#61

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 18.10.2008 19:10
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Peter ich sehe schon auch ohne politische Erziehung von Kindesbeinen an bist du ein sozial kritischer Zeitgenosse. Das Thema Emanzipation der Ost/Westfrau stell ich mal ans Ende. Alice Schwarzer wird schon lächeln und sagen "lass das mal die Frauen so wie Kyra diskutieren". Zu Rainer Wagner ich werde es nachholen das Buch zu lesen gibt es ähnliche Fälle so wie Michael Gartenschläger mittlerweile mit Buch "Todesautomatik" und Film. Hier muss auch ich ehrlich sein und sagen dieses Strafmaß ist nicht nachvollziehbar war aber zum damaligen Zeitpunkt 1961 geltende Gesetzgebung. Speziell das Buch beschreibt gut seine Zeit in unterschiedlichen Haftanstalten der DDR. Dazu sage ich und das werden seine Schwester und die Freunde vielleicht etwas anders sehen, wenn ich ständig mit dem Kopf gegen die Wand renne (ist Symb. gemeint) dann brauche ich mich über verschärfte Maßnahmen des Staates nicht zu wundern. Chancen hatte er genügend bekommen aber aus Stolz und Trotz oder anderen Motiven nicht genutzt. Dieses Thema hat mich als ehemaligen Pionier der Grenztruppen auch wegen der SM70 (Splitterminen) interssiert die wir angebaut und er demontiert hatte. Ist wieder Symb. gemeint da sein Tod 1976 und meine Wehrdienstzeit etwas später war. Der Ort war aber nur ein paar Kilometer von uns entfernt. Zur Lebensgefahr, also bewaffnet hätten da nur Sowjetsoldaten (meine Beiträge bei Kyra 25.6.08/9.9.08) kommen können und ich kann heute nur sagen da haben meine Kameraden und ich unheimliches Glück gehabt. In einer meiner ersten Beiträge (19.6.08) habe ich beschrieben warum ich so unbelastet an die ganze Sache gegangen bin, denn nicht im Traum wäre ich auf die Idee gekommen das da einer auftaucht und genau in das Minenfeld rennt das wir am Tag vorher installiert haben. Im Politunterricht hat mal einer die Frage gestellt warum die Minen auf unserer Seite sind so frei nach dem Motto "schützen wir uns vor uns selber" aber dazu schreibe ich später mal was. Zu Büchen oder besser Witzeetze, wir haben öfter mal dort gearbeitet und die Aktion hieß "Sichtfeld für die B-Türme" (BT11/Beobachtungstürme) schaffen. Die Natur wurde gestutzt bis kurz über den Erdboden. Vor Jahren Peter war ich mal vor Ort, Ich stand da und suchte nach markanten Punkten im Gelände aber 30 Jahre haben alles verändert. Man konnte annehmen, es hätte die Grenze nie gegeben! So Alice Schwarzer muss noch warten!

Gruß Rainer


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#62

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 18.10.2008 19:16
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo kds288 lass mir etwas Zeit, aber du musst ein guter Schwimmer gewesen sein ich werde später noch auf deinen Beitrag eingehen.


Gruß Rainer


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#63

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 20.10.2008 09:51
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Kds288 keine Bedenken auch wir scherzen nicht mit den Beiträgen und Diskussionen über die damalige Zeit, so etwas zu tun wird wahrscheinlich schon der Anstand verbieten. Im August 1968 hatte ich Schulferien nach Abschluss der 8. Klasse und du musst wenn ich diese Anrede gebrauchen darf schon etwas Älter gewesen sein. Ich habe mal ein wenig recherchiert siehe noch mal (Kyra 9.9.08). Im Zeitraum vom 14.9.1967 bis 14.1.1969 sind fünf Männer im Alter von 22-29 Jahren in der Elbe ertrunken. Bei meinen späteren Besuchen stand ich mit Familie an diesem stellenweise sehr breiten Fluss mit seiner starken Strömung und dachte "Respekt" wenn es da einer versucht und geschafft hatte. Aber Fragen "warum und wie" und ich denke mir das die Grenzsicherungsanlagen 1968 noch nicht so tief gestaffelt ausgebaut waren. Und du hast es Nachts und bei Nebel durchgeführt, ist nur so eine Vermutung! Bist du in dieser Umgebung nahe Wittenberge aufgewachsen? Du musst aber nicht auf alles antworten denn es steht jedem frei würde jetzt Peter (Transitfahrer) sagen.

Gruß

Rainer


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#64

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 20.10.2008 13:15
von Angelo | 12.391 Beiträge

Liebe Schreiber in diesem Thread wie wäre es mal wenn Ihr einfach mal einen neuen Thread aufmacht?? Weil mit Elbgrenze hat das ja nichts mehr zu tun oder??? ALso nur mal so als Tipp


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#65

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 21.10.2008 09:07
von kds288 (gelöscht)
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Hallo Rainer,

Eigentlich wollte ich ja gar nichts darüber schreiben. Bin zufällig auf dieses Forum gekommen. Suchte nämlich genaue Informationen über wo ich damals über die Grenze gegangen bin.
Ich war 16 Jahre alt, komme nicht aus der Gegend von Wittenberge, sondern aus Eisenach. Zu der Zeit war ich am arbeiten auf einem Gestüt (während der Ferien) in Neustadt an der Dosse.
Hebe eines Tages sehr spontan den Zug genommen nach Wittenberge. Die Elbe aufgesucht und bis in die Nähe des Sperrgebietes gelaufen. Dort habe ich die Dunkelheit abgewartet und habe dann angefangen zu schwimmen, mit dem Strom mit, wusste ja dass die Elbe irgendwo in den Westen Fliessen würde. Ich weis nicht wie lange ich geschwommen bin, aber irgendwann bin ich dann ans linke Ufer gegangen und bin einige Zeit gelaufen. (geschlichen)
Ich hatte natürlich keine Ahnung wo ich bin.
Plötzlich hörte ich einen Knall und überall ging Licht an. Durch dem Schreck habe ich mich sofort fallen lassen und lag im etwas höherem Graß unter einem Stolperdraht Hatte also Alarm ausgelöst. Die Grenzer liefen noch ziemlich in meiner Nähe vorbei, denn ich hörte sie reden. Sie vermuteten das Wild den Alarm ausgelöst hatte.
Nachdem es wieder ruhig war bin ich wohl etwas weggeschlummert und wurde im Morgengrauen wach. Hebe mich in Bewegung gesetzt, natürlich auf der Hute vor anderen Fallen. Kam an einen Loch vorbei in dem ein Feldtelefon lag und etwas später sah ich die Grenze vor mir. Ich war 10 – 15 Meter vom Ufer entfernt, wo ein Schiff von den Grenztruppen lag. Die Grenze kam hier über Land bis zur Elbe und lief dann entlang dem Fluss, (nehme ich an) Etwas weiter links sah ich auch einen Wachturm, aber niemand von den Grenztruppen war zu sehen. Ich lief also ohne Probleme über einen gepflügten streifen zum Stacheldrahtzaun, den ich ohne viel Mühe überwunden habe. Auf der anderen Seite war auch niemand und ich probierte in ein Hauschen vom Bundesgrenzschutz rein zukommen. Um mich auszuruhen. Wahrscheinlich hat jemand vom Ort in der Nähe mich bemerkt Hätte gerne gewusst wo das genau war, - inzwischen habe ich doch einiges vergessen- und etwas später kam einer vom Bundesgrenzschutz auf dem Fahrrad angefahren. Ich war in Unterhemd und Turnhose, (meinen Personalausweis hatte ich in wasserfest eingewickelt) den gab ich ab und ich wurde mitgenommen. Später hörte ich dann das es kurz vor der Ablösung war und nach einer Nacht aufpassen wahrscheinlich die Soldaten ausgeruht haben.
Ich bin dann am selben Tag ins Notaufnahmelager nach Uelzen gefahren usw.
Ich wohne schon 30 Jahre im Ausland, rede wenig Deutsch, darum ist es auch nicht mehr so 100%.
Gruß
Klaus


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#66

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 22.10.2008 10:07
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Klaus da trennen uns ja gerade mal zwei Jahre Altersunterschied und ich finde es gut das du geantwortet hast, denn so kann man nachvollziehen wie spontane Fluchtversuche und in deinem Fall in der Verkettung glücklicher Umstände verlaufen sind. Diesen wasserfest eingewickelten Personalausweis hätten sie dir aber im Fall einer Verhaftung als "Vorsatz" ausgelegt. Die Grenze verlief übrigens dann ab Schnackenburg in der Flußmitte aber das Boot aus dem Standort Dömitz solltest du weiter geschwommen und bemerkt worden sein hätte dich bestimmt am Westufer noch abgefangen sage ich mal so einfach. Und dies wäre im Morgengrauen drüben auch keinen aufgefallen denn der auf dem Fahrrad schlief zu dem Zeitpunkt noch. Aber du hattest einfach einen Glücksstern hat meine Frau gerade gesagt. Es gab bei uns eine Stelle, wir nannten sie den "Sack" die linke Seite der ehemaligen Grenzübergangsstelle "Horst" zu Lauenburg von uns ausgesehen. Dort verließ die Elbe wieder das Grenzgebiet und in deinem Fall wurde sie zur Grenze. Ein Stück Landgrenze also noch und lief ich über den hohen Damm stand man auf einmal vor diesem breiten Fluss. Dieser BLick auf der Dammkrone über das weite flache Land hat mich damals immer fasziniert. Peter würde jetzt sagen, da standest du ein paar Meter vor der Freiheit und........ . Aber er weis mittlerweile das wir eine sehr unterschiedliche Auffassung von diesem Begriff haben. Ich schweife ab denn so oder so ähnlich stell ich mir deine damalige Situation vor. Als Pioniere waren wir oft im Sack hinter dem Zaun I (dein Stacheldrahtzaun) um die 500W Scheinwerferbirnen zu wechseln evt. dieses Licht was du beschrieben hast. Ich tippe aber eher auf ein oder mehrere Signalraketen. Zu den Zeitpunkt liefen dann immer zwei bis drei Mann Bundesgrenzschutz oder Zollgrenzdienst im Abstand von 6-10 Metern mit uns auf gleicher Höhe. Dieses damalige Gefühl in der Bauchgegend kann man heute nur schlecht beschreiben. Aber die kamen schon nicht mehr auf Fahrrädern sondern mit einem VW-Kleinbuss T2 angefahren. Du siehst der Fortschritt hatte auch an der innerdeutschen Grenze Einzug gehalten. Ich würde gern noch weitere Fragen an dich stellen aber dann schon unter einem neuen Thema wie angelo so schön geschrieben hat weil es nicht mehr zur Elbgrenze gehört. Bleib im Forum Klaus oder schau immer mal rein.

Gruß

Rainer


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#67

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 22.10.2008 10:33
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Angelo, hallo Peter du hattest recht Angelo wir müssen ein neues Thema aufmachen aber einen noch für Peter in die Elbgrenze über den Politunterricht, danach überlegen wir wie wir weiter verfahren.
Los Gehts; Ich bin durch den Staatsbürgerkundeunterricht in der Schule (10 Klassen politechnische Oberschule) rege Diskussion gewöhnt. Das mag jetzt jeder anders sehen aber wir hatten eine junge Lehrerin die darauf sehr viel Wert gelegt hat. Zum Beispiel auf dieses Wissen um die Zusammenhänge, warum, wieso, weshalb ist das so? Heute heist dieses Fach Gesellschaftskunde und logisch das es nicht auf jede Frage die 100% Antwort gab denn die gibt es heute auch nicht. So wurden u.a. im Politunterricht Fragen gestellt nach der Lage der Minen (SM70) am Zaun I und wir hatten einen älteren Major der es so gut wie möglich zu begründen versuchte. Überhaupt dieses "Freund-Feindbild" und wieder logisch das zum damaligen Zeitpunkt der Sowjetsoldat mein Freund war und die mit den zusammengeniffenen Gesichtern (BGS/ZGD) und blöden Bemerkungen auf den Lippen der Feind. Ein Soldat der Bundeswehr auf eurer Seite wird das ähnlich gesehen haben, warst du beim Bund? Und natürlich hat es auch bei mir eine Weile gedauert bis ich meine Scheu vor Diskussionen abgelegt habe, nenn es eine Folge der politischen Erziehungen.... . Wir sind also im Osten nicht mit einem Reisverschluss vor dem Mund aufgewachsen wie es heute immer so schön falsch dargestellt wird (siehe mein Beitrag: Radü 11.9.08). Das mit den Minen das konnte der Major glaube ich noch begründen (wegen Demontage durch den Feind) aber auf meine Frage warum die Abweiser am Grenzsignalzaun das war der oberste Aufsatz mit Stacheldraht ebenfalls nach unserer Seite geneigt waren blieb er uns die Antwort schuldig oder konnte es nicht erklären soweit ich mich erinnere. Nochmal zu dem bewaffnet siehe Vorbeitrag also da hätte nicht nur dieser verzweifelte Sowjetsoldat kommen können das hätte auch ein durchgeknallter Soldat der englichen Gardearmee mit Liebeskummer sein können die uns gegenüber lagen. Und in eure Richtung Peter, glaube mir da haben wir damals kritischer geblickt und niemals damit gerechnet das uns ein Freund in den Rücken fällt.

Gruß

Rainer


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#68

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 22.10.2008 15:15
von kds288 (gelöscht)
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Kein Problem Rainer,
Werde gerne noch Fragen beantworten. Sagt mal bescheid wen Ihr ein neues Thread gemacht habt.
Gruss
Klaus


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#69

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 23.10.2008 10:02
von Transitfahrer (gelöscht)
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Moin an Alle,
neuer thread wurde von mir eröffnet (Weiterführung Diskussion BRD-DDR)

Gruß Peter


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#70

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 07.11.2008 14:31
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Peter,

solltest du dich noch an deine Transitfahrten nach Westberlin über Büchen-Witzezze-Schwanheide erinnern, hier eine kleine Geschichte:
Ich nenne sie "der Klassenkampf und die Worte". Im betreffenden Abschnitt, dort wo der Schienenstrang den vordersten Grenzzaun durchschnitt war großer Bahnhof angesagt. Major H., unser Stabschef, der spätere Lehrer für Wehrerziehung, wurde über das Grenzmeldenetz angekündigt. Soweit ich mich erinnere ging es um die Einarbeitung seines Nachfolgers, eines jungen, ehrgeizigen Offizier dessen Namen und Dienstgrad mir aber heute nicht mehr geläufig sind. Zu dem Zeitpunkt war ich schon Gefreiter und das beschränkte meine Tätigkeit auf das aufmerksame Beobachten der Umgebung. Wir Pioniere waren schon seit dem frühen Morgen vor Ort um Sichtfeld für den Beobachtungsturm zu schaffen. Auch der Buschfunk Ost-West schien zu funktionieren, denn nach und nach füllte sich das Gleis auf eurer Seite mit BGS und Zollgrenzdienst. Ihr eigentliches Ziel war wohl der "Neue", um ihn abzulichten, ein Foto für die Akte, ein Foto für den Bundesnachrichtendienst und eines für die BILD-Zeitung. Die Ferngläser an den Augen warteten ein halbes Dutzend mit wahrer Engelsgeduld, und ihre Geduld wurde belohnt, denn Major H. in Begleitung kurvte mit dem P3 heran.
Er sah wohl schon von weitem das Empfangskomitee! Eine knappe Handbewegung zum Neuen am Geländewagen zu warten, ein Wink zu den Grenzaufklärern ihm zu folgen, und dann ging alles sehr schnell. Ohne die arbeitende Truppe überhaupt wahr zu nehmen, stürmte er schnellen Schrittes an uns vorbei auf dem Schotter in Richtung vorderster Grenzsäule, die Gakls konnten kaum Schritt halten. War es der Überraschungseffekt, die respektvolle Erscheinung oder seine markante Stimme, der Klassenfeind trat unwillkürlich fast geschlossen 3 Schritte zurück. Verdutzt nahmen einige das Glas von den Augen denn das war dann doch zu nah heran geholt. Was folgte war ein lautstarker Wortwechsel in der Art wie:"Sie sollten sich zum Teufel scheren!". Aber den Gefallen taten sie ihm natürlich nicht. So jung wie ich damals war, aber in diesem Moment hab ich den Mann für seine Kühnheit bewundert und vielleicht war sein Überraschungsangriff auch bloß ein kleines Lehrbeispiel für seinen Nachfolger, der im Hintergrund staunend zuschaute. So nach dem Motto "sieh gut her Junge, der Angriff ist doch die beste Verteidigung!". Die späteren Unterrichtsstunden des Lehrers H. kann ich mir heute gut vorstellen. Aber vielleicht hatt er noch kurzfristig umgesattelt auf Oberförster (mein Beitrag bei Kyra 20.06.08), denn das war seine wahre Leidenschaft.

Gruß Rainer


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#71

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 11.11.2008 12:06
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Klaus (kds288) wie versprochen noch ein paar Fragen und ich nehme mal an das du nach deiner Flucht mit und über die Elbe, meine Frau hat sie übrigens als "die schönste spontan geglückte Flucht" aus der DDR bezeichnet wieder zur Schule gehen musstest. Da ging es dir dann bestimmt so wie meinen neuen Mitschülern (Umsiedler/Rückkeherer) aus Westdeutschland (meine Beiträge bei Kyra 14.7.08/9.9.08) deren Aussprache wir mit schöner Regelmäßigkeit auf die Schippe genommen haben. Dein Thüringer Dialekt wird wohl anschließend die Niedersachsen zu derben Späßen genötigt haben. Wenn ich es richtig gelesen habe ist Westdeutschland aber dann nur ein verlängertes Sprungbrett ins Ausland gewesen. Was waren eigendlich die Gründe dafür, beruflich etc.? Und aus was für einem Haushalt kommst du? Arbeiter,Bauern, Intelligenz und fass es bitte nicht als Neugier auf aber mich interssieren nun einmal Biographien. Das habe ich vorher auch schon öffters in Beiträgen erwähnt. Entschuldige aber das jetzt noch für Peter (Transitfahrer) Ferienarbeit (Klaus Beitrag Elbgrenze 21.10.08) so wie auch ich sie erlebt habe war eine tolle Sache, erst einmal stimmte das Geld und zweitens bekam der Schüler einen guten Einblick in die Produktion was eine gute praktische Vorschule für die spätere Lehre war. Aber natürlich hat sie nicht jeder gleich zur Flucht genutzt so wie Klaus.

Gruß

Rainer


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#72

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 13.11.2008 15:28
von altgrenzer (gelöscht)
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Hi Rainer,

ich war im Kdo Süd GR Heiligenstadt. Die Abschnitte gingen vom Südharz (Ellrich) bis zur Werra. Von 76 bis 78 2. Bat. Jützenbach, letztes HJ 1. Bat. Klettenberg. Aber irgendwie kommst Du mir bekannt vor, naja, wir sahen damals alle so aus.

Die SM 70 hatten wir rechts und links von GÜST Teistungen.

Rolf


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#73

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.11.2008 18:54
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Rolf(Altgrenzer),

entschuldige das ich erst jetzt antworte und eines haben wir in etwa gemeinsam, die Zeit des Wehrdienstes, denn sonst war ich am entgegengesetzten Ende stationiert. Heiligenstadt heißt für mich Kinderferienlager in den 60er Jahren, Heimweh so wie du es beschrieben hast, und wenn der Fahnenappell über die Bühne ging hab ich mich immer verdrückt.
Ich erinnere mich noch an Kruzifixe am Wegesrand, als Kind für mich total ungewohnt(so eine Art Minialtare).
Die SM-70 (Splittermine) schon zu dieser Zeit (1976-78) bei euch?? Ich nahm immer an ,dass das Grenzkommando Nord die Ersten waren die damit bestückt wurden, gerade weil Pioniere die nach meiner Zeit kamen zu euch runter versetzt wurden. Du Spaßvogel siehe "Kommst du mir bekannt vor!". Jeder von uns halt wohl mindestens ein Dutzend Doppelgänger.

Gruß Rainer


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#74

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.11.2008 20:04
von altgrenzer (gelöscht)
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Michael Gartenschläger baute 2 SM 70 ab. Das war 1976. Unsere Pio's die Minenmöpse haben ab Mai 76 Plastikkästen um die Minen rum gebaut, dass der Abbau vom Westen her nicht mehr möglich war.

Die SM 70 ist eine der hinterhältigsten Waffen, die ich kenne.

Btw., es gab die Steuerschränke dazu im Führungsbunker FB 3. Ein frischgebackener Grenzsoldat, den ich als Posten mit hatte, nahm eine der Karten in die Hand und sagte:

Die Dinger wurden in meinem Betrieb bestückt.

Die Karten signalisierten im FB 3, wenn eine Mine hochgegangen ist, da hats geklingelt. Aber es hat auch oft geklingelt, wenn keine SM 70 hochgegangen ist. Da haben wir die Karten immer rausgezogen und kurz vor der Übergabe wieder reingesteckt.

Die Detonation einer SM 70 war viele km weit zu hören und der Blitz weit zu sehen. Allein der Blitz verbreitete unter uns Grenzern Angst und Schrecken, zumindest Respekt. Ich selbst musste einige Auslösungen aufklären, Gottseidank kein Mensch.

Die Fehlauslösungen waren technisch bedingt, eingewachsene Rankpflanzen (Brombeere) und Gewitter waren meistens der Auslöser. Und Wild, Rehe, Wutzn, Bussarde.

Rolf


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#75

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 19.11.2008 22:02
von kds288 (gelöscht)
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Hallo Rainer,
Habe den weg zum Forum mal wieder gefunden.
Zu deinen Fragen. Ich kan mich die Zeit nach dem Notaufnahmelager nicht mehr so gut erinnern. Ich kam auf jedem Fall bei meinem Onkel in Koeln zurecht und er hatte mir eine Lehrstelle bei Herti besorgt. Ich wollte immer ein wenig Kuenstler sein und das war dan als Schaufensterdekorateur ein Anfang. Es ging aber nicht lange gut und ich bin bei Ihm abgehauen. Ueber die "Grenze" nach Holland, aber die haben mich dan auch schnell zurueck nach Deutschland geschickt. Wurde dan eingesperrt in einem Heim in Koeln Bekam einen Amtlichen Vormund, (Don Bosco Heim in Koeln-war eine geschlossenes Heim mit Zwangarbeit (Kugelschreiber zusammenbauen)) Hier wurde mir jeden Tag erzaehlt das ich besser zurueck kan in die DDR den ich bleibe hier anders bis ich 18 bin. Habe dort einen Hungerstreich gehalten was dazu geleitet hat das die mich in ein offenes Heim gebracht haben. Reckestift -glaube ich- irrgendwo zwischen Dusseldorf un Duisburg. Natuerlich blieb ich hier auch nicht lange und kam nach zeiten wieder zurueck nach Koeln, wo ich ein hollandisches Maedchen kennen lernte und mit Ihr nach Amsterdam umzog. Dort studierte ich einige Jahre auf einer Kunstakademie. Ging irrgendwan mit Urlaub nach Suriname -ehemalige Kolonie von Holland in Sue Amerika- und blieb dan 15 Jahre dort. Seit 1991 zurueck nach Europa, mit meiner Surinamischen Frau, erst ein paar Jahre in Deutschland gewohnt eine Umschulung gemach und dan nach 3 Jahren nach Holland gegangen. Konnte dort Arbeit bekommen. Bin jetzt imernoch hier. In Lelystad.
Mein Vater war Kraftfahrer bei der Stadtwirtschaft Eisenach und meine Mutter arbeitete bei Kirchenamt. Also eine ganz normale Arbeiterfamilie. Mein aelterer Bruder wurde damals im Grenzgebiet erwischt worden und hat einige Jahre im Knast gesessen.
Hoffe das ich dir die Fragen ein bisschen beantworten konnte. Leider kan ich micht nicht mehr so an die Einzelheiten erinnern.
Gruss
Klaus


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#76

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 20.11.2008 10:51
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Rolf (Altgrenzer) der Hinweis auf die Steuerschränke war richtig interessant denn so langsam schließt sich das Puzzle über die SM-70 (Splittermine). Denn Hersteller hatte Gakle schon genannt siehe Elbgrenze 24.6/26.6.08 sowie "Dienen bei den Grenztruppen der DDR" 9.7./10.7.08 . Wenn sich jetzt noch herausstellt das diese Schränke von einen westlichen Elektronikkonzern geliefert worden (Lizenzbau) wäre das der Hammer. Denn der Stacheldraht in den 60er Jahren stammte doch schon von drüben. Ich bin übrigens ein Glückspilz und einige meiner Kameraden mit. Einmal waren Teile der Anlage nicht abgeschaltet und wir haben eine Reperatur erledigt. Wie das passieren konnte ist mir heute noch ein Rätsel. Aber es gibt gute und schlecht Tage, wir hatten wohl den Ersteren erwischt.

Gruß

Rainer


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#77

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 20.11.2008 11:27
von altgrenzer (gelöscht)
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Wahnsinn Rainer.

Fakt ist Eines: Der Westen war durchsetzt von DDR-Agenten, bekannt u.a. Guillaume und Gabriele Gast alias Gisela. Mit der hab ich vor ein paar Jahren mal telefoniert, es war jedoch nichts aus der Frau, die heut ein Bayern lebt, herauszubekommen.

Weniger bekannt ist, dass auch viele Unfreiwillige als Agenten rekrutiert wurden, die Zahl ist nicht mehr ermittelbar, aber ich habe einen solchen Fall in meiner Familie: Er wurde mitte der 50er beim Schmuggeln erwischt und war damit erpressbar. 1979 ist der unter mysteriösen Umständen in NRW gestorben, angeblich war es Selbstmord. Ob das mit der Flucht Werner Stillers zusammenhängt, werden wir wohl nie erfahren. Fakt ist, seine Tochter war die Letzte, die ihn lebend gesehen hat, er saß auf gepackten Koffern und wollte zurück nach Berlin (Ost). Das war bestimmt kein Selbstmord, einer der auf gepackten Koffern sitzt, bringt sich nicht um.

Die ganze Geschichte ist sehr gut vertuscht worden, auch hier haben wir ein Indiz, wie der Westen von Agenten durchsetzt war. Ich hab mal eine Zahl irgendwo gelesen: Ab Anfang der 50er wurden tausende Spione in den Westen geschickt. Die Meisten waren Freiwillige und unter denen waren auch Mörder die im Westen ihren Dienst taten.

Siehe Fall Eigendorf (Fußballer).


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#78

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 20.11.2008 12:13
von manudave (gelöscht)
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Guillaume : War eine Pflaume, was die Geheimdiensttätigkeit angeht.


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#79

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 20.11.2008 12:37
von altgrenzer (gelöscht)
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Immerhin hats Guillaume ins Kanzleramt geschafft. Der Kanzler selbst war die Pflaume ;)

Beliebt waren auch Stellen in der Post für die Agenten, wg. der Adressen-Beschaffung und Telefonnummern.


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#80

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 23.11.2008 12:24
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Rolf (Altgrenzer) ich habe über verschiedene Fälle von DDR-Agenten in Westdeutschland gelesen, so hatte zum Beispiel der Sohn von Günter Guillaume gut und sehr kritisch über seine Eltern geschrieben. Das Buch "Der fremde Vater von Pierre Boom" da kam ich erst einmal bis zu Onkel Karl aus Rostock (Seite 86) und dachte so bei mir das hätte auch mein Onkel sein können. Aber ich bin dann doch nur Grenzsoldat und nicht Agent geworden. Ja ja die alten Erfahrenen Proletarieronkels mit der marxistischen Weltanschauung und dem warmen Herzen. Und manudave bezeichnet den Mann "Guillaume" gleich als Pflaume. Markus Wolf hätte wohl über diese Beurteilung gesagt: "Meine Freunde sterben aber trotzdem nicht". Deswegen finde ich immer die Biographien so interessant wo kommt er her, wer waren seine Eltern und da lese ich doch bei M. das die Mutter mal der DDR den Rücken kehren wollte. Es ist also doch das Elternhaus was uns so enorm prägt! Ich fand es schön als er aus dir heraus kitzeln wollte ob wir nicht doch ohne Moral und Skrupel auf Frauen und Kinder geschossen hätten, mal eben so am Befehl vorbei. Nur gut das du anschließend Erinnerungslücken hattest. Aber ich möchte M. hier nicht zu nahe treten, es ist die Weltanschauung die uns so verschieden urteilen lässt. Interessante Fälle waren auch die Ostliebhaber einsamer Westsekretärinen, es gab die Heiratsschwindler und ich nenne die anderen mal die "liebenden Klassenkampfschwindler". Die einen fürs Geld und die anderen für die Sache. Leidtragende waren am Ende wohl nur die Frauen deren Vertrauen missbraucht wurde. Na, na siehe "auch Mörder die im Westen ihren Dienst taten"? Da sage ich doch gleich mal wie immer belegbare Quelle? Und frage anschließend nicht, wie viele bezahlte Kriminelle der Westen hatte die Grenzsoldaten ohne Skrupel und mit Vorsatz um ihr Leben gebracht haben. Quelle: Die Grenzen der DDR, D.Baumgarten, edition Ost.


Gruß

Rainer


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