#1

Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.08.2011 00:11
von passport | 2.640 Beiträge

Hallo User,

als ehemaliger MA der PKE Mbn./ A. würde mich interessieren, wie ein Reisender den Grenzübergang bzw. Grenzpassage empfand.
Insbesondere würde mich die Meinung von Personen aus den alten Bundesländer interessieren die in die DDR einreisten, Transit 3. Staaten bzw im vertragsgebundenen Transit WB fuhren. Vielleicht sind unter den Usern Berufskraftfahrer (DDR/BRD) oder Dienstreisende die den Grenzübergang mehrfach befuhren.
Bei meheren Besuchen mit Interessenten habe ich mitbekommen, das die Führungen doch sehr einseitig ausgelegt sind. Natürlich ist mir klar, das diese Personen, die die Führungen durchführen, nicht an der historischen Aufarbeitung interessiert sind bzw. diese nicht kennen. Beispiel : Bei der letzten Führung im Juni 2010 erklärte eine 20-jährige ? Dame, das nur eine Autobahntransitstrecke Transit BRD-WB existierte. Mit diesen "Fachwissen" ging es dann 1h über die Güst. Den Besuchern wurden Sachen erzählt, die ich so nicht erlebt habe. Klar ist, ein Reisender sieht die Grenzpassage anders als ein MA der dort arbeitenden Kontrollkräfte.

Gruß

passport


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#2

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 15.08.2011 21:38
von Gert | 12.356 Beiträge

also ich war AGT und bin nach meiner Dienstzeit 1965 in die Bundesrepublik gefluechtet. Weihnachten 1972 war ich das erste mal wiëder eingereist ueber Wartha. Die erste Einreise war ziemlich nervtoetend bei mir, meine Frau hat mich staendig beruhigen muessen. Es war eine Amnestie fuer Fluechtlinge vorausgegangen und ich hatte einen Berechtigungsschein fuer ein Visa. In Wartha war ein Rueckstau von etwa 5 km ( bis nach Herleshausen Ortsmitte) und das ging schrittweise vorwaerts.Es dauerte Stunden, bis wir an der Grenzabfertigung waren. Ich hatte damals den Glauben, einem Kommunisten kann man nur trauen wenn er im Sarg liegt. Entsprechend gross war meine Misstrauen zu dieser Amnestie. Aber es lief alles normal ab und ich war drin in der DDR nach ueber 7 Jahren, konnte vor allem meine Eltern wieder sehen. Bei den Einreisen herrschte imme rein geschaeftsmaessiger bis befehlshafter Ton durch dei PKE. Von grosser Freundlichkeit konnte nicht die Rede sein. Ich hatte auch keine Lust mich mit denen ueber das notwendige hinaus zu unterhalten. Unangenehm konnten die Typen vom Zoll werden. Mich hat einmal einer bei -13 Grad eine halbe Stunde das Auto aus- und einpacken lassen fuer nix.. Ich hatte einen saftige Fluch auf den Lippen, habe ihn aber unterdruecken koennen.
Hatte spaeter meine Strategie gefunden, knappste Gespraechsfuehrung , also nur ja und nein, moeglichst coole Miene aufsetzen als wenn einen das alles nichts anging. Habe hier im Forum erst erfahren, dass das alles Stasileute waren, wie sollte man auch etwas anderes denken, wenn sie selbst im eigenen Land in kospirativer Absicht in andere Uniformen schluepften.
Im Dezember 89 habe ich in Wartha dann einen Grenzer angesprochen, warum sie nicht frueher so freundlich bei der Abfertigung waren wie jetzt. Nu ja, de Zeiten hamssch eben geaendert, sagt er im breitesten saechsisch.

Gruss Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#3

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 16.08.2011 00:32
von passport | 2.640 Beiträge

Hallo Gert,

schön das ich mal die Ansicht eines Reisenden mitbekomme. Natürlich sind Feiertage immer große Reisetage. Selbst ein großer Grenzübergang wie Marienborn / A. hatte damit seine Probleme. Die PKE-Chefetage hatte an diesen Tagen ALLE verfügbaren MA zum Dienst organisiert. Beispiel : Wenn wir zB. 12 h Spätschicht (10.00-22.00 Uhr) hinter uns hatten, kam ich so gegen 23.30 Uhr nach Hause. Da der Reisestrom ca. ab 05.00 Uhr einsetzte, begannen wir unseren Dienst schon wieder um 05.00 Uhr. Unser Bus fuhr dann in MD um 02.30 in Richtung Mbn./A.ab. An solchen Tagen arbeiteten wir bis zu 16 h durch. Das dann der eine oder andere MA nicht mehr taufrisch war, kann man sich ja vorstellen. Übrigens wurde auf Dienstbesprechungen immer wieder die MA darauf hingewiesen, gegenüber den Reisenden höflich und korreckt aufzutreten. Dazu kamen die Normen im Bereich der Visaabfertigung. Auf Grund der Abfertigungsnormen errechnete der PKE-Stab die Durchlassfähigkeit der Güst. Dadurch hatten wir im Einreisebereich (ausgenommen Transit BRD-WB) während der Spitzeneinreisezeit max. 2 h Wartezeit. Natürlich alles auf Kosten der Arbeitszeit der MA. Durchschnittsarbeitszeit betrug bei uns 250 h im Monat. Um die Abfertigungsnormen zu erreichen , konnte man in den Außenbereichen (Paßannehmer/Identitätskontrolleur) max. die Reisenden entsprechend der Tageszeit begrüßen bzw. verabschieden sowie seine Kontrollhandlungen durchführen. Private Gespräche waren untersagt.

Gruß

passport


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#4

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2011 01:21
von Musiker12 | 822 Beiträge

Unzählige Male bin ich über die GÜSt Marienborn eingereist und habe diese auch auf der Fahrt nach Berlin (West) genutzt. Für mich war das eine Grenze wie jede andere. Ich wurde, bis auf eine Ausnahme eigentlich immer höflich behandelt (warum auch immer ).
Festgetellt habe ich, dass es bei schlechtem Wetter, Hauptsächlich bei der GÜSt Wartha immer recht schnell ging. Im Transitverkehr wurde doch in den letzten Jahren ohnehin nicht viel kontrolliert (oder täusche ich mich da?). Telefon und Funkgerät habe ich anfangs noch ausgebaut, später dann nicht mehr. Auch dies führte zu keinerlei Problemen. Im Grunde hat mich der Zoll (West) mehr geärgert. Wenn ich schon die blöde Frage gehört habe "Na, was haben wir denn im Intershop gekauft? " hätte ich schon können.
Einmal war ich so genervt, dass ich dem Zöllner (West) gesagt habe " Es reicht jetzt", und bin einfach weiter gefahren.

Von einem Befehlston habe ich eigentlich, eben wieder bis zu jener Ausnahme am Übergang Dreilinden, nichts verspürt. Hin und wieder hat man auch ein Lächeln geerntet was ich auf meine dummen Sprüche zurück führe.

Die Ausnahme war am Übergang Dreilinden bei der Einreise aus Berlin (West) kommend. Da bin ich an eine etwas resolute Dame geraten mit der ich die Begegnung der 3. Art hatte.
Es gab schon merkwürde Fragen seitens der Damen und Herren an der Grenze. So z.B. " Führen Sie Waffen, Munition oder Sprengstoffe mit sich?" Klar,man reist in die DDR ein, bis auf die Zähne bewaffnet, mit der entsprechenden Munition versteht sich und dann sitze ich in meiner Karre noch auf edlichen Kilo Spregstoff. Aber im Grunde ist das die gleiche dumme Frage wie bei der Einreise in die USA. Wollen Sie den Präsidenten ermorden?
Die Frage, ob man Waren anzumelden hat ist an jeder Grenze normal. Was mich immer genervt hat, war diese blöde Zoll und Deviesenerklärung auf dem man sein Bares angeben musste. Ich Habe es immer vermieden Kleingeld mitzunegmen, Scheine sind eben mal schnell gezählt.

Jedenfalls habe ich der Dame, nachdem sie meinte ob ich sie umfahren wolle (ich bin bis zu dem weißen Strich gefahren wo sie stand) gesagt, dass ich sehrwohl wisse wo ich hinfahre und ich aus diesem Grund auf die Mitnahme solcher Ausrüstungsgegenstände verzichtet habe. Das war wohl etwas zu viel des Guten. Ich durfte sie dann in die Abfertigungsbaracke (zumindest sah es für mich so aus als sei es eine Baracke) unter Mitnahme meiner persönlichen Dinge, begleiten. Nachdem sie meine Tasche kontrolliert hatte kam die Frage, ob sie mach anfassen dürfe. Mit einem Lächeln (Lt @Huf ginsen nur Affen) habe ich dann gesagt, "kommt darauf an wo".
Ob der Spruch der Auslöser war, dass ich meine Taschen dann selbst entleeren durfte?
Der letzte Akt war dann, als ich meine Sachen wieder zurück in die Tasche geworfen hatte. Hier wurde ich dann aufgefordert dies so zurück zu legen wie es von ihrer Seite eingangs vorgefunden wurde. Wörtlich: "Die Sachen lagen ordentlich da drin, so legen Sie sie auch wieder rein". Ich habe ihr gesagt, dass seien meine Sachen und sie möge es doch mir überlassen wie ich damit umgehe.
Ungläubig hat sie mich angeschaut, als ich aus meinen Hosentaschen Zigarettenpapier heraus genommen habe. "Was ist das denn?" Ich habe ihr erklärt, was auch den Tatsachen entspricht, dass ich die Angewohnheit habe, Zigarettenpapier nicht einfach auf die Straße zu werfen, sondern dieses zuhause entsorge. Ich denke, dass hat sie mir nicht abgenommen.

Dies war das einzig Negative, was ich an einer GÜSt erlebt habe. Aus heutiger Sicht muss ich die ganze Aktion belächeln, damals war ich doch etwas angespannt, obschon ich es mit meinen lockeren Sprüchen versucht habe ins Lächerliche zu ziehen. Sollte man aber mit Amtspersonen (egal an welcher Grenze auch immer) besser nicht tun. Der Hebel dieser Leute ist doch länger und weitreichender. Mir wurde im Nachhinein nur gesagt:" Reiß dich mal zusammen wenn Du an der Grenze bist."



zuletzt bearbeitet 17.08.2011 01:24 | nach oben springen

#5

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2011 15:36
von Gert | 12.356 Beiträge

Musiker, sehr nett beschrieben deine Erlebnisse. Besonders gefiel mir der Spruch...... kommt darauf an wo ! Hätte ich mir nicht getraut, da ich verschiedentlich schon mit bekam, dass sie diese humoresken Einlagen überhaupt nicht verstanden. So was zog immer eine Machtdemonstration nach sich, die je nach Fantasie des PKE kürzer oder länge rausfiel.

Mich würde mal interessieren, was die Herren des PKE über die Reisenden so dachten. Ich meine sie bekamen ja dort sehr nah einen Einblick in eine andere Welt, zumindest was die materielle Seite der Bundesrepublik betraf. Kommt man da nicht ins Grübeln, wenn man jeden Tag mehr oder wenig große Limos abfertigt und nach Feierabend in sein Gokart sprich Trabbi einsteigt,denkt man da nicht auch, dass man vielleicht auf der falschen Seite steht? Natürlich die "bibelfesten Marxisten" haben da sicher keinen Gedanken daran verschwendet.

Gruß Gert


.
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#6

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2011 17:58
von Polter (gelöscht)
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Zitat Gert: ch hatte damals den Glauben, einem Kommunisten kann man nur trauen wenn er im Sarg liegt.
So dachten in der Geschichte der Menschen viele. Auch Hitler und Stalin zum Beispiel.
Wie denkst Du heute darüber?


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#7

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2011 21:19
von Huf (gelöscht)
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@Polter, ich bin zwar kein Admin in diesem Forum und werde mich mal wieder gewaltig verheben, aber Deine Nachfrage an @Gert ist nach meinem Eindruck u.U. Anlass erneuter "Unruhen" im Forum, die gegenwärtig eher kontraproduktiv erscheinen.
Lassen wir es doch einfach so stehen, der Gert wird seine Gründe dafür haben.
Gleichzeitig bitte ich Dich, meine Kritik nicht als Provokation aufzufassen.

VG Huf


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#8

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2011 22:27
von EK86II (gelöscht)
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Zitat von Huf
.... aber Deine Nachfrage .........ist Anlass erneuter "Unruhen" im Forum, die gegenwärtig eher kontraproduktiv erscheinen.



ja...........schön ruhig im forum, unruhe kann man hier gar nicht............. gebrauchen.......

vor kurzem versuchte ich noch mehrmals am Tag rein zu schauen, mittlerweile reicht ein kurzer blick am abend, aber sicher geht es nur mir so und der rest der user ist über den schönen forumsfrieden hochbeglückt.........

alles auf dem besten weg..........gute nacht!


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#9

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2011 22:55
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Polter
Zitat Gert: ch hatte damals den Glauben, einem Kommunisten kann man nur trauen wenn er im Sarg liegt.
So dachten in der Geschichte der Menschen viele. Auch Hitler und Stalin zum Beispiel.
Wie denkst Du heute darüber?



@ Polter, deine Frage wegen meines Spruches über die Vertrauenswürdigkeit von Kommunisten kann man ganz einfach mit deiner anschließenden Wertung ..... und Stalin dachte auch so als ausgemachten Blödsinn widerlegen. Im Übrigen hat User @ Huf sehr gut zu dem Post von dir geantwortet. Ich möchte dem nichts hinzuzufügen.

Gruß Gert


.
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#10

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 18.08.2011 00:47
von passport | 2.640 Beiträge

Hallo User,s

Habe schon öfters feststellen müssen, das der Unterschied zwischen der Tätigkeit der Passkontrolle und des Zolls häufig verwechselt wird. Im vertragsgebundenen Transit BRD-WB erfolgte überhaupt keine Zollkontrolle. Der MA des Zolls befragte die Reisenden lediglich mit dem Standardsatz : "Führen sie gebührenpflichtige Waren mit, wie Waffen, Funk und Munition, die sie anmelden müssen". Das war alles, mehr nicht. Bei Vorhandensein o.g. Sachen stellte der Zoll eine gebührenpflichtige Quittung aus. Waffen und Munition bekamen am Futteral einen Zollverschluß.
Was die Frage nach Fzg. angeht, tangierten diese uns nur peripher.

Gruß

passport


zuletzt bearbeitet 18.08.2011 00:49 | nach oben springen

#11

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 18.08.2011 14:27
von Polter (gelöscht)
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Zitat von Huf
@Polter, ich bin zwar kein Admin in diesem Forum und werde mich mal wieder gewaltig verheben, aber Deine Nachfrage an @Gert ist nach meinem Eindruck u.U. Anlass erneuter "Unruhen" im Forum, die gegenwärtig eher kontraproduktiv erscheinen.
Lassen wir es doch einfach so stehen, der Gert wird seine Gründe dafür haben.
Gleichzeitig bitte ich Dich, meine Kritik nicht als Provokation aufzufassen.

VG Huf


Maulkorb? Noch ist Nachfragen erlaubt. Der Spruch, um den es mir geht, ist schon bedeutsam und erinnert an schlimme Zeiten.Vertraue nur einem Komministen im Sarg. Nur ein toter Indianer ist ein Guter. Oder nur der tote Jude? Kommte Dir nicht bekannt vor? Dann gebe ich mal die Warnung heraus: Traue nur einem totem Radfahrer! Radfahrer, Indianer, Juden und Kommunisten wird es wohl auch in absehbarer Zeit genug geben.


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#12

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 21.08.2011 11:52
von Huf (gelöscht)
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@Polter,

nein, meine Bemerkung war unmißverständlich nicht als Maulkorb zu verstehen! Das geht aus dem Inhalt zweifelsfrei hervor!
Im Übrigen stünde so etwas im eklatanten Widerspruch mit dem Sinn des Forums!
Und, wie Du lesen konntest, nicht in böser Absicht, sondern im Interesse des Forumfriedens angeraten.

VG Huf


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#13

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 21.08.2011 17:03
von passport | 2.640 Beiträge

Hallo User,s

ich würde mich freuen, wenn wir wieder auf das Thema zurückkommen, was ich angeregt habe. Habe ja nichts gegen konstruktives Streiten, aber bitte sachlich und die Emotionen versuchen herauszunehmen.

D A N K E

Gruß

passport


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#14

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 21.09.2011 03:29
von Der dolle Bomberg (gelöscht)
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Dem Hinweis aus dem Vorstellungs-Thread von mir möchte ich dann mal nachkommen und die Sicht der Grenzkontrolle aus Sicht des aus der BRD Einreisenden schildern. Wobei ich zu Marienborn speziell nix sagen kann. Wie bereits gesagt, bin ich bis 1988 mit meinen Eltern in die DDR über Eußenhausen/Henneberg eingereist und 1989 dann selbst fahrenderweise. Seit ca. 1983-84 mit 12-13 Jahren habe ich diese Kontrollen auch bewußt in ihrem Kontext wahrgenommen und verstanden. Das war in etwa der Zeitpunkt, wo ich anfing, mich für das (politische) Zeitgeschehen zu interessieren.

Sowohl als Kind/Jugendlicher als auch in der Nachbetrachtung als Erwachsener waren die Kontrollen sehr vielschichtig und von vielen Faktoren abhängig. Einer davon war wie schon hier angesprochen das Wetter. Oder die Uhrzeit, wann man einreiste. Es gab Grenzer, die trotz der (politischen) Situation Mensch geblieben sind. Es gab genauso die schon durch bloßen Anblick als absolut linientreue Sozialisten zu identifizieren waren. Die den BRD-Bürger nicht als Mensch sondern als Klassenfeind angesehen haben - und ihn das auch spüren ließen. Und sei es nur in der Wahl der Sprache und des Tonfalls.

Zum Faktor Mensch kam zwangsläufig immer auch der Faktor Technik hinzu. Zu jedem Grenzübertritt gehörte auch das Passieren der Sperr- und Abfertigungsanlagen, die vom Grenzstein BRD/DDR an mehrere hundert Meter breit bzw. lang waren. Massive Schlagbäume, Fahrzeugsperren, Rollgittertore usw. sind nicht gerade vertrauensfördernd, auch wenn sie zum Passieren geöffnet sein müssen. Man wußte aber auch so, wozu die dicken fahrbaren Betonwände gedacht waren, an denen man vorbei fuhr. Die sichtbaren Anlagen kamen schon recht martialisch und furchteinflößend daher. Zumal man für diese Strecke von wenigen hundert Metern im Extremfall Stunden brauchte. Und sich immer irgendwie beobachtet und/oder abgehört vorkam. Ob es so war? Keine Ahnung! Aber die umliegenden Dienstbaracken hatten z. T. verspiegelte Scheiben oder so was, wo man nur von drinnen nach draußen schauen konnte, aber nicht umgekehrt. Das erzeugte dann halt dieses Gefühl, das dazu führte, daß die Anspannung anstieg und das auch Gespräche unter uns unterband. Was wieder die Unangenehmheit der Situation steigerte. Wir waren so oft in der DDR, aber zur Routine ist der Grenzübertritt nie geworden.

Das Schlimmste war die Zollkontrolle, wenn man seine Abfertigungsbox zugewiesen bekam, reinfuhr und dann hinter einem ein massives Stahlgittertor geschlossen wurde. In dem Moment fühlte man sich hilflos und völlig der Situation (und den Grenzern) ausgeliefert. Hier kam es auch zu den schlimmsten Situationen, ich würde sie mitunter auch als Übergriffe bezeichnen. Aber, und das stelle ich ausdrücklich fest, das war nicht die Regel, soll aber nicht verschwiegen werden. Der weitaus größte Teil tat seinen Dienst höflich und korrekt.

Als positives Beispiel, über das wir heute noch schallend lachen, soll dienen, wie uns der Grenzer grinsend eine Neue Revue abnahm und im breitesten sächsisch erklärte "Nüü, des ändschbrischt obba nüscht dem sözialistischem Gödangkengut" und die Schwarte einkassierte. Mich würde heute noch interessieren, was er damit gemacht hat. Irgendwie hatte ich den Eindruck, daß die nicht entsprechend der Dienstvorschriften behandelt wurde sondern mit nach Hause ging. Ebenso wie die aktuellen Programmzeitschriften des Westfernsehens. Hatte man einen humanen Grenzer, hat der die Augen zugedrückt und das "nicht gesehen".

Die Linientreuen kassierten immer mit einem mehr oder weniger politischen Spruch und wenn man Pech hatte verzögerte das die Kontrolle nochmals, weil er dann noch in den Koffer X und Tasche Y sehen wollte. Oder es folgte eine ewig lange Belehrung über die Konsequenzen, die dieser Schmuggel haben könnte. Schlimm waren die auch vorkommenden Leibesvisitationen, die auch vor mir als Kind keinen Halt machten und teilweise bis hinter die "Glocken" reichten. Wobei keiner von uns sich jemals in der Baracke ausziehen mußte. Aber so scharf wie dort bin ich nie wieder, auch nach dem 11. September 2001 nicht, an irgendeinem Checkpoint wie z. B. Flughäfen am Leib kontrolliert worden.

Wenn man das hinter sich hatte und die Papiere wieder bei sich, wurde einem von so ziemlich jedem, mal mehr oder weniger freundlich, mal militärisch zackig, ein angenehmer Aufenthalt in der DDR gewünscht und man hatte nur noch die letzte Kontrolle am Ende des Grenzgebiets vor sich. Das war aber immer nix weiter als noch mal die Papiere vorzuzeigen.


Gruß

Andreas


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#15

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.09.2011 13:18
von we1rdo (gelöscht)
avatar

Hi passport,

stelle es mir seltsam vor als Kontrolleur auf DDR-Seite, direkt und ständig Kontakt mit dem "Klassenfeind" gehabt zu haben. Es wurde hier ja schon erwähnt, dass v.a. der materielle/technische Unterschied enorm gewesen ist, vor allem gegen Ende.
Wie sind denn deine persönlichen Erfahrungen/Gefühle demgegenüber gewesen? Stelle mir das irgendwie ganz schön deprimierend vor, wenn ein Benz nachm anderen vorbeirollt und man selbst jahrelang auf ne Rennpappe warten musste, die dann auch nicht gerade mehr zeitgemäß war.

Grüße


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#16

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.09.2011 18:26
von passport | 2.640 Beiträge

Hallo Andreas,

Danke für deinen Bericht. Das Problem an den kleinen Güsten (Nur Einreise- DDR ) war, das sie durch Pkw,s relativ wenig befahren wurden. Da hatten die MA der Pass und Zollkontrolle mehr Zeit, die Reisenden abzufertigen und zu kontrollieren. Im Gegensatz zu den Güsten mit Vertragsgeb. Transit BRD-WB, Einreise DDR sowie Transit 3. Staaten. Diese hatten ein hohes Verkehrsaufkommen zu bewältigen. Dadurch war eine hohe und schnelle Abfertigungsfrequenz gegeben. Wir hatten mit der Abfertigung der Reisenden genug zu tun, als uns mit irgendwelchen Nebensächlichkeiten zu beschäftigen die nicht im Zusammenhang standen mit der Bewältigung des Verkehrsaufkommen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, das ein " Grenzer " ( Passkontrolleure waren MA der Linie VI des MfS in Uniformen der GT ) den Reisenden irgenwelche Sachen ( Dein Beispiel: Zeitungen ) abnahmen. Das war nicht ihr Arbeitsgebiet. Das war die Aufgabe der MA des jeweiligen GZA (Grenzzollamt). Zeitschriften uä. wurden von den Reisenden oder dem Zoll in Marienborn in einen verschlossenen Container abgelegt. Da kam ausser dem Verantwortlichen kein anderer MA ran. Der MA der Zollverwaltung trug auch eine graublaue Uniform. Was Du über die "sächsische" Aussprache des "Grenzers" berichtest, bist du wie viele andere Reisende wahrscheinlich einem Irrtum zum Opfer gefallen. Wer schon einmal einen waschechten Thüringer in seinem breiten und singenden Dialekt gehört hat, meint es wäre "sächsisch". (Die Thüringer im Forum mögen mir verzeihen für diese Erklärung).

Hallo we1rdo,

hatte schon mal auf gleiche Fragestellung geantwortet.
Fahrzeuge, Technik oä. interessierte uns überhaupt nicht. Dieses tangierte uns nur peripher. Für Sachen die für uns unerreichbar waren, interessierte sich keiner. Warum auch ? Der Kontakt mit den Reisenden verlief zu 99,99 % normal. Da gab es keine Probleme. Gerade in den 80ziger Jahren war das Verkehrsaufkommen sehr hoch. Da konnte man keinen Plausch mit den Reisenden machen. Soweit ich mich erinnere befuhren von 1985 bis zum 09.11.89 34000000 Mil. Reisende die Güst Mbn./A. nur im vertragsgebundenen Transit BRD-WB. Dazu kam ja noch die Einr. DDR und der Transit 3. Staaten mit PKW, LKW und KOM.

Gruß

passport


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#17

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.09.2011 00:33
von Major Tom | 855 Beiträge

Wenn ich mir heute die Passkontrolleure am Flughafen Frankfurt so ansehe nehmen die sich nicht viel mit den Passkontrolleuren an der DDR-Grenze. Grummelig, schlecht gelaunt und ich bekam schonmal meinen Pass über den Tresen zurückgeworfen. An ein Erlebnis am Transitübergang Dreilinden kann ich mich noch gut erinnern: Morgens um 4:00 Uhr, kaum Verkehr, es regnete in Strömen. Wir fahren mit unserem Kastenwagen voll Werkzeug und Maschinen (da hätte jedesmal jemand im Mischer Platz gehabt, wurde nie kontrolliert) an das Abfertigungshäusschen, gaben die gewünschten Dokumente raus, ich glaube Ausweis und Fahrzeugschein und dann kam die obligatorische Frage: "Hammse Kinder bei?" Wir früh am Morgen in bester Laune erwiederten "Jo Meister, die ganze Rückbank voll". Offensichtlich war das die falsche Antwort denn nun bekamen wir die Anweisung rechts rüber zu fahren und zu warten. Das taten wir dann auch, Nachts um 4:00 Uhr bei strömendem Regen. Nach vieleicht 15 Minuten kam der rettende Wink, wir fuhren vor und "Hammse Kinder bei?" "Nein" "Gute Fahrt" ...


Man sollte den Kopf nicht hängen lassen wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.
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http://directorios-costarica.com
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zuletzt bearbeitet 23.09.2011 00:35 | nach oben springen

#18

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.09.2011 12:30
von we1rdo (gelöscht)
avatar

Zitat von passport
Hallo we1rdo,

hatte schon mal auf gleiche Fragestellung geantwortet.
Fahrzeuge, Technik oä. interessierte uns überhaupt nicht. Dieses tangierte uns nur peripher. Für Sachen die für uns unerreichbar waren, interessierte sich keiner. Warum auch ? Der Kontakt mit den Reisenden verlief zu 99,99 % normal. Da gab es keine Probleme. Gerade in den 80ziger Jahren war das Verkehrsaufkommen sehr hoch. Da konnte man keinen Plausch mit den Reisenden machen. Soweit ich mich erinnere befuhren von 1985 bis zum 09.11.89 34000000 Mil. Reisende die Güst Mbn./A. nur im vertragsgebundenen Transit BRD-WB. Dazu kam ja noch die Einr. DDR und der Transit 3. Staaten mit PKW, LKW und KOM.

Gruß

passport



Ich gehe mal davon aus, dass die Grenzer, die an den GÜST Dienst geschoben haben an sich ja schon diverse Stufen der Überprüfung auf Regimetreue hinter sich hatten (Grenzkaderermittlung?). Jetzt steht man da also als überzeugter Kommunist an der Schwelle zum Kapitalismus. Wenn man realistisch war, merkte man Mitte der 80er, dass das Land nicht vorankommt, dass die Wirtschaft langsam aber sicher am Boden liegt und der technische Fortschritt ausbleibt. Und dann kommen dann die Benzer angerollt. PS-stark, elektrische Fensterheber, schöne Soundanlange... Und das hat nicht interessiert? Materielles Interesse hin oder her, mir gehts hier allein um den "unerreichbaren" technischen Fortschritt, den man ja an der Automobilindustrie ganz gut gesehen hat.
Kamen da wirklich keine Zweifel? Bei dir persönlich meine ich jetzt, passport.

Grüße!


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#19

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.09.2011 12:52
von Alfred | 6.854 Beiträge

Zitat von we1rdo
[quote="passport"]Hallo we1rdo,

hatte schon mal auf gleiche Fragestellung geantwortet.
Fahrzeuge, Technik oä. interessierte uns überhaupt nicht. Dieses tangierte uns nur peripher. Für Sachen die für uns unerreichbar waren, interessierte sich keiner. Warum auch ? Der Kontakt mit den Reisenden verlief zu 99,99 % normal. Da gab es keine Probleme. Gerade in den 80ziger Jahren war das Verkehrsaufkommen sehr hoch. Da konnte man keinen Plausch mit den Reisenden machen. Soweit ich mich erinnere befuhren von 1985 bis zum 09.11.89 34000000 Mil. Reisende die Güst Mbn./A. nur im vertragsgebundenen Transit BRD-WB. Dazu kam ja noch die Einr. DDR und der Transit 3. Staaten mit PKW, LKW und KOM.

Gruß


Ich gehe mal davon aus, dass die Grenzer, die an den GÜST Dienst geschoben haben an sich ja schon diverse Stufen der Überprüfung auf Regimetreue hinter sich hatten (Grenzkaderermittlung?). Jetzt steht man da also als überzeugter Kommunist an der Schwelle zum Kapitalismus. Wenn man realistisch war, merkte man Mitte der 80er, dass das Land nicht vorankommt, dass die Wirtschaft langsam aber sicher am Boden liegt und der technische Fortschritt ausbleibt. Und dann kommen dann die Benzer angerollt. PS-stark, elektrische Fensterheber, schöne Soundanlange... Und das hat nicht interessiert? Materielles Interesse hin oder her, mir gehts hier allein um den "unerreichbaren" technischen Fortschritt, den man ja an der Automobilindustrie ganz gut gesehen hat.
Kamen da wirklich keine Zweifel? Bei dir persönlich meine ich jetzt, passport.

Grüße!




Hallo,

nur mal so.
Die Grenzer die DICH kontrolliert haben waren keine Grenzer. Dies waren Mitarbeiter des MfS.


zuletzt bearbeitet 23.09.2011 12:53 | nach oben springen

#20

RE: Güst Marienborn / Autobahn

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.09.2011 12:57
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Datt müßte aber jemand von der Behörde aber wissen.


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