#841

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 17:34
von Heckenhaus | 5.110 Beiträge

Turtle, hast Recht. Wiederhaben will ich sie so, wie sie insgesamt war , auch nicht, trotz einiger guter Aspekte.
Besser wäre schön gewesen, aber diese Chance wurde dank des Sturms auf die D-Mark verpaßt, ohne Alternativen
anzuhören.
Fraß damals schon die Gier das Hirn ? Ich denke, zum großen Teil JA.
Wenn ich ehrlich bin, ich würde mich in einer BRD des Jahres 1990 wohler fühlen als in der heute.
Gut, daß ich jetzt Geld beziehe fürs Nichtstun.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#842

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 17:39
von linamax | 2.015 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #832
Zitat von Freienhagener im Beitrag #800
Das ist sicherlich auch eine Frage des Alters.

Mein Vater meinte: Wir waren 1945/46 trotz allem glücklicher als ihr Verwöhnter heute (heute, das hieß DDR).
Die Jugendzeit erscheint (fast) immer schön.

Ich habe auch schöne Jahre des Erwachsenenlebens dort verbracht, erhobenen Hauptes und nicht geknechtet und unterdrückt.

Du Glücklicher


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#843

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 17:43
von linamax | 2.015 Beiträge

Zitat von Potsdamerin im Beitrag #835
Zitat von Moskwitschka im Beitrag #822
Zitat von Potsdamerin im Beitrag #820

Sie hat oft tagelang nichts gegessen, weil sie unbedingt diese Ausbildung abschließen wollte. Wenn DAS keine Sauerei ist, weiß ich auch nicht.


Und da hast Du als Mutter nicht eingegriffen? Und das wenige, was Du anscheinend hast, mit Deiner Tochter geteilt? Erzähl mir nichts vom Pferd. Ich war alleinerziehende Mutter von 4 Kindern. Und musste die Unterstützung während ihrer Ausbildung durch 4 teilen. War auch nicht einfach. Gejammert hat keiner. Ich auch nicht. Jetzt, wo sie alle in Brot und Lohn stehen bzw. ihren Platz im Leben gefinden haben, als Busfahrer, Leiter einer Senioreneinrichtung, Angestellte in einem Reisebüro und wieder studierende Mutter, betrachten sie es als wertvolle Erfahrung und stehen dem Leben in unserem Land nicht unkritisch gegenüber. Bei aller Kritik, packen sie auch an und helfen auf unterschiedliche Weise denen, den es nicht so gut geht. Sie warten nicht auf den Sozialismus. Sie verhalten sich einfach menschlich - sozial.

LG von der Moskwitschka



"das Wenige" ist immer relativ. Und woher glaubst du bitteschön zu wissen, wieviel ich habe?

Wir haben in der DDR - wenn wir nicht gerade studierten - mit 18/19 J. bereits unser erstes volles Gehalt kassiert. Bei mir waren es genau 395,- Mark (ausgezahlt).
Danach ging es stetig bergauf. Nicht zuletzt auch durch meine Tätigkeitswechsel von Facharbeiter für Schreibkraft über Kindergärtnerin, Horterzieherin, Mitarbeiterin in der Medizintechnik bis hin zur Rechtsanwaltsangestellten. Kurz vor der Wende habe ich 890,- Mark (auwaia, jetzt weiß ich nich mehr ob Brutto oder Netto) verdient mit 28 J. + Kindergeld + Unterhalt für d. Kinder. Ich kam mir richtig reich vor. 99,- Mark Miete (4-Raum-Neubauwohnung - meine Erstwohnung), 15,- Mark Strom. Jedes Jahr Urlaub, mal Ostsee, mal Gebirge, mal Polen. Jedes Wochenende bei irgend welchen Freunden oder Verwandten. Irgendwer hatte immer was zum Feiern. Und nie irgend welchen Behördenstress. --> Klingt schon fast langweilig.

Und wenn heute eine 30jährige noch von ihren Eltern abhängig ist, kann das sehr belastend sein. Geld hätte ich ihr nie geben dürfen, das wäre sofort wieder auf's Einkommen angerechnet worden. Selbst Geldgeschenke zu Geburtstagen müssen beim Amt abgerechnet werden. Auf meine Nachfrage beim Amt, ob auch abgerechnet werden muss, wenn ich mein Kind mal zum Essen einlade, schließlich müssste ich dann ja die Kassenbons aufheben, bekam ich keine Antwort.

Aber wie kann man als Mutter nur so eine Frage stellen: "Und da hast du als Mutter nicht eingegriffen?" Hallo?
Meine Tochter hat immer wieder versucht, ihre Situation vor mir zu verbergen. Sie wollte mich nicht belasten, mir keine Sorgen machen. Als ob eine Mutter nicht sieht, wenn das Kind bei 1,65 m nur noch 42 kg wiegt. Wenn ich zu Besuch kam, war ich vorher immer Einkaufen. Unter dem Vorwand, nicht alles nach Hause schleppen zu müssen, ließ ich dann immer so viel wie möglich da. Hast du schon mal gesehen, wie sich ein Mensch freut, wenn er zum Geburtstag Essen geschenkt bekommt? So etwas wäre in der DDR einfach UNDENKBAR gewesen! Und ehrlich, vor der Wende hätte ich sowas nicht mal in der BRD für möglich gehalten.

Während ihrer Prüfungszeit habe ich dann den ganzen Behördenkram für sie übernommen. Das Amt verlangte nach der Betriebskostenabrechnung, weil sie im Falle einer Rückzahlung diese natürlich auf das Einkommen anrechnen müssen. Meine Tochter hatte aber ein Nachzahlung von knapp 200 € zu leisten. Reichte ich also ein mit Erstattungsantrag und dem Hinweis, dass der Vermieter sehr ungeduldig ist und telf. vorab schon mal mit Mahnung drohte. Das war Ende April. Mitte Mai kam die 1. Mahnung mit Androhung Anwalt und Gericht. Ich habe bestimmt 8x beim Amt angerufen, war 5x dort. Wurde von hinten bis vorne vertröstet und belogen. Anfang August sind wir dann mit der Klage des Vermieters noch mal zum Amt. Sie bekam nun endlich den Beschein. Eine ABLEHNUNG! Jetzt sind 200 € Betriebskosten + 132 Anwalts- und Gerichtskosten offen.
Natürlich müsste das Jobcenter die Kosten übernehmen - gehören ja zu den Unterkunftskosten. Und das wissen die auch. Gibt sogar ein BSG-Urteil dazu. Intesseiert die aber nicht. Ja, warum tun die das denn? Na, weil sie es können.

Eine ehem. Schulkamaradin hat beim Jobcenter gearbeitet. Sie werden dort regelrecht geschult, wie unmenschlich sie mit den Bürgern umzugehen haben. Jeder hat ein bestimmtes Soll an abgelehnten Anträgen zu erfüllen. Es gibt etliche Kann-Bestimmungen. Für solche gewährten Leistungen müssen die Mitarbeiter lang und breit Rechenschaft ablegen. Sie hat den psychischen Druck dort nicht ausgehalten. Sie hat gekündigt. Andere allerdings sind wiederum sehr gut in der Lage, ihren angestauten Frust an den Bürgern auszulassen. Das sind dann die guten Mitarbeiter. Ach ja, und das nennt sich dann auch noch SOZIALSTATT. Danke, ich ziehe Käfighaltung vor. (Sorry, aber die Bezeichnung gefällt mir.)

Es gibt viele Menschen, die haben einfach nicht mehr die Kraft, um ihr Recht zu kämpfen. Sie halten den psychischen Druck nicht aus, sich immer wieder wie Dreck behandeln lassen zu müssen. Vielleicht sind sie gesundheitlich auch schon angeschlagen. Wenn diese Menschen sagen: Nein, ich kann da nicht mehr hingehen. Und wenn dann jemand kommt und sagt: Na selber schuld! (übrigens höchst unsozial) Dann wäre das, was ich schreiben oder noch lieber tun würde, wirklich nicht mehr "ladylike".

In diesem Staat herrschen Profit- und Habgier. Jeder ist sich selbst der nächste. "Hauptsache mir geht es gut.", wer so denkt, kann hier bestimmt auch gut leben. Ich muss das noch lernen. Vielleicht schaffe ich es ja bis zu meinem Tod.
Und die Menschen sind ja alle noch dieselben wie in der DDR. Diese ganzen Charaktereigenschaften müssen ja alle schon da gewesen sein. Nur hat der Staat DDR eben bestimmte Verhaltensweisen unterdrückt. Und in den Behörden war man zu DDR-Zeiten auch freundlicher.
Mit meinem Charakter und meinem Sinn für Gerechtigkeit habe ich mich in der DDR besser aufgehoben gefühlt.

Wie haben die `"Prinzen" so schön gesungen? "Du musst ein Schwein sein in dieser Wellt ..."





Also , heute Abend werde ich weinen . Selten so einen Mist gelesen .


beobachter hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#844

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 17:56
von Heckenhaus | 5.110 Beiträge

Ja, @linamax, manchmal erkennt man an den schwachen Kommentaren, vornehm ausgedrückt, den Möchtegern-Besserwessi.
Kannst keine anderen Erfahrungen akzeptieren, stimmts ?
Ein schlechter Charakterzug.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
der 39. hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#845

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 18:00
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #841
Turtle, hast Recht. Wiederhaben will ich sie so, wie sie insgesamt war , auch nicht, trotz einiger guter Aspekte.
Besser wäre schön gewesen, aber diese Chance wurde dank des Sturms auf die D-Mark verpaßt, ohne Alternativen
anzuhören.
Fraß damals schon die Gier das Hirn ? Ich denke, zum großen Teil JA.
Wenn ich ehrlich bin, ich würde mich in einer BRD des Jahres 1990 wohler fühlen als in der heute.
Gut, daß ich jetzt Geld beziehe fürs Nichtstun.


Du bekommst kein Geld fürs Nichtstun. Du hast vorher genug dafür getan ,genau wie ich. Und brav Deine Steuern wirst Du auch bezahlt haben.
Ob nun in Ost oder West.


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#846

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 18:02
von linamax | 2.015 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #844
Ja, @linamax, manchmal erkennt man an den schwachen Kommentaren, vornehm ausgedrückt, den Möchtegern-Besserwessi.
Kannst keine anderen Erfahrungen akzeptieren, stimmts ?
Ein schlechter Charakterzug.

Ich fühle mich nicht als so genannter Besserwessi . Ich schreibe nur wie der Schnabel mir gewachsen ist . Du bist doch auch einer der immer alles besser weißt und keine andere Meinung gelten läßt .


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#847

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 18:15
von damals wars | 12.113 Beiträge

Fremdschämen kannte ich schon, fremdweinen war mir bisher fremd.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#848

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 18:23
von turtle | 6.961 Beiträge

Ich habe dieses Buch . Auf Plakaten kann man sehr leicht nachvollziehen wie alles umschwenkte. Von wir bleiben hier ,bis Deutschland einig Vaterland. Sehr empfehlenswert für Interessierte.


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#849

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 18:26
von Heckenhaus | 5.110 Beiträge

Zitat von linamax im Beitrag #846
Ich schreibe nur wie der Schnabel mir gewachsen ist .


Schief ???
Handeln ohne dabei zu denken ist nicht gut.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
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zuletzt bearbeitet 20.08.2015 18:28 | nach oben springen

#850

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 18:29
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von linamax im Beitrag #846

Ich schreibe nur wie der Schnabel mir gewachsen ist .


Kann es sein das hinter Deinem Schnabel eine große Leere herrscht?

Versuch einfach mal über Deine sogenannten "Beiträge" mit den Augen der Adressaten zu lesen ......

Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

der 39. hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#851

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 18:44
von linamax | 2.015 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #850
Zitat von linamax im Beitrag #846

Ich schreibe nur wie der Schnabel mir gewachsen ist .


Kann es sein das hinter Deinem Schnabel eine große Leere herrscht?

Versuch einfach mal über Deine sogenannten "Beiträge" mit den Augen der Adressaten zu lesen ......

Nostalgiker


Ach , laß es doch . Wenn ich dein rotes Geschwafel immer höre in deinen Beiträgen , dann fallen mir alle meine Sünden ein .


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#852

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 19:31
von Hanum83 | 4.662 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #841
Turtle, hast Recht. Wiederhaben will ich sie so, wie sie insgesamt war , auch nicht, trotz einiger guter Aspekte.
Besser wäre schön gewesen, aber diese Chance wurde dank des Sturms auf die D-Mark verpaßt, ohne Alternativen
anzuhören.
Fraß damals schon die Gier das Hirn ? Ich denke, zum großen Teil JA.
Wenn ich ehrlich bin, ich würde mich in einer BRD des Jahres 1990 wohler fühlen als in der heute.
Gut, daß ich jetzt Geld beziehe fürs Nichtstun.


Mal ganz dumm gefragt, du wohnst doch gar nicht mehr in der BRD wenn ich nicht irre, wie kann man denn da vom heutigem Fühlen schreiben bezüglich des Lebens in dieser BRD?
Versteh ich nicht so ganz.


Ein Jahr lang 10 Kilometer der innerdeutschen Grenze 1983/84 mitbewacht.
(Zusatz-Info auf Wunsch eines einzelnen Users: War dabei auch Postenführer.)
zuletzt bearbeitet 20.08.2015 19:33 | nach oben springen

#853

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 19:44
von linamax | 2.015 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #852
Zitat von Heckenhaus im Beitrag #841
Turtle, hast Recht. Wiederhaben will ich sie so, wie sie insgesamt war , auch nicht, trotz einiger guter Aspekte.
Besser wäre schön gewesen, aber diese Chance wurde dank des Sturms auf die D-Mark verpaßt, ohne Alternativen
anzuhören.
Fraß damals schon die Gier das Hirn ? Ich denke, zum großen Teil JA.
Wenn ich ehrlich bin, ich würde mich in einer BRD des Jahres 1990 wohler fühlen als in der heute.
Gut, daß ich jetzt Geld beziehe fürs Nichtstun.


Mal ganz dumm gefragt, du wohnst doch gar nicht mehr in der BRD wenn ich nicht irre, wie kann man denn da vom heutigem Fühlen schreiben bezüglich des Lebens in dieser BRD?
Versteh ich nicht so ganz.

Das verstehen viele nicht . Aber ich hoffe er wird es uns erklären .


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#854

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 22:32
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Potsdamerin im Beitrag #835
Zitat von Moskwitschka im Beitrag #822
Zitat von Potsdamerin im Beitrag #820

Sie hat oft tagelang nichts gegessen, weil sie unbedingt diese Ausbildung abschließen wollte. Wenn DAS keine Sauerei ist, weiß ich auch nicht.


Und da hast Du als Mutter nicht eingegriffen? Und das wenige, was Du anscheinend hast, mit Deiner Tochter geteilt? Erzähl mir nichts vom Pferd. Ich war alleinerziehende Mutter von 4 Kindern. Und musste die Unterstützung während ihrer Ausbildung durch 4 teilen. War auch nicht einfach. Gejammert hat keiner. Ich auch nicht. Jetzt, wo sie alle in Brot und Lohn stehen bzw. ihren Platz im Leben gefinden haben, als Busfahrer, Leiter einer Senioreneinrichtung, Angestellte in einem Reisebüro und wieder studierende Mutter, betrachten sie es als wertvolle Erfahrung und stehen dem Leben in unserem Land nicht unkritisch gegenüber. Bei aller Kritik, packen sie auch an und helfen auf unterschiedliche Weise denen, den es nicht so gut geht. Sie warten nicht auf den Sozialismus. Sie verhalten sich einfach menschlich - sozial.

LG von der Moskwitschka



"das Wenige" ist immer relativ. Und woher glaubst du bitteschön zu wissen, wieviel ich habe?

Wir haben in der DDR - wenn wir nicht gerade studierten - mit 18/19 J. bereits unser erstes volles Gehalt kassiert. Bei mir waren es genau 395,- Mark (ausgezahlt).
Danach ging es stetig bergauf. Nicht zuletzt auch durch meine Tätigkeitswechsel von Facharbeiter für Schreibkraft über Kindergärtnerin, Horterzieherin, Mitarbeiterin in der Medizintechnik bis hin zur Rechtsanwaltsangestellten. Kurz vor der Wende habe ich 890,- Mark (auwaia, jetzt weiß ich nich mehr ob Brutto oder Netto) verdient mit 28 J. + Kindergeld + Unterhalt für d. Kinder. Ich kam mir richtig reich vor. 99,- Mark Miete (4-Raum-Neubauwohnung - meine Erstwohnung), 15,- Mark Strom. Jedes Jahr Urlaub, mal Ostsee, mal Gebirge, mal Polen. Jedes Wochenende bei irgend welchen Freunden oder Verwandten. Irgendwer hatte immer was zum Feiern. Und nie irgend welchen Behördenstress. --> Klingt schon fast langweilig.
1
Und wenn heute eine 30jährige noch von ihren Eltern abhängig ist, kann das sehr belastend sein. . Geld hätte ich ihr nie geben dürfen, das wäre sofort wieder auf's Einkommen angerechnet worden. Selbst Geldgeschenke zu Geburtstagen müssen beim Amt abgerechnet werden. Auf meine Nachfrage beim Amt, ob auch abgerechnet werden muss, wenn ich mein Kind mal zum Essen einlade, schließlich müssste ich dann ja die Kassenbons aufheben, bekam ich keine Antwort.

Aber wie kann man als Mutter nur so eine Frage stellen: "Und da hast du als Mutter nicht eingegriffen?" Hallo?
Meine Tochter hat immer wieder versucht, ihre Situation vor mir zu verbergen. Sie wollte mich nicht belasten, mir keine Sorgen machen. Als ob eine Mutter nicht sieht, wenn das Kind bei 1,65 m nur noch 42 kg wiegt. Wenn ich zu Besuch kam, war ich vorher immer Einkaufen. Unter dem Vorwand, nicht alles nach Hause schleppen zu müssen, ließ ich dann immer so viel wie möglich da. Hast du schon mal gesehen, wie sich ein Mensch freut, wenn er zum Geburtstag Essen geschenkt bekommt? So etwas wäre in der DDR einfach UNDENKBAR gewesen! Und ehrlich, vor der Wende hätte ich sowas nicht mal in der BRD für möglich gehalten.
2
Und die Menschen sind ja alle noch dieselben wie in der DDR. Diese ganzen Charaktereigenschaften müssen ja alle schon da gewesen sein. Nur hat der Staat DDR eben bestimmte Verhaltensweisen unterdrückt. Und in den Behörden war man zu DDR-Zeiten auch freundlicher.
Mit meinem Charakter und meinem Sinn für Gerechtigkeit habe ich mich in der DDR besser aufgehoben gefühlt.

Wie haben die `"Prinzen" so schön gesungen? "Du musst ein Schwein sein in dieser Wellt ..."




1
Genau das ist eines der wichtigsten Prüfkriterien für die aktuelle Standortbestimmung bei der Bewertung beider Biografieanteile. An dieser Stelle ist eine Stellvertreterdiskussion durchaus angebracht, da jemand der Kinder hat mit denen wohl auch mit leidet, wenn diese durch das Zusammentreffen mehrer nachteiliger Faktoren in den Abwärtsstrudel geraten sind.
Das hat eine erhebliche Relevanz, sofern man den Begriff Mitgefühl kennt und zu einer unverstellten und ehrlichen Bewertung jener beiden Biografiephasen in der Lage ist.
Oft werden hier die eigenen Kinder angeführt über die man stolz berichtet, schön und gut aber für die 70+ Fraktion dieses Forums wären schon eher die Daten der Enkel interessant, hier rekrutieren sich die Protagonisten des ostdeutschen Niedriglohnparadieses, des Elends der Generation Praktikum, der Facharbeiterklientel, die mit 30 ihren ersten unbefristeten Arbeitsvertrag in der Hand hat und andere Verlierer dieser Jackpotökonomie.
Das erste Jahrzehnt Gesamtdeutschland hatte trotz allen Niedergangs im Osten durch Transfermaßnahmen und Frühverrentungen sowie die Dominanz der Realökonomie gegenüber dem später "siegreichen " Kasinokapitalismus mehr Sieger als Verlierer, in dieser Zeit war Hackel noch nicht 39 und meinte die Selbstheilungskräfte und die Robustheit der Marktwirtschaft ist dem Sozialismus tatsächlich unter realen Bedingungen überlegen, aber damit war schließlich Sense als er zunächst am eigenem Leibe erfuhr, was ein ehrlicher Arbeiter "wert" war und vor allem auf welcher Basis die Zahlen der Sieger zustande kommen.
Er war 2005 als DDR- Bürger zurück im System des kratzigen Pullovers, den er nur trägt um nicht zu erfrieren und weil ja alle irgendwas anziehen müssen.

2
Und auch das ist wohl wahr und schon lange bekannt, jener Begriff des Raubtiersozialismus wie ihn Prof. Schröder in diversen Publikationen (z. B. "Horch und Guck") analysiert hat und aus deren Schoß in der Nachwendezeit auch in Ostdeutschland eine Klientel herauskroch, die wie ein heißes Messer durch die Butter diese marktwirtschaftliche Werterotation durchlaufen und vorteilhaft überstanden hat, jener Raubtiersozialismus also lag vielen von uns tatsächlich in den Genen.
Wo ich meinen eigenen Standort verorte ist vom Jahr und der persönlichen Situation abhängig, ich denke mal irgendwo zwischen Igel und Dax äähm Dachs, nicht ganz so gefährlich wie Löwen oder Giftschlangen aber eben auch kein Esel oder Schwein, ein kleines wehrhaftes Raubtier halt.
Geldprobleme hatte ich zu keiner Zeit meines Lebens, (Grund: siehe auch Spruch 4 weiter unten).

Nun also die durchschnittene Butter bei die Fische- meine Bewertungsdaten zur aktuellen Standortbestimmung Pro DDR.

1.Der verlorenste aller Tage ist der, an dem man nicht gelacht hat.
Nicolas Chamfort
Hackel: 10:1 für die DDR, denn am Ende des Lebens zählt nur die Summe der fröhlichen Tage

2. Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.
Mahatma Gandhi
Hackel (49): 10:1 für den deutschen Fiskus nach zehn Jahren im Hamsterlaufrad

3. Was nützt die Freiheit des Denkens, wenn sie nicht zur Freiheit des Handelns führt.
Jonathan Swift
Hackel: Kann es sein, daß Feiheit Geld kostet ?

4. Arm ist nicht, wer wenig hat, sondern wer viel braucht.
Peter Rosegger
Hackel (10): ...wußte das schon mit zehn, als er vom ersten Taschengeld einen Monat später fast alles noch hatte...



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#855

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 22:53
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Also mit anderen Worten ausgedrückt, entnehme ich dem was ich hier lese,……..
Wer nicht frühzeitig richtig auf den Weg aufgepasst hat,… den verfolgt die DDR Vergangenheit bis ins Grab.
Oder, habe ich wieder etwas falsch verstanden


zuletzt bearbeitet 20.08.2015 22:56 | nach oben springen

#856

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 21.08.2015 04:20
von Potsdamerin (gelöscht)
avatar

Keine Ahnung, ob es jemanden interessiert ....
Will`s nur kurz zum Abschluss bringen.

Nächste Woche hat meine Tochter 3 Vorstellungsgespräche in Barcelona, evtl. kommt noch ein 4. hinzu.
Sie will nur noch eines - weg aus Deutschland.

Um den restl. Kram kümmert sich ein Anwalt.
Habe ich in der DDR auch nie gebraucht. Und schon gar nicht in Bezug auf Behörden. Die waren nämlich FÜR mich da und nicht gegen mich.


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#857

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 21.08.2015 04:39
von andyman | 1.871 Beiträge

Zitat von Potsdamerin im Beitrag #856
Keine Ahnung, ob es jemanden interessiert ....
Will`s nur kurz zum Abschluss bringen.

Nächste Woche hat meine Tochter 3 Vorstellungsgespräche in Barcelona, evtl. kommt noch ein 4. hinzu.
Sie will nur noch eines - weg aus Deutschland.

Um den restl. Kram kümmert sich ein Anwalt.
Habe ich in der DDR auch nie gebraucht. Und schon gar nicht in Bezug auf Behörden. Die waren nämlich FÜR mich da und nicht gegen mich.



Hoffentlich hat sie denn auch fleißig Spanisch/Baskisch gelernt?Sonst wird`s Essig mit dem neuen Job und im Übrigen hätte sie diese Chance in der DDR wahrscheinlich nie bekommen.Ich wünsche Ihr viel Erfolg.
Gruß aus Südschweden andyman


Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius
Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#858

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 21.08.2015 09:07
von turtle | 6.961 Beiträge

[quote=Potsdamerin|p486477----------------- in Bezug auf Behörden. Die waren nämlich FÜR mich da und nicht gegen mich.
[/quote]

Werden viele anders in Erinnerung haben, dazu gehöre ich.


zuletzt bearbeitet 21.08.2015 09:09 | nach oben springen

#859

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 21.08.2015 09:32
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Harra318 im Beitrag #855
Also mit anderen Worten ausgedrückt, entnehme ich dem was ich hier lese,……..
Wer nicht frühzeitig richtig auf den Weg aufgepasst hat,… den verfolgt die DDR Vergangenheit bis ins Grab.
Oder, habe ich wieder etwas falsch verstanden



Sie ist natürlich in die Biografie eingepreist und bleibt mir als Hintergrundprogramm erhalten.
Die Vergangenheit schimmert immer mal durch, wenn ich erlebe wie damals und heute Bilanzen zustande kommen, wie uns Freundschaften untergejubelt werden von denen ich gar nichts weiß oder wie man sich sehenden Auges mit Mißständen arrangiert, die mit zunehmender Laufzeit zu existenzgefährdeten Problemen führen, wie Politiker alles tun, um von den Bürgern geliebt zu werden und dafür notfalls auch die folgenden Generationen über die Schmerzgrenze hinaus belasten würden und wie alles nur deshalb noch rund läuft, weil eine große Zahl von Basiseliten damals wie heute mit ihrem Fleiß und ihrer Opferbereitschaft selbst beim widrigsten Wetter das Schiff auf Kurs halten.
Vielleicht ist es nur deshalb noch nicht gestrandet, weil niemand an das glaubt was Käpt'n M. uns von der Brücke zuruft, auch das ist eine Duplizität zur Honeckerzeit.



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#860

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 21.08.2015 10:11
von Heckenhaus | 5.110 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #852

Mal ganz dumm gefragt, du wohnst doch gar nicht mehr in der BRD wenn ich nicht irre, wie kann man denn da vom heutigem Fühlen schreiben bezüglich des Lebens in dieser BRD?
Versteh ich nicht so ganz.

Glaubst du, wenn ich gerade mal 2 Jahre raus bin lebe ich hinter dem Mond ?
Außerdem habe ich Kinder in Deutschland, Geschwister, andere Verwandte.
Oder darf ein im Ausland lebender Deutscher nicht mehr urteilen ?


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
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