#21

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 20:43
von Pit 59 | 10.132 Beiträge

Na jetzt bin ich gespannt wie ein Flitzebogen,nicht das ich da was verpasst habe.


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#22

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 20:46
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Gerne @Huf, da wären die Bereitschaften der Volkspolizei, die Einsatzkräfte der Zivilverteidigung und das Wachregiment.

Zitat
§ 2. Ableistung des Wehrdienstes. (1) Der Wehrdienst gliedert sich in den aktiven Wehrdienst und den Reservistenwehrdienst. Er wird in der Nationalen Volksarmee geleistet.

(2) Der Wehrdienst nach Abs. 1 wird auch in den Grenztruppen der Deutschen Demokratischen Republik geleistet. Die Festlegungen dieses Gesetzes gelten entsprechend.

(3) Der Ableistung des Wehrdienstes nach Abs. l entspricht der Dienst in anderen Organen, in denen auf Beschluß des Nationalen Verteidigungsrates der Deutschen Demokratischen Republik die Bürger ihr verfassungsmäßig festgelegtes Recht und die Ehrenpflicht für die Landesverteidigung erfüllen können. Die Festlegungen dieses Gesetzes gelten für diesen Dienst entsprechend. Für Besonderheiten dieses Dienstes, die einzelnen Regelungen dieses Gesetzes nicht entsprechen, trifft der Nationale Verteidigungsrat der Deutschen Demokratischen Republik die erforderlichen Festlegungen.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 13.07.2011 20:47 | nach oben springen

#23

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 20:51
von eisenringtheo | 9.165 Beiträge

Blaue Weg bei der Schweizer Armee
War man eigentlich gesund und hatte keine körperlichen Beschwerden, war also ein Simulant, kam nur der "Nachweis" psychischer Erkrankungen und da musste man vorgängig etwas nachhelfen (Alkoholmissbrauch, unmotiviertes Blaumachen, Wutausbrüche und dann zum Betriebsarzt). Ich habe drei Personen in meinem Bekanntenkreis, die das geschafft haben. Mit dem Stempel "untauglich" im Dienstbüchlein (Wehrpass) hatten sie dann eine sofortige Spontanheilung ihrer Krankheit, mussten aber drei Prozent Militärpflichtersatz vom Einkommen bis zum offiziellen Reservehöchstalter (damals 42 Jahre) bezahlen. Aus diesen rein fiskalischen Gründen kam für mich der "Blaue Weg" nicht in Frage. Der "Tarif" für Dienstverweigerung war eine unbedingte Gefängnisstrafe für die Dauer des verpassten Militärdienstes. Heute acht Monate.
http://www.bernerzeitung.ch/schweiz/stan.../story/19652243
Theo


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#24

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 20:53
von wosch (gelöscht)
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Zitat von Feliks D.
Wolfgang das war doch mal ein guter Beitrag, ich sehe da bis auf den Teil mit den klaren Vorteilen als Motiv keinen Grund zur Kritik. Mein Vater meldete sich schon 1949 nach der Lehre zur KVP und begann dann im August 1949 seine militärische Ausbildung an der OHS in Glöwen.

Motivation dazu waren weder irgendwelche erhofften Vorteile oder ähnliches, sondern einzig das Erleben der eigenen Familiengeschichte in der Zeit von 1933-1945. Fünf gefallene Brüder waren ihm Verpflichtung genug ein neues sozialistisches Deutschland aufzubauen und zu schützen.

Auch dieses gab es!




......................................................................

Feliks, aus Deinem Mund ein Lob ist mir schon ein bißchen peinlich. Egal, die Motive Deines Vaters im Jahre 1949 in die tatsächlich erst am 1. Juli 1952 aus den kasernierten Bereitschaften der Volkspolizei zur militärischen KVP gewandeltem Vorläufer der NVA einzutreten mögen ja solche Ursachen haben wie Du schriebst, aber ich bin mir nicht so sicher, daß Du das als etwa um 1960 Geborener objektiv beurteilen kannst. Ohne Deinem Vater etwas unterstellen zu wollen, in den Hungerjahren nach dem Krieg (und die gab es wirklich in der damaligen "SBZ" und Anfags der DDR) das Problem seine Familie satt zu bekommen war damals das Vorrangigste!
Wir waren damals der Kinder "Vier" und ich kann mich noch sehr wohl an 1949 und später erinnern. Übrigens, bitte nicht falsch verstehen, als wir die ersten russenähnlichen Uniformen der KVP in der Stadt sahen, kursierte damals die Meinung um daß da jeder genommen wurde, selbst wenn er es nur bis zur vierten Klasse geschafft hätte. Im Laufe der Zeit hat sich das dann aber geändert, aber es war schon was dran an dem Gerede, die ersten die dahin gingen und die genommen wurden, waren meiner Erinnerung nach nicht die schlausten Zeitgenossen, es kursierten da Sprüche in der Bevölkerung die ich hier nicht wiedergeben möchte, Feliks, die Personen, die ich meinte waren einfache Dienstgrade mit nichts auf der Schulter, nicht daß Du meinst ich würde in dieser Beziehung auf Deinen Vater zielen. Nein, ganz ehrlich, ich meinte die Einfachen, die man ab und zu mal in ihren scheußlichen Uniformen in der Stadt rumlaufen sah.
Gleiches könnte man auch von der Volkspolizei damals sagen. Sie hatten Anfangs fast Jeden genommen und über so manchen von ihnen
machte sich die ganze Stadt lustig. Wir hatten da einen ganz krassen Fall, den Wachtmeister Kr...e. , dumm wie Bohnenstroh, aber wenn er auf seinem Dienstfahrrad saß war er in seinem Element und kannte kein Tempolimit. Na, ja, nach 3-4 Jahren hatten seine Vorgesetzten dann auch genug und hatten ihn ehrenvoll in die Wüste geschickt.
So, nun entschuldigt bitte daß ich am Thema vorbeigeradelt bin.
Schönen Gruß aus Kassel.


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#25

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 20:54
von Huf (gelöscht)
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Da hier nichts kommt, wage ich mal zu behaupten: Wer z.B. 1977 beim WKK bei der Musterung nach Alternativen zum GWD in der NVA/GT gefragt hätte, wäre sofort Gegenstand eines Vorganges eines unliebsamen Ministeriums geworden, dessen ehemalige MA noch heute behaupten, sie hätten nur auf Anweisung gehandelt.

Okay, kein Zorn. Vermutlich glauben ehemalige Staatsdiener des Systems DDR und deren Nachkommen tatsächlich, man hätte ohne Folgen in "anderen Organen" seinen GWD ableisten können.
Jene Leute glauben auch noch heute, dass es in jedem Gemüseladen, an dem Vati oder Onkel damals vorbeigekommen sind, Bananen gab, nur weil im vorauseilendem Gehorsam hörige Kreisfunktionäre in jene Läden Bananen bringen ließen, nur um sie nach der Vorbeifahrt vom Onkel oder Vati in die nächste VST von "Obst und Gammel" zu transportieren.

Trotz dieser Provokation, @Feliks, warten wir noch auf die Benennung "jener Organe"

VG Huf


zuletzt bearbeitet 13.07.2011 20:56 | nach oben springen

#26

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 20:55
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Huf
Da hier nichts kommt, wage ich mal zu behaupten: Wer z.B. 1977 beim WKK bei der Musterung nach Alternativen zum GWD in der NVA/GT gefragt hätte, wäre sofort Gegenstand eines Vorganges eines unliebsamen Ministeriums geworden, dessen ehemalige MA noch heute behaupten, sie hätten nur auf Anweisung gehandelt.

Okay, kein Zorn. Vermutlich glauben ehemalige Staatsdiener des Systems DDR und deren Nachkommen tatsächlich, man hätte ohne Folgen in "anderen Organen" seinen GWD ableisten können.
Jene Leute glauben auch noch heute, dass es in jedem Gemüseladen, an dem Vati oder Onkel damals vorbeigekommen ist, Bananen gab, nur weil im vorauseilendem Gehorsam hörige Kreisfunktionäre in jene Läden Bananen bringen ließen, nur um sie nach der Vorbeifahrt vom Onkel oder Vati in die nächste VST von "Obst und Gammel" zu transportieren.

Trotz dieser Provokation, @Feliks, warten wir noch auf die Benennung "jener Organe"

VG Huf



Huf hast Du #22 überlesen?


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#27

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 20:57
von Huf (gelöscht)
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Feliks, jetzt bist Du mir über, die Diskussion hat mich chronologisch eingeholt.


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#28

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 21:00
von Huf (gelöscht)
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Aber jetzt mal im Ernst, @Feliks: Soll ich Dir das glauben, dass ich 1977 bei meiner Musterung auf die Ableistung meines WD im Wachregiment hätte bestehen können?
Ich als Floh im Schafspelz?
Das nehme ich Dir nicht ab, soviele Ausbildungsplätze hätten die doch garnicht gehabt!

VG Huf


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#29

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 21:01
von Pit 59 | 10.132 Beiträge

da wären die Bereitschaften der Volkspolizei, die Einsatzkräfte der Zivilverteidigung und das Wachregiment. @Feliks

Habe ich zwar nie was davon gehört,auch egal,was wärste da auch besser dran gewesen.Polizei u. Wachregiment wäre ja klar,aber wo soll denn die Zivilverteidigung gewesen sein ?Das ist aber auch keinen Angeboten worden.


zuletzt bearbeitet 13.07.2011 21:03 | nach oben springen

#30

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 21:03
von brausepaul | 67 Beiträge

natürlich konnte man zur Bereitschaftspolizei. Das waren 18 Monate GWD... Felix, min. 3 Jahre und freiwillig (nach meinem, bescheidenen, Kentnisstand) und ZV erst nach Ableistung des GWD...jedenfallszu meiner aktiven Zeit in Berlin


www.radio-taktlos.de
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#31

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 21:14
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Wosch Bildungsabschluss war wie seinerzeit üblich die Volksschule, später erfolgte die weitere Qualifizierung bis hin zum Studium. Man konnte also durchaus etwas aus sich machen wenn man wollte und Einsatz zeigte, natürlich gab es aber auch wie überall geistige Tiefflieger. Richtig NVA war es erst später, daher wurde die OHS zuerst mit der Ernennung zum Polizeimeister abgeschlossen, welcher dann später zum Unterleutnant überführt wurde.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#32

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 21:24
von wosch (gelöscht)
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Zitat von Pit 59
da wären die Bereitschaften der Volkspolizei, die Einsatzkräfte der Zivilverteidigung und das Wachregiment. @Feliks

Habe ich zwar nie was davon gehört,auch egal,was wärste da auch besser dran gewesen.Polizei u. Wachregiment wäre ja klar,aber wo soll denn die Zivilverteidigung gewesen sein ?Das ist aber auch keinen Angeboten worden.



........................................................................................................................

Zu meiner Zeit gab es auch noch die Möglichkeit bei der Trapo unterzuschlüpfen aber auch für 3 Jahre.
Schönen Gruß aus Kassel.


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#33

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 21:34
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von brausepaul
natürlich konnte man zur Bereitschaftspolizei. Das waren 18 Monate GWD... Felix, min. 3 Jahre und freiwillig (nach meinem, bescheidenen, Kentnisstand) und ZV erst nach Ableistung des GWD...jedenfallszu meiner aktiven Zeit in Berlin



...........nicht ganz Richtig @Brausepaul , der Dienst in den VP-Bereitschaften, konnte als Anwärter, als Unterführer auf Zeit, als Berufsunterführer oder als Berufsoffizier geleistet werden. Ob und wie weit es Offiziere auf Zeit bei den VP-Bereitschaften gab, entzieht sich meiner Kenntnis. Gleichgestellt diesem Dienst war der Dienst in den VP-Kompanien der Transportpolizei. Der Dienst in den zuvor bezeichneten Einheiten - bezeichnet als Wehrersatzdienst - war wie von @Felix richtig bezeichnet Wehrdienst. Zweitens. die Zivilverteidigung unterstand nach Herauslösung aus dem Bestand des MdI (Ministerium des Innern) dem Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV - Sitz Strausberg). Wer dazu näheres wissen möchte, dem empfehle ich einfach mal das WWW zu bemühen. Entsprechend der Dienstpostenbesetzung, wurden auch hier Wehrpflichtige - dies nach entsprechender Prüfung der Voraussetzungen - zum Dienst verpflichtet. Hier wurde jedoch in der Regel auf eine längere Verpflichtung wert gelegt.
Richtig ist die aufgestellte Behauptung, dass zum WRFD nur "Freiwillige" gezogen wurden. In den ersten Jahren fast nur "Berliner", wo man im laufe der Zeit dann abging und auch Dienstleistende aus anderen Bezirken der DDR "eingezogen" wurden.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
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#34

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 21:45
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von Feliks D.
Wosch Bildungsabschluss war wie seinerzeit üblich die Volksschule, später erfolgte die weitere Qualifizierung bis hin zum Studium. Man konnte also durchaus etwas aus sich machen wenn man wollte und Einsatz zeigte, natürlich gab es aber auch wie überall geistige Tiefflieger. Richtig NVA war es erst später, daher wurde die OHS zuerst mit der Ernennung zum Polizeimeister abgeschlossen, welcher dann später zum Unterleutnant überführt wurde.



................negativ. Absolventen/Kusanten der jeweiligen OS (nicht OHS - erfolgte erst später) wurden bereits zu Zeiten der KVP als Unterkommissar entlassen. Absolventen, welche keine Planstelle in entsprechender Dienststellung hatten, wurden als PM "geparkt".


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
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#35

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 21:57
von utkieker | 2.916 Beiträge

Zitat von wosch
Als kein ehemaliger Angehöriger der NVA möchte ich hier zu dem Thema auch etwas loswerden und bitte es als ernsthaften Beitrag und nicht als Anti-DDR-Polemik zu bezeichnen. Ich verbürge mich für den Wahrheitsgehalt dessen was ich hier schreibe:
Wie ich schon öfter geschrieben hatte wurde mir am 2. Januar 1962 eine Erklärung vorgelegt, in der ich mich zum "freiwilligen" Eintritt in die NVA verpflichten mußte obwohl ich das nicht wollte. Allen "Argumenten" hatte ich etwas entgegenzusetzen aber als der Hinweis auf meine Mutter kam wurde ich "schwach" und unterschrieb diese Erklährung. Unter Anderem hatte man vorher versucht meine Bereitschaft dadurch zu erwecken, daß man mir klipp und klar zu verstehen gab "Wenn Du nicht bereit bist für uns etwas zu tun kannst Du auch von uns nicht erwarten daß wir dich auf die "ABF" delegieren. Nun ja, mein weiterer Werdegang dürfte hier hinreichend bekannt sein: obwohl ich ja unterschrieben hatte wählte ich den Weg über die GÜST Boizenburg-Horst und landete im schönen Kassel. Wenn ich diesen Weg nicht gegangen wäre hätte ich meinen "erzwungenen freiwilligen" Dienst wohl in Eggessin antreten müssen, das Datum meines "freiwilligen" Einrückens hatte man mir ja schon mitgeteilt. Ich weiß nicht ob ich das denn als "Ehrendienst" angesehen hätte, eher glaube ich nicht.
So wie mir ging es damals fast allen im Alter von 18, 19 und 20 Jahren, die Wehrpflicht wurde erst kurz nach meiner Flucht eingeführt, und ich weiß mit Sicherheit daß die meisten der "Freiwilligen", damals kurz nach dem Mauerbau, keine echten Freiwilligen waren, es wurde in der Regel fast immer etwas "nachgeholfen". Damals ging es auch nicht nur um 18 Monate sondern man mußte sich für 3 Jahre "freiwillig" verpflichten, zu den Panzern allerdings ging es schon mit 2 Jahres-Verpflichtung. Ich wählte da natürlich die Panzer und aus 2 Jahren machte ich ganz schnell 0 Jahre. Auch wenn es nun OT werden sollte, darauf bin ich heute noch stolz. Natürlich gab es auch Welche, die den Dienst in der NVA als Ehrendienst ansahen, ich persönlich kannte Keinen aus meinen Schulkameradenkreis die gerne zur NVA wollten um den "Antifaschistischen Schutzwall" zu beschützen, der Kreis Ludwigslust grenzte bei Dömitz an die Elbe und etliche meiner Schulkameraden wohnten im Sperrgebiet und sie hatten für die Maßnahmen der Regierung damals nicht das geringste Verständnis. Aber das muß ja nichts zu bedeuten haben, Ausnahmen hat es immer gegeben und ich glaube nicht daß bei den meisten "Ausnahmen" die Ehre im Vordergrund gestanden hatte, sondern ganz klare Vorteile und wenn diese Vorteile nur darin bestanden daß man keine Nachteile hatte. Studium wurde ja schon öfters angesprochen, und die Möglichkeit es beruflich weiterzubringen bei "freiwilliger" Längerverpflichtung ebenfalls. Aber Leute, bevor hier wieder "Kontra´s" kommen, ich rede vom Jahre 1962 und so habe ich es erlebt und keinen Deut anders.
Schönen Gruß aus Kassel.



Hallo Wosch,

Als du "stiften" gegangen bist war ich im zarten Alter von drei Jahren. Die DDR hat bis 1962 eine Freiwilligenarmee. Wirtschaftlich wie militärisch stand die DDR mit dem Rücken zur Wand und es möge mir keiner sagen in der Nachkriegsentwicklung hätten beide Teile Deutschlands die gleiche Chance. Abgesehen von der Top- Down- Kommandoplanwirtschaft die ein Mißverhältnis schuf zwischen Warenproduktion und tatsächlichen Bedarf hatte die DDR die Hauptlast der Folgen für die Schäden des 2. Weltkriegs zu tragen. Für den Konsumenten wurde die DDR in zunehmender Weise unatraktiv. Hunderttausende verließen die DDR auf Nimmerwiedersehen gleichzeitig schwand natürlich auch die Bereitschaft sich freiwillig fürs Millitär zu bewerben. Rekrutenwerber verstanden schon ihr Handwerk vor der Kaiserzeit und manchmal wurde der Freiwilligkeit mit "sanften" Nachdruck Zwang ausgeübt.
Ich bin sogar davon überzeugt, daß du deinen Weg über die ABF gegangen wärst aber ich möchte auch nicht spekulieren. Für mich war die Bezeichnung "Ehrendienst" ein Synonym für den Wehrdienst schlecht hin. Für mich als Grenzer war es ohne hin die Größte "Ehre" als ich sagen konnte "Abgang ohne".

Schönen Gruß nach Kassel
Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#36

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 21:59
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Danke für den Hinweis Chris dann wird das so gewesen sein, da fehlt mir das Wissen ich weiss nur das er im November 50 als Polizeimeister die Offiziersschule (für Artillerie) Glöwen verlies. Erster Einsatz als KfZ Gruppenführer, anschließend an die Flak-Schule nach Pinow. Oktober 52 Leutnant, Januar 57 Oberleutnant, Oktober 59 Hauptmann, Oktober 63 Major, Oktober 67 Oberstleutnant... ging damals noch alles etwas schneller.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#37

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 22:11
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von utkieker
[Für mich war die Bezeichnung "Ehrendienst" ein Synonym für den Wehrdienst schlecht hin.



Schau mal...

Zitat von Unsere Nationale Volksarmee. Für die Treffen mit Soldaten anläßlich de 27. Jahrestages der Gründung der Nationalen Volksarmee, hrsg. v. Oberst Lothar Krasselt (Chefredakteur), Militärverlag der DDR

Jedermanns Recht, jedermanns Ehrenpflicht

Alles für das Wohl des Volkes, das ist der Sinn des Sozialismus. Und seine Verwirklichung schließt untrennbar auch den bewaffneten Schutz des Errungenen ein. Ist doch das Wichtigste für das Wohl des Volkes der Frieden.

Denn alle Anstrengungen, das materielle und kulturerelle Lebensniveau zu erhöhen, sind vergebens, wenn unsere Menschen durch die Kernwaffen der NATO zugrunde gehen, wenn unsere Städte durch Napalmüberfälle der NATO-Luftwaffe in Flammen aufgehen.

Unsere Gesellschaft hat daher ein Recht darauf, von jedem männlichen Bürger zu verlangen, daß er das Wohl seines Volkes sicher behütet. Weil unsere sozialistische Gesellschaft jedem Arbeit gibt und Brot und eine gesicherte Zukunft, hat jedermann auch die Pflicht, für das Wohl dieser sozialistischen Gesellschaft mit der Waffe einzustehen. Steht er doch damit für sein Wohl ein, daß er für immer Arbeit, Brot und eine Zukunft hat. Im Artikel 23, Abs. 1 der Verfassung der DDR ist festgelegt, daß der Schutz des Friedens und des sozialistischen Vaterlandes und seiner Errungenschaften Recht und Ehrenpflicht der Bürger sind.

Nur ein sozialistischer Staat kann die Verwirklichung dieses Rechtes garantieren, weil nur in ihm der Frieden und das Wohl des Volkes wirklich Ziel und Inhalt der Staatspolitik sind. Das von der Volkskammer am 25. März 1982 beschlossene Gesetz über den Wehrdienst in der DDR gewährleistet die volle Wahrnehmung der Rechte und Pflichten der Bürger zur Landesverteidigung und zum Schutz des Sozialismus.

Durch die allgemeine Wehrpflicht ist gesichert, daß alle für den Wehrdienst tauglichen männlichen Bürger zur Erfüllung von Aufgaben für die Landesverteidigung ausgebildet und unsere Streitkräfte somit befähigt werden, gemeinsam mit der Sowjetarmee und den anderen Bruderarmeen einem imperialistischen Aggressor jederzeit Paroli zu bieten.

Frieden läßt sich nur schaffen gegen NATO-Waffen - und zwar mit des Sozialismus stets einsatzbereiten Waffen. Der Frieden wird erhalten, weil die Sowjetunion, weil der reale Sozialismus dem Imperialismus das annähernde militärstrategische Gleichgewicht abgerungen hat. Die Stärke des Sozialismus in diesem Gleichgewicht ist das für den Frieden Entscheidende.

Daraus folgt: Der Wehrdienst ist der wirksamste Dienst am Frieden.

Oberst Willi Fuhrmeister



Edit: Vergessene Überschrift des Artikels eingefügt.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 13.07.2011 22:33 | nach oben springen

#38

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 22:29
von Marder | 1.413 Beiträge

Frieden läßt sich nur schaffen gegen NATO-Waffen - und zwar mit des Sozialismus stets einsatzbereiten Waffen.

So ähnlich nur nicht ganz so schwülstig hat man uns das auch immer erklärt. Das nannte sich Abschreckung.
Beides ist zum Töten von Menschen da und ich bin froh, dass es vorbei ist.

Was das mit Ehre zu tun hat ist schon dünn.
Mit diesen Begriffen hat man schon früher gearbeitet um das Ziel zu verherrlichen. " Meine Ehre heisst Treue" usw.
Auf der anderen Seite verstehe ich jeden, der es als Ehre auffasst seinem Land zu dienen. Daher habe ich Respekt vor den Menschen, die das auch heute noch vertreten und dies verteidigen.
MfG
Ps. und nur weil ein Oberst das sagt muss es nicht unbedingt richtig sein.
Evtl. hätte ich dann auch oft recht. Meine Frau sagt NEIN.


Er wirft den Kopf zurück und spricht: "Wohin ich blicke, Lump und Wicht!" Doch in den Spiegel blickt er nicht.
Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selber. Er lässt auch anderen eine Chance.
Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.
Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt.

Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten.
zuletzt bearbeitet 13.07.2011 22:31 | nach oben springen

#39

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 22:37
von GZB1 | 3.286 Beiträge

Wow @Marder

du als Oberst im Forum?


zuletzt bearbeitet 13.07.2011 22:37 | nach oben springen

#40

RE: Ehrendienst

in DDR Staat und Regime 13.07.2011 22:39
von Weichmolch (gelöscht)
avatar

Manche Frage sollte man rhetorisch gegenteilig stellen um Klarheit in der Antwort darstellen zu können:

Ist Wehrdienst unehrenhaft?
Ist die Erfüllung eines Gesetzes unehrenhaft?

Weichmolch


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