#1

Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.07.2011 18:30
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

In einem anderem Thread wird folgende Behauptung aufgestellt : "....dem MfS und Konsorten [...], welche als Repressionsinstrument eines totalitären Staates Angst und Schrecken verbreiteten."

Mich interessiert nun wie der "normale" Bürger in der DDR, nicht unbedingt derjenige welcher durch vereitelte Flucht, durch das stellen eines Ausreiseantrages direkt mit dem Apparat des MfS in Berührung kamen, es empfunden haben.
Also ob sie Repressionen empfanden und ob Angst und Schrecken das Alltagsleben eines DDR Bürgers bestimmten.

Um es mal ziemlich ironisch zu meinen; die Clown konnten soviel Angst und Schrecken verbreiten nur mußten sie welche finden die sich auch erschrecken ließenn. (Ironie off).

Durch meinen Umgang, bedingt durch Freundes- und Bekanntenkreis, lernte ich ein paar von diesen Genossen auf mehr oder minder privater Ebene statt. Auch in der privaten Ebene gab es Phrasendrecher und charakterlich unangenehme Personen.

Meine, nicht ganz freiwilligen, Kontakte mit diversen Mitarbeitern genannter Institution hat in mir auch nicht gerade Angst und Schrecken erzeugt.

Um nur einiges zu nennen:
Mehrmalig versuchte Anwerbung, Befragung zu Bekannten (zu einem Sachverhalt), Drohungen und versuchte Mißkreditierung durch Gerüchte streuen im Betrieb, die Versuche mich in eine "assoziale" Ecke zu drängen durch eine Vielzahl von Anzeigen beim ABV und den daraus folgenden Vorladungen bis zur "Platzierung" eines MfS Pärchens in der Wohnung unter mir welche versuchten mir das Leben schwer zu machen.

Die Wohnung unter mir wurde nachdem das Pärchen die Flucht ergriff als konspirative Wohnung vom MfS genutzt.
War 1990? in einer Veröffentlichung einer Tageszeitung nachzulesen.

Im nachhinein Frage ich mich allerdings ob ich eine so extrem dicke Haut hatte das all diese "Maßnahmen" an mir abprallten und ich es mehr "sportlich" sah, die Ärgern mich also ärgere ich zurück.

Mich interessieren sachliche Erlebnisberichte und zwar eigenerlebtes, kein "ich habe von dem und dem gehört" und keine pauschalen Statements.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#2

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.07.2011 18:51
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Nostalgiker
In einem anderem Thread wird folgende Behauptung aufgestellt : "....dem MfS und Konsorten [...], welche als Repressionsinstrument eines totalitären Staates Angst und Schrecken verbreiteten."

Mich interessiert nun wie der "normale" Bürger in der DDR, nicht unbedingt derjenige welcher durch vereitelte Flucht, durch das stellen eines Ausreiseantrages direkt mit dem Apparat des MfS in Berührung kamen, es empfunden haben.
Also ob sie Repressionen empfanden und ob Angst und Schrecken das Alltagsleben eines DDR Bürgers bestimmten.

Um es mal ziemlich ironisch zu meinen; die Clown konnten soviel Angst und Schrecken verbreiten nur mußten sie welche finden die sich auch erschrecken ließenn. (Ironie off).

Durch meinen Umgang, bedingt durch Freundes- und Bekanntenkreis, lernte ich ein paar von diesen Genossen auf mehr oder minder privater Ebene statt. Auch in der privaten Ebene gab es Phrasendrecher und charakterlich unangenehme Personen.

Meine, nicht ganz freiwilligen, Kontakte mit diversen Mitarbeitern genannter Institution hat in mir auch nicht gerade Angst und Schrecken erzeugt.

Um nur einiges zu nennen:
Mehrmalig versuchte Anwerbung, Befragung zu Bekannten (zu einem Sachverhalt), Drohungen und versuchte Mißkreditierung durch Gerüchte streuen im Betrieb, die Versuche mich in eine "assoziale" Ecke zu drängen durch eine Vielzahl von Anzeigen beim ABV und den daraus folgenden Vorladungen bis zur "Platzierung" eines MfS Pärchens in der Wohnung unter mir welche versuchten mir das Leben schwer zu machen.

Die Wohnung unter mir wurde nachdem das Pärchen die Flucht ergriff als konspirative Wohnung vom MfS genutzt.
War 1990? in einer Veröffentlichung einer Tageszeitung nachzulesen.

Im nachhinein Frage ich mich allerdings ob ich eine so extrem dicke Haut hatte das all diese "Maßnahmen" an mir abprallten und ich es mehr "sportlich" sah, die Ärgern mich also ärgere ich zurück.

Mich interessieren sachliche Erlebnisberichte und zwar eigenerlebtes, kein "ich habe von dem und dem gehört" und keine pauschalen Statements.

Gruß
Nostalgiker




Eigenerlebtes : in einem Cafe, in dem ich mich immer mit Freunden traf, zeigte mir eines Tages ein Freund ein antikommunistisches Flugblatt ( solche "regneten"in Thr. manchmal vom Himmel). Ich schaute mir es vorsichtshalber unter dem Tisch an und während ich las, stand am Nebentisch einer auf und verlangte, dass ich ihm zeige was ich da lese. Ich weigerte mich, da er in Zivil herumlief. Da hielt er mir seinen Dienstausweis unter die Nase. Ich weigerte mich weiter und da wollt er mich festnehmen. Nur meine Freunde redeten auf mich ein, das Blatt herauszugeben. Er nahm es an sich und verlangte meine Personalien. Es hat mir einen gehörigen Schrecken eingejagt und vor allem gezeigt, die schnüffeln überall herum, selbst in der Freizeit bist du nicht sicher vor denen.

Gruß Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#3

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.07.2011 18:54
von Alfred | 6.841 Beiträge

Gert,

Zufälle wird es immer geben.


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#4

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.07.2011 19:16
von wosch (gelöscht)
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Zitat von Gert

Zitat von Nostalgiker
In einem anderem Thread wird folgende Behauptung aufgestellt : "....dem MfS und Konsorten [...], welche als Repressionsinstrument eines totalitären Staates Angst und Schrecken verbreiteten."

Mich interessiert nun wie der "normale" Bürger in der DDR, nicht unbedingt derjenige welcher durch vereitelte Flucht, durch das stellen eines Ausreiseantrages direkt mit dem Apparat des MfS in Berührung kamen, es empfunden haben.
Also ob sie Repressionen empfanden und ob Angst und Schrecken das Alltagsleben eines DDR Bürgers bestimmten.

Um es mal ziemlich ironisch zu meinen; die Clown konnten soviel Angst und Schrecken verbreiten nur mußten sie welche finden die sich auch erschrecken ließenn. (Ironie off).

Durch meinen Umgang, bedingt durch Freundes- und Bekanntenkreis, lernte ich ein paar von diesen Genossen auf mehr oder minder privater Ebene statt. Auch in der privaten Ebene gab es Phrasendrecher und charakterlich unangenehme Personen.

Meine, nicht ganz freiwilligen, Kontakte mit diversen Mitarbeitern genannter Institution hat in mir auch nicht gerade Angst und Schrecken erzeugt.

Um nur einiges zu nennen:
Mehrmalig versuchte Anwerbung, Befragung zu Bekannten (zu einem Sachverhalt), Drohungen und versuchte Mißkreditierung durch Gerüchte streuen im Betrieb, die Versuche mich in eine "assoziale" Ecke zu drängen durch eine Vielzahl von Anzeigen beim ABV und den daraus folgenden Vorladungen bis zur "Platzierung" eines MfS Pärchens in der Wohnung unter mir welche versuchten mir das Leben schwer zu machen.

Die Wohnung unter mir wurde nachdem das Pärchen die Flucht ergriff als konspirative Wohnung vom MfS genutzt.
War 1990? in einer Veröffentlichung einer Tageszeitung nachzulesen.

Im nachhinein Frage ich mich allerdings ob ich eine so extrem dicke Haut hatte das all diese "Maßnahmen" an mir abprallten und ich es mehr "sportlich" sah, die Ärgern mich also ärgere ich zurück.

Mich interessieren sachliche Erlebnisberichte und zwar eigenerlebtes, kein "ich habe von dem und dem gehört" und keine pauschalen Statements.

Gruß
Nostalgiker




Eigenerlebtes : in einem Cafe, in dem ich mich immer mit Freunden traf, zeigte mir eines Tages ein Freund ein antikommunistisches Flugblatt ( solche "regneten"in Thr. manchmal vom Himmel). Ich schaute mir es vorsichtshalber unter dem Tisch an und während ich las, stand am Nebentisch einer auf und verlangte, dass ich ihm zeige was ich da lese. Ich weigerte mich, da er in Zivil herumlief. Da hielt er mir seinen Dienstausweis unter die Nase. Ich weigerte mich weiter und da wollt er mich festnehmen. Nur meine Freunde redeten auf mich ein, das Blatt herauszugeben. Er nahm es an sich und verlangte meine Personalien. Es hat mir einen gehörigen Schrecken eingejagt und vor allem gezeigt, die schnüffeln überall herum, selbst in der Freizeit bist du nicht sicher vor denen.

Gruß Gert




..............................................................................................................................................................................................................................

Auch selbst erlebt: Ost-Berlin 1984, in der Nähe der Ständigen Vertretung. Ich sitze in einem kleinen Cafe, welches auch von den dort präsenten MfS-Mitarbeitern zum Austreten und Aufwärmen frequentiert wurde zufällig mit einem von der Stasi an einem Tisch. Er sprach mich wohl im Glauben daß ich Einer von ihnen sei an und auf meine Fragen und Antworten erhob er sich, sagte wörtlich: "Ich wußte doch gleich daß sie ein Ausländer sind" und verschwand. Ich glaube fast daß er "Angst und Schrecken" davor hatte am Tisch sitzend mit einem Bundesbürger in einem Gespräch vertieft gesehen zu werden. Auf die Idee daß ich in meinem Geburtsland ein "Ausländer" gewesen sein sollte, war ich bis dahin selbst noch nicht gekommen. Wo er das nur her hatte? vielleicht erfahre ich es ja hier?!
Schönen Gruß aus Kassel.


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#5

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.07.2011 19:17
von werner | 1.591 Beiträge

Zitat von Gert


Eigenerlebtes : in einem Cafe, in dem ich mich immer mit Freunden traf, zeigte mir eines Tages ein Freund ein antikommunistisches Flugblatt ( solche "regneten"in Thr. manchmal vom Himmel). Ich schaute mir es vorsichtshalber unter dem Tisch an und während ich las, stand am Nebentisch einer auf und verlangte, dass ich ihm zeige was ich da lese. Ich weigerte mich, da er in Zivil herumlief. Da hielt er mir seinen Dienstausweis unter die Nase. Ich weigerte mich weiter und da wollt er mich festnehmen. Nur meine Freunde redeten auf mich ein, das Blatt herauszugeben. Er nahm es an sich und verlangte meine Personalien. Es hat mir einen gehörigen Schrecken eingejagt und vor allem gezeigt, die schnüffeln überall herum, selbst in der Freizeit bist du nicht sicher vor denen.

Gruß Gert



Gert, Deine Geschichte wird aber auch jedesmal ein wenig anders - künstlerische Freiheit oder ist es gar nicht Deine eigene Geschichte?

Einmal reicht Dir ein Freund das Flugblatt, ein ander Mal hast Du es selbst in der Tasche, dann reden die Freunde auf Dich ein oder doch auf den MA, dann hast Du den MA erst nicht erkannt, weil er ja in Zivil war, ein andermal wusstest Du sofort, wer es war . . .

Zitat aus einem anderen Thema:

Zitat
Ich selbst habe noch 1964 in der DDR ein westliches Flugblatt in einem Cafe aus der Tasche gezogen und gelesen. Schon stand am Nebentisch ein Greifer des MfS auf und wollte mich mitnehmen zur Klärung eines Sachverhaltes. Meine Freunde haben auf ihn eingeredet und er hat sich dann mit dem Flugblatt begnügt.(


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#6

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.07.2011 19:55
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@Gert zu welchem Zeitpunkt war denn das Erlebte?
Nun werden hier auch zwei Versionen angeboten, welche ist die Glaubwürdigere?
Übrigens stört mich die Titulierung "Greifer".

@wosch
"Ich sitze in einem kleinen Cafe, welches auch von den dort präsenten MfS-Mitarbeitern zum Austreten und Aufwärmen frequentiert wurde zufällig mit einem von der Stasi an einem Tisch. Er sprach mich wohl im Glauben daß ich Einer von ihnen sei"
Interessant wäre zu wissen ob Du 1984 auch so gekleidet warst wie die sehr "Unauffälligen" Herrn welche in Sichtweise der Ständigen Vertretung auf der Strasse rumstanden. Als geübter und gelernter DDR Bürger erkannte man solche Gestalten daran wie und womit sie gekleidet waren und auch am exakten militärischen Haarschnitt.
Es gab welche die sahen aus wie der letzte Penner, nur das mit Haaren bekamen sie in den seltensten Fällen hin. Saubere und geschnitten Fingernägel; auch so ein Indiz.

"Auf die Idee daß ich in meinem Geburtsland ein "Ausländer" gewesen sein sollte, war ich bis dahin selbst noch nicht gekommen. Wo er das nur her hatte? vielleicht erfahre ich es ja hier?!"
Zwei souveräne Staaten, unter anderem von der UNO anerkannt.

Die Kinder von meinem Cousin fanden auch immer sehr spannend in die DDR zu fahren. Für sie war das eine Fahrt ins Ausland und zwar ins tiefste, unbekannte Ausland. Nicht zu Vergleichen mit den EU Staaten in denen sie schon waren.

Gruß
Nostalgiker


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Text: Kurt Demmler

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#7

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.07.2011 22:18
von frb-vd (gelöscht)
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Also unser V-Nuller hat immer regelmäßig vor den Abversetzungen Verstärkung bekommen.

Der Lolli konnte sehr gut Doppelkopp spielen. Der war immer ganz froh, nicht auch noch abends an seine Feldpostnummer erinnert zu werden.


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#8

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.07.2011 12:05
von ABV | 4.202 Beiträge

Ich muss sagen, dass der normale Bürger das MfS eigentlich eher überhaupt nicht wahrgenommen hat. Wer brav seiner Arbeit nachgegangen ist, immer schön angepasst und konform lebte, hatte mit dem MfS kaum spürbare Begegnungen. Es gab eine Menge Gerüchte über die Arbeitsweise des MfS, welche aber stets nur auf dem Prinzip " ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der dieses und jenes gehört haben will" basierten. Selbst wir Volkspolizisten wussten so gut wie nichts über die konkreten Aufgaben und die Arbeitsweise der Staatssicherheit. Wer sich allerdings in der DDR mit dem Staat anlegte, vor allem die Allmacht der SED öffentlich bezweifelte, bekam es sehr schnell, offen oder verdeckt, mit dem MfS zu tun. In solchen Fällen wurde sicher auch Angst und Schrecken verbreitet, keine Frage. Aber die Prozentzahl der wirklich mutigen DDR-Bürger ist, verglichen mit der schweigenden Masse, relativ gering. Auch wenn heute viele gerne den Eindruck erwecken möchten ,aktiv Widerstand geleistet zu haben. Wobei sich dieser "Widerstand" ,meist nur auf das flüsternde Weitergeben von politischen Witzen beschränkte.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


Havelente hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#9

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.07.2011 14:27
von S51 | 3.733 Beiträge

Als normaler DDR-Bürger hat man mehr vermutet als gewußt.
Mein "erster" Kontakt war in der Schule. Irgendwann in der 1. bis 3. Klasse hatten wir das Thema, was unsere Eltern denn so machen. Ein Mitschüler hat irgendwas von Kreisdienststelle und seinem Vater erzählt. So ganz genau weiß ich es nicht mehr. Keiner wußte, was das war aber der Schüler kam am nächsten Tag nicht mehr und es hieß, die Familie wäre weggezogen.
Familiär, über die Zeugen Jehovas haben wir zwar ständig mit Überwachung gerechnet aber eigentlich nie was gemerkt. Vorsichtig war man "trotzdem", kannte das ja aus Filmen.
Nach der Einberufungsüberprüfung musste ich noch mal zum Wehrkreiskommando. Dort war außer mir und einem Oberleutnant niemand. Ihn habe ich denn auch prompt gedanklich als MfS einsortiert. Heute weiß ich, dass dies nicht stimmte. Seine Dienststelle war eine der NVA in Dessau. Er hat mir eröffnet, dass es doch nicht schön und förderlich für meine Polizeikarierre wäre, wenn die zuständigen Organe wegen der Aktivitäten in der Familie einen Tip in Sachen § 219 StGB bekämen. Das könne ich jedoch zuverlässig vermeiden, wenn ich während meiner Armeezeit meine Person für den Schutz der sozialistischen Heimat einsetze. Dazu wäre nicht mehr erforderlich, als ab und an etwas von a nach b zu bringen. Mehr nicht und ich würde dafür ausgebildet werden, könnte alles andere jederzeit ablehnen. Das Angebot erschien mir fair.
Beide Seiten haben sich daran gehalten. Dass ich damit nicht zum MfS gehörte habe ich nur daran gemerkt, dass viele Absprachen zwar in den Räumen der HA I abliefen aber der 2000-er immer vorher verschwand. Und dass selbst wenn Schneewittchen mich dann gesichert hat, ich von deren Betrieb nahezu abgekoppelt war. Und meine Ausweichadressen irgendwie anders waren. Dafür hatte ich in Kauf zu nehmen, ganz offiziell vom UvD dorthin befohlen zu werden, was sicher schön für den Ruf war. Na gut, war eben der Preis und ging ja auch vorbei.
Dass ich dann auch noch ein GMS der HA I in dieser Zeit war, habe ich erst nach der Wende erfahren. Anders als es Eppelmann bei der MA/AA zuließ, hatte das MfS aktenmäßig anders gearbeitet.
Bei der Polizei hatte ich öfters mit dem MfS zu tun. Das war jedoch eher ernüchternd. Etwa, wenn wir in Karlshorst miteinander zu tun hatten. Da waren wir öfter der Prellbock wenn etwa bei Empfängen im Museum oder der Köpenicker Allee oder dem Ärztehaus an der Rheinsteinstraße wir irgendwelche Aktionen improvisieren mussten, damit der eigentliche Zauber nicht so auffiel.
Meist mit sehr wenigen Ausnahmen einseitig war im Dauerdienst der K der Kontakt zu den Ermittlern der Bezirksverwaltung, die uns die schweren Fälle 213 oder vergleichbare gerne erst dann abnahmen, wenn es eigentlich nur noch der Unterschrift unter den Ermittlungsbericht bedurft hätte. Aber ihre Tipps waren dafür ausgesprochen gut. Gerade für mich als Anfänger.
Pivat haten wir ein einziges Mal miteinander zu tun.
Das war auf der Jagd, als zwei Naturfreunde ausgerechnet in meinem Revier Hirsche "verhören" (jagdlich anhören) wollten und mir als Nachweis ihrer Berechtigung dazu den Klappfix unter die Nase hielten. Meinen arg angesäuerten Hinweis, dass dieses Dokument ihnen allefalls dienstliche Rechte gäbe und ansonsten gut für eine Beschwerde wäre, quittierten sie mit dem Abbruch ihrer Zelte. Beschwert habe ich mich zugegebenerweise trotzdem. Einmal war ihr Chef auch Jäger in unseer Jagdgesellschaft und andererseits um der lästigen Frage vorzubeugen, wieso ich mir Dienstausweise vorzeigen lasse.
So im Nachhinein hat man viel mehr aus Agentenfilmen heraus vermutet als denn tatsächlich lief.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


zuletzt bearbeitet 29.07.2011 14:33 | nach oben springen
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#10

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.07.2011 15:53
von Pit 59 | 10.134 Beiträge

Bei uns in der Stadt hatte das MFS die schönste und grösste Villa der Stadt (Heute DRK).Falls hier wieder welche vom "Verein" Widersprechen wollen,kann ich die auch Photographieren und Nachträglich Einstellen.
Massive Bruchsteinmauer ums Gebäude,alle Fenster Vergittert.Modernes Stahlrolltor mit Stacheldraht obenauf.Mehrere Video Kameras
Überwachten alles.Gewusst hat Niemand was da drinnen vor sich geht,war alles nur gemunkel.Jeder Einwohner wusste wo die Stasi Villa ist.Ob es Angst war kann ich nicht sagen,aber Respekt auf jeden Fall.


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#11

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.07.2011 16:02
von Alfred | 6.841 Beiträge

PIT 59,

wenn ich es richtig in Erinnerung habe, stand an den Dienststellen dran wer der Nutzer ist.

Z.B. Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Dresden


zuletzt bearbeitet 29.07.2011 16:21 | nach oben springen
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#12

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.07.2011 16:10
von Polter (gelöscht)
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Kann es sein, daß die Präsens des Mfs unterschiedlich war?
In meiner " neuen " Heimat, einem kleinem Städtchen in S/A, ist bzw. war, nach Erzählungen am Stammtisch, nur bekannt, daß es die
Staasi oder auch Firma (?) gab.


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#13

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.07.2011 16:44
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Polter
Kann es sein, daß die Präsens des Mfs unterschiedlich war?
In meiner " neuen " Heimat, einem kleinem Städtchen in S/A, ist bzw. war, nach Erzählungen am Stammtisch, nur bekannt, daß es die
Staasi oder auch Firma (?) gab.



Ich vermute mal, dass es die Präsenz des MfS tatsächlich von den territorialen Besonderheiten abhing. In einen 08/ 15 Kreis wird eine Kreisdienststelle sicher über weniger Planstellen verfügt haben, als in einem Kreis wo es zum Beispiel viele NVA-Objekte oder volkswirtschaftlich besonders wichtige Betriebe gab. Aber da können die Experten sicher mehr dazu sagen.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#14

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.07.2011 17:08
von wosch (gelöscht)
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Zitat von ABV
Ich muss sagen, dass der normale Bürger das MfS eigentlich eher überhaupt nicht wahrgenommen hat. Wer brav seiner Arbeit nachgegangen ist, immer schön angepasst und konform lebte, hatte mit dem MfS kaum spürbare Begegnungen. Es gab eine Menge Gerüchte über die Arbeitsweise des MfS, welche aber stets nur auf dem Prinzip " ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der dieses und jenes gehört haben will" basierten. Selbst wir Volkspolizisten wussten so gut wie nichts über die konkreten Aufgaben und die Arbeitsweise der Staatssicherheit. Wer sich allerdings in der DDR mit dem Staat anlegte, vor allem die Allmacht der SED öffentlich bezweifelte, bekam es sehr schnell, offen oder verdeckt, mit dem MfS zu tun. In solchen Fällen wurde sicher auch Angst und Schrecken verbreitet, keine Frage. Aber die Prozentzahl der wirklich mutigen DDR-Bürger ist, verglichen mit der schweigenden Masse, relativ gering. Auch wenn heute viele gerne den Eindruck erwecken möchten ,aktiv Widerstand geleistet zu haben. Wobei sich dieser "Widerstand" ,meist nur auf das flüsternde Weitergeben von politischen Witzen beschränkte.

Gruß an alle
Uwe




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Uwe, bei allem Respekt Dir gegenüber glaube ich nicht daß Deine Ansicht die ganze Wirklichkeit der DDR-Vergangenheit wiedergibt. Der "normale" Bürger nahm die allgegenwärtige Präsenz des MfS durchaus wahr. In jeder Kreisstadt gab es eine Kreisdienststelle, in jeder Bezirksstadt eine Bezirksverwaltung und in der "Hauptstadt" gab es den riesigen Komplex der Normannenstraße. All diese "Geschäftsstellen" erzeugten bei den "Normalos" weitgehende Spekulationen und die wurden durch Geheimniskrämerei und die damit verbundene Verschwiegenheit der Genossen Mitarbeiter nur noch verstärkt und das nicht zum Positiven. In einer Kreisstadt, wo Jeder Jeden kannte, waren in der Regel auch Diejenigen bekannt die dort "arbeiteten und wenn einer von Denen in der Nähe war verstummten schon mal die Gespräche bzw. das Thema wurde gewechselt. Einen guten Ruf hatten sie nicht und man tat eigentlich Alles um nicht mit in Berührung zu kommen. Im Klartext: Man hatte einfach Angst vor ihnen. Ja, es gab eine Menge Gerüchte, aber es gab auch erwiesene Tatsachen über ihre Tätigkeiten und wenn hier von Erlebnissen Dritter berichtet wird hat das nicht immer nur mit: "Ich kenne jemand, der jemand kennt, der dieses gehört haben will". Ich kenne auch wahre Betroffene, die allesamt 6 Jahre in den Zuchthäusern der DDR verbracht hatten, nachdem man sie in den "Untersuchungen" durch MfS-Mitarbeiter reif für die Verurteilung gemacht hatte. Alle 3 hatten nur ein "Verbrechen" begangen, sie wollten als kleine Handwerksmeister nur selbsständig bleiben. Um die 6 Jahre zu rechtfertigen nannte man sie Saboteure, Spione, Agenten und Volksfeinde sowieso. Ja es stimmt, man durfte sich nicht mit dem Staat, der SED und auch dem MfS nicht anlegen, das wußte schon ein 12jähriger und man wußte auch wieso man das nicht durfte, weil man ansonsten mit der Staatssicherheit zu tun bekam, wie Du es selber zu Recht in Deinem Beitrag auch geschrieben hattest. Diese Angst und dieser Schrecken zog sich durch die ganze DDR und durch alle Gesellschatsschichten und beantwortet auch die Frage wieso sich die Zahl der "Mutigen" bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in Grenzen hielt. Ich kann auch nicht erkennen daß sich groß Wer mit "aktivem Widerstand" brüstet, es sei den in den späten Herbsttagen des Jahres 1889. In der ganzen DDR kannte man die Strafanstalten und wenn sie auch nur zu einem Teil vom Mfs betrieben wurden, mit dem MfS wurden sie in jedem Falle in Verbindung gebracht. Bis man nach Bützow Drei -Bergen kam war man wahrscheinlich vorher am Demmlerplatz in Schwerin. Vor´m "Roten Ochsen" in Halle kam auch nur Angst und Schrecken rüber, von den Bautzen 1 und Bautzen 2 will ich garnicht anfangen. Bautzen war für jeden DDR-Bürger ein Begriff für Unrecht und Machtmißbrauch und nur wegen dieser Einrichtungen wurden die politischen Witze nur "unter der Hand" und im "Flüsterton" weitergeben. Das sollte meine Meinung zu Deinem Ausspruch, daß der normale DDR-Bürger das MfS überhaupt nicht wahrgenommen hätte, gewesen sein. Ja, wer immer schön brav zur Arbeit gegangen war, wer sich immer schön angepasst hatte und mit den sozialistischen Vorgaben immer konform ging, der konnte es sich dort gemütlich machen, aber weitere "Freiheiten" besaß er auch nicht, zu sagen hatte er als "Normalo" eh nichts und das zu kritisieren durfte er sich aus "guten Gründen" des Selbstschutzes sich schon mal garnicht erlauben!!
Übrigens, ich habe Dein letztes Update gelesen und finde es echt gut. Das will ich hier auch loswerden, damit Du Dich über meine Zeilen nicht zu sehr ärgerst. Jeder schreibt nun mal aus seiner Sicht und das ist auch gut so.
Schönen Gruß aus Kassel.


zuletzt bearbeitet 29.07.2011 17:16 | nach oben springen
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#15

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.07.2011 17:25
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von wosch

Zitat von ABV
Ich muss sagen, dass der normale Bürger das MfS eigentlich eher überhaupt nicht wahrgenommen hat. Wer brav seiner Arbeit nachgegangen ist, immer schön angepasst und konform lebte, hatte mit dem MfS kaum spürbare Begegnungen. Es gab eine Menge Gerüchte über die Arbeitsweise des MfS, welche aber stets nur auf dem Prinzip " ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der dieses und jenes gehört haben will" basierten. Selbst wir Volkspolizisten wussten so gut wie nichts über die konkreten Aufgaben und die Arbeitsweise der Staatssicherheit. Wer sich allerdings in der DDR mit dem Staat anlegte, vor allem die Allmacht der SED öffentlich bezweifelte, bekam es sehr schnell, offen oder verdeckt, mit dem MfS zu tun. In solchen Fällen wurde sicher auch Angst und Schrecken verbreitet, keine Frage. Aber die Prozentzahl der wirklich mutigen DDR-Bürger ist, verglichen mit der schweigenden Masse, relativ gering. Auch wenn heute viele gerne den Eindruck erwecken möchten ,aktiv Widerstand geleistet zu haben. Wobei sich dieser "Widerstand" ,meist nur auf das flüsternde Weitergeben von politischen Witzen beschränkte.

Gruß an alle
Uwe




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U Einen guten Ruf hatten sie nicht und man tat eigentlich Alles um nicht mit in Berührung zu kommen. Im Klartext: Man hatte einfach Angst vor ihnen. Diese Angst und dieser Schrecken zog sich durch die ganze DDR und durch alle Gesellschatsschichten und beantwortet auch die Frage wieso sich die Zahl der "Mutigen" bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in Grenzen hielt. wurden die politischen Witze nur "unter der Hand" und im "Flüsterton" weitergeben.





Wosch,

ich habe mal einige Stellen rauskopiert.
Jeder der in der DDR gelebt hat kann sich sein Bild auf diese Aussagen machen.


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#16

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.07.2011 18:07
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Hallo,

irgendwie hatte ich mir vorgestellt das hier eigene Empfindungen und Erfahrungen aufgeschrieben werden und was bekomme ich????
Neben einigen guten Beiträgen ein dröges und jeder Beschreibung spottendes Grundsatzreferat

Da sind doch glatt Parteitagsbeschlüsse und Referate der führenden Genossen als spannende und vor allem als reale, lebensnahe Lektüre einzustufen.

Ich habe die DDR aus 'politischer Sicht' erst mit beginn der 60ger Jahre wahrgenommen, die 50ger waren einer unbeschwerten und durchaus schönen Kindheit vorbehalten.

Was diese Zeit bis 1989 betrifft kann ich aus meiner Erfahrung sagen das den größten Teil der "normalen" Bevölkerung das MfS sowas von am Arsch vorbeiging das die lieben Genossen bestimmt kollektive Weinkrämpfe bekamen weil sie nicht ernst genommen wurden.

Wer sich was zu schulden hat kommen lassen der bekam schon die etwas unangenehmeren Seiten dieses Apparates zu spüren.

Witze und nicht nur frivole wurden weder flüsternd noch unter der Hand weitererzählt. Die schärfsten politischen Witze erzählte meist der Parteisekretär selber.

Unsere; meine; "Angst" vor den Mitarbeitern des MfS war so groß das wir bei den teilweise katastrophalen Telefonverbindungen nach einem allseits bekannten knacken in der Leitung erstmal die "Genossen" grüßten und bei Bedarf nachfragten ob wir etwas lauter sprechen sollen damit sie besser verstehen.

Ich will keinen schlechte und negative Erfahrungen mit dem MfS absprechen aber ich verwahre mich dagegen das pauschale Darstellungen von Duckmäusertum vor dem Angst und Schrecken verbreitendem Ministerium an der Tagesordnung und damit gang und gäbe war.

Natürlich sieht ein Duckmäuser das Leben aus einer anderen Sicht und schließt von sich auf die Allgemeinheit. Falscher Ansatz.

Wo in Leipzig die Bezirksverwaltung des MfS saß, ob ich das so genau wußte?
In der Stadt in Mecklenburg in der ich einige Jahre lebte, ja wo war da die Kreisdienststelle (hieß das so?), ich weiß es nicht.
Wo in Berlin das Ministerium saß, ok das bekam schnell mit weil dort in der Gegend Strassen gesperrt waren und das Parken vor dem Gebäude nicht erlaubt war. Wo die Bezirksverwaltung saß????? Ja wo saß sie denn???? Das wurde mir ziemlich spät bekannt.
In diesem Falle sage ich mal das ich Glaube das es der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung so ging.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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zuletzt bearbeitet 29.07.2011 18:09 | nach oben springen
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#17

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.07.2011 18:13
von ABV | 4.202 Beiträge

Hallo Wolfgang!
Erstmal vielen Dank für deine lobenden Worte für mein letztes update. Nein, ich ärgere mich auch nicht über deine Kritik über meinen letzten Beitrag. Ohne Kritik würden für uns ja immer im Kreis drehen. Ich hatte das aus der Sicht der Bevölkerung eines ländlich geprägten Kreis geschrieben. Und war die Präsenz die direkte Präsenz des MfS wirklich kaum spürbar. Natürlich gab es auch in unserer Kreisstadt eine Kreisdienststelle. Diese befand sich in dem Seelower Ortsteil Zernikow, vor 1945 ein selbstständiges Bauerndorf mit kaum mehr als zweihundert Einwohnern. Wer von außerhalb die Kreisstadt besuchte, fuhr nur selten nach Zernikow. Dort gab es, außer der KD, weder Behörden noch Geschäfte


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#18

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.07.2011 18:27
von ABV | 4.202 Beiträge

weiter im Text:
Aus diesem Grunde kamen die Bürger unseres Kreises nur sehr selten an der KD vorbei. Gerüchte und Mutmaßungen über die Arbeot der KD gab es auch im Kreis Seelow genügend. Es stimmt auch, dass niemand etwas mit einem Mitarbeiter des MfS zu tun haben wollte, im privaten Sektor. Es galt durchaus als Makel , "bei der Stasi zu sein." Vielleicht kann da mal wieder ein Experte einspringen: Ich vermute, dass aber auch seitens der Mitarbeiter des MfS eine Unsicherheit im Umgang mit den "normalen" Bürgern bestand. Die bestehende Schweigepflicht und sie sich daraus ergebene besondere Aura dürften einen normalen Umgang miteinander kaum gefördert haben. Das haben übrigens auch Mitarbeiter des MfS so gesehen- Hier mal eine Anekdote aus meiner Zeit beim Wachkommando Missionschutz in Berlin. In der Sylvesternacht vom 31. Dezember 1986 zum 01.01. 1987 stand ich vor der Residenz des USA-Botschafters Posten. Im Bereich des Haupteinganges befanden sich Sicherungskräfte des MfS. Um 00:00 Uhr luden mich die MfSler ein, mit ihnen ein Glas Sekt zu trinken. Ich weiß das tut man im Dienst nicht, aber es ist ja quasi verjährt. Den Sekt hatte ihnen ein älterer MfS-Mitarbeiter welche für die Versorgung der im Stadtgebiet verstreuten Sicherungsposten verantwortlich war geliefert. Der mit einem Barkas herumfahrende Mann berichtete, dass ihm überall nette Leute zugewunken und ein frohe Sylvesternacht gewünscht hätten. " Sei froh das die nicht wussten, von welchem Verein du bist," sagte ein junger MfS-Mitarbeiter augenzwinkernd. Darauf der ältere Mitarbeiter nachdenklich: " Ja, ich glaube dann hätten die mich wohl mit ihren Raketen beschossen." Das angespannte, misstrauische Verhältnis war dem MfS also durchaus bewusst. Aber wie gesagt, eine reale Begegnung fand bei uns auf dem flachen Lande eher selten statt.

Viele Grüße vom Oderstrand, der sich gerade mal wieder bedenklich verschiebt
Uwe


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#19

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.07.2011 21:47
von frb-vd (gelöscht)
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Zitat von Alfred
PIT 59,

wenn ich es richtig in Erinnerung habe, stand an den Dienststellen dran wer der Nutzer ist.

Z.B. Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Dresden




WIMRE


Ministerium für Staatssicherheit

Bezirksverwaltung Dresden


Und kein Mensch hatte da Bammel, dran vorbei zu fahren oder zu laufen - das nahm man doch nur beiläufig wahr...


Und jetzt Arte gucken!


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#20

RE: Angst und Schrecken durch das MfS, war dran an der Behauptung

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.07.2011 22:39
von Huf (gelöscht)
avatar

Folgendes möchte ich zu o.a. Thema posten, undzwar aus eigener Erfahrung:

Meine Heimatstadt lag im südlichsten Zipfel des damaligen Bezirkes Schwerin, ca. 35 000 EW zählend. In der Stadt befanden sich 3 sog. Großbetriebe und wichtige Betriebe der Deutschen Reichsbahn.
Etwa 8000 Beschäftigte arbeiteten im Schichtdienst in jenen Betrieben.
Die Stadt war keine Kreisstadt, jene befand sich 12 km entfernt und pflegte ein eher gemütliches dahindämmerndes Dasein, bis auf jene Institution, in welcher viele der Forum-User harte und bittere Erfahrungen mit den GT der DDR zu Beginn ihrer Laufbahn machen mussten.
Heute ist sie weiter Kreisstadt und lebt von ihrer fortdauernden Bedeutungslosigkeit im Land Brandenburg, Vergebung, @Nordpol!

Jedenfalls gab es zu DDR-Zeiten sowohl in der Kreisstadt, als auch bei uns eine sog. Kreisdienststelle jenes Ministeriums der DDR, dass in diesem Forum eine geradezu unangefochtene Attraktivität und Popularität zu haben scheint.
Aber lassen wir das!

Wenn es zwei Schuppenbrände in W. nacheinander gegeben hat, oder im VEB Nähmaschinenwerk irgendwo für eine Stunde der Strom ausgefallen war, waren die Genossen wahrnehmbar zur Stelle, im bekannten Outfit und ihren firmenüblichen PkWs der Marke imeni Lenina.

Die arbeitenden Menschen haben das in ihren Betrieben natürlich bemerkt, aber sie wussten auch, dass man darüber in der Öffentlichkeit nicht zu sprechen hatte.

Ich schließe nicht aus, dass man in anderen Teilen der DDR das MfS nicht wahrgenommen hat, bei uns jedoch bemerkte man zeitweise jene MA schon, obwohl natürlich niemand erahnen konnte, was eigentlich vor sich ging.

Die geschilderten Vorgänge sind Teil eigener Erfahrung und ich würde nunmehr die kampfbereite Reserve der Arbeiterklasse darum bitten, mir diese nicht zu zerreden, zersetzen, oder nach welch auch erlernten Methoden reflexartig abzusprechen.

Mit vielem Dank im Voraus!

VG Huf


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