#41

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 29.08.2008 20:23
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Suentaler du hattest Recht, gemeint war der Turm in Börgerende. Der Grenzzaun um Heiligendamm steht nicht mehr, mir ist als hätte ich irgendwo gelesen das er eingelagert und versteigert werden soll. Das hätte man auch mit den Betonteilen der Berliner Mauer machen sollen. Und anschliesend eine Stiftung gründen, wäre eine gute Sache gewesen. Aber so wie der westdeutsche Amtsschimmel wieherte haben sie erst vollzogen und dann nachgedacht. Zu diesem Zeitpunkt hatten die letzten geduldeten Pioniertruppen der EX-DDR schon ihre Schuldigkeit getan. Auf die Nutzung der Schießscharten als Pissoir habe auch ich getippt, zu heutiger Zeit würde wahrscheinlich ganz nach Hygienevorschrift ein Dixi unten stehen. Zu deiner Frage: Stationiert war ich im Stab I.GB/GAR5 Nostorf, liegt auf halben Weg zwischen Boizenburg und Lauenburg. Kurz vor der Jahrundertwende war ich mal vor Ort, da war das Objekt noch vorhanden aber schon von Vandalismuss gezeichnet. Wie das so ist in einem "deutschen Dorf" und nicht nur in den ehemaligen Grenzdörfern, man sieht keinen auf der Straße aber die Gardinen wackeln. Ich habe das Auto abgestellt, bin durch ein Loch im Drahtzaun hinein und spazierte in gespannter Wiedersehensfreude umher. Dann stand ich in der Kraftfahrzeughalle und auf einmal kam ein Typ durch das offene Tor. Er sah aus wie aus einen Mafiafilm und mir blieb fasst das Herz stehen! Nach seinen ersten Worten folgte Entwarnung, es war der aufmerksame Nachbar. Er hätte sich aber auch mal rasieren können. Viel konnte er nicht beitragen und wohnte wohl erst nach 1990 dort. Im Jahr 2007 war ich auf einen Abstecher aus dem Urlaub nochmal in der Gegend, da standen schon zwei bis drei Eigenheime auf dem Gelände. Im hinteren Teil auf dem alten Sportplatz spielten Kinder Fußball, so wie wir damals an den dienstfreien Sonntagen. Ich sah mich schon in deinem übergroßen Sporthemd im Tor stehen. Aber genug geblödelt, meine Frage an alle zum Beitrag vom 25.08.08 steht noch! Vielleicht findet sich auch einer von der Grenzbrigade Küste, der diese Frage beantworten kann. Nur 6 km Abschnitt Suentaler, welche Orte waren bei dir in der Nähe?

Gruß

Rainer


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#42

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 29.08.2008 22:17
von suentaler | 1.923 Beiträge

Hallo Rainer,

mit der Hygienevorschrift und den Dixiklos könntest du recht haben.
Uns blieb damals nur das Gebüsch und im Winter hatte der Schnee rund um die Postenpunkte lauter gelbe Flecken. :-)))

In Antwort auf:
Stationiert war ich im Stab I.GB/GAR5 Nostorf, liegt auf halben Weg zwischen Boizenburg und Lauenburg


Eigentlich meinte ich das alte Kompaniegebäude in Haar, deren Standort ist mir noch nicht ganz klar.
Vielleicht kannst du mir das noch beantworten.
Der Stab in Nostorf ist ja schon lange weg, soweit ich weiß.
Leider gibt’s davon auch keine Bilder mehr.
Oder hast du eventuell welche, die du mal reinstellen könntest ?
Warst du dort in einer Stabskompanie oder PiK ?
Ich frage das deshalb so genau, weil ich an einem Projekt arbeite, das die Lage aller
Grenztruppenobjekte mittels der Satellitenkarten des Internetglobus Google-Earth darstellen will.
Und nach fast 20 Jahren ist es recht schwierig die ganze Struktur aufzudröseln.
Außerdem sind die Angaben in den wenigen Quellen oft widersprüchlich.
Kannst du mir bestätigen, das im Objekt Nostorf der Sicherungszug für die GÜSt / Horst untergebacht war ?

Mein 6 km-Abschnitt lag im Harz, in Ilsenburg um genau zu sein.
Es war die 5.GK im Suental (daher auch mein Name).
An einem anderen Standort in Ilsenburg gab es noch die 12.GK, aber die haben nur Hinterlandsicherung gemacht.
Auf der Länge von den 6 km hatten wir einen Höhenunterschied von 330 Metern und meist sind wir alles zu Fuß gegangen.
Meiner Kompanie erging es besser, als den meisten anderen Objekten.
Sie wurde in den 90igern zu einem 4-Sterne-Luxushotel umgebaut.

Gruß
Suentaler


[rot]Vielen Dank für die Sperrung.
Noch nicht einmal einen Grund konntet ihr angeben.
Andersdenkende mundtot machen - wie erbärmlich - selbst für euch ![/rot]
.
MfG Suentaler
.
[gruen]Leider kann ich nicht auf die mich erreichenden PN's antworten.
Man kann mich aber direkt unter suentaler@emailn.de anschreiben.[/gruen]
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#43

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 30.08.2008 07:48
von js674 | 231 Beiträge
Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
Eine Frage an Alle die auf Kompanie oder Unteroffiziersschule waren. Mein Schwager, ein Urgestein und streitbarer Geselle gehört noch zu der Grenzergeneration die in den 60er Jahren mit dem BGS eine Zigarette am Zaun geraucht haben. Stationiert war er in der Rhön. Zu seinem runden Geburtstag(60) entstand ein Streitgespräch über die Länge des Gewaltmarsch zum Abschluß der Grundausbildung. Ich beharrte auf ca. 25 km und ich hätte wirklich keinen Kilometer weiter laufen können. Er behauptete steif und fest etwas von 50 Km. Bist du verückt habe ich gesagt, 50 Km und diese teilweise noch unter Schutz, das hätte doch kein Mensch durchgehalten. Wer kann Auskunft geben bzw. wie war es bei Euch? Ihr könnt auch ins Gästebuch schreiben, wer sich hier im Forum nicht registrieren möchte.
Gruß
Rainer


Hallo Rainer,

Da ich immer noch dabei bin mich hier richtig einzulesen, habe ich erst jetzt deine Frage gefunden.
Also zu meiner Zeit 1986 mußten wir auf der U-Schule auch einen Gewaltmarsch hinlegen, was als Gefechtsalarm getarnt warausrücken mit dem ganzen Trödel und der Technik.
Also bei uns waren es nur 25 km die wir zu Fuß latschen mußten und dann noch war darin eine Strecke die wir unter Schutz absolvieren mußten, aber die Strecke weiß ich nicht mehr.
Ich hoffe das ich dir was helfen konnte mit meiner Aussage. Aber das mit den 50 km scheint mir doch sehr weit geholt zusein.

gruß Jens

"Sein Erbe hochzuhalten und gleichzeitig neue Wege zu beschreiten ist kein Widerspruch.
Tradition zu bewahren heißt nicht Asche aufzubewahren, sondern eine Flamme am Brennen zu halten"
(Hans-Josef Menke)

zuletzt bearbeitet 30.08.2008 07:49 | nach oben springen

#44

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 01.09.2008 10:59
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Jens erstmal danke für deinen Beitrag. Ich bin mir sicher und das trifft auf alle Diensthalbjahre zwischen 1956 und 1989 zu. Erst haben sie euch, die Unteroffziere durch die Mangel gedreht und dann habt ihr uns die Frischlinge geschunden. Alles frei nach dem Motto "Was dich am Ende nicht umbringt macht dich nur härter". So wurden in dieser Männerschmiede NVA ostdeutsche Kerle geformt, "hart wie Stahl aus Eisenhüttenstadt, elastisch wie Dederonstrümpfe, schnell wie die Interflug und zuverlässig wie die Uhren aus Glashütte". Es ist diese Vorbildwirkung die uns im Osten anerzogen wurde, die uns aber auch am Ende der DDR misstrauig werden lies, denn die alten Antifaschisten in Wandlitz lebten es auf einmal nicht mehr vor. Aber keine Bedenken Jens, ich wäre der Letzte der irgend einem Unteroffzier von damals irgend etwas nachträgt. Die Jungen waren richtig gut, sportlich auf der Höhe somit gute Vorbilder. Heute bin ich alt genug dies alles unter der Rubrik "Erfahrungen" abzulegen und nebenbei noch ganz deiner Meinung, 50 km sind sehr weit hergeholt. Wir beide wissen das und tausend Andere auch die 25 km zu Fuß latschen mussten. Soll mein Schwager der alte "Dösskopp" doch behaupten was er will!

Gruß

Rainer

PS: Hallo Suentaler gib mir noch etwas Zeit, Beitrag folgt in Kürze.


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#45

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 01.09.2008 12:15
von js674 | 231 Beiträge

Hallo Rainer,

Etwas muß ich aber doch noch loslassen, die Wende hat aber viele hochgespühlt die mehr sein wollten als Sie je waren.
Nach dem Motto ich weiß es besser und bei mir war alles härter. Solche Typen sind mir schon zu hauf über den Weg gelaufen und ich glaube da paßt dein Schwager wunderbar rein.

gruß Jens


"Sein Erbe hochzuhalten und gleichzeitig neue Wege zu beschreiten ist kein Widerspruch.
Tradition zu bewahren heißt nicht Asche aufzubewahren, sondern eine Flamme am Brennen zu halten"
(Hans-Josef Menke)

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#46

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 01.09.2008 19:47
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Suentaler finde ich gut die Sache mit dem Projekt, deswegen deine Hartnäckigkeit mit Haar aber ich arbeite noch dran, habe noch Probleme mit dem hochladen der Dateien. Ich wollte auch Bilder von Börgerende und ein Video rein stellen aber die selbe Problematig! Zu deinen Fragen, ich habe noch Bilder von Noosdorf aber sie zeigen größtenteils Personen, einmal den Fahrzeugpark, eine Marschkolonne und sehr wenig Gebäude. Ich kenne mich im Urheberrecht nicht gut aus, vielleicht könnte sich dieser Anwalt für Internetrecht (Gästebuch vom 23.03.08/Ben.B) mal dazu äußern. Dieses Land ist ein Land der Aktenzeichen geworden, ich verspüre keine Lust von ehemaligen Kameraden verklagt zu werden, die ihr Gesicht im Forum entdecken. Einen Plan der Gebäude auf dem Gelände könnte ich grob zeichnen wenn es dir etwas hilft. Nächste Frage: Staabskompanie oder PIK so blöd das jetzt klingt aber ich kann dazu nur sagen "Pioniere/501-Trupp" also die Arbeit am Zaun I (SM70) und natürlich alle anderen anfallenden Pioniertechnischen Aufgaben. Es war wie auf Arbeit (wie im zivilen Leben) ein fester Tagesablauf deswegen auch die dienstfreien Sonntage. Logisch das ihr auf Kompanie mit diesem Schichtsystem bescheidener dran wart, also beneidet habe ich euch nicht. Nächste Frage zu GüstHorst/Sicherungszug: Ich habe immer mal die Bootstruppe der Kompanie Horst gefahren, mit Zielhafen "Elbewerft Boizenburg" da war ich schon Gefreiter. Also in Noosdorf war dieser Sicherungszug nicht untergebracht wohl eher in Horst selbst, aber ich hebe nicht die Hand zum Eid. Weist du was ich an diesen Wochen am meisten geliebt habe, "Briefe an meine Frau, Bücher lesen und schlafen". Ich lief da herum wie ein Hotelgast und kein Spieß (Hauptfeldwebel) ging mir auf den Zeiger. Zu deiner Kompanie siehe 4-Sterne-Luxushotel, hast du später mal dort Urlaub gemacht?

Gruß

Rainer


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#47

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 01.09.2008 20:49
von js674 | 231 Beiträge

Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
.................1.ern. Dieses Land ist ein Land der Aktenzeichen geworden, ich verspüre keine Lust von ehemaligen Kameraden verklagt zu werden, die ihr Gesicht im Forum entdecken....................2. Einen Plan der Gebäude auf dem Gelände könnte ich grob zeichnen wenn es dir etwas hilft. Nächste Frage: Staabskompanie oder PIK so blöd das jetzt klingt aber ...................................
Gruß

Rainer



Hallo Rainer,
zu 1. Gebe ich dir Recht es ist ein Paragrafenland geworden aber du brauchst mit keiner Klage rechnen wenn du die Gesichter deiner Kameraden schwärzen tust, soweit nicht ihre zustimmung vorliegt.

zu 2. kannst du über Google Earth aufrufen und selber eine Ortsbestimmung machen und die Objekte bestimmen, da ja Earth ziemlich mit den Plänen hinterher hängt.

gruß Jens


"Sein Erbe hochzuhalten und gleichzeitig neue Wege zu beschreiten ist kein Widerspruch.
Tradition zu bewahren heißt nicht Asche aufzubewahren, sondern eine Flamme am Brennen zu halten"
(Hans-Josef Menke)

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#48

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 24.09.2008 19:49
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Angelo, als ich deinen Beitrag "Blitzflucht aus der DDR" las fiel mir die Geschichte ein(Mein Beitrag "Elbgrenze" 20.06.08) die ich noch über das Thema "Staatssicherheit" erzählen wollte. Denn sie berührt mich unmittelbar in der Familie. Susanne ist meine Lieblingscousine, wir sind zusammen fasst Tür an Tür aufgewachsen, auch gleich alt. Über die Wochenenden beim Tanz im Clubhaus kamen wir zum Singeclub, irgend einer der Clubhausleiter sagte kommt doch mal vorbei und so wurden wir Mitglieder. Mir viel das Singen schwer und so kümmerte ich mich um die Kulisse bei den Auftritten irgendwann Anfang der 70er Jahre bekam Susanne Besuch von den Clubhausleitern, man nennt das wohl, sich das persönliche Umfeld anschauen. Tante Marta putzte die Kaffeetassen und so saßen als bald zwei Offiziere des Ministerium für Staatssicherheit an ihrem Tisch. Susanne wurde Sekretärin und machte das was alle Sekretärinen bei der Gestapo(Geheime Staatspolizei),Mfs, BND (Bundesnachrichtendienst) machten und noch machen werden. Nämlich auf der Schreibmaschine tippen bzw. heute per Computer. Mitte der 80er Jahre lernte sie über die Arbeit ihren zukünftigen Mann kennen. Nein, keinen vom MfS, ein ganz normaler Handwerker. Und Rudi gefiel das garnicht das mit dem MfS, sie könnte doch Sekretärin bleiben aber nicht dort. Rudi hatte wohl den Wenderiecher, hörte sich viel um beim einfachen Volk. Und Susanne kündigte ganz einfach so. Der MfS, so würden jetzt ein paar Neunmalkluge sagen machte Schwierigkeiten. Ach wo, sie bedauerten es zwar denn Susanne war sehr fleisig aber gekündigt ist gekündigt. Vielleicht unterschrieb sie noch einen Zettel wegen der Geheimhaltung und so. Meine Cousine Susanne wurde Sekretärin in einen VEB (Volkseigenen Betrieb) und so kam die Wende. Susanne blieb Seketärin und ein paar Jahre nach 2000 feierte sie ihren 50. Geburtstag. Auf der Suche nach einen Geschenk viel mir ein Bild meiner Cousine in Paradeuniform ein. Ich kramte im Bilderalbum, fand es, vergrößerte und goldrahmte es und so kam der große Tag. Gleich vorneweg, meine Cousine und ihr Mann haben einen großen Freundeskreis aber am Ende des Abends zweifelte ich ob noch richtige alte Freunde darunter sind. Alle Geschenke lagen unausgepackt auf einen großen Haufen und bei Schnaps und Bier schon nicht mehr ganz nüchtern fragte meine Tante ob meines Geschenkes. Ich nannte es, Tante Marta wechselte die Farbe und ab gings vor die Tür. Dort erfuhr ich dann das keiner der Gäste nicht mal die Kinder von Susanne über ihre berufliche Vergangenheit Bescheid wußten. Klammheimlich nahm ich mein Geschenk vom Geburtstagstisch schob Unwohlsein als Grund vor und verdrückte mich aus der fröhlichen Runde. Geschichte wiederholt sich in gewissen Abständen, ich nenne meine mal die tausendjährige ostwestdeutsche Geschichte. Wie viele kleine Susannes wohl heute noch unter uns schlummern und nach der nächsten friedlichen Revolution noch schlummern werden. Und das für die Schüler und Studenten, fragt doch mal die Oma, den Opa, die Mutter und den Vater, das kann bestimmt ganz interessant werden mal so richtig in der Vergangenheit rum zu wühlen.


Gruß

Rainer


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#49

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 01.10.2008 10:49
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Angelo, ich nenne sie mal die Geschichte Teil 2 zum Beitrag vom 24.09.08 über Cousine Susanne, die Staatssicherheit und unser Forumthema "Die Grenze". Als ich mich von den Grenztruppen nach 18 langen Monaten endlich wieder zu Hause eingelebt hatte dachte ich so in meiner jugendlichen Naivität, frag doch mal Susanne ob das MfS PKW-Fahrer benötigt. nach der Armee war mir nach einer beruflichen Veränderung, auch gefielen mir immer schon die blank geputzten Lada 1200/1500, Wolga etc. mit dem geschniegelten und gebügelten jungen Männern darin. So ein Auto wollte ich auch fahren! Meine Großstadt war zwar groß aber man wußte auch so wo das MfS seine Stützpunkte hatte. Ich bin Handwerker wie Rudi , da kam man herum und brauchte nur noch die Augen auf zu machen. Susanne fragte ihre Offiziere, ganz unkompliziert nicht wie heute mit Bewerbungsmappe und diesem ganzen Quatsch. Und die Offiziere liesen über Susanne ausrichten "Tut uns leid junger Mann wir suchen unsere Leute bei Bedarf selbst aus". Ich schluckte meinen Ärger über die knappe aber bestimmte Absage herunter und blieb Handwerker. Aber weiter im Text denn am Ende der Geschichte kommen wir wieder an die Grenze zurück.
Handwerk zu DDR-Zeiten Angelo, das war nicht dieses Trauerspiel wie heute wo der kleine Gewerbebetreibende einen Rechtsanwalt braucht um überhaupt einmal Geld für seine Arbeit zu sehen. Die ganzen privaten Bäcker, Fleischer, Gärtnerrein und Gemüsemänner waren doch nicht so blöd ihr Geld in Aktiendepots zu legen (die gab es im übrigen auch nicht) die investierten lieber in ihre schmucken Einfamilienhäuser und Läden. Wir kleinen Klempner, Fliesenleger, Elektriker, Heizungsbauer und Maurer konnten garnicht so schnell nach Feierabend arbeiten wie die ihr Geld los haben wollten. Das wurde dann promt in Westgeld (1:4) umgetauscht (unter der Hand, nicht Offziel) denn Intershops hatte jede größere Stadt und Delikat/Exquisitläden für das viele Ostgeld dazu. Und hier schliest sich der Kreis und wir sind wieder bei Walter Ulbricht (Mein Beitrag unter DDR-Grenze in Schulen 18.09.08) angelangt. Er wollte u.a. durch die Grenzschliesung eine schleichende Entwertung der Ostmark verhindern und hat es eigendlich auch geschafft. Denn das Westgeld egal auf welchen Wegen es nach dem 13.08.61 in die DDR gelangt ist, blieb diesmal im Land. Und trug dazu bei den Konsum (nicht zu verwechseln mit den Konsumkaufhallen) anzuregen. Noch eine kleine Erklärung für User aus dem Altbundesgebiet. Der Unterschied zwischen Exquisitladen und HO-Kaufhaus war ungefähr so wie heute Breuninger und Wallmart(Jacke hier 400 euro dort 100 euro). Da spielte auch die Qualität eine Rolle. Der Konsum hatte das was ich täglich zum Verzehr brauchte (Preiswert und Gut) in den Delikatladen ging ich vor der Geburtstagsfeier um anschließend die Augen der Verwandschaft glänzen zu sehen. Denn Susanne und Rudi tranken so gerne cremeBols'.

Gruß Rainer


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#50

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 01.10.2008 16:24
von Transitfahrer (gelöscht)
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Hallo Rainer,

wie lange hast Du für eine Flasche BOLS Creme gearbeitet und wie lange ich? Da ist schon ein gewaltiger Unterschied.
Und zu den Handwerksfirmen. Ich habe selber in einer Handwerksfirma meine Ausbildung abgeschlossen. Arbeit gab es genug und bezahlt haben auch alle. Ihr Ex DDR-Bürger regt euch meistens fürchterlich auf, wenn wir "Wessis" völlig unwissend über die Verhältnisse in der DDR schreiben.
Die heutige BRD ist nicht mit der BRD vor 1990 zu vergleichen. Über diese Zeit wissen die "Ossis" leider auch nicht gerade viel. Und arbeiten nach Feierabend nennt sich "Schwarzarbeit". Das im übrigen auch damals wie heute sehr lukrativ ist.
Die Delikat und Exquisitläden hießen doch im Volksmund „Deli“ oder „Fress-Ex“und"Uwubus" (Ulbrichts Wucherbuden) ,oder?
Die paar Kröten, die in den Läden umgesetzt worden sind, haben sicherlich nicht zur Stabilität der DDR Wirtschaft beigetragen.
Nur mal ein kleiner Beitrag: In 26 Jahren erhielten 33.755 politische Gefangene der DDR für den Gegenwert von 3.436.900.755 DM und 12 Pfennige ihre Freiheit.
Das nenn ich Kapitalismus pur. Ohne das Geld wäre die DDR schon viel früher ruiniert. Aber das wollte keiner, weder im Westen noch im Osten.

Aber in einem gebe ich Dir völlig recht. Früher war alles besser!

Gruß
Peter


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#51

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 07.10.2008 09:43
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Transitfahrer oder besser Handwerkskollege West, entschuldige das ich nicht gleich geantwortet habe aber der aus dem Osten hat die Tage um die Deutsche Einheit genutzt mal die Verwandschaft West zu besuchen. Zu deinem Beitrag Peter da könnte ich doch gleich mal Kontern und fragen wie lange hast du für deine Miete gearbeit und wie lange ich denn in den Lebenshaltungskosten unserer beiden Staaten lagen ja noch gewaltigere Unterschiede. Was war da die kleine Flasche Bols! Aber das schönste an der ganzen Sache war, mein Land lies mich machen (hab ich schon mal im Beitrag vom 24.06.08 beschrieben). So wie es mir egal war ob sich die "obersten Zehntausend´" eine große Tiefkühltruhe zu viel in ihr Wandlitz gestellt haben. Die alte und die Neue BRD nicht zu vergleichen sagst du, Ende der 80er Jahre kurz vor der Rezession heute wieder. Wer hat denn hier wem vor dem Ruin gerettet mit unserem riesigen Absatzmarkt DDR da purzelten doch bei euch die Arbeitslosenzahlen. Dieses Land dreht sich doch nur im Kreis mal abgesehen von den paar Wirtschaftswunderjahren. Gib mir etwas Zeit und ich beweise es dir an hand von guter alter Jahrbuchliterartur aus den 60er und 70er Jahren. Mit dem "Deli" da hast du vollkommen recht aber "FressEx"? Exquisit war Kleidung und Uwubus den Ausdruck hat bestimmt die Bildzeitung geprägt. Die haben schon damals so gern die deutsche Sprache verhunzt. Die politischen Gefangenen und das bischen Geld für den Freikauf das war doch kein Kapitalismus Peter. "Kapitalismus bedeutet Ausbeutung des Menschen durch den Menschen" das haben wir aus dem Osten schon mit der Muttermilch eingesaugt bekommen. Und die Politischen und die Freiheit, ich habe einen guten Freund wir kennen uns schon seid der Lehre der hat mal gesagt: "Kein System der Welt ob Sozialismus oder Kapitalismus lässt sich an die fahrende Karre pissen, mach ich es trotzdem muss ich mit den Konsequenzen rechnen und die hießen bei uns Bautzen und bei euch Stammheim" so einfach sah das mein Freund! Aber zum Ende deine Kritik war richtig erfrischend und das ist jetzt nicht abwertend sondern ehrlich gemeint. Endlich mal einer der Kontra gibt von euch da drüben. Das habe ich bei meinen früheren Arbeitskollegen geliebt , denn Meister mal so richtig anbrüllen und der uns und damit war das jeweilige Problem gelöst bzw. vom Tisch wie ein reinigendes Gewitter. Bei so viel Freiheit wie damals Peter ich glaub da könnte ich mir heute gleich die Papiere holen und morgen beim Arbeitsamt vorstellig werden. So viel zum Begriff Freiheit! Bei deinen letzten Satz war ich mir nicht sicher ehrlich oder sarkastisch gemeint? Sollte es letzteres sein würde ich später noch etwas dazu beitragen.

Gruß dein Handwerkskollege Ost

Rainer


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#52

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.10.2008 19:50
von Transitfahrer (gelöscht)
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Da sag ich doch mal "Hallo Handwerkskollege Ost!!"

Du bist natürlich entschuldigt. Ich hatte auch ein wenig anderes zu tun (Blackwork??)
Ja, Dein Land lies Dich machen, aber meins auch. Oder hab ich da was verpasst?? Die "oberen Zehntausend" hätte es doch gar nicht geben dürfen im "Arbeiter- und Bauernstaat" Oder sehe ich das falsch?
Mit dem Ende der Achtziger Jahren gebe ich Dir vollkommen recht. Das hat vor allen Dingen die Dicke Birne gerettet. Aber der Mrd. Kredit in den siebzigern kam der DDR auch nicht gerade ungelegen. Und wenn die BRD nicht so viele Konsumgüter in der DDR hat produzieren lassen, wäre die Wirtschaft in der DDR schon viel früher zusammengebrochen. War ja schließlich ein Billiglohnland. Und der böse Kapitalismus ist demzufolge auch den Werktätigen in der DDR zugutegekommen.

Ach ja, mal kurz zur Miete kommen. Hab ab Anfang der 80iger eine Wohnung gemietet. Und mußte etwa einen Wochenlohn aufbringen. Allerdings inkl. Heizung, Fernsehen. Auch Thermopenfenster waren eingebaut. Eigenens Bad und Toilette sind natürlich selbstverständlich. Gegensprechanlage und die Wasserrohre aus Kupfer. Elektrisch auf dem neuesten Stand damals (FI-Schalter fürs Bad). Das ganze mitten in Hamburg. Und die Grundnahrungsmittel waren nun mal nicht staatlich unterstützt. Aber bei uns gab es keinen Mangel an irgendwas und meine Mutter mußte auch nicht immer ihr Einkaufsnetz mit rumschleppen. Aber wir haben in etwa so gelebt wie Ihr, so denke ich. Jeden Sonntag nen Braten, nachmittag Kaffee und Kuchen. Zum Frühstück immer Brötchen und ein Ei. Freitags war Fischtag u.s.w.

Opposition in der BRD und in der DDR sind ja wohl völlig unterschiedliche paar Schuhe. Oder willst Du RAF Mörder, die im übrigen in der DDR einen Unterschlupf fanden, wirklich mit Flugblattverteiler oder Freiheitsdemonstranten auf´n Alex vegleichen? Also Bautzen und Stammheim sind ja wohl was völlig unterschiedliches.
Die DDR bezeichnete doch die Fluchthelfer als "Menschenhändler". Was aber ist der Handel mit pol. Gefangenen? Ach nein, das war ja kein Handel, sondern nur eine "Entschädigungszahlung" für die Ausbildung in der DDR. Wieso sind die dann politische Gefangene geworden? Hat der politische Unterricht versagt?

Was habt ihr eigentlich immer mit dem "Wenn ich meinen Chef anbrülle kann ich meine Papiere holen"?(Das hab ich schon häufiger gelesen) Wer hat euch das denn beigebracht? Ich kann jederzeit meinem Vorgesetzten meine Meinung sagen. Aber im vernünftigen Ton. Schließlich gibt es auch das Kündigungsschutzgesetz. Wirkliche Patriarchen gibt es nur wenige.

Ehrlich, früher war alles besser!!
Aber das sagten schon meine Eltern und Großeltern.


Gruß dein Handwerkskollege West


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#53

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 11.10.2008 17:02
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Peter wie hat Tibbes mal so treffend geschrieben (Radü-Gästebuch 26.08.08): "Aber sie hatten damals für alles Argumente und sie haben sie heute noch!" Gilt eigendlich für Ost und West, wie Recht er doch hatte.
Ich merke schon wir sind beide sehr streitbare Handwerksgesellen aber das ist vielleicht auch gut so für die Schüler und Studenten die hier rein schauen. So lernen sie gleich noch etwas über die Zeit vor 1990 in Westdeutschland und der DDR. Aber auf der anderen Seite bin ich mir nicht sicher was Angelo davon hält, denn wir schweifen ab vom eigendlichen Forum-Thema und sind genau da angelangt wie ich es schon einmal an Markus Rura (mein Beitrag 16.07.08) geschrieben habe. Und zwar die Erweiterung des Forum auf die 40 Jahre zwischen Elbe und Oder und jetzt den Rhein dazu. Mein Vorschlag, wir leben doch in einer Demokratie würde diese Pfarrerstochter aus Berlin sagen, also stimmen wir ab. Ich möchte das Kyra, Jens, Skylight, Tibbes, Gakle, Suentaler, Hausen88, Angelo usw., eigendlich alle die ihre Meinung dazu geben möchten abstimmen, machen wir weiter uns die Argumente um die Ohren zu hauen (lehrreich für das Weltbild der Jugend) oder hören wir erstmal auf. In meinen Hinterkopf habe ich allerdings schon den Text für die Gegenargumente (dein Schreiben vom 8.10.08). Denn ich behaupte es gibt Stoff für noch mindestens 20 Beiträge sollte es so weiter gehen. Bringt euch bitte ein Leute, kann ich da nur sagen!

PS: Peter bitte nicht meine Worte auf die Goldwaage legen, "anbrüllen" hieß bei uns im Osten Klartext reden.

Gruß

Rainer


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#54

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 11.10.2008 20:11
von Transitfahrer (gelöscht)
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Hallo Rainer,

ich hatte schon mal im "Forum Grenztruppen der DDR" meine Sicht der Dinge dargelegt und Fragen gestellt. Was mir eine Sperrung ohne Kommentar einbrachte. Warum weiß ich bis heute nicht. Soviel zur Demokratie.
Aber Du hast Recht, die anderen sollen mal entscheiden wie diese Seite weitergeführt werden soll. Als reine Innerdeutsche Grenz-Seite oder doch noch weitere Themenbereiche.
Ich will mal was zur meiner Person schreiben. Aufgewachsen in Geesthacht und Hamburg war die Grenze nicht fern. Ebenso Empfang von DDR1 und DDR2 Fernsehen. Nachdem ich als Jugendlicher (so 12 oder 13) die Zonengrenze zum ersten mal gesehen hatte, war ich doch einigermaßen erschrocken. Zumal meine Mutter und Großeltern 1953 die DDR verlassen haben. Und mein Opa mir ein bischen über die "Ostzone" erzählte. Ich habe dann in den späteren Jahren die Grenze vom Priwall bis zur Elbe häufiger besucht. Das war in der BRD ja problemlos möglich bis an den Grenzverlauf genau heranzukommen. Mich hat der Aufwand und diese Entgültikeit (bis hierher und nicht weiter) irgendwie fasziniert.
Über die ganzen pölitischen Hintergründe BRD-DDR habe ich mich erst viel später informiert. In der Schule hat man darüber nicht soviel erfahren, aber es gab ja jede menge andere möglichkeiten. Da ich auch häufig in WB war, habe ich den Transit zur Straße und Bahn von HH nach WB auch kennengelernt und so erste Eindrücke der DDR gewonnen. Ostberlin habe ich auch besucht.

Aber wir wollen nicht abschweifen. Mal sehen was die anderen sagen.

Gruß
Peter


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#55

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 11.10.2008 21:33
von Angelo | 12.396 Beiträge

Hallo Reiner,
Dieses Forum ist für alles offen,da ich selber ein offener Mensch bin, wenn Ihr veränderungen wollt dann bekommt Ihr diese auch. Ich denke es gibt viele fragen über die DDR und bestimmt auch viele Antworten...Und gesperrt wird hier keiner wegen einer anderen Meinung


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#56

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 15.10.2008 10:54
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Peter, Angelo gab sein ja die anderen üben Enthaltsamkeit und deine einmalige Sperrung war vielleicht ein Fehler im System. Aber machen wir weiter mit dem Satz meines Freundes über Bautzen und Stammheim und deine Formulierung der unterschiedlichen Paar Schuhe. Ich antworte mit einen Textauszug gefunden im Prolog der Autobiographie von Inge Viett mit dem Titel "Nie war ich furchtloser" Im Zuschauerraum war Tumult entstanden, und ich hörte die Leute immer wieder rufen: 13 Jahre sind zu viel! Freiheit für alle politischen Gefangenen! Freiheit für Inge! Auszug Ende. Und sollte heute einer meiner Kinder sagen Vater ich werde jetzt Personenschützer bei irgend einem Politiker oder Mann der Wirtschaft dann werde ich es so formulieren: Überschlafe deine Entscheidung genau eine Woche und frage dich in diesen sieben Tagen, ist diese Person aus Politik und Wirtschaft dein junges Leben wert? Im Klartext, keiner zwingt mich Polizist oder Personenschützer zu werden, geschweige denn Führungskraft in der Wirtschaft. Sollte es damals Unbeteiligte getroffen haben dann ist es schade um jeden Einzelnen aber für alle Anderen gilt mein Satz vor diesem. Der Begriff "Obrigkeit" das habe ich jetzt mal über die Führung bzw. Kontrollorgane der alten DDR gelesen ist so etwas von falsch aber "oberste Zehntausend"? Ich kenne es nur so, er wurde aber mehr in den 80er Jahren verwendet, vielleicht lag es daran das man sich oben schon zu weit vom Volk entfernt hatte. Es gab doch damals diesen römischen Kaiser der sich verkleidet unters Volk mischte, zuhörte und mitredete, sich eine Meinung bildete. Das wäre doch wieder mal einen Versuch wert. Der Begriff "Freiheitsdemonstrant" überhaupt die unterschiedliche Auslegung dieses Wortes "Freiheit"? Welche Freiheit Peter? Weltreisefreiheit, Bananenschaufenstervollfreiheit, kein Mangel an irgendwas Freiheit, oder Haus-Boot-Pferd-Auto-Carportfreiheit gleich Arbeit weg alles weg? Meine Frau hat dieses Beispiel über ihre ehemalige Kollegin (Mein Beitrag: Radü Gästebuch 5.9.08/siehe auch zu Billiglohnland) eingebracht. Junge Liebe, Heirat, Kinder, Eheprobleme, Scheidung, der Bergmann wird nicht aus der Arbeitspflicht entlassen und zahlt Unterhalt für die Kinder. Die Ostfrau bleibt unabhängig da eigenes Einkommen, kein Versorgungsausgleich oder Rechtsanwaltsspielchen das bedeutete neuer Partner gleich neues Glück. Das war die ostdeutsche Variante der emanzipierten Frauenfreiheit und der schlagende Exbergmann der konnte bleiben wo der Pfeffer wächst! Ich hätte noch fünf andere Beispiele über die Freiheit die ich meine. He deine Wohnung Peter "Nobel geht die Welt zu Grunde" sag nicht Hamburg an der Alster! Meine Wasserrohre im Bad waren nur aus soliden verzinktem Stahlrohr und der FI-Schalter also meine Frau war jung verliebt und handtierte nicht mit dem Föhn wenn wir beide in der Wanne saßen. Aber ehrlich, FI-Schalter in den 70/80er Jahren bei uns, nein nicht das ich wüsste. Zu; Wieso sind die dann politische Gefangene geworden und hatte der politische Unterricht versagt? Jens hat mal geschrieben; "und habe es genossen Kita-Schule-Lehre usw.. Warum sollte ich denn meine Land mit Füßen treten und logischerweise mit den Konsequenzen rechnen? Da müsste ich doch total verrückt gewesen sein. Wie hat Manfred Krug einer meiner Lieblingsschauspieler sein Buch gleich betitelt: "Mein Schönes Leben" bloß den Zusatz "im Osten" den hatte er vergessen. Aber politischer Unterricht versagt nein Peter während der eine sagt "mein schönes Leben" sagt der Andere "Na so ein Mist, die paar Bananen waren schon wieder alle". Ich will sagen 17 Millionen Menschen gleich 17 Millionen unterschiedliche Auffassungen und Meinungen von einer Sache und sei es der Sozialismus!
Zum Schluss, wie bist du eigendlich damals nach Westberlin gereist, mit dem Zug über Büchen/Schwanheide (Grenzbahnhof) oder über die Grenzübergangsstelle Horst bei Boizenburg?

Gruß Rainer

PS: Nehmen schliesst auch Geben ein, eventuell noch das Wort Danke für Verstand und Gewissen was die Schulen und Universitäten der DDR fasst ausnahmslos aber auch jedem Schüler und Studenten zu vermitteln versuchten. Soviel noch zu den Entschädigungszahlungen!


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#57

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 15.10.2008 17:56
von Transitfahrer (gelöscht)
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Hallo Rainer,
die Sperrung war sicherlich kein Fehler im System. Trotz mehrmaliger Mailnachfrage an den Admin, wieso und weshalb, bekam ich keine Antwort.
Ich kann Dein Vergleich über Bautzen und Stammheim nicht nachvollziehen. Menschen, die nur mit Waffengawalt irgendwelche politische Ziele dursetzen wollen sind doch ein ganz anderes Kaliber als Menschen die Flugblätter verteilen um auf, aus ihrer Sicht, mißstände hinzuweisen. Weißt Du denn wieviel politische Gefangene es in der DDR bzw. BRD gab? Ich gebe Dir mal als Beispiel den Namen Rainer Wagner, der 1967 als 15 Jähriger zwei Jahre in Haft kam als Republikflüchtling. Und so einen stellst Du mit einem Mörder gleich? Wie gut das keiner gezwungen werden kann Polizist oder Personenschützer zu werden. Das nenn ich Freiheit. Und nicht an die Grenze abkommandiert zu werden, wo man durchaus auch in Lebengefahr war.
Deine Freiheit gab es im Nahen Osten schon lange. Einfach dreimal "Ich verstoße dich" rufen, fertig. Nun war die DDR ja Weltmeister in Sachen Scheidung.
Glaube mir, ich bin nicht der Meinung alle Menschen in der DDR hätten schlecht gelebt. Die meisten haben sich mehr oder weniger mit dem System arrangiert. Viele waren sogar begeistert. Aber es gab eben auch unzufriedene Menschen und die hatten es nicht leicht in der DDR, denn einen Ausreiseantrag zu stellen zog sehr unangenehme Folgen mit sich. Ich kann mir auch was besseres vorstellen als eine politische Erziehung von Kindesbeinen an. In der BRD ist z.B. jede politische Aktivität in den Betrieben verboten. Und das ist auch gut so!!!
Ich bin über Büchen/Schwanheide, Gudow/Zarrentin und Lauenburg/Horst nach Westberlin gereist. Ost-Berlin habe ich über den Grenzübergang Bahnhof Friedrichstrasse erreicht.

Gruß
Peter

PS: Die DDR hat für einen Menschen Westgeld verlangt. Nein, das paßt nicht zum Sozialismus. Das ist Kapitalismus. Wenn es denn ein souveräner Staat gewesen sein soll, hätte es diese Praktik nicht vornehmen dürfen, sondern die Häflinge behalten müssen.


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#58

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 16.10.2008 10:04
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Peter du bist so herrlich impulsiv in deiner Antwort aber ich mache dir einen Vorschlag, lass mir etwas Zeit und ich beschäftige mich nochmal mit diesem Vergleich um es besser darzustellen. Über die politischen Gefangenen, du nanntest schon mal die Zahl 33755 (Quelle?) dann sind es 0,2% der Bevölkerung der alten DDR und in Westdeutschland, da muss ich erst einmal passen, keine Ahnung! Dieser Rainer Wagner (war er ein Freund von dir?) 15 Jahre alt und schon Republikflucht da fällt mir die Schlagzeile einer Zeitung ein "14 jähriger in der Innenstadt gegen 3.00 Uhr Früh niedergeschlagen und beraubt worden". Jeder vernünftige Mensch wird jetzt fragen, was macht ein Junge in diesem Alter und zu dieser Zeit usw.? Wo waren die Eltern sprich Vernachlässigung der Aufsichtspflicht und wäre ich damals Der gewesen der Recht sprach, ich hätte die Eltern eingesperrt und Rainer weiter zur Schule geschickt. Aber so weit ich weis und da kann mich vielleicht mal jemand unterstützen war schon die Äußerung (Ich werde Morgen...) über Republikflucht strafbar. Nochmal zu den Personenschützer und Polizisten, ja ich werde es nur aus tiefster Überzeugung und nicht wegen des Geldes und um es noch genauer zu sagen ich muss jeder Zeit damit rechnen wenn da einer kommt ohne Skrupel und mit einer Waffe in der Hand dann überlebt am Ende nur der der schneller zieht. Ich bin mit "Bonanza" und diesen ganzen Westernfilmen aufgewachsern denn mein Onkel war ein begnadeter Westantennenbauer. Vielleicht sehe ich es deswegen so einfach, auch was die Sache mit dem Gesetz angeht. Das mit dem nahen Osten kann ich nicht so richtig nachvollziehen, mein Beispiel Ostfrau und dieses "Ich verstoße dich" das sind nun aus meiner Sicht zwei unterschiedliche paar Schuhe. Aber zu einer Ehe gehören immer zwei und wenn der eine schlägt muss das der andere nicht still erdulden. Das heißt nicht das in meinen Land nur schlagende Ehemänner wohnten. Also verlässliche Stastiken her Westdeutschland/DDR und dann sage ich eventuell wir waren Weltmeister in Sachen Scheidung, vorher nicht! Ich glaube dir Peter du hast es auch schon mal so schön geschrieben "wir haben in etwa so gelebt wie ihr". Zu dem Thema Ausreiseantrag da stell ich mal so ähnlich wie mit Susanne einen extra Beitrag rein. Das mit der Lebensgefahr, das habe ich damals garnicht so empfunden, die Arbeit mit den Minen unterlag strengen Sicherheitsbestimmungen, so wie ein Sprengmeister nicht einfach darauf los schraubt. Mir viel auch nicht der Satz ein "ich will das hier alles nicht"!
Hast du eigendlich in Büchen unmittelbar an Zaun I auch mal Pioniere der Grenztruppen arbeiten sehen? Jetzt geht mir auch ein Licht auf warum in den meisten Betrieben wo ich durch meine Tätigkeit herum komme die Leute am Frühstückstisch sitzen kein Wort reden, vor sich hin starren und in ihre Stullen beißen. Ich dacht immer die haben alle das Reden verlernt, nein es ist dieses Verbot wie du schreibst.

Na guten Nacht Deutschland!

Gruß Rainer


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#59

RE: +Elbgrenze+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 16.10.2008 16:11
von Transitfahrer (gelöscht)
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Hallo Rainer,
Du hattest doch in Deinem Beispiel so schön über die "Emanzipation" der Frauen gepostet. Alle hatten Arbeit und benötigten nicht die Unterhaltszahlungen der Ex-Männer. Es gab ja genug Kinderkrippen. Dann schau Dir bitte mal diesen Link an: http://www.pr-inside.com/de/scheidung-oh...ich-r823535.htm Jetzt klagen diese Frauen über eine zu geringe Rente und wollen mehr Geld. Wie passt das zusammen?
Es ging mir bei Rainer Wagner, hat übrigens ein Buch darüber geschrieben, nicht um die versuchte Rebuplikflucht im einzelnen, sondern um die Haftstrafe. Wie kann man einen 15 Jährigen wegen solch ein Delikt wegsperren? Kann ich nicht nachvollziehen, das ein souveräner Staat solche Mittel anwenden muß.
Zur Scheidungsrate nur soviel. Die DDR hatte damals mit eine der höchsten Scheidungsraten der Welt. Heutzutage ist es die USA. Da ist es sehr teuer. Die hohe Scheidungsrate hat also nicht unbedingt mit den Kosten zu tun, aber auch nicht mit dem politischen System. Liegt wohl an den Menschen selber. Zur Info kannst Du Dir eventuell die Grafik aus diesem link anschauen. http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_F...ung/s_1657.html
Die Zahl 33755 beziffert nur die freigekauften (verkauften) politischen Gefangenen der DDR. Es saßen noch viel mehr in den Gefängnissen.
Die Lebensgafahr ging doch wohl am meisten von den Flüchlingen aus. Du wußtest doch nie ob einer kommt und der auch noch bewaffnet war.
Ich habe Pioniere arbeiten sehen. Ich stand auch mal zwei GAKL´s in etwa zwei Metern gegenüber. Aber was wolltest Du mit dieser Frage bezwecken?
Ich meinte politische Aktivitäten, wie Parteiarbeit oder Flugblätter verteilen. Wenn in den Betrieben wo Du herumkommst keiner miteinander redet, sind es wohl alles Morgenmuffel. Man kann natürlich in den Betrieben über Politik reden, aber keine machen.

Gruß
Peter


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#60

RE: +Elbgrenze| Elbabschnitt| Grüne Grenze| Dömitz| Boizenburg+

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.10.2008 21:15
von kds288 (gelöscht)
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Ich bin im August 1968 in der Naehe von Wittenberge ueber die Elbe geschwommen. Bin aber froh das Ihr mich nicht erschossen habt! Das ist kein Scherz


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