#21

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 17.11.2009 00:04
von Frank (gelöscht)
avatar

Zitat von FSK-Veteran

Dann ging es die Treppen hinunter. Vor der Zollkontrolle waren Stühle und Tische links/rechts, wo man fehlende Angaben nachtragen konnte. Zur rechten war eine Filiale der "Staatsbank der DDR" installiert, wo Bürger der BRD und Westberliner ihr nicht ausgegebenes DDR-Geld gegen Quittung deponieren konnten (wußten viele nicht, weil die meißten Westler ungerne und daher selten in den Osten gereist sind: die haben die Aluchips manchmal einfach in einen der bereitgestellten Mülleimer geschmissen)..

Dann kam die Zollkontrolle. Anschließend die "Bretterwand mir Durchlässen" der Passkontrolle. Das Visum und die Ausreisekarte wurden einbehalten. Dann piepte es unterhalb im nicht einsehbaren Bereich. Der Paßkontrolleur legte den Ausweis oben auf den Tisch. Der Summer ging. Und man stemmte den Durchlaß auf. Die Tür klappte zu. Man war "draußen". Und doch mitten in Ost-Berlin...





Ich kann mich noch sehr gut an den 11.11.89 erinnern, als ich, aus dem tiefsten Sachsen angereist, und Tags zuvor den ganzen tag auf unserem örtlichen Volkspolizei-Kreisamt mach einem Visum angestanden habe über den Tränenpalst meine erste Reise in den Westen machte.
Unglaubliche Szenen haben sich dort abgespielt.
Massen von Menschen zwängten sich durch die engen Schleusen, vorbei an den Kabinen wo man seinen Ausreisestempel in den Ausweis gedrückt bekam, dann die Treppen runter durch schmale Gänge in den U-Bahnhof.
Als wir an allen Kontrollen vorbei waren haben wir gedacht "jetzt sind wir im Westen". Es wusste doch kaum ein Mensch aus der DDR wirklich wie die Grenzanlagen aufgebaut waren, schon gar nicht in diesem Bahnhof da unten. Dabei war man noch mitten in Ostberlin wie FSK-Veteran so schön sagte.
Wir sind ziellos in die erstbeste U-Bahn gestiegen, nur um von da erstmal wegzukommen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen wie Aufregend das alles war.
Ausgestiegen sind wir ein paar Stationen nördlich, einem oberirdischen Bahnhof, ich weiß nicht mehr wie der hieß.(Irgendwas nahe an Alt-Tegel)
Der Bahnhof war dreckig und verfallen, kaum eine Menschenseele weit und breit und ich dachte "das ist jetzt nicht war, wir sind in die falsche Richtung gefahren und garantiert noch im Osten". Das war mein erster Eindruck.
Glücklicherweise hat uns der freundliche BVG-Beamte in seinem Häuschen gleich etwas beraten und uns einen Streckenplan gegeben und noch ein paar Tips, wo es etwas zu sehn gibt aber nicht so überlaufen ist, wie es in diesen Tagen zB. am Ku`damm war.
So sind wir dann nach Steglitz zur Schlossstraße gefahren und das war dann wirklich ein Aha-Erlebnis für den Ossi. Wow, ich glaub ich bin die ganze Zeit nur mit offenem Mund durch diese fremde glitzernde Welt gelaufen.

Aber der Hammer kommt noch:
Ich war damals 16 jahre und Schulpflichtig. Donnerstag fiel ja bekanntlich die Mauer, Freitag und Sonnabend(!) hätte ich normalerweise in die Schule gehen müssen. Meine Eltern entschuldigten mich aber wegen "Krank" diese 2Tage. Ich musste ja Freitags mit allen Ausweisen wegen dem Visum anstehen, wobei der ganze Tag draufging.
Montags in der Schule, die erste Stunde Staatbürgerkunde und ich im Westen gewesen, als einziger in der Klasse.
Der Staatsbürgerkundelehrer sagte zu uns, und diese Worte werde ich auch nie vergessen: " Die BRD ist jetzt nicht mehr ein gefährlicher Feind, sondern ein gefährlicher Freund...."
Wenn man sich das heute so überlegt, also nee nee, die konnten ihr probagandistisches Hetzgequatsche einfach nicht lassen. Meine Güte!


nach oben springen

#22

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 23.01.2010 08:16
von Oberkellner | 36 Beiträge

Der Bahnhof Friedrichstrasse war schon etwas besonders,natürlich gerade die ersten Reisen im Speisewagen !Ziemlich gut kann ich mich noch dran erinnern,wie ich mit den Nerven runter war,als klar wurde,das ich fahren werde !hätte nicht damit gerechnet,aber auch bei der Mitropa gab es manchmal Überraschungen,vorher war ich paar jahre Richtung Prag,Budapest,Brest etc. unterwegs. Ich glaube mein Kellnerhemd,wurde vorher 5 Mal gebügelt,sah zumindest so aus,naja also ging es los vom Ostbahnhof(Mitropa Zentrale)raus nach Rummelsburg,unterwegs sagte mein damaliger Oberkellner bestimmt 10 Mal-bleib ruhig,schau erstmal,der Rest wird schon-in Rummelsburg empfing uns Trapo und einige fleißige Menschen in Zivil,zwischen den Transitzügen gab es halt viel zu tuen.Dann ging alles fix,den Wagen vorbereiten(Eindecken der Tische etc.)der Kollege in der Küche widmete sich dem Mittagessen,der Zug rollte und am Ostbahnhof gab es noch paar nette Worte der Verwaltung für mich,ich glaube ich war kurz vorm Herzinfarkt als wir in Friedrichstrasse einfuhren,plötzlich haute mir ein unbekannter Mensch der Passkontrolle auf die Schulter,sagte -Gute Fahrt und nicht ärgern lassen-die Formalitäten machte in der Regel der Oberkellner für alle im Team vorher und nach der Ansage rollte der Zug in den Westen Berlins.
Ziemlich verstohlen schaute ich raus,mein erster Eindruck war,das der Westen zwar recht bunt wirkte aber dennoch ziemlich schmuddelig,speziell der Bahnhof ZOO wirkte so auf mich,im ersten Eindruck.
Viel los war in den ersten Minuten nicht bei uns im Wagen,es dauerte ein Weilchen bis ich die ersten Gäste hatte,vorichtshalber sagte ich nur das notwendigste,ging sonst lieber in die Küche,wollte eben nix falsch machen.
Vorher war ich immer volle Speisewagen gewonnt,das war schon eine Umstellung,von jetzt auf gleich,Zeit war meistens da.Ansonsten verlief es ganz gut,speziell in den 80-ern gab es ja die Bestrebung,die Teams(damals ja Brigaden)auch alterstechnisch gut zu mixen,damit die Wagen nicht als rollende Altersheime verspottet werden konnten,im Zuge dieser Aktion,kamen immer mal wieder Leute dazu,die Mitte/Ende 20 waren,natürlich auch ältere Ensteiger/Aushilfen an vermeintlichen Spitzentagen oder bei speziellen Zügen(z.B.Spree-Alpen Express).Naja zu dem Thema schreibe ich später an einer anderen Stelle mal mehr,ist ja viel passiert in der Zeit!

Zum Thema Friedrichstrasse zurück,jedesmal blieb es komisch,da raus oder reinzufahren,anders als an den anderen GÜST,manchmal gab es auch sehr eigenwillige Erlebnisse,wie zum Beispiel,jenes an einem heißen Sommertag: Mittags fuhren wir im D 344 nach H.v.Holland in Friedrichstrasse liefen wie üblich die Grenzer rum,manche lächelten auch freundlich,vereinzelt gab es Kontakt aus dem Küchenfenster,Smalltalk halt,der Kollege in der Küche war gut drauf,nahm ein Stück Fleisch,sagte zum Hundeführer draussen-na hat Dein Bello Hunger-warf das Stück raus und der Grenzer meinte-warum soll er das fressen,ich hab auch Hunger,aber nicht so gute Zähne !!!
Kurz darauf,fuhren wir los,mein Pulsschlag war bestimmt heftig,passiert ist aber nix,anders war das bei Kontakten mit Klassenfeinden(beim Bedienen ja unvermeidbar),Gespräche mit Putzfrauen in Köln oder sonst wo konnten schon zum Problem werden,je nach Besetzung der Teams !

Okay,soviel für heute,Grüsse an Alle im Forum !!!


nach oben springen

#23

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 06.08.2010 10:44
von dirk.na (gelöscht)
avatar

Hallo liebe Genossen, ich bin gerade dabei eine Hausarbeit über den Tränenpalast zu schreiben und stehe vor dem Problem, dass es kaum Fotos gibt die vor 1990 entstanden sind. Ich würde mich riesig freuen wenn der ein oder andere Fotos hat und sie mir zur Verfügung stellt. Natürlich unter Berücksichtigung der Urherberrechte, d.h. mit Bildnachweis von wem es stammt. Danke schonmal im vorraus! LG Dirk


nach oben springen

#24

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 06.08.2010 11:19
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Dirk,
Ich bin zwar kein lieber Genosse,trotzdem von mir den Hinweis gib hier unter suchen einfach Tränenpalast ein. Da findest Du einiges.
Das Foto von mir darfst Du gern verwenden.
Gruß Peter(turtle)


zuletzt bearbeitet 06.08.2010 12:18 | nach oben springen

#25

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 06.08.2010 12:01
von 94 | 10.792 Beiträge

Hmm, bin recht schnell fündig geworden. Stimmt schon, die Mehrheit stammt aus nach '90, aber eine ganze Menge entspricht deinen Suchkriterien @dirk.na
http://www.google.de/images?q=tr%C3%A4nenpalast


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


nach oben springen

#26

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 06.08.2010 13:02
von Eumel | 139 Beiträge

Gibt da einen schönen Film von Lilly Grote: BERLIN, BAHNHOF FRIEDRICHSTRAßE, 1990 ... der lief mal auf ZDF. Leider habe ich keinen Ausschnitt im Netz gefunden. Geht da um den Abbau der Grenzanlagen im Bahnhof Friedrichstraße. Der Film gibt aber noch einen ganz guten Eindruck von der Abfertigung.

Noch eine Anmerkungen zu Verfälschungen auf Antragsformularen: Das war eigentlich relativ sinnlos. Ausschlaggebend waren immer die Personaldokumente. Falls da Verfälschungen durchgegangen sind, war es ein Fehler des Passkontrolleurs oder des Fahnders. Wenn es eine Sperre war, wäre das bei der Kontrolle spätestens aufgefallen. Eigentlich wurden da auch "Zahlendreher" im Geburtstag bemerkt.


nach oben springen

#27

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 06.08.2010 15:21
von turtle | 6.961 Beiträge

Mit der Sperre kann ich bestätigen. In Berlin hatte ich keine Chance,nicht einmal den Transit nach der ČSSR durfte ich benutzen.
Gruß Peter(turtle)


nach oben springen

#28

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 08.08.2016 19:05
von schnappi | 41 Beiträge

Hier gibt es ein paar interessante Bilder:
http://www.stasi-mediathek.de/medien/luf...trasse/blatt/7/

Lassen sich durch reinklicken vergrößern.

LG


Zitat von Angelo im Beitrag #1
Mir ist aufgefallen das es von der Grenzabfertigung im Tränenpalst in Berlin kaum Aufzeichnungen geschweige Fotos gibt. Ich kann mich nur das das erinnern was ich 1986 selber erlebt habe als ich Ost-Berlin besucht habe. Leider verblassen diese erinnerungen leider immer mehr. Ich kann mich nur noch dunkel daran erinnern das wir unter der Erde waren und an so komischen Kabienen vorbei mußten ja und meine 25 Mark mußte ich natürlich tauschen. Wer hat noch Informationen über die Grenzabfertigung in der Friedrichstr. ? Hat jemand Fotos gefunden ? Wäre echt super wenn wir dieses Thema mal genauer unter die Lupe nehmen könnten.


Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#29

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 10.08.2016 03:27
von Telamon | 129 Beiträge

Am 13.08.2016 um 6:30 Uhr kommt auf Phoenix eine Dokumentation über den Bahnhof Friedrichstraße, wurde 2014 gedreht, den Beitrag mit dem Fluchtversuch in der Lok (die letzten Filmminuten) kann ich bestätigen.



nach oben springen

#30

RE: Grenzabfertigung im Tränenpalast Friedrichstr. wie war das?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 12.09.2016 11:12
von schnappi | 41 Beiträge

Zu dem Thema gibt es ein ganz neues Magazin.
Tolle Bilder und Storys über die Grenzbahnhöfe.

Angefügte Bilder:
63756.JPG

sentry und andyman haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen



Besucher
21 Mitglieder und 59 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Andre Lambert
Besucherzähler
Heute waren 1235 Gäste und 89 Mitglieder, gestern 3660 Gäste und 197 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14371 Themen und 558216 Beiträge.

Heute waren 89 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen