#1061

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 21.09.2015 10:59
von bürger der ddr | 3.627 Beiträge

@Freienhagener , es geht doch nicht um "schwarz" oder "weiß", oder deine Aussage "haben sich in Wirklichkeit längst eingerichtet".

Jeder muß sich irgendwie einrichten, nur auf welchem Niveau? Hier schreiben viele pro Flüchtlingspolitik, nur zum Thema H4 hörte ich diese User kaum....
Wer hat durch seine Vita welche Erfahrungen gemacht?
Ein jeder mißt sich doch nach seinem Umfeld und da kommt immer mehr die Teilung dieser Gesellschaft in "arm" und "reich". Ja, auch ich habe mich "eingerichtet" und es geht mir nicht gefühlt besser oder schlechter als zu DDR Zeiten. Mir ging es zu DDR zeiten sehr gut, da ich einiges "zu verdiente" und auch Beziehungen dadurch hatte.
Um der Arbeitslosigkeit zu entgehen (auch dem Betrug durch Zeitarbeit) habe ich zwei mal in meinem leben das berufliche Schicksal in die eigene Hand genommen. ich habe mich mehrmals qualifiziert und einen Abschluß für ein Gewerbe auf eigene Kosten und Initiative nach gemacht (Meisterpflicht im KFZ Handwerk).
Nur kommt man da ab einem bestimmten Alter an eine Grenze, allein ist das nicht zu bewältigen, eine Einstellung erfordert eine enorme Investition mit einem sehr hohen persönlichen Risiko, da die Berufsgenossenschaft und der TÜV ständig vor der Tür steht.
Ich kann also irgendwie schon sagen ich hatte mich "eingerichtet", nur ist dieses "eingerichtet sein alles im Leben", Du schreibst doch sonst immer die DDR hätte Dich in deiner "Freiheit" und Deinen "Idealen" gebremst, jetzt billigst Du anderen keine anderen "Freiheiten" und "Ideale" zu?

Für mich ist Reisefreiheit nicht die "Freiheit" im Leben, für mich ist Freiheit auch die Freiheit in der berfuflichen Entwicklung. Wer kann nicht vom negieren des Arbeitszeitgesetzes berichten, wer hat schon Lohndumping erlebt, wer wurde schon durch das Amt in "unzumutbare" Jobs gedrängt, wer hat noch nicht durch den Druck auf dem Arbeitsmarkt Mobbing erlebt?
Wie war das noch mit den 1 Euro Jobs?

Deine Antwort klingt "leicht" arrogant (Sorry, will Dich damit nicht angreifen), nur Du hast Dein leben gelebt und hattest dabei auch etwas Glück. Zu gerne will man in dieser Gesellschaft den "Verlierern" einreden, "Du bist selber schuld, jeder hat alle Chancen"....
Leider stimmt das nicht. Die Situation in diesem Land und in Europa hat sich seit dem Wegfall des Soz. Systems total geändert. Wo ist die soziale Marktwirtschaft geblieben? Wie war das noch mit dem "Dritten Weg"? Alles Lüge und Heuchelei, die Globalisierung des Kapitals macht die Welt immer kaputter. Die Flüchtlingsströme sind ein Ausdruck dafür, wann begannen die doch gleich in dem Ausmaß?

Ehrlich gesagt ist es mir sch.... egal wie sich ein System bezeichnet, ob Kapitalismus oder Sozialismus, es ist eine Frage der Besitz- und Verteilungsverhältnisse. Ich habe schon einmal geschrieben, ich bin mit einer sozialen Marktwirtschaft schon zufrieden (wobei das Wort sozial nicht nur Alibi ist).
Ich sehe die DDR nicht mit verklärten und tränenfeuchten Augen, ich sehe ein unfertiges, fehlerhaftes und auch ungerechtes Gebilde, nur sehe ich heute noch mehr Ungerechtigkeiten und eine Entwicklung die mir Angst macht.
Ich habe schon oft die Prognosen von Carl Friedrich von Weizsäcker erwähnt. dieser Man ist bestimmt kein Marxist. Bitte lese doch einfach mal da rein und vergleiche mal so einige der 10 Punkte mit dem was gerade passiert, dort kannst Du auch die soziale Entwicklung, Abhörskandale, TTIP, Flüchtlingsströme und, und einordnen.
Aber das ist ja alles nur schwarz weiß von alten verträumten DDR Liebhabern, die sich heute in die soziale Hängematte kuscheln und vom schönen Sozialismus träumen

Eh es unter geht grüner Text = Ironie (kann da kein Smiley hinter setzen, das vergeht einem)



IM Kressin, der 39., Fritze, silberfuchs60 und Heckenhaus haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#1062

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 21.09.2015 12:33
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #1053
... im IT-Bereich (Netzwerkadministrator), vorzugsweise eine Firma mittlerer Größe, wo man die IT-Aufgaben allein in einer Hand hat.
LOL

*tschuldschung*, das war jetzt spontan. Aber was ich nicht verstehe, in diesem Sektor gibts doch Geschäft wie Sand am Meer. Schonemal über eine Selbstständigkeit nachgedacht?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 21.09.2015 12:34 | nach oben springen

#1063

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 21.09.2015 18:54
von Freienhagener | 3.869 Beiträge

@bürger der ddr , danke Dir für die ausführliche Antwort.

Trotzdem ist die Lage der Bevölkerung ("unterhalb der "oberen 10000") nicht generell (!) schlecht.

Und ich bin selbstverständlich nichts Besonderes oder ein ausgesprochener Glückspilz - materiell also der Durchschnitt.

P.S.: Mir ist es das System materiell gesehen übrigens auch egal.
Entscheidend ist, wieviel man mir vom Mehrwert meiner Arbeit übrig läßt, völlig egal, ob man das Abgeschöpfte euphemistisch Gewinn oder häßlich Profit nennt.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
bürger der ddr hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.09.2015 19:01 | nach oben springen

#1064

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 24.09.2015 12:29
von Potsdamerin (gelöscht)
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Zitat von bürger der ddr im Beitrag #1061
...
Ich sehe die DDR nicht mit verklärten und tränenfeuchten Augen, ich sehe ein unfertiges, fehlerhaftes und auch ungerechtes Gebilde, nur sehe ich heute noch mehr Ungerechtigkeiten und eine Entwicklung die mir Angst macht.
...


Und deshalb ist die DDR mit all ihren Fehlern und Einschränkungen für mich immer noch das bedeutend kleinere Übel!

Meine Tochter wurde in Spanien von 2 Kindergärten abgelehnt, weil sie keine 2jährige Berufserfahrung vorweisen konnte. Die 3. Einrichtung würde sie gerne einstellen, halbtags, 750 € Netto. Für ein WG-Zimmer zahlt man dort aber schon gut und gerne (okay gerne bestimmt nicht) 300 €.

Das Jobcenter Potsdam hat - ohne Wissen meiner Tochter - in ihrem Namen Bewerbungsunterlagen an eine Zeitarbeitsfirma geschickt. Dort hatte sie
vor 2 Tagen einen Termin um 16.00 Uhr zu einem Bewerbungsgespräch. Gehalt übrigens 9,50 €/h.

Im Vorzimmer saß ein junger verschüchteter Mann am Empfang. Aus einem Büro kam irgend ein Mitarbeiter und erlaubte ihm den PC usw. auszumachen. Es wäre ja schließlich Feierabend um 16.00 Uhr. Plötzlich schoss aus dem Nebenzimmer eine gewichtige Dame und brüllte unkontrolliert herum, dass es erst
2 Minuten vor 16.00 Uhr sei und der junge Mann hier gefälligst bis 16 Uhr zu arbeiten hätte. Was ihm einfallen würde, den PC schon vorher herunterzufahren! Meine Tochter schaute auf ihre eigene (Funk)uhr. Es war 16.00 Uhr!
10 Minuten später wurde sie gemeinsam mit einem Mitbewerber von genau derselben Dame ins Zimmer zu besagtem Vorgespräch gerufen. Die Dame wollte zunächst etwas über diese tolle Firma erzählen.
Nun hat meine Tochter "leider" etwas zuviel von mir mit in die Wiege gelegt bekommen. Sie unterbrach die Frau mitten im Satz und wetterte erst einmal los, dass man so nicht mit Menschen umgehen darf, dass sie das Verhalten dieser Person ihrem Mitarbeiter gegenüber unmöglich finde und mit so jemandem auf keinen Fall zusammen arbeiten möchte. Und da die Dame ja so großen Wert auf Pünktlichkeit lege, sollte sie mal auf ihre eigene Uhr schauen. Der Termin für das Bewerbungsgespräch war 16.00 Uhr. Zum Gespräch ins Zimmer gerufen wurde meine Tochter aber erst um 16.10 Uhr. Der Mitbewerber versuchte krampfhaft sein Grinsen hinter dem Arm zu verbergen, während meine Tochter wütend das Zimmer verließ. Und das ist noch nicht alles. Zuhause angekommen, schrieb sie erst einmal eine E-Mail an die Geschäftsleitung dieser Firma. Ohje, wenn sie diese Erlebnis schon so aufregt, was soll sie erst machen, wenn sie in der richtigen Arbeitswelt angekommen ist?

Ich habe wohl zuviel von meiner Tochter fern gehalten, bin für sie - wie für alle anderen in der Familie auch - immer wieder in die Bresche gesprungen, dass sie wohl noch immer nicht richtig in der BRD angekommen ist. Nun fürchte ich Sanktionen des Jobcenters. Waren das nicht 30 % Kürzung von H4?
Wie soll ich meinem Kind nur beibringen, dass man hier - wenn man nichts hat - eben nur Dreck ist? Man hat zwar Redefreiheit, ja toll. Doch ist es besser, die Klappe zu halten.
Zum Glück läuft da noch eine Bewerbung in einem Kinderheim. Ich dürcke alle Daumen, die ich habe (und wünsch' mir meine DDR zurück).


bürger der ddr und Heckenhaus haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.09.2015 12:37 | nach oben springen

#1065

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 24.09.2015 13:10
von turtle | 6.961 Beiträge

Und was haben nun Verfehlungen bzw. nichts ganz korrektes oder oberflächliges Verhalten einer Job Mitarbeiterin mit Gut oder Schlecht mit der DDR zu tun? Oder soll ich das so verstehen bekam man in der DDR einen Termin ,wurde der auch eingehalten? Mir ist aus DDR Zeiten bekannt das für" private Besorgungen" das Büro schon mal vorzeitig verlassen wurde. Nicht nur 2 Minuten. Das es hingenommen wurde ist das besser. Die beschissene Zeit war doch Schaden für die Volkswirtschaft. Doch nun über diese 2 Minuten zu streiten ,ist es mir nicht Wert. Übrigens wer in Deiner zurück gewünschten DDR nicht auf einer Linie war ,verlor seinen Job oder musste einen schlechteren akzeptieren. Frage mal Ausreisewillige oder nicht auf der politischen Linie. Von mir aus vermisse Deine DDR ,und wünsche sie Dir zurück. Du kannst sie aber nicht in Teilen zurückwünschen. Das geht nur in ihrer Gesamtheit. Setze endlich Deine rosarote Brille ab, und schau noch einmal. Alles finde ich natürlich heute auch nicht gut. Aber zur DDR ist es sogar das weitaus kleinere Übel. Jobcenter hin oder her. So unterschiedlich kann man es mit dem bedeutend und auch noch unterstrichen sehen.


Lutze, Moskwitschka und Grenzverletzerin haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.09.2015 13:11 | nach oben springen

#1066

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 24.09.2015 14:36
von Potsdamerin (gelöscht)
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Zitat von Hanum83 im Beitrag #1008

Oh Gott, die ehrliche Meinung zu äußern in der DDR?
Wer einen Posten hatte oder wollte, hat was?
Wer studieren wollte hat was?
Wer generell Angst hatte anzuecken hat was?
Nun erzähle uns blos nicht, seine ehrliche Meinung gesagt.



Habe lange überlegt, ob ich darauf antworte, weil ich hier schon viel zu viel aus meinem eigenen Leben geschrieben habe. Aber ich muss!
Und es sind ja auch nicht so großartige und weltbewegende Dinge, die ich gesagt oder getan habe. Die aber dennoch ohne negative Folgen für mich geblieben sind.

In der Schule mussten wir immer jeden Mittwoch zum Pioniernachmittag, den ich regelmäßig versäumt habe, weil ich zur Christenlehre ging. Selbstverständlich wurde ich von meiner Klassenleiterin darauf angesprochen und ich habe mich entschuldigt. Ich hatte ja eine Begründung. Nja, wenn die Christenlehre wichtiger ist als der Pioniernachmittag, fröstelte meine Lehrerin. "Oh ja." gab ich gewichtig zur Antwort. "Sie ist viel wichtiger."
Ein paar Jahre später kam meine Lehrerin sogar zu uns nach Hause und wollte meine Mutter dazu überreden, mich doch auf die EOS zu lassen. Mit dem Schuldirektor wurde bereits alles dafür vorbereitet. Meine Lehrerin wollte mich so gern studieren sehen. Meine Mutter leider nicht.

In den 70ern. Es waren Wahlen. Meine Mutter ging nicht hin. Abends stand jemand in Anzug und Krawatte mit Urne unterm Arm vor der Tür. Meine Mutter packte ihn bei der Krawatte, zog ihn in die Wohnung und zeigte ihm den Schimmel an den Wänden, die Kinder laufend krank mit Lungenentzündung. Dann fragte sie ihn, wen oder was sie bitte wählen soll. 2 Wochen später hatte sie 3 Wohnungsangebote, eines besser als das andere, im Briefkasten zu liegen. (Auwaia. Heute wäre das beireits ein tätlicher Angriff auf einen Beamten gewesen.)

Ich habe während meiner Ausbildung zur Erziehungshelferin im Schulhort gearbeitet. Bin mit meiner kleinen Gruppe von 12 Kindern nachmittags gerne auf Spielplätze außerhalb des Schulgeländes gegangen. 2x wurde ich von der Hortleiterin angezählt (auch noch vor den Kindern wohlgemerkt), weil ich sie nicht zu zweit in Reih und Glied bis zum Spielplatz laufen ließ. Das würde ein schlechtes Licht auf die Schule werfen. Mir platze der Kragen und ich platzte heraus (auch im Beisein der Kinder): "Die Kinder kommen noch früh genug zur Armee. Keine Sorge, da werden sie das Maschieren schon lernen. Bei mir brauchen sie das jedenfalls nicht!" Ich wurde nie wieder darauf angesprochen und habe meinen Stil, den Kindern so wenig Zwänge wie möglich aufzubürden, weitergeführt.

Einmal "Politinformation" für Kinder in der 1. Klasse. Thema: Neueröffnung eines Jugendclubs. Es wurde hospitiert, weil ich ja noch in der Ausbildung war. Die Hortleiterin und 2 Mitarbeiter vom Schulamt saßen mit ihren Schreibblöcken ganz hinten. Ich tat mich wirklich schwer, mit den Krümeln über einen Jugendclub zu reden. Und so landeten wir irgendwie bei kaputten Kinderspielplätzen, womit die Diskussion dann auch endlich in Gange kam und wir haben sogar Lösungen erarbeitet. Ein Kind wiederholte dabei auch eine Äußerung seines Großvaters aus dem Westen. Weil ich nicht auf diese Äußerung eingegangen bin, wurde ich ganz schön angezählt. Ich hätte den Kinder vermitteln müssen, dass im Westen alle lügen und man nicht glauben darf, was die da sagen. Außerdem würde es bei uns überhaupt keine kaputten Spielplätze geben. Auch da ist mir der Kragen geplatzt. Ich kann einem Kind doch nicht einfach sagen, sein Großvater würde lügen. Damit bringe ich es in unvorstellbare Konflikte. Sowas geht gar nicht. Ich weiß nicht mehr, was genau ich alles sagte. Jedenfalls wurden die 3 Damen abwechselnd rot und weiß und rot. Was sich danach hinter den Kulissen abgespielt hat, weiß ich nicht. Bestimmt hatte ich ein Strichlein mehr in meiner Stasiakte. Aber mehr ist nicht passiert und ich bin meiner Linie treu geblieben.

Nach meinem 2. Babyjahr sollte ich wieder in dieser Schule arbeiten, hatte aber immer noch keine eigene Wohnung. Ich habe mich verweigert mit der Begründung, dass ich unter diesen Lebensbedingungen keinesfalls arbeiten kann. So wurde ich in die Personalabteilung geladen und habe dort meine Wohnsituation geschildert. Gleichzeitig habe ich mich aber auch lautstark darüber beschwert (alles bei offener Zimmertür!), dass über uns eine Genossin allein in einer 3-Raum-Wohnung wohnt und damit auch noch öffentlich prahlt, weil sie das zusätzliche Zimmer als Gästezimmer für ihre Kinder benötigt, und ob ich erst der Partei beitreten muss, um eine Wohnung zu bekommen. Und wieso Genossen im Arbeiter- und Bauernstaat derart bevorzugt werden u.u.u. Zum Glück stand zwischen mir und dem Leiter der Personalabteilung ein riesengroßer, schwerer Schreibtisch. Sonst wäre seine Faust bestimmt in meinem Gesicht gelandet, so kreidebleich wie er war. (Übrigens war das mein ehem. Stabü-Lehrer, der sozusagen wegbefördert wurde, weil er damals einen Mitschüler von mir georfeigt hatte.) Ich würde Dinge sagen, die ich als Pädagoge nicht einmal denken dürfte. Darauf antwortete ich: "Oh, Sie können hier ja vieles, aber mir vorschreiben, was ich zu denken habe, können Sie nicht!" Er drohte mir ein Disziplinarverfahren und die Kündigung an, wenn ich den Aufhebungsvertrag nicht freiwillig unterschreibe. Ich weiß nicht, weshalb ich unterschrieben habe. Das war ganz schön blöd von mir. Kündigen hätte er mir jedenfalls nicht können, weil ich mich noch im Mutterschutz befand. Und so eine Disziplinarmaßnahme wäre nach einem Jahr aus meiner Akte gelöscht worden. Später draußen auf dem Flur kamen andere Mitarbeiter der Abteilung angelaufen und flüsterten mir hinter vorgehaltener Hand ins Ohr: "Sie haben ja so recht." "Es war ja so richtig, was sie alles gesagt haben." "Gut gemacht, Frau ..."
Aber niemand hat mir während dieser "Unterredung" beigestanden. Das war traurig. Und das habe ich leider öfter erlebt, dass die Leute einfach nur zu feige waren, ihre Meinung zu sagen.
Übrigens ist die Genossin ein paar Monate später dann doch aus ihrer Wohnung ausgezogen, warum auch immer.
Kurz nach dieser Aktion und dem Gang zur Bürgermeisterin hatte ich jedenfalls auch meine eigene, schöne Wohung.

Ich könnte noch vieles mehr schreiben. Doch dann würde es ein Buch ...


IM Kressin, der 39. und bürger der ddr haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#1067

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 24.09.2015 14:52
von Gelöschtes Mitglied
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@Potsdamerin, fast volle Zustimmung.
Auf eine Marschordnung bei den Wänstern zu bestehen ist gerechtfertigt!
Meine EX-Frau war Erzieherin, der ist aus so einem ungeordneten Haufen ein Balg vor ein Auto gelaufen, schwer verletzt.
Was dann los war, unvorstellbar.
Micha


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#1068

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 24.09.2015 14:54
von Heckenhaus | 5.147 Beiträge

Zitat von Potsdamerin im Beitrag #1066




Ich habe während meiner Ausbildung zur Erziehungshelferin im Schulhort gearbeitet. Bin mit meiner kleinen Gruppe von 12 Kindern nachmittags gerne auf Spielplätze außerhalb des Schulgeländes gegangen. 2x wurde ich von der Hortleiterin angezählt (auch noch vor den Kindern wohlgemerkt), weil ich sie nicht zu zweit in Reih und Glied bis zum Spielplatz laufen ließ. Das würde ein schlechtes Licht auf die Schule werfen. Mir platze der Kragen und ich platzte heraus (auch im Beisein der Kinder): "Die Kinder kommen noch früh genug zur Armee. Keine Sorge, da werden sie das Maschieren schon lernen. Bei mir brauchen sie das jedenfalls nicht!" Ich wurde nie wieder darauf angesprochen und habe meinen Stil, den Kindern so wenig Zwänge wie möglich aufzubürden, weitergeführt.


Ob der Hinweis auf das schlechte Licht, welches dann auf die Schule geworfen werden würde, nun der Grund für eine Gewisse Ordnung
auf dem Weg zum Spielplatz der Grund dafür war, ich bezweifle es. Marschiert im Gleichschritt sollte sicher nicht werden, unter Absingen
der "Moorsoldaten".
Heute jedenfalls ist es, wenn Kindergruppen unterwegs sind, durchaus üblich, das die Kinder in Zweierreihe hintereinander laufen, allein
der Ordnung und des Überblicks wegen.

Ja, es war nicht alles in Ordnung damals, aber hier jedes Vorkommnis, jede Begebenheit, dem bösen Staat anzudichten finde ich etwas an den Haaren herbeigezogen.
Erfahrungen mit der KWV (Kommunale Wohnungsverwaltung) hatte ich auch, meine Erfahrung : Mit Höflichkeit und penetranter Ausdauer war
viel zu erreichen.
Ebenso kenne ich Pioniernachmittage aus der Zeit um 1960, kein Zwang, ohne Halstuch, und Religion war an einem anderen Tag im Gemeindehaus.
Alles ist organisierbar, wenn Widerstand und Protest nicht zur Religion erklärt wird.

Die Erfahrungen sind nun mal unterschiedlich, je nach Gegend, Schule, Zeit.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#1069

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 24.09.2015 15:22
von StabsfeldKoenig | 2.648 Beiträge

Zitat von Potsdamerin im Beitrag #1064
Zitat von bürger der ddr im Beitrag #1061
...
Ich sehe die DDR nicht mit verklärten und tränenfeuchten Augen, ich sehe ein unfertiges, fehlerhaftes und auch ungerechtes Gebilde, nur sehe ich heute noch mehr Ungerechtigkeiten und eine Entwicklung die mir Angst macht.
...


Und deshalb ist die DDR mit all ihren Fehlern und Einschränkungen für mich immer noch das bedeutend kleinere Übel!

Meine Tochter wurde in Spanien von 2 Kindergärten abgelehnt, weil sie keine 2jährige Berufserfahrung vorweisen konnte. Die 3. Einrichtung würde sie gerne einstellen, halbtags, 750 € Netto. Für ein WG-Zimmer zahlt man dort aber schon gut und gerne (okay gerne bestimmt nicht) 300 €.

Das Jobcenter Potsdam hat - ohne Wissen meiner Tochter - in ihrem Namen Bewerbungsunterlagen an eine Zeitarbeitsfirma geschickt. Dort hatte sie
vor 2 Tagen einen Termin um 16.00 Uhr zu einem Bewerbungsgespräch. Gehalt übrigens 9,50 €/h.

Im Vorzimmer saß ein junger verschüchteter Mann am Empfang. Aus einem Büro kam irgend ein Mitarbeiter und erlaubte ihm den PC usw. auszumachen. Es wäre ja schließlich Feierabend um 16.00 Uhr. Plötzlich schoss aus dem Nebenzimmer eine gewichtige Dame und brüllte unkontrolliert herum, dass es erst
2 Minuten vor 16.00 Uhr sei und der junge Mann hier gefälligst bis 16 Uhr zu arbeiten hätte. Was ihm einfallen würde, den PC schon vorher herunterzufahren! Meine Tochter schaute auf ihre eigene (Funk)uhr. Es war 16.00 Uhr!
10 Minuten später wurde sie gemeinsam mit einem Mitbewerber von genau derselben Dame ins Zimmer zu besagtem Vorgespräch gerufen. Die Dame wollte zunächst etwas über diese tolle Firma erzählen.
Nun hat meine Tochter "leider" etwas zuviel von mir mit in die Wiege gelegt bekommen. Sie unterbrach die Frau mitten im Satz und wetterte erst einmal los, dass man so nicht mit Menschen umgehen darf, dass sie das Verhalten dieser Person ihrem Mitarbeiter gegenüber unmöglich finde und mit so jemandem auf keinen Fall zusammen arbeiten möchte. Und da die Dame ja so großen Wert auf Pünktlichkeit lege, sollte sie mal auf ihre eigene Uhr schauen. Der Termin für das Bewerbungsgespräch war 16.00 Uhr. Zum Gespräch ins Zimmer gerufen wurde meine Tochter aber erst um 16.10 Uhr. Der Mitbewerber versuchte krampfhaft sein Grinsen hinter dem Arm zu verbergen, während meine Tochter wütend das Zimmer verließ. Und das ist noch nicht alles. Zuhause angekommen, schrieb sie erst einmal eine E-Mail an die Geschäftsleitung dieser Firma. Ohje, wenn sie diese Erlebnis schon so aufregt, was soll sie erst machen, wenn sie in der richtigen Arbeitswelt angekommen ist?

Ich habe wohl zuviel von meiner Tochter fern gehalten, bin für sie - wie für alle anderen in der Familie auch - immer wieder in die Bresche gesprungen, dass sie wohl noch immer nicht richtig in der BRD angekommen ist. Nun fürchte ich Sanktionen des Jobcenters. Waren das nicht 30 % Kürzung von H4?
Wie soll ich meinem Kind nur beibringen, dass man hier - wenn man nichts hat - eben nur Dreck ist? Man hat zwar Redefreiheit, ja toll. Doch ist es besser, die Klappe zu halten.
Zum Glück läuft da noch eine Bewerbung in einem Kinderheim. Ich dürcke alle Daumen, die ich habe (und wünsch' mir meine DDR zurück).



Die Arbeitszeit endet 16.00 h. also MUSS man den PC 15.58 h herunterfahren (dies ist schließlich Arbeit),damit man 16.00 h seine Jacke anziehen und das Büro verlassen kann (wenn man aus dem Büro direkt auf die Straße tritt). Wenn das Büro dagegen in einem großen Bürohaus bzw. Firmengrundstück liegt, dann sogar noch eher, weil die Arbeitszeit mit dem Verlassen des Firmengrundstücks endet (Werkstor-Prinzip), also man Punkt 16.00 h beim Pförner sich aus der Zeiterfassung ausstempeln darf. Und wenn bei derart unzumutbaren Bedingungen, wo im Beisein der Bewerber Mitarbeiter schikaniert werden, sollte man gegen Kürzungen mit Widerspruch bzw. Klage vor dem Sozialgericht reagieren. Die Grundrechte des GG gelten auch im Arbeitsleben. Eine Beschäftigung in einem Unternehmen, wo Mitarbeiter schikaniert werden (Verstoß gegen Art 1 GG) oder wo man nicht eingestellt wird, weil man als Zeuge der Schikane dazu Stellung nimmt (Nutzung Art 5 GG), dürfte wohl die Beschäftigung unzumutbar und damit eine Kürzung/Sperre unzulässig machen.



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#1070

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 24.09.2015 15:31
von Hanum83 | 4.778 Beiträge

Zitat von Potsdamerin im Beitrag #1066
Zitat von Hanum83 im Beitrag #1008

Oh Gott, die ehrliche Meinung zu äußern in der DDR?
Wer einen Posten hatte oder wollte, hat was?
Wer studieren wollte hat was?
Wer generell Angst hatte anzuecken hat was?
Nun erzähle uns blos nicht, seine ehrliche Meinung gesagt.



Habe lange überlegt, ob ich darauf antworte, weil ich hier schon viel zu viel aus meinem eigenen Leben geschrieben habe. Aber ich muss!
Und es sind ja auch nicht so großartige und weltbewegende Dinge, die ich gesagt oder getan habe. Die aber dennoch ohne negative Folgen für mich geblieben sind.

In der Schule mussten wir immer jeden Mittwoch zum Pioniernachmittag, den ich regelmäßig versäumt habe, weil ich zur Christenlehre ging. Selbstverständlich wurde ich von meiner Klassenleiterin darauf angesprochen und ich habe mich entschuldigt. Ich hatte ja eine Begründung. Nja, wenn die Christenlehre wichtiger ist als der Pioniernachmittag, fröstelte meine Lehrerin. "Oh ja." gab ich gewichtig zur Antwort. "Sie ist viel wichtiger."
Ein paar Jahre später kam meine Lehrerin sogar zu uns nach Hause und wollte meine Mutter dazu überreden, mich doch auf die EOS zu lassen. Mit dem Schuldirektor wurde bereits alles dafür vorbereitet. Meine Lehrerin wollte mich so gern studieren sehen. Meine Mutter leider nicht.

In den 70ern. Es waren Wahlen. Meine Mutter ging nicht hin. Abends stand jemand in Anzug und Krawatte mit Urne unterm Arm vor der Tür. Meine Mutter packte ihn bei der Krawatte, zog ihn in die Wohnung und zeigte ihm den Schimmel an den Wänden, die Kinder laufend krank mit Lungenentzündung. Dann fragte sie ihn, wen oder was sie bitte wählen soll. 2 Wochen später hatte sie 3 Wohnungsangebote, eines besser als das andere, im Briefkasten zu liegen. (Auwaia. Heute wäre das beireits ein tätlicher Angriff auf einen Beamten gewesen.)

Ich habe während meiner Ausbildung zur Erziehungshelferin im Schulhort gearbeitet. Bin mit meiner kleinen Gruppe von 12 Kindern nachmittags gerne auf Spielplätze außerhalb des Schulgeländes gegangen. 2x wurde ich von der Hortleiterin angezählt (auch noch vor den Kindern wohlgemerkt), weil ich sie nicht zu zweit in Reih und Glied bis zum Spielplatz laufen ließ. Das würde ein schlechtes Licht auf die Schule werfen. Mir platze der Kragen und ich platzte heraus (auch im Beisein der Kinder): "Die Kinder kommen noch früh genug zur Armee. Keine Sorge, da werden sie das Maschieren schon lernen. Bei mir brauchen sie das jedenfalls nicht!" Ich wurde nie wieder darauf angesprochen und habe meinen Stil, den Kindern so wenig Zwänge wie möglich aufzubürden, weitergeführt.

Einmal "Politinformation" für Kinder in der 1. Klasse. Thema: Neueröffnung eines Jugendclubs. Es wurde hospitiert, weil ich ja noch in der Ausbildung war. Die Hortleiterin und 2 Mitarbeiter vom Schulamt saßen mit ihren Schreibblöcken ganz hinten. Ich tat mich wirklich schwer, mit den Krümeln über einen Jugendclub zu reden. Und so landeten wir irgendwie bei kaputten Kinderspielplätzen, womit die Diskussion dann auch endlich in Gange kam und wir haben sogar Lösungen erarbeitet. Ein Kind wiederholte dabei auch eine Äußerung seines Großvaters aus dem Westen. Weil ich nicht auf diese Äußerung eingegangen bin, wurde ich ganz schön angezählt. Ich hätte den Kinder vermitteln müssen, dass im Westen alle lügen und man nicht glauben darf, was die da sagen. Außerdem würde es bei uns überhaupt keine kaputten Spielplätze geben. Auch da ist mir der Kragen geplatzt. Ich kann einem Kind doch nicht einfach sagen, sein Großvater würde lügen. Damit bringe ich es in unvorstellbare Konflikte. Sowas geht gar nicht. Ich weiß nicht mehr, was genau ich alles sagte. Jedenfalls wurden die 3 Damen abwechselnd rot und weiß und rot. Was sich danach hinter den Kulissen abgespielt hat, weiß ich nicht. Bestimmt hatte ich ein Strichlein mehr in meiner Stasiakte. Aber mehr ist nicht passiert und ich bin meiner Linie treu geblieben.

Nach meinem 2. Babyjahr sollte ich wieder in dieser Schule arbeiten, hatte aber immer noch keine eigene Wohnung. Ich habe mich verweigert mit der Begründung, dass ich unter diesen Lebensbedingungen keinesfalls arbeiten kann. So wurde ich in die Personalabteilung geladen und habe dort meine Wohnsituation geschildert. Gleichzeitig habe ich mich aber auch lautstark darüber beschwert (alles bei offener Zimmertür!), dass über uns eine Genossin allein in einer 3-Raum-Wohnung wohnt und damit auch noch öffentlich prahlt, weil sie das zusätzliche Zimmer als Gästezimmer für ihre Kinder benötigt, und ob ich erst der Partei beitreten muss, um eine Wohnung zu bekommen. Und wieso Genossen im Arbeiter- und Bauernstaat derart bevorzugt werden u.u.u. Zum Glück stand zwischen mir und dem Leiter der Personalabteilung ein riesengroßer, schwerer Schreibtisch. Sonst wäre seine Faust bestimmt in meinem Gesicht gelandet, so kreidebleich wie er war. (Übrigens war das mein ehem. Stabü-Lehrer, der sozusagen wegbefördert wurde, weil er damals einen Mitschüler von mir georfeigt hatte.) Ich würde Dinge sagen, die ich als Pädagoge nicht einmal denken dürfte. Darauf antwortete ich: "Oh, Sie können hier ja vieles, aber mir vorschreiben, was ich zu denken habe, können Sie nicht!" Er drohte mir ein Disziplinarverfahren und die Kündigung an, wenn ich den Aufhebungsvertrag nicht freiwillig unterschreibe. Ich weiß nicht, weshalb ich unterschrieben habe. Das war ganz schön blöd von mir. Kündigen hätte er mir jedenfalls nicht können, weil ich mich noch im Mutterschutz befand. Und so eine Disziplinarmaßnahme wäre nach einem Jahr aus meiner Akte gelöscht worden. Später draußen auf dem Flur kamen andere Mitarbeiter der Abteilung angelaufen und flüsterten mir hinter vorgehaltener Hand ins Ohr: "Sie haben ja so recht." "Es war ja so richtig, was sie alles gesagt haben." "Gut gemacht, Frau ..."
Aber niemand hat mir während dieser "Unterredung" beigestanden. Das war traurig. Und das habe ich leider öfter erlebt, dass die Leute einfach nur zu feige waren, ihre Meinung zu sagen.
Übrigens ist die Genossin ein paar Monate später dann doch aus ihrer Wohnung ausgezogen, warum auch immer.
Kurz nach dieser Aktion und dem Gang zur Bürgermeisterin hatte ich jedenfalls auch meine eigene, schöne Wohung.

Ich könnte noch vieles mehr schreiben. Doch dann würde es ein Buch ...


Ich habe nicht behauptet das niemand in der DDR seine ehrliche Meinung gesagt hat, ich meinte das vollkommene Ehrlichkeit in dem Falle beruflich weiterkommen zu wollen, ich drück es mal so aus, etwas kontraproduktiv war.
Es gab ja nun mal die berühmtberüchtigte "Linie" wenn ich mich nicht täusche.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
zuletzt bearbeitet 24.09.2015 15:33 | nach oben springen

#1071

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 24.09.2015 15:39
von GKUS64 | 1.611 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #1069


Die Arbeitszeit endet 16.00 h. also MUSS man den PC 15.58 h herunterfahren (dies ist schließlich Arbeit),damit man 16.00 h seine Jacke anziehen und das Büro verlassen kann (wenn man aus dem Büro direkt auf die Straße tritt). Wenn das Büro dagegen in einem großen Bürohaus bzw. Firmengrundstück liegt, dann sogar noch eher, weil die Arbeitszeit mit dem Verlassen des Firmengrundstücks endet (Werkstor-Prinzip), also man Punkt 16.00 h beim Pförner sich aus der Zeiterfassung ausstempeln darf. .


Also für mich läuft das unter "Krümelkackerei". So etwas passiert bei einem guten Arbeitsklima nicht oder darf nicht passieren. Egal ob vom Arbeitnehmer oder vom Arbeitgeber diese minutiöse Zeitforderung gestellt wird, das Klima wird vergiftet. Da mag jeder im Recht sein, ich ordne das in die Rubrik "Mobbing" ein.


Moskwitschka hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#1072

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 24.09.2015 16:17
von Gelöschtes Mitglied
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@StabsfeldKoenig,
rein theoretisch hasste Recht. Aber wie sieht denn die Realität aus?
Arbeitszeit beginnt dann wenn sich etwas bewegt am Arbeitsplatz. Um ein CNC- Fräszentrun DMG 60 hochzufahren braucht es ca.20 Minuten incl.
vorwärmen des Kühlmittels (klingt komisch ist aber so)
Herunterfahren der Maschine ca. 10 Minuten.
Rüstzeit nannte man das, unbezahlt und keiner hat gemeckert.
Nun kannst Du weitermachen mit dem Arbeitsgesetzbuch.
Micha


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#1073

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 24.09.2015 16:42
von Hanum83 | 4.778 Beiträge

Rüstzeiten werden auch heute noch berechnet, vor allen von Branchen die nicht gezwungen sind Angebote abzugeben, ich sag nur Servicetechniker


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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#1074

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 24.09.2015 16:59
von Freienhagener | 3.869 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #1069

..........Die Arbeitszeit endet 16.00 h. also MUSS man den PC 15.58 h herunterfahren (dies ist schließlich Arbeit),damit man 16.00 h seine Jacke anziehen und das Büro verlassen kann (wenn man aus dem Büro direkt auf die Straße tritt). Wenn das Büro dagegen in einem großen Bürohaus bzw. Firmengrundstück liegt, dann sogar noch eher, weil die Arbeitszeit mit dem Verlassen des Firmengrundstücks endet (Werkstor-Prinzip), also man Punkt 16.00 h beim Pförner sich aus der Zeiterfassung ausstempeln darf. Und wenn bei derart unzumutbaren Bedingungen, wo im Beisein der Bewerber Mitarbeiter schikaniert werden, sollte man gegen Kürzungen mit Widerspruch bzw. Klage vor dem Sozialgericht reagieren.


Zeiterfassung gibts sicherlich nur bei Gleitender Arbeitszeit. Aber dann ist das Problem nicht existent.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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#1075

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 24.09.2015 17:11
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Wenn meine Arbeitszeit 07.00Uhr beginnt muss ich mindestens 06.45 Im Betrieb sein, 07.00Uhr ist ist Arbeitsbeginn !!!


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#1076

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 24.09.2015 17:20
von Heckenhaus | 5.147 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #1074

Zeiterfassung gibts sicherlich nur bei Gleitender Arbeitszeit. Aber dann ist das Problem nicht existent.


Nein, auch bei festen Schichtplänen.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#1077

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 24.09.2015 17:36
von Rostocker | 7.725 Beiträge

Also selbst zu DDR -Zeit begann bei uns die Arbeitszeit nicht am Werfttor oder im Umkleideraum,sondern am Arbeitsplatz auf der Helling Beispiel 05.00 Beginn und 14.00 Uhr Ende der Arbeitszeit. Bei den 2.Betrieb wo ich arbeitete galt das gleiche, selbst wenn man auf Montage fuhr--begann die Arbeitszeit nicht mit der Fahrt sondern erst am Arbeitsort. Bezahlt hat nur derjenige bekommen der das Fahrzeug fuhr. Aber man kann ja auch rumtricksen Denn Ehrlichkeit,zahlt sich selbst in diesen Staat nicht aus. Siehe doch VW


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#1078

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 24.09.2015 18:40
von exgakl | 7.237 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #1069
Zitat von Potsdamerin im Beitrag #1064
Zitat von bürger der ddr im Beitrag #1061
...
Ich sehe die DDR nicht mit verklärten und tränenfeuchten Augen, ich sehe ein unfertiges, fehlerhaftes und auch ungerechtes Gebilde, nur sehe ich heute noch mehr Ungerechtigkeiten und eine Entwicklung die mir Angst macht.
...






Die Arbeitszeit endet 16.00 h. also MUSS man den PC 15.58 h herunterfahren (dies ist schließlich Arbeit),damit man 16.00 h seine Jacke anziehen und das Büro verlassen kann (wenn man aus dem Büro direkt auf die Straße tritt). Wenn das Büro dagegen in einem großen Bürohaus bzw. Firmengrundstück liegt, dann sogar noch eher, weil die Arbeitszeit mit dem Verlassen des Firmengrundstücks endet (Werkstor-Prinzip), also man Punkt 16.00 h beim Pförner sich aus der Zeiterfassung ausstempeln darf. Und wenn bei derart unzumutbaren Bedingungen, wo im Beisein der Bewerber Mitarbeiter schikaniert werden, sollte man gegen Kürzungen mit Widerspruch bzw. Klage vor dem Sozialgericht reagieren. Die Grundrechte des GG gelten auch im Arbeitsleben. Eine Beschäftigung in einem Unternehmen, wo Mitarbeiter schikaniert werden (Verstoß gegen Art 1 GG) oder wo man nicht eingestellt wird, weil man als Zeuge der Schikane dazu Stellung nimmt (Nutzung Art 5 GG), dürfte wohl die Beschäftigung unzumutbar und damit eine Kürzung/Sperre unzulässig machen.



Mit der Einstellung mein lieber @StabsfeldKoenig möchte ich hier kein Gejammere von dir mehr lesen, das du keinen Job hast..... Viele Grüße von mir und einen ruhigen Abend!


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
der alte Grenzgänger, vs1400 und 94 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#1079

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 24.09.2015 19:36
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Das Argument "Werktorprinzip", wovon ich übrigens eben das erste mal bewußt etwas gehört habe, brachte auch eine Kollegin vor welche regelmäßig zu spät kam. Sie sei schließlich 6:15 Uhr beim Pförtner durch. Arbeitszeitbeginn war 6:15 Uhr .....

Im Studentensommer arbeitete ich in Braunkohletagebau auf der untersten Ebene auf einem Bagger. Schichtbeginn war 6:00 Uhr in der Frühschicht auf dem Bagger! und nicht irgendwo oben in der Kaue .....
Von dort ging es zu Fuß runter in die Grube und dann mit der Grubenbahn zum Bagger. Die Nachtschicht verblieb auf dem Bagger bis die Tagschicht sie ablöste. Die hätten bestimmt begeistert geguckt wenn wir erst um 7 Uhr aufgekreuzt wären. So lange dauerte der Weg .....

Allerdings war zum Arbeitende der Schreibtisch bereits aufgeräumt, der PC runtergefahren um nach dem Ende der regulären Arbeitszeit das Gebäude zu verlassen .....
Ging im Schichtbetrieb mit Übergabe nur wenn die nachfolgende Schicht da war, ansonsten hieß es warten und weitermachen bis jemand entschied was passiert und man gehen konnte ....

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

der alte Grenzgänger hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#1080

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 24.09.2015 19:36
von Freienhagener | 3.869 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #1076
Zitat von Freienhagener im Beitrag #1074

Zeiterfassung gibts sicherlich nur bei Gleitender Arbeitszeit. Aber dann ist das Problem nicht existent.


Nein, auch bei festen Schichtplänen.


Aber die Vorstellung, daß man dabei auf die Minute genau auscheckt ist absurd.

Ohne gleitende Zeit verläßt man gewöhnlich zum vorgegebenen Zeitpunkt den Arbeitsplatz (ggf. nach vollzogenem Schichtwechsel). Dabei schaut man auf irgendeine Uhr (bzw. übergibt an die Ablösung, logischerweise wenn sie kommt). D.h. das Werkstor erreicht man später. Kontrolliert wird nur, daß man nicht eher geht.
Eine minutengenaue Zeiterfassung macht nur beim Gleiten Sinn.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.09.2015 19:39 | nach oben springen


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