#541

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 17:12
von Harzwanderer | 2.921 Beiträge

Devisenmangel als Reiseverhinderter? Glaube ich nicht, denn in Berlin hätte ein DDR-Bürger ohne jede Kosten in Devisen in den Westen gekonnt, für einen Tagesausflug nach West-Berlin zum Beispiel. Haben vor der Mauer ja genügend Leute gemacht. Man konnte Fahrkarten für die S-Bahn sogar noch in Ost-Berlin (mit Rückfahrt) für Ost-Mark kaufen. Daran kann es nicht gelegen haben, woran nur sonst?


zuletzt bearbeitet 06.06.2015 17:12 | nach oben springen

#542

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 17:18
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Zitat von RudiEK89 im Beitrag #525
Haste alles richtig gemacht, Dore.
Nur die D-Mark nach Hause (über die Grenze) zu bringen, war manchmal ein Problem. Oder?
Übrigens habe ich für dich einen Stein da. Aber das machen wir in dem anderen Thema, da OT.


Grün: Da hatte ich wohl mehr Glück als Verstand. Es ging auch um Ostmark, für die man von den tschechischen Sammlern auch Mineralstufen kaufen konnten, die für uns absolute Raritäten waren, aber wegen derer Beziehungen zu den Bergbaugebieten in Nord-Rumänien für uns über diese Sammler erreichbar. Wenn ich es geschafft hatte (ich habe es bezüglich Moneten gleich welcher Währung immer geschafft), etwas in die CSSR einzuführen, habe ich das Übriggebliebene dort gelassen. Entweder bei einem dort befreundeten Sammler (der hat es umgekehrt bei seinen Besuchen hier ebenso gemacht) deponiert oder unter einer Baumwurzel kurz vor der Grenze auf CZ-Gebiet vergraben. Nur einmal hatte ich es nicht wiedergefunden. Auch einmal ausgeführte und nicht vertauschte/verkaufte Mineralien hatte ich bei dortigen Sammlern für die nächste b
Börse deponiert. Die bei mir genauso. Einige Male hatten wir das Glück, über den Kulturbund eine Ausfuhrgenehmigung vom Min.f.Außenhandel zu bekommen. Da haben wir natürlich reingepackt, was reinzupacken ging. Ob es wieder klappen könnte, war ungewiss. Schalk-G.kis Abteilung dafür hatte nämlich 1970 mitbekommen, daß Mineralien aus DDR-Fundorten Devisen wert waren. Ab da war die private Ausfuhr verboten.
Aber was die Devisen und Ostmark betrifft. Ich habe sie, egal in welche Richtung, nie versteckt. Ganz normal in der Hosentasche stecken. Dort wurde nach meiner Erfahrung nie gesucht.
Im Anhang mal zwei Fotos als Beispiele. Eines zeigt eine kleine Quarzstufe aus Herja/Rumänien. Die Kristalle sind großenteil als die relativ seltenen Zepter-Quarze ausgebildet. Das andere Foto zeigt einen Manganit-Kristall, aufgewachsen auf Calcit. Gefunden zwar etwa 2000 (Haldenfund), aber so in etwa hatte der zu DDR-Zeiten etwa 3 - 5,-Mark wert (realer Verkaufspreis), bei westeurop. Sammlern allerdings eben 10,-DM oder auch etwas mehr, wenn man noch etwas gepokert hätte.



RudiEK89 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.06.2015 17:19 | nach oben springen

#543

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 17:36
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #540
Peter,

1987 reisten rund 1,2 Millionen und 1988 1,4 Millionen Bürger der DDR unterhalb des Rentenalters in die BRD / WB. Ganz so wenig war es also auch nicht.


Gibt es einen glaubhaften Beleg für diese phantastischen Zahlen??

Ich bin sehr verwundert ,- wenn ich mal von 18 Millionen DDR-Bürgern ausgehe ,-
und davon alle Minderjährigen und alle Rentner abziehe ,-
dann heisst das letztendlich ,- das in diesen Jahren ca. jeder 9. Berufstätige eine Westreise genehmigt erhielt ???


....................................
Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#544

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 17:51
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #528
Welches Problem?
Wenn einer einen Reisekader-Vater hatte, war das vielleicht für den normal, für die anderen aber noch lange nicht. Beim Bewerten der DDR sollte man solche untypischen Dinge nicht rückwirkend als Normalmaß darstellen. Es war nicht normal, in den Westen reisen zu dürfen. Nicht jeder konnte so einen Beruf bekommen. Viele schon weil sie als nicht zuverlässig genug galten. Beispiel: Westverwandschaft, West-Brieffreunde. Eine riesige Ungerechtigkeit der DDR, die man auch beim Namen nennen sollte und nicht so abtun, "jeder hätte es machen können." Konnte er nicht.


Grün: Jeder hatte es in der Hand, es bis zum NSW-reisekader zu schaffen. ich habe es nicht geschafft und hatte wohl auch nicht genügend Ehrgeiz dazu. Die Chancen dafür, es beruflich bis dahin zu schaffen, waren m.E. ungleich besser für die Kinder aller sozialer Schichten als heute. Nun wirst du mir damit kommen, daß auch einer aus der "bildungsfernen Schicht" stammende und es vorwiegend wegen fehlender Motivation vom Elternhaus aus nicht über H 4-Niveau geschafft habende, doch auch jederzeit überallhin reisen kann. Darf, ja, aber kann er auch ?
Auch heute gibt es sowas ähnliches wie Reisekader. Vertreter, Servicetechniker u.a. Die werden auch in alle Welt geschickt,. Die sehen zwar weniger die Touristenmagnete, aber vieles vom alltäglichen Leben dort. Kostenlose Flugreisen, Firmenwagen incl. privater Nutzung, auch im Urlaub, Geschäftsessen auf Firmenkosten, sich auf den Abendveranstaltungen der Messeveranstalter im In- und Ausland amüsieren, ausreichend Reisespeesen (abhängig vom Reiseland) und vieles mehr. Jetzt habe ich mal nur die angenehmen Seiten dieses Jobs genannt. Komisch nur, daß die Zeitungen voll von Firmeninseraten sind, in denen Außendienstmitarbeiter gesucht werden. Scheint wohl doch nicht so attraktiv zu sein. ähnlich verhielt es sich mit den DDR-Reisekadern. Das war harte Arbeit, ja nach Aufgebengebiet hoher technischer Sachverstand mit schneller Problemlösung ohne direkte Hilfe vom Hauptwerk in der Heimat bei einem ungeduldigen Kunden oder auch Verhandlungen über Preise, Mengen und technische Parameter bis in die Nacht hinein. Klar, auch ich hatte einige Kollegen/innen, die unverholen ihren Neid äußerten, wenn ich mich im Laufe des Montag bei schönstem Frühlingswetter verabschiedete. Mein Angebot, so eine Fahrt mal mitzumachen, wurde aber dankend abgelehnt.
Was die Westverwandschaft oder ander Westkontakte betrifft, muß ich dir widersprechen. Sowas reden sich viele ein, daß es so war. Sicher wurde das vorher geprüft, aber es war kein Hindernisgrund, wenn der Mann/Frau für diese Reisen gebraucht wurde und kein ebenso Geeigneter vorhanden war. Mein Vater hatte Verwandte (Onkel, Cousinen) und Bekannte (aus früheren gewerkschaftlichen Kontakten) und war trotzdem Reisekader. Ich bleibe dabei, daß der Hauptgrund für eine Ablehnung trotz beruflicher Eignung vorrangig bei absoluter politischer Unzuverlässigkeit lag. Da mußte schon etwas mehr als gelegentliche Kritiken an der Wirtschaft- Sozial-Innen-Außenpolitik vorliegen. Oder auch einen hang zur Wirtschaftskriminalität (z.B. bekannte Anfälligkeit gegen Bestechung). Diese Ansichten und Meinungen habe ich mir aus vielen Äußerungen und Gesprächen mit meinem Vater über die Jahrzehnte gebildet.



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#545

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 17:52
von Heckenhaus | 5.110 Beiträge

Ich bin ab 1986 jährlich im Juli jeweils für 5 Tage in Westberlin gewesen, aus familiären Gründen.
War nicht einmal 40, verh, selbständig, in keiner Partei, kein Auslandskader, kein MfS-Mitarbeiter.
Ab -86 wurde diese Regelung sehr viel lockerer gehandhabt. Es durfte zwar nicht die ganze Familie mit,
was in meinem Fall auch an Platzverhältnissen gescheitert wäre in Westberlin.
In begründeten Fällen war es jedoch recht wahrscheinlich, daß der Reiseantrag auch genehmigt wurde.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#546

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 17:55
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #541
Devisenmangel als Reiseverhinderter? Glaube ich nicht, denn in Berlin hätte ein DDR-Bürger ohne jede Kosten in Devisen in den Westen gekonnt, für einen Tagesausflug nach West-Berlin zum Beispiel. Haben vor der Mauer ja genügend Leute gemacht. Man konnte Fahrkarten für die S-Bahn sogar noch in Ost-Berlin (mit Rückfahrt) für Ost-Mark kaufen. Daran kann es nicht gelegen haben, woran nur sonst?


Grün: Du hast meinen Beitrag wohl nur überflogen. Ich schrieb ausdrücklich was von Privilegien. Es wären wiederum Privilegien gewesen, die nur ein Teil der DDR-Bürger hätten nutzen können. Die Ostberliner waren durch die bessere Versorgung mit Waren sowieso schon privilegiert, was vielen Bürgern aus den Bezirken zurecht schon sauer aufstoß, und dann auch noch sowas ?



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#547

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 18:07
von Sperrbrecher | 1.649 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #538
Da offiziell die Ausfuhr von Mark der DDR nicht gestattet war ,woher kamen die Mark der DDR. Haben die die superreichen Rentner geschmuggelt?

Die brachten Abgesandte der DDR-Notenbank (oder waren es Stasi-Mitarbeiter ?) paketeweise zu den Banken nach West-Berlin.
Einer meiner Verwandten war Filialleiter einer West-Berliner Bank, er hat es mir so berichtet.

Alls ich mir mal für einen bevorstehenden DDR Besuch eine größere Summe DDR-Geld bei der Bank eintauschte, bekam ich ausnahmslos druckfrische Scheine mit fortlaufenden Nummern.. Die hatte mit Sicherheit kein DDR-Rentner beim Westbesuch über die Grenze geschmuggelt.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


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#548

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 18:07
von Lutze | 8.027 Beiträge

Die Gefängnisse waren voll von unzufriedenden DDR-Bürgern,
das kann ich jedenfalls für das Jahr 1983 bestätigen
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#549

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 18:10
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Zitat von RudiEK89 im Beitrag #535
Mag sein das man auch in ein Amt gehoben wurde, ist aber heute nicht anders.


Grün: Wie wahr. Wenn ich zur Wendezeit in einem anderen der Betriebe gearbeitet hätte, die ich vorher kennengelernt hatte, wäre ich heute in Leuna mit etwas Glück vielleicht Betriebsleiter einer Anlage, im Kühlmöbelwerk Erfurt in die Arbeitslosigkeit oder in der Chema Rudisleben
Anlagenbauer oder bei Ing.-Fernstudium in einem Bereich der technischen Abteilung. So entschied im Herbst 1989 mein Chef (Dir.f.Technik), daß ich alle Quartalsabrechnungen von BfN, WAO, PWT, Ratiomittelbau sein lassen kann, da wohl alles anders wird. Wir bauen einen Außendienst auf und Du wirst Anwendungstechniker. Alles Andere nahm dann seinen Lauf, insbes. mit meiner Überstellung von Konzerntochter (FORBO) Erfurt zu Konzerntochter Helmitin in Pirmasens. Im Nachhinein kann ich dem Bildungssystem der DDR und meiner persönlichen technischen Interessiertheit danken, daß ich mir auch dort Achtung und allmählich auch Vertrauen erwarb, was mich bis zu Verrentung vor der Arbeitslosigkeit bewahrte. Nur einen kritikpunkt muß ich der DDR-Volksbildung anlasten: Das Jahr Schauspielunterricht fehlte mir. Also außer persönlichen Fähigkeiten ist natürlich auch eine Portion Zufall dabei, heute und auch damals zum "Reisekader" zu werden.



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#550

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 18:12
von Heckenhaus | 5.110 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #548
Die Gefängnisse waren voll von unzufriedenden DDR-Bürgern,
das kann ich jedenfalls für das Jahr 1983 bestätigen
Lutze


Wenn ich im Gefängnis sitze bin ich in jedem Land unzufrieden.
Das war hier auch nicht die Frage, Andere saßen nicht und waren zufrieden.teilweise wenigstens.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
zuletzt bearbeitet 06.06.2015 18:13 | nach oben springen

#551

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 18:16
von Rostocker | 7.716 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #548
Die Gefängnisse waren voll von unzufriedenden DDR-Bürgern,
das kann ich jedenfalls für das Jahr 1983 bestätigen
Lutze


Mal ne bescheidene Frage. In wieviel Gefängnissen warste denn? Und gehören Straftäter auch zu den Unzufriedenen? Also bei uns auf der Werft sind die Unzufriedenen immer in Marschordnung zu Arbeit angerückt.Und ein Kollege von mir,der durfte bis zu Ausreise als Unzufriedener noch täglich zu Arbeit kommen.


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#552

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 18:20
von SiK90 (gelöscht)
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Ich denke, Anfang der 80er hätte von der DDR eine Initiative ausgehen müssen, wie sich beide deutsche Staaten hätten annähern können. Schritt für Schritt und auf Augenhöhe. Klar, dass ist Utopie und den Erhalt des Staates DDR hätte dies auch nicht gerettet. Aber die DDR wäre nicht so chaotisch untergegangen und vielen Bürgern wäre ein bedrückendes Schicksal wahrscheinlich erspart geblieben.


DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#553

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 18:22
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Zitat von SiK90 im Beitrag #536
Zitat von der alte Grenzgänger im Beitrag #534
Zitat von RudiEK89 im Beitrag #527
.....so intelligent gewesen zu sein, einen
führenden Posten in der Wirtschaft DDR gehabt zu haben....


das war aber bestimmt nicht die entscheidende Voraussetzung

Siggi


na, vielleicht erklärt Dir @Vierkrug mal die Anforderungen an die verantwortlichen Leiter der großen und wichtigen Betriebe.
Es geht aber auch eine Nummer kleiner; wir hätten unseren BD auch nach der Wende gerne behalten. Stattdessen bekam er von irgendwelchen Wichtigtuern Hausverbot und wurde durch eine glatte Null ersetzt, die auch noch Beamter wurde.



Grün: Das war leider keine Seltenheit. Von wegen Chancengleichheit in der BRD und vorrangig berufliche Fähigkeiten als Kriterium einer Übernahme. Das war wohl in diesem Beispiel klar eine politisch motivierte Entscheidung oder diese "Null" hatte gute Beziehungen zur neuen übergeordneten Geschäftsleitung und wollte unbedingt einen guten Posten.
Unsere Leiter hatten Glück. Die schweizer Konzernführung sagte sich wohl, der Laden dort ist bisher gelaufen, warum sollen wir im Leitungspersonal etwas ändern ? So sind sie alle bis zu ihrer eigenen Verrentung geblieben, die Firma schrieb immer schwarze Zahlen und beackert den gesamten europäischen Markt bis nach Russland. Einer der Reisekader (Anwendungstechniker) wurde zur Wendezeit vom MfS übernommen und ist ein anerkannter Fachmann. Nur der Betriebdirektor wurde nach etwa zwei-drei Jahren gegangen. Der war aber wirklich fachlich ungeeignet und außerdem ein elender Wendehals. ich schrieb schon mal darüber. Der letzte und jüngste der alten Leitungsgarde ist heute noch der Chef.
Übrigens, meine politische Tätigkeit bis zur Wende war der Geschäftsführung in Pirmasens bekannt. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, daß es mir geschadet hat. Nach einigen Jahren konnte ich mich auch ganz normal darüber im Kollegenkreis darüber unterhalten, daß ich Grenzer war.



zuletzt bearbeitet 06.06.2015 18:26 | nach oben springen

#554

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 18:26
von Vierkrug (gelöscht)
avatar

Kleine Randbemerkung meinerseits zu NSW-Reiskader in DDR. Ich habe den Eindruck, dass hier ein etwas verschobenes Bild vermittelt wird und eine gewisse Mystifizierung stattfindet.
Sicherlich waren NSW-Reisekader in erster Linie Repräsentanten ihres Staates und hatten auf der Grundlage von vertraglichen Vereinbarungen bestimmte Aufgaben ihrer Kombinate, Betriebe, wissenschaftlicher Einrichtungen und Institutionen etc. zu erfüllen.
Die Auswahl erfolgte auch nicht seitens des MfS, lediglich die sicherheitspolitische Überprüfung des betreffenden Kaders im Zusammenwirken mit anderen Institutionen. Gab es Bedenken, so wurden diese auch begründet dargelegt.
Ausschlaggebend für einen Reisekader war seine Fach - und Sachkompetenz für die zu erfüllenden Aufgaben im jeweiligem Einsatzland, gepaart mit seiner charakterlichen Eignung. Die Vorauswahl der betreffenden Personen, einschließlich der Reservekader trafen die staatlichen Leitungen. Nach Überprüfung wurden dann diese der jeweiligen Parteiebene zu letztlichen Bestätigung vorgelegt. D.h., letztendlich entschied die jeweilige Parteiinstitution, wer als NSW-Reisekader zurm Einsatz gelangen kann. Wimre gab es sehr, sehr wenige Ablehnungen, da schon im Vorfeld sehr verantwortungsbewußt gearbeitet wurde.
Eine Zugehörigkeit zur SED war keine Bedingung, um als NSW-Reisekader eingesetzt zu werden - auch war eine Westverwandschaft kein Hinderungsgrund, um bestätigt zuwerden.
Manchmal stellten charakterliche Eigenschaften eine Bestätigung in Frage - das waren dann, wie ist seine Verschwiegenheit und seine Position zum Geheimnisschutz - inwieweit kann diese durch Alkohol und Zugänglichkeit seitens des anderen Geschlechts beeinflusst werden u.ä..
Gerade internationale Fachtagungen und Symposien waren Stätten des "Angriffes" auf wissenschaftlich-technische Fachkräfte, die an besonderen Schwerpunktvorhaben arbeiteten bzw. in Staatsplanthemen Wissenschaft und Technik involviert waren. Ich habe es selbst erlebt, mit welchen Mitteln und Methoden man versucht hat, an wissenschaftlich-technisches Know how und Spitzentechnologien heran zu kommen, über das/die die DDR zweifelsohne auch auf verschiedenen Gebieten verfügte und das Weltniveau darstellte.

Vierkrug


Damals87, passport, RudiEK89 und DoreHolm haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.06.2015 18:29 | nach oben springen

#555

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 18:35
von Lutze | 8.027 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #550
Zitat von Lutze im Beitrag #548
Die Gefängnisse waren voll von unzufriedenden DDR-Bürgern,
das kann ich jedenfalls für das Jahr 1983 bestätigen
Lutze


Wenn ich im Gefängnis sitze bin ich in jedem Land unzufrieden.
Das war hier auch nicht die Frage, Andere saßen nicht und waren zufrieden.teilweise wenigstens.

Genauso wenig mit deiner Prahlerei nach West-Berlin
fahren zu dürfen
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#556

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 18:35
von Arnstädter | 266 Beiträge

die DDR ist und bleibt ein Stück von deiner,meiner Identität.Dieses Wort Identität ist für mich heute sehr wichtig.
Auch heute ist es sehr schwer den nicht DDRler (der heutigen Generation) darzustellen das auch wir gebürtige DDR Bürger
gearbeitet, gelebt ,geliebt und auch geflucht haben.


das System funktioniert weil du funktionierst
Büdinger, DoreHolm, Heckenhaus und Rostocker haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.06.2015 18:38 | nach oben springen

#557

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 18:35
von SiK90 (gelöscht)
avatar

Jo, @DoreHolm , im ÖD lief das anders. Da wurden die Messer gewetzt und die wirklichen Pfeifen kamen in den Genuß leitender Positionen. Das waren jene, welche man vorher zu Recht wegen verschiedenster Mängel (meist fachlicher oder auch charakterlicher Natur) sehr bewußt im 2. oder 3. Glied gehalten hat. Freilich nach außen stramme Genossen. In den Wirren der Wende waren es dann Opfer...


DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#558

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 18:38
von SiK90 (gelöscht)
avatar

Und Danke an Winfried für seine - wie immer - offenen und sachlichen Beiträge!!


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#559

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 19:55
von Freienhagener | 3.851 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #513
Zitat von Freienhagener im Beitrag #501
Ein erneutes Experiment brächte erneute Umbrüche mit allen Unsicherheiten und Wirren und mit unsicherem Ausgang.

"Die Tragik des 20. Jahrhunderts liegt darin, daß es nicht möglich war, die Theorien von Karl Marx zuerst an Mäusen auszuprobieren."
(Stanislaw Lem)



Gibt es noch mehr Unsicherheiten als in gegenwärtigen System ?
Oder anders formuliert, was ist denn heute sicher ?


Zitat von SiK90 im Beitrag #514
Eine Art Vollkasko für jeden Lebensentwurf kann und wird es niemals geben. Jedenfalls solange nicht, wie das Geld der alles beherrschende Faktor ist. Das war auch schon damals so.


Vollkasko Gibt es nicht. Vielleicht erscheint die heutige Unsicherheit aus der Sicht der quasi Vollkasko der DDR als das "Schlimmste".
Aber die heutige Unsicherheit ist nichts im Vergleich zu Revolutionswirren (siehe 1917/18 in Rußland und Deutschland), mit Gewalt, Terror und Chaos, d.h. bewaffneten Auseinandersetzungen bis hin zum Bürgerkrieg.
Bevor da was stabilisiert werden kann, gibt es Mord und Totschlag. Um aber die sozialistische Macht zu stabilisieren, ist Terror unerläßlich. Das lehrt die Geschichte. Freiwillig gibt Keiner seinen Besitz her.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 06.06.2015 19:58 | nach oben springen

#560

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 06.06.2015 19:55
von Heckenhaus | 5.110 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #555

Genauso wenig mit deiner Prahlerei nach West-Berlin
fahren zu dürfen
Lutze

Wenn du mich dumm anmachen willst, bitte, nur weiter. Ich weiß, woher es kommt.

Ich habe das lediglich erwähnt, weil angeblich niemand fahren durfte.
Für mich ist das keine Prahlerei, sondern ich fuhr zu
Besuch einer Person im Alter von über 85 Jahren, die zunehmend kränker wurde.
Ich weiß nicht, was dich zu einer derart frechen Bemerkung ermächtigt, ohne jegliches Hintergrundwissen.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
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