#1761

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 18.11.2015 23:03
von Gert | 12.355 Beiträge

Zitat von Signalobermaat im Beitrag #1736
Also Gert, was ich bewundere, ist die Weitsicht deiner damaligen Lehrer, die wußten schon, warum sie dich nicht zur EOS zuließen.
Auf Kosten des Staates das Abi machen,kostenlos studieren und mit dem Diplom in der Tasche nach dem Westen abhauen.
Du schreibst immer, du hast alles richtig gemacht.
Die DDR bei Dir auch.
Wenn du ehrlich lernen wolltest, der 2. Bildungsweg stand jedem offen, ich habe ihn auch , wie viele tausende genutzt und mich hat keiner nach dem sozialen Status gefragt.Hab mein Geld bezahlt und bin abends zur VHS gegangen.
Also , wo ein Wille ist, ist auch ein Gebüsch.


behalte doch solchen ideologisch gefärbten Müll für dich. Ich möchte so etwas gar nicht wissen und hören.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#1762

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 18.11.2015 23:10
von Rostocker | 7.725 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #1760
Zitat von DoreHolm im Beitrag #1752


Und wer braucht diese Menge an Abiturienten eigentlich ? Die Wirtschaft sicher nicht. Die suchen sich die Rosinen aus dem ganzen Gemenge aus. Der Rest hofft lediglich, mit einem Abi in der Tasche seine Chancen auf der Suche nach dem "Wunschberuf" zu verbessern. Das sind zwei Jahre lang zusätzliche Kosten für den Staat, die nicht in dem Maße wieder reinkommen. Einmal die Aufwendungen für die Ausbildung, zum Anderen zwei Jahre später erst Einnahmen durch die Steueren der dann erst sozialleistungspflichtig Arbeitenden.



rot mark
diese Frage ist schon unzulässig. Jeder Schüler soll die Chance auf Bildung bekommen, die er möchte, und Punkt. Was er später daraus macht ist seine persönliche Sache und hat andere nicht zu interessieren, schon gar nicht irgendwelche Parteien


Haste Recht--ich habe sie bekommen--10 Klassen und nen anständigen Beruf habe ich bekommen.


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#1763

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 18.11.2015 23:47
von Hanum83 | 4.777 Beiträge

Also, irgendwie hat das schon fast tragische Züge, um nun irgendwie auch noch das allerletzte super Gute aus der Verschwundenen rauszuquetschen, werden sogar Abiturienten so hingestellt als könnten die hierzulande nicht mal lesen und schreiben.
Mal ne Frage dazu, ihr habt nicht zufälligerweise Kinder die hier Abitur gemacht und eventuell auch noch ein Studium absolviert haben?
Ich hoffe mal die lesen nicht was ihr hier an Kommentaren zum Bildungsniveau in diesem Land ablasst.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
Moskwitschka, Grenzverletzerin, IM Kressin und ek40 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 18.11.2015 23:51 | nach oben springen

#1764

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 18.11.2015 23:52
von StabsfeldKoenig | 2.648 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #1679
Man @G.Michael Nicht jede Schule hatte ihre eigene Küche. ich kann mich noch heute gut an die großen grünen Kübel erinnern, aus denen die Küchenfrauen die Nudeln geschöpft haben. Und weil das Schulessen bei mir aus einer Großküche geliefert wurde, die Makkaroni "stundenlang" warm gehalten wurden, waren sie so herrlich klitschig. Ich habe lange probiert, um guten Freunden, genau solche Nudeln bei einem gemeinsamen Essen auf den Tisch zu zaubern

Und was die 100% Ausbildungsvermitlung betrifft. Hat sich damals je einer gefragt, wie das zustande gekommen ist? Nicht jeder hat den Beruf lernen können, von dem er geträumt ht. Das war schon damals abhängig von der Leistung und auch dem Angebot und einigen anderen Faktoren. Und schon damals blieben am Ende einige auf der Strecke. Wer hat schon zugegeben, dass mit Hilfe der Lehrer und Schulleiter zur Ausbildung gekommen ist

Ein besonders krasses Beispiel. Vielleicht ein Einzelfall. Ein Junge, deren Mutter Ärztin war, ist nicht so geraten. Warum, steht auf einem anderen Blatt. Ob nun die Mutter sich auf die Schule verlassen hat, oder die Schule auf dei verntwortungssvolle Ärztin, sei mal dahin gestellt. Jdenfalls hat der Junge nach der 10. Klasse mit Ach und Krach die Abschlußprüfung bestanden und wollte gern Schuhmacher werden. Besagte Schulleiterin lief sich die Hacken ab. Und fand einen Ausbildungsplatz.

Schon damals mussten die Eltern den Ausbildungsvertrag gegen zeichnn. Die Ärztin und Mutter des Jungen verweigerte das, weil der Beruf, den ihr Sohn ergreifen wollte, nicht standesgemäß war. Ein Problem zwischen Mutter und Sohn, aber ein sehr großes für die Schulleiterin., die die ach so tolle 100%-ige Versorgung der Schulabgänger mit Ausbildungsplätzen nachweisen musste.

Es gibt viele Geschichten die von der eigenen abweichen und die keiner in Abrede stellt. Das ist doch das spannende an dem Forum. Es sollte aber auch zum Nachdenken anregen, wie in der DDR 100% entstanden sind.

LG von der Moskwitschka





Unterm Strich war die Ausbildung doch ganz gut geregelt.

1. Es gab einen Wettbewerb. Wer sich "auf den Hosenboden gesetzt" hat, konnte sich unter den attraktiven Berufen eine Lehrstelle aussuchen.
2. Wer schlechte Leistung hatte, bekam wenigstens noch eine weniger attraktive Lehrstelle und konnte sich später immer noch weiter qualifizieren.

Es gab keine sinnlosen Beschäftigungstherapien und kein H.IV. Jeder konnte, aber mußte auch arbeiten, was gleichzeitig auch dieKriminalität senkte.



damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#1765

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 19.11.2015 00:09
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von Signalobermaat im Beitrag #1736
Also Gert, was ich bewundere, ist die Weitsicht deiner damaligen Lehrer, die wußten schon, warum sie dich nicht zur EOS zuließen.
Auf Kosten des Staates das Abi machen,kostenlos studieren und mit dem Diplom in der Tasche nach dem Westen abhauen.
Du schreibst immer, du hast alles richtig gemacht.
Die DDR bei Dir auch.
Wenn du ehrlich lernen wolltest, der 2. Bildungsweg stand jedem offen, ich habe ihn auch , wie viele tausende genutzt und mich hat keiner nach dem sozialen Status gefragt.Hab mein Geld bezahlt und bin abends zur VHS gegangen.
Also , wo ein Wille ist, ist auch ein Gebüsch.



Hallo Signalobermaat kann ich Dich so interpretieren, wer in der DDR studiert muss auch in der DDR für immer bleiben. Er hat auch nicht das Recht seine politische Einstellung zu ändern. Zu kostenlos studieren, etwas Risiko muss jeder Staat eingehen ,das danach nicht alle im Land bleiben. Hat der Staat DDR nicht Geschäfte mit Ausreisewilligen gemacht, und sich so auf Umwegen Geld zurückgeholt? Gab es nicht den Häftlingsfreikauf ? Hat man nicht auch unliebsame Bürger trotz Studium ausgebürgert ? Bleibt noch die Frage warum wer nach dem Westen abhauen wollte. Und es waren Massen bis 1961. Scheinbar muss es Ihnen in der DDR nicht mehr gefallen haben. West Propaganda hin oder her. Die DDR hätte doch die Menschen überzeugen müssen ,das es im Sozialismus besser ist. So war der Zuzug und Weggang ziemlich einseitig. Es endete damit die Bürger mit Macht im Land zu halten. Eine Grenze mit Minen und Selbstschutzanlagen und Mauer sollte weitere Abwanderungen verhindern. Auch wenn die Bedingungen Anfangs der DDR bedeutend schwieriger waren, das Licht am Horizont war nur eine Tranfunzel .Und die erlosch auch noch 89


Pit 59, Gert, IM Kressin und ek40 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 19.11.2015 00:12 | nach oben springen

#1766

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 19.11.2015 00:20
von damals wars | 12.180 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #1760
Zitat von DoreHolm im Beitrag #1752


Und wer braucht diese Menge an Abiturienten eigentlich ? Die Wirtschaft sicher nicht. Die suchen sich die Rosinen aus dem ganzen Gemenge aus. Der Rest hofft lediglich, mit einem Abi in der Tasche seine Chancen auf der Suche nach dem "Wunschberuf" zu verbessern. Das sind zwei Jahre lang zusätzliche Kosten für den Staat, die nicht in dem Maße wieder reinkommen. Einmal die Aufwendungen für die Ausbildung, zum Anderen zwei Jahre später erst Einnahmen durch die Steueren der dann erst sozialleistungspflichtig Arbeitenden.



rot mark
diese Frage ist schon unzulässig. Jeder Schüler soll die Chance auf Bildung bekommen, die er möchte, und Punkt. Was er später daraus macht ist seine persönliche Sache und hat andere nicht zu interessieren, schon gar nicht irgendwelche Parteien

Die DDR war da ganz raffiniert,und zahlte EOS Schülern in den Achtzigern eine Art nicht rückzuzahlendes BAFÖG.

Und auch Du kannst deine Benachteiligung ausgleichen lassen:
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Erweiterte...achschulstudium
Nach der Wende konnten Betroffene Schadensersatz gemäß § 3 („Verfolgte Schüler“) des BerRehaG geltend machen[13]. Keine Entschädigung erhielten jedoch Schüler, deren Eltern aufgrund eigener Einschätzung der Erfolgsaussichten keinen Antrag auf Aufnahme in die EOS gestellt hatten


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#1767

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 19.11.2015 00:24
von StabsfeldKoenig | 2.648 Beiträge

Zitat von 1941ziger im Beitrag #1688
Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #1669


Mit 10. Klasse + Facharbeiter konnte man ein Fachschulstudium absolvieren, was den Aufstieg in die mittlere Führungsebene ermöglichte. Ein FS-abschluß war darüber hinaus eine Hochschul-Zugangsberechtigung im eigenem Fachgebiet. Daneben konnte man das ABI an der Volkshochschule nachmachen (durfte jeder, oder kennt jemand einen, dem das nicht erlaubt war?).

Der Weg in die mittlere Führungsebene und auch etwas weiter ging auch über die Bezirksparteischulen. Ich kenne einige
Schwachmaate die in unserer Firma (ein Devisenbringer 1.Klasse) ihr Unwesen trieben, z.B. mein Bereichsleiter, der Chef der TKO
vom Kaderleiter wollen wir gar nicht sprechen. Alle hatten mal mit der Meisterschule begonnen, hatten im ersten Jahr das Handtuch geworfen
und waren dann unsere Chefs geworden...........unser Kaderleiter ging dann sogar zur Parteihochschule und bekam einen Posten
in der Kombinatsleitung..........nur soviel: seine Unterschrift konnte er fehlerfrei.
Ich will damit sagen, nicht nur Leistung zählte....mit dem richtigen Parteibuch ging es auch und manchmal besser.
Ich habe 3 Jahre in der Berufsausbildung als Lehrfacharbeiter gearbeitet. Auch da gab es Besonderheiten, einem Lehrling
dessen Facharbeiterprüfung auf der Kippe stand wurden die Noten nach oben korrigiert sobald er sich als SAZ verpflichtete.
Wir wurden angewiesen denjenigen positiver zu beurteilen.
Gemauschelt wurde immer, nur das Vitamin B ist unterschiedlich.

So, für mich ist das Thema ausgeschöpft, ist zwar gut für das Winterloch....aber einmal geschluckter Ärger kommt wieder hoch.



Zum Aufstieg in die mittlere Führungseben gehörte sowohl eine fachliche Weiterbildung (z.B. Ingenieur oder Ökonom), als auch die Parteischule.



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#1768

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 19.11.2015 07:03
von Lutze | 8.039 Beiträge

Zitat von G.Michael im Beitrag #1757
Zitat von Harzwanderer im Beitrag #1738
Am DDR-Auto war aber keine komplizierte Schummelsoftware zu justieren.


@Harzwanderer, nimm mal einen hochqualifizierten KfZ-Mechatroniker von heute. Den stellste dann vor einen Trabant und sagtst dem er möge die
Zündung einstellen. Und das ganz ohne Schlepptopp.
Wie lange würde es dauern und wieviele würden das rechte Vorderrad demontieren?
Micha




Die vorderen Räder nach rechts einschlagen reicht,
aber wo wir schon bei der Zündanlage sind,
als die elektronische Zündanlage verbaut wurde,gab es zum Anfang
einige Probleme damit,das lag am Steuermodul was kurze Zeit später
modifiziert wurde
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#1769

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 19.11.2015 07:21
von Pit 59 | 10.152 Beiträge

Die vorderen Räder nach rechts einschlagen reicht,

Gabs zwei Unterbrecherplatten am Trabbi ? Wenn ja,hab ich eine immer Vergessen.


zuletzt bearbeitet 19.11.2015 07:40 | nach oben springen

#1770

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 19.11.2015 08:01
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Pit 59 im Beitrag #1769
Die vorderen Räder nach rechts einschlagen reicht,

Gabs zwei Unterbrecherplatten am Trabbi ? Wenn ja,hab ich eine immer Vergessen.


Ich hatte im Trabbi immer 2 Unterbrecherplatten, eine dort wo sie hingehört und eine im Kofferraum.
Micha


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#1771

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 19.11.2015 08:22
von 1941ziger | 998 Beiträge

Der Trabbi hatte 2 Unterbrecher, der Wartburg sogar 3.......auf einer Platte


Die veröffentlichte Meinung ist nicht die Öffentliche.
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#1772

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 19.11.2015 08:42
von Moskwitschka | 2.529 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #1764


Unterm Strich war die Ausbildung doch ganz gut geregelt.

.


Ja es war alles geregelt. Auch die politische Meinungsbildung.

Ich wollte eigentlich auf dieses Beispiel verzichten, weil es mir heute noch weh tut, weil es ausgerechnet an der Carl von Ossietzky Oberschule in Berlin Pankow passiert ist - einer Erweiterten Oberschule. Das ist mir lange nachgehangen und hat mein Vertrauen in das Schulsystem der DDR den letzten Rest gegeben, so dass ich selbst nach der Wende meinen Kindern lieber einen längeren Schulweg zur Erlangung des Abiturs zugemutet habe:

Am 30. September 1988 wurden Schüler von der Schule geworfen, weil sie sich offen für Frieden und die Solidarność-Opposition in Polen und gegen Militärparaden und Rechtsextremismus in der DDR ausgesprochen hatten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ossietzky-Aff%C3%A4re

Wissensvermittlung ist das eine. Die Erziehung von selbstbewußten und kritischen Menschen, etwas anderes. Und dem hat sich das Schulsystem in der DDR nicht gestellt.

LG von der Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

turtle, Pit 59 und ek40 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#1773

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 19.11.2015 09:03
von Elch78 | 501 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #1760
Jeder Schüler soll die Chance auf Bildung bekommen, die er möchte, und Punkt. Was er später daraus macht ist seine persönliche Sache und hat andere nicht zu interessieren (...)
Kleiner Einspruch: Ausbildung wird von der Gemeinschaft der Steuerzahlenden finanziert. Für mich persönlich ist es also schon interessant, wie lange und mit welchen Erfolgsaussichten sich Mamas Lieblinge auf der Schulbank herumwälzen oder im Hörsaal ihren Rausch ausschlafen. Das muß auch in einem vernünftigen Rahmen bleiben.
Es soll jeder unbedingt soviel lernen, wie er will und auch, was er will. Aber ich bin nicht bereit, den vermeintlichen Wissensdurst selbsternannter Multi-Hochbegabter zu finanzieren... - dann bitte selber zahlen.

Warum mich das Thema interessiert:
1. Meine vier Töchter (9- 28 Jahre) sind Objekte des bundesrepublikanischen Schul- und Ausbildungsbetriebes
2. War selbst so privilegiert, im "SED-Staat" Abitur (1983) machen zu dürfen.
Überlege nur gerade, worin das Privileg bestand?
Eltern aus der Arbeiterklasse - Fehlanzeige.
Parteimitgliedschaft irgendeiner Art - Fehlanzeige.
Berufswunsch SED-genehm - Fehlanzeige.

@Gert , ich denke, daß die Doktrin, Arbeiterkinder zu bevorzugen, gut gemeint war. Arbeiter sollten bessere Chancen auf sozialen Aufstieg bekommen, als das jemals vorher der Fall war. Aber "gut gemeint" ist eben nicht "gut gelungen". Im Laufe der Jahrzehnte hat man doch gemerkt, daß das so nicht funktioniert. Man ist dann zunehmend davon abgekommen, dieses Kriterium bei der Auswahl vornan zustellen.
Daß es zu Deiner DDR-Zeit so war, glaube ich (manchmal schimmerte diese Argumentation auch zu meiner Zeit noch so ein bißchen durch); wäre es jedoch um 1980 noch so stringent gewesen, hätte ich selber und hätten viele meiner Bekannten kein Abitur machen können.

Und daß man nicht Gefahr laufen wollte, die Ressource Bildung mit einem hohem Abwanderungsrisiko (Ausreise bzw. auch innere Emigration) zu "verschwenden", ist doch logisch - und war ja auch ein Grund für den Mauerbau. Daß ein Grund dafür die Schwäche des gesellschaftlichen Systems in der damaligen konkreten Ausformung war, bestreite ich nicht.

Elch


"Es gibt immer drei Wahrheiten: eine, die Du siehst, eine, die ich sehe und eine, die wir beide nicht sehen"
IM Kressin, Gert, DoreHolm und 1941ziger haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 19.11.2015 09:35 | nach oben springen

#1774

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 19.11.2015 09:32
von turtle | 6.961 Beiträge

Daß es zu Deiner DDR-Zeit so war, glaube ich (manchmal schimmerte diese Argumentation auch zu meiner Zeit noch so ein bißchen durch); wäre es jedoch um 1980 noch so stringent gewesen, hätte ich selber und hätten viele meiner Bekannten kein Abitur machen können.


Genauso ist es. Ich habe schon lange bemerkt das so manches wie ich es noch in der DDR erlebt habe später abgeschwächt oder sogar gar nicht mehr so war. Dank der vielen Informationen durch das Forum ,musste ich erkennen hier und da geirrt zu haben, oder was der Eine oder Andere berichtet aus einer anderen Zeit stammen muss. Allerdings je länger etwas zurück liegt kann sich einiges verwischen ,man glaubt so war es. Ist mir auch schon passiert. Der Mensch lernt nie aus, und so sollte es auch sein.


Elch78, Krepp, IM Kressin, Gert, DoreHolm und 1941ziger haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#1775

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 19.11.2015 10:03
von Pit 59 | 10.152 Beiträge

Zitat von 1941ziger im Beitrag #1771
Der Trabbi hatte 2 Unterbrecher, der Wartburg sogar 3.......auf einer Platte


Ja,aber doch nur auf der Rechten Seite.


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#1776

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 19.11.2015 10:16
von turtle | 6.961 Beiträge

Meine Schulbildung war noch etwas anders. Ich war einige Jahre in einem Kinderheim. Da hatten wir eine eigene Heimschule so richtig mit Direktor Lehrern und Lehrerinnen. Die Heimleitung und Schule arbeiteten Hand in Hand. Lange Wege gab es nicht ,Schularbeiten unter Aufsicht im Klassenzimmer ,und ein schwacher Schüler wurde sogenanntes Patenkind eines starken Schülers. Normal damals noch nach der 8. Klasse in eine Lehre. Das Kinderheim war auf dem Land ,und eine Paten LPG gehörte fast wie selbstverständlich dazu. Rübenverziehen, Werkunterricht bzw. ESP
hatte bevorzugt mit dieser LPG zu tun. Agronom, Rinderzüchter wurden uns besonders schmackhaft gemacht. Sich selber etwas suchen wenn man das Kinderheim kaum verlassen konnte oder da üblich nur in der Gruppe war ein Problem. Sicherlich bestand die Möglichkeit später abzubrechen und eine neue Lehre anzufangen ,man blieb ja nicht ewig im Heim. Aber erst einmal "wurde der Plan" erfüllt.

Noch einiges zur Paten LPG ,zur Friedensfahrt wurden die "Guten" mit einem LKW der LPG nach Leipzig gefahren. Beim Rübenverziehen gab es immer sehr dick belegte Brote, obwohl die Knie wegen der endlos langen Felder lädiert waren ,die LPG Brote mit Limonade bleiben im Gedächtnis.
Ja es war eine andere Zeit ,ich kannte noch Hunger als Kind. ( Zuhause) Im Kinderheim musste natürlich keiner Hungern ,aber so richtig dick mit Wurst belegte Brote ,die gab es nur von der LPG. Ein Kind das im Überfluss groß geworden ist ,wird es kaum verstehen so etwas extra zu erwähnen. Ich bin im Januar 1946 geboren ,Deutschland lag in Trümmern und genügend zu essen war noch nicht selbstverständlich. Es fehle an Vielen und auf Lebensmittelmarken gab es Zuteilung.


IM Kressin, damals wars, DoreHolm und Lutze haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#1777

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 19.11.2015 10:44
von Udo | 1.267 Beiträge

@turtle
Verständnisfrage: Ich musste als Jugendlicher auch desöfteren Rüben verziehen. Wir haben das allerdings mit einer langstieligen normalen Gartenhacke erledigt.
Davon hatten wir keine lädierten Knie (was bei den Mädchen auch zu Frust geführt hätten, wegen des kurzen Rockes denn: Erst die erforderlichen Reihen Rüben verziehen, dann darfst Du zur Disco).
Mit was habt ihr Rüben verzogen???


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#1778

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 19.11.2015 10:50
von Heckenhaus | 5.146 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #1749
Zitat von Harzwanderer im Beitrag #1734

Und "Arbeiterkinder" nach DDR-Abitur-Kriterien waren vor allem Funktionärs- Offiziers- und Stasikinder. Habt Ihr zufällig schon wieder vergessen? Warum wundert mich das jetzt nicht?


Stimmt. Auch bei uns waren es hauptsächlich die Kinder von Intelligenzlern.


Selbst wenn, die "Intelligenzler" der DDR wohnten ebenso im Altbau oder in der Platte und trugen selten die Nase
so hoch wie heute so mancher Ingenieur, der das sogar auf dem Namenschild an der Tür kundtun muß.
Oft verdienten sie sogar weniger als ein fleißiger Handwerker, wo sind da nun die Privilegien ?

Der Leistungsdurchschnitt war entscheidend, jedenfalls im Jahre 1964, 8. Klasse.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 19.11.2015 11:13 | nach oben springen

#1779

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 19.11.2015 10:59
von damals wars | 12.180 Beiträge

War 1978 immernoch so!


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#1780

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 19.11.2015 11:09
von damals wars | 12.180 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #1776
Meine Schulbildung war noch etwas anders. Ich war einige Jahre in einem Kinderheim. Da hatten wir eine eigene Heimschule so richtig mit Direktor Lehrern und Lehrerinnen. Die Heimleitung und Schule arbeiteten Hand in Hand. Lange Wege gab es nicht ,Schularbeiten unter Aufsicht im Klassenzimmer ,und ein schwacher Schüler wurde sogenanntes Patenkind eines starken Schülers. Normal damals noch nach der 8. Klasse in eine Lehre. Das Kinderheim war auf dem Land ,und eine Paten LPG gehörte fast wie selbstverständlich dazu. Rübenverziehen, Werkunterricht bzw. ESP
hatte bevorzugt mit dieser LPG zu tun. Agronom, Rinderzüchter wurden uns besonders schmackhaft gemacht. Sich selber etwas suchen wenn man das Kinderheim kaum verlassen konnte oder da üblich nur in der Gruppe war ein Problem. Sicherlich bestand die Möglichkeit später abzubrechen und eine neue Lehre anzufangen ,man blieb ja nicht ewig im Heim. Aber erst einmal "wurde der Plan" erfüllt.

Noch einiges zur Paten LPG ,zur Friedensfahrt wurden die "Guten" mit einem LKW der LPG nach Leipzig gefahren. Beim Rübenverziehen gab es immer sehr dick belegte Brote, obwohl die Knie wegen der endlos langen Felder lädiert waren ,die LPG Brote mit Limonade bleiben im Gedächtnis.
Ja es war eine andere Zeit ,ich kannte noch Hunger als Kind. ( Zuhause) Im Kinderheim musste natürlich keiner Hungern ,aber so richtig dick mit Wurst belegte Brote ,die gab es nur von der LPG. Ein Kind das im Überfluss groß geworden ist ,wird es kaum verstehen so etwas extra zu erwähnen. Ich bin im Januar 1946 geboren ,Deutschland lag in Trümmern und genügend zu essen war noch nicht selbstverständlich. Es fehle an Vielen und auf Lebensmittelmarken gab es Zuteilung.



Danke für die Schilderung. Bei uns gab es "das Heim" nur als Drohkulisse.

Bei uns ging der Hort bis zur vierten Klasse und schloss sich sofort an die Schule an, wir Hortkinder waren auch gut behütet.
Und bevor es zum Spielen auf den Hof ging, wurden die Hausaufgaben unter Aufsicht der Hortnerin erledigt, die die Hausaufgaben so lange kontrollierte, bis man sie richtig erledigt hatte.
Seit der Kehre dürfen dann die Kinder selbst entscheiden, wann sie ihre Aufgaben erledigen.
Aber welches Kind will schon Hausaufgaben machen?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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