#1221

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.10.2015 11:35
von Heckenhaus | 5.120 Beiträge

Obligatorisch würde ich eine Mitgliedschaft bei den Pionieren nicht betrachten, ich bin erst mit 10 Jahren beigetreten,
auf eigenen Wunsch. Man wollte dazugehören, im Schulchor, in der AG Forstwirtschaft und auch bei Ferienlagern.
Diese AG waren, so meine ich, nicht verkehrt, wir waren mehrmals beim Förster, lernten über die Pflanzen, Tiere, über alles,
was mit dem Wald zu tun hat.
Ich habe z.B. mit 10 Jahren im Schwimmlager in Stolzenhagen schwimmen gelernt und den Fahrtenschwimmer abgelegt.
Alles ohne übertriebene politische Machenschaften.
Bezeichnender Weise besaß ich nie Pionierkleidung, ebensowenig wie später ein FDJ-Hemd. Die ganze Mitlauferei war
pro forma, nicht mehr. Und es hat nicht geschadet. Man konnte die Jahre damals ganz gut überstehen, ohne besondere Aktivitäten
zu entfalten, Teilnahmen an Veranstaltungen/Aufmärschen dienten meist dazu, mehr Zeit mit Kumpels oder Freundin zu verbringen.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
vk1 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#1222

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.10.2015 11:36
von HG19801 | 1.613 Beiträge

Oooh, oooooh; das ist ja hier ein mächtiges Diskutieren hinsichtlich der Schule in der DDR.
Also ich bin Jahrgang 1959, wurde 1965 eingeschult, schloss 1975 die zehnte Klasse ab und absolvierte anschließend eine kombinierte Berufsausbildung mit Abitur (kein Hilfs-Abi, sondern uneingeschränkte Hochschulreife).
Im Folgenden möchte ich mich jedoch nur auf die obligatorische Polytechnische Oberschule beziehen.
Aus eigenem Erleben kann ich sagen: Ja, der Unterricht in der Deutschen Demokratischen Republik war sehr politisch-sozialistisch systemorientiert. Leider manifestierte sich das nicht allein im Staatsbürgerkundeunterricht und parallelen Wissensvermittlungen, sondern auch anderweitig.
Das Fach Geschichte (ab 5. Klasse) z.B. war spätestens ab der 7. Klasse weit vom zuerst interessanten archäologisch-historischen Aspekt abgedriftet und nervte zusehends mit Begriffen wie "Entwicklung der Produktivkräfte", "Produktionsverhältnisse", "Grundwiderspruch des Kapitalismus" usw. aus sogenannter marxistisch-leninistischer Sicht-und Denkweise.
Selbst der Literaturunterricht innerhalb des Faches Deutsch war so orientiert, das man hätte glauben mögen, dass ein Johann Wolfgang von Goethe sich in der Gegenwart für das bessere, eben das sozialistische Deutschland entschieden hätte.
So waren nun mal die Lehrpläne und dennoch bekamen wir vom Großteil unserer Lehrer ein Wissen vermittelt, von dem ich glaube, dass es heutzutage daran mangelt.
Wir wurden als 15/16-jährige an Goethes "Faust", an Werke von Schiller, Heine u.a.m. intensiv herangeführt und im Nachhinein hat es uns nicht geschadet; ich zumindest habe diese Unterrichtsstunden geliebt.
Was die naturwissenschaftlichen Sparten Mathematik, Chemie, Physik, Biologie und letztlich Astronomie angeht, so möchte ich sagen, dass wir in der ach so gescholtenen Ostzone abseits vom politischen Rummel ein sehr tiefgründiges als auch reichhaltiges Wissen in einem Alter vermittelt bekamen, in dem heutige Gleichalterige ohne Handy noch nicht mal den Weg über die Straße geschweige denn zum nächsten Kackulatorium/Pinkulatorium finden würden (Achtung Ironie!!!).
Ich bin leidenschaftlich gern zur Schule gegangen, es war für mich in meinem jungen Leben einfach das Größte, mich frühmorgens dorthin aufzumachen, auch wenn mich zehn Unterrichtsstunden erwarteten.
Nun gut, ich drückte auf dem Lande die Schulbank, wo viele Lehrkräfte gleichzeitig Nachbarn, Bekannte und Freunde der Familien waren. Da kam das "Rotlicht" nicht so vehement durch, wusste man doch, dass der Lehrkörper mehrheitlich auch gerne "Rauchende Colts", den "Blauen Bock" und die "Sportschau" mit der geliebten Bundesliga oder gar den "Beat Club" schaute.
Natürlich war die Wissensvermittlung in der DDR lobhudelnd systemgebunden, doch eingedenk der Realitäten auf der anderen Seite lernte man auch zwischen den Zeilen zu lesen und zwischen den Worten zu hören.
Das Schulsystem in der DDR war bei weitem nicht so mies, wie es heute von manchem geredet wird, der es als freiheitlich-pluralistisch auffasst, wenn seine Ableger mit ihm über alles und jedes hinterfragend streiten – und sei es nur, ob 3 x 3 nun 9 oder 9,0 oder noch besser 9,00 ergibt.


"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." – Albert Einstein


vk1, Signalobermaat, Klauspeter und Heckenhaus haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#1223

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.10.2015 12:41
von Klauspeter | 986 Beiträge

@HG19801
Deinen Beitrag habe ich mit Interesse gelesen.

Du bist zu recht stolz auf Deine Berufsausbildung Abitur. Ein vollwertiges Abi, das zum DDR-Schulsystem gehörte und m.E. eine echte Errungenschaft des DDR-Schulsystems war.

Bei all den Problemen mit der soz. Erziehung lobst Du die Heranführung an Goethes "Faust" , an Schiller und Heine sowie den guten naturwissenschaftlichen Unterricht an Deiner Schule.

Wenn ich bedenke, dass es eine Landschule war, dann kann man nur den Hut ziehen vor diesen Lehrern. Es spricht auch für das Bildungssystem der DDR, das auch an den Landschulen ein solches Bildungsniveau sicherte.

Stimmt - das Schulsystem in der DDR war bei weitem nicht so mies, wie es heute von manchem geredet wird. Aber egal - die DDR gibt es nicht mehr und ihr Schulsystem auch nicht.

Es wäre aber durchaus gut gewesen, wenn das vereinte Deutschland einiges vom DDR-Schulsystem übernommen hätte; , nicht die sozialistische Erziehung, sondern vieles andere, was gut war.
Ob es auch hier im Forum DDR-Gegner gibt, die zumindest diesem meinem letzten Satz zustimmen?

Klaus


Jawa 350, vk1, IM Kressin, Signalobermaat und Arnstädter haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 17.10.2015 12:43 | nach oben springen

#1224

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.10.2015 13:04
von damals wars | 12.113 Beiträge

In den Schulen der DDR wurde ein Grundwissen vermittelt, das heute fehlt.
Ich bin oftmals entsetzt wie wenig die jungen Leute heute davon besitzen.
Und das wird nicht besser.

http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderb...-a-1056286.html
Zitat "Führte Honecker die D-Mark ein? Hat der Bundespräsident wirklich eine präservative Funktion? Geschichtsunterricht ist manchmal hart - vor allem für die Lehrer. Lesen Sie hier eine neue Auswahl unfreiwillig komischer Schülerantworten"


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
nach oben springen

#1225

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.10.2015 13:13
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Ich halte das DDR-Schulsystem für nicht besonders gut. Inhalte nach Parteilinie (ESP, vormilitärische Erziehung), Diskriminierung von anderen Ansichten (z.B. christlichen). Viel zu wenig Abi-Plätze, und die dann noch einseitig oft an Söhne und Töchter von Genossen vergeben. Und ich habe noch keinen Ostler getroffen, der mit seinen mehrjährigen DDR-Schulrussischkenntnissen richtig fließend reden konnte. Nichtmal von der Spezialschule. Von Englisch ganz zu schweigen. Noten dafür aber gerne oft "1".
Fazit: Margot hat auch nur mit Wasser gekocht.


zuletzt bearbeitet 17.10.2015 13:15 | nach oben springen

#1226

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.10.2015 13:44
von 1941ziger | 987 Beiträge

Zitat von G.Michael im Beitrag #1195
@Moskwitschka, ein Einspruch.
Eventuell auch nur ein Punkt. Rentner stiefmütterlich behandelt? Rentnern wurden zinslose Kredite eingeräumt, so hat mir meine Schiegermutter den ersten
neuen Fernseher finanziert. Heisst sie hat den Kredit aufgenommen und ich hab die Raten bezahlt.
Micha



Wenn soll das gewesen sein und wo?...........in Sachsen sicher nicht!


Die veröffentlichte Meinung ist nicht die Öffentliche.
nach oben springen

#1227

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.10.2015 18:20
von Klauspeter | 986 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #1225
I
[...] Viel zu wenig Abi-Plätze, und die dann noch einseitig oft an Söhne und Töchter von Genossen vergeben. Und ich habe noch keinen Ostler getroffen, der mit seinen mehrjährigen DDR-Schulrussischkenntnissen richtig fließend reden konnte[...

Ich will ja nicht ständig auf diesem Thema rumhacken. Es reizt mich aber doch.
Also Frau Merkel konnte in der DDR studieren, sogar ein sehr begehrtes Studienfach. Da ihre Eltern keine Genossen waren, hat sie den Studienplatz sicher aufgrund sehr guter schulischer Leistungen bekommen.
Ihre Russischkenntnisse sollen übrigens sehr gut sein.

Klaus


Fritze, IM Kressin und Signalobermaat haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#1228

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.10.2015 18:43
von Hanum83 | 4.686 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #1224
In den Schulen der DDR wurde ein Grundwissen vermittelt, das heute fehlt.
Ich bin oftmals entsetzt wie wenig die jungen Leute heute davon besitzen.
Und das wird nicht besser.

http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderb...-a-1056286.html
Zitat "Führte Honecker die D-Mark ein? Hat der Bundespräsident wirklich eine präservative Funktion? Geschichtsunterricht ist manchmal hart - vor allem für die Lehrer. Lesen Sie hier eine neue Auswahl unfreiwillig komischer Schülerantworten"


Wer sich selbst dem Lernen nicht verwehrt kann auch im heutigem Schulsystem umfangreiches Wissen erwerben.
Mein Sohn ging durch das neue Schulsystem und hat den Doktortitel, er ist auch kein Fachidiot sondern ein allseitig gebildeter Mensch.
Auch in der DDR gab es sehr viele die waren ganz einfach dumm wie die Sünde, kommt halt darauf an wie weit man selbst kommen möchte.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
Moskwitschka hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 17.10.2015 18:45 | nach oben springen

#1229

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.10.2015 18:53
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von 1941ziger im Beitrag #1226
Zitat von G.Michael im Beitrag #1195
@Moskwitschka, ein Einspruch.
Eventuell auch nur ein Punkt. Rentner stiefmütterlich behandelt? Rentnern wurden zinslose Kredite eingeräumt, so hat mir meine Schiegermutter den ersten
neuen Fernseher finanziert. Heisst sie hat den Kredit aufgenommen und ich hab die Raten bezahlt.
Micha



Wenn soll das gewesen sein und wo?...........in Sachsen sicher nicht!


Du hast ja Recht, nicht in Sachsen. 1986 im Bezirk Leipzig
Micha


nach oben springen

#1230

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.10.2015 19:15
von Dandelion (gelöscht)
avatar

Zitat von HG19801 im Beitrag #1222
Wir wurden als 15/16-jährige an Goethes "Faust", an Werke von Schiller, Heine u.a.m. intensiv herangeführt und im Nachhinein hat es uns nicht geschadet; ich zumindest habe diese Unterrichtsstunden geliebt.

Durch einen extrem langweiligen Unterreicht wurde mir die Freude an den Klassikern gründlich vergällt: Erst jenseits der 30 habe ich mich wieder mit ihnen beschäftigt und z.B. gestaunt, wie viele Zitate aus dem "Faust" ich doch kannte - ohne zu ahnen, woher die stammten.

Die Frage, ob das nun systembedingt oder durch die Unfähigkeit meiner Lehrer verursacht war, wird sich wohl nicht mehr beantworten lassen. Vielleicht war es auch eine Mischung, ich weiß es einfach nicht.


Klauspeter und damals wars haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#1231

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.10.2015 19:32
von Signalobermaat | 356 Beiträge

Meine Meinung, wer nicht in der DDR zur Schule gegangen ist und somit das DDR Bildungssystem nur aus der Bildzeitung kennt, sollte sich bei diesem Thema raushalten.
Frau Merkel spricht so perfekt russisch,daß sie sich mit Putin in seiner Muttersprache unterhalten kann.Andersherum natürlich auch.
Egal welche Sprache, wenn man sie nicht immer wieder anwendet, wird sie auch nicht perfekt, sondern es bleibt bei yes ein paar Brocken



Heckenhaus, Fritze, IM Kressin und Klauspeter haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#1232

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.10.2015 19:47
von Moskwitschka | 2.527 Beiträge

Zitat von Signalobermaat im Beitrag #1231
Meine Meinung, wer nicht in der DDR zur Schule gegangen ist und somit das DDR Bildungssystem nur aus der Bildzeitung kennt, sollte sich bei diesem Thema raushalten.



Das ist ne klare Ansage. Nur nicht am Lack kratzen. Und bei welchen Themen noch?

LG von der Moskwitschka


Fatal ist mir das Lumpenpack,
das, um die Herzen zu rühren,
den Patriotismus trägt zur Schau,
mit allen seinen Geschwüren.

Heinrich Heine

nach oben springen

#1233

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.10.2015 20:00
von Freienhagener | 3.856 Beiträge

Das "somit" ist Quatsch. Als ob es keine weiteren Quellen gäbe.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
nach oben springen

#1234

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.10.2015 20:05
von Klauspeter | 986 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #1233
Das "somit" ist Quatsch. Als ob es keine weiteren Quellen gäbe.


Es ging m.E. um Menschen, die das DDR-Bildungssystem nur aus der BILD kennen.

Klaus


nach oben springen

#1235

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.10.2015 20:14
von IM Kressin | 913 Beiträge

Wie der Zufall es will, Frau Wagenknecht bezeiht breit gefächert Stellung in der heutigen Ausgabe des Hamburger Abendblatt, die Antworten daher komprimiert in einer Kurzzusammenfassung.

Frau Wagenknecht, Sie haben die DDR als das als friedfertigste und menschenfreundlichste Gemeinwesen bezeichnet. Sind Sie Kommunistin geblieben?

„Nein, jedenfalls nicht in dem Verständnis, dass ein Kommunist jemand ist, der sich die DDR oder DAS MODELL einer zentralistischen PLANWIRTSCHAFT zurückwünscht.
Das waren Äußerungen einer Zwanzigjährigen voller Trotz und Frust. Persönlich habe ich vom Ende der DDR profiziert. Ich konnte so endlich studieren, was mir – im Unterschied etwa zu Frau Merkel – in der DDR verwehrt war. Damals habe ich mich für einen reformierten Sozialismus eingesetzt. Deshalb wollte ich nicht des Anschluss der DDR an die Bundesrepublik."

Erkennen Sie an, dass die DDR ein Unrechtsstaat war?

„Die DDR war ein Staat, in dem es viel Unrecht gab. Andersdenkende wurden ausgegrenzt und erlebten Repressionen. Der Begriff „Unrechtsstaat“ ist historisch aus der Bewertung des deutschen Nationalsozialismus entstanden. Mit diesen beispiellosen Verbrechen kann und darf man die DDR nicht auf eine Stufe stellen.“

Kanzlerin Merkel hat junge Leute dazu aufgerufen, sich mehr mit der DDR-Geschichte zu beschäftigen – und Gedenkorte wie das ehemalige Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen zu besuchen. Schließen Sie sich dem Appell an?

„Man sollte sich mit der ganzen deutschen Geschichte beschäftigen und sie kennen. Das gilt für die DDR wie die Bundesrepublik und es gilt vor allem auch für die Barberei der Nazis.

Der Beantwortung der beiden letzten Fragen stimme ich inhaltlich vollumfänglich zu, auch wenn ich nicht zur Partei „Die Linke“ tendiere.
Ich habe im gleichen Sinne bereits Stellung bezogen und teile diese Ansicht.

Es grüßt Euch

Kressin



Edit: Groß- und Kleinschreibung


"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner! Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”

Wo ein Genosse ist, ist die Partei - wo zwei Genossen sind, ist ein Intershop!
Klauspeter, vk1 und Fritze haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 17.10.2015 20:24 | nach oben springen

#1236

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 17.10.2015 23:56
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Signalobermaat im Beitrag #1231
Meine Meinung, wer nicht in der DDR zur Schule gegangen ist und somit das DDR Bildungssystem nur aus der Bildzeitung kennt, sollte sich bei diesem Thema raushalten.
Frau Merkel spricht so perfekt russisch,daß sie sich mit Putin in seiner Muttersprache unterhalten kann.Andersherum natürlich auch.
Egal welche Sprache, wenn man sie nicht immer wieder anwendet, wird sie auch nicht perfekt, sondern es bleibt bei yes ein paar Brocken

das mag ja im Prinzip richtig sein. Diese Maxime sollte dann aber auch umgekehrt angewendet werden. Ich lese nur immer aus dem "Wissen" der Genossen in diesem Forum, dass das westdeutsche Bildungssystem " Schei... " war. Wie aber, werter Herr Obermaat, habe diese Herren und auch du im Forum ihr Wissen um den Wissensstand im westdeutschen Bildungssytem erworben ? Doch nicht etwa aus der Bildzeitung ?
Ich persönlich kann mein Wissen von heute nur aus 2.Hand bekommen, weil meine Ehefrau zufällig in diesem "schlechten" Schulsystem jahrzehnte Kinder ausgebildet hat und ich selbst ja noch auf DDR Schulen ging. Ich habe eine Schulerfahrung in der Bundesrepublik auf einer kaufmännischen Berufsschule, Die war gut und ich bekam auch gute Noten dort.
Der Erfolg des Lehrers ist stark abhängig von der Herkunft der Kinder. Krass ausgedrückt, hat sie in einer Schule, die nur von betuchten Eltern, also mittleres Bürgertum, Kinder unterrichtet wo ein großes Interesse der Eltern dahinter stand. Die sind dann fast alle auch auf weiterbildende Schulen gegangen. Später war sie auch in einem Umfeld wo nur Ausländerkinder und Kinder aus sozial schwachen Schichten kamen. Da war es sehr schwer den Kindern eine ordentliche Ausbildung zu vermitteln. Das Elternhaus interessierte sich oft gar nicht oder nur mäßig für die Erfolge ihrer Sprösslinge. So werden Weichen gestellt in der Bildung, nicht durch die bösen Kapitalisten oder ähnlichem ideologischen Schrott, der hier oft vorgetragen wird. Man sollte eben nur über Dinge diskutieren, von denen man Sachverstand hat.

edit Buchstabe ergänzt


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 18.10.2015 00:08 | nach oben springen

#1237

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 18.10.2015 00:05
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von IM Kressin im Beitrag #1235
Wie der Zufall es will, Frau Wagenknecht bezeiht breit gefächert Stellung in der heutigen Ausgabe des Hamburger Abendblatt, die Antworten daher komprimiert in einer Kurzzusammenfassung.

Frau Wagenknecht, Sie haben die DDR als das als friedfertigste und menschenfreundlichste Gemeinwesen bezeichnet. Sind Sie Kommunistin geblieben?

„Nein, jedenfalls nicht in dem Verständnis, dass ein Kommunist jemand ist, der sich die DDR oder DAS MODELL einer zentralistischen PLANWIRTSCHAFT zurückwünscht.
Das waren Äußerungen einer Zwanzigjährigen voller Trotz und Frust. Persönlich habe ich vom Ende der DDR profiziert. Ich konnte so endlich studieren, was mir – im Unterschied etwa zu Frau Merkel – in der DDR verwehrt war. Damals habe ich mich für einen reformierten Sozialismus eingesetzt. Deshalb wollte ich nicht des Anschluss der DDR an die Bundesrepublik."

Erkennen Sie an, dass die DDR ein Unrechtsstaat war?

„Die DDR war ein Staat, in dem es viel Unrecht gab. Andersdenkende wurden ausgegrenzt und erlebten Repressionen. Der Begriff „Unrechtsstaat“ ist historisch aus der Bewertung des deutschen Nationalsozialismus entstanden. Mit diesen beispiellosen Verbrechen kann und darf man die DDR nicht auf eine Stufe stellen.“

Kanzlerin Merkel hat junge Leute dazu aufgerufen, sich mehr mit der DDR-Geschichte zu beschäftigen – und Gedenkorte wie das ehemalige Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen zu besuchen. Schließen Sie sich dem Appell an?

„Man sollte sich mit der ganzen deutschen Geschichte beschäftigen und sie kennen. Das gilt für die DDR wie die Bundesrepublik und es gilt vor allem auch für die Barberei der Nazis.

Der Beantwortung der beiden letzten Fragen stimme ich inhaltlich vollumfänglich zu, auch wenn ich nicht zur Partei „Die Linke“ tendiere.
Ich habe im gleichen Sinne bereits Stellung bezogen und teile diese Ansicht.

Es grüßt Euch


Kressin



Edit: Groß- und Kleinschreibung

das rot markierte würde ich besonderns hervorheben. Es deckt sich mit meiner Lebenserfahrung in diesem Staatsgebilde. Eine besondere Folge solcher Erfahrung ist die permanente Ohnmacht, die man verspürt. Die Staatsorgane, wie sie sich nannten, waren wirklich über Jahrzehnte mit Allmacht ausgestattet und wenn du nicht mit diesen Wölfen heulen wolltest, erlebtest du das Gegenteil von Allmacht, nämlich die erwähnte Ohnmacht.Es gab nicht die Spur einer Chance sich zu wehren. Ich glaube, wenn man gesagt hätte, ich verklage den Staat DDR hättest du entweder ein Riesengelächter bei der Justiz hervorgerufen oder wenn sie wieder mal ganz böse geworden wären, ein Verfahren wegen Staatsverleumdung an der Backe.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
Gesamtdeutscher Kamerad hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#1238

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 18.10.2015 01:01
von Moskwitschka | 2.527 Beiträge

Ich lass an der Stelle einfach mal Eberhard Aurich zum Bildungssystem in der DDR zu Wort kommen. Eberhard Aurich? Eberhard Aurich war der letzte Erste Sekretär des Zentralrates der FDJ in der DDR. https://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_Aurich

Ideale, Illusionen und Wirklichkeit

Einige persönliche Überlegungen zu Bildung und Erziehung in der DDR im Widerspruch zu Margot Honeckers Gespräch zur Volksbildung in einem Buch des Verlags Das Neue Berlin


http://www.eaurich.de/Dokumente/Margot_buch.pdf

Auszug aus den Vorbemerkungen, die vielleicht auf die folgenden 36 Seiten neugierig machen:

"Nach vielen Jahren des Schweigens hat sich Margot Honecker einem Gespräch mit Frank Schumann über die Volksbildung in der DDR gestellt.

Der Leser könnte eigentlich erwarten, dass 22 Jahre genug sein müssten, um erkenntnisreich darüber nachzudenken, warum der Sozialismus in der DDR und sein Bildungssystem in kürzester Zeit in sich zusammenfielen und so zur leichten Beute der westdeutschen Gesellschaft wurde. Darauf gibt sie aber leider aus ihrer Sicht keine Antwort. Die ehemalige Ministerin zitiert stattdessen seitenweise aus ihrem Referat auf dem IX.Pädagogischen Kongress vom Juni 1989 so, als ob dort alle ihre Erkenntnisse auf ewig in Granit gemeißelt seien. Ist denn die Zeit bei Margot Honecker einfach nur stehengeblieben? Warum verschanzt sie sich hinter einer Mauer einiger ihrer scheinbar ewigen Wahrheiten, die wir anderen alle nur nicht richtig begriffen haben? Ist sie nur „verstockt“, „unbelehrbar“, „ewig gestrig“, gar „senil und von Altersstarrsinn“ zerfressen? Eine jüngst ausgestrahteARD-Fernsehdokumentation zeigte aber eine Frau, die durchaus ihre Gedanken noch klar beisammen hat und persönlich überzeugt davon ist, dass in der DDR alles gut war und nur die Diversion des Westens, der Verrat der Sowjetunion, die kleinmütigen Verräter in den eigenen Reihen und letztlich die ominöse Konterrevolution deren erfolgreiche Weiterentwicklung verhinderte.

Was mich an ihren Darlegungen besonders ärgert und zu dieser Stellungnahme reizt, ist die Unterstellung, dass alle, die im Herbst 1989 zur „Rettung der DDR“ Änderungen in der DDR-Politik und ihrer Führung wünschten – ich zähle mich dazu –, quasi als „Trottel“ hingestellt werden, die, obwohl wir ihrer Meinung nach wohl durchaus Gutes wollten, zu blöd waren, zu erkennen, dass wir nur auf „demagogisches Geschwätz“ von einem „pluralistischen"
, „humanen“, „modernen“ Sozialismus hereinfielen. Ihre Quintessenz: „Die DDR ist nicht an ihren Fehlern zugrunde gegangen. Es gab nur zu wenig Marx!“ Warum aber haben wir uns denn damals all diese Sorgen gemacht und warum quälen wir uns dann noch heute mit der Geschi
chte der DDR und unserem eigenen Wirken in ihr?

Sollte ich ihre Äußerungen deshalb einfach negieren oder unbeachtet lassen? Oder sollte ich sie nicht doch zur eigenen Verständigung und zu persönlichem Erkenntnisgewinn nutzen? Sogar Margot Honecker räumt erstaunlicherweise Bedarf an weiteren Analysen hinsichtlich unserer Fehler ein, was mich im Kontext ihrer sonstigen Ausführungen sehr wundert. Als Pädagoge und leitender FDJ-Funktionär in der Endphase der DDR will ich deshalb den schwierigen Versuch wagen, doch einen eigenen Beitrag zu dem zu leisten, wozu sich Margot Honecker leider verweigert, nämlich Bildung und Erziehung als „pädagogisches Experiment“und eine tragende Säule der Gesellschaft in der DDR grundlegend zu hinterfragen und für mich etwas differenziertere Antworten auf die Frage zu finden, warum 1989 die Mehrheit der DDR-Bürger (vor allem der jungen) nicht mehr geneigt war, unter den damaligen gesellschaftlichen Verhältnissen zu leben, und warum auch wir als Funktionäre der Partei, des Staates und der FDJ nicht mehr bedingungslos bereit waren, das herrschende DDR-System so wie es war zu verteidigen.

Auch der Historiker Günter Benser meint in seiner ND-Rezension zum Buch von Margot Honecker: „Wenn die Volksbildung all das geleistet hat, was ihr Margot Honecker zugutehält, wird es umso unverständlicher, wieso gerade in jener Generation, die unsere Schule durchlaufen hat, die Akzeptanz der DDR im letzten Jahrzehnt derartig abgesunken ist."


Das ist für mich Reflektion. Darüber kann man diskutieren. Und nicht über Merkel's Russischkenntnisse, die übrigens Erich Honecker nie hatte Quelle? Mein Vater, der zur gleichen Zeit zur überschaubaren Gemeinde von DDR - Studenten in Moskau gehörte, als Herr Honecker sein Studium an der Parteihochschule der KPdSU absolvierte.

LG von der Moskwitschka

Edit Formatierung


Fatal ist mir das Lumpenpack,
das, um die Herzen zu rühren,
den Patriotismus trägt zur Schau,
mit allen seinen Geschwüren.

Heinrich Heine

zuletzt bearbeitet 18.10.2015 01:41 | nach oben springen

#1239

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 18.10.2015 08:37
von mucker82 | 236 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #1207

Ich schreibe das, weil ich auf Grund der bereits geschilderten Fakten etwas mehr Wissen habe , um einen recht guten Überblick zu erhalten.
Oder war das wohl gerade an den Schulen, die von uns besucht wurden, völlig anders ?

Aber es ist mir egal, wie du darüber denkst, ich habe meine Erfahrungen, und die sind absolut nicht so kommunistisch manifestiert, wie du es anscheinend darstellen willst. Und nur die kann ich heranziehen, nicht etwas aus der Literatur oder der Boulevardpresse.






Nun erklärst du deine Erfahrungen im DDR Schulsystem bzw. das deiner Kinder zur historischen Realität.
Auch du kannst damit nicht verleugnen , daß das Bildungssystem in der DDR einerseits zur Wissensvermittlung bestimmt war wie sonst überall auch auf der Welt und andererseits zur politischen Indoktrination mißbraucht wurde um die Menschen einseitig im Sinne der herrschenden Partei zu erziehen.
Ob du das nun mitbekommen hast oder nicht!


nach oben springen

#1240

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 18.10.2015 10:36
von Heckenhaus | 5.120 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #1233
Das "somit" ist Quatsch. Als ob es keine weiteren Quellen gäbe.



Die beste Quelle ist das eigene Erleben .

.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
Fritze und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen


Ähnliche Themen Antworten/Neu Letzter Beitrag⁄Zugriffe
schlechte Aussichten
Erstellt im Forum Themen vom Tage von Hans55
17 17.05.2016 10:44goto
von sentry • Zugriffe: 740
Warum wird die DDR in den heutigen Medien so schlecht dargestellt?
Erstellt im Forum Leben in der DDR von unbalancetistischen
1 11.11.2015 19:55goto
von Pitti53 • Zugriffe: 741
Putin verteidigt Hitler-Stalin Pakt als keine schlechte Idee!
Erstellt im Forum Themen vom Tage von Galaxy
166 06.12.2015 17:55goto
von StabsfeldKoenig • Zugriffe: 5908
"Nicht alles war schlecht", ZDF-History
Erstellt im Forum Presse Artikel Grenze von Heckenhaus
74 06.02.2014 21:39goto
von ratata • Zugriffe: 3696
"Es war doch nicht alles schlecht"
Erstellt im Forum DDR Zeiten von turtle
56 29.10.2012 18:44goto
von Ecki • Zugriffe: 6165
War doch nicht alles schlecht - Streitfall DDR
Erstellt im Forum Leben in der DDR von Berliner
11 20.01.2010 19:18goto
von Berliner • Zugriffe: 1221
Euere guten und schlechten Kindheitserlebnisse
Erstellt im Forum Leben in der DDR von josy95
33 28.05.2013 19:52goto
von bendix • Zugriffe: 2832

Besucher
21 Mitglieder und 63 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: loryglory
Besucherzähler
Heute waren 1577 Gäste und 124 Mitglieder, gestern 3414 Gäste und 170 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14360 Themen und 557202 Beiträge.

Heute waren 124 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen