#681

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 08.06.2015 10:30
von Freienhagener | 3.865 Beiträge

Danke Dir. Das erscheint mir aber eher als ein Abriß der Geschichte des NÖS.

Bezüglich des Sozialismus als längere Übergangsphase (länger als vorher angenommen) vor dem Kommunismus drängt sich mir ein Vergleich auf:
Mich erinnert das an die Verheißung des christlichen Himmelreiches auf Erden nach der Wiederkunft des "Heilands".
Die Urchristen hofften, das noch selbst zu erleben. Dann wurde die Erwartung in die Zukunft verschoben. Heute liegt sie im Unendlichen.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 08.06.2015 10:32 | nach oben springen

#682

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 08.06.2015 10:40
von Vierkrug (gelöscht)
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Zitat von Freienhagener im Beitrag #681
Danke Dir. Das erscheint mir aber eher als ein Abriß der Geschichte des NÖS.

Bezüglich des Sozialismus als längere Übergangsphase (als vorher angenommen) vor dem Kommunismus.
Das erinnert mich an die Verheißung des Himmelreiches auf Erden nach der Wiederkunft des "Heilands".
Die Urchristen hofften, das noch selbst zu erleben. Dann wurde die Erwartung in die Zukunft verschoben. Heute liegt sie im Unendlichen.


Der Beitrag sollte auch nur verdeutlichen, dass man sich eigentlich mit dem NÖS schon auf dem richtigem Weg befand und ihn dann doch verlassen hat.
Man wird sehen, wohin die Entwicklung geht. Einiges werden wir nicht mehr zu unseren Lebzeiten mitbekommen. Irgendwann sind wir auch Geschichte.

Vierkrug


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#683

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 08.06.2015 12:55
von thomas 48 | 3.569 Beiträge

Hatte mal ein kleines Problem mit einer Auslandsreise.
War ab 1970 jedes Jahr im soz. Ausland mit Jugendtourist.
Einmal habe ich einen Antrag auf eine Reise in die Armenische Republik in der SU gestellt. wurde nach wochenlanger Wartezeit abgelehnt, habe mich danach in Erfurt beschwert. Wieder lange gewartet, wurde wieder abgelehnt.
Man schlug aber vor ich kann nach Kasachstan fahren.
War toll, war in der ,,Nähe,, von unserem Kosmonauten S. Jähn.
Habe leider nie erfahren, warum die erste Fahrt verboten wurde
tho.


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#684

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 08.06.2015 13:07
von Vierkrug (gelöscht)
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Zitat von thomas 48 im Beitrag #683
Hatte mal ein kleines Problem mit einer Auslandsreise.
War ab 1970 jedes Jahr im soz. Ausland mit Jugendtourist.
Einmal habe ich einen Antrag auf eine Reise in die Armenische Republik in der SU gestellt. wurde nach wochenlanger Wartezeit abgelehnt, habe mich danach in Erfurt beschwert. Wieder lange gewartet, wurde wieder abgelehnt.
Man schlug aber vor ich kann nach Kasachstan fahren.
War toll, war in der ,,Nähe,, von unserem Kosmonauten S. Jähn.
Habe leider nie erfahren, warum die erste Fahrt verboten wurde
tho.


Kann sein, dass das Kontingent bereits vergeben bzw. nicht ausreichend war, um alle Anträge abzudecken. Reisen in die Armenische SSR waren bei Jugendtourist sehr begehrt - nicht wegen dem Sender Jerewan. Hatte an sich mit Deiner Person nichts zu schaffen, denn sonst hätte man Dir nicht Kasachstan als Ersatz angeboten.

Vierkrug


thomas 48 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#685

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 08.06.2015 13:18
von Galaxy (gelöscht)
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Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #673
Zitat von Galaxy im Beitrag #660
Zum Thema Arbeit in der DDR nochmal dieses ! Ein Berufsoffizier geht mit dem 50.Lebensjahr ausser Dienst oder a.D.??? Natürlich bekommt er dann im Zivilen Arbeit zugewiesen und nimmt eine Tätigkeit bei Rat des Kreises Abtl.Wohnungspolitik auf .Nach einer gewissen Zeit wechselt dieser dann zu einen VEB Milchhof ..... und wird dort wissenschaftlicher Mitarbeiter des Betriebsdirektors.Nicht die Arbeit an sich sehe ich als Problem sondern die Tätigkeit ohne die geringste Qualifikation oder Ausbildung dafür.Heute undenkbar !


Welche Waffengattung/Dienststellung hatte der Offizier? Welche Qualifikation hat er beim Wechsel in den Zivielberuf erworben? Und wissenschaftlicher Mitarbeiter bedeutet nicht nur Biologe/Veterinär, sondern, z.B. auch Ökonom oder EDV-Spezialist zu sein, was bei einem Offizier möglich wäre.

War zuletzt OSL bei den GT . Hatte meines wissens nach keine Qualifikation diesbezüglich


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#686

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 10.06.2015 12:13
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #648
[quote=SiK90|p473022]
Man sollte in solchen Sicht- und Betrachtungsweisen auch bedenken, das Karl Marx beim Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus von einer Übergangsphase sprach, in der über eine gewisse Zeit (die auch von Marx zeitlich nicht bestimmt wurde) die alten Produktionsweisen und -methoden neben der sich neu entwickelnden Produktionsweise bestehen.Gesellschaftliches Eigentum wiederspiegelt sich nicht nur in VEB´s.
Soweit von mir.

Vierkrug




An dieser Stelle möchte ich einmal anknüpfen, da es einerseits um die Transformation einer Gesellschaft (vom Kapitalismus in den Kommunismuns) inclusive des Staatsvermögens und andererseits um den Status und die Verwertbarkeit des Privatvermögens (der "Kapitalismusphase") der Staatsbürger geht.
Ich schicke voraus, daß ich definitiv wohl nicht die Größe hätte, auch bei Fortbestand der DDR jemals ein Kommunist zu werden, meine Geschichte von der Apfelplantage (dem Arbeitseinsatz dessen Gesamterlös der Gruppe zugute kommen sollte, deren Mitglieder sich unterschiedlich engagiert in die Wertschöpfung einbrachten) ist nur ein Teil dieses Selbsterkenntnisprozesses.
Was hat das nun mit dem Thema zu tun ?
Wie schon mehrmals erwähnt, wäre ich 100%ig mitgegangen, im Ergebnis der Straßenkämpfe des Herbstes '89 (deren Phase ich an meinem Arbeitsplatz verbrachte) eine bessere DDR mitzugestalten, so gesehen wünschte ich sie mir zurück bezogen auf den Status dieser Zeiit.
Die spätere Möglichkeit zum Aufbau eines Privatvermögens mit der Perspektive der finanziellen Freiheit, quasi mt Ende 40 faktisch nicht mehr arbeiten zu müssen, wäre somit nicht lösbar gewesen, dafür wäre aus meiner Sicht das Leben in dieser reformierten DDR schöner als das, welches ich im Moment führe, sofern das neue Modell den Verlauf genommen hätte, der im Idealfall drin gewesen wäre.
Das alles sind hypothetische Denkmodelle, die eigentlich keinen Wert mehr haben, vertane Chancen halt, da man aus Asche keine Paläste mehr bauen kann.
Wenn man nun fragt, ob heute ein Reset in die DDR aus meiner Sicht wünschenswert wäre, so wäre das untrennbar mit dem dann vorgesehenen Status meines Privatbesitzes an Produktionsmitteln verbunden, das alles vor dem Hintergrund, kein Kommunist zu sein.
Käme es demnach zu einer Enteignung, so wäre das im Prinzip der gleiche Angriff auf eine Arbeitsleistung (=einer Entwertung im wirtschaftlichen Sinne) wie damals auf der Apfelplantage und die Systemfrage wäre meinerseits geklärt = kein Zurück.
Die Sache ist trotzdem dermaßen komplex, daß sie aus meiner Sicht gar nicht zu beantworten geht, da ich trotz des Privatvermögens weitergearbeitet und Steuern bezahlt hätte und zwar bis zur Rente, da bin ich mir sicher.
Wäre mir nun der Privatbesitz erhalten geblieben, so wäre ich wiederum mit einem Reset einverstanden, selbst wenn alles am Ende des Lebens dem Staat/ Gemeinwesen zugefallen wäre, mir ging es schlichtweg darum, mit jenem Privatvermögen mehr gestalten zu können als ohne und keinesfalls ein Leben in Luxus und Müßiggang zu verbringen.
Wenn man allerdings sieht, wie die DDR mit Privatbesitz verfahren ist und welchen Sanktionen Unternehmerfamilien ausgesetzt waren, so steht bei einer Positionierung das Ergebnis möglicher Reformen 1989 über allem, da hätte eine neue Standortbestimmung erfolgen müssen, einem Arrangement mit dem Kapitalismus und das wäre die entgegengesetzte Richtung des Kommunismus gewesen.
Aber auch hier ist zu bedenken, daß sich nach dem "Durchlaufen" aller Erbfälle (es gibt ab, sagen wir 2050 keinen Privatbesitz an PM mehr) neue Perspektiven in Richtung der klassenlosen Gesellschaft aufgetan hätten.
Ein Land, das diesen Anspruch hätte bleibt ein Hirngespinst, ähnlich dem islamischen Staat mit seinen Mörderbanden, die sind vom reinem Islam genauso weit weg, wie der realistische DDR- Reformer vom reinen Kommunismus, das ist aber nur meine heutige Sicht auf die Dinge.
Der Personenkreis, der bereits jetzt nach solchen Prämissen zu leben bereit und in der Lage wäre ist dermaßen klein, daß man in diesem Zusammenhang eigentlich nicht über ein Staatswesen debattieren muß, das reicht bestenfalls für Themencamps im Privatfernsehen.



zuletzt bearbeitet 10.06.2015 15:15 | nach oben springen

#687

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 10.06.2015 13:20
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Hackel39, voriger Beitrag #686, drittletzter Absatz mit "ab 2050 kein Privatbesitz an PM...". Dazu ein Erlebnis, es muß wohl in den 70ern gewesen sein, welche Überspitzungen das annehmen könnt, wenn die Definition des Begriffes "Produktionsmittel" schwammig gehalten wird und den Kleinsten in der Verwaltungshirarchie überlassen wird. Ich wollte beim Maschinenhandel, jedenfalls einem Werkzeughandel, an ganz simples Werkzeug kaufen, was aber nicht in jedes Heimwerkers Kasten liegt. Was es war, weiß ich nicht, aber es war nicht nur ein Schraubenzieher o.ä. Gewindeschneider oder diese Kategorie. Wollte mir doch die Sachbearbeiterin einreden, daß wäre ein PM und die gehörten nicht in Privatbesitz. Ich erinnere mich, es doch bekommen zu haben, aber diese Aussage allein hat mich erst mal sprachlos gemacht. Vorstellen könnte ich mir, daß es Extremisten gibt, die sowas in ihre Gesellschaftsvorstellungen mit einschließen. Ist es doch so, genaugenommen, daß ich als Nicht-Elektriker nicht mal eine zusätzliche Steckdose anbringen, ein extra Kabel verlegen oder eine Lampe anschließen dürfte, oder ? Wozu dann Heimwerkerläden ?



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#688

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 10.06.2015 14:14
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #687
Hackel39, voriger Beitrag #686, drittletzter Absatz mit "ab 2050 kein Privatbesitz an PM...". Dazu ein Erlebnis, es muß wohl in den 70ern gewesen sein, welche Überspitzungen das annehmen könnt, wenn die Definition des Begriffes "Produktionsmittel" schwammig gehalten wird und den Kleinsten in der Verwaltungshirarchie überlassen wird. Ich wollte beim Maschinenhandel, jedenfalls einem Werkzeughandel, an ganz simples Werkzeug kaufen, was aber nicht in jedes Heimwerkers Kasten liegt. Was es war, weiß ich nicht, aber es war nicht nur ein Schraubenzieher o.ä. Gewindeschneider oder diese Kategorie. Wollte mir doch die Sachbearbeiterin einreden, daß wäre ein PM und die gehörten nicht in Privatbesitz. Ich erinnere mich, es doch bekommen zu haben, aber diese Aussage allein hat mich erst mal sprachlos gemacht. Vorstellen könnte ich mir, daß es Extremisten gibt, die sowas in ihre Gesellschaftsvorstellungen mit einschließen. Ist es doch so, genaugenommen, daß ich als Nicht-Elektriker nicht mal eine zusätzliche Steckdose anbringen, ein extra Kabel verlegen oder eine Lampe anschließen dürfte, oder ? Wozu dann Heimwerkerläden ?


Es ist wieder einmal ein Kommunikations- und Interpretationsproblem, einer Hauptursache für das Scheitern des Sozialismusmodells der DDR.
Die Auslegung der Parteilinie hätte mehr Kreativität bedurft, die man im Erfolgsfall möglicherweise sogar in der Praxis geduldet hätte.
Aber wer hätte das Signal ziehen sollen ?
Mein Standardspruch hieß damals, "Wer viel fragt, geht viel irre", das hätten auch die Entscheidungsträger so halten können, es ist aber leichter gesagt als getan, das gebe ich wohl zu.
Aus Büchern wie z. B. diesem hier http://www.amazon.de/gab-immer-noch-ein-...n/dp/3933519683 weiß ich, daß die Praxis oft nicht so kommunismuskonform war, wie im Lernmaterial des FDJ- Studienjahrs, es wurde damals aber nicht offen diskutiert, damit begann erst Gorbatschow als es schon für uns zu spät war.
Eine klare Verabschiedung vom strategischen Ziel des Kommunismus hätte eine Brücke zur Wahrheit und Machbarkeit sein können, über die wäre ich auch dann mit marschiert, wenn der Parteisekretär zurück geblieben wäre.



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#689

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 11.06.2015 00:09
von StabsfeldKoenig | 2.648 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #688
Zitat von DoreHolm im Beitrag #687
Hackel39, voriger Beitrag #686, drittletzter Absatz mit "ab 2050 kein Privatbesitz an PM...". Dazu ein Erlebnis, es muß wohl in den 70ern gewesen sein, welche Überspitzungen das annehmen könnt, wenn die Definition des Begriffes "Produktionsmittel" schwammig gehalten wird und den Kleinsten in der Verwaltungshirarchie überlassen wird. Ich wollte beim Maschinenhandel, jedenfalls einem Werkzeughandel, an ganz simples Werkzeug kaufen, was aber nicht in jedes Heimwerkers Kasten liegt. Was es war, weiß ich nicht, aber es war nicht nur ein Schraubenzieher o.ä. Gewindeschneider oder diese Kategorie. Wollte mir doch die Sachbearbeiterin einreden, daß wäre ein PM und die gehörten nicht in Privatbesitz. Ich erinnere mich, es doch bekommen zu haben, aber diese Aussage allein hat mich erst mal sprachlos gemacht. Vorstellen könnte ich mir, daß es Extremisten gibt, die sowas in ihre Gesellschaftsvorstellungen mit einschließen. Ist es doch so, genaugenommen, daß ich als Nicht-Elektriker nicht mal eine zusätzliche Steckdose anbringen, ein extra Kabel verlegen oder eine Lampe anschließen dürfte, oder ? Wozu dann Heimwerkerläden ?


Es ist wieder einmal ein Kommunikations- und Interpretationsproblem, einer Hauptursache für das Scheitern des Sozialismusmodells der DDR.
Die Auslegung der Parteilinie hätte mehr Kreativität bedurft, die man im Erfolgsfall möglicherweise sogar in der Praxis geduldet hätte.
Aber wer hätte das Signal ziehen sollen ?
Mein Standardspruch hieß damals, "Wer viel fragt, geht viel irre", das hätten auch die Entscheidungsträger so halten können, es ist aber leichter gesagt als getan, das gebe ich wohl zu.
Aus Büchern wie z. B. diesem hier http://www.amazon.de/gab-immer-noch-ein-...n/dp/3933519683 weiß ich, daß die Praxis oft nicht so kommunismuskonform war, wie im Lernmaterial des FDJ- Studienjahrs, es wurde damals aber nicht offen diskutiert, damit begann erst Gorbatschow als es schon für uns zu spät war.
Eine klare Verabschiedung vom strategischen Ziel des Kommunismus hätte eine Brücke zur Wahrheit und Machbarkeit sein können, über die wäre ich auch dann mit marschiert, wenn der Parteisekretär zurück geblieben wäre.


Die Frage, ob ein Ding ein Produktionsmittel ist, hängt davon ab, wie man es nutzt. Wenn ich Wohneigentum selber nutzte, ist es persönliches Eigentum. Vermiete ich eine Wohnung, dann ist diese ein Produktionsmittel. Ein PKW wird zum PM, wenn man damit gegen Entgelt Transporte durchführt bzw. Schwarztaxi fährt. Maschinen sind ab dem Zeitpunkt kein PM mehr, wenn diese nicht gewinnbringend genutzt werden (also entweder in einem Museum stehen oder für den Eigengebrauch in einem Hobby genutzt werden).
Es gab in der DDR sogar einige private Kleinbahnen, die sich Leute in ihren Gärten mit altem Feldbahnmaterial gebaut hatten und die kein PM waren, wenn man damit lediglich sein Gartenmaterial transportierte bzw. zum Vergnügen im Kreis herum fuhr.



DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#690

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 23.06.2015 00:50
von Moskwitschka | 2.529 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #554

Ausschlaggebend für einen Reisekader war seine Fach - und Sachkompetenz für die zu erfüllenden Aufgaben im jeweiligem Einsatzland, gepaart mit seiner charakterlichen Eignung. Die Vorauswahl der betreffenden Personen, einschließlich der Reservekader trafen die staatlichen Leitungen. Nach Überprüfung wurden dann diese der jeweiligen Parteiebene zu letztlichen Bestätigung vorgelegt. D.h., letztendlich entschied die jeweilige Parteiinstitution, wer als NSW-Reisekader zurm Einsatz gelangen kann. Wimre gab es sehr, sehr wenige Ablehnungen, da schon im Vorfeld sehr verantwortungsbewußt gearbeitet wurde.



Was bedeutet in diesem Zusammenhang "charakterliche Eignung"?

Nehmen wir mal an, ein junger aufstrebender, hoch begabter Wissenschaftler wird für ein USA - Aufenthalt (Kongress mit sich anschließenden 3-monatigen Studienaufenthalt) vorgeschlagen. Gründlich überlegt von seinem Vorgestzten, einem Direktor einer Fakultät einer in der DDR renomierten Universität. Nach Überprüfung durch das MfS erfolgt eine Ablehnung. Begründung - Die Nähe des aufstrebenden Wissenschaftlers zur evangelischen Kirche.

Das Beispiel ist nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern eine Momentaufnahme des realen Lebens in der DDR. Wie es ausgegangen ist, ist hier nebensächlich. Sondern das Beispiel zeigt, dass es nicht nur die charakterliche Eignung war, wo das MfS Widerspruch angemeldet hat.

LG von der Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

zuletzt bearbeitet 23.06.2015 01:25 | nach oben springen

#691

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 23.06.2015 10:09
von Vierkrug (gelöscht)
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Wegen seiner Religionszugehörigkeit und Glaubensausübung wurde sicherlich kein Reisekader seitens des MfS abgelehnt. Da müssen schon andere Gründe und Bedenken vorgelegen haben.
Wie bereits erwähnt, hielten sich Ablehnungen in Grenzen und die mußten auch begründet sein. Mit oberflächliche Einschätzungen und Beurteilungen des Betreffenden war da nichts zu machen, denn es ging auch um die eigene Glaubwürdigkeit bei der Entscheidung.
Zugeich muß man auch differenzieren, um wen handelt es sich. Ein Mitarbeiter einer wissenschaftlichen Einrichtung bzw. Institution wurde anders überprüft, wie ein Monteur eines Betriebes, der für Service- und Montagearbeiten zum Einsatz gelangen sollte. Hinzu kam, inwieweit ist der Betreffende ein "Geheimnisträger", ist er u.a. in wichtige Staatsplanvorhaben Wissenschaft und Technik, Forschungs- und Entwicklungsprojekten von entscheidender volkswirtschaftlicher Bedeutung etc. eingebunden. Zielpersonen der "gegnerischen Angriffe" waren u.a. vorrangig Wissenschaftler, Forscher, Führungs- und Leitungskräfte. Dafür wurden internationale Fachtagungen, Kongresse und Seminare u.ä. genutzt bzw. benutzt. Da war es schon wichtig zu wissen, wie verlässlich ist der betreffende Kader. Dabei wurde auch sein bisheriger beruflicher Werdegang und vor allem sein Auftreten und Verhalten, nicht nur in der Einrichtung bzw. seinem Betrieb in Betracht gezogen. Auch solche Aspekte, wie ist sein Verhältnis zum Alkohol, zum anderem Geschlecht wurden berücksichtigt, wie auch seine Mitteilsamkeit, Redseligkeit und sein Geltungsbedürfnis.
Bei diesen Überprüfungen stand immer die objektive Beurteilung im Vordergrund und nicht die subjektive Bewertung. Wobei ich nicht ausschliesse, dass es auch hier Fehlentscheidungen gab.
Ich habe, wenn ich Mitglied einer solchen Fach- und Spezialistengruppe war, auch nicht jede Kleinigkeit, die passierte, an die große Glocke gehängt, dass hätte sicherlich bei einigen Kadern zum Verlust ihres Reisekaderstatus geführt. Es kam immer auf die Umstände an, auf die Verhältnismäßigkeit - wenn es nur ein Ausrutscher war, so sprach man miteinander und dann Schwamm drüber. Es waren Menschen mit ihren Stärken und Schwächen, mit denen man es tun hatte. Man konnte durch Fehlentscheidungen sehr schnell Schicksal spielen und die Betreffenden nachhaltig schädigen, in jeder Hinsicht.
Soweit von mir.
Wenn noch eine konkretere Antwort zum vorgenanntem Einzelfall erwünscht wird, dann bitte auch "Ross und Reiter" benennen und sich nicht hinter dem Mantel der Anonymität verbergen.

Vierkrug


passport und Jobnomade haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 23.06.2015 10:27 | nach oben springen

#692

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 23.06.2015 10:22
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Was die charakterliche Eignung betraf, erzählte mir mein Vater damals, daß es trotzdem immer mal wieder vorkam, daß ein führender Reisekader sozus. "über die Stränge schlug. Z.B. wenn er beim oder nach dem Geschäftsessen oder anderer Gelegenheit die Kontrolle über seinen Alkoholkonsum verloren hatte oder/und sich von einer Prostituierten einfangen ließ und dann besoffen irgendwo in einer Straßenecke wieder aufwachte. Da alles Menschen sind, passierte sowas natürlich auch westeuropäischen/westdeutschen Geschäftsreisenden. Es gab, so die Aussage meines Vaters, dazu zwischen der BRD und der DDR eine interne Abmachung, solche Vorkommnisse nicht an die große Glocke zu hängen und nicht medial auszuschlachten. Man wird mir bestätigen können, hoffe ich, daß es schwer ist, sich an irgendwelche Medienmeldungen ob Ost oder West dieser Art zu erinnern, weil es sie einfach nicht gab.



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#693

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 23.06.2015 12:01
von Vierkrug (gelöscht)
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Noch einmal Bezug auf den Beitrag # 690 nehmend, ohne die näheren Details zu kennen.
Bevor ein Reisekader überprüft und bestätigt wurde, ist er erst einmal in die Reisekadernomenklatur aufgenommen worden - auch wenn er nur Ersatzkader war. Diese Nomenklatur wurde von der jeweiligen staatlichen Leitung (Betrieb, Einrichtung, Institution etc.) erarbeitet und dann erst zur Überprüfung dem MfS übergeben worden. Seitens dieser Leitungen wurde auch nur der dafür in Betracht gezogene Kader dahingehend informiert, dass er in diese Nomenklatur aufgenommen wurde, mehr auch nicht. Das hieß noch lange nicht, dass er bestätigt wird und auch zum Einsatz kommt.
Deshalb ist die erwähnte Verfahrensweise für mich mehr als nur verwunderlich. Der Betreffende hätte nur davon Kenntnis haben dürfen, dass er in der Reisekadernomenklatur aufgenommen wurde. Diese Nominierungen erfolgten nicht kurzfristig, sondern in der Regel 1 x jährlich als sogenanntes Gesamtpaket.
Die beschriebene Handlungsweise ist für mich mehr als suspekt, zumal noch ein 3-monatiger Studienaufenthalt daran gekoppelt war. Das heißt, nach Kenntnis des Überprüfungsergebnisses und der Ablehnung - aus welchen Gründen auch immer - hatte die Leitung der Fakultät nicht das Recht gehabt, den Betreffenden überhaupt für einen Einsatz zu berücksichtigen und schon gar nicht ihm die Ablehnungsgründe mitzuteilen.
Deshalb kann ich auch der beschriebenen Verfahrensweise auch keinen Glauben schenken - das ist mir alles zu sehr an den Haaren herbei gezogen.

Vierkrug


Fritze hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#694

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 23.06.2015 12:51
von thomas 48 | 3.569 Beiträge

#691
Vierkrug
glaubst du wirklich, das dein erster Satz stimmt?


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#695

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 23.06.2015 13:20
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Das Thema mit den Reisekadern hatten wir bereits in der Vergangenheit lang und breit ausdiskutiert.

Natürlich kann im Nachgang behauptet werden das vorrangig fachliche Qualifikation und moralische Eignung die entscheidenden Auswahlkriterien gewesen seien. Ich habe bewußt nicht die politische Einstellung genannt.
Nur wie ist es dann zu verstehen das einem Mitarbeiter eines Außenhandelsbetriebes welcher für die technisch-logistische Absicherung der Messerepräsentation auf diversen Messen im In und Ausland verantwortlich war und seine Anwesenheit vor Ort durchaus Notwendig war die Bestätigung als Reisekader mit der Begründung verwehrt wurde, er sei ledig und damit moralisch nicht geeignet.
Komisch, auf die Messen innerhalb der DDR durfte/mußte er fahren, da war es wohl mit der Moral nicht weit her.
Übrigens betraf die Ablehnung Messen im RGW Gebiet, vom NSW reden wir da überhaupt nicht.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#696

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 23.06.2015 13:21
von Vierkrug (gelöscht)
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Zitat von thomas 48 im Beitrag #694
#691
Vierkrug
glaubst du wirklich, das dein erster Satz stimmt?


Ich kann es nur von meiner Warte aus beurteilen und dazu ein eindeutiges "Ja" abgeben ! Ich könnte es auch mit Beispielen belegen, aber auch die würden wieder angezweifelt werden, wie so viele andere Aussagen, die ehemalige Mitarbeiter eigentlich fach-und sachkundig dargelegt haben. Deshalb, "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold."

Vierkrug


Georg, passport, Krepp, Fritze und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 23.06.2015 20:43 | nach oben springen

#697

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 23.06.2015 13:34
von Vierkrug (gelöscht)
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Zitat von Nostalgiker im Beitrag #695
Das Thema mit den Reisekadern hatten wir bereits in der Vergangenheit lang und breit ausdiskutiert.

Natürlich kann im Nachgang behauptet werden das vorrangig fachliche Qualifikation und moralische Eignung die entscheidenden Auswahlkriterien gewesen seien. Ich habe bewußt nicht die politische Einstellung genannt.
Nur wie ist es dann zu verstehen das einem Mitarbeiter eines Außenhandelsbetriebes welcher für die technisch-logistische Absicherung der Messerepräsentation auf diversen Messen im In und Ausland verantwortlich war und seine Anwesenheit vor Ort durchaus Notwendig war die Bestätigung als Reisekader mit der Begründung verwehrt wurde, er sei ledig und damit moralisch nicht geeignet.
Komisch, auf die Messen innerhalb der DDR durfte/mußte er fahren, da war es wohl mit der Moral nicht weit her.
Übrigens betraf die Ablehnung Messen im RGW Gebiet, vom NSW reden wir da überhaupt nicht.

Gruß
Nostalgiker




Ich habe versucht, in den Beiträgen # 691 und 693 die Verfahrensweise zu erläutern. Die Ablehnung des Reisekaders war nicht nur von der Einschätzung des MfS abhängig. Ausschlaggebend war in letzter Instanz immer noch die Bestätigung durch die jeweilige Leitungsebene der Partei.
Der von Dir angeführte Sachverhalt deutet auf Letzteres hin. Ledig zu sein war moralisch nicht verwerflich und aus Sicht des MfS auch kein Ablehunungsgrund.
Bedenken und Einwände des MfS waren ohnehin intern und durften auch nicht dem Betreffendem zur Kenntnis gegeben werden.
Wie schon von Dir bereits erwähnt, die Problematik Reisekader wurde hier schon breit und ausgiebig erörtert und diskutiert.

Vierkrug


RudiEK89 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 23.06.2015 17:10 | nach oben springen

#698

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 25.06.2015 21:45
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #691


Ich habe, wenn ich Mitglied einer solchen Fach- und Spezialistengruppe war, auch nicht jede Kleinigkeit, die passierte, an die große Glocke gehängt, dass hätte sicherlich bei einigen Kadern zum Verlust ihres Reisekaderstatus geführt. Es kam immer auf die Umstände an, auf die Verhältnismäßigkeit - wenn es nur ein Ausrutscher war, so sprach man miteinander und dann Schwamm drüber. Es waren Menschen mit ihren Stärken und Schwächen, mit denen man es tun hatte. Man konnte durch Fehlentscheidungen sehr schnell Schicksal spielen und die Betreffenden nachhaltig schädigen, in jeder Hinsicht.
Soweit von mir.
Wenn noch eine konkretere Antwort zum vorgenanntem Einzelfall erwünscht wird, dann bitte auch "Ross und Reiter" benennen und sich nicht hinter dem Mantel der Anonymität verbergen.

Vierkrug


Wie war das eigentlich im Falle der umgekehrten Vorzeichen, will heißen wie wurde verfahren, wenn die Bürgschaft/ die Protektion mißbraucht wurde und der Reisekader eben nicht zurück kam ?
Übrigens war ich im Vorfeld meiner einzigen Westreise außer an die Eisenbahn nirgendwo gebunden, hatte sogar Verwandte drüben und war vom Charakter her zudem noch ziemlich offen und nach allem was man hier zu lesen bekommt, wird es mir immer unerklärlicher, was meine Bürgen so zuversichtlich gestimmt hat, daß ich wieder komme.
Immerhin war meine Treue zum Staat aber tatsächlich vorhanden, ich habe zu keinem Moment daran gedacht, einfach zu meinen Verwandten ins Auto zu steigen und einfach mitzufahren in die Freiheit- das alles wäre im Hamburger Winter des Jahres 1989 ohne Gefahr möglich gewesen.
Gab es eigentlich seitens des MfS Ambitionen, ausgewählte Jugendtourist- Reisende für eine Tätigkeit im Feindesland anzuwerben und wenn ja, hat man die im Vorfeld darauf eingestimmt oder verbannst Du solche Gedanken grundsätzlich in das Reich der Fantasie ?
Ich will hier keinesfalls im Nebel stochern oder hanbüchene Gedankenspiele anregen, aber diese Reise hat noch eine erhebliche Relevanz für die Nachbetrachtung meiner DDR- Vergangenheit, wenngleich es womöglich zwei Paar Schuhe sind, der Jugendtourist und der "echte" Reisekader.



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#699

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 26.06.2015 08:27
von Vierkrug (gelöscht)
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@Hackel39 - da Du mich angesprochen hast, auch eine Antwort auf die Fragen.
Eine 100ige Sicherheit gab und gibt es bis heute nicht, wie es auch keine Garantie dafür gab, dass bestätigte Reisekader auch nach ihrem Einsatz wieder zurück kehrten. Es gibt Beispiele, wo eine Dienstreise in das NSW auch dazu benutzt wurde, um sich auch abzusetzen - die elegante Variante der Republiksflucht. Trotz Überprüfungen etc., konnte man nicht in das Innere eines Menschen hinein schauen. Das vermochte auch nicht das MfS, dem ja soviel unterstellt wird. Es gab Menschen, die konnten ihre eigentlichen Ambitionen sehr gut hinter einer Maske verbergen. Das soll ja auch heute noch der Fall sein.

Bei den Jugendtourist-Reisen glaube ich nicht, dass es seitens des MfS Aktivitäten gab, Reisende in das NSW für eine Tätigkeit anzuwerben. Ausschliessen will ich das aber aus heutiger Sicht auch nicht mehr.
Man müßte dabei Aufwand und Nutzen betrachten. Die Reisegruppen in Länder des NSW waren in der Regel klein und überschaubar. Die Reiseunterlagen, wie Voucher etc. befanden sich in der Hand der Reiseleitung bzw. des Reiseleiters. Der mußte ohnehin nach Beendigung der Reise einen etwas umfassenderen Reisebericht abfassen, der vielleicht für das MfS von Bedeutung war.

Bei anderen Dienstreisen, ob nun SW oder NSW war es ohnehin Pflicht, dass die immer mit einem Dienstreiseauftrag verbunden wurden. Das heißt, wenn man in der Reisestelle seinen Pass empfing, so war auch zugleich der Dienstreiseauftrag mit entsprechender Aufgabenstellung dabei, wie auch die Valuten, die zuvor beantragt und genehmigt werden mußten. Nach Beendigung der Dienstreise mußte mit der Rückgabe des Passes, der Valutenabrechnung, auch ein Reisebericht abgegeben werden. Darin enthalten, der Ablauf der Reise, der Personenkreis (Funktion, Stellung etc.) mit dem man zusammen kam, Art und Weise, wie auch Inhalt der Gespräche und nicht zuletzt auch Erkenntnisse. Diese Reiseberichte waren sicherlich für das MfS von Interesse und ich gehe auch davon aus, dass der Leiter der Reisestelle als "IM" tätig war.
Wenn man gedeckt und verdeckt im Einsatz war, dann spielte die Einhaltung aller Regeln der konspirativen Arbeit eine sehr große Rolle. Das war manchmal nicht so einfach.

Vierkrug


Hackel39, Fritze und RudiEK89 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 26.06.2015 08:53
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

So gesehen haben die mich korrekt eingeschätzt und eigentlich wundere ich mich heute nicht mehr, daß sie damals nichts aus mir gemacht hatten.
Entgegen des Verbots, Verwandte dort zu treffen tat ich das trotzdem ohne natürlich den Reiseleiter vom Mansfeld Kombinat davon in Kenntnis zu setzen ("Wer viel fragt, geht viel irre").
Man konnte mir, wie gesagt, ja vertrauen trotzdem war es ein Verstoß gegen die Regeln, wobei ich danach keine Probleme bekam.
Alles war irgendwie unwirklich, auch daß ich ohne weiteres im Führerstand der Hamburger S- Bahn mitfahren durfte und mit echten Bundesbahnern auch auf das Gehalt zu sprechen kam, so etwas möglich zu machen fand ich schon phänomenal.
Den etwa gleichaltrigen Kollegen, der mir dieses Tor öffnete lernte ich bei einem Begegnungsabend mit Westjugendlichen kennen und es kam zu einer Verabredung, wobei ich heute nicht mehr weiß, ob meine drei Mitstreiter (wir mußten wegen der Sammelfahrscheine immer zusammen bleiben) zumindest im Zug überhaupt dabei waren.
Deshalb übrigens meine Anfrage zu Abwerbeversuchen.
Konkrete Anfragen gab es allerdings auch nicht, vielleicht wollte der Bundesbahner mir aber einfach nur zeigen, wie leicht im Kapitalismus Türen zu öffnen sind, ich hätte zumindest niemanden so ohne weiteres im Führerstand mitfahren lassen ohne grünes Licht von irgendeinem Vorgesetzten.
Jenem Reiseeiter begegnete ich übrigens wenige Wochen/ Monate später noch mal in Eisleben, in einem kurzem Gespräch erwähnte er, daß der alte Herr (Egon), der immer dabei war vom Verfassungsschutz gesandt wurde, da die FDJ ja im Westen verboten war, ob das schon eine Flucht nach vorn war, kann ich heute jedoch nicht mehr einschätzen.
Übrigens sind mir sowohl der Name des Bundesbahners als auch des Reiseleiters nicht entfallen, beide zu kontaktieren oder aufzusuchen wäre möglicherweise sogar machbar aber irgendwas hält micht immer noch davon ab, es auch zu tun.
Dieses Zaudern begründe ich mir selbst gegenüber mit nachrangiger Priorität, oder alten Geschichten, die man irgendwann auch mal vergessen sollte, zumal wie gesagt nichts danach mehr kam.
Deshalb bedanke ich mich für Deine qualifizierte Antwort, die hätte ich nirgendwo sonst bekommen als hier.



Damals87 und Fritze haben sich für diesen Beitrag bedankt
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