#1

Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 29.04.2009 08:43
von Angelo | 12.396 Beiträge

Mir ist aufgefallen das es von der Grenzabfertigung im Tränenpalst in Berlin kaum Aufzeichnungen geschweige Fotos gibt. Ich kann mich nur das das erinnern was ich 1986 selber erlebt habe als ich Ost-Berlin besucht habe. Leider verblassen diese erinnerungen leider immer mehr. Ich kann mich nur noch dunkel daran erinnern das wir unter der Erde waren und an so komischen Kabienen vorbei mußten ja und meine 25 Mark mußte ich natürlich tauschen. Wer hat noch Informationen über die Grenzabfertigung in der Friedrichstr. ? Hat jemand Fotos gefunden ? Wäre echt super wenn wir dieses Thema mal genauer unter die Lupe nehmen könnten.


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#2

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 29.04.2009 09:45
von Transitfahrer (gelöscht)
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Fotografieren war dort strengstens untersagt. Ich kann mich noch an folgendes erinnern:
Mit der U-Bahn zur Friedrichstr., dann Richtung Grenzübergang. Grenzsoldaten standen schon auf dem Bahnhof herum. Dann einzeln in die Kabine. Der Reisepass wurde einem abgenommen und man mußte 5 DM Visagebühren bezahlen. Dann raus aus der Kabine zum Zwangsumtausch 25 DM West gegen Ost. Dann noch durch eine Stahltür und schon stand man im Tränenpalast. Dann kam einer auf uns zu und bot uns im Verhältnis 8:1 Ost gegen West-DM. Haben wir natürlich nicht gemacht. Der umgekehrte Weg war wesentlich schwieriger zu finden. Das war so ein Seiteneingang, aufgeteilt in Übergang für West-Berliner, BRD-Bürger und andere Nationalitäten. Und man mußte an einer Ollen vorbei die einen tatsächlich fragte ob man was zu verzollen hätte??? Ostgeld durfte man auch nicht ausführen, aber ein paar Alumünzen sind in der Hose geblieben.

Gruß
Peter


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#3

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 29.04.2009 10:26
von turtle | 6.961 Beiträge
Hallo Angelo,
Auch bei mir verblassen die Erinnerungen etwas .
Zunächst die Einreise. In den 70er Jahren war das noch etwas anders ,da war ein Warteraum mit Abfertigungsschaltern. Man gab seinen Pass mit etwa vorhandenen Einreisevisa ab oder nannte den Grund der Einreise ( Besuch der Hauptstadt der DDR). Den Namen Ostberlin habe ich vermieden und erhielt eine Nummer.
Nach Prüfung wurde man aufgerufen ,bezahlte den Tagesumtauschsatz ,musste am Zoll vorbei ,wurde kontrolliert und reiste ein.
Die Ausreise musste bei Berlinbesuch bis 24 Uhr erfolgen, Das konnte man aber umgehen indem ein Zimmer im Metropol oder Palast Hotel gegen Devisen genommen wurde. Da war ein Visum kein Problem ,das besorgte das Hotel, und war am nächsten Morgen im Pass. Sogar die Buchung eines weiteren Interhotels in einer anderen Stadt war möglich. Hauptsache Devisen kamen in das Land.
Vom Palast oder Metropol könnte ich einiges schreiben. Prüde war es dort nicht, die Damen mit in die Etagenbar und später aufs Zimmer war kein Problem. Auch beim gemeinsamen Frühstück gab es keine Fragen! Natürlich war mir klar für welche Firma die Damen nebenbei aktiv waren. Mir war es scheißegal und erzählte nur positives über die DDR und dachte , Mädchen nicht mit mir.

In den 80 ziger Jahren musste man beim Betreten oder Ausreisen durch die schmalen
Kabinen mit Spiegeln. Bei der Ausreise wurde gleich beim Betreten das erste Mal der Pass kontrolliert ,danach kamen die Boxen (Kabinen).Zoll etc. Durch Gänge und Treppen gelangte man zu den Gleisen . Auf den Bahnsteigen wurde nicht mehr kontrolliert , da bestand die Möglichkeit im Intershop günstig einzukaufen. Das taten viele Westberliner stiegen kurz aus kauften ein und fuhren weiter. So konnte jemand ohne Kontrolle die DDR betreten. Na ja zumindest DDR Gebiet.
Gruß Peter(Turtle) Das Foto zeigt den Eingang zum Tränenpalast in der Friedrichstr. etwa 1984.Obwohl verboten habe ich doch das Foto riskiert!
Angefügte Bilder:
Friedrich Str..jpg

zuletzt bearbeitet 29.04.2009 10:32 | nach oben springen

#4

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 29.04.2009 12:45
von CaptnDelta (gelöscht)
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@Transitfahrer: Der Traenenpalast war das Gebaeude neben dem Bahnhof (auf der noerdlichen Seite), durch welches man bei der Ausreise aus der DDR durch musste (und wo man dann unterirdisch in der Verbindung zum S-Bahn Tunnel 'rauskam) . Bei der Einreise in die DDR kam man da nicht durch, man blieb da im Bahnhofsgebaeude.

@Turtle: Das Bild ist ja 'ne Wucht, Hochachtung! Vor allem ohne Leute, normalerweise war da massig Andrang, has Du das Bild um 5 Uhr morgens gemacht?

Der Bahnhof war warscheinlich zu der Zeit das verrueckteste Gebaeude des Kalten Krieges. Vor allem auch eine einzigartige Moeglichkeit fuer die HVA, ihre Spione zu trainieren und dann loszuschicken. Auf der anderen Seite, vor der Mauer war dies der Bahnhof, welcher von vielen Fluechtlingen genutzt wurde (auch viele unserer Verwandten).
Viel spaeter, als wir endlich im Westen waren, war dieser Bahnhof die einzige Moeglichkeit fuer mich meine ehemaligen Schulfreunde im Osten Berlins zu treffen (nachdem ich keine offizielle Einreiseerlaubnis in die DDR mehr bekam).

Es gibt ein paar gute Szenen ueber diesen Bahnhof in ein paar Filmen. IMHO die besten Szenen duerften in "Die Stille nach dem Schuss" sein ("Wie Feuer und Flamme" hat auch gute Szenen). Ausserdem, der Stasi-Leutnant Werner Stiller beschreibt seine Flucht durch diesen Bahnhof recht gut in seinem Buch (Im Zentrum der Spionage). Eine aehnliche Darstellung hat der Sohn seiner damaligen Freundin, Thomas Wagner, in der Geschichte hier: http://www.myspystory.com/intro.html. Schade das man den Bahnhof in den letzten 20 Jahren so 'kastriert' hat.

-Th

http://www.berlinonline.de/berliner-zeit...0006/index.html

zuletzt bearbeitet 29.04.2009 13:03 | nach oben springen

#5

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 29.04.2009 13:04
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo CaptnDelta, Das Foto habe ich um die Mittagszeit aufgenommen.Da waren die wenigsten Ausreisen! Mit einer Minox! Gruß Peter


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#6

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 29.04.2009 13:07
von Transitfahrer (gelöscht)
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@CaptnDelta

verstehe ich das richtig?
Die Einreise in die DDR war Dir verboten, während Du aber ohne Probleme in die "Hauptstadt der DDR" einreisen konntest?

Mit dem Tränenpalast gebe ich Dir recht. Als ich wieder aus Ostberlin ausreiste war dort auch kein großer Andrang. Ich glaube sogar wir drei Leute waren die einzigen.

@turtle

Im Intershop Friedrichstr. waren wir auch mehrmals ohne nach Ostberlin einzureisen. Doch der West-Berliner Zoll hat häufig kontrolliert und dann durfte man zahlen wenn man keinen Stempel im Pass hatte.

Gruß
Peter


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#7

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 29.04.2009 16:57
von Angelo | 12.396 Beiträge
Also hier ist noch ein Foto vom Tränenpalast aus dem Jahre 2004.Hat sich nicht wirklich viel verändert


zuletzt bearbeitet 29.04.2009 16:58 | nach oben springen

#8

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 29.04.2009 23:35
von CaptnDelta (gelöscht)
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@Transitfahrer: Ja, stimmt. Nachdem wir ganz am Anfang der 80er offiziell ausgereist sind, hat man uns nicht mehr besuchsweise in die DDR gelassen. Unten ist so 'ne Ablehnung drangehaengt. Also blieben nur andere Moeglichkeiten, Verwandte oder Freunde zu treffen: Entweder Ungarn (fuer laengere Treffs), oder eben per Tagesvisa in Berlin (fuer 'nen schnellen Treff am Wochenende).
Da bin ich dann eben meistens Freitag abend von Muenchen nach Berlin geflogen, Samstag frueh mit Tagesvisa an der Friedrichstrasse in den Osten. Abends dann mit dem letzten Lumpensammler wieder in den Westen. Im Metropol oder anderen Interhotels in Ostberlin bin ich nie geblieben, war schon damals bekannt das es ziemlich Stasi-verwanzt war, und ich hatte einfach keine Lust das die dann doch noch 'rausfinden das ich da eigentlich unerwuenscht war.

Uebrigens, der letzte Zug in den westen war meistens recht lustig. Nachdem die Penner vom Bahnhof Zoo meistens ihren ganzen Tag am unterirdischen Intershop in Friedrichstrasse verbracht hatten (und die meisten schon bei der 4ten Flasche Nordhaeuser Korn waren - fuer 2 Mark pro Flasche!!), haben die Grenzer die dann eingesammelt und in die Zuege verfrachtet. Nachdem die Grenzer den Zug nicht betreten durften, hat man die Drunkenbolde praktisch in die Zuege geworfen. War sowas wie Pennerweitwurf...

-Th

Angefügte Bilder:
Einreise-Ablehnung 003.jpg

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#9

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 30.04.2009 08:27
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo CaptnDelta,

wir hatten leider nicht das Glück wie du. Auch Ostberlin war für uns gesperrt (obwohl auch bei uns alles legal, ohne Straftatbestand nach DDR-Recht abgelaufen war)-so blieb nur der Transit und das Treffen mit den Freunden in der CSSR. Scheinbar ist das alles sehr unterschiedlich gehandhabt worden....Nach 3 Jahren durfte ich erstmals allein einreisen, für 2 Tage, zu letzten Besuch eines sterbenden Verwandten. Meine Mutter durfte 1988 nicht mal zur Beisetzung ihres Vaters einreisen. (Und sie war wegen Familienzusammenführung raus...).
@Ralf Maria: Soviel zur Humanität dieses Staates. Darüber könnte man schon fast einen neuen Thread aufmachen.

Gruß, Augenzeuge


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#10

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 30.04.2009 08:54
von CaptnDelta (gelöscht)
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@Augenzeuge: Ich hab' halt im Formular fuer das Tagesvisa einfach nicht angegeben das ich urspruenglich aus der DDR war (da war glaub ich extra ein Feld dafuer da). Wenn die ihre Computerinstallation mal auf die Reihe gekriegt haetten waer' ich bestimmt auch aufgeflogen, aber wie sagte man so schoen in der DDR: "Unsere Mikroelektronik ist einfach nicht kleinzukriegen!".

Ich hab' das mit Berlin auch nur ein paar mal gemacht, war mir dann doch nicht geheuer. Ungarn war sicherer, billiger, schoener, und viel weiter wars auch nicht. Was mich immer gewundert hat ist das relative wenig Leute ueber Ungarn nach Jugoslawien abgehauen sind, es war da nicht so schwierig (hab' ich selbst Erfahrung gemacht).

-Th


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#11

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 30.04.2009 09:22
von Augenzeuge (gelöscht)
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@captndelta
Erfahrungen- lass mal hören.

Auch ich bin hier deiner Meinung. Allerdings habe ich gelesen, das sich damals mehrere Fußballer der DDR in Jugoslawien abgesetzt hatten. Seitens der Polizei wurde sogar nach ihnen gefahndet. Bin mir nicht sicher, ob die dann ausgeliefert worden wären. Mann wußte das einfach nicht. Deinen Tip mit dem "Nichtausfüllen" konnte ich nicht befolgen. Wenn man zu DDR Zeiten in Halle/S. geboren ist, muß ich das angeben. Ansonsten hätten die einen sicher verhaften können...


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#12

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 30.04.2009 11:11
von CaptnDelta (gelöscht)
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@Augenzeuge: Ich weiss das der Joerg Berger ueber Jugoslawien abgehauen ist, der war dann Trainer im Westen, war vor kurzem ein Artikel bei Einestages:
http://einestages.spiegel.de/static/auth...das_system.html

Wir wollten damals (1988) einen Spezl und seine Freundin aus der DDR bringen. Ich war zu dem Zeitpunkt schon mehrmals zwischen Jugoslawien und Ungarn hin-und hergefahren, da waren schon fast keine Kontrollen mehr (vor allem an den kleinen Uebergaengen). Ich hatte damals ein Wohnmobil (siehe unten), da hab' ich immer einfach nur ein paar Flaschen Cola und ein paar Schachteln Zigaretten auf den Tisch gelegt, die hat sich dann der Grenzer gegrabscht, kurz nach rechts und links gekuckt und war wieder verschwunden.

Als wir die Sache dann 1988 in Angriff nehmen wollten, und wir uns in Ungarn getroffen haben, war dann die Freundin from Spezl gerade schwanger geworden, von daher haben die zwei dann kalte Fuesse gekriegt. Naja, ein gutes Jahr spaeter war dann die Grenze sowieso offen...

-Th


Angefügte Bilder:
813.jpg

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#13

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 30.04.2009 17:25
von Augenzeuge (gelöscht)
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@captndelta:
Danke für die Infos. Habe gerade deinen Artikel gelesen. Jörg Berger sagt: Auf jeden Fall hatte Jugoslawien einen Vertrag mit der DDR, dass
ausgeliefert wird an die DDR, wenn man jemanden bei der Flucht erwischt. Das war mir bisher nicht so klar.

Gruß, Augenzeuge


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#14

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 01.05.2009 02:36
von js674 | 231 Beiträge

da man ja hier etwas vom Thema abgekommen ist nun noch ne Skitze vom Tränenpalast.




gruß Jens


"Sein Erbe hochzuhalten und gleichzeitig neue Wege zu beschreiten ist kein Widerspruch.
Tradition zu bewahren heißt nicht Asche aufzubewahren, sondern eine Flamme am Brennen zu halten"
(Hans-Josef Menke)

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#15

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 01.05.2009 09:51
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Jens,
Danke für die Skizze! Die hat mich schon lange interessiert! Gruß Peter(Turtle)


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#16

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 02.06.2009 21:24
von CaptnDelta (gelöscht)
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Hallo,

hab' noch mal 'nen alten Beitrag vorgeholt, hab' da mal eine Frage:
Das Bild vom Bahnhof Friedrichstrasse unten ist datiert auf den 31.10.1964.

(da Bild ist von hier).

Allerdings, ist das nicht die Stelle wo der Traenenpalast steht? Alle Quellen, die ich hab' (wie z.B. hier), besagen das der Traenenpalast schon 1962 gebaut wurde. Was stimmt denn nun, das Datum auf dem Bild, oder das Baudatum der Senatsverwaltung? Oder seh' ich das Bild einfach falsch?

Danke,
-Th


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#17

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 02.06.2009 21:36
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von CaptnDelta
Hallo,
hab' noch mal 'nen alten Beitrag vorgeholt, hab' da mal eine Frage:


Hab gerade noch mal gekuckt, da war ich wohl auf der falschen Seite vom Bahnhof. Das Bild ist von der Suedseite...
-Th


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#18

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 24.06.2009 09:47
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Bei der einen Aufnahme mit den vielen Kontollhäusern z.B. handelt es sich um die rückwärtige Seite des Bahnhofs Berlin-Friedrichstrasse (also nicht die "Vorderseite mit Tränenpalast"). Während der Passierscheinabkommen vor dem Grundlagenvertrag (also vor 1972) sind hier die West-Berliner zu seperat zwischen dem Berliner Senat und der DDR ausgehandelten Zeiträumen über Weihnachten oder über Ostern nach Ostberlin gereist. Solche Zeiträume gab es in den 60gern und Anfang der 70ger vor 1972. Da der Ansturm zu diesen wenigen Tagen der Besuchsmöglichkeiten für Westberliner gewaltig war, war der Tränenpalast natürlich zu klein. So baute man Batterien von Kontrollhäusern für die PKE und für den Zoll auf, um den Ansturm nach der rückwärtigen Georgenstrasse hin zügig zu bewältigen. Ich bin als West-Berliner Kind mit meiner Mutter selbst über diese provisorisch geschaffenen Buden über die Georgenstrasse nach Ostberlin eingereist. Zu diesen Passierscheinabkommen gab es nur Genehmigungen für Reisen nach Ostberlin. Verwandte aus der DDR mußten also nach Berlin-Ost reisen, um dort ihre westberliner Verwandten treffen zu können..


zuletzt bearbeitet 24.06.2009 09:52 | nach oben springen

#19

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 24.06.2009 09:56
von CaptnDelta (gelöscht)
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Naja, Du sagst es ja: Es war fuer die Einreise nach Ost-Berlin. Der Traenenpalast war fuer die Ausreise.

Ich war da bei dem Bild einfach auf der falschen Seite vom Bahnhof. Ich selber hab' diese Bretterbuden auf dem Bild zu meiner Zeit in den 80ern nie gesehen, da gab's nur diese Mini-Kabinen aus Kunstholz in den Katakomben des Bahnhofs bei der Einreise nach Ostberlin.
-Th


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#20

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 24.06.2009 10:44
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Zitat von Angelo
Mir ist aufgefallen das es von der Grenzabfertigung im Tränenpalst in Berlin kaum Aufzeichnungen geschweige Fotos gibt. Ich kann mich nur das das erinnern was ich 1986 selber erlebt habe als ich Ost-Berlin besucht habe. Leider verblassen diese erinnerungen leider immer mehr. Ich kann mich nur noch dunkel daran erinnern das wir unter der Erde waren und an so komischen Kabienen vorbei mußten ja und meine 25 Mark mußte ich natürlich tauschen. Wer hat noch Informationen über die Grenzabfertigung in der Friedrichstr. ? Hat jemand Fotos gefunden ? Wäre echt super wenn wir dieses Thema mal genauer unter die Lupe nehmen könnten.


Die Einreise über den Bahnhof Friedrichstrasse erfolgte in der heutigen Bahnhofshalle mit Geschäften (damals geteilt und mit Wänden durchzogen). Durch eine organisatorische "Meisterleistung" war der westberliner öfftl. Nahverkehr vom östlichen hermetisch getrennt. In der Regel verlief der Einreiseverkehr durch die umgebaute Bahnhofshalle. Der Ausreiseverkehr durch den Tränenpalast. Ausnahmen bestätigten diese Regel. Eine Ausnahme war der Einreiseverkehr nach 0.00 Uhr. Es gab Leute (wie mich), die um 01.00 Uhr ausreisten, um sofort noch in der Halle (Tränenpalast) zu wenden und mit einem "Mehrfachberechtigungsschein" für Bürger von Berlin (West) dann sofort wieder "Absatz kehrt" in die "Hauptstadt" über eine Spur "ganz rechts außen" wieder einzureisen.

"Tödlich" waren Einreisen z.B. an Samstag/Sonntag-Vormittagen. Die Einreise durch den Bahnhof war mit Westberlinern, BRD-Bürgern (die zu einem Tagesbesuch mit Reisepaß nach Ost-Berlin durften) und ausländischen Touristen komplett verstopft. Eine "Vorkontrolle" (wie bei der Ausreise) gab es nicht. Man stellte sich gleich an zur Kontrolle der PKE. War man endlich an einem "Durchlaß" angekommen, schob man als Westberliner
-den Personalausweis
-den Mehrfachberechtigungsschein zum Empfang eines Visums
-die ausgefüllte Einreisekarte
-die ausgefüllte Ausreisekarte
durch den Schlitz oben auf die Ablage.
Der Paßkontrolleur hielt die Dokumente unter der Ablage uneinsehbar an eine Apparatur. Signale piepten. Er malte an den Stempel der Ausreisekarten irgendwelche Symbole. Und man bekam zurück:
-Den Personalausweis
-die Ausreisekarte
-das Visum

Es ging weiter zur Zollkontrolle. Wurde man kontrolliert, hatte man die "Zollerklärung" vorzuweisen. In der Regel wurden die gemachten Angaben mit dem Tascheninhalt abgeglichen. Manchmal wurde man zu einer gründlicheren Kontrolle in eines der hinteren Zimmer geführt. Eine ausführliche Kontrolle der Kleidungsstücke war die Folge.

Hatte man diesen Hürdenlauf geschafft, war man in der "Hauptstadt der DDR".

Dir Rückreise erfolgte durch den "Tränenpalast".

Vor dem Tränenpalast gab es einen kleinen Vorbau, wo man sich (bereits durch ein Geländer getrennt) von seinen Lieben verabschieden konnte. Es gab oft Tränen. Bei Ausreisen von Ausreiseantragstellern sowieso. Am Eingang in den Tränenpalast gab es eine Vorkontrolle. Falls irgendein Witzbold auf die Idee kommen sollte, seinen DDR-Personalausweis vorzuweisen und zu sagen:
"Laut KSZE-Abkommen von Helsinki, das auch die DDR unterzeichnet hat, darf ich mein eigenes Land jederzeit verlassen. Das möchte ich hiermit tun!". Eine Reise a la "Hohenschönhausen" war nach Erzählungen die Folge.

Dann ging es die Treppen hinunter. Vor der Zollkontrolle waren Stühle und Tische links/rechts, wo man fehlende Angaben nachtragen konnte. Zur rechten war eine Filiale der "Staatsbank der DDR" installiert, wo Bürger der BRD und Westberliner ihr nicht ausgegebenes DDR-Geld gegen Quittung deponieren konnten (wußten viele nicht, weil die meißten Westler ungerne und daher selten in den Osten gereist sind: die haben die Aluchips manchmal einfach in einen der bereitgestellten Mülleimer geschmissen)..

Dann kam die Zollkontrolle. Anschließend die "Bretterwand mir Durchlässen" der Passkontrolle. Das Visum und die Ausreisekarte wurden einbehalten. Dann piepte es unterhalb im nicht einsehbaren Bereich. Der Paßkontrolleur legte den Ausweis oben auf den Tisch. Der Summer ging. Und man stemmte den Durchlaß auf. Die Tür klappte zu. Man war "draußen". Und doch mitten in Ost-Berlin...

Zum Bahnhof Friedrichstrasse ist noch zu sagen, daß das für Ostberliner lediglich ein "Kopf-S-Bahnhof" war, an dem die S-Bahnzüge in der in Ost und West geteilten oberirdischen Halle endeten. Für Westberliner hingegen war das ein (etwas unangenehmer, ungeliebter) zentraler Umsteigebahnhof, weil es
1 oberirdischen S-Bahnhof (mit 2 Linien: Friedrichstrasse-Wannsee und Friedrichstrasse-Spandau)
1 unterirdischen S-Bahnhof (mit 3 Linien Lichtenrade-Heiligensee, Lichterfelde/Ost-Schönholz, Wannsee-Frohnau)
1 unterirdischen U-Bahnhof (Linie 6 tegel-Alt Mariendorf) gab.

Ein Koriosum!
In Berlin trafen die Systeme Ost/West unmittelbar aufeinander. Für die Büreger des östlichen Systems war in Friedrichstrasse Endstation. Während die Bürger der westlichen Hemisphäre unkontrolliert in der oberen S-Bahnhallehalle und direkt unter den Füssen der Ostberliner in riesigen Anlagen einen zentralen Hauptumsteigepunkt hatten. Das ganze: mitten in Ost-Berlin!


zuletzt bearbeitet 24.06.2009 10:57 | nach oben springen



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