#1

Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 11:07
von Moskwitschka (gelöscht)
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Heute, vor genau 43 Jahren, war ich mit meiner Oma unterwegs ins Erzgebirge, um ihre alte Heimat zu besuchen.

Auf dem Weg dahin begegneten uns unzählige Militärtransporte, sowohl der sowjetischen Streitkräfte als auch der NVA. Ich, als damals 11-jährige, habe bei diesem massiven Aufgebot, insbesonder von Panzern, Angst bekommen. Zumal mir damals nicht nachvollziehbar war, warum es in Richtung der tschechoslowakischen Republik ging. Krieg gegen Freunde? An diesem Tag stellte sich für mich genau diese Frage. Wochen vorher sind meine tschechischen Freundinnen mit ihrer Famile von einem Tag auf den anderen spurlos verschwunden. Ich muss dazu sagen, dass ich in dem Jahr überwiegend in Moskau war und die Propagande gegen die CSSR mich zutiefst verunsichert hat. All diese persönlichen Erfahrungen der Monate bis zu diesem Tag haben diese Angst im August 1968 ausgelöst.

Mich würde interessieren, wie die Angehörigen der NVA diese Zeit erlebt haben, die Armee in erhöhter Alarmbereitschaft war, aber dann von den Russen zurückgepfiffen wurden.

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 26.08.2011 11:08 | nach oben springen

#2

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 11:15
von GZB1 | 3.286 Beiträge

Nun @Grenzgängerin,

dann hast du damals wohl ganz gut Russisch gesprochen, wenn du in dem Jahr in Moskau die sowjetische Propaganda verstanden hast. Lass mich raten, DDR-Botschaftsschule?


zuletzt bearbeitet 26.08.2011 11:17 | nach oben springen

#3

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 11:22
von Moskwitschka (gelöscht)
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Ich spreche heute noch fliessend Russisch.

Heute wie damals so gut, dass ich mehrmals für den Kommandanten des BBT , Oberstleutnant Ganßauge, die Vorträge über den AFSW simultan übersetzt habe.

LG von der grenzgaengerin

PS Ich wollte hier eine sachliche Diskussion anregen. Meine Schule war von klein auf das reale sozialistische Leben


zuletzt bearbeitet 26.08.2011 11:42 | nach oben springen

#4

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 11:30
von GZB1 | 3.286 Beiträge

OSL Ganßauge war nie Kommandant des BBT, sondern Leiter des Informationszentrums im BBT, also sowas wie ein Pressesprecher.


EK 70 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 26.08.2011 11:30 | nach oben springen

#5

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 11:35
von Moskwitschka (gelöscht)
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Als militärische Laien sei mir dieser Fehler verziehen. Aber ist das so wichtig? Genauso meine russischen Sprachkenntnisse?

Ich sauge mir das nicht aus den Fingern. Der Prager Frühling hat meine kritische Einstellung zu den gesellschaftlichen Verhältnissen wesentlich geprägt. Und ich würde gerne wissen, wie es denen in Uniform damals ergangen ist.

LG von der grenzgaengerin


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#6

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 11:41
von GZB1 | 3.286 Beiträge

Kein Problem "es sei dir verziehen", allerdings sollten mir auch meine Klarstellungen der Fakten verziehen werden.

Ich habe nie behauptet, dass sich hier jemand was aus den Fingern saugt, sondern wollte nur Hintergründe klarstellen.


Und nun wieder zum: Prager Frühling


zuletzt bearbeitet 26.08.2011 11:42 | nach oben springen

#7

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 12:08
von turtle | 6.961 Beiträge

Ich hatte persönlich damals große Hoffnungen in Alexander Dubček gesetzt und gehofft das der Funke einer Reform des kommunistischen Kurses überspringt. Mit der negativen Darstellung dieser Reformen in der DDR und durch den Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes um den" Sozialismus mit menschlichem Antlitz" nieder zu schlagen starb diese Hoffnung.
Nun stand mein Entschluss endgültig fest die DDR zu verlassen.


zuletzt bearbeitet 26.08.2011 14:49 | nach oben springen

#8

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 12:30
von Gert | 12.354 Beiträge

Meine Frau ist gebürtige Tschechin und hat diesen Tag als 18-jährige an der Ostsee auf der Insel Rügen verbracht, wo sie einen Ferienjob machte um auch ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Am 21. August, dem Tag des Überfalls der Warschauer Pakttruppen, wurde sie mit einigen anderen tschechischen Freunden von der VP festgenommen und an die tschechische Grenze deportiert. Dort wurden sie über den Grenzübergang im Erzgebirge abgeschoben und ihrem Schicksal überlassen. Die DDR Behörden gaben vorher keinerlei Erklärungen ab warum diese plötzliche Deportation stattfand. Das fanden sie dann an der Grenze heraus, als sie Ihre slawischen " Brüder " in ihren Kampffwagen sahen. Bis zu diesem Tag hatten die Russen große Sympathieen bei den Tschechen, ab 21. August herrschte dann nur noch der blanke Hass gegen Russen.

Gruß Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#9

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 13:49
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von Gert
Meine Frau ist gebürtige Tschechin und hat diesen Tag als 18-jährige an der Ostsee auf der Insel Rügen verbracht, wo sie einen Ferienjob machte um auch ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Am 21. August, dem Tag des Überfalls der Warschauer Pakttruppen, wurde sie mit einigen anderen tschechischen Freunden von der VP festgenommen und an die tschechische Grenze deportiert. Dort wurden sie über den Grenzübergang im Erzgebirge abgeschoben und ihrem Schicksal überlassen. Die DDR Behörden gaben vorher keinerlei Erklärungen ab warum diese plötzliche Deportation stattfand. Das fanden sie dann an der Grenze heraus, als sie Ihre slawischen " Brüder " in ihren Kampffwagen sahen. Bis zu diesem Tag hatten die Russen große Sympathieen bei den Tschechen, ab 21. August herrschte dann nur noch der blanke Hass gegen Russen.

Gruß Gert


Na Gerd ist das nicht weit hergeholt.Wieviel Länder vom warschauer Pakt,waren denn bei diesen Überfall beteildigt? Oder war es doch nur ein Einmarsch von sowjetischen Truppen. Und wenn ich das Wort schon höre .Deportation, das hört sich ja schlimm an. Gruß Rostocker
PS: Hoffentlich zieht keiner vergleiche und spricht vom Überall der Natostaaten auf den Balkan,Afganistan und den Nahen Osten


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#10

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 14:01
von Moskwitschka (gelöscht)
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Dieser Hass auf die Russen, der nicht nur bei den Tschechen und Slowaken sehr groß war, hat sich mir damals regelrecht eingebrannt und mich fast bis zur Selbstverleugnung verunsichert, da ich selbst russische Wurzeln habe.

Damit habe ich erst dieses Jahr im Frühjahr meinen Frieden gemacht. Ich war mit meinem Mann über Ostern in Tschechien und auch in Prag. Beim Kofferpacken habe ich ihm abgeraten eines seiner Lieblings-T-Shirt einzupacken, ein olivgrünes mit Hammer und Sichel und "CCCP"bedruckt. Mit der Begründung die Tschechen hassen die Russen. Mein Erstaunen war riesengroß, als ich bei einem Spaziergang durch die Prager Altstadt feststellen musste, dass ein Großteil der Souvenierläden von Russen betrieben werden. Scheinbar haben auch die Tschechen ihren Frieden mit den Russen geschlossen.

Ich kann folgendes Buch von Ladislaw Mnacko empfehlen: Die siebente Nacht.

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 26.08.2011 15:14 | nach oben springen

#11

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 14:27
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Rostocker

Zitat von Gert
Meine Frau ist gebürtige Tschechin und hat diesen Tag als 18-jährige an der Ostsee auf der Insel Rügen verbracht, wo sie einen Ferienjob machte um auch ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Am 21. August, dem Tag des Überfalls der Warschauer Pakttruppen, wurde sie mit einigen anderen tschechischen Freunden von der VP festgenommen und an die tschechische Grenze deportiert. Dort wurden sie über den Grenzübergang im Erzgebirge abgeschoben und ihrem Schicksal überlassen. Die DDR Behörden gaben vorher keinerlei Erklärungen ab warum diese plötzliche Deportation stattfand. Das fanden sie dann an der Grenze heraus, als sie Ihre slawischen " Brüder " in ihren Kampffwagen sahen. Bis zu diesem Tag hatten die Russen große Sympathieen bei den Tschechen, ab 21. August herrschte dann nur noch der blanke Hass gegen Russen.

Gruß Gert


Na Gerd ist das nicht weit hergeholt.Wieviel Länder vom warschauer Pakt,waren denn bei diesen Überfall beteildigt? Oder war es doch nur ein Einmarsch von sowjetischen Truppen. Und wenn ich das Wort schon höre .Deportation, das hört sich ja schlimm an. Gruß Rostocker
PS: Hoffentlich zieht keiner vergleiche und spricht vom Überall der Natostaaten auf den Balkan,Afganistan und den Nahen Osten




Nenn diese überfallartige Festnahme und Abschiebung meiner Frau und anderer Tschechen damals von Rügen zurück in die CSSR wie du willst, sie kam einer Internierung von Angehörigen von Feindstaaten gleich, wie man sie oft bei Kriegen beobachten kann. Meine Frau berichtete, das sie sehr große Angst hatte damals. So sehe ich das.
Der imperialistische Überfall der Warschauer Paktstaaten ist unter Führung der Sowjetunion, mit polnischen, bulgarischen und ungarischen Einheiten durchgeführt worden. Hauptkriegstreiber und Kriegshetzer war Ulbricht. Er hätte zu gern mit der NVA teilgenommen, aber Breschnjew hat ihn zuletzt zurückgepfiffen. Es wäre verheerend für Deutschland gewesen, 2 mal innerhalb von 20 Jahren die CSSR vergewaltigt zu haben. Ich denke das hat sogar der betonkopf Breschnjew als einen Nachteil erkannt. Ulbricht und seine Generalität waren stinksauer und beleidigt ob des Misstrauens der Russen. Sie standen sprungbereit in den Wäldern des Erzgebirges.
Gar nicht auszudenken, wie die Tschechen reagiert hätten, Soldaten in fast den gleichen Unformen wie 1938 wieder auf dem Marsch nach Prag zu sehen. Ich persönlich habe damals auch als junge Mann, schon in der Bundesrepublik wohnernd, eine ziemliche Angst vor dem 3 Weltkrieg gehabt. Die Nato war in höchster Alarmbereitschaft, es sollen ständig über Westeuropa mit Atombomben bestückte Flugzeuge in Wartestellung gekreist haben. Ob das stimmt weiss ich nicht, man erzählte sich damals solche Sache. Es war nicht ungefährlich-

Gruß Gert


.
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#12

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 15:34
von Moskwitschka (gelöscht)
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Man muss den Tatsachen in die Augen schauen, auch wenn sie unangenehm klingen. Ich habe mal gegoogelt und folgende Definion für Deportation gefunden:

Zitat
Deportation (lat. deportare „wegbringen“, „fortschaffen“) ist die staatliche Verbringung von Menschen in andere Gebiete. Sie erfolgt auf staatliche Anordnung, die sich auf das geltende Recht des durchführenden Landes bezieht. Deportationen dienen dem Antritt von Strafmaßnahmen, der zwangsweisen Unterdrückung von politischen Gegnern oder der Isolierung von ethnischen Minderheiten.



Ich will garnicht wissen, wie mit den Tschechen auf dem Weg von Rügen bis an die tschechische Grenze umgegangen wurde.

Ich würde gern noch mehr Geschichten, wie die von Gert lesen. Auch von denen, die damals in Uniformen der Armeen des Warschauer Paktes gesteckt haben.

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 26.08.2011 15:39 | nach oben springen

#13

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 15:41
von Funki | 40 Beiträge

Ich hatte Urlaub und wollte mit einem Freund in die CSSR mit dem Motorrad fahren. Die Papiere waren alle in Ordnung die wir gebraucht hätten, aber an dem besagten Tag war es natürlich nicht mehr möglich auch nur in Richtung Dresden zu kommen. Meine Eltern fuhren wie jedes Jahr nach Mecklenburg zur Verwandschaft und somit fuhr ich dann mit dem Motorrad hinterher. Auf die Insel Usedom machte ich eine Tagestour. Die Zufahrten bzw. die Abfahrten zur Insel wurden durch die VP schon kontrolliert. Die CSSR Bürger (Urlauber) mußten sich an bestimmten Sammelstellen treffen und es ging im Konvoi, "mit Polizeischutz", zurück in ihre Heimat. Sowas war in meinen Augen schon eine Erniedrigung. Dies konnte ich jeden Tag auf der F109 (heute B109) bis zu meiner Abreise sehen. Polizeiabsperrungen und Kontrollen waren auf den Fernverkehrsstraßen und Autobahnen und es konnte somit kein CSSR Bürger allein zurück fahren.
Auf der Autobahn von Berlin nach Dresden waren die Kontrollstellen (Grenze zwischen den Bezirken Potsdam/Cottbus und Cottbus/Dresden)sowie auf der F101 und F169 an der Bezirksgrenze Cottbus/Dresden was mir bekannt war. Somit war eine Fahrt in den Bezirk Dresden und Karl Marx Stadt ohne Kontrolle auf der Straße oder mit der Bahn nicht möglich. Es wurde jeder Bürger der CSSR als Feind angesehen.
Als ich 1969 für 5 Monate im GR in Hildburghausen war, sind wir mit EK im Zimmer gewesen. Sie erzählten, daß sie auch einige Tage mit der Waffe ins Bett gegangen sind. Es bestand erhöhte Gefechtsbereitschaft und es wurde angeblich eine Kompanie aus dem GR Hibu an die Tschechische Grenze verlegt. Welche von den 13 Kompanien es war ist mir nicht bekannt.

Gruß Funki


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#14

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 18:29
von Thunderhorse | 4.008 Beiträge

Zitat von Funki
Als ich 1969 für 5 Monate im GR in Hildburghausen war, sind wir mit EK im Zimmer gewesen. Sie erzählten, daß sie auch einige Tage mit der Waffe ins Bett gegangen sind. Es bestand erhöhte Gefechtsbereitschaft und es wurde angeblich eine Kompanie aus dem GR Hibu an die Tschechische Grenze verlegt. Welche von den 13 Kompanien es war ist mir nicht bekannt.

Gruß Funki




GK Gompertshausen mit dem damaligen KC S.H..

TH


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#15

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 20:48
von utkieker | 2.916 Beiträge

Ich bin heute nach wie vor der Überzeugung, daß zwischen den Prager Frühling und der 68er Bewegung ein definierter Zusammenhang bestand, nichts so zu belassen wie es war. Im Alter von 9 Jahren, sieht man aber die Welt noch mit Kinderaugen.
Eine Freundin aus unserer damaligen "Straßengang" hatte damals einen großen Bruder der bei Boizenburg seinen Wehrdienst bei den Grenztruppen ableistete. Aus Angst darüber, daß er bei der Zerschlagung des Prager Frühlings eingesetzt werden könnte, hat ihn dazu getrieben die Elbe schwimmend in Richtung Westen zu verlassen.
Birgit, so hieß meine Freundin hatte Rotz und Wasser geheult, leider haben wir uns später aus den Augen verloren.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#16

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 21:06
von Moskwitschka (gelöscht)
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Hallo utkieker,

ich bitte Dich diesen Zusammenhang mir und ggf. auch den anderen zu erklären.

Ich sehe nur diesen Zusammenhang. Die soz. Regime haben insbesondere in West Berlin gesehen, wie die Staatsmacht mit Aufsässigen fertig wird: Jagen, prügeln, morden.

Und was die West-Berliner Polizei kann, können ganze Armeen erst recht. Und das meinst Du doch nicht im Ernst?

Aber vielleicht hast Du ja doch Recht und es gab eine Verbindung: Der Auslöser für die 68er Studentenrevolte war ja bekanntlich die Erschießung (in den Hinterkopf!) des Berliner Studenten Benno Ohnesorg während einer Demonstration gegen den damaligen Schah von Persien. Und wie sich später herausstellte, war der gute Karl-Heinz Kurras, Polizeibeamter im Dienst der Abteilung I für Staatsschutz der West-Berliner Polizei, damals IM des MfS. Ein Schuft, wer da einen Zusammenhang sieht….

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 26.08.2011 21:14 | nach oben springen

#17

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 21:45
von utkieker | 2.916 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin
Hallo utkieker,

ich bitte Dich diesen Zusammenhang mir und ggf. auch den anderen zu erklären.

Ich sehe nur diesen Zusammenhang. Die soz. Regime haben insbesondere in West Berlin gesehen, wie die Staatsmacht mit Aufsässigen fertig wird: Jagen, prügeln, morden.

Und was die West-Berliner Polizei kann, können ganze Armeen erst recht. Und das meinst Du doch nicht im Ernst?

Aber vielleicht hast Du ja doch Recht und es gab eine Verbindung: Der Auslöser für die 68er Studentenrevolte war ja bekanntlich die Erschießung (in den Hinterkopf!) des Berliner Studenten Benno Ohnesorg während einer Demonstration gegen den damaligen Schah von Persien. Und wie sich später herausstellte, war der gute Karl-Heinz Kurras, Polizeibeamter im Dienst der Abteilung I für Staatsschutz der West-Berliner Polizei, damals IM des MfS. Ein Schuft, wer da einen Zusammenhang sieht….

LG von der grenzgaengerin


Ich weiß nicht ob ich dir hiermit ein Gefallen tue. die ganze 68er Bewegung auf den Schah- Besuch zu reduzieren, mal abgesehen davon, daß Benno Ohnesorg bereits 1967 ermordert wurde. Ende der 60er Jahre gab es eine ziemlich angespannte Weltlage, Vietnamkrieg, Algerien, der Generalstreik in Frankreich und ein Sozialismus, der den Namen nicht verdient hat es brodelte also nicht nur in Prag sondern auch in Paris und man war keineswegs zimperlich gegen junge Leute vor zu gehen, die eigentlich nur das eine wollten eine bessere Welt, Frieden und Gerechtigkeit. Aber ehe ich gezwungen worden wäre den Prager Frühling zu zerschlagen oder den Generalstreik in Paris wäre ich wahrscheinlich auch über die Elbe geschwommen und hätte mit den Black Panters gemeinsam gegen den KuKluxKlan gekämpft.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
zuletzt bearbeitet 26.08.2011 21:46 | nach oben springen

#18

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 22:04
von Moskwitschka (gelöscht)
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Lieber Hartmut

Ich habe die 68er Bewegung nie auf den Schah-Besuch reduziert - er und der damit verbundene Tod von Benno Ohnesorg waren aber der Auslöser für diese Revolte der Jugend. Und eine solche, fast "Verniedlichung" dieser prägenden Zeit würde auch nicht meinem Kenntnisstand entsprechen: Mein (West)Mann war damals mit in vorderster Front (wörtlich) mit dabei: Weniger in Berlin, dafür aber in Düsseldorf, Köln und Frankfurt. Und er hat bei den Auseinandersetzungen, sowohl mit der Polizei wie auch mit den NPD'lern, reichlich Prügel bezogen. Allerdings auch ausgeteilt, zum Pazifisten ist er erst später geworden.....

Du hättest Dich geweigert den Pariser Generalstreik oder den Prager Frühlung zu zerschlagen. Respekt. Doch eingegrenzten Mitmenschen hast Du den Weg über die Grenze versperrt.

LG von der grenzgaengerin


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#19

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 22:37
von Gert | 12.354 Beiträge

Ich möchte mich ja nicht einmischen in eure Diskussion. Aber ein wichtigen Gesichtspunkt der 68 er Bewegung war auch , dass in der Bundesrepublik eine unheimlich verlogene Stimmung war. Die Verbrechen der Nazis wurden von meiner Elterngeneration in den 50ern und Anfang 60er einfach ignoriert, unter den Teppich gekehrt. Obendrein saßen die Nazis alle wieder in einflussreichen Positionen, als wäre nichts gewesen. Erinnere an Kanzler Kiesinger ( dem hat die Beate Klarsfeld eine in die Fre... gehauen ) oder Schleyer , Arbeitgeberpräsident und eh. SS Offizier, von der RAF ermordet. Die RAF ist auch ein Produkt der 68er Bewegung.
Ein Spruch der Stundenten war ..... den Muff von tausend Jahren, schlagt raus aus den Talaren ( Talar = schwarzer Umhang von Profs. zu der Zeit), und natürlich der Vietnam Krieg, der auch auf viel Widerspruch stiess.

Gruß Gert


.
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#20

RE: Prager Frühling

in DDR Staat und Regime 26.08.2011 22:53
von utkieker | 2.916 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin
Lieber Hartmut

Ich habe die 68er Bewegung nie auf den Schah-Besuch reduziert - er und der damit verbundene Tod von Benno Ohnesorg waren aber der Auslöser für diese Revolte der Jugend. Und eine solche, fast "Verniedlichung" dieser prägenden Zeit würde auch nicht meinem Kenntnisstand entsprechen: Mein (West)Mann war damals mit in vorderster Front (wörtlich) mit dabei: Weniger in Berlin, dafür aber in Düsseldorf, Köln und Frankfurt. Und er hat bei den Auseinandersetzungen, sowohl mit der Polizei wie auch mit den NPD'lern, reichlich Prügel bezogen. Allerdings auch ausgeteilt, zum Pazifisten ist er erst später geworden.....

Du hättest Dich geweigert den Pariser Generalstreik oder den Prager Frühlung zu zerschlagen. Respekt. Doch eingegrenzten Mitmenschen hast Du den Weg über die Grenze versperrt.

LG von der grenzgaengerin



Liebe grenzgängerin,

Was spricht dagegen auf Friedenswacht zu ziehen? Patriotismus ist an für sich nichts unehrenhaftes. Grenzgängerinnen und Grenzgänger sind mir nie in die Quere gekommen es sei denn, du wirfst mir vor für Paßgesetze und Zollbestimmungen verantwortlich zu zeichnen ich kann mir wohl was Besseres vorstellen ein Grenzregime aufrecht zu halten um die Leute zu schikanieren. Vieleicht hätte ich geschossen ich weiß es nicht ob mir die Nerven versagt hätten, ich war Soldat zum Killer fehlt mir die Kaltblütigkeit.

Gruß Hartmut!


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