#1

Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 22.08.2011 21:11
von Huf (gelöscht)
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Es ist inzwischen in diesem Forum vielen Usern bekannt, dass ich vor meinem Studium von 1977 bis 1980 im Med.-Punkt des GAR-5 in Glöwen gedient habe. Undzwar, ohne die U-Schule in Perleberg besuchen zu müssen, was sich im Rückblick auf meine zwar lange, aber militärisch gesehen unspektakuläre Dienstzeit als besonders erinnerungswürdig darstellt.

Auf mehrfache Anregung des Users 94 habe ich mich entschlossen, einiges über meine Zeit im med. Dienst zu berichten.
Anfangs verweise ich darauf, dass hierbei keine unerwarteten oder spannenden Berichte zu erwarten sind, wie sie in diesem Forum von den Kameraden im unmittelbaren Grenzdienst zu beiden Seiten der ehemaligen innerdeutschen Grenze zu lesen sind.

Eher soll den Lesern ein Eindruck davon vermittelt werden, dass es durchaus ein klug organisiertes System der gesundheitlichen Betreuung aller AGT gab, und wie es in praxi funktionierte.

Sollten meine Darstellungen zu langweilig, ermüdend oder sonstwie abartig zu verstehen sein, bitte ich um unmißverständliche Kritik im gewohnten Stil.

Auf geht´s!

VG Huf


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#2

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 22.08.2011 21:14
von EK87II | 109 Beiträge

Na dann leg mal los, bin gespannt


Gruß
EK87II
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#3

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 22.08.2011 21:37
von Huf (gelöscht)
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Vorgeschichte

Als ich am 01.11.1977 zu den GT nach Glöwen, 36 km von meiner Heimatstadt entfernt, eingezogen wurde, war mir zunächst kaum bewußt, welches "Glück" ich im Vergleich zu meinen Kameraden hatte.

In meiner Familie und dem näheren Umfeld gab es keine Mediziner, ich hatte auch keine "Gönner", denen ich beschriebene Umstände zu verdanken hatte. Eher im Gegenteil: Mein Stiefvater hatte meine Mutter mit ihren 3 Kindern an eine bekannte christliche Kirche gezogen. Dieser Umstand hatte einige Lehrer an meiner EOS dazu ermutigt, im Zeugnis der 11. Klasse, mit dem man sich ja zum Studium bewarb, auf meine nicht systemkonformen weltanschaulichen Defizite hinzuweisen, was ohne Zweifel niemals eine Zulassung zum Medizinstudium zur damaligen Zeit erlaubt hätte. Erst durch die mutige Intervention meines Stiefvaters, die den damaligen Staatssekretär für Kirchenfragen in der DDR, Klaus Gysi, zu uns nach W. führte, erbrachte die Löschung jedweder weltanschaulicher Kritik auf meinem Bewerbungszeugnis.

Kleiner Sprung: Anfangs glaubte man wohl in Glöwen, ich sei ein Funktionärssöhnchen oder so, jedenfalls erfolgte meine Grundausbildung in der Stabskompanie besonders gründlich auf jene Weise, wie es hier vielen Kameraden von Euch wohl auch ergangen ist.
Anschreien, Umziehen ("Maskenball"), Exerzieren bis zu nächtlichen Wadenkrämpfen und betonbedingtem Muskelkater.
Unser Spieß "liebte" mich derartig, dass ich meinen ersten Sold in Höhe von 120,00 Mark in Fünfmarkscheinen grinsend von ihm persönlich erhalten habe. Wie sehr er Kameraden "liebte", erfuhr ich erst später, einfach schauderhaft!

Nach 5 Wochen Grundausbildung war dann die Vereidigung in Stendal. Eine Woche später wurde ich Unteroffiziersschüler ("Pfefferminzgefreiter") und ich zog in meine neue Einheit, den Med.-Punkt.

Huf


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#4

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 22.08.2011 21:51
von Huf (gelöscht)
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Die neue Einheit

Mein "Umzug" von der Stabskompanie zum Med.-Punkt war in Wirklichkeit schon längst organisiert.
Nachdem ich meine Klamotten in die zum Sack geknüpfte Plane gepackt hatte, ging ich auf "Geheiß" des Hfw. zu Fuß zum RMP, um mich dort dem Regimentsarzt, dem Leiter RMP, ein echter Feldscher, den Kameraden und den Krankenschwestern vorzustellen.
Meine Aufnahme dort war angenehm.
Unser Reg.-Arzt befahl dann dem diensthabenden Kraftfahrer, mit dem LO mich zur Stabskompanie zu fahren, um dort den Sack mit meinen Klamotten abzuholen. Im Nachbargebäude des Med.-Punktes wurde mir eine Unterkunft zugewiesen, in der ich meinen Kumpel Bernhard, auch US, wir waren 5 im Jahrgang, freudestrahlend wieder traf.
Also Spind eingeräumt, Bett bezogen und mit Bernhard eine Cabinet gepustet. Er sollte Pio-Uffz. werden, war im richtigen Leben LPG-Schlosser. Ein echter Kumpel bis zum letzten der 1074 Tage, an dem er mich im Privat-Pkw nach Hause kutschierte.
Meinem Bernhard verdanke ich auch meinen Spitznamen: Huf.

Huf

P.S.: Fortsetzung folgt. Morgen wohl eher nicht, abends ist auswärts eine wichtige Fortbildung.


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#5

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 22.08.2011 22:44
von utkieker | 2.920 Beiträge

Ich hatte mir beim Fußball spielen den Knöchel verknackst und verbrachte vier Wochen im Med.- Punkt von Salzwedel. Nach vier Wochen Gips und eine Woche Innendienst "durfte" ich wieder auf Streife, eine physiotherapeutische Nachbehandlung erfolgte nicht. Nach dem Grenzdienst war mein Knöchel häufig so geschwollen, daß ich Mühe hatte die Stiefel auszuziehen. Trotz Med.- Punkt bei der Visite hatte man gefälligst Haltung einzunehmen, die Schwestern waren aber alle recht freundlich.
Waren eigentlich alle Militärärzte an der Militärmedizinischen Sektion in Greifswald?

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#6

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 23.08.2011 08:52
von Huf (gelöscht)
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@utkieker, keine PT, das war nicht gut! Hast Du sicher lange etwas von Deiner Knöchelverletzung gehabt.

Also unser RA hatte in Greifswald studiert. Ich glaube, dass alle BS-Ärzte dort ihre Ausbildung hatten.
Anders war es natürlich mit Resi-Ärzten, die wir auch regelmäßig hatten.

VG Huf


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#7

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 23.08.2011 17:51
von EK87II | 109 Beiträge

@Huf freue mich schon auf die Fortsetzung. Persönlich hatte ich auch schon meine Erfahrungen mit den Kameraden vom Med.- Punkt. Nach 4 Wochen in Perleberg hatte ich starke Schmerzen im Schienbein. Also ging mein Weg nach Anmeldung zum Med.- Punkt, begleitet von den üblichen verbalen Anfeindungen wie Drückeberger, Simulant und so weiter. Bei der Untersuchung machte mir man unmissverständlich klar, dass es nichts an meinem Schienbein gäbe, was Schmerzen verursacht. Ich bekam eine Salbe und durfte wegtreten. Da die Schmerzen nicht weniger wurden bat Tage später ich um eine weitere Untersuchung. Diesmal versuchte man es mit Röntgen. Die erste Aufnahme ging bei der Entwicklung flöten, die zweite war verschwommen und auf der dritten konnten sie auch keine Anhaltspunkte für meine Schmerzen entdecken. Nach kurzer Diskussion entschloss man sich mir eine Überweisung für eine Untersuchung im Militärlazarett Neustadt- Glewe zu spendieren. Am nächsten Tag fuhr ich dann mit dem Bus zur Untersuchung, im Gepäck die Röntgenaufnahme vom Med.- Punkt. Dann kam der Moment der Untersuchung, der Arzt ein Major war Chirurg, sah sich die mitgebrachte Aufnahme an machte den Mülleimer auf und veranlasste eine neue Aufnahme. Anschließend zeigte er mir sehr anschaulich die Ursache meiner Schmerzen. Bedingt durch einen Verkehrsunfall ein halbes Jahr vor der Einberufung hatte ich am Schienbeinknochen einen Haarriss aus dem anschließend Knochenflüssigkeit austrat. Das wurde fest wie Knorpel und drückt jetzt, durch das viele marschieren und die Beanspruchung des Fußes, auf das Schienbein. Er empfahl mir dringend die operative Entfernung des Knorpels ansonsten bekäme ich damit immer wieder Probleme sobald ich das Bein belaste. Gesagt getan 3 Tage später lag ich unterm Messer und verbrachte 3 Wochen in Neustadt- Glewe. Ich darf sagen die OP verlief absolut perfekt, ich habe nie wieder Beschwerden gehabt und die Narbe kann ich selber nur mit viel Mühe finden.


Gruß
EK87II
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#8

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 24.08.2011 18:50
von Huf (gelöscht)
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Hallo EK 87II,

habe mit Interesse Deinen Beitrag gelesen. Naja, Du hattest zunächst Pech mit Deiner Geschichte. Aus heutiger Sicht hätte man Dich bei der 8 Wochen vor dem "Einzug" bei der sog. Eingerufungsüberprüfung zurückstellen müssen.

Jetzt einmal bei der Hitze duschen und dann mache ich hier weiter!

VG Huf


zuletzt bearbeitet 24.08.2011 18:50 | nach oben springen

#9

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 24.08.2011 19:05
von bruno | 598 Beiträge

@ huf

bruno,1989 in der ausbildung in eisenach beim militär-zahnarzt,
mit mehr schiss als vaterlandsliebe sass ich im wartezimmer,
aufeinmal ging die tür auf, da stand er(also der militärzahnarzt)
2 1/2 zentner lebendgewicht, finger wie bratwürste, ne aschenbecherbrille
und eine leder(fleischer)-schürze um den ranzen "wer ist der nächste?",
der kleine bruno ist vor angst fast gestorben!
eigentlich wollte ich ihn fragen was er wohl im zivilleben vom beruf sei.
naja...einmal und nicht wieder.

so doc, jetzt du wieder.


nichts auf der welt ist so gerecht verteilt wie der verstand.
denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.
rené descartes
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#10

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 24.08.2011 19:17
von Huf (gelöscht)
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Hallo bruno,

nach Deiner Beschreibung hat Dich damals mein gegenwärtiger, inzwischen teilweise ergrauter Zahnarzt behandelt?

Bei allem "Spaß", mein ZA Uxxxxxxx Bxxxxxxxxxx hat ein ebenso stattliches Erscheinungsbild, dabei aber sehr feine und feinfühlige Finger und ein entsprechend handwerkliches Geschick!

VG nach Thüringen! Huf


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#11

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 24.08.2011 19:17
von 94 | 10.792 Beiträge

Sach'ma wie lange willst'n noch das Wasser in den Abfluß rinnen lassen? Fürs Duschen gibt es Normzeiten!
Na, egal ... ich lese es halt morgens früh und freue mich schon drauf *wink*

CTRL-Z and logoff

[Edit]
Na das war knapp, Genosse Sanitätsgefreiter!
Also, hau in die Tasten. Man ließt sich ...


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 24.08.2011 19:18 | nach oben springen

#12

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 24.08.2011 19:18
von Huf (gelöscht)
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@94, ältere Männer sind nun mal nicht schneller...


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#13

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 24.08.2011 19:32
von Huf (gelöscht)
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Meine Ausbildung zum Uffz.

Nun hatte mein Dienst im Med.-Punkt begonnen. Der Tagesablauf war dienstbedingt vorgeschrieben, wie überall bei GT und NVA.
Zunächst war ich nicht im diensthabenden System des Med.-Punktes integriert. Dazu später.

Morgens um 07:45 Uhr begann der Dienst mit der Besprechung mit dem RA Major B. Formal ging es militärisch zu, inhaltlich um die aktuellen Probleme. Unser RA, den ich, wie schon öfter hier geschrieben noch heute sehr verehre, wollte exaktes, aber nicht dienstgeiles Auftreten und verlangte stets einen situationsbedingten, regelrechten Dienstablauf.

Anfangs bin ich dann gegen 08:00 Uhr häufig zu Sicherstellungsmaßnahmen gefahren, Schießen, HG-Ausbildung, Entaktivierung mit Cu64 oder sonstwas. Ich saß also in dem Sani-LO, den ihr alle aus der Ferne am Rande des Geschehens kennt.
War echt langweilig, anfangs! Ich bekam Tagedrücken, kann das hier jemand verstehen?

Zwei Tage im Monat war Sani-Uffz.-Ausbildung (theoretisch) im GKN in Stendal. War sehr effektiv und unwesentlich militärisch überlagert.

Die Zeit verging in etwa so, wie zuvor beschrieben. Ich lernte das gesamte Stammpersonal des Regiments kennen dank der Beziehungen meines dienstälteren Uffz., der nach dem WD Hautarzt wurde und heute sehr erfolgreich an der ostdeutschen Ostseeküste praktiziert.

Naja und eines Tages, nach dem Ablauf der 6 Monate kam die Uffz.-Prüfung in Glöwen.

VG Huf


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#14

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 24.08.2011 20:08
von Huf (gelöscht)
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Meine Uffz.-Prüfung

Also eigentlich muss man darüber schmunzeln. Aus heutiger Sicht.

Jedenfalls musste man zur Prüfung ein nicht unerhebliches Pensum an theoretischem Wissen nachweisen, und das ohne jede medizinische Vorbildung.
Das gesamte Personal des RMP, die zivilangestellten Schwestern, meine Kameraden und natürlich der Chef erwarteten eine problemlose Prüfung.
Nach meiner Erinnerung reisten hohe Offiziere aus Stendal und Perleberg an.
Theoretische Prüfung war mündlich, nicht einfach, aber beherrschbar.
Dann Prüfungen zu DV, internationalem Rot-Kreuz-Recht und Schußwaffengebrauchsbestimmung.

Die praktischen Prüfungskomplexe bestanden im Schießen mit Pi Makarow, Schutzanzug anziehen und Sturmbahn.

Praktische Prüfungen bis auf Sturmbahn bestanden, weil ich die Holzknarre vor dem Überklettern der Eskaladierwand schon herübergeschmissen hatte. Mein "Feind" hätte sie entgegengenommen. Naja, egal.

Theorie eine zwei, Militärische Prüfung eine drei minus.

Ich sollte also ein Salonsoldat werden, schauen wir mal.

Mein Vorgesetzter, der Regimentsarzt, hatte jedenfalls ermunternde Worte auf den Lippen, nachdem mein US-Kumpel Bernhard ihm meinen Spitznamen an jenem Abend beim Umtrunk gesteckt hatte.

" Genosse" B., Du bist eben ein Huf!

VG Huf


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#15

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 24.08.2011 20:53
von Huf (gelöscht)
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Uffz. Huf meldet sich zum Dienst!

nach zuvor beschriebener und bestandener Prüfung gehörte ich also nun zum "Stammpersonal" des RMP.
Zum 01.05.1978 war ich von Herrn OSL Jantzen zum Unteroffizier ernannt worden. "Ich diene der Deutschen Demokratischen Republik!".

Dann erfolgte nach ausgiebiger Feier die Integration ins "System". Sollte heißen eine Woche Dienst im Med.-Punkt, danach 3 Wochen Sicherstellung von Ausbildungsmaßnahmen des Regiments. Einschließlich Hygiene-Kontrollen der Unterkünfte, und stets bereit für den Fall, das etwas los ist.
Es war aus heutiger Sicht durchaus eine Schule für´s Leben.

VG Huf

P.S. Sollte jemand Nachfragen haben, gern auch als PM.


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#16

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 24.08.2011 20:59
von EK87II | 109 Beiträge

Ne ne, keine Fragen. Schreibe mal schön weiter.


Gruß
EK87II
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#17

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 24.08.2011 21:22
von Huf (gelöscht)
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Morgen geht es hier weiter, die letzte Nacht war stressig wegen unbändiger und ungewohnter Gewitter, und nun sieht es aus, als ginge das so weiter!

Durchhalten!

Vg Huf


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#18

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 24.08.2011 21:26
von EK87II | 109 Beiträge

Na dann eine hoffentlich ruhige Nacht, hier braut sich auch schon wieder einiges zusammen.


Gruß
EK87II
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#19

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 24.08.2011 22:13
von willie | 613 Beiträge

Hat vielleicht nur indierekt mit dem eigentlichen Thema von HUF zu tun, aber zum Thema "Medizinische Dienst in den GT" paßt es eventuell auch. Oder müßte hierzu eine neues Thema eröffnet werden?
Zur Sache:
1988 wurde eine mir namentlich bekannte männl. Person in ein Haftkrankenhaus einer U-Haftanstalt in Berlin verbracht.
Entlassungsbeleg kann ich u.U. besorgen und hier einstellen, so daß man eventuell den genauen Aufenthaltsort anhand der Stempelung feststellen kann.
Diese Person gab unmittelbar nach ihrer "Einlieferung" in das Haftkrankenhaus in Berlin an , das sie an insulinbedürftigen Diabetis (Zuckerkrankheit durch mehrmaliges "Spritzen" täglich behandelbar) leide und gegen verschiedene andere Insuline allergiesch reagiere und auf das entsprechende Insulin aus dem "Westen" angewiesen sei.
Der dort anwesende und mehrmals behandelnde "Arzt" ging laut Aussage nicht auf diesen Hinweis ein und verordnete/spritzte selbst ein in der DDR oft angewendetes "Zink-Insulin".
Logischerweise kam es anschließend zu heftigen All.-Reaktionen.
Es erfolgte keinerlei Änderungerung der Medikation.
Insgesamt wurde etwa 7 Tage das "zinkInsulin" von diesem "Arzt" verabreicht. Es kam natürlich zu heftigen allergischen Reagtionen.
Nachdem der Inhaftierte mit der Ständigen Vertretung in "O-"Berlin persönlichen Kontakt aufnehmen durfte, wurde ihm durch
die Ständige Vertretung der Bundesrep. Deutsch. in Berling/Ost das entsprechende Medikament besorgt und anschließend
durch den gleichen U-Haftanstalts-Arzt verabreicht.
Ich denke mal solche Vorgehensweise war nicht überall üblich. Oder doch? Ich bin heute noch stink sauer über eine solche
"Behandlung". So und jetzt kommt ihr.....dann man los..
Gruß Willie


...Rechtschreibfehler sind die Special Effects meiner Tastatur!...
zuletzt bearbeitet 24.08.2011 22:38 | nach oben springen

#20

RE: Der Medizinische Dienst in den GT

in Grenztruppen der DDR 24.08.2011 22:16
von moreau | 384 Beiträge

Meine erste und wahrhaft einzige Begegnung mit dem Med. Dienst der GT war relativ heftig, zumindest am Anfang.

Apropos Anfang. Als frisch eingezogener Glatter habe ich mich, entgegen dem Rat meines Großvaters , mal freiwillig gemeldet. Damals wurden in der Ausbildung Kradfahrer gesucht. Und für mich als begeisterter Motorradfahrer mit ungebremsten Fahrriemen gab es kein Halten. Ich wurde auch genommen und ab ging es von Johanngeorgenstadt nach Rudolstadt zur Fahrschule. Dort angekommen gab es erstmal einen kleinen Schock. Ich wurde mit weiteren 27 Glatten unters Dach in eine Kaschemme gepfercht. So mit vier Betten aneinander gestellt und mit Einstieg über die Giebelseite des Bettes. Aber was soll´s als Glatter warste mittlerweilen Kummer gewöhnt.

Was ich und der Rest der Mannschaft allerdings als gewöhnungsbedürftig empfand war der Liegekomfort der ähh.. „Betten“. Die kam einer Hängematte verdammt nahe, weil da jede Menge Kettchen und Federn im Unterteil fehlten und sie so ordentlich durchhingen.
Und dann kam es wie es kommen musste. Durch die viele stundenlange Rumkutschiererei auf den Motorrädern fing ich mir eine erst mal leichte Erkältung ein. Für mich nicht weiter Schlimm, aber für die Anderen um so mehr. Bei einer Erkältung neige ich dazu ein ordentliches Stückchen Wald des Nächtens um zusägen. Erschwerend bzw. verstärkend kam noch dieser super Liegekomfort hinzu.
Außerdem war ich um diese Zeit so innerhalb von geschätzten 30sek. Eingeschlafen. Mein unterer Bettnachbar hat zwar versucht mich etwas munter zuhalten oder besser mich dazu zu motivieren den Rest der Mannschaft wenigsten im Einschlafen einen kleinen Vorsprung zu geben. Aber allein es hat nichts genützt. Jedenfalls war ich morgens schlaftechnisch gesehen topfit. Nur die restlichen 27 Leutchen waren, nun ja, die eine Hälfte war Übernächtigt und die andere Hälfte hatte wenig geschlafen.

Das ging so drei, vier Nächte lang. Nach der vierten Nacht hatte ich so ein ungutes Gefühl das meine Kameraden kurz davor waren die Mistgabeln und Dreschflegel hervorzuholen und zum Lynchmob zu mutieren.
Da es mir aber mittlerweile äußerst Dreckig ging, habe ich lieber den Rückzug in Richtung Medpunkt angetreten. Dort angekommen weiß ich nur das ich warten sollte bis der Genosse Doktor kommt. Nur sein Auftauchen habe ich nicht mehr mitbekommen. Laut Erzählung der Schwester bin ich mit Erscheinen des Doktors durch ein völliges Kreislaufversagen vom Wartestuhl gekippt. Ehrlich das war als hätte jemand das Licht ausgeknipst. Ich war schlagartig weg ohne Vorwarnung.
Was mir in Folge einen 14tägigen Erholungsurlaub im Medpunkt von Dittrichshütte einbrachte.

Gruß
Moreau


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