#21

RE: Plaste und Elaste aus...

in Leben in der DDR 30.07.2011 18:41
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

[/quote]
Das ist das KW Lippendorf,neu errichtet.Wegen dessen Versorgung mit Kohle mußte Heuersdorf weichen.
Ansonsten hat sich um Leipzig viel getan,wenn alles mal renaturisiert ist,werden sicher viele neidisch auf das Grün u. die Seen sein.
Gruß C.[/quote]

Danke für diese Info.

Das "Chemiedreieck" war auch für die Leipziger Luft eine ziemliche Belastung.
Bei entsprechenden Windverhältnissen bekam Leipzig auch den Dreck welches das VEB BKK Espenhain produzierte ab, die in der Nähe gelegen Orte wie Mölbis, Oelzschau und Pötzschau waren praktisch unbewohnbar was sie aber in der Realität nicht waren.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#22

RE: Plaste und Elaste aus...

in Leben in der DDR 30.07.2011 18:59
von Commander | 1.055 Beiträge

Nostalgiker,
Da hast Du recht,ich war früher viel in der Gegend,da war das Vorbeifahren schon unerträglich.Ich möchte mir nicht vorstellen,wie es den Bewohnern dieser Orte ergangen ist.Die Brikettfabrik u.das KW Thierbach sind Geschichte.Es existieren nur noch Fragmente dieser Dreckschleudern.In Espenhain ist ein Industriegebiet auf dem Gelände entstanden,es gibt keine qualmenden Schlote mehr.Unsere Kinder u.Enkel brauchen sich mit diesen Dreck u.Giften nicht mehr herumzuärgern.
In diesen Sinne,schönes WE u.Gruß C.



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#23

RE: Plaste und Elaste aus...

in Leben in der DDR 30.07.2011 22:00
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Tobeck

Zitat von Nostalgiker
@Turtle da hast Du Recht, den "Wohlstand" konnte man riechen.

Ich nehme mal an das Du in Leipzig gelebt hast.
Selber war ich ab 1974 in dieser Stadt und die Pleiße war wirklich ein stinkender Abwasserkanal.
Besonders "faszinierend" waren die riesigen Schaumberge welche sich nach Wehren und ähnlichen Stauanlagen auf dem Fluß bildeten.
Manchmal sogar lila gefärbt wie ich mich erinnere.
In den 70gern wurde es mit dem Schaum weniger, nichtsdestotrotz hatte das Wasser immer noch eine tieflila zum schwarz hin tendierend Färbung.
Während in den 50ger Jahren in der Elster noch gebadet werden konnte empfahl es sich nicht dem Wasser der Pleiße zu nahe zu kommen.

Was den Gestank südlich von Leipzig angeht. Besuch aus dem Westen fragte entsetzt, als wir dort in Richtung Borna unterwegs waren, ob die dort lebenden Menschen eine monatliche Entschädigung dafür bekommen das sie dort wohnen und arbeiten müssen. Ich mußte herzlich lachen über so viel Naivität. Das war übrigens Anfang der 80ger Jahre.



Das Problem der Umweltbelastung dürfte in den sechziger und siebziger Jahren noch in ganz Europa ein Problem gewesen sein, wohl in unterschiedlicher Dimension. Gefärbte Flüsse gab es in den fünfziger und sechziger Jahren auch in Westdeutschland in Städten mit textilverarbeitenden Betrieben (Färbereien). Was den Gestank betrifft, den gab es noch in den siebziger Jahren z.B. in Ludwigshafen - Hauptsitz des größten Chemiekonzerns der Welt - in extremer Form, dort waren mittendrin Wohngebiete. Es würde mich einmal interessieren ob das heute immer noch so ist? Wohnt jemand in der Nähe solcher Großstandorte, z.B. Leverkusen? Auch der Rhein war noch in den siebziger Jahren spätestens ab Basel nicht mehr sauber. Das Chemiedreieck Leuna-Buna-Bitterfeld dürfte in der Umweltbelastung in den achtziger Jahren aber sicher einen der Spitzenplätze eingenommen haben.





Das war nicht nur die BASF in Ludwigshafen, sondern auch die Farbwerke Hoechst Frankfurt mit Tochterwerken in Wiesbaden und Bayer Leverkusen mit seinen Tochterwerken in Dormagen, Krefeld. Die haben gemeinsam den Rhein zur Kloake gemacht. Ich habe für eines der 3 Werke gearbeitet und habe das immer sehr zwiespältig gesehen. Einerseits hat es mir eine gute Arbeitsstelle geboten mit entspr. Einkommen, andererseits habe ich die versaute Umwelt gesehen. Als dann die grüne Bewegung aufkam, wurden die Chemiewerke gezwungen Kläranlagen zu bauen und nur noch saubere Abwässer in den Main und Rhein einzuleiten. Das hat dann dazu geführt dass der Rhein heute wieder sauber ist und die Fische zurückgekehrt sind. Insofern haben die Grünen etwas positives in diesem Lande bewirkt.Denn ohne diesen gesetzlichen Zwang hätte keines dieser Chemiewerke eine Cent in Kläranlagen investiert. Kostet ja Geld und bringt "nichts" ein, das bedeutet natürlich " nichts" im Sinne einer G+V Rechnung.

Gruß Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#24

RE: Plaste und Elaste aus...

in Leben in der DDR 30.07.2011 22:23
von Commander | 1.055 Beiträge

Gert,Ich gebe Dir Recht,das bei Euch die Grünen so einiges bewirkt haben.Nur die Vorstellung von diesen Umweltverschmutzungen in Ost oder West gehen da auseinander.Eure Standarts waren von jeher schon strenger,wenn die Grünen sich in den 80zigern bei uns umgesehen hätten,wären unzählige Infarkte die Folge gewesen.Man mag es als Floskel hinstellen,daß im Westen das Gras "grüner"gewesen ist,aber als ich 90 das erste mal im Ruhrgebiet war,hat es mich fast umgehauen.In Erwartung grauer Häuser,Dreck,Gestank bin ich von DO bis Duisburg gefahren u.mir kam es "klinisch"rein vor.Ich dachte an die Maxhütte u.Unterwellenborn,wo die vorherrschende Farbe Braun war.Ich konnte mir damals einfach nicht vorstellen,das z.B.ein Stahlwerk keinen Dreck macht.Jedenfalls habe ich das so nicht wahrgenommen.Klar weiß ich es Heute besser,aber die Unterschiede waren dennoch gravierend.
Gruß C.



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#25

RE: Plaste und Elaste aus...

in Leben in der DDR 31.07.2011 07:25
von Harsberg | 3.247 Beiträge

Da muss man doch nur an Bitterfeld denken, ob mit Bahn oder mit Auto, wenn man nur in die Nähe kam wurde es grau.

Habe 1990 noch mit Trabbi meine Verwandten im Schwarzwald besucht, trotz Regen in dieser Woche, war das Auto nach einer Woche noch sauber.


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
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#26

RE: Plaste und Elaste aus...

in Leben in der DDR 31.07.2011 11:38
von Commander | 1.055 Beiträge



Bisher ging bei der Umweltverschmutzung zu DDR-Zeiten immer um die Großen.Aber auch im Kleinen wurde gesündigt was das Zeug hielt.
Ein paar Beispiele: Im Herbst kollektive Laubverbrennung,Ort,Zeit u.Anzahl der Haufen egal.90% der Haushalte feuerte mit Braunkohle,die Luft in den Städten war dementsprechend.Warmlaufenlassen der Dieselmotoren,bei uns hing im Winter über den KV in 20 m Höhe eine blaue stinkende Abgaswolke.Im Sommer wurde der Mittelstreifen der Autobahn kontrolliert abgefackelt! In der Zeitschrift "Straßenverkehr"wird sogar vor Sichtbehinderungen deshalb gewarnt.Man kann das sicher noch weiter fortsetzen.
Es hat damals einfach niemanden interessiert u.viele kleine Sünden sind genau so schädlich u.gefährlich.
Schönen Sonntag noch,Gruß C.



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#27

RE: Plaste und Elaste aus...

in Leben in der DDR 31.07.2011 13:19
von Tobeck | 488 Beiträge

Zitat von Gert

Das war nicht nur die BASF in Ludwigshafen, sondern auch die Farbwerke Hoechst Frankfurt mit Tochterwerken in Wiesbaden und Bayer Leverkusen mit seinen Tochterwerken in Dormagen, Krefeld. Die haben gemeinsam den Rhein zur Kloake gemacht. Ich habe für eines der 3 Werke gearbeitet und habe das immer sehr zwiespältig gesehen. Einerseits hat es mir eine gute Arbeitsstelle geboten mit entspr. Einkommen, andererseits habe ich die versaute Umwelt gesehen. Als dann die grüne Bewegung aufkam, wurden die Chemiewerke gezwungen Kläranlagen zu bauen und nur noch saubere Abwässer in den Main und Rhein einzuleiten. Das hat dann dazu geführt dass der Rhein heute wieder sauber ist und die Fische zurückgekehrt sind. Insofern haben die Grünen etwas positives in diesem Lande bewirkt.Denn ohne diesen gesetzlichen Zwang hätte keines dieser Chemiewerke eine Cent in Kläranlagen investiert. Kostet ja Geld und bringt "nichts" ein, das bedeutet natürlich " nichts" im Sinne einer G+V Rechnung.

Gruß Gert



Gert, der Zwang zum Bau von Kläranlagen für die Chemie-Betriebe ist mir bekannt. Noch einmal meine Frage: Wie hoch ist heute in der Nähe von solchen größeren Betrieben wie in Leverkusen und seinen Zweigwerken die Geruchsbelästigung?


zuletzt bearbeitet 31.07.2011 13:30 | nach oben springen

#28

RE: Plaste und Elaste aus...

in Leben in der DDR 31.07.2011 17:35
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Tobeck

Zitat von Gert

Das war nicht nur die BASF in Ludwigshafen, sondern auch die Farbwerke Hoechst Frankfurt mit Tochterwerken in Wiesbaden und Bayer Leverkusen mit seinen Tochterwerken in Dormagen, Krefeld. Die haben gemeinsam den Rhein zur Kloake gemacht. Ich habe für eines der 3 Werke gearbeitet und habe das immer sehr zwiespältig gesehen. Einerseits hat es mir eine gute Arbeitsstelle geboten mit entspr. Einkommen, andererseits habe ich die versaute Umwelt gesehen. Als dann die grüne Bewegung aufkam, wurden die Chemiewerke gezwungen Kläranlagen zu bauen und nur noch saubere Abwässer in den Main und Rhein einzuleiten. Das hat dann dazu geführt dass der Rhein heute wieder sauber ist und die Fische zurückgekehrt sind. Insofern haben die Grünen etwas positives in diesem Lande bewirkt.Denn ohne diesen gesetzlichen Zwang hätte keines dieser Chemiewerke eine Cent in Kläranlagen investiert. Kostet ja Geld und bringt "nichts" ein, das bedeutet natürlich " nichts" im Sinne einer G+V Rechnung.

Gruß Gert



Gert, der Zwang zum Bau von Kläranlagen für die Chemie-Betriebe ist mir bekannt. Noch einmal meine Frage: Wie hoch ist heute in der Nähe von solchen größeren Betrieben wie in Leverkusen und seinen Zweigwerken die Geruchsbelästigung?





Hallo Tobeck, ich bin ja nun pensioniert, sodass ich nicht mehr in die Chemiefabrik hineinkomme. Im Normalfall, wenn man z.B. bei Bayer in Leverkusen vorbei fährt, spürt man keinen Chemiegeruch mehr. Die mussten nämlich nicht nur das Wasser reinigen, welches sie in den Rhein abgaben, sondern auch aufwendige Luftfilter einbauen. Also die Luft ist,gefühlt bzw gerochen, sauber.

Gruß Gert


.
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#29

RE: Plaste und Elaste aus...

in Leben in der DDR 14.06.2013 11:54
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zum Wochenende lass ich mal ein altes Thema aufleben.

"Im Rahmen des dreijährigen Forschungsprojektes „Bewahren der DDR-Alltagskultur aus Plaste“ widmeten sich Kultur-, Kunsthistoriker und Restauratoren an der Fachhochschule Köln und dem Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt diesen und vielen weiteren Fragen. Analog zu der für die Museumsarbeit gültigen Aufgabentrennung – Sammeln, Forschen, Bewahren und Vermitteln –ließen sich auch die Ergebnisse der Forschungsarbeit gruppieren, die Sie in den Menüs dieser Webseite sowie in der verlinkten Objektdatenbank und dem Dokuwiki recherchieren können."

"Haben Planwirtschaft und Rohstoffmangel zu einer besonders ausgeprägten Plastkultur geführt? Beeinflussten sozialistische Ideen die Formgestaltung der Produkte? Wie lassen sich Gegenstände aus der Massenfertigung datieren? Gab es besondere Rezepturen oder Verarbeitungstechniken, die relevant für die Materialerhaltung sind?"

http://plaste-erhalten.web.fh-koeln.de/

Viel Spaß beim Stöbern!

LG von der grenzgaengerin


werner hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#30

RE: Plaste und Elaste aus...

in Leben in der DDR 14.06.2013 12:18
von werner | 1.591 Beiträge

Schöne Erinnerungen - die Tasse erinnert mich an die Ferienlager

http://plaste-erhalten.web.fh-koeln.de/d...plastic_oid=272

Ich sehe nicht die Frage der Plastkultur als Ergebnis von Mangel- und Planwirtschaft, sondern aus der Wechselwirkung der Erkenntnis heraus entstanden, dass langlebige Produkte Rohstoffe und Kapazitäten schonen. Es gibt aber nicht für alles ein zeitloses Design.

Der Mangel an Investitionsmitteln hat allerdings zu sehr funktionalen und langlebigen Produkten geführt, die aber irgendwann eben "moralisch" verschlissen und nicht mehr zeitgemäß waren. Meine Eltern haben ihren FORON Waschvollautomaten entsorgt, obwohl er noch störungsfrei funktionierte . . .


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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