#821

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 19.08.2015 23:43
von Potsdamerin (gelöscht)
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #819
Zitat von Potsdamerin im Beitrag #818


Ich muss mich entschuldigen. Ich habe mich für so überflüssigen Technikkram nicht interessiert (weder damals noch heute). Deshalb wusste ich nicht, dass wir auch schon so große Farbfernsehgeräte mit Fernbedienung hatten. Ich habe mich mehr für die sportlichere Variante interessiert. Und diese blöden Dinger haben auch noch so verdammt lange gehalt, verflixt. Wann musste man sich schon ein neues Fernsehgerät kaufen ...


Wenn ich Dich richtig verstehe Ich habe mich mehr für die sportlichere Variante interessiert., dann haste auch mit Waschbrett und Bürste Deine Wäsche sauber bekommen. Denn ein Waschvollautomat hat auch so um die 2.800 Mark gekostet.

LG von der Moskwitschka


Du, das habe ich tatsächlich 3 Monate lang mit 2 Wickelkindern. Und? Wo ist das Problem?
Und dann habe ich eine Waschmaschine (Halbautomat) geerbt. Diese hatte ich auch bis zur Wende, weil die blöden Dinger ja einfach nicht kaputt gegangen sind.
Und überhaupt, was sind schon einmalig 2.800 Mark?


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#822

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 00:02
von Moskwitschka | 2.533 Beiträge

Zitat von Potsdamerin im Beitrag #820

Sie hat oft tagelang nichts gegessen, weil sie unbedingt diese Ausbildung abschließen wollte. Wenn DAS keine Sauerei ist, weiß ich auch nicht.


Und da hast Du als Mutter nicht eingegriffen? Und das wenige, was Du anscheinend hast, mit Deiner Tochter geteilt? Erzähl mir nichts vom Pferd. Ich war alleinerziehende Mutter von 4 Kindern. Und musste die Unterstützung während ihrer Ausbildung durch 4 teilen. War auch nicht einfach. Gejammert hat keiner. Ich auch nicht. Jetzt, wo sie alle in Brot und Lohn stehen bzw. ihren Platz im Leben gefinden haben, als Busfahrer, Leiter einer Senioreneinrichtung, Angestellte in einem Reisebüro und wieder studierende Mutter, betrachten sie es als wertvolle Erfahrung und stehen dem Leben in unserem Land nicht unkritisch gegenüber. Bei aller Kritik, packen sie auch an und helfen auf unterschiedliche Weise denen, den es nicht so gut geht. Sie warten nicht auf den Sozialismus. Sie verhalten sich einfach menschlich - sozial.

Zitat von Potsdamerin im Beitrag #820


Da mühen sich junge Leute ab, um aus der Scheiß Sozialschiene raus zu kommen und werden auch noch derart in den Arsch getreten.




Das ist aber nicht ladylike aus der Tastatur einer Frau.

LG von der Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

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zuletzt bearbeitet 20.08.2015 00:03 | nach oben springen

#823

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 00:39
von StabsfeldKoenig | 2.656 Beiträge

Zitat von GKUS64 im Beitrag #798
Von @Potsdamerin in # 790:"So viel spannende Aufregung hatten wir in der DDR nicht. Aber ehrlich, die brauche ich in meinem Alter auch nicht mehr. Ich vermisse das sorglose, beschauliche Leben von damals. Und träumen ist ja nicht verboten .../*"

Ja und warum war das so?
Wenn du mit der Käfighaltung in der DDR zufrieden warst dann war es sorglos und beschaulich. Wir als ehemalige Grenzer haben ja mitgeholfen, dass es so beschaulich war! Der geringe Blickwinkel in unserem Käfig nahm uns die Aufregung, d.h. wir hatten uns mit einem ausgebauten Kuhstall an der Ostsee als Feriendomizil, mit Rot-und Weißkohl im Gemüseladen, mit den ständigen Reden der alten Männer „Der Sozialismus siegt“, mit 350,- M Rente, mit Preisen für TV-Geräten von 6000,-M usw. 40 Jahre lang abgefunden.

Ja was will man eigentlich mehr vom Leben? Wenn wir diese Beschaulichkeit nun auch in Europa wollen, dann bleibt ja nichts weiter übrig als die europäischen Außengrenzen nach dem Vorbild der damaligen DDR-Grenzsicherung zu schützen, diesmal mit dem Unterschied, dass wir keinen rein lassen!

MfG

GKUS64



Wenn man heute aus der Zeit einer längeren Arbeitslosigkeit zurückblickt, wie man damals eine (wenn man nicht gewaltigen Mist baute) auf Lebenszeit sichere Arbeit hatte und wußte, daß man mit Fleiß und Einsatzbereitsschaft in irgendeiner Form die berufliche Karriereleiter nach oben steigen konnte, daß man sich Stück für Stück viele Wünsche erfüllen konnte, dann war das doch eine ganz gute Zeit. Wenn man mit der Stasi Ärger gehabt hätte, dann hätte man dafür selber den Grund schaffen müssen. Streß mit dem Arbeitsamt/Jobcenter hat man heute meist unverschuldet, weil irgendein Profitgeier einen auf die Lister einer Massenentlassung gesetzt hat und eine neue Arbeit nur im Junkjob-Sektor (Leiharbeit, Callcenter, Versandhandelslager o.ä.) bekommen könnte.



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#824

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 00:53
von Moskwitschka | 2.533 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #823

Wenn man mit der Stasi Ärger gehabt hätte, dann hätte man dafür selber den Grund schaffen müssen.


@StabsfeldKoenig

Ich lese Deine Beiträge immer mit großem Interesse. Du verbiegst Dich nicht. Du zeigst Haltung. In meiner Wahrnehmung, hast Du Dich nie verbogen. Zeigst immer klare Kante.

Doch bei diesem Satz musste ich schlucken. Ich habe mich auch nie verbogen. War in der DDR und auch jetzt immer ich selbst. Selbstbestimmt. In der DDR habe ich dadurch "Schwierigkeiten" bekommen., die maßgeblich Einfluß auf meinen "Status" hatten und ich dem nicht ausweichen konnte. Außer mit einem Ausreiseantrag. Aber das kam für mich nicht in Frage.

Heute schert sich kein Mensch drum. Außer, wenn ich meine Meinung in diesem Forum äußere

LG von der Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

zuletzt bearbeitet 20.08.2015 01:03 | nach oben springen

#825

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 01:35
von andyman | 1.882 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #823



Wenn man heute aus der Zeit einer längeren Arbeitslosigkeit zurückblickt, wie man damals eine (wenn man nicht gewaltigen Mist baute) auf Lebenszeit sichere Arbeit hatte und wußte, daß man mit Fleiß und Einsatzbereitsschaft in irgendeiner Form die berufliche Karriereleiter nach oben steigen konnte, daß man sich Stück für Stück viele Wünsche erfüllen konnte, dann war das doch eine ganz gute Zeit. Wenn man mit der Stasi Ärger gehabt hätte, dann hätte man dafür selber den Grund schaffen müssen. Streß mit dem Arbeitsamt/Jobcenter hat man heute meist unverschuldet, weil irgendein Profitgeier einen auf die Lister einer Massenentlassung gesetzt hat und eine neue Arbeit nur im Junkjob-Sektor (Leiharbeit, Callcenter, Versandhandelslager o.ä.) bekommen könnte.


Die sichere Arbeit hatte ich alsTraktorenschlosser schon,wenngleich ich mir nicht vorstellen mochte diese extrem schmutzige Arbeit die nächsten 45 Jahre für den jämmerlichen Lohn von 500,-DDR-mark monatlich zu tun.Die Karriereleiter ließ ich aus als ich die Studiumunterlagen zum Ingenieur in den Händen hielt,die 70% der Studienzeit für nicht fachliche Themenbereiche wie z.B M/L reservierte.

Themawechsel:Ärger mit der Stasi hatte ich nie,gelegentliche Versuche mich zur Mitarbeit zu bewegen konnte ich entkräften

zu grün:diese Zeilen gelten heute genauso wie damals

Alles in allem,die gute alte Zeit war für mich nicht schlecht aber auch nicht gut,das Sprichwort "Jeder ist seines Glückes Schmied" gilt nach wie vor.Sicher haben sich nicht alle rosaroten Träume oder Wunschvorstellungen verwirklicht aber zurückwünschen würde ich sie mir nicht die "gute alte Zeit"
Das es viele gibt die vielleicht anders denken,akzeptiere ich,ohne jemand zu verurteilen und im Übrigen siehe Signatur.
Gruß aus Südschweden andyman


Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius
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#826

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 06:40
von damals wars | 12.215 Beiträge

Bei mir war es die Aussicht, mein Leben lang als Heizer am Kessel zu verbringen, die mich zur Aufnahme des Studiums veranlasste.
Die Frage "Willst Du das Dein Leben lang machen?, habe ich für mich mit "Nein" beantwortet.
Die Aussicht auf ein erhöhtes Stip machte die Entscheidung leichter.

Den technischen Teil des Studiums erleichterte mir meine Ausbildung zum Maschinisten und die Heizerprüfung.
Die meiste Zeit beanspruchte das Fach Chemie, ich wollte unbedingt bestehen und hatte ganz schön zu knappern.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#827

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 08:37
von Hanum83 | 4.806 Beiträge

Tja unsere DDR, ich wurde auch in den Teil des geteilten Deutschland hineingeboren der für sich in Anspruch nahm das bessere Deutschland zu repräsentieren, besonders stolz oder böse auf den Ort meiner Geburt bin ich deshalb nun nicht, war halt einfach so, kann man sich ja nicht aussuchen.
Über die Kindheit und Jugend kann ich nichts schlechtes sagen, man spielt, macht Blödsinn, fängt an sich auszuprobieren, nähert sich dem anderen Geschlecht, halt alles die ungemein spannenden Dinge die nun mal das Heranwachsen ausmachen.
Gut, wenn Onkel und Tanten aus dem anderen Teil der deutschen Landen vorbei kamen brachten sie die bunten Kaugummis mit, die es halt bei uns nicht gab, später die geilen Jeans und Röhrenpullis, schöne Sachen, aber es ging auch ohne, war halt einfach so das es bei uns einfacher zuging.
Dann ging man an die Familiengründung und bekam auch einen Ehekredit, der reichte sogar um sich ein schönes Schlafzimmer zu kaufen.
Viel Geld hatten wir anfänglich nicht, Miete war aber billig, obwohl man sagen muss, für eine Wohnung ohne Bad und Toilette im Treppenhaus kann man auch nicht mehr verlangen.
Wir hatten aber uns und wenn man jung ist reicht das allemal erst mal aus.
Mehr Geld konnte man später mit paar Geschäften nebenher machen und wenn man vom Glück geküsst wurde bekam man eventuell nach 1000? Aufbaustunden sogar eine AWG-Wohnung mit Zentralheizung.
Da du von kindesbeinen an idiologischem Dauerfeuer ausgesetzt warst, hast du entweder an die ganzen Sachen geglaubt die man dier erzählt hat, oder bist dann auch teilweise abgestumpft oder immun geworden, war halt einfach manchmal zuviel des guten vom ständigen Kampfgetöse.
So anfänglich zum Nachdenken bin ich gekommen als man mich an der Grenze vor diese Anlage 501, bundesdeutsch als Selbstschussanlage bezeichnet, gestellt hat.
Da kam doch der Gedanke das du bei etwas mitmachst was nicht in Ordnung ist, weil sich so etwas auszudenken und zu installieren doch von ganz lapidarer Unmenschlichkeit zeugt und ein garantierter Arbeitsplatz und eine Poliklinik macht das auch nicht besser.
Um hinzugehen und zu sagen, hier habt ihr meine Flinte, ich will nicht mehr, hat es nicht gereicht, dazu fehlte es an persönlicher Konsequenz und Mut, auch wegen Frau und Kind für die du verantwortlich bist.
Der Stolz auf was auch immer war aber da abhanden gekommen und die Jahre später mit der absoluten Negierung von Problemen und der dummen Weiter-So-Einstellung derjenigen die in der DDR das Sagen hatten, hat es auch nicht besser gemacht.
Für mich war die Wende nebst dem Untergang dieser DDR, dann eine Wende zum positiven im Leben, härter zwar von den Bedingungen der Geldbeschaffung her, aber wirklich auch freier.
Ist meine persönliche Sicht, viele haben sicherlich eine ganz andere, der Mensch fühlt halt individuell.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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zuletzt bearbeitet 20.08.2015 08:43 | nach oben springen

#828

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 09:42
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von andyman im Beitrag #825


....aus als ich die Studiumunterlagen zum Ingenieur in den Händen hielt,die 70% der Studienzeit für nicht fachliche Themenbereiche wie z.B M/L reservierte.



Etwas OT; der Anteil an M/L in welchem Studium auch immer, betrug 2 Unterrichtsstunden pro Woche. Immer im Wechsel zwischen einer Vorlesung, eine Doppelstunde, und dem dazugehörigen Seminar in der darauffolgenden Woche, ebenfalls eine Doppelstunde. Wobei die Unterrichtsstunde 45min umfasste.

Themenwechsel

Wie es scheint gab es in der DDR nur Farb-Fernseher für 6000 Mark oder mehr und das all die 40 Jahre lang.
Bemerkenswert .....

Nur bin ich der Meinung das nicht jeder einen Fernseher für 6000 Mark zwingend haben mußte, genau sowenig wie sich die Masse heutzutage darüber beschwert das sie keinen Fernseher für 20.000€ und mehr hat. Ja die gibt es auch.

Preispolitik in der DDR ist ein weites Feld und wurde in der Vergangenheit hier im Forum schon des öfteren angeschnitten. und immer kam der Preis vom Farbfernseher .....
Nur macht mich ein Fernseher weder satt, noch kleidet er mich, er steht auch nicht gerne in Freien.

Sich eine Zeit zurückzuwünschen finde ich sowieso etwas komisch.
Wer will mit allen Konsequenzen in der Zeit der siebziger Jahre wieder in der DDR leben wollen? Ich bestimmt nicht, obwohl es meine Jugendzeit war .....
Oder die Zeit der dreißiger Jahre oder noch früher ....

Von der "guten, alten Zeit" würden wir doch, ich zumindest wenn es ginge, nur das für mich absolut positive und gute haben wollen. Genau da geht es aber schon los, für jeden persönlich war etwas anderes gut und schön.
Geht also schlecht.
Also lassen wir die DDR dort wo sie jetzt ist.
Jeder hat andere persönliche Erinnerungen an diese Zeit seines Lebens.
Nur sind Erinnerungen keine sachliche Analyse und Aufarbeitung der wirtschaftlichen, politischen und damit ideologischen Strukturen des Staates und der ihnen innewohnenden Konflikte und Widersprüche.
Sie sind nur ein kleiner Teil.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#829

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 09:59
von DoreHolm | 7.710 Beiträge

Ich würde es mal ganz knapp so umreißen: Es war in der DDR praktisch kaum möglich (es sei denn, man war ein weltweit gesuchtes Genie), über eine bestimmte Reichtumsgrenze zu kommen, aber genauso nahezu unmöglich war es, unverschuldet ganz unten, ohne Chance auf Verbesserung, zu landen. Heute sind diese Grenzen, in´s Extrem abzugleiten, praktisch aufgehoben. Das ist die Freiheit, für die 1989 ab den Rufen "wir sind EIN Volk" demonstriert wurde und jeder war von sich absolut überzeugt, daß er zu den Aufsteigern gehören würde, nicht ahnend, daß die Weichenstellungen nach oben, geradeaus oder nach unten durch ganz andere Leute erfolgten. Mein Chef hatte über hinter sich an der Wand einen Spruch hängen: Es gibt Mitarbeiter, die veranlassen, daß etwas geschieht.
Es gibt Mitarbeiter, die zuschauen, wie etwas geschieht
Es gibt Mitarbeiter, die keine Ahnung haben, was geschehen ist
Im Übrigen, wer von den Ostdeutschen konnte dann damals wirklich realistisch einschätzen, wie seine Chancen auf den neuen bundesdeutschen Arbeitsmarkt liegen ? Ich meine, das waren nicht die Meisten. Die wenigen Macher, die wußten, daß sie zu den Spitzenfachkräften gehören, ob Facharbeiter, Ingenieur oder Akademiker, die sicher eher. Aber bei allen Anderen reagierte das Prinzip Glaube und Hoffnung. Wer wußte denn genau, auf was die westdeutschen Arbeitgeber wirklich Wert legen und was sie als überflüssige Kenntnisse und Eigenschaften betrachteten ?



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zuletzt bearbeitet 20.08.2015 10:00 | nach oben springen

#830

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 10:19
von GKUS64 | 1.613 Beiträge

Von @Potsdamerin in #801:“…Für dich mag es toll sein, dass du jetzt einen riesen Flachbildschirm an der Wand zu hängen hast und jedes Jahr in aller Herren Länder reisen kannst.
Es gibt aber auch in der BRD Menschen, die nur eine Rente von 350 EUR haben. Die sich deinen bemängelten Kohl nicht mal leisten können. Geschweige denn jemals einen Urlaub, im Ausland schon gar nicht. Es gibt Menschen, für die ist die ganze Welt in Ordnung, dabei reicht der Blick nur bis zum eigenen Gartenzaun. Und DU willst mir was von Käfighaltung erzählen?...“


Nun muss ich doch das Bild was du von mir hast versuchen etwas zu verbessern. Mein materielles Denken ist nicht sehr stark ausgeprägt (die Diagonale meines TV-Gerätes beträgt 80 cm!!!!), ich wohne seit 1972 in einem Plattenbau und war auch zu DDR-Zeiten relativ zufrieden. Bananen, schnelle Autos u.a. Schnick-Schnack waren nie mein Bestreben.
Ja aber mit der Käfighaltung konnte ich mich nie abfinden.

Anfang der 60er Jahre dachte ich noch, mit den Menschen, dem Wissen und dem Reichtum an Bodenschätzen in den sozialistischen Ländern und der gemeinschaftlichen Arbeit im damaligen RGW müsste in relativ überschaubarer Zeit eine beispielhafte, zufriedene und frohe Gesellschaft zu erreichen sein. Ungerechtigkeiten würden beseitigt sein, Mauern könnten fallen.

Warum ist denn das nun alles nicht eingetreten?

Bei 70% aller Menschen wird Leistung nur durch Druck erreicht! Jetzt ist das Druckmittel das Geld!
Deine sozialen Gedanken machen dich ja wirklich sympathisch und sie sind auch richtig und mit Hilfsleistungen begrenzt auch umsetzbar, im großen Maßstab wird es aber nicht funktionieren.

Die dafür benötigten Menschen gibt es nicht!

MfG

GKUS64


Elch78 und Jobnomade haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#831

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 10:29
von Klauspeter | 991 Beiträge

Zitat von GKUS64 im Beitrag #830

...
Die dafür benötigten Menschen gibt es nicht!


Auf jeden Fall waren sie immer in der Minderheit. Die Mehrheit sind meist die Postenjäger, die Unehrlichen, die Prinzipienlosen.
Klaus


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#832

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 11:34
von Heckenhaus | 5.158 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #800
Das ist sicherlich auch eine Frage des Alters.

Mein Vater meinte: Wir waren 1945/46 trotz allem glücklicher als ihr Verwöhnter heute (heute, das hieß DDR).
Die Jugendzeit erscheint (fast) immer schön.

Ich habe auch schöne Jahre des Erwachsenenlebens dort verbracht, erhobenen Hauptes und nicht geknechtet und unterdrückt.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#833

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 11:37
von Heckenhaus | 5.158 Beiträge

Zitat von linamax im Beitrag #804
Zitat von G.Michael im Beitrag #803
Zitat von Lutze im Beitrag #802
Die Fernsehgeräte zu etwa 6000 DDR-Mark standen massig in den Schaufenstern,
zumindest im Centrum-Warenhaus in Neubrandenburg
Lutze


Konsument "Am Brühl" in LE, FarbTV mit Fernbedienung für schlappe 7.600 Alumärker.
Micha

Eine bescheidene Frage dazu , konnte das sich jeder DDR - Bürger leisten .

Es war erstaunlich, was sich die "armen DDR-ler" alles leisten konnten. Bekanntlich war zur Wende zum Geldumtausch sehr viel
Vermögen vorhanden. Geld war da, nur die Waren in den Geschäften nicht.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
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#834

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 13:04
von DoreHolm | 7.710 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #816
Zitat von DoreHolm im Beitrag #813
Jeder sicher nicht, aber sehr Viele. Geld gab es genug in der Bevölkerung, wer bei normaler Arbeit das nicht schaffte, gab es dafür mannigfaltige Möglichkeiten, sein Budget aufzubessern. Brauche da nur in meiner Firma stehen zu bleiben (200 Beschäftigte). Entladekolonne, Überstunden, dann natürlich Arbeit nach Feierabend.

Jetzt verwirrst Du mich aber, @DoreHolm : Wenn heute jemand einen solchen Einsatz voraussetzen würde, um sich ein TV-Gerät zu kaufen: We laut wäre der Ruf "Ausbeuter" dann wohl?

Zitat von DoreHolm im Beitrag #813
Wer natürlich nach 16.00 Uhr seinen A...sch nicht mehr hochgekriegt hat, der mußte eben mit seinem normalen Verdienst auskommen und sich ein deutlich preiswerteres Gerät kaufen.

Und was ist heute anders - auch vor 16:00 h wohlgemerkt?



Grün: Auch heute machen das viele. Sicher nicht, um sich ein TV-Gerät zu kaufen, zumindest keine Normales. Heute gibt es andere Begehrlichkeiten, die man sich ohne Zubrot entweder gar nicht oder erst nach langer Sparerei leisten kann. Mitunter auch, um überhaupt über die Runden zu kommen. Warum haben denn nicht wenige einen Zweitjob, Putzen, Zeitung austragen, Babysitten oder Hunde gassi führen, schwarz handwerkern u.s.w. Sicher nicht aus Langeweile. Was meinst Du, weshalb wir unsere Einliegerwohnung hier als Ferienwohnung bei Thüringen Tourist vermieten ? Nicht, weil wir immer mal fremde Leute im Haus haben möchten. Weil wir uns mal einige Extras leisten können wollen. Es ist heute nicht anders als damals. Und was TV-Geräte betrifft, die Du als Beispiel brachtest: Es gibt auch heute Heimelektronik des gehobenen Segmentes, für welche sich viele ordentlich in´s Zeug legen müssen, um sowas sein Eigen zu nennen und Freunde und Bekannte unterschwellig ein ganz klein wenig neidisch zu machen. Oder Autos und vieles mehr, oder ein teures Hobby u.s.w.
Ach so, der Ruf nach "Ausbeuter". Da braucht man nicht erst Überstunden zu machen zu müssen. Ein "Ausbeuter" (muß nicht im schlechten Sinne gemeint sein) ist ein Unternehmer immer, der abhängig Beschäftigte hat. Ausbeuten heißt immer, aus "Etwas" einen höheren Nutzen ziehen als in dieses "Etwas" investiert wurde.



zuletzt bearbeitet 20.08.2015 13:08 | nach oben springen

#835

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 13:41
von Potsdamerin (gelöscht)
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #822
Zitat von Potsdamerin im Beitrag #820

Sie hat oft tagelang nichts gegessen, weil sie unbedingt diese Ausbildung abschließen wollte. Wenn DAS keine Sauerei ist, weiß ich auch nicht.


Und da hast Du als Mutter nicht eingegriffen? Und das wenige, was Du anscheinend hast, mit Deiner Tochter geteilt? Erzähl mir nichts vom Pferd. Ich war alleinerziehende Mutter von 4 Kindern. Und musste die Unterstützung während ihrer Ausbildung durch 4 teilen. War auch nicht einfach. Gejammert hat keiner. Ich auch nicht. Jetzt, wo sie alle in Brot und Lohn stehen bzw. ihren Platz im Leben gefinden haben, als Busfahrer, Leiter einer Senioreneinrichtung, Angestellte in einem Reisebüro und wieder studierende Mutter, betrachten sie es als wertvolle Erfahrung und stehen dem Leben in unserem Land nicht unkritisch gegenüber. Bei aller Kritik, packen sie auch an und helfen auf unterschiedliche Weise denen, den es nicht so gut geht. Sie warten nicht auf den Sozialismus. Sie verhalten sich einfach menschlich - sozial.

LG von der Moskwitschka



"das Wenige" ist immer relativ. Und woher glaubst du bitteschön zu wissen, wieviel ich habe?

Wir haben in der DDR - wenn wir nicht gerade studierten - mit 18/19 J. bereits unser erstes volles Gehalt kassiert. Bei mir waren es genau 395,- Mark (ausgezahlt).
Danach ging es stetig bergauf. Nicht zuletzt auch durch meine Tätigkeitswechsel von Facharbeiter für Schreibkraft über Kindergärtnerin, Horterzieherin, Mitarbeiterin in der Medizintechnik bis hin zur Rechtsanwaltsangestellten. Kurz vor der Wende habe ich 890,- Mark (auwaia, jetzt weiß ich nich mehr ob Brutto oder Netto) verdient mit 28 J. + Kindergeld + Unterhalt für d. Kinder. Ich kam mir richtig reich vor. 99,- Mark Miete (4-Raum-Neubauwohnung - meine Erstwohnung), 15,- Mark Strom. Jedes Jahr Urlaub, mal Ostsee, mal Gebirge, mal Polen. Jedes Wochenende bei irgend welchen Freunden oder Verwandten. Irgendwer hatte immer was zum Feiern. Und nie irgend welchen Behördenstress. --> Klingt schon fast langweilig.

Und wenn heute eine 30jährige noch von ihren Eltern abhängig ist, kann das sehr belastend sein. Geld hätte ich ihr nie geben dürfen, das wäre sofort wieder auf's Einkommen angerechnet worden. Selbst Geldgeschenke zu Geburtstagen müssen beim Amt abgerechnet werden. Auf meine Nachfrage beim Amt, ob auch abgerechnet werden muss, wenn ich mein Kind mal zum Essen einlade, schließlich müssste ich dann ja die Kassenbons aufheben, bekam ich keine Antwort.

Aber wie kann man als Mutter nur so eine Frage stellen: "Und da hast du als Mutter nicht eingegriffen?" Hallo?
Meine Tochter hat immer wieder versucht, ihre Situation vor mir zu verbergen. Sie wollte mich nicht belasten, mir keine Sorgen machen. Als ob eine Mutter nicht sieht, wenn das Kind bei 1,65 m nur noch 42 kg wiegt. Wenn ich zu Besuch kam, war ich vorher immer Einkaufen. Unter dem Vorwand, nicht alles nach Hause schleppen zu müssen, ließ ich dann immer so viel wie möglich da. Hast du schon mal gesehen, wie sich ein Mensch freut, wenn er zum Geburtstag Essen geschenkt bekommt? So etwas wäre in der DDR einfach UNDENKBAR gewesen! Und ehrlich, vor der Wende hätte ich sowas nicht mal in der BRD für möglich gehalten.

Während ihrer Prüfungszeit habe ich dann den ganzen Behördenkram für sie übernommen. Das Amt verlangte nach der Betriebskostenabrechnung, weil sie im Falle einer Rückzahlung diese natürlich auf das Einkommen anrechnen müssen. Meine Tochter hatte aber ein Nachzahlung von knapp 200 € zu leisten. Reichte ich also ein mit Erstattungsantrag und dem Hinweis, dass der Vermieter sehr ungeduldig ist und telf. vorab schon mal mit Mahnung drohte. Das war Ende April. Mitte Mai kam die 1. Mahnung mit Androhung Anwalt und Gericht. Ich habe bestimmt 8x beim Amt angerufen, war 5x dort. Wurde von hinten bis vorne vertröstet und belogen. Anfang August sind wir dann mit der Klage des Vermieters noch mal zum Amt. Sie bekam nun endlich den Beschein. Eine ABLEHNUNG! Jetzt sind 200 € Betriebskosten + 132 Anwalts- und Gerichtskosten offen.
Natürlich müsste das Jobcenter die Kosten übernehmen - gehören ja zu den Unterkunftskosten. Und das wissen die auch. Gibt sogar ein BSG-Urteil dazu. Intesseiert die aber nicht. Ja, warum tun die das denn? Na, weil sie es können.

Eine ehem. Schulkamaradin hat beim Jobcenter gearbeitet. Sie werden dort regelrecht geschult, wie unmenschlich sie mit den Bürgern umzugehen haben. Jeder hat ein bestimmtes Soll an abgelehnten Anträgen zu erfüllen. Es gibt etliche Kann-Bestimmungen. Für solche gewährten Leistungen müssen die Mitarbeiter lang und breit Rechenschaft ablegen. Sie hat den psychischen Druck dort nicht ausgehalten. Sie hat gekündigt. Andere allerdings sind wiederum sehr gut in der Lage, ihren angestauten Frust an den Bürgern auszulassen. Das sind dann die guten Mitarbeiter. Ach ja, und das nennt sich dann auch noch SOZIALSTATT. Danke, ich ziehe Käfighaltung vor. (Sorry, aber die Bezeichnung gefällt mir.)

Es gibt viele Menschen, die haben einfach nicht mehr die Kraft, um ihr Recht zu kämpfen. Sie halten den psychischen Druck nicht aus, sich immer wieder wie Dreck behandeln lassen zu müssen. Vielleicht sind sie gesundheitlich auch schon angeschlagen. Wenn diese Menschen sagen: Nein, ich kann da nicht mehr hingehen. Und wenn dann jemand kommt und sagt: Na selber schuld! (übrigens höchst unsozial) Dann wäre das, was ich schreiben oder noch lieber tun würde, wirklich nicht mehr "ladylike".

In diesem Staat herrschen Profit- und Habgier. Jeder ist sich selbst der nächste. "Hauptsache mir geht es gut.", wer so denkt, kann hier bestimmt auch gut leben. Ich muss das noch lernen. Vielleicht schaffe ich es ja bis zu meinem Tod.
Und die Menschen sind ja alle noch dieselben wie in der DDR. Diese ganzen Charaktereigenschaften müssen ja alle schon da gewesen sein. Nur hat der Staat DDR eben bestimmte Verhaltensweisen unterdrückt. Und in den Behörden war man zu DDR-Zeiten auch freundlicher.
Mit meinem Charakter und meinem Sinn für Gerechtigkeit habe ich mich in der DDR besser aufgehoben gefühlt.

Wie haben die `"Prinzen" so schön gesungen? "Du musst ein Schwein sein in dieser Wellt ..."


Hackel39, damals wars und Heckenhaus haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#836

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 13:53
von DoreHolm | 7.710 Beiträge

Wenn ich so zurückdenke, war ich mit meiner Lebenszeit in der DDR im Wesentlichen zufrieden. Hatte einen guten und sicheren Job, das Gehalt stimmte für DDR-Verhältnisse auch, bei meiner Frau ebenso, betrieblich nebenamtlich engagiert, Mitglied in zwei Hobbygruppen beim Kulturbund (Kakteen und Mineralien), die auch kommerziel einiges einbrachten, die Kinder gingen ihren Weg und die einzige "Sorge" war eigentlich nur, daß sie nicht zum Raucher werden (Heute sind es die Drogen, eine ganz andere Größenordnung). Klar gab es Unzufriedenheiten mit bestimmten gesellschaftlichen Geschehnissen, wo man sich über soviel Quatsch an die Birne griff. Mal ein Beispiel, was mir erinnerlich ist und mir die Angst der Oberen vor unkontrollierten Menschansammlungen verdeutlichte. Zumeist habe ich die Mineralientauschtage in EF organisiert. Wurde auch in anderen Orten gemacht, Freiberg, Aue, Leipzig u.v.a. Wir waren in Spitzenzeiten etwa 50 organisierte Mineralienssammler in EF mit einem aktiven Kern von etwa 20 - 30. Die Tauschtage waren DDR-offen. Als Tausch"börsen" sollten sie nicht bezeichnet werden, weil der Begriff "Börse" in der DDR negativ besetzt war und es auch zwar nicht verboten, aber auch nicht gern gesehen wurde (auch von vielen Sammlern nicht), wenn mehr verkauft und gekauft wird als getauscht wird. Auch als "internationaler" Mineralientauschtag durfte es nicht bezeichneten werden, weil das ja bedeuten würde, daß ausländische Sammler Mineralien illegal ausführen würden. Das ging nur offiziell über die großen Museen. Wie haben wir da unsere tschechischen Freunde beneidet, wie problemlos das dort ging und auch Sammler und Händler aus westlichen Ländern dabei waren. Es muß eine Tauschtag etwa Ende der 80er gewesen sein, als es wohl schon anfing zu rumoren. Verlangte doch die Stellvertreterin des Kulturbundchefs, daß ich den TT nur auf Sammler aus dem Bezirk Erfurt beschränke. Ein völlig unsinniges Verlangen. Könnte ich denn gewährleisten, daß es keine politischen Bekundungen gibt oder sonstwelche staatsfeindlichen oder den Staat schädigenden Aktionen der Sammler und ob ich die Massen denn überhaupt unter Kontrolle hätte u.s.w. Ich habe dieser Tante klargemacht, daß sowas Unsinn ist, es nie zu irgendwelchen Aktionen kam und die Sammler auf so einem TT alles Andere im Sinn haben als Parolen zu rufen. Außerdem würden dann die Sammler des Bezirkes EF nur noch im eigenen Saft schmoren. Jeder hat fast das Gleiche auf dem Tisch im Vergleich zu Tauschtagen, auf denen Sammler aus allen mineralienhöffigen Gebieten vertreten sind und auch das eine oder andere für damalige Verhältnisse "exotische" Stück aus Westeuropa oder Übersee zu haben war. Sie hat sich dann doch geschlagen gegeben und ich habe den TT organisiert so wie ich es immer tat.
Das waren u.a. solche Dinge, nicht weltbewegend, auch nur für eine kleine Anzahl Bürger relevant, die mich aber mächtig geärgert hatten.
Dazu kam dann, ich glaube es war 1987. Honecker hatte mit Kohl einen Kulturvertrag abgeschlossen. Es durften nun auch Privatleute westdeutsche Fachliteratur in die DDR einführen. Über die Bezahlung, das war natürlich jedem selbst überlassen. Meinem Tauschpartner bei Kaiserslautern schickte ich wie immer zu Weihnachten ein Geschenkpäckchen. Auf seines wartete ich vergebens. Dafür fand ich im Januar ein Exemplar der Mineralienzeitschrift "Lapis" im Briefkasten. Zuerst dachte ich an einen Irrtum, hatte mich doch der Kulturvertrag eigentlich nicht interessiert. Als dann gleich darauf ein Brief meines Tauschpartners eintraf, klärte es sich alles auf. Statt eines Weihnachtspäckchen hatte er für mich ein Geschekabonnnement gemacht. Das war natürlich was. Konnte ich doch jetzt die verlockensten reichlich farbbebilderten Berichte von Sammlern und Händlern über ihre Funde und neue Vorkommen in der ganzen Welt lesen. Da, so muß ich sagen, wurde mir eigentlich zum ersten Mal die Enge bewußt, was mir alles vorenthalten wurde.



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#837

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 14:06
von Potsdamerin (gelöscht)
avatar

Zitat von DoreHolm im Beitrag #836
,,, Sie hat sich dann doch geschlagen gegeben und ich habe den TT organisiert so wie ich es immer tat.
Das waren u.a. solche Dinge, nicht weltbewegend, auch nur für eine kleine Anzahl Bürger relevant, die mich aber mächtig geärgert hatten.



Siehst du, und ich habe solche Dinge bei mir unter der Rubrik "Sieg" verbucht und mich gefreut.


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#838

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 16:57
von linamax | 2.022 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #833
Zitat von linamax im Beitrag #804
Zitat von G.Michael im Beitrag #803
Zitat von Lutze im Beitrag #802
Die Fernsehgeräte zu etwa 6000 DDR-Mark standen massig in den Schaufenstern,
zumindest im Centrum-Warenhaus in Neubrandenburg
Lutze


Konsument "Am Brühl" in LE, FarbTV mit Fernbedienung für schlappe 7.600 Alumärker.
Micha

Eine bescheidene Frage dazu , konnte das sich jeder DDR - Bürger leisten .

Es war erstaunlich, was sich die "armen DDR-ler" alles leisten konnten. Bekanntlich war zur Wende zum Geldumtausch sehr viel
Vermögen vorhanden. Geld war da, nur die Waren in den Geschäften nicht.

Frag doch mal die Potsdamerin die weiß doch Bescheid .


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#839

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 17:25
von Heckenhaus | 5.158 Beiträge

Zitat von linamax im Beitrag #838

Frag doch mal die Potsdamerin die weiß doch Bescheid .

Ich weiß das auch, habe nicht die Fliege gemacht.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#840

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 20.08.2015 17:26
von turtle | 6.961 Beiträge

Ist das nicht eine rhetorische Frage ? Soll sie sich zurück wünschen wer möchte .Sie kommt nicht wieder. Chance gehabt, Chance vertan.
Stelle bei den Antworten teilweise fest das es zwei DDR gegeben haben muss. Meine wie ich sie sah und die Andere. Ist eben alles Ansicht und Erfahrungssache. Meine soll da bleiben" wo der Pfeffer wächst" . (Volksmund)


Hanum83 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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