#1

Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.05.2009 11:58
von SapereAude (gelöscht)
avatar

Guten Tag meine Herrn,

zuerst möchte ich darauf eingehen wieso ich mich hierher veriiert habe.
Also ich bin kein ehemaliger Bürger der DDR, sondern ein Abiturient der sich in Geschichte zu einer mündlichen Präsentationsprüfung angemeldet hat.
Mein Thema:
Die DDR und ihre Opfer. Arbeiten Sie die Bedeutung des Schießbefehles heraus.

Nun zu meiner eigentlichen Anfrage, also mir ist bewusst was der Schießbefehl bedeutet, die Problematik stellt sich mir aber in der Bedeutung dessen, weil diese sehr realtiv ist.
Denn der SB(Schießbefehl) hatte für einen Politiker damals sicherlich einen andere Bedeutung als für einen normalen Bürger den das wenig interessiert hat, oder gar einen Flüchtling der diesem zum Opfer gefallen ist.

Ich möchte aber alle geschilderten Bedeutungen präzise raus arbeiten, eingeschlossen die Bedeutung für uns heute.

Es wäre nett, wenn mir jemand mit Zeitungsartikeln, Büchern oder Video/Audioaufzeichnungen, oder anderen Quellen weiterhelfen könnte, die verschiedene Perspektiven aufzeigen oder rausarbeiten.

Also ich möchte nur Quellen haben und geistige Arschtritte, denn das Refart sollte auf meinem Mist wachsen, danke.


nach oben springen

#2

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.05.2009 12:46
von sentry | 1.107 Beiträge

Das Thema Schießbefehl ist ja sehr kontrovers.
Offensichtlich hat es nie ein Dokument gegeben, auf dem "Schießbefehl" stand bzw. einen Befehl, der Grenzern pauschal den Auftrag erteilt hätte, auf Menschen zu schießen oder gar sie zu erschießen.
Wenn beim Befehl zum Grenzdienst, der jedem Grenzer vor seiner Schicht erteilt wurde, zeitweise unter anderem der Satz gebraucht wurde "Grenzverletzter sind festzunehmen oder zu vernichten!", dann ist das der ganz hautnahe (und einzige) Fakt, wie tatsächlichen Grenzern ein Befehl erteilt wurde, die Waffe gegen Menschen zu richten.
Aaaaber: Festzunehmen ODER zu vernichten...
Sowohl die Reihenfolge, als auch die Alternative deuten ja wohl eher darauf hin, dass der Grenzer nicht den Befehl hatte zu schießen. Untersetzt wurde dieses (nämlich die tatsächlichen Umnstände, unter denen die Schußwaffe anzuwenden war)durch Bestimmungen im Grenzgesetz der DDR und regelmäßige politische Schulungen.
Natürlich konnte auch der Postenführer seinem Posten befehlen, auf einen Grenzverletzer in seinem Abschnitt zu schießen. Auch das wäre ja streng genommen ein "Schießbefehl", aber ich denke, wir sind uns alle einig, dass diese situationsbedingte wohl kaum der hier gemeinte Befehl sein kann.

Zu dieser Thematik wirst Du in diesem, aber auch in anderen NVA- und Grenzerforen eine Menge Argumentationen finden. Ich will mich gar nicht weiter dazu auslassen, nur zwei Hinweise:
1) Aus meiner Sicht (Ex-Grenzer im Grundwehrdienst) ist nicht wichtig, was sich irgendwelche SED-Spitzen und/oder Generäle erzählt haben. Für mich war wichtig, was bei mir, als kleinster Bestandteil einer tatsächlich Grenzdienst tuenden Einheit ankam. Und mir wurde nie befohlen auf Menschen zu schießen. Tatsächlich haben wir manchmal endlose Diskussionen (auch mit Offizieren in Politschulungen) geführt und Szenarien durchgespielt, wann die Anwendung der Schusswaffe gerechtfertigt wäre, wann man sie vermeiden sollte oder musste und wie man sie am besten möglichst häufig verhindern konnte. Denn tatsächlich hatte zumindest zu meiner Zeit (87/88)und in meiner Einheit niemand ein Interesse, an der Grenze einen Schuss zu hören.
2) Wenn Du dieses Geschriebsel für Dein Projekt verwendest, oder auch andere Argumentationslinien von ehemaligen Grenzern oder anderen Beteiligten, die den Schießbefehl anzweifeln, relativieren oder gar seine Existenz abstreiten, läufst Du echte Gefahr, dass Dein Projekt scheitert oder die Prüfung zumindest mit einer schlechten Note endet. Ich glaube nicht, dass Du einen Lehrer mit der Sichtweise von Grenzern zu diesem Thema beeindrucken kannst.
Wenn Du ein besonders helles Köpfchen bist, mag es Dir gelingen, die Schusswaffengebrauchsbestimmungen der Grenztruppen, mit denen ganz normaler Wachsoldaten (z.B. Kasernenwache) oder anderen Armeen zu vergleichen. Du würderst enorme Ähnlichkeiten feststellen. Wenn Du dann den Bogen hinkriegen würdest, warum die Grenzsicherung an der innerdeutschen Grenze dennoch besonders verwerflich und unmenschlich war, könnte Dir diese Linie vielleicht ein paar Lorbeeren einbringen...so nach dem Motto: "Die Schusswaffengebrauchsbestimmungen waren bei den Grenztruppen gar nicht so pervers. Pervers war, wie, wann, wo, warum, gegen wen die Waffe gerichtet werden sollte."

Halte Dich lieber am Besten an Veröffentlichungen der BStU oder auch Literatur zum Thema Grenze. Das Standardwerk, dass meiner Meinung nach (fast) alle Fragen zum Thema DDR-Grenze beantwortet, ist
"Gesichert in den Untergang: Die Geschichte der DDR-Westgrenze" von Hendrik Thoß

Aber auch die Werke von Peter Joachim Lapp sind äußerst erhellend.


nach oben springen

#3

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.05.2009 12:55
von manudave (gelöscht)
avatar

Die Werke von Roman Grafe - dem Experten der Grenze - sind aufschlussreich, besonders über die Mauerschützen-Prozesse.
Knapp 1.000 offizielle Getötete an der Grenze sprechen eine eindeutige Sprache.

In Antwort auf:
Natürlich konnte auch der Postenführer seinem Posten befehlen, auf einen Grenzverletzer in seinem Abschnitt zu schießen. Auch das wäre ja streng genommen ein "Schießbefehl", aber ich denke, wir sind uns alle einig, dass diese situationsbedingte wohl kaum der hier gemeinte Befehl sein kann.



Da sind wir uns sicher nicht einig.
Dies kann man aber doch so sehen. Die sogenannte Vergatterung war nichts anderes als ein mündlich erteilter Befehl zum Schusswaffeneinsatz.

In Antwort auf:
Aaaaber: Festzunehmen ODER zu vernichten...



Allein dass man hier die Wahl haben sollte, spricht schon für sich...


nach oben springen

#4

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.05.2009 12:57
von manudave (gelöscht)
avatar

In Antwort auf:
das der ganz hautnahe (und einzige) Fakt, wie tatsächlichen Grenzern ein Befehl erteilt wurde, die Waffe gegen Menschen zu richten.



Dieser "einzige" Fakt reicht wohl allein schon aus - auch wenn es ganz sicher nicht der einzige Beweis ist. Tausende Grenzsoldaten dürften sich bei der Vergatterung wohl nicht verhört haben, was ihnen dort ans Herz gelegt wurde...


nach oben springen

#5

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.05.2009 13:38
von sentry | 1.107 Beiträge
In Antwort auf:
Allein dass man hier die Wahl haben sollte, spricht schon für sich...


Richtig, dass ist dem Wesen eines Befehls nämlich eigentlich zuwider. Normalerweise lässt man dem Befehlsempfänger nicht die Wahl.
Würde der Befehl lauten: "Grenzverletzer sind festzunehmen!", wäre die Anwendung der Schusswaffe damit explizit ausgeschlossen. "Grenzverletzer sind zu vernichten!", würde sie explizit vorsehen. Nein, falsch, der Befehl würde nur das Ergebnis der Konfrontation vorschreiben, nicht die Mittel.

Hier wird befohlen, unter Abwägung der Lage situationsbedingt vorzugehen.

Nochmal zum Befehl Postenführer an Posten...
Ok, wir sind uns nicht einig.
Aber ich habe bisher noch nicht davon gehört, dass in irgendeiner Publikation dieses als DER Schießbefehl bezeichnet wurde. Als "Schießbefehl" wird immer ein durch die oberste Führung erlassener Befehl bezeichnet. Zuletzt war die Argumentation so, dass Befehle, die zeitweise die Anwendung der Schusswaffe explizit verboten (z.B. als Honnecker in der BRD war oder ganz am Schluss) den Beweis lieferten, dass es dann ja wohl vorher einen Schießbefehl gegeben haben musste...sonst hätte man ihn ja nicht aufheben können.

Vielleicht nochmal meine persönliche Erfahrung.
Ich schrieb, wie das Thema in meiner Kompanie diskutiert wurde. Das war tatsächlich so. Da ist nichts Verklärtes oder Romantisierendes dabei. Das hat auch nichts damit zu tun, ob im "Ernstfalle" (wie blöd das klingt), tatsächlich geschossen worden wäre.
Vermutlich kann sich ein Außenstehender da gar nicht 'reinversetzen. Kleine Jungs, gerade der Schule entwachsen, kriegen eine kurze Grundausbildung, die keine psychologische Vorbereitung auf den Grenzdienst beinhaltet und werden dann auf einen Posten geschickt, wie es wohl links und rechts der Elbe keinen schwierigeren geben konnte.
Dass sie Gefahr laufen, von heute auf morgen auf Menschen schießen zu müssen, ist allen bewusst. Das rattert schon ordentlich im Kopf! Und alle haben versucht, die verfügbaren Strohhalme zu greifen.
Da gab es die berühmten TAPI's und WAPI's (tägliche/wöchentliche aktuell-politische Informationen). Neben roter Soße und den aktuellen Vorkommnissen und Fahndungserfolgen geht es immer wieder auch um die Anwendung der Schusswaffe. Aber eben nicht nach Rambo-Manier: was sich im Abschnitt bewegt ist der Feind und ist zu erledigen. NEIN!!
Jeder Ex-Grenzer ohne Alzheimer kann das noch runterbeten:
"Die Anwendung der Schußwaffe ist die äußerste Maßnahme der Gewaltanwendung gegenüber Personen."
Das stand im Grenzgesetz §27 ...komplett:

(1) Die Anwendung der Schußwaffe ist die äußerste Maßnahme der Gewaltanwendung gegenüber Personen. Die Schußwaffe darf nur in solchen Fällen angewendet werden, wenn die körperliche Einwirkung ohne oder mit Hilfsmitteln erfolglos blieb oder offensichtlich keinen Erfolg verspricht. Die Anwendung von Schußwaffen gegen Personen ist erst dann zulässig, wenn durch Waffenwirkung gegen Sachen oder Tiere der Zweck nicht erreicht wird.

(2) Die Anwendung der Schußwaffe ist gerechtfertigt, um die unmittelbar bevorstehende Ausführung oder die Fortsetzung einer Straftat zu verhindern, die sich den Umständen nach als ein Verbrechen darstellt. Sie ist auch gerechtfertigt zur Ergreifung von Personen, die eines Verbrechens dringend verdächtig sind.

(3) Die Anwendung der Schußwaffe ist grundsätzlich durch Zuruf oder Abgabe eines Warnschusses anzukündigen, sofern nicht eine unmittelbar bevorstehende Gefahr nur durch die gezielte Anwendung der Schußwaffe verhindert oder beseitigt werden kann.

(4) Die Schußwaffe ist nicht anzuwenden, wenn

a) das Leben oder die Gesundheit Unbeteiligter gefährdet werden können,

b) die Personen dem äußeren Eindruck nach im Kindesalter sind oder

c) das Hoheitsgebiet eines benachbarten Staates beschossen würde.

Gegen Jugendliche und weibliche Personen sind nach Möglichkeit Schußwaffen nicht anzuwenden.

(5) Bei der Anwendung der Schußwaffe ist das Leben von Personen nach Möglichkeit zu schonen. Verletzten ist unter Beachtung, der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen Erste Hilfe zu erweisen.

Nun könnte man sagen: Die DDR war ein Unrechtsstaat. Was galten da Gesetze - alles Worthülsen.
Mag sein. Ich kann nur sagen, dieser Paragraph wurde runter- und hochgekaut, ausgelotet, ausgelegt und jeder hat sich im Kopf zurecht gelegt, was das bedeutet.
Selbst mit dem Politoffizier wurde da diskutiert: Wie weit muss ein Grenzverletzer weg sein, damit die Anwendung der Waffe gerechtfertigt ist? Ich habe die Dialoge noch im Kopf, die einerseits die Unreife der Soldaten zeigen, andererseits auch ihr Dilemma und ihre Gedanken:
"Wenn der GV 10 m weg ist, muss ich dann schießen?" "Mann, bei 10 m kannst Du die Waffe noch nach dem werfen!" "Und wenn der die auffängt?"

Ich will hier gar nichts schönreden. Irgendwie werde ich hier in die Ecke des Grenzregime-Verteidigers gedrängt. Das passt mir nicht. Wenn morgen die Mauer wieder aufgebaut würde, würde ich ganz sicher in den Westen abhauen...und vielleicht sogar Fluchthelfer werden.
Ich mag bloß so eine undifferenzierte Betrachtung nicht. Das Regime war schlimm genug. Man muss nichts erfinden, dazudichten oder hineininterpretieren. Wer das tut, verliert ordentlich an Glaubwürdigkeit und schadet sogar einer anständigen Geschichtsvermittlung.
Klar hätten wir auf Grenzverletzer schießen sollen, wenn wir sie nicht anders hätten stoppen können, auf Leute die einfach nicht mehr in der DDR Leben wollten - das ist doch das Perverse! Warum muss man denn jetzt DEN Killerbefehl finden? Mag sein, dass man damit das Regime noch einmal richtig verteufeln kann - akzeptiert!
Aber man wird kaum einen Grenzsoldaten finden, dem ein Vorgesetzter pauschal befohlen hat, Grenzverletzer zu erschießen, wenn er welche trifft.

zuletzt bearbeitet 06.05.2009 14:06 | nach oben springen

#6

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.05.2009 14:31
von SapereAude (gelöscht)
avatar

Wie ich sehe, habe ich eine sehr interessante und für mich irreführende Diskussion in Gang gesetzt.

Nun lieber sentry, ich weiß nicht inwieweit ich ein helles Köpfchen bin, aber eines weiß ich, ich werde den Lehrern kein Süßholzraspeln und mir überlegen mit welchen Gedanken ich bei denen wohl die meisten Punkte erziele kann.
Ich habe ein klares Thema und werde versuchen dieses so präzise wie es geht auszuarbeiten und Fakten gehören dazu, auch das aufmerksam machen auf kontroverse Gedanken diesbezüglich wird wohl ein Teil davon sein müssen.

Ich finde die Paragraphen sehr gut, die du in deinem letzten Beitrag zitiert hast, es wäre nett wenn du richtige Quellenangaben dazu machen würdest.

Und danke Manudave für deine Literarturtipps, ich werde sehen wie ich an die Bücher ran komme.


nach oben springen

#7

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.05.2009 14:36
von sentry | 1.107 Beiträge

In Antwort auf:
Ich finde die Paragraphen sehr gut, die du in deinem letzten Beitrag zitiert hast, es wäre nett wenn du richtige Quellenangaben dazu machen würdest.


Check http://www.verfassungen.de/de/ddr/staatsgrenze82.htm
Gesetz über die Staatsgrenze der Deutschen Demokratischen Republik (Grenzgesetz)

Dat geht in Ordnung, wenn Du Dein eigenes Ding durchziehst. Ich wollte Dich nur auf mögliche Widerstände hinweisen (so 'n Schein zählt ja auch was ;) )

Halt' uns 'mal auf dem Laufenden und erzähl', wie das so abgelaufen ist...wenn es abgelaufen ist.


nach oben springen

#8

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.05.2009 15:06
von Angelo | 12.396 Beiträge
nach oben springen

#9

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.05.2009 15:20
von SapereAude (gelöscht)
avatar

Danke für den Link und auch für die gut gemeinten Tipps.

Und ich werde euch sicherlich auf dem laufenden halten.


nach oben springen

#10

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.05.2009 15:24
von SapereAude (gelöscht)
avatar

Ich wollte aber dennoch anmerken, dass mein Referat primär dazu dient die Bedeutung des Schießbefehles heraus zu arbeiten.

Auf den Schießbefehl werde ich in der Einleitung als solches eingehen müssen, aber die meiste Zeit solle dem herausarbeiten der Bedeutung dienen.


nach oben springen

#11

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.05.2009 15:25
von SapereAude (gelöscht)
avatar

Danke Angelo für den Link, ich werde mich im Shop umschauen.


nach oben springen

#12

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.05.2009 16:33
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Leute,
Eigentlich ist doch bereits alles über den Schiessbefehl oder nicht Schiessbefehl hier im Forum geschrieben wurden! Die Betrachtungsweise mag unterschiedlich sein, für den einen ist die Anwendung der Schusswaffe ist gerechtfertigt –gleich ein muss. Der Andere argumentiert aber nein, niemand brauchte schießen. Da haben wir das Dilemma! Inzwischen habe ich meine Meinung über die Grenzer durch Eure Beiträge revidiert! Ich bin froh kein Grenzer gewesen zu sein ,kalt an die Grenze geworfen, oft mit der Situation beim Grenzdurchbruch überfordert richtig zu reagieren , Angst nicht nur vor dem Sperrbrecher,den man ja als gefährliches bewaffnetes Monster dargestellt hat, sondern auch beim Versagen bestraft zu werden. .Nein meine Herren Grenzkameradschaft hin oder her , für mich seit ihr nicht beneidenswerte Menschen! Sentry. Bürger, Rainman, etc. möchte ich für ihre Beiträge danken , diese Art Beiträge haben mir den Menschen Grenzer näher gebracht. Das soll aber nun zum Thema Schießbefehl zumindest von mir das letzte gewesen ! Ich denke wir haben das Thema schon genug durchpflügt! Gruß Peter (Turtle)


nach oben springen

#13

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.05.2009 16:51
von sentry | 1.107 Beiträge

Du hast Recht, turtle...schönen Dank auch für Deine Worte.
Ich hatte mich in diesem Forum noch nicht dazu geäußert. Ich wollte auch auf keinen Fall in irgendeine Richtung agitieren oder irgend etwas verteidigen.
Ich wollte nur 'mal aus meiner eigenen Grenzersicht schildern, wie wir damals mit dem "Schießbefehl" in Kontakt gekommen sind. Ich hab' nochmal ein bisschen rumgesurft. Tatsächlich scheint ja in diversen Gerichtsurteilen (Mauerschützen, Krenz, Streletz usw.) dort mit Schießbefehl die entsprechende auch von mir zitierte Zeile aus dem Befehl zum Grenzdienst gemeint zu sein. Allerdings gehen auch dort in den Begründungen die Meinungen etwas auseinander, ob es tatsächlich ein Befehl im militärischen Sinne oder sozusagen die Erteilung einer Berechtigung zur Anwendung der Schusswaffe war.
Aber juristische Interpretationen sind natürlich weit davon entfernt, wie eine beinahe täglich gehörte Wortgruppe im Hirn eines Jüngelchens ankommt, das tatsächlich an die Grenze ziehen soll.
Wir haben jedenfalls in unserer Einheit ganz bewusst alles daran gesetzt, den Einsatz der Schusswaffe zu vermeiden...das macht uns sicher nicht plötzlich zu den Rettern der Welt, aber ganz so mechanisch, wie die Führung es gerne möchte, ist der Mensch eben doch nicht.


nach oben springen

#14

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.05.2009 18:23
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Nur so viel-Einen amtlichen Schiessbefehl hat es nicht gegeben.Dokumentarisch konnte es bisher nicht belegt werden.Das ganze sollte absichtlich undurchsichtig bleiben,keine Angriffsfäche für später.



nach oben springen

#15

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.05.2009 18:42
von Augenzeuge (gelöscht)
avatar
...,keine Angriffsfäche für später.[/quote]

Hallo Zermatt, etwas muß ich bei dem ernsten Thema zunächst schmunzeln. Deiner Aussage folgend, hat die Regierung daran gedacht, das sie mal zur Verantwortung gezogen wird?! Na ob das wohl stimmt?

Befehl hin oder her, Fakt ist: Man wurde belohnt, wenn man einen Menschen getötet hatte, man wurde bestraft bzw. benachteiligt, wenn man nicht traf oder nicht schoss. Heute weiß man, das sich die belobigten Grenzer oft ihrer Auszeichnung geschämt und sie verheimlicht haben.

Der Logik nach, werde ich belobigt, wenn ich dem Wunsch des Auszeichners entsprochen habe. Deshalb war der "Schuss" ein Wunsch des Staates.

Gruß, Augenzeuge

zuletzt bearbeitet 06.05.2009 18:43 | nach oben springen

#16

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.05.2009 19:11
von Zermatt | 5.293 Beiträge

sorry,ich meine für vieleicht später,was ja dann auch eingetroffen ist.



nach oben springen

#17

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.05.2009 21:03
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Hallo Zermatt,

ich glaube nicht, dass das auf später gerichtet war. Dazu waren die Genossen da oben viel zu eitel. Es ging schlicht und einfach um eine Art Koexistenz. Der Sozialismus würde sich heute oder morgen nicht im Weltmaßstab durchsetzen, also muss man sich salonfähig machen, um an den Verhandlungstischen in der Welt auch von den Neutralen akzeptiert zu werden. Das Grenzgesetz von 1982 und seine großartige Veröffentlichung im "Neuen Deutschland", gerade mit dem Passus der Schusswaffengebrauchsbestimmung, entsprach voll diesem Trend. Das war für die damalige politische Gegenwart gedacht. Weitere Schritte folgten ja, wie 1984 die, auch für den Chef Grenztruppen, völlig überraschende Ankündigung, die Minen seien abzubauen. Hätte man da an ein "mögliches Danach" gedacht, hätte man bestimmt auch "die Aktenlage anders gestaltet".

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


nach oben springen

#18

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.05.2009 23:06
von nightforce (gelöscht)
avatar

Hallo zusammen,
an später hat da wirklich keiner gedacht.
Es ist wie mit den heutigen Gesetzen, irgendwo gibt es immer eine Lücke.
Ein für mich wichtiger Absatz war dieser.
Zit.:
"(2) Die Anwendung der Schußwaffe ist gerechtfertigt, um die unmittelbar bevorstehende Ausführung oder die Fortsetzung einer Straftat zu verhindern, die sich den Umständen nach als ein Verbrechen darstellt. Sie ist auch gerechtfertigt zur Ergreifung von Personen, die eines Verbrechens dringend verdächtig sind."
Ein Grenzdurchbruch, egal von welcher Seite, stellte eine Straftat dar.
Das war zu verhinden, auch durch Einsatz einer Waffe.
Doch all dies wurde, und sollte auch nach dem Prozedere eines vorherigen Warnrufes, der Abgabe eines oder mehrerer Warnschüsse erst gegen den menschlichen Körper angewendet werden, wenn der oder die Betreffende(n) sich durch den Warnruf und in Folge Warnschüsse noch immer nicht von seinen Vorhaben ablässt.
Es war sicher in keinem Fall ein Losballern auf Alles, was sich da bewegt.
Klar sind bei Waffenanwendung Fehler passiert, die nicht hätten geschehen sollen, aber das der Grenzverletzer chancenlos gewesen ist, dies ist schlicht und einfach nicht richtig.
Jeder Grenzverletzer hatte, nachdem er angerufen wurde, die Möglichkeit, seine Handlung abzubrechen und sich zu ergeben, nur gegen die, die diesen Aufforderungen nicht nachkamen, wurde zunächst durch Warnschuß, und nachdem da auch kein Abbruch der Handlung zu erkennen war, der gezielte Schuß angewendet, dies aber wiederum nur, wenn man ausschließen konnte, daß.....könnt ihr ja weiter oben im Text nachlesen.
Ich bedauere nach wie vor jeden Toten an der innerdeutschen Grenze, aber einfach abgeknallt, stimmt in keinem Fall.
Gruß nf


nach oben springen

#19

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 07.05.2009 18:39
von Augenzeuge (gelöscht)
avatar

Zum Schießbefehl noch ein paar Aussagen von Zeitzeugen:

DDR-Verteidigungsminister Kessler 1988: "Es hat nie einen Schießbefehl gegegeben." Kurze Zeit später: ..."das Schießen war nur erlaubt beim gewaltsamen Überwinden der Grenze von beiden Seiten..."


[b]Zusammengefasst heißt das: Befehl nein, bei gewisser Sachlage erlaubt (heißt für mich nicht Pflicht! Aber wenn es erlaubt ist und ich als Grenzer entscheide mich anders, dann folgt eine Bestrafung. Das kann man dann doch als Schießbefehl bezeichnen![/b]

Übrigens machten die geflüchteten Grenzsoldaten Michael Mader und Maik Sohr gegenüber der AG 13. August die Aussage, das jeweils 3 Tage vor und nach Feiertagen, während Nato-Manövern, während der Leipziger Messe und Besuchen hoher Persönlichkeiten in Ostberlin Sicherungsperioden einzuhalten waren. Hier galt die Schußwaffenbestimmung uneingeschränkt. Lediglich während des Honecker-Besuches in der BRD 1987 war der Schießbefehl ausgesetzt. Ausnahme hier war Bedrohung gegen das eigene Leben. Die Grenzer hatten hierbei eine Stillschweigungsvereinbarung zu unterschreiben.

Vielleicht können die Grenzer hier diesen Sachverhalt noch mal bestätigen....
Ich denke, für die Wahrheitsfindung ist das wichtig.

Danke und gruß vom Augenzeugen


nach oben springen

#20

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 07.05.2009 18:54
von Pitti53 | 8.789 Beiträge

also unterschrieben haben wir dazu nieeee irgendwas


nach oben springen



Besucher
29 Mitglieder und 62 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: TalSiar
Besucherzähler
Heute waren 1040 Gäste und 93 Mitglieder, gestern 3936 Gäste und 179 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14372 Themen und 558404 Beiträge.

Heute waren 93 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen