#41

RE: Verbotene Musik - Bettina Wegner

in Leben in der DDR 04.10.2011 08:18
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

feliks,
die erkenntnis kam mir auch als ich schrieb das wir vom thema abkommen. mein beitrag danach war zu lang, aber das "lied der grenztruppen" war verboten und dennoch wurde es oft gesungen. darauf stand mindestens A- und U-sperre.

gruß ek 82/2


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#42

RE: Verbotene Musik - Bettina Wegner

in Leben in der DDR 04.10.2011 08:20
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

genauso wie der "11er-takt", bei schon angezählten soldaten hätte man "wehrkraftzersetzung" daraus machen können. schwedt war uns nicht fremd, damit wurde oft gedroht. ein unterfeld unserer truppe stieg in den ikarus-bus in der die untersuchungskomission kam und fuhr richtung nord-ost wegen einer anderen sache.

gruß ek 82/2


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
zuletzt bearbeitet 04.10.2011 08:53 | nach oben springen

#43

RE: Verbotene Musik - Bettina Wegner

in Leben in der DDR 04.10.2011 10:02
von Eckladen | 9 Beiträge

Leipzig 1977/1978
Einige Pfarrer hatten Jugend-Gottesdienste mit Liedermachern und Gedichteschreibern ergänzt, die in der DDR keine Auftritte mehr offiziell genehmigt bekamen. Solche Veranstaltungen sprachen sich in interessierten Kreisen unter der Hand herum. Das waren außer den einfachen meist jugendlichen Gläubigen auch "rebellische" 16 jährige wie ich, die den Reiz des Subversiven erleben wollten -- aber auch die "Gäste von den Sicherheitsorganen" wurden mitunter offen angesprochen, sich in Ruhe die Texte anzuhören!

So kam ich an Wegner, Pannach, Fuchs etc. In der Singegruppe der Berufsschule habe ich einige dieser kritisierenden Stücke dann auch dargeboten - ohne Repressionen. Selbst im Feldlager bei der Offiziersausbildung wurde ich von den offen bekanten Stasi-Informanten des Zuges nicht "verpetzt", als wir am Lagerfeuer neben ollen Sachen von Bob Dylan (blowin´in the wind), Hannes Wader (...auch dich haben sie genauso belogen), pazifistischen Zupfgeigenhansel (könig von preußen) bis zu Renft (apfeltraum) gesungen haben. Der verbotene Reiz selbst vom "...kleinen Otto" hat angehende Grenzoffiziere auch interessiert.

Wie hätten denn Unwissende erkennen könen, was nicht offiziell genehmigt ist? Brisante Inhalte zwischen den Zeilen zu finden ist ein ostdeutsches Phänomen in Gedicht/Lied/Kabarett/Theater gewesen - als kleines Ventil der Kritik
Erst 1987/1988 durften wir Offiziere offiziell auch Westfernsehen/radio empfangen und darüber sprechen, ohne degradiert und gefeuert zu werden. Da war die Selbstverblödung durch bedingungslose Anpassung Vieler aber schon zu weit fortgeschritten...

Ich war immer der Meinung, "mein Vaterland" zu schützen, damit es sich nach und nach verbessern kann. Das war mein Trugschluß aus vielen Jahren treuer Erziehung zum besseren Deutschland.

Und noch ein Gedanke: Weder 1978 noch 1989 sind alle, die "dagegen" waren konstruktive Menschen gewesen. Echte Symbolfiguren des Widerstandes sind sehr rar. Etwas zu kritisieren oder zu zerstören scheint mir leichter, als Neues aufzubauen und weiter zu entwickeln. Wo sind die Idealisten der Umbruchzeit 1989/90 heute noch zu finden? Kritisieren sie heute diverse Mißstände oder haben sie sich auch resigniert angepaßt?

Mein zeitloser Favorit von B.W.:

Wenn meine Lieder nicht mehr stimmen
und keiner hört mir zu
da laß ich die Gitarre schwimmen
und setze mich zur Ruh.

So viele Leute, die ich kenne
die singen schön und aus Beruf
zuviel, als daß ich Namen nenne
versaue der Ehrlichkeit den Ruf.

Wie oft hör ich: Was soll ich machen?
Ach, Ehrlichkeit bringt nicht viel ein
da sing ich lieber seichte Sachen
kassier mein Geld und sag nicht nein.

Dann stelle sie sich auf eine Bühne
und singen irgendwelchen Mist.
Mensch, besser daß ich nichts verdiene
eh ich was singe, was nicht ist.

Dann gibt's noch solche, die was zeigen
die singen nicht, die machen frei
und achten drauf, daß beim Verneigen
vom Körper was zu sehen sei.

Vergessen über Brust und Beinen
daß es noch Wirklichkeiten gibt
worüber ganze Völker weinen.
Das Schlimme ist: Die sind beliebt.

Ich glaube, es ist nicht so bitter
daß mich incht jeder brauchen kann.
Ich will nicht singen wie ein Zwitter
nur vorher fragen: Kommt das an?

Wenn meine Lieder nicht mehr stimmen
und jeder hört mir zu
da laß ich die Gitarre schwimmen
und setze mich zur Ruh.


zuletzt bearbeitet 04.10.2011 12:02 | nach oben springen

#44

RE: Verbotene Musik - Bettina Wegner

in Leben in der DDR 04.10.2011 12:10
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von EK 82/2
... aber das "lied der grenztruppen" war verboten und dennoch wurde es oft gesungen. darauf stand mindestens A- und U-sperre. ...


Hallo EK 82/2,

ich kannte dieses Lied bereits seit der Offiziershochschule. Es gab verschiedene Versionen davon. Es gab auch unter uns Offiziersschülern Lieder, die unter Verbot hätten fallen könne, sollen oder müssen - was weiß ich. Ich glaube, die ideologische Komponente dieser Lieder war gar nicht mal so sehr das Problem. Mit dem Singen dieser Lieder konnten bestimmte Spannungen verarbeitet werden. Das eigentliche Problem war dasselbe, wie beim 11-er Takt. Man konnte sich als Vorgesetzter nie sicher sein, ob das jetzt nur das Abladen von Spannung ist, oder eine gezielte Provokation. Im Zweifel, also wenn wir davon ausgehen mussten, dass die Unterstellten wussten, dass wir die Dinge mitbekamen, gingen wir von einer Provokation aus. Dementsprechend war die Reaktion.

Ansonsten gab es natürlich immer wieder die "Sendungsbewussten", die bei jeder Gelegenheit die Grundsätzlichkeit im Klassenkampf betonten und auch jedes, auch nur im Ansatz kritische Lied unter ideologisches Sperrfeuer nahmen und auch nicht vor dem Durchdrücken disziplinarer Konsequenzen Halt machten. Das kann ich nicht leugnen. Bei diesem Schlag der Politarbeiter beschränkte sich dann aber oft auch die Fähigkeit zur Analyse eines Textes auf die Suche nach den "Schlagwörtern des Klassenfeindes". Ab Mitte der 80-er Jahre wurden diese Auseinandersetzungen sehr interessant, da sich die Liedermacher- und Singeszene stärker öffentlich kritisch äußerte, wenn auch oft nur in sehr versteckten Wendeungen und Worten.

ciao Rainman2


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#45

RE: Verbotene Musik - Bettina Wegner

in Leben in der DDR 05.10.2011 21:25
von 94 | 10.792 Beiträge

Sach ma FED, da tun sich ja ABGRÜNDE auf. Also jetzt nicht wegen Deiner revolutionären Wachsamkeit Deinem (Ex?-)Möchtegernschwager gegenüber. Die war ja VORBILDLICHST (das war jetzt Ironie). Aber mal 'ne verfahrenstechnische Frage. Am meisten verwundert bin ich über die Angabe 'vor ca. 26 Jahren'. Was ist das für ein Umgang mit Asservaten, hä? Wann und an welchen Tage genau bitterschön. Und in wesen Besitz befand sich der nun der Rekorder, in dem die Kasette vergessen wurde vor 'ca. 26 Jahren' und in wesen heut und wer übte den am Tage des Vergessens, ähm Vergehens die tatsächliche Gewalt über die Wiedergabe des Tonträgers aus?
Also jetzt kommt zu den Zoll- und Devisenvergehen auch noch die Unterschlagung von Beweismitteln in Tateinheit mit Boykothetze hinzu? Na da sehe ich jetzt aber mal Zeiten auf der anderen Seite vom Schreibtisch auf Dich zukommen. Sei froh, das die Wende dich rechtzeitig aus diesem Teufelskreis retten konnte *breit_grins*

Und wie rauscht es so schön aus dem Walde der Aphorismen,
Wer in seiner Jugend kein Kommunist war, dem fehlt das Herz. Doch wer im Alter immer noch Kommunist ist ...
... ist zumindest seinem Ordensgelübde treu.

Upps, jetzt muß ich so kurz vor 3k und dem Nationalfeiertag abbremsen, also man ließt sich und das war'n aber och zwee Steilvorlagen *wink*
CTRL-Z N8 & logoff


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 05.10.2011 21:26 | nach oben springen

#46

RE: Verbotene Musik - Bettina Wegner

in Leben in der DDR 06.10.2011 00:09
von StabsfeldKoenig | 2.644 Beiträge

Kann mal jemand den Text der verbotenen Grenzerliedes einstellen? Ich glaube, das Lied gab bei meiner Einheit nicht (bin nach der Ausbildung in der Schreibstube der Ausbildungseinheit gelandet).



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#47

RE: Verbotene Musik - Bettina Wegner

in Leben in der DDR 06.10.2011 00:37
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig
Kann mal jemand den Text der verbotenen Grenzerliedes einstellen? Ich glaube, das Lied gab bei meiner Einheit nicht (bin nach der Ausbildung in der Schreibstube der Ausbildungseinheit gelandet).


Hallo Stabsfeld,

als youtube-Link war es ja schon im Beitrag #39 eingestellt:

Zitat von EK82/2
und folgendes lied sangen wir oft heimlich im abschnitt.
http://www.youtube.com/watch?v=nOUKxZkRGTY



Hier aber nochmal der kleine Service ironischerweise von einem, der solche Lieder früher hätte verbieten müssen:

Ein B-Turm steht in der Nacht
zwei Grenzer sie ziehn auf Wacht
und leise erklingt ein Lied im Grenzgebiet

Wir wollen nach Haus
Wir wollen nach Haus, oh yeah
wir haben die Schnauze voll
Ja, wir wollen nach Haus

Der Schlagbaum geht auf und zu
der Spieß lässt uns keine Ruh
und leise erklingt ein Lied im Grenzgebiet

Wir wollen nach Haus ...

Das Frühstück es schmeckt nicht mehr
das Mittag ist ein Malleur
Das Abendbrot hängt uns lange zum Hals raus

Wir wollen nach Haus ...

Und endlich ist es geschafft
nie wieder zieh'n wir auf Wacht
und fröhlich erklingt ein Lied im Grenzgebiet

Ja, Wir fahren nach Haus
Ja, Wir fahren nach Haus, oh yeah
Nun ist es vorbei,
wir kommen nie wieder zurück.

Es gab Abwandlungen zu diesem Text. Ich glaube, das hier ist auch eine der selteneren Fassungen. Legendär war eigentlich die Zeile:
... und leise zieht ein Lied durchs Grenzgebiet ...
Auch bei den Strophen gab es Abwandlungen. Einig war man sich nur bei der Melodie, bei der die Vorlage "Sloop John B" von den Beach Boys war. Es gibt dazu unzählige Cover-Versionen auf youtube (kannste selber mal nachkramen, geht auch unter dem Stichwort "I wonna go home").

Wenn ich übrigens mal meine altverstaubten Kenntnisse aus dem Kulturwissenschaftsstudium wieder hervorkrame, muss ich feststellen, dass es sich bei dem Lied in dieser Form als Grenzerlied, in der Art der Entstehung, Verbreitung und Pflege als Liedgut, tatsächlich um ein Volkslied handelt, sosehr wir Funktionäre da früher auch gerunzelt haben mögen. Das war doch den OT-Ausflug von Bettina Wegner weg mal wert, oder?!


ciao Rainman2


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 06.10.2011 00:38 | nach oben springen

#48

RE: Verbotene Musik - Bettina Wegner

in Leben in der DDR 06.10.2011 08:10
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Hallo Rainman so OT war das gar nicht! Frau Wegner sollte nur als Beispiel dienen, der Thread darf ruhig alle Formen von verbotener, bzw. eher unerwünschter Musik behandeln.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#49

RE: Verbotene Musik - Bettina Wegner

in Leben in der DDR 06.10.2011 08:26
von eisenringtheo | 9.171 Beiträge

Zitat von Rainman2
Auch bei den Strophen gab es Abwandlungen. Einig war man sich nur bei der Melodie, bei der die Vorlage "Sloop John B" von den Beach Boys war. Es gibt dazu unzählige Cover-Versionen auf youtube (kannste selber mal nachkramen, geht auch unter dem Stichwort "I wonna go home").

Wenn ich übrigens mal meine altverstaubten Kenntnisse aus dem Kulturwissenschaftsstudium wieder hervorkrame, muss ich feststellen, dass es sich bei dem Lied in dieser Form als Grenzerlied, in der Art der Entstehung, Verbreitung und Pflege als Liedgut, tatsächlich um ein Volkslied handelt, sosehr wir Funktionäre da früher auch gerunzelt haben mögen. Das war doch den OT-Ausflug von Bettina Wegner weg mal wert, oder?!


ciao Rainman2



Ja die GEMA sieht das auch so:
https://online.gema.de/werke/detailPage....OHN+B&pdf=false
("DP" bedeutet "Domaine Public", d.h. niemand hat Rechte daran.)

Ganz im Gegensatz zur Nationalhymne der DDR:
https://online.gema.de/werke/detailPage....UINEN&pdf=false
MIA muss zahlen..

Theo


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#50

RE: Verbotene Musik - Bettina Wegner

in Leben in der DDR 06.10.2011 10:11
von exgakl | 7.237 Beiträge

irgendwie ist mir da noch ein Grenzerlied in Erinnerung was mir mal in Sommersdorf ein Reservist aus Schwedt (er wohnte dort) auf der Gitarre vorgespielt hat.
Die Meldoie war von Volker Lechtenbrink..... s.h. Video, das sind allerdings "Rolf und seine Freunde" coole Mucke

http://www.youtube.com/watch?v=jBzZScqeNV4

mal schauen, was ich vom Text noch zusammen kriege......

Ich mag Sturmbahn unter Gas, 3000 Meter machen Spaß, ich mag das Essen... nur nicht warm,
öfters mal ein Nachtalarm.
Ich mag das Wache stehen sehr, Urlaub mag ich nicht so sehr. Ich mag Befehle laut und schrill, keine Sekunde steh ich still....
All das mag ich, das tut weh... doch besonders die GT!

gut und jetzt verlassen sie mich....

VG und viel Spaß beim nachsingen!

exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
zuletzt bearbeitet 06.10.2011 10:12 | nach oben springen

#51

RE: Verbotene Musik - Bettina Wegner

in Leben in der DDR 06.10.2011 10:52
von turtle | 6.961 Beiträge

Mir haben immer schon Lieder mit kritischem Text gefallen wie von Joan Baez , Barry Mcguire, Bob Dylan, oder Pet Seeger . Dazu gehörte genauso Bettina Wegener ,Wolf Biermann oder auch die Puhdys mit denke ich an Deutschland oder das Buch nur um einige zu nennen.

Feliks hat mir gefallen von Dir zu lesen
… es war eine Kassette mit Liedern von Bettina Wegener. Nun habe ich sie mir, trotz mittlerweile schlechter Qualität, noch einmal angehört und muss sagen einige Lieder habe ich nun ganz anders gesehen und andere fand ich aktueller denn je.

Ich denke in uns allen hat sich die Sichtweite auf die DDR Zeit, durch neue Erkenntnisse seit 1989 verändert. Niemand verlangt vom Anderen seinen Idealen oder seiner Überzeugung abzuschwören. Aber versuchen zu verstehen, Annäherung und auf einander zugehen ist immer gut. Sucht doch nicht immer gleich einen Grund um jemanden anzugreifen.
Gruß Peter(turtle)


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#52

RE: Verbotene Musik - Bettina Wegner

in Leben in der DDR 07.10.2011 20:31
von brummitga (gelöscht)
avatar

Zitat von EK 82/2
von schabowsky halte ich gar nichts. er hat die grenztruppen verraten. nicht das ich gegen die grenzöffnung an sich bin, aber das hopla diho ohne das die truppe wuste worum es geht als das volk kam. das hätte böse ausgehen können.

ich achte immer noch meinen chef "baumgarten" der stand bis zum schluß zur truppe.

ek 82/2



vollste Zustimmung !!!!!! Noch einige Namen, die in diese Reihe gehören (aus meiner Sicht): GL Leonhardt, GM Teichmann, GM Janshen, GM Bär,
GM Ebertz, GM Gereit, wen vergessen ?

Gruß brummitga


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#53

RE: Verbotene Musik - Bettina Wegner

in Leben in der DDR 09.10.2011 10:27
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Um mal von Schabowsky wieder wegzukommen (Hat er etwa gesungen?????)

Selber habe ich Bettina Wegner 1976 oder 1977 mit einem Solokonzert erlebt.
Organisiert wurde es vom Studentenclub einer Hochschule und im Rahmen der Programmreihe trat unter Anderem auch Frau Wegner auf.
Allerdings muß ich dazu sagen das dieses Konzert weder "beworben" noch sonstwie großartig publik gemacht wurde. Jedenfalls außerhalb der Hochschulmauern.
Trotzdem war der Andrang so groß, der Club fasste die Zuhörer nicht, so dass kurzfristig der größte Hörsaal als Veranstaltungsort genutzt wurde.

Ein damalig sehr beeindruckendes Konzert.
Persönlich konnte ich es damals nicht verstehen das sie in der folgenden Zeit massiv behindert wurde.
Auch die Leitung des Studentenclubs erhielt in der Folgezeit "diskrete" Hinweise das er Mittel aus dem Etat der Hochschule bezieht und diese seien nicht dafür zu Verwenden das man "feindlich-negativen" Elementen eine Plattform biete.
Das war dann 1978 faktisch das aus für einige Veranstaltungsreihen, bzw. sie mußten inhaltlich neu ausgerichtet werden und verloren somit einiges an Attrativität.

Im Verlaufe der DDR war doch so ziemlich jede Musikrichtung, besonders wenn sie aus dem "Westen" kam verpönt.
Swing und Jazz Anfang der 50er, Rock'n'roll ab Mitte der 50er, bestimmte Schlagermusik(revisionistisch/militärischen Inhaltes; was immer das auch bedeutete), Beatmusik in den 60er Jahren(Massiv verboten ab Herbst 1965), Blues (bis dann "festgestellt wurde das es Musik der unterdrückten Schwarzen sei.......), Punk; New Wave wurde nicht mehr verboten aber auch nicht gerade gefördert.
Jazz war irgendwann auch "geduldet", weniger Free und Avantgarde Jazz.

Ich glaube wenn es nach dem Musikgeschmack der Herrschenden gegangen wäre hätten wir alle russische Volkslieder gesungen, um es mal sehr übertrieben zu formulieren.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#54

RE: Verbotene Musik - Bettina Wegner

in Leben in der DDR 09.10.2011 10:41
von eisenringtheo | 9.171 Beiträge

Zitat von Nostalgiker
Um mal von Schabowsky wieder wegzukommen (Hat er etwa gesungen?????)
(...)
Nostalgiker



aktueller Beruf: Actor (Schauspieler). Aber die singen manchmal auch
http://www.imdb.com/name/nm0769480/
Theo


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#55

RE: Verbotene Musik - Bettina Wegner

in Leben in der DDR 10.10.2011 12:51
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Nostalgiker
... Ich glaube wenn es nach dem Musikgeschmack der Herrschenden gegangen wäre hätten wir alle russische Volkslieder gesungen, um es mal sehr übertrieben zu formulieren. ...


Hallo Nostalgiker,

ja, das ist übertrieben formuliert, weist aber zumindest auf den Kern der Sache hin. Die Kunstbetrachtung in der "Staatsdoktrin" der Parteiführung unterlag im Wesentlichen dem Drang nach einer "objektiven Sicht" auf die Welt, die Gesellschaft, die weitere Entwicklung und so weiter. Die in Stein gemeißelte Lehre des M/L ließ die Akzeptanz des künstlerischen Individualismus nicht zu. Wenn die Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung nach objektiven Kriterien ablaufen, dann hat das auch die Kunst zu akzeptieren. So die Sicht. Der Bitterfelder Weg entstand so (Kunst in die Produktion) und die Bevormundung der Künstler funktionierte so. Es gab genügend Leute in der Partei- und Staatsführung, die mit Kunst und Künstlern Umgang hatten. Sie konnten, denke ich, den Wahnsinn hinter der Kunst- und Kulturpolitik spüren. Aber sie konnten sich den eigenen Doktrien nicht entziehen. Wer öffentlich auftrat, hatte das im Sinne des Sozialismus zu tun, oder er war ein Feind der Arbeiterklasse ...

Das Ergebnis war bisweilen auch interessant. Während meiner Zeit des Studiums der Kulturwissenschaft an der Militärpolitischen Hochschule, es muss Ende 1988, Anfang 1989 gewesen sein, spielte bei uns das Erich-Weinert-Ensemble (Kulturensemble der NVA). Es war eines der üblichen Estradenprogramme mit Orchester, Chor und Ballett. Das Orchester spielte, nein schmetterte seine Marschliedchen und wechselweise wurde dazu gesungen oder gehüpft. Plötzlich passierte etwas auf der Bühne. Die Musiker schienen wie ausgewechselt. Es erklang ein Stück von Händel. Ich machte kurz die Augen zu und hörte einen richtig guten Klangkörper, der auch Spaß an der Sache hatte. Es ging leider schnell vorbei. Schon schmetterte das nächste Marschliedchen. Ein Mitstudent raunte mir plötzlich zu: "Ist doch eigenartig. Immer wenn's ideologisch wird, wird's auch Sch***!" Ich konnte dem nur zustimmen.

ciao Rainman2


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#56

RE: Verbotene Musik - Bettina Wegner

in Leben in der DDR 10.10.2011 19:51
von Boelleronkel (gelöscht)
avatar

at Weichmolch....

einen Gedankengang möchteich Dir aber auch nicht vorenthalten....
ob Betti Wegner,Manne Krug,Vroni Fischer etc...
wenn Sie erst mal "gegangen waren"sind Sie samt Musike erst einmal in Tiefe Ungnade gefallen...manchmal brachte die vergangene Zeit auch etwas Lockerung....das galt für Diskotheken,ebenso für Bands....
Sicher kams auch immer konkret darauf an..WER gerade in dem "Gebiet"der Aufführung an konkreter Stelle das grosse Sagen hatte.
Es konnten die "gnadadenlosen Verfechter des Obrigkeitswahnsinns"sein oder hier und dort in unterschiedlichen Städten auch Leute die dann und wann mal drüber weg sahen.(Das war ja auch ein grosse Problem inne DDR...Du wusstest Nie richtig woran Du bist)....
Gehts noch oder schon wieder,oder geht NIX!
Für jeden nicht lizensierten Titel,hätte ein passender "Funktionär"die Rote Karte ziehen können und ein "Auftrittsverbot"verhängen können.

Wer hier der Meinung ist,das die Obrigkeit selbst...in "geschlossenen Veranstaltungen"darauf geachtet hätte,ob da nur lizensierte Titel laufen ...nee nee..weit gefehlt...die Schlager/aktuellen Beatcharts des "Klassenfeindes"rauf und runter.
Nie Probleme mit Lizenstitel,aber man sollte schon vorbereitet sein!
Also reichlich in "Reserve"an Songs haben....kann mal sein man brauchts eben!

So konnte es eben auch passieren,das "Lottchen" an einem 3/4 stündigen Abend schon mnal 13 mal "Lovstory"in instrumental höhren wollte.
Und so wars dann eben auch.Nicht das diese Person selbst sich das gewünscht hätte,nee nee..dafür gabs die "Protokollchefs"des Abends...die dann in kurzer Mitteilung,die "Wünsche"durchstellten!

War der offizielle Teil zu Ende(die Ehrengäste das Bettchen aufgesucht),dann konnte es schon sein,das für die "Wachmannschaft"auch ein bissle Westmugge lief (natürlich nicht sooo laut die Ehrengäste schlafen vielleicht schon)und Sie auch etwas von den Speiseresten des Abends(Fruchtcoktail etc.) verkosten durften.
So wars immer...nie Anders!
Alles in Allem..wird "Künstlern"im weitesten Sinne nach solch Abenden,die beschissene Doppelmoral der "herschenden Klasse"wiederum real bewusst geworden sein.
Denkt watt Ihr wollt...aber die Realität sah eben auch in diesem Bereich genau so aus!
Grüssli BO


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