere Art gekommen. Ähnliche Varianten wurden hier schon beschrieben.
Bei mir war dies 1978.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

nach oben springen

#22

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 15.10.2011 19:02
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Ein Video zum damaligen Wohnungsbauprogramm.......no comment.


nach oben springen

#23

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 15.10.2011 19:02
von damals wars | 12.186 Beiträge

Die "besetzten Wohnungen befanden sich meist in einem schlechten Zustand.
Und die KWVs waren Dank Berlin- Initiative und Arbeitskräftemangel kaum in der Lage, die notwendigen Reparaturen auszuführen.
So das die Wohnungen instandbesetzt wurden.
In der Regel Tö halbe Treppe tiefer, Ofenheizung.

Und mit funktionstüchtigen Öfen war auch so ne Sache.

War z.B. der Badeofen hinüber, war ein viertel Jahr Wartezeit nicht selten.

Oftmals war es "Verzweiflung", das die Besetzer antrieb. Keine große Wohnung ohne Heirat und so.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
nach oben springen

#24

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 15.10.2011 19:05
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Zitat von Nostalgiker
@Harsberg,

Deine Aussage mag auf kleinere Gemeinde zutreffen. Selbst in Städten mit 50.000 Einwohnern, jedenfalls die in der ich eine Zeit lebte, hatte die Wohnungsverwaltung den Überblick verloren.

In Berlin habe ich in 5 Tagen, in einem relativ kleinen Gebiet im Prenzlauer Berg, soviele leerstehende Wohnungen gefunden, das ich eine Liste mit über 10 Seiten hatte.
Die Bearbeiterin auf dem Wohnungsamt war sehr interessiert, wenigstens einen Teil des Leerstandes zu erfahren aber auf der anderen Seite nicht bereit zuzusichern das ich eine Wohnung der von der Liste bekomme.
So bekam sie die Liste nicht.
Zu einer Wohnung bin ich dann auf eine andere Art gekommen. Ähnliche Varianten wurden hier schon beschrieben.
Bei mir war dies 1978.

Gruß
Nostalgiker





Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
nach oben springen

#25

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 15.10.2011 19:26
von eisenringtheo | 9.179 Beiträge

Zitat von Nostalgiker
(...)

In Berlin habe ich in 5 Tagen, in einem relativ kleinen Gebiet im Prenzlauer Berg, soviele leerstehende Wohnungen gefunden, das ich eine Liste mit über 10 Seiten hatte.
(..)
Gruß
Nostalgiker



Abreissen und neubauen ist billiger als renovieren. Im Westen haben die Eigentümer viele Wohnungen vergammeln lassen und bei Wegzug der Mieter nicht mehr vermietet, bis sie ganz "entmietet" waren, um dann die Blocks abzureissen und neue hinzustellen. Vielleicht hat man ja in der DDR eine ähnliche Strategie verfolgt.
Theo


nach oben springen

#26

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 15.10.2011 19:54
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von eisenringtheo

Zitat von Nostalgiker
(...)

In Berlin habe ich in 5 Tagen, in einem relativ kleinen Gebiet im Prenzlauer Berg, soviele leerstehende Wohnungen gefunden, das ich eine Liste mit über 10 Seiten hatte.
(..)
Gruß
Nostalgiker



Abreissen und neubauen ist billiger als renovieren. Im Westen haben die Eigentümer viele Wohnungen vergammeln lassen und bei Wegzug der Mieter nicht mehr vermietet, bis sie ganz "entmietet" waren, um dann die Blocks abzureissen und neue hinzustellen. Vielleicht hat man ja in der DDR eine ähnliche Strategie verfolgt.
Theo



Glaub ich nicht,viele Häuser waren ja auch in privater Hand,Baustoffe waren Mangelware und in den Zentren der Städte waren viele Geschäfte wie HO oder Konsum in den unteren Etagen dieser Ruinen untergebracht.
Darüber herrschte oft Leerstand
Rund um und in diesen Ruinen fand eigentlich das (Einkaufs)-Leben statt,ein wichtiger,wenn auch nicht schöner Teil der mangelhaften Infrastruktur einer DDR Alt-Stadt.


nach oben springen

#27

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 15.10.2011 19:59
von Boelleronkel (gelöscht)
avatar

Zitat von eisenringtheo

Zitat von Nostalgiker
(...)

In Berlin habe ich in 5 Tagen, in einem relativ kleinen Gebiet im Prenzlauer Berg, soviele leerstehende Wohnungen gefunden, das ich eine Liste mit über 10 Seiten hatte.
(..)
Gruß
Nostalgiker



Abreissen und neubauen ist billiger als renovieren. Im Westen haben die Eigentümer viele Wohnungen vergammeln lassen und bei Wegzug der Mieter nicht mehr vermietet, bis sie ganz "entmietet" waren, um dann die Blocks abzureissen und neue hinzustellen. Vielleicht hat man ja in der DDR eine ähnliche Strategie verfolgt.
Theo





Schweres Kapitel....

Wie soll ein privater Eigentümer eines Mehrfamilienhauses (davon gabs Einiges in den Altstädten)eine Rekonstruktion refinanzieren....
Miete 40/50/60/70DDMark imMonat ein richtiger Kachelofen/eine Gasheizung/eine Etagenheizung vom Materialmangel wollen wir mal nicht diskutieren!
War der "Alteigentümer"vielleicht nicht mehr inne DDR....schlechte Karten für die Leuts...
KWV...kann weiter verfallen....oder bei baulicher Sicherung wegen Verfalls..."Zwangskreditierung"bis zur fast legalen Enteignung!

Privateigentum,besonders für Alteigentümer hatte keinen Stellenwert inne DDR!
Die Verwaltungen hatten dann eben nur noch zu verwalten,aber nix mit Investition....
Was dann wiederum nach der sogenannten "Wende"ein neues Problem dartstellte,wäre aber ein anderes Thema.

Nu dann genug für Heute
BO


nach oben springen

#28

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 15.10.2011 20:34
von Boelleronkel (gelöscht)
avatar

Zitat von eisenringtheo

Zitat von Nostalgiker
(...)

In Berlin habe ich in 5 Tagen, in einem relativ kleinen Gebiet im Prenzlauer Berg, soviele leerstehende Wohnungen gefunden, das ich eine Liste mit über 10 Seiten hatte.
(..)
Gruß
Nostalgiker



Abreissen und neubauen ist billiger als renovieren. Im Westen haben die Eigentümer viele Wohnungen vergammeln lassen und bei Wegzug der Mieter nicht mehr vermietet, bis sie ganz "entmietet" waren, um dann die Blocks abzureissen und neue hinzustellen. Vielleicht hat man ja in der DDR eine ähnliche Strategie verfolgt.
Theo





Theo....
ick muss nochmal...also zu dem Thema (Auszug der Mieter,also im Westen...ähm alt BRD und nicht neu vermieten)

Da gabs noch den kleinen "Anreiz"also rein "ökonomisch"gesehen....Steuererklärung!!!
"Verlust aus Vermietung und Verpachtung"...also sozusagen Leerstandsförderung aller alt Bundesländer....haben wir dann natürlich übernommen!

Ab und an wurde man natürlich mal "getestet"ob man denn überhaupt wollte,also vermieten....
Dann konnte man ja eine Zeitungsanzeige geschaltet haben...dann den damilgen Interessenten erörtern die Wohnung sei schon weg....
bleibt also beim Leerstand und die Zeitungs-Anzeige als Werbungskosten auch noch steuerlich absetzten....
Wie schön...
allett wird juut!

Gruss BO


nach oben springen

#29

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 15.10.2011 21:13
von eisenringtheo | 9.179 Beiträge

Zitat von Boelleronkel

(...)
Da gabs noch den kleinen "Anreiz"also rein "ökonomisch"gesehen....Steuererklärung!!!
"Verlust aus Vermietung und Verpachtung"...also sozusagen Leerstandsförderung aller alt Bundesländer....haben wir dann natürlich übernommen!
(...)



Seltsame Steuergesetze habt ihr!!! Genau diese Bestimmungen ist ein ganz grosses Problem in den Schweizer Tourismusgebieten. Das Problem der "Kalten Betten". Deutsche kaufen Ferienwohnungen, sind zwei, drei Wochen selber dort. In der übrigen Zeit "vermieten" sie die Wohnung. Auf Anfrage von Touristen sind sie immer vermietet, aber eigentlich sind sie leer. In Deutschland werden Steuerabzüge gemacht und hier in den touristischen Gebieten entstehen Wohnburgen, die ausserhalb der Wintersaison meist leerstehen.
http://www.gr.ch/DE/institutionen/verwal...hten%20Auer.pdf
Theo


zuletzt bearbeitet 15.10.2011 21:13 | nach oben springen

#30

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 15.10.2011 22:41
von uffz_nachrichten | 475 Beiträge

Zitat von Boelleronkel
..............

Schweres Kapitel....

Wie soll ein privater Eigentümer eines Mehrfamilienhauses (davon gabs Einiges in den Altstädten)eine Rekonstruktion refinanzieren....
Miete 40/50/60/70DDMark imMonat ein richtiger Kachelofen/eine Gasheizung/eine Etagenheizung vom Materialmangel wollen wir mal nicht diskutieren!
War der "Alteigentümer"vielleicht nicht mehr inne DDR....schlechte Karten für die Leuts...
KWV...kann weiter verfallen....oder bei baulicher Sicherung wegen Verfalls..."Zwangskreditierung"bis zur fast legalen Enteignung!

Privateigentum,besonders für Alteigentümer hatte keinen Stellenwert inne DDR!
Die Verwaltungen hatten dann eben nur noch zu verwalten,aber nix mit Investition....
Was dann wiederum nach der sogenannten "Wende"ein neues Problem dartstellte,wäre aber ein anderes Thema.

Nu dann genug für Heute
BO



Das mit der Miete stimmt, war aber nur eine Seite der Medaille. Meine erste Wohnung ( verheiratet, 1 Kind im Anmarsch ) war eine ehemalige Reichsbahnwohnung. Heißt: Die Wohnung gehörte verwaltungstechnisch der Reichsbahn, wurde aber durch die Mutter des Hausbesitzers bewohnt. Als diese starb hat der Besitzer meine Holde gefragt, ob sie nicht einziehen wolle. Er war damals ihr Lehrausbilder. Also sind wir dort quasi schwarz eingezogen. Und beinahe standepede wieder rausgeflogen. Aber die KWV hat dann irgendwie einen Deal mit den Reichsbahnern gemacht. Evtl. half auch meine damalige Zugehörigkeit zu den GT?
Auf jeden Fall hab ich dort unterm Dach in 1,5 Zimmern unsaniertem Altbau 7 Jahre gelebt, zuerst zu zweit, dann zu dritt und am Ende zu viert. 1991 hab ich dann eine von den frei gewordenen Neubauwohnungen bekommen. Nach gründlicher Sanierung und Auszug der angolanischen Vormieter.



nach oben springen

#31

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 16.10.2011 09:54
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von ek40
Also davon hatte ich bis dato noch nie gehört......ich meine von den "Hausbesetzern".
Die Wohnungsnot war krass und bekannt,die verfallenen Innenstädte und Ruinen damals kann niemand leugnen......aber vom "Schwarzwohnen" las ich heute zum ersten mal.
Hat das jemand von euch (eventuell in Großstädten) damals mitbekommen?

"In der DDR eine eigene Bleibe zu bekommen, das war für junge, unverheiratete und kinderlose Frauen und Männer nahezu aussichtslos - die Vergabe der wenigen verfügbaren Wohnungen war fest in staatlicher Hand. Tausende junge Leute zogen deshalb kurzerhand schwarz in leerstehende und verfallende Altbauten ein. Der Historiker Udo Grashoff hat das Phänomen erforscht und sagt: Schwarzwohnen war zu DDR-Zeiten normal und keine Randerscheinung."

Hier weiterlesen: http://www.volksstimme.de/nachrichten/sa.../?em_cnt=546312


Die neue "Horch und Guck" vom September widmet sich diemal ganz ausführlich diesem Thema.
Erstaunlich für mich war auch, wie gelassen man diesem Phänomen seitens der DDR- Führung scheinbar gegenüber stand.
Solange die Schwarzwohner nicht politisch aktiv wurden ließ man sie wohl auch in Ruhe, da man nur dann räumen durfte, wenn Ersatzwohnraum seitens der Behörcden gestellt werden und vor dieser Konsequenz hatte man Angst, ein Gleichgewicht des Schreckens einmal anders.
Oft verzichtete man in den Abrißhäusern sogar auf die Miete, lediglich Strom war wohl zu bezahlen, es sollte ja nur bis zum Abriß geduldet werden, doch der ließ oft 5-10 Jahre auf sich warten, wie z.B. in Halle als man zeitgleich zum Abrißprogramm Halle Neustadt aus dem Boden stampfte.
Die Zeitschrift beschreibt die Geschichte eines Philosophiestudenten Toni, der in der Marktstraße 3 in Halle so ein Revier bezogen hatte, die vorrangig als Treffpunkt und Bücherdepot, somit offiziell als Nebenwohnsitz diente.
Das Unrechtsbewußtsein dieser Schwarzmieter war recht gering, es kursierte sogar das Gerücht, daß man sich nach der Zahlung von drei Mieten der Räumungsklage entziehen konnte, was dazu führte, daß monatlich mehrere 10.000 Mark bei Vermietern eingingen, die gar nicht zuzuordnen waren (Berlin, Prenzlauer Berg- Quelle HuG Sept. 11, S. 49).
Anders konnte es aber auch gehen, so z.B. waren in Leipzig in ähnlichen Fällen auch mal 500 Euro Ordnungsstrafe fällig, man konnte sich eben auf nichts verlassen.



nach oben springen

#32

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 16.10.2011 10:59
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von hackel39
Anders konnte es aber auch gehen, so z.B. waren in Leipzig in ähnlichen Fällen auch mal 500 Euro Ordnungsstrafe fällig, man konnte sich eben auf nichts verlassen.



Ich ahnte es, jetzt weiß ich es
Die DDR war der Zeit voraus und die Leipziger besonders schnell!

"Nebenwohnsitz" war nicht die beste Idee bei der Besetzung einer Wohnung. Die Kunst bestand darin diese Adresse in den regulären Hauptwohnsitz umzuwandeln.
Ein Nebenwohnsitz konnte ersatzlos geräumt werden, da immer noch der Hauptwohnsitz 'Eltern'; als Beispiel; bestand.
Ein Hauptwohnsitz konnte nicht "geräumt" werden.
Das hätte bedeutet den Mieter auf die Strasse zu setzen und das ging nicht. Die KWV mußte sich um adäquaten Wohnraum kümmern.
Meisten "kapitulierte" die KWV und nach einigem hin und her bekam man für die Wohnung in der man bereits wohnte einen rechtsgültigen Mietvertrag.

Von diesem "Gerücht": 3 Mieten zusätzlich = keine Räumungsklage höre ich hier zum ersten Mal.

In der für mich zuständigen Geschäftsstelle der KWV hing immer eine Hitliste der Mietschuldner. Sie wurde lange von einem Mieter einer knapp 30 qm großen Einraumwohnung für 24 Mark Miete angeführt. Der letzte mir in Erinnerung gebliebene Mietrückstand betrug so um die 1400 Mark DDR und er wohnte immer noch in der Wohnung.
Einzig Strom und Gas wurde relativ schnell abgestellt wenn der Verbrauch nicht bezahlt wurde.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

nach oben springen

#33

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 16.10.2011 12:11
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Nostalgiker

Zitat von hackel39
Anders konnte es aber auch gehen, so z.B. waren in Leipzig in ähnlichen Fällen auch mal 500 Euro Ordnungsstrafe fällig, man konnte sich eben auf nichts verlassen.



Ich ahnte es, jetzt weiß ich es
Die DDR war der Zeit voraus und die Leipziger besonders schnell!

"Nebenwohnsitz" war nicht die beste Idee bei der Besetzung einer Wohnung. Die Kunst bestand darin diese Adresse in den regulären Hauptwohnsitz umzuwandeln.
Ein Nebenwohnsitz konnte ersatzlos geräumt werden, da immer noch der Hauptwohnsitz 'Eltern'; als Beispiel; bestand.
Ein Hauptwohnsitz konnte nicht "geräumt" werden.
Das hätte bedeutet den Mieter auf die Strasse zu setzen und das ging nicht. Die KWV mußte sich um adäquaten Wohnraum kümmern.
Meisten "kapitulierte" die KWV und nach einigem hin und her bekam man für die Wohnung in der man bereits wohnte einen rechtsgültigen Mietvertrag.

Von diesem "Gerücht": 3 Mieten zusätzlich = keine Räumungsklage höre ich hier zum ersten Mal.

In der für mich zuständigen Geschäftsstelle der KWV hing immer eine Hitliste der Mietschuldner. Sie wurde lange von einem Mieter einer knapp 30 qm großen Einraumwohnung für 24 Mark Miete angeführt. Der letzte mir in Erinnerung gebliebene Mietrückstand betrug so um die 1400 Mark DDR und er wohnte immer noch in der Wohnung.
Einzig Strom und Gas wurde relativ schnell abgestellt wenn der Verbrauch nicht bezahlt wurde.

Gruß
Nostalgiker



Für den Euro entschuldige ich mich, das müßten eigentlich andere tun.
Es ging bei den Mieten nicht um zusätzliche drei Monatsmieten, sondern um die Miethistorie, eben daß man schon drei Monate dort wohnt.
Persönliche Erfahrungen habe ich nun nicht mit Schwarz wohnen, meine Ausführungen bezogen sich auf die Artikel in der "Horch und Guck", einer sehr DDR- kritischen Zeitschrift, die unsere gute alte Heimat sehr realitätsnah und sachlich im Rückspiegel betrachtet, allerdings auch gerne mal einseitig dokumentiert.



nach oben springen

#34

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 16.10.2011 15:31
von damals wars | 12.186 Beiträge

Zitat von Hackel39


es sollte ja nur bis zum Abriß geduldet werden, doch der ließ oft 5-10 Jahre auf sich warten, wie z.B. in Halle als man zeitgleich zum Abrißprogramm Halle Neustadt aus dem Boden stampfte.




Heute ist es umgekehrt.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
nach oben springen

#35

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 16.10.2011 20:34
von Boelleronkel (gelöscht)
avatar

..ernstes Problem,aber glaubhaft geschildert und Grosstadt....jab eben nüscht watt dett nich jab.
http://www.jugendopposition.de/index.php?id=1652

Gruss BO


nach oben springen

#36

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 17.10.2011 09:53
von GeMi | 556 Beiträge

Zitat von Boelleronkel

Zitat von eisenringtheo

Zitat von GeMi
Noch einen Nachtrag:

Man musste in der DDR auch nicht unbedingt eine Arbeitsstelle haben. Mein ehemaliger Bassist in Halle/Saale hat sich bestimmt 10 Jahre so durchgemogelt. Von der Musik hat er leben können. Und da er nicht aufgefallen war, hat er in seiner Mansardenwohung ein lustiges Leben geführt, während ich im VEB-Betrieb die Kohlen aus dem Feuer gerissen habe.




Neben Berufstätigen gibt es in den DDR Statistiken "freiberufliche Personen" und "freischaffende Künstler". Diese waren in Verbänden organisiert. Wenn man gut war und deshalb gute Gage erhielt und davon leben konnte, musste man wohl keiner anderen Arbeit nachgehen. Es wurde hier schon an anderer Stelle (für mich glaubhaft) erklärt, dass man nicht unbedingt eine feste Arbeitsstelle haben musste.
Theo





Manno Manno Theo....
explizit "Dein Wissen über die Realitäten im Leben DDR haut mich ehrlich gesagt immer wieder vom Hocker"....
vielleicht mal ein kleiner Hinweis und mit Verlaub...es nützt wenig aus dem Net eine Linkseite nach der anderen zu kopieren..die Realität
sah wie folgt aus!!!

Grundsätzlich musste erst einmal einen konkreten Unterschied zwischen Amateuren und Berufskünstlern im weitestens Sinne sehen.
Die Amateure...ob Band,DJ(Schallplattenunterhalter..natürlich staatl.geprüft etc)Alleinunterhalter,Artisten im Werden und und und....mussten sich erst mal "selbst profilieren"und zeigen das ein gewisses "Können"vorhanden ist.
Dann kann es naürlich sein,das es eine gewisse Föderung,Unterstützung gab...punkt um.
Dies kam dann meist organisiert von den Bezirks und Kreiskabinetten für Kulturarbeit,bei grossen Kombinaten eben auch in Verbindung mit den "Hauseigenen Kulturtruppen".
In diesen "Kabinetten,die es in jedem Kreis/Bezirk gab...gabs unterschiedliche "Betreuer"also für DJs,Bands ect....
Die Einstufungsveranstaltungen...kann man auch Prüfung nennen..haben dann gezeigt,manchmal auch mit ein bissle "Schmu" bekommt der Amateur ob Band /DJ/Alleinunterhalter/Amateurzauberer und und und...die Grund/Mittel/Oberstufe...hing dann mit der jeweiligen Vergütung zusammen.
Aus der Klasse der Oberstufe...konntest Du nach geraumer Zeit...in die Profiliga aufsteigen....das war aber nicht einfach!
Mancher musste den Bezirk wechseln...die Chefin von der Direktion in den 7.Himmel vögeln oder andere tolle Taten vollbringen.
Wie überall in der Welt.
Solange Du in irgendeiner Weise Amateur warst...gabs eigentlich keine Gnade...Du hattest einen Job zu haben.
Ob nun 4 Stunden Friedhofsgärtner,Kraftfahrer bei de Kirche,Helfer imKrankenhaus ...alles nicht wichtig...Hauptsache ein arbeitendes Teil der Gesellschaft!!!
Dann...solltest Du es mal geschafft haben,wie auch immer in den Genuss einer Profispielerlaubnis zu kommen,dann und erst dann wurdest Du über die KGD(Konzert und Gastspieldirektion)direkt vermittelt und hattest mit Auftrittsvermittlung eher weniger zu tun.
Im DJ Bereich gab es wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht vielleicht 40/60 hauptberufliche Mugger in der DDR.
Hieraus gabs den Einen oder Anderen der dann mal im Rundfunk auftauchte.







Da hast Du in vielen Dingen recht.
Unter Amateuren waren "Scheinarbeitsstellen" wie Hausmeister im Kindergarten, Friedhofsgärtner ... sehr beliebt. Mein Bassist war aber Amateur (also ohne Berufspappe) mit sehr gutem Einkommen durch die Musik und ohne so eine Stelle. Da er keinen gültigen SV-Ausweis hatte, haben wir ihm bei Arztbesuchen ausgeholfen. Die Ärzte mussten aber mitspielen. Wie hieß es doch:
"Wer gut schmiert, der gut fährt".
Das Ganze ging über Jahre gut. Bei den alle Jahre notwendigen Einstufungen vor dem Kreiskulturkabinett haben wir auch ordentlich gemogelt und im eine "Arbeitsstelle" ermöglicht.
Es ging in der DDR also auch ohne festen Job bei VEB und Co.
Übrigens hat Reinhard Lakomy mal ein interessantes Interview über seine Zeit in Halle/Saale gegeben und die dortige Boheme-Szene gut beschrieben. Zu dieser Zeit war der Nabel der DDR-Rockmusik noch nicht in Berlin.


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
nach oben springen

#37

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 17.10.2011 10:01
von damals wars | 12.186 Beiträge

Zitat von uffz_nachrichten
Nach gründlicher Sanierung und Auszug der angolanischen Vormieter.



Konnte Dir mit deutschen Vormietern genauso passieren. Ist mir so gegangen.

Und die Neubauten, die zwischenzeitlich als Bauarbeiterwohnheime genutzt worden, mussten immer grundsaniert werden.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
nach oben springen

#38

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 17.10.2011 19:04
von Boelleronkel (gelöscht)
avatar

Ja klar GeMi hab ick "Recht"...

ick hab da dett Leben doch live erlebt..wie Viele Andere auch!
Aber das es allgemein üblich war einen "Scheinjob zu haben"...ne eher nicht!
Eintrag im SV Buch war schon wichtig!
Wichtig war bei welch Job auch immer....pünktlch Feierabend zu haben,damit die Termine eingehalten werden konnten.

Grüssli BO


nach oben springen

#39

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 17.10.2011 19:42
von eisenringtheo | 9.179 Beiträge

Zitat von GeMi

Manno Manno Theo....
explizit "Dein Wissen über die Realitäten im Leben DDR haut mich ehrlich gesagt immer wieder vom Hocker"....
vielleicht mal ein kleiner Hinweis und mit Verlaub...es nützt wenig aus dem Net eine Linkseite nach der anderen zu kopieren..die Realität
sah wie folgt aus!!!


Mich selber auch. Ich weiss aber nicht, worauf sich der Plagiatsvorwurf begündet. Ich gebe immer ordentlich die Quelle an und beschränke mich auf kurze Zitate aus diesen Quellen.
Theo


nach oben springen

#40

RE: Illegal im Altbau - Schwarzwohnen in der DDR

in Leben in der DDR 17.10.2011 20:05
von Boelleronkel (gelöscht)
avatar

Zitat von eisenringtheo

Zitat von GeMi

Manno Manno Theo....
explizit "Dein Wissen über die Realitäten im Leben DDR haut mich ehrlich gesagt immer wieder vom Hocker"....
vielleicht mal ein kleiner Hinweis und mit Verlaub...es nützt wenig aus dem Net eine Linkseite nach der anderen zu kopieren..die Realität
sah wie folgt aus!!!


Mich selber auch. Ich weiss aber nicht, worauf sich der Plagiatsvorwurf begündet. Ich gebe immer ordentlich die Quelle an und beschränke mich auf kurze Zitate aus diesen Quellen.
Theo




Alles im Grünen Bereich Theo...
Du erinnerst mich gelegentlich an "meine Verwandschaft"die erklären mir manchmal "mein Lebben"auch per Net...unermütlich sozusagen
Also kein Vorwurf!
Gruss BO


nach oben springen



Besucher
8 Mitglieder und 39 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Oderfischer
Besucherzähler
Heute waren 83 Gäste und 17 Mitglieder, gestern 3936 Gäste und 179 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14372 Themen und 558373 Beiträge.

Heute waren 17 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen