#61

RE: 172 Tage aus dem Leben des Lehrers Egon Schultz

in DDR Grenze Literatur 24.06.2013 19:57
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Hi S51, wenn Du nichts dagegen hast, dann kopiere Deinen Beitrag aus dem "Bad Kleinen Thread" hierhin und setze die Diskussion hier fort.

Zitat von S51 im Beitrag RE: Bad Kleinen und die RAF
Ganz OT, sorry:
Nur mal so ein Beispiel für Geschichte gewordenen "investigativen Journalismus":
In offiziellen Beiträgen wie journalistischen Ergebnissen wird über jenes Ereignis erzählt, der Tunnelbauer habe eine Pistole PPK bei sich gehabt, sieben Mal geschossen und noch eine Patrone danach im Magazin gehabt.
Sehr genau beobachtet...
Nun hat die PPK im Kaliber 7,65 mm aber nur sieben Patronen maximal im Magazin. Der Täter hätte sie freilich bereits fertigladen können und dann ein volles Magazin einführen können. Dann hätte er sieben Mal schießen können und noch eine Patrone gehabt. Da gibt es jedoch einen Denkfehler. Denn die PPK ist eine halbautomatische Pistole, die nach dem Auslösen eines Schusses automatisch nachlädt. Die achte Patrone wäre dann im Patronenlager gewesen und nicht im Magazin...
Also hat er entweder nicht sieben Mal geschossen oder zwei Magazine benutzt. Wobei es nicht jedem gegeben ist, mitzuzählen. Interessant wäre, wieviel Patronenhülsen gefunden wurden. Die offizielle Darstellung stimmt also so oder so nicht.
Nachtrag: Oder es war gar keine PPK? Sondern eine Star wie bei G.? Aus der gleichen Quelle vielleicht?

Es wurden im Hof 7 Hülsen gefunden, d.h. die 7 Schuß passen. Das noch eine Patrone im Magazin war müßte auch passen, falls es eine PPK/L aus den 50ern war.

Gruß
Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#62

RE: 172 Tage aus dem Leben des Lehrers Egon Schultz

in DDR Grenze Literatur 23.10.2013 23:20
von der glatte | 1.356 Beiträge

Es gibt zum Tod von Egon Schultz aktuelles. Im Buch "Seziert - Das Leben von Otto Prokop", streift der Autor Mark Benecke auch dieses traurige Kapitel.
Er bezieht sich dabei auf ein Protokoll der MUK Berlin, die im Auftrage des MfS den Tatort in Augenschein nahm. Das Protokoll wird dabei als Foto im Original gezeigt. Die Obduktion war demnach am 5.10.1964. Hier wird als Todesursache "Tod durch Verbluten in das Körperinnere infolge Zerstörung eines größeren Brustabschnittes der Körperschlagader", angegeben. Weiter wurde festgestellt: ...hatte der Westberliner Fluchthelfer aus einer Pistole Walther PPK 7,65 (Milimeter / Kaliber) insgesamt sieben Schuss abgefeuert. Die Schüsse schlugen in umgebende Gebäude ein - mit Ausnahme der vierten Kugel. Diese traf E. Schultz von vorn an der linken Schulter und brachte ihn zu Fall. Das Projektil fand man bei der Obduktion im Rückenmuskel. E. Schultz wies allerdings zehn Schussverletzungen auf! Aus dem Protokoll geht hervor, dass die neun anderen Schussverletzungen aus einer MPi "Kalschnikow beigebracht wurden. Dabei war auch der tödliche Treffer, der Wortlaut im Protokoll belegt das. Der tödliche Treffer aus der MPI drang demnach an der linken Schulter ein, riss die Hauptschlagader auf und es kam zu einer starken Blutung (1 Liter Blut). Weiterhin durchschlug diese Kugel noch das Zwerchfell sowie die Bauchspeicheldrüse. Sie trat am Dünndarm oberhalb der Schamhaare aus. Das Projektil befand sich bei der Obduktion noch in der Unterhose.

Damit wurde festgestellt, dass der tödliche Schuss also "friendly fire" war. Was aus dieser Tatsache gemacht wurde ist ja bekannt.

Gruß vom Glatten


ACRITER ET FIDELITER


connies9 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 23.10.2013 23:20 | nach oben springen

#63

RE: 172 Tage aus dem Leben des Lehrers Egon Schultz

in DDR Grenze Literatur 24.10.2013 13:24
von S51 | 3.733 Beiträge

Die PPK/L unterscheidet sich von der PPK nur durch das Material des Griffstückes (Aluminium, das "L" steht für Leicht), nicht durch das Fassungsvermögen des Magazins.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#64

RE: 172 Tage aus dem Leben des Lehrers Egon Schultz

in DDR Grenze Literatur 25.10.2013 00:13
von der glatte | 1.356 Beiträge

Hm, von einem Lungenschuss aus der PPK konnte ich im Bericht nichts finden. Das Projektil aus der PPK wurde ja im Rückenmuskel vorgefunden.
Im Buch selbst geht man heute davon aus, dass der tödliche Treffer nicht aus der PPK kam.

Nach meiner Meinung ist das alles eine Verkettung von tragischen Umständen, welche sich in wenigen Sekunden abspielten. Allerdings ist es Fakt, dass das Feuer unbestritten von der Fluchthelferseite eröffnet wurde. Die Frage lautet also, warum hat man das getan? Wurde da etwas von welcher Seite auch immer gerufen, was die Fluchthelfer als Bedrohung ansahen und deshalb die Nerven verloren haben. Wie war die Situation vor Ort?

Gruß der Glatte


ACRITER ET FIDELITER


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