#1621

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 16.11.2015 19:17
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Pensionen drin weiß ich nicht, es sind die Durchschnittsrenten pro Haushalt gemeint.


nach oben springen

#1622

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 16.11.2015 19:20
von Klauspeter | 987 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #1621
Pensionen drin weiß ich nicht, es sind die Durchschnittsrenten pro Haushalt gemeint.


Das ist aber wichtig, weil sonst ein schiefes Bild rauskommt.
Klaus


nach oben springen

#1623

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 16.11.2015 19:20
von linamax | 2.019 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #1618
Zitat von Harzwanderer im Beitrag #1614
Die DDR war doch 1989 komplett runtergerockt und pleite. Der Westen hat ihr trotzdem über Nacht geholfen, mit allem was er hatte und sogar auf Pump mit seiner Kreditwürdigkeit. Die DDR-Bürger sind vorher gefragt worden, ob sie der Bundesrepublik beitreten möchten, die Westler umgekehrt nicht. Zahlen durften sie trotzdem für Jahrzehnte lange Verwahrlosung der DDR-Wirtschaft und Infrastruktur. Ich sage nur mal Straßen, Dächer, Fenster und Telefon.

Jetzt im Nachhinein darüber zu quengeln, dass es nicht ganz perfekt war, ist schon etwas vermessen. Niemand hatte ein Rezept, wie man so ein Land umbaut. Der RGW war weg, die SU war weg, also der bisherige Markt für DDR-Produkte, der Mittelstand war weg und viele gute DDRler waren in den Westen gegangen.



Es ist gut, darüber zu sprechen. Das zwingt immer wieder zu eigenem Überlegen und kann auch zu neuen Erkenntnissen führen.

Ist sicher aus Deiner Sicht alles richtig, was Du schreibst. Du musst aber auch verstehen, dass mancher, der das hier alles unmittelbar miterlebt hat, auch andere Gedanken dazu hat.

Ich bringe mal so ein ganz kleines Beispiel - eigentlich eine nebensächliche Episode.
Heute las ich in der "Leipziger Volkszeitung", dass man 1965 nur 6 Flaschen "Krostitzer Bier in der Kaufhalle in den Einkaufswagen legen durfte. Und das auch nur, wenn es denn mal welches gab. Stimmt, war so.
Krostitz ist ein kleiner Ort in der Nähe von Leipzig und Krostitz braute ein hervorragendes Bier. Die Brauerei war alt und baufällig - aber das Bier war Spitze. Die marode Brauerei schaffte beim besten Willen nicht mehr.
Dann kam die Wende. Die Brauerei ging in andere Hände über - sie wurde aufwendig modernisiert und produziert jetzt in großen Mengen.
Nur: Das Bier schmeckt nicht mehr. Es ist nicht mehr unterscheidbar von anderen Bieren.

Ich könnte andere Beispiele bringen. In der DDR hat niemand gehungert, aber gute Fleisch- und Wurstwaren waren meist knapp. DDR-Lebensmittel lösten keine Allergien aus, enthielten keine Antibiotika.
Alles sicher Nebensächlichkeiten - aber man denkt schon noch an diese Dinge und ich staune manchmal, was Profitsucht so allesl auslösen kann.

Man muss schon über solche Dinge mal nachdenken dürfen, ohne gleich ein unbelehrbarer Betonkopf zu sein...

Klaus

Das in der DDR keiner gehungert weiß doch jeder . Der Mensch lebt auch nicht vom Brot alleine . Und auf dein Bier zurück zu kommen hier in Frankfurt hat das Bier mit Namen Binding 1970 nicht geschmeckt und es schmeckt heute noch nicht .


nach oben springen

#1624

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 16.11.2015 19:23
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Zitat
Das ist aber wichtig, weil sonst ein schiefes Bild rauskommt.



Das kannst Du gerne raussuchen, wenn Du spezielle Rückfragen stellst. Um Beamte ging es gar nicht, sondern um normale Rentner wie uns, eines Tages vielleicht.


nach oben springen

#1625

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 16.11.2015 19:25
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #1617
Die Jammern ja sogar über die Renten, die in den neuen Ländern pro Haushalt höher sind, als in den alten Bundesländern. Das kommt, weil im Osten Männer und Frauen schon früh gearbeitet haben und das als Rentenzeit stark mitzählt. Eine Mutter im Westen, die "nur" ihre Kinder großgezogen hat, kriegt ohne große Rentenansprüche heute nur eine Minirente und der Mann hat die richtige Rente, oder hinterlässt sie ihr.


Also ich habe bis jetzt noch nicht gehört--das Rente vererbbar ist, Ja--es gibt bei einen Hinterbliebenen dann die Witwenrente--aber nicht die volle Rente des Verstorbenen. Oder wie ist das.

grün--Wenn es so ist--kann es daran liegen--das einigen durch Arbeitslosigkeit --die Arbeitsjahre fehlten. Mal ne Frage--Wann hast Du denn angefangen zu arbeiten--bist Du wie im Osten nach Schulabschluß auch gleich in die Lehre gegangen und danach im festen Job weiter.


nach oben springen

#1626

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 16.11.2015 19:26
von Klauspeter | 987 Beiträge

Zitat von linamax im Beitrag #1623

Das in der DDR keiner gehungert weiß doch jeder . Der Mensch lebt auch nicht vom Brot alleine . Und auf dein Bier zurück zu kommen hier in Frankfurt hat das Bier mit Namen Binding 1970 nicht geschmeckt und es schmeckt heute noch nicht .


Ich bestreite doch nicht, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt.
Es gibt viele Dinge seit 1989, auf die ich nicht mehr verzichten möchte.
Ich denke mal, Deine Torten waren auch zu DDR-Zeiten richtig gut und das muss man doch auch sagen dürfen, ohne gleich ein ewig Gestriger zu sein.

Zum Bier: Ich sprach von einem Bier, das zu DDR-Zeiten gut war und heute nicht mehr.

Klaus


nach oben springen

#1627

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 16.11.2015 19:30
von Klauspeter | 987 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #1624

Zitat
Das ist aber wichtig, weil sonst ein schiefes Bild rauskommt.


Das kannst Du gerne raussuchen, wenn Du spezielle Rückfragen stellst. Um Beamte ging es gar nicht, sondern um normale Rentner wie uns, eines Tages vielleicht.



Na, das ist doch mal ein ganz wertvoller Hinweis.
Meinst Du nicht, dass es schon wichtig ist, ob man die Beamtenpensionen in den Rentendurchschnitt einbezieht oder nicht?


nach oben springen

#1628

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 16.11.2015 19:32
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Das mit dem Bier liegt daran, dass im Osten und Westen die Brauereien heute einem oder zwei Großkonzernen gehören. Das West-Berliner Bier früher (das Ost-Berliner auch) war jedenfalls schlecht. Habe erst mit Hasseröder und in der CSSR leckeres Bier kennengelernt. Heute bevorzuge ich kleine Brauereien, die noch handwerklich brauen. Die gibt es in allen Himmelsrichtungen. Der Kunde entscheidet, was er kauft und trinkt. Trinkt er es nicht, müssen "die" umdenken.


zuletzt bearbeitet 16.11.2015 19:34 | nach oben springen

#1629

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 16.11.2015 19:38
von Klauspeter | 987 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #1628
Das mit dem Bier liegt daran, dass im Osten und Westen die Brauereien heute einem oder zwei Großkonzernen gehören. Das West-Berliner Bier früher (das Ost-Berliner auch) war jedenfalls schlecht. Habe erst mit Hasseröder und in der CSSR leckeres Bier kennengelernt. Heute bevorzuge ich kleine Brauereien, die noch handwerklich brauen. Die gibt es in allen Himmelsrichtungen. Der Kunde entscheidet, was er kauft und trinkt. Trinkt er es nicht, müssen "die" umdenken.

So ist es.
Hier liegen wir auf einer Linie und mit dem tschechischen Bier stimmen wir vollkommen überein.
Klaus


nach oben springen

#1630

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 16.11.2015 21:14
von bürger der ddr | 3.614 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #1614
Die DDR war doch 1989 komplett runtergerockt und pleite. Der Westen hat ihr trotzdem über Nacht geholfen, mit allem was er hatte und sogar auf Pump mit seiner Kreditwürdigkeit. Die DDR-Bürger sind vorher gefragt worden, ob sie der Bundesrepublik beitreten möchten, die Westler umgekehrt nicht. Zahlen durften sie trotzdem für Jahrzehnte lange Verwahrlosung der DDR-Wirtschaft und Infrastruktur. Ich sage nur mal Straßen, Dächer, Fenster und Telefon.

Jetzt im Nachhinein darüber zu quengeln, dass es nicht ganz perfekt war, ist schon etwas vermessen. Niemand hatte ein Rezept, wie man so ein Land umbaut. Der RGW war weg, die SU war weg, also der bisherige Markt für DDR-Produkte, der Mittelstand war weg und viele gute DDRler waren in den Westen gegangen.




Falsch, ähnliche "Volksvertreter" (wie heute Asylpolitik) haben beschlossen das die DDR beitritt, es gab keine Volksabstimmung oder Volksbefragung!



IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#1631

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 16.11.2015 21:15
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #1620
Zitat von Harzwanderer im Beitrag #1617
Die Jammern ja sogar über die Renten, die in den neuen Ländern pro Haushalt höher sind, als in den alten Bundesländern. Das kommt, weil im Osten Männer und Frauen schon früh gearbeitet haben und das als Rentenzeit stark mitzählt. Eine Mutter im Westen, die "nur" ihre Kinder großgezogen hat, kriegt ohne große Rentenansprüche heute nur eine Minirente und der Mann hat die richtige Rente, oder hinterlässt sie ihr.

Sind in den Westrenten auch die Pensionen und die Versorgungen der Ärzte enthalten ?

Klaus


ich denke nicht, denn das gibt ein schräges Bild. So weit ich weiss, haben Ärzte ein eigenes Versorgungssystem für das Alter und zahlen nicht bei der DRV ein also völlig unabhängig, da sgleiche trifft auf sebstständige Rechtsanwälte zu - eigenes Altersversorgungssystem.
Pensionsbezieher haben sowieso als Beamte das ganze Leben nicht bei der DRV eingezahlt. Sie erhalten die Pension aus Steuergeldern. Sie wurden und werden ja auch nicht bezahlt, sondern alimentiert. Das heißt, der Staat versorgt seine Beamten mit " Bezügen" die seinen Lebensunterhalt garantieren


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
Signalobermaat und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#1632

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 16.11.2015 22:19
von Pitti53 | 8.788 Beiträge

Zitat von Pitti53 im Beitrag #1572
Zitat von Gert im Beitrag #1568
Zitat von Pitti53 im Beitrag #1566
Zitat von Gert im Beitrag #1564
Zitat von Alfred im Beitrag #1562
"Einfach gestrickte Leute".

Du bist doch primitiv.


na ja Alfred die waren doch auch für deinen Arbeitgeber gut, denn sie machten meistens keine Problem. Und die Bestätigung für meine Einschätzung kann man ja heute noch in so manchem Post hier lesen


Jetzt willst du aber uns nicht verklickern , dass ein Großteil der DDR Bevölkerung "einfach gestrickt" war?

DENN im Umkehrschluß hatte ja die Stasi mit den wenigsten Probleme


Pitti so wie es bei den Flüchtlingen keine Zahlennennung für die Obergrenze gibt, so kann ich das auch in diesem Fall nicht für die DDR Bevölkerung nennen. Ich habe Erfahrungen gesammelt, ich lese hier und ich schreibe etwas dazu. Mehr gibts nicht.


Damit ist meine Frage NICHT beantwortet! Deine "Erfahrungen" sind sicher nicht relevant!

Was nu? Ein Großteil ist einfach gestrickt ?

Was soll man sich darunter vorstellen?

Trifft dann das auch im Querschnitt auf unser Forum zu @Gert ?


@Gert Du willst dich doch nicht vor einer Antwort drücken? Oder hast du das nur "überlesen"?


vs1400 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#1633

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.11.2015 01:24
von HG19801 | 1.613 Beiträge

Oh, oooh, oooooh …

Hier geht ja ganz schön die Post ab. Hier wird ja nach den Motto "Auge um Auge, Zahn um Zahn" gegeneinander aufgerechnet wer nun Recht hat oder nicht.
Leute, Leute, Leute. Es bringt rein gar nichts, sich in Kleinkriegerei zu ergehen, um das bessere letzte Wort zu haben.
Ich bin gewiss ein proletarisch-links denkender Mensch und habe mir gewünscht, dass beim Prozess des Beitritts der DDR zum Hoheitsgebiet der BRD vieles anders, eben besser hätte laufen müssen.
Doch die Historie ist nun mal anders verlaufen und es ist meiner Meinung nach allerhöchste Eisenbahn das zu akzeptieren und nicht ewig im Hätte-Wäre-Wenn zu verweilen und schon gar nicht immer nur zu jammern.
Natürlich ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Doch in der jetzigen Gegenwart ist es an uns selbst, es besser zu machen. Dabei ist es doch völlig normal, dass wir uns – ob wir nun Fans der Partei DIE LINKE oder glühende Anhänger der bajuwarischen CSU sind – streiten.
Jedoch sollten wir Ossis nicht verbissen am Gestern festhalten, das bringt uns nicht weiter.
Das heißt doch nicht, dass wir in unserem Denken und Wollen Jegliches über Bord werfen müssen, was rein nüchtern betrachtet sehr gut war.
Ich denke da zum Beispiel an das übersichtliche und gute Schul- und Ausbildungssystem oder an die rein vom medizinischen Aspekt her dem Patienten zugute kommenden Polikliniken.
… und an einer positiven Ostalgie mit Karat, Frank Schöbel, Herbert Roth, dem "Kessel Buntes", "Mach's mit-mach's nach-mach's besser" mit Adi, Helga Hahnemann und der Feierfreudigkeit samt Rotkäppchen-Sekt plus nachgebasteltem Westlikörchen in der Schrebergartennische soll es doch nicht wirklich liegen, das tut doch keinem weh.
Ich will ehrlich sein: Ich weiß, was in der DDR Kacke war und ich weiß, was im sogenannten Westen Mist ist. Dennoch will ich die DDR, so wie sie bis in die allerletzte Konsequenz real existiert hat, nie mehr zurück haben.
Neee! Ich habe trotz aller Kritikwürdigkeit im heutigen Deutschland so viel Schönes, so viele wahrgewordene Träume erlebt. Ich will das alles auf keinen Fall wieder hergeben, was mein Leben so immens bereichert hat und mich weiterhin aufbaut – ich sage nur: Rockkonzerte.
Sorry, aber es seien mir in diesem Zusammenhang auch ein paar Worte bezüglich meiner inzwischen 78-jährigen Mutter gegönnt. Sie war einst als ganz junge Frau guten Glaubens in die SED eingetreten, weil nach dem Zweiten Weltkrieg alles besser werden sollte und sie niemals wieder Hunger leiden wollte. Sie hat sich jahrzehntelang jeden Werktag bis über die Ellenbogen in Schmieröl hantierend und noch nach Feierabend nach Diesel "duftend" mit ewigen Trauerrändern unter ihren Fingernägeln im guten Glauben an die gute Sache abgerackert, um dann längst überfällig zu Beginn der Siebzigerjahre einen Urlaubsplatz für unsere Familie im "Neptun"-Hotel in Rostock zugesprochen zu bekommen.
Wir Landeier mit Plumpsklo auf dem Misthaufen zu Hause waren hin und her gerissen.
Trotzdem gab meine Mutter, die sich zusammen mit meinem Vater auch im Rahmen der FDGB-Glückseligkeit fürderhin bescheiden mit Urlaubsplätzen in unbedeutenden Kaffs zufrieden gab, etliche Zeit vor der Wende ihr SED-Parteibuch zurück.
Befördert wurde sie in ihrem bestimmt nicht leicht gefallenen Gang auch dadurch, weil meine Eltern beim Bereisen der DDR an so manchem oberschicken und gut abgeschotteten Feriendomizil gewisser Kräfte vorbeikamen.
Heute karrt meine Frau Mama unbeschwert in der Weltgeschichte herum, hat mittlerweile 17 Länder Europas besucht und das einstige "Neptun" besucht sie nach Belieben mal so nebenbei.
Mir als Sohn geht hinsichtlich der unbeschwerten Reiseaktivitäten meiner Mutter unablässig das Herz auf und zu meiner Schande muss ich eingestehen, dass ich nie weiß, wo sie sich gerade "herumtreibt".
Das ist schon manchmal komisch, wenn sie mir was von Budapest, Klagenfurt, Saint Tropez, Monaco, 'ner Fiakerfahrt in Wien, dem Rhein in Flammen oder auch "nur" einem Zwischendurch-Trip nach Kleinkleckersdorf verklickert, ohne dass ich eigentlich mitkriege was wann wo mit meiner Mutter eigentlich Phase ist.
Ich kann es drehen und wenden wie ich will, zu DDR-Zeiten hätte sich meine Mutter das alles und das, was sie sich schon wieder an Reiseplänen vorgenommen hat, nie erfüllen können.
Nein, eine DDR, so wie sie stattgefunden hat, kann ich mir beim besten Willen nicht wirklich zurückwünschen.


"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." – Albert Einstein


Hanum83, exgakl, Lutze, Udo, DoreHolm, GKUS64, Gert, 1941ziger, Klauspeter und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#1634

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.11.2015 08:55
von Potsdamerin (gelöscht)
avatar

Zitat von turtle im Beitrag #1602
... Mich stört absolut nicht wenn jemand der DDR nachtrauert, es gab zu viele Verlierer. Und Zusammengewachsen ist auch nichts. Es wurde Zusammen geschmissen. Verständlich musste man die Politische Situation ausnutzen. Doch Eines kann ich überhaupt nicht akzeptieren, sich die DDR wieder zu wünschen, und zwar genauso wie sie war. Das würde auch bedeuten die vielen Toten der Mauer und Innerdeutschen Grenze, viele Unrechtsurteile als in Ordnung zu finden. Potsdamerin fand bei meinen Zeilen etwas zynisch. Sich die DDR zurückzuwünschen und zwar genauso wie sie war übertrifft allen Zynismus.


Darf ich dich freundlicherweise mal an die Titel dieses Threads erinnern? "Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ? in Das Ende der DDR"
Sich etwas zurückzuwünschen, das nie existent war - nämlich eine andere DDR - entbehrt jeder Logik.

Man muss in jedem Staat irgend welche Kopromisse eingehen. Und einen Kompromis mit der Grenze in der DDR einzugehen, fällt mir leichter als den Kompromis mit dieser schreienden Ungerechtigkeit hier, wohin man nur schaut. Ich hatte keine Probleme mit der Mauer. Ich bin aber auch nicht auf die Idee gekommen, da rüber klettern zu wollen.

Ich möchte die, die sich hier so aufplustern, gerne mal reden hören, wenn sie alles was sie besitzen durch Krankheit oder ein anderes Unglück verlieren und dann auch nur noch in Hemd und Schlüpper da stehen.

Als allein erziehende Mutter hatte ich es weder leicht in der DDR noch hier. Wobei ich zu DDR-Zeiten wenigstens noch Alimente für Kinder bekommen habe. Ich habe sowohl in der DDR gut verdient, wie auch hier. Allerdings musste ich meinen Verdienst in der BRD durch 3 teilen. Und so habe ich anfänglich für 20 DM über dem Sozialhilfesatz gearbeitet. Aber ich habe gearbeitet, und zwar richtig. Weil Arbeit für mich schon immer eine Befriedigung und Selbstbestätigung war. Um 4.00 Uhr aufstehen, weil die Kinder um 6.00 Uhr in Kindergarten und Krippe sein mussten. 17. Uhr wurden sie wieder abgeholt. Dann noch schnell einkaufen, Kinder in die Wanne, inzwischen Abendbrot gemacht, noch zusammen Sandmann geschaut und jedem Kind am Bettchen eine kleine Geschichte - meist selbst ausgedacht; das hatten sie am liebsten - erzählt. Dann Wäsche geschleudert von dem Waschgang, den ich morgens noch schnell in Gang gesetzt hatte, alles aufgehängt, das Geschirr abgewaschen, die Sachen für den nächsten Tag zurecht gelegt und gehofft, dass nicht doch noch was gebügelt werden muss. Ein Blick auf die Uhr - schon wieder 22.30, also schnell in die Wanne und ins Bett. Manchmal bin ich beim Geschichten erzählen bei den Kindern am Fußende selbst eingeschlafen und erst 22.00 aufgewacht, weil die Krümel im Bett tobten. Und manchmal bin ich morgens in der Staßenbah eingeschlafen und erst im Straßenbahndepot vom Schaffner geweckt worden. Schöne Sch..., weil ich dann zu spät zur Arbeit kam und dann lieber die Pausen durchgearbeitet habe, damit die Kollegen nicht schief gucken.

Hier in der BRD habe ich die Pausen auch durchgearbeitet. Nicht, weil ich zu spät kam, sondern weil ich wieder den halben Tag von einem Zimmer zu anderen gerannt bin, um den "lieben" Kolleginnen bei ihren PC-Problemen zu helfen. Und diesen Helfen wurde derart zu Selbstverständlichkeit, dass es bald nicht reichte, nur die Pausen durchzuarbeiten. Nein, ich habe auch unbezahlte Überstunden gemacht, um meine eigene Arbeit zu schaffen. Keine Ahnung, ob mein Chef das nicht gesehen hat oder nur nicht sehen wollte. Aber irgendwie hat alles so Überhand genommen. Ich wurde ständig vertretungsweise in andere Abteilungen geschickt, meine Schreibarbeit aus der Kanzlei wurde mir jedoch hinterher getragen. Und dann immer: "Ach, können sie in der Pause oder nach Dienstschluss nicht schnell zurück in die Kanzlei und schnell 1-2 Serienbriefe fertigen? Sie wissen doch. Die anderen Damen können das nicht." Wenn mein Kreislauf zusammen gebrochen ist, habe ich mich 5 Minuten auf den Boden gelegt, die Beine auf den Bürostuhl und gut is. Später kamen noch ganz andere Beschwerden hinzu. Und man mag es kaum glauben, ich vermisse die Arbeit so sehr, weil sie mir trotz allem Spaß gemacht hat. Und zuhause war ja auch nicht gerade alles tuttifrutti mit 2 pubertierenden Kindern. Die Große hatte gerade gefallen an der Hausbesetzer-Szene gefunden. Was habe ich sie manche Nacht lang im Dunkeln in den verlassenen Häusern mit all den finsteren Gestalten gesucht, immer in Angst, dass sie Alkohol oder gar Drogen nehmen könnte oder vielleicht irgendwo vergewaltigt in einer Ecke liegt. Dann hatte ich nur rasch geduscht, wenn ich morgens nach Hause kam und ab zur Arbeit. Bin auch oft entgegen ärztlichen Rat mit Angina und Antibiotika arbeiten gegangen. Schließlich konnten die alle keine Serienbriefe oder Excel-Tabellen. Und den Arbeitsplatz wollte ich auch nicht verlieren.
Über Arbeit braucht mir niemand was erzählen.

Mein neues Schlafzimmer hat 1985 übrigens nur 1400 Mark gekostet, mit großem Schwebetürenschrank und riesigen Spiegeln.
Ich wüsste auch nicht, was ich hätte tauschen sollen außer Briefmarken vielleicht. Kann sein, dass die Versorgung von Region zu Region unterschiedlich war. In Potsdam hatte ich jedenfalls keine Probleme, das zu bekommen, was ich brauchte. Mein Einkommen hat sogar gereicht, regelmäßig im Exquisit einkaufen zu gehen.
Mit den für mich wenigen und unwichtigen Nachteilen in der DDR konnte ich mich gut arangieren. Und diese Einstellung hatte ich auch schon 1989. Wie sollte ich zu diesem Zeitpunkt schon etwas vergessen haben?

Na, und zum Glück darf ich mir ja wünschen, was ich will ...

Nachtrag:
Als ich mit 21 meine Tochter zur Welt brachte, war ich mitten im Pädagogik-Teilstudium. Da ich sie nirgends unterbringen
konnte mit ihren 6 Wochen, nahm ich sie nach dem Wochenbett kurzerhand mit zum Studium. Links den Säugling auf dem
Arm, rechts den Stift für die Mitschriften in der Hand. Einfach war das nicht. Das Studium deshalb jedoch abzubrechen,
wäre für mich nie infrage gekommen. Vonwegen "einfach gestrickt" - die Jacke ziehe ich mir nicht an!


damals wars, bürger der ddr, Heckenhaus, Klauspeter, Damals87 und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 17.11.2015 11:48 | nach oben springen

#1635

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.11.2015 09:26
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Pitti53 im Beitrag #1632
Zitat von Pitti53 im Beitrag #1572
Zitat von Gert im Beitrag #1568
Zitat von Pitti53 im Beitrag #1566
Zitat von Gert im Beitrag #1564
Zitat von Alfred im Beitrag #1562
"Einfach gestrickte Leute".

Du bist doch primitiv.


na ja Alfred die waren doch auch für deinen Arbeitgeber gut, denn sie machten meistens keine Problem. Und die Bestätigung für meine Einschätzung kann man ja heute noch in so manchem Post hier lesen


Jetzt willst du aber uns nicht verklickern , dass ein Großteil der DDR Bevölkerung "einfach gestrickt" war?

DENN im Umkehrschluß hatte ja die Stasi mit den wenigsten Probleme


Pitti so wie es bei den Flüchtlingen keine Zahlennennung für die Obergrenze gibt, so kann ich das auch in diesem Fall nicht für die DDR Bevölkerung nennen. Ich habe Erfahrungen gesammelt, ich lese hier und ich schreibe etwas dazu. Mehr gibts nicht.


Damit ist meine Frage NICHT beantwortet! Deine "Erfahrungen" sind sicher nicht relevant!

Was nu? Ein Großteil ist einfach gestrickt ?

Was soll man sich darunter vorstellen?

Trifft dann das auch im Querschnitt auf unser Forum zu @Gert ?


@Gert Du willst dich doch nicht vor einer Antwort drücken? Oder hast du das nur "überlesen"?


wann ich wem antworte , entscheide immer noch ich. Da es hier nichts von mir zu beantworten gibt auf deine konstruierte Frage , wirst du auch nichts von mir hören, schon gar keine Zahlen. Lies noch mal meine Posts verstehend, dann wirst du die Frage sicher zurückziehen. Denn in den Post steht nichts von dem was du hier fragst.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
nach oben springen

#1636

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.11.2015 11:08
von Signalobermaat | 357 Beiträge

Ohjeh Gert, diesen Kommentar gebe ich dir einfach mal zurück,den hast du dir aber auch redlich verdient.
Ich mag vielleicht vom Jahrgang nicht mehr der Jüngste sein, aber meine körperliche und geistige Kondition ist noch besser aufgestellt, als die von manchen Jüngeren.
Meine berufliche Selbständigkeit in der Steuerberatung läßst eine geistige Durchänge schion gar nicht zu.
Habe übrigends im Oktober mein 20 jähriges Berufsjubiläum gehabt.
Du solltest mal nicht immer in deinen sich wiederholenden Klischees herumsabbern, sondern mal tiefgründig überlegen,wenn möglich, was der eine oder andere mit seinen Beiträgen zum Ausdruck bringen will.
Dann hättest du auch verstanden, daß ich nicht der alten DDR, so wie sie war nachhänge, sondern, daß man aus beiden Staaten, ein vielleicht besseres Deutschland hätte aufbauen können, indem die Schere weniger weit auseinander klafft und es eine Menge mehr zufriedener Leute gegeben hätte, als jetzt.
Die materielle Basis ist ja vorhanden.
Übrigends einen Staat, er alle glücklich und zufrieden macht, wird es wohl selbst in ferner Zeit nicht geben, es sei denn man gehört zu den Zeugen J.Ihr Himmelreich soll ja dem Paradies ähnlich sein.
Ich halte es da lieber mit H.Heine " wir wollen auf Erden schon das Himmelreich errichten.



DoreHolm, bürger der ddr, 1941ziger, Heckenhaus, passport, Klauspeter, Damals87 und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#1637

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.11.2015 11:22
von turtle | 6.961 Beiträge

Von : Potsdamerin ,Darf ich dich freundlicherweise mal an die Titel dieses Threads erinnern? "Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ? in Das Ende der DDR"
Sich etwas zurückzuwünschen, das nie existent war - nämlich eine andere DDR - entbehrt jeder Logik
.

Logik ? Welche Logik ? Sich etwas zurückwünschen ,was unmöglich ist ?

Genau das ist es ja Du wünschst Dir genau die DDR zurück wie sie war, mit allen Unrecht das begangen wurde. Was bedeuten würde alles dürfte noch einmal genauso geschehen. Sich die DDR zurück wünschen, genauso wie es war, wäre das doch völlig falsch. Ohne aus gemachten Fehlern zu lernen, würde sie doch dann genauso wieder scheitern.


DoreHolm und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 17.11.2015 11:23 | nach oben springen

#1638

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.11.2015 11:44
von bürger der ddr | 3.614 Beiträge

@turtle , ich finde ein Jeder hat doch das Recht seine Wünsche zu äußern. Hier geht es so oft um Begriffe wie Unrecht, Freiheit, Demokratie. Diese Begriffe sind so schwammig und für jeden anders und jeder muß mit sich und seinem Gewissen ausmachen was er sich wünscht.
Ich nehme z.B. manch Wunsch zur kenntnis und hinterfrage auch ob man sich darüber im klaren ist was man sich wünscht.

Für mich ist das Thema hier eine persönliche Bilanz der Vergangenheit, nur bei dem Gedanken "willst Du das wirklich wieder?" wird einem klar was doch für jeden persönlich gut und schlecht war. Die Würfel sind gefallen, und es ist reine Theorie (ob Wünsche oder Zeitmaschine), nur sollte man Wünsche auch mal akzeptieren können.
Ich habe hier schon mehrmals geschrieben, ich fühle mich zwischen den "Welten". Die Frage hätte auch lauten können, wünscht Du Dir einen Anschluß an die BRD zu diesen Bedingungen?
Dann von mir ein klares Nein.
Zu der Frage wünsche ich mir die DDR zurück?
Auch ein Nein.
Auf die Frage was hätte ich mir gewünscht?
Eine reformierte DDR oder ein gesamtes Deutschland, indem nicht die Konzerne die absolute Macht haben, indem nicht die Industrie als "Berater" getarnt ganze Gesetze entwirft, indem nicht der Sozialabbau ständig vorran geht, indem nicht durch eine heuchlerische indirekte Demokratie das Volk negiert wird.
Das wären meine Wünsche, nur sind auch diese Wünsche eine Illusion. Nur hier war die Frage nach "gut und schlecht / wer wünscht sie sich zurück".



Heckenhaus, Signalobermaat, vs1400 und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#1639

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.11.2015 12:13
von Potsdamerin (gelöscht)
avatar

Zitat von turtle im Beitrag #1637
Von : Potsdamerin ,Darf ich dich freundlicherweise mal an die Titel dieses Threads erinnern? "Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ? in Das Ende der DDR"
Sich etwas zurückzuwünschen, das nie existent war - nämlich eine andere DDR - entbehrt jeder Logik
.

Logik ? Welche Logik ? Sich etwas zurückwünschen ,was unmöglich ist ?

Genau das ist es ja Du wünschst Dir genau die DDR zurück wie sie war, mit allen Unrecht das begangen wurde. Was bedeuten würde alles dürfte noch einmal genauso geschehen. Sich die DDR zurück wünschen, genauso wie es war, wäre das doch völlig falsch. Ohne aus gemachten Fehlern zu lernen, würde sie doch dann genauso wieder scheitern.




Tja, dann frag doch mal den, der diesen Thread erstellt hat. Ich war's nicht.

Im Übrigen klingst du schon langsam verzweifelt.
Es geht hier doch nicht darum, jemanden von seiner Meinung abzubringen oder ihn von etwas anderem zu überzeugen.
Andere Meinungen zu akzeptieren, hat auch was mit Toleranz zu tun.

Ich gehe davon aus, dass sich auch die DDR weiter entwickelt hätte, wäre es nicht zum Mauerfall gekommen.
Honecker hatte doch eh schon Krebs. Und die anderen waren ebenfalls alt. Schon von daher wäre es bald zu einem
Regierungswechsel gekommen, und damit auch zu Reformen.

Mir ging es damals gut, dir heute. Ausgleichende Gerechtigkeit.

Und wenn ich im Thread-Titel gefragt werde: Wer wünscht "Sie" sich zurück? Antworte ich: "Ich."
Du kannst zwar alles essen, aber du musst nicht alles verstehen. Lass es einfach gut sein. Oder hab meinetwegen das letzte Wort. Ist mir egal. Ich geh jetzt Gassi mit meinem


Heckenhaus und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#1640

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.11.2015 12:25
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Potsdamerin im Beitrag #1634
[quote]
Darf ich dich freundlicherweise mal an die Titel dieses Threads erinnern? "Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ? in Das Ende der DDR"
Sich etwas zurückzuwünschen, das nie existent war - nämlich eine andere DDR - entbehrt jeder Logik.



Als allein erziehende Mutter hatte ich es weder leicht in der DDR noch hier. Wobei ich zu DDR-Zeiten wenigstens noch Alimente für Kinder bekommen habe. Ich habe sowohl in der DDR gut verdient, wie auch hier. Allerdings musste ich meinen Verdienst in der BRD durch 3 teilen. Und so habe ich anfänglich für 20 DM über dem Sozialhilfesatz gearbeitet. Aber ich habe gearbeitet, und zwar richtig. Weil Arbeit für mich schon immer eine Befriedigung und Selbstbestätigung war. Um 4.00 Uhr aufstehen, weil die Kinder um 6.00 Uhr in Kindergarten und Krippe sein mussten. 17. Uhr wurden sie wieder abgeholt. Dann noch schnell einkaufen, Kinder in die Wanne, inzwischen Abendbrot gemacht, noch zusammen Sandmann geschaut und jedem Kind am Bettchen eine kleine Geschichte - meist selbst ausgedacht; das hatten sie am liebsten - erzählt. Dann Wäsche geschleudert von dem Waschgang, den ich morgens noch schnell in Gang gesetzt hatte, alles aufgehängt, das Geschirr abgewaschen, die Sachen für den nächsten Tag zurecht gelegt und gehofft, dass nicht doch noch was gebügelt werden muss. Ein Blick auf die Uhr - schon wieder 22.30, also schnell in die Wanne und ins Bett. Manchmal bin ich beim Geschichten erzählen bei den Kindern am Fußende selbst eingeschlafen und erst 22.00 aufgewacht, weil die Krümel im Bett tobten. Und manchmal bin ich morgens in der Staßenbah eingeschlafen und erst im Straßenbahndepot vom Schaffner geweckt worden. Schöne Sch..., weil ich dann zu spät zur Arbeit kam und dann lieber die Pausen durchgearbeitet habe, damit die Kollegen nicht schief gucken.

Hier in der BRD habe ich die Pausen auch durchgearbeitet. Nicht, weil ich zu spät kam, sondern weil ich wieder den halben Tag von einem Zimmer zu anderen gerannt bin, um den "lieben" Kolleginnen bei ihren PC-Problemen zu helfen. Und diesen Helfen wurde derart zu Selbstverständlichkeit, dass es bald nicht reichte, nur die Pausen durchzuarbeiten. Nein, ich habe auch unbezahlte Überstunden gemacht, um meine eigene Arbeit zu schaffen. Keine Ahnung, ob mein Chef das nicht gesehen hat oder nur nicht sehen wollte. Aber irgendwie hat alles so Überhand genommen. Ich wurde ständig vertretungsweise in andere Abteilungen geschickt, meine Schreibarbeit aus der Kanzlei wurde mir jedoch hinterher getragen. Und dann immer: "Ach, können sie in der Pause oder nach Dienstschluss nicht schnell zurück in die Kanzlei und schnell 1-2 Serienbriefe fertigen? Sie wissen doch. Die anderen Damen können das nicht." Wenn mein Kreislauf zusammen gebrochen ist, habe ich mich 5 Minuten auf den Boden gelegt, die Beine auf den Bürostuhl und gut is. Später kamen noch ganz andere Beschwerden hinzu. Und man mag es kaum glauben, ich vermisse die Arbeit so sehr, weil sie mir trotz allem Spaß gemacht hat. Und zuhause war ja auch nicht gerade alles tuttifrutti mit 2 pubertierenden Kindern. Die Große hatte gerade gefallen an der Hausbesetzer-Szene gefunden. Was habe ich sie manche Nacht lang im Dunkeln in den verlassenen Häusern mit all den finsteren Gestalten gesucht, immer in Angst, dass sie Alkohol oder gar Drogen nehmen könnte oder vielleicht irgendwo vergewaltigt in einer Ecke liegt. Dann hatte ich nur rasch geduscht, wenn ich morgens nach Hause kam und ab zur Arbeit. Bin auch oft entgegen ärztlichen Rat mit Angina und Antibiotika arbeiten gegangen. Schließlich konnten die alle keine Serienbriefe oder Excel-Tabellen. Und den Arbeitsplatz wollte ich auch nicht verlieren.
Über Arbeit braucht mir niemand was erzählen.

Mein neues Schlafzimmer hat 1985 übrigens nur 1400 Mark gekostet, mit großem Schwebetürenschrank und riesigen Spiegeln.
Ich wüsste auch nicht, was ich hätte tauschen sollen außer Briefmarken vielleicht. Kann sein, dass die Versorgung von Region zu Region unterschiedlich war. In Potsdam hatte ich jedenfalls keine Probleme, das zu bekommen, was ich brauchte. Mein Einkommen hat sogar gereicht, regelmäßig im Exquisit einkaufen zu gehen.
Mit den für mich wenigen und unwichtigen Nachteilen in der DDR konnte ich mich gut arangieren. Und diese Einstellung hatte ich auch schon 1989. Wie sollte ich zu diesem Zeitpunkt schon etwas vergessen haben?

Na, und zum Glück darf ich mir ja wünschen, was ich will ...

Nachtrag:
Als ich mit 21 meine Tochter zur Welt brachte, war ich mitten im Pädagogik-Teilstudium. Da ich sie nirgends unterbringen
konnte mit ihren 6 Wochen, nahm ich sie nach dem Wochenbett kurzerhand mit zum Studium. Links den Säugling auf dem
Arm, rechts den Stift für die Mitschriften in der Hand. Einfach war das nicht. Das Studium deshalb jedoch abzubrechen,
wäre für mich nie infrage gekommen. Vonwegen "einfach gestrickt" - die Jacke ziehe ich mir nicht an!


rot mark. und was hat das im Besonderen mit DDR zu tun ? Hier liefen und laufen auch Tausende alleinerziehende Mütter und Väter herum, die dieses Schicksal selbst gewählt haben, jedenfalls die meisten. So etwas beeindruckt mich gar nicht. Ich habe auch Kinder und es war eine Selbstverständlichkeit sie zu versorgen, das hänge ich aber nicht an die große Glocke.
Noch ein Wort zu dem Kindesunterhalt : Zufällig hat eine meiner Schwestern in der DDR Unterhalt für ihr Kind bezogen. Läppisch 50 Ostmark waren das , das reichte auch nicht in der DDR um ein Kind zu versorgen. Rentenpunkte aus der Ehe hat sie auch nicht gut geschrieben bekommen in deinem Arbeiterparadies. Für Männer die sich davon machten war es ein Paradies. Die heutigen Bedingungen brauche ich dir als Gegenpol nicht zu beschreiben, sie sind für Frauen mit Kindern excellent: so geht Sozialstaat


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
Pit 59 und linamax haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen


Ähnliche Themen Antworten/Neu Letzter Beitrag⁄Zugriffe
schlechte Aussichten
Erstellt im Forum Themen vom Tage von Hans55
17 17.05.2016 10:44goto
von sentry • Zugriffe: 740
Warum wird die DDR in den heutigen Medien so schlecht dargestellt?
Erstellt im Forum Leben in der DDR von unbalancetistischen
1 11.11.2015 19:55goto
von Pitti53 • Zugriffe: 749
Putin verteidigt Hitler-Stalin Pakt als keine schlechte Idee!
Erstellt im Forum Themen vom Tage von Galaxy
166 06.12.2015 17:55goto
von StabsfeldKoenig • Zugriffe: 5924
"Nicht alles war schlecht", ZDF-History
Erstellt im Forum Presse Artikel Grenze von Heckenhaus
74 06.02.2014 21:39goto
von ratata • Zugriffe: 3696
"Es war doch nicht alles schlecht"
Erstellt im Forum DDR Zeiten von turtle
56 29.10.2012 18:44goto
von Ecki • Zugriffe: 6165
War doch nicht alles schlecht - Streitfall DDR
Erstellt im Forum Leben in der DDR von Berliner
11 20.01.2010 19:18goto
von Berliner • Zugriffe: 1221
Euere guten und schlechten Kindheitserlebnisse
Erstellt im Forum Leben in der DDR von josy95
33 28.05.2013 19:52goto
von bendix • Zugriffe: 2836

Besucher
24 Mitglieder und 58 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Erinnerung
Besucherzähler
Heute waren 2526 Gäste und 134 Mitglieder, gestern 3611 Gäste und 206 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14367 Themen und 557815 Beiträge.

Heute waren 134 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen