#1

Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 26.04.2009 16:47
von Angelo | 12.391 Beiträge

Fast 20 Jahre ist es her, dass in Berlin die Mauer fiel. Doch noch immer fühlen sich viele ehemalige DDR-Bürger zweitklassig, meint Wolfgang Tiefensee. Der Minister, zuständig für den Aufbau Ost, wirft vielen Westdeutschen mangelnden Respekt vor. Zudem sei die Lebenssituation in Ostdeutschland besonders schwierig.Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer beobachtet der für den Aufbau Ost zuständige Bundesminister Wolfgang Tiefensee (SPD) bei vielen Ostdeutschen „ein Gefühl der Zweitklassigkeit“. Dazu führten eine „hohe Arbeitslosigkeit, extrem niedrige Löhne und unsichere Arbeitsverhältnisse“, sagte er der „Bild am Sonntag“.Es gehe auch darum, wie sich die Menschen mit ihrem Lebenslauf und ihrer Lebensleistung in einer Gesellschaft aufgehoben fühlen. „Da trifft jedes abfällige Wort und jede Ausgrenzung.“ Als Beispiel für mangelnden Respekt nannte der in der DDR geborene SPD-Politiker „die im Westen weit verbreitete Meinung, dass der Osten ein Fass ohne Boden sei“. Tiefensee kritisierte: „Da schwingt immer Geringschätzung mit.“Die Ostdeutschen hätten aber „mit Sicherheit keine Minderwertigkeitskomplexe“, sagte Tiefensee. „Dazu besteht auch gar kein Grund.“Zugleich warnte Tiefensee wegen der Wirtschaftskrise vor Gefahren für den sozialen Zusammenhalt und die Demokratie in Deutschland.„Spannungen, die aus Ungleichheit entstehen, haben keine gute Wirkung, sie führen unser Land in eine Zerreißprobe“, sagte er. Viele Menschen hätten das Gefühl, dass es nicht gerecht zugehe und würden sich deshalb zurückziehen.
„Das Ergebnis ist eine ermattete Demokratie, wo sich relativ wenige noch zur Wahlurne bewegen.“
Vor allem in den neuen Bundesländern sieht der Minister wegen der hohen Arbeitslosigkeit Risiken für den Rückhalt von Demokratie und Marktwirtschaft.Es sei nötig, mehr Menschen den Zugang zu einem selbst bestimmten Leben und der Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.
Wenn dies nicht gelinge, „gefährdet das den sozialen Zusammenhalt und die Demokratie“, warnte Tiefensee.


Keywords

* Berlin
* Wolfgang Tiefensee
* Ostdeutschland
* DDR
* Mauerfall
* SPD


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#2

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 26.04.2009 17:06
von Augenzeuge (gelöscht)
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Wann löst man diesen Politiker ab? Mit diesen Aussagen erreicht man garantiert keine weitere Annäherung.
Ehrlich, diese Gerede von Ossi, Wessi, Wossi- ich kann es nicht mehr hören.

Auch im Westen gibt es Regionen von Armut und hoher Arbeitslosigkeit, siehe u.a. Gelsenkirchen. Ich bin gegen eine permanente Himmelsrichtungszulage.
Das Geld muss dahin, wo die Probleme am größten sind.

Übrigens, ich kenne auch andere "Ostdeutsche" als Tiefensee. Solche, die sich toll fühlen.

Gruß, Augenzeuge


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#3

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 26.04.2009 21:41
von nightforce (gelöscht)
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Hallo zusammen,
so ganz Unrecht hat Herr Tiefensee nicht, das ist wirklich ein Problem.
Fängt mit dem Solizuschlag an, den ja angeblich nur Bürger der alten Bundesländer zahlen müssen, bis zu dem Punkt, wer eigendlich diese Gelder wieder für sich beansprucht und somit ausgezahlt, oder aber um die Summe weniger investieren muß.
Den Solizuschlag zahlt jeder steuerpflichtige Bürger gleich, egal ob Ost oder West.
Für wen sind die Gelder?
Die Frage bringt es eigendlich wieder auf den Punkt, wer lässt sich denn auf ostdeutschen Boden als Gewerbetreibender nieder, wer profitiert vom Soli?
Es sind zu 80 % westdeutsche Unternehmer/Unternehmergruppen, die diese Vergütung wieder einstreichen und obendrauf für gleiche Leistung weniger bezahlen wollen.
Nahmhafte Beispiele sind die Firmen Müller Milch und Brand Zwieback, sowie noch andere teils namhafte Unternehmen, die den Solizuschlag dankend annehmen.
Vor diesen Unternehmen ziehe ich aber noch meinen Hut, weil sie in Deutschland geblieben sind, es geht im Ausland, dank Osterweiterung, noch eine Spur einfacher.
Eigendlich möchte ich nicht zu politischen Themen antworten, aber dies hier ist mir mal so rausgerutscht, ich arbeite aber an mir.

Gruß nf


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#4

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 27.04.2009 01:44
von Rainman2 | 5.754 Beiträge
Kann man natürlich machen und es hat Tradition: Wenn die Botschaft schlecht ist, hält man sich an den Boten.

Ich habe es in den Jahren seit der Wende geschafft, mich durchzuboxen und mein Selbstbewusstsein neu aufzubauen. Aber ich sehe immer wieder, dass es viele nicht geschafft haben. Was Leute hier im Osten wohl am meisten nervt, sind die pauschalen Verurteilungen, die Besserwisserei, mit denen Lebensläufe in Frage gestellt werden. Fahrt mal über die dünnbesiedelten, komplett deindustrialisierten Landschaften in MeckPomm oder in der Lausitz. Unterhaltet Euch mit den Menschen. Und dabei vielleicht nicht mit dem Eröffnungssatz: "Wie konntet Ihr nur ...", oder gar: "Wie könnt Ihr nur ...". Wenn diese Menschn so empfinden, dann ist das halt so und keine Bild-Zeitungsüberschrift wird sie erziehen, es anders zu sehen. Ich kann versuchen, sie zu verstehen, indem ich mit ihnen rede (Dialog!). Oder ich kann versuchen, ihnen zu helfen - wie auch immer. Kann oder möchte ich das nicht, dann gebietet der Anstand, die Sache zur Kenntnis zu nehmen und nicht ohne tatsächliches Verstehen der Sache draufloszuwettern. Ich kann und muss gegen sie kämpfen, wenn sie tatsächlich Verbrechen begangen haben oder ihren Weltschmerz mit faschistischen Ideologien zu ersticken versuchen. Aber die meisten von ihnen haben einfach nur in einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort gelebt und sind zwischen die Mühlsteine des kalten Krieges geraten.

Und noch ein kleiner Satz zu dem Geld: Nach der Wiedervereinigung sind zum Teil heute noch intakte Betriebe für einen Appel und ein Ei, oder für die berühmte Mark, verschleudert worden. Das war mal Volksvermögen. Die, die sich durch diese Ausbeutung bereichert haben, die lästige Konkurrenz vom Markt geschafft haben, steuern nichts dazu bei, den so angerichteten Schaden wiedergutzumachen. Nein, so etwas überlässt dem gemeinen Volk. Und damit man Spaß hat in der Führungsetage, hetzt man die Leute noch aufeinander.

ciao Rainman (Ostdeutscher und Träger einer Dauerkarte der Bahn für die Erste Klasse)

PS: Bevor wieder eine Diskussion über marode DDR-Wirtschaft entbrennt, ein kleiner Hinweis mit einem FAZ-Artikel auf ein interessantes Buch über die DDR-Verlage und ihre Schicksale. Ich habe einiges davon mitbekommen als Leipziger.

Dateianlage:

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 27.04.2009 02:10 | nach oben springen

#5

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 27.04.2009 19:15
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo Rainman2 und nightforce,
„Kann man natürlich machen und es hat Tradition: Wenn die Botschaft schlecht ist, hält man sich an den Boten.“

Ja das ist leider oft so. Aber von mir überhaupt nicht so gemeint. Vielleicht ist das nicht richtig angekommen. Darüber hinaus ist ein Minister für mich kein Bote sondern ein Verantwortlicher.
Mir geht es einfach nur um diese Gerede Ossi, zweitklassig etc. Indem man von diesen Dingen spricht und sie zur Diskussion bringt, fördert man indirekt die Auseinandersetzung der konstruierten Bevölkerungsteile. Das Ziel, die Teilung des Landes mit all ihren Folgen, die unterschiedlichen Lebenseinstellungen endlich zu vereinheitlichen, erreicht man hierdurch nicht.
Man erreicht es auch nicht, wenn man ständig auf die Gelder, die von A nach B fließen hinweist und sagt welche Gruppe davon profitiert und wer bezahlt.
Natürlich bezahlt den Soli-Zuschlag jeder- manch einer im Westen hat das leider immer noch nicht begriffen, das man im „Osten“ auch zahlt…aber das liegt sicher auch am Wort selbst. Aber da wir ein Land sind, sollte das Geld aller, - auch für die Gesamtheit eingesetzt werden können. Nur dann würde sich auch ein gegenseitiges Verantwortungsgefühl entwickeln können.

Gestern habe ich Anne Will gesehen. Mir ist schlecht geworden, als ich die Antworten der jungen Generation zu Umfragen über DDR und Mauer hörte.
Beispiele: Köln liegt im Osten, die Mauer haben die Deutschen bestimmt nicht gebaut, Mielke war ein Verfolgter der DDR…. Aber auch die ältere Generation im tiefsten Bayern hatte nicht die geringste Ahnung. OK, das die die erste Strophe der DDR-Nationalhymne kennen sollten, war sicher auch zu viel Erwartung. Noch dazu, wo man die nicht singen durfte.
Aber genau diese Generation wird es sicher mit ihrer Unbedarftheit schaffen, dass man die Teilungsfolgen irgendwann überwinden wird.
Zum Glück vermischen sich auch die Bevölkerungsteile durch beruflichen Umzug immer mehr.
Eins noch- obwohl ich nicht mehr differenzieren möchte. Die (älteren) Menschen im Osten sind, aufgrund der in der DDR zwangsweise entwickelten Gemeinsamkeit, der immer erforderlichen Improvisation und nicht zuletzt der uneigennützigen Hilfsbereitschaft in der Entwicklung vielen im Westen voraus. Im Westen zählten systemseitig andere Werte, aber das waren/sind nicht immer die Besseren. Aber die gelten heute noch.

Gruß, Augenzeuge


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#6

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 27.04.2009 20:55
von manudave (gelöscht)
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Die sogenannte Mauer in den Köpfen fällt solange nicht, wie es Beteiligte des Systems gibt. Ich denke, ähnlich wie nach der Nazi-Zeit, wird in z.B. 30 Jahren es zum Standardwissen gehören, dass die Grenze ein unmenschliches Instrument einer Diktatorischen Parteiführung war und keiner wird sich noch darüber aufregen.


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#7

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 08.08.2013 22:29
von Wossi EK 83 1 | 59 Beiträge

Ein Thema aus dem April 2009 mit wenigen Antworten greife ich heute wieder auf: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig.

Was hat sich in den letzten 4 Jahren getan, verbessert oder eventuell auch verschlechtert?

Fakt ist für mich, wir haben im Zusammenwachsen viel erreicht, vor allem wohl im ökonomischem Bereich. Ich denke da an die schöne Ostseeautobahn A 20, gut ausgebaute Bundesstraßen, sanierte Innenstädte, weitläufige Einkaufsmöglichkeiten, sanierte Flüsse und Seen... Und doch hinkt die innere, gefühlte Einheit den Wünschen der Politiker aller Parteien noch immer hinterher. Die menschliche Einheit kann man nicht so einfach " von oben befehlen", sie braucht Zeit, gegenseitiges Verständnis, Toleranz und sie muss von unten wachsen.

Staatliche Einheit ist nicht automatisch auch sofort innere Einheit. Ich sehe immer wieder auch Resignation, Mutlosigkeit und auch familiäre Verwerfungen. Wendeverlierer gibt es auch im Jahr 2013!

Ich bin ja noch regelmässig auf den BAB von Meck- Pomm in Richtung Baden- Württemberg unterwegs. Gerade an Sonntagabenden ist jedes zweite mich überholende Auto mit einem Kennzeichen aus MV, Brandenburg, Berlin, Thüringen und Sachsen in Richtung Westen unterwegs. Eine unendliche Karawane, die Unmengen Sprit und Zeit ( für die Beziehung/ Familie ) frisst.

Wir haben wohl noch einen weiten Weg vor uns, meine tiefste Sorge gilt meiner alten Heimat Mecklenburg- Vorpommern bzw. Rügen. Industriell schon zu DDR- Zeiten schwach aufgestellt, ist der Tourismus das entscheidende Standbein geworden. Doch wenn der halbe Sommer verregnet ist, die Familienkasse nicht mehr so üppig gefüllt ist???

MV verarmt und vergreist ( und verwaist). Gerade junge Frauen suchen das Heil in der Flucht, sie sind deutlich aktiver als junge/ jüngere Männer, die sich eher dem Schicksal ergeben.

Es sind wohl auch immer noch die Lohnunterschiede, die derartige Massenabwanderungen begünstigen.

Da haben die " Braunen " wieder leichtes Spiel, am kommenden WE findet zum Beispiel in Anklam ein großes Kinderfest der NPD statt. Schuleinführung war ja schon am 03.08.2013, nun werden etwas verspätet Hefte, Stifte, Bücher...kostenlos abgegeben. Und was bekommen Mami und Papi?

Aber wir sollten auch ehrlich sein, Fördergelder und Solidaritätszahlungen sollten nicht länger nach Himmelsrichtung verteilt werden, denn Solidarität ist keine Einbahnstraße. Leider hört im gesamten Deutschland beim Geld die viel beschworene Freundschaft unwiderbringlich auf. So klagen aktuell Bayern und Hessen gegen den aktuellen Finanzausgleich, Baden- Württemberg mit der aktuell grün- roten Landesregierung zuckt zurück, ohne uns.

Es wird zu viel über Geld geredet und verhandelt, welches man oftmals gar nicht hat oder es sich pumpt. Sollten wir nicht mehr über die Menschen, die Schwachen, die Kranken, die Gescheiterten, die Resignierten, die Verlierer reden?

P.S. Scherzfrage Wann ist die deutsche Einheit vollendet? Wenn der letzte Ostdeutsche aus dem Grundbuch verschwunden ist! Scherzfrage!!!


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#8

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 08.08.2013 22:41
von Harra318 | 2.514 Beiträge

@ Wossi EK 83 1, du schreibst sehr viel,daß ist lobenswert. Das Schlaraffenland geht immer mehr verloren in Deutschland. Jeder einzelne muss seinen Wohlstand selbst erarbeiten. Frei nach dem Spruch:" So wie wir heute arbeiten, so werden wir morgen leben".
( den Spruch habe ich früher schon einmal irgendwo gehört, von wem war das wohl)


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#9

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 08.08.2013 22:56
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Mein Fahrrad ist langsam wirklich zweitklassig, muss da mal was machen


zuletzt bearbeitet 08.08.2013 22:56 | nach oben springen

#10

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 08.08.2013 22:58
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #9
Mein Fahrrad ist langsam echt zweitklassig, muss da mal was machen

Ja,da brauchst du einen Schlauchreifen für 25 DDR-Mark


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#11

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 08.08.2013 23:02
von Moskwitschka (gelöscht)
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Ich habe mich noch nie zweitklassig in Deutschland gefühlt.

Eher missverstanden.

LG von der grenzgaengerin


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#12

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 08.08.2013 23:03
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #11
Ich habe mich noch nie zweitklassig in Deutschland gefühlt.

Eher missverstanden.

LG von der grenzgaengerin


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#13

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 08.08.2013 23:04
von ddr-bürger (gelöscht)
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Warum unterschiedliche Tariflöhne?
Warum unterschiedliche Renten?

Selbst im nichtproduzierenden Bereich (TÖVD) gibt es unterschiedliche Tarife, Mindestlöhne für Frisösen im Osten 1 € niedriger (bestimmt weil die Technologie hier noch nicht so weit ist)....

Aber Ihr habt Recht, es gibt nur ein Deutschland und das ist grün, die alten Länder hellgrün und die "neuen" dunkelgrün....


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#14

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 08.08.2013 23:05
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Zitat von ddr-bürger im Beitrag #13
Warum unterschiedliche Tariflöhne?
Warum unterschiedliche Renten?

Selbst im nichtproduzierenden Bereich (TÖVD) gibt es unterschiedliche Tarife, Mindestlöhne für Frisösen im Osten 1 € niedriger (bestimmt weil die Technologie hier noch nicht so weit ist)....

Aber Ihr habt Recht, es gibt nur ein Deutschland und das ist grün, die alten Länder hellgrün und die "neuen" dunkelgrün....

Weil hier die Zeit schneller läuft


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#15

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 08.08.2013 23:15
von ddr-bürger (gelöscht)
avatar

Zitat von Harra318 im Beitrag #14
Zitat von ddr-bürger im Beitrag #13
Warum unterschiedliche Tariflöhne?
Warum unterschiedliche Renten?

Selbst im nichtproduzierenden Bereich (TÖVD) gibt es unterschiedliche Tarife, Mindestlöhne für Frisösen im Osten 1 € niedriger (bestimmt weil die Technologie hier noch nicht so weit ist)....

Aber Ihr habt Recht, es gibt nur ein Deutschland und das ist grün, die alten Länder hellgrün und die "neuen" dunkelgrün....

Weil hier die Zeit schneller läuft



Klasse, um so schneller überlebt sich das System.....


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#16

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 08.08.2013 23:17
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Ich würde das nicht nur auf Ostdeutsche beziehen, ein Klassensystem gibt es mittlerweile in vielen Bereichen der Gesellschaft. Gelegentlich profitiere ich sogar persönlich davon, auch wenn es mir in dem Moment sehr unangenehm vor den anderen war. Klaus weiß was ich meine.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#17

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 08.08.2013 23:48
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Wossi EK 83 1 im Beitrag #7
Ein Thema aus dem April 2009 mit wenigen Antworten greife ich heute wieder auf: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig.

Was hat sich in den letzten 4 Jahren getan, verbessert oder eventuell auch verschlechtert?

Fakt ist für mich, wir haben im Zusammenwachsen viel erreicht, vor allem wohl im ökonomischem Bereich. Ich denke da an die schöne Ostseeautobahn A 20, gut ausgebaute Bundesstraßen, sanierte Innenstädte, weitläufige Einkaufsmöglichkeiten, sanierte Flüsse und Seen... Und doch hinkt die innere, gefühlte Einheit den Wünschen der Politiker aller Parteien noch immer hinterher. Die menschliche Einheit kann man nicht so einfach " von oben befehlen", sie braucht Zeit, gegenseitiges Verständnis, Toleranz und sie muss von unten wachsen.

.....

P.S. Scherzfrage Wann ist die deutsche Einheit vollendet? Wenn der letzte Ostdeutsche aus dem Grundbuch verschwunden ist! Scherzfrage!!!


Für eine Privatperson entscheidet sich der Aufstieg in die Erste Klasse vorrangig über die Bereitschaft, einen beruflichen Korridor zu verlassen, da sind niemandem Grenzen gesetzt.
So z .B. kann der Chirurg in einer Mansfelder Helios- Klinik bis zur Rente Angestellter mit sicheren Einkommen bleiben und seine Kinder im Südharz jeden Tag aufwachsen sehen.
Er könnte aber auch auf Kinder verzichten, mit einem Teil seines Einkommens an der Börse spekulieren und anderweitig gestreut intelligent anlegen parallel dazu versuchen Venture- Kapital für die berufliche Selbständigkeit einzusammeln und sich nebenher betriebswirtschaftlich und juristisch den Weg zur eigenen Klinik, sagen wir mal 15-20 Jahre nach dem ersten Schnitt im OP- Saal bahnen.
Klingt sehr beschwerlich und riskant, ist aber lösbar immerhin ist durch diese Opferbereitschaft der westdeutsche Mittelstand einst auferstanden, jedem steht ein solcher Weg offen, es bedarf aber Geduld, Willensstärke und Mut.

Warum aber sind nun 23 Jahre nach der Einheit trotzdem nur acht Firmen aus der ostdeutschen Fläche (außer Berlin) unter den besten 500 in Deutschland ?

Warum gibt es fast ein Vierteljahrhundert nach der Vereinigung weder in der ersten noch in der zweiten Dax- Liga (M- Dax) ostdeutsche Firmen ?

Kann man überhaupt sicher sein, daß die Verkehrsprojekte Deutsche Einheit tatsächlich dieser Einheit dienten ?
Immerhin erhöhen die ausgebauten Gütertrassen durch das ehemalige DDR- Gelände signifikant die Kapazitäten im Transitverkehr zwischen den westdeutschen Boomregionen und Osteuropa, ein wichtiger Standortvorteil der vormals näher gelegenen Kombinate, ist somit weg.
Zu hinterfragen ist auch, wem es nützt, daß es ostdeutschen Fachkräften durch perfekte Autobahnen und 250 km/ h schnelle Zugverbindungen (z.B. Berlin- Hamburg, später mal Leipzig- Erfurt- München) schmackhaft gemacht wird, Ruck Zuck in die westdeutschen Boomregionen zu gelangen.
Und gleich die nächste Frage - Warum kommt keiner dieser Pendler als Existenzgründer zurück nachdem er in der Boomregion gutes Geld verdient hat wenn schon der Chirurg nicht den Korridor verlassen will ?
Die Bundesländer haben sogar Fonds, über die sie selbst als Risikokapitalgeber auftreten und zwar in beträchtlichen Volumen und trotzdem gibt es keine Gründungswelle, die wenigstens ausnahmsweise mal mit einem Top 500- Unternehmen im Osten endet.
Antwort
Der Westen ist schlichtweg nicht wirklich bereit abzugeben, er sieht sich als Entwicklungshelfer, der alles unter Kontrolle behalten will, er ist nicht bereit, die Karten im Standortwettstreit neu zu mischen.
Der Westen das sind die Politiker der Regierungsparteien, die ihre ostdeutschen Filialdackel optimal abgerichtet haben, indem sie den Ministerpräsidenten ihrer abgehängten Bundesländer immer schön den Trog vollgeschütten und die dafür so tun müssen, als ob es vorwärts geht im Lande, wobei die Hessendackel mit ihren bayrischen Artgenossen schon ganz schön am Kläffen sind wegen dieses blöden Länderfinanzausgleichs, der eigentlich von den ostdeutschen Niedriglohnflüchtlingen drüben mit erwirtschaftet wird.
Die Herrchen dieser Dackel sind aber in Wirklichkeit gar keine Herrchen und das wissen sie auch.
Sie haben die Tengelmann- Milliardenerben im Genick und die Quartalszahlen von Siemens & Co. geben vor, welche Kommandos der Dackelrotte weiterzugeben sind.
Was bedeutet das nun für den Südharzchirurgen mit seiner Klinik bzw. was hält ihn ab, diese Klinik aufzubauen ?
Er würde sein Monopolyspiel mit 1000 Euro Startkapital beginnen während sein alter Arbeitgeber Helios die komplett vermietete Schlossallee auf der anderen Seite des Grabens aufbieten kann.
Mit dieser Marktmacht kann er solchen Konkurrenten Ruck Zuck das Genick durchbeißen sobald sie auch eine Kette aufbauen wollen und weil ein Chirurg die Konsequenz solcher Attacken kennt, läßt er die Expansion in den M- Dax besser bleiben, vielleicht war es ja vor 50 Jahren in den ABL doch einfacher aufzusteigen.
Die Gravitationsfelder dieses Wirtschaftssystems lassen keine neuen Sterne mehr zu, so einfach ist das, der Reichtum ist abschließend verteilt, was nicht heißt, das sich niemand mehr ein schönes Leben erarbeiten kann hierzulande, das meine ich hier ausdrücklich nicht.
Eine wirkliche Einheit ist ohne Urknall nicht zu haben, aber denn will sicherlich keiner mehr haben also finden wir uns damit ab, als Volksgruppe Ost in dieser Unwuchtrepublik lebenslang zweitklassig zu bleiben.



hardi24a und Lebensläufer haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 09.08.2013 09:02 | nach oben springen

#18

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 09.08.2013 00:18
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #17

Für eine Privatperson entscheidet sich der Aufstieg in die Erste Klasse vorrangig über die Bereitschaft, einen beruflichen Korridor zu verlassen, da sind niemandem Grenzen gesetzt.



Hackel, meiner Meinung nach ist es die faslche Frage.

Die Frage ist eher , wer gibt die Verantwortung auf, wenn er den Durchblick hat.

Z.B. ein Pflegedienstleiter, der für 40 ältere zum meist demenze Menschen auf einer Pflegestation verantwortlich ist?

Ich habe die größte Hochachtung vor den Menschen, die sich die Frage nach der "ersten Klasse" nie stellen.

Und ich möchte an dieser Stelle auch keinen Vergleich zur DDR. Das ist nämlich eines der dunklesten Kapitel in unserer Geschichte.

LG von der grenzgangerin


zuletzt bearbeitet 09.08.2013 00:19 | nach oben springen

#19

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 09.08.2013 00:55
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Jungs und Mädchen, ihr müsst einfach mehr Selbstvertrauen tanken
Als ich 94 beim Bayerischen Notar saß um den Kauf meiner ersten Westhütte absegnen zu lassen, beglotzte der mich wie einen Papagei vom Amazonas
Die ganzen vorher schon gescheiterten Westexistenzen die dachten im Osten läge das Gold auf der Straße sind heute nach einem kurzen Hype überinsolvent.
Ost oder West, "alles Käse Genossen" sprach der der kleine General


Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 09.08.2013 00:57 | nach oben springen

#20

RE: Ostdeutsche fühlen sich zweitklassig

in Das Ende der DDR 09.08.2013 01:58
von CASI | 78 Beiträge

Zitat

Der Westen ist schlichtweg nicht wirklich bereit abzugeben, er sieht sich als Entwicklungshelfer, der alles unter Kontrolle behalten will, er ist nicht bereit, die Karten im Standortwettstreit neu zu mischen.
Der Westen das sind die Politiker der Regierungsparteien, die ihre ostdeutschen Filialdackel optimal abgerichtet haben, indem sie den Ministerpräsidenten ihrer abgehängten Bundesländer immer schön den Trog vollgeschütten und die dafür so tun müssen, als ob es vorwärts geht im Lande, wobei die Hessendackel mit ihren bayrischen Artgenossen schon ganz schön am Kläffen sind wegen dieses blöden Länderfinanzausgleichs, der eigentlich von den ostdeutschen Niedriglohnflüchtlingen drüben mit erwirtschaftet wird.



Mal ne ganz doofe Frage:
Hat uns Wessis jemand gefragt, ob wir das so wollten? - Nein!
Die Euphorie war zuerst auf beiden Seiten groß, ich fand es auch toll, das die DDR sich geöffnet hat, man sich gegenseitig besuchen konnte, etc.
Nach meinem ersten Besuch im Feb. 1990 in der DDR wurde mir klar, nachdem ich das Land, die Leute, die Betriebe gesehen und vor allen auch kennengelernt hatte: Das wird nen hartes Ding! - Ich hatte damals mit 19 Jahren wirklich Bammel, ob die BRD die DDR wirklich stemmen kann. Da hatte ich arge Zweifel nachdem ich die Infrastruktur der DDR gesehen hatte!
Heute, 24 Jahre später, sage ich klar:
Das ganze Zusammenwachsengewuschel war ein Experiment, wo keiner wusste wie das ausgeht. Es gab kein Vorbild an dem man auch nur annähernd ansetzten konnte.
Das Fehler gemacht worden sind, ist auch klar - und zwar auf beiden Seiten!.
Birnenhelmut hatte ein Problem: Kommt die D-Mark nicht zu mir, gehen wir zu ihr.... - Na, wer kennt das noch?
Hier in OWL und im ganzen Westen war die Hütte voll bis zum bersten! Was also tun?
D-Mark in die DDR? - wurde so gemacht. Damit war aber auch klar, das die noch funktionierenden Betriebe, Kombinate, erledigt sind.
Im Nachhinein bin ich baff erstaunt, das es so friedlich abgelaufen ist. Da nehme ich auch mittlerweile rumpelnde Straßen im Westen gerne in Kauf und wenn es um den Solidarpakt geht: Wir brauchen heute keinen Solidarpakt Ost mehr, sondern einen Solidarpakt Deutschland! - In so einen zahle ich gerne auch freiwillig ein!
Interessant auch, das es in meinem Bekanntenkreis, der aus 40% Ost und 60% West überhaupt keine Probleme gibt. Man neckt sich gegenseitig gerne mal und nimmt es mit Humor und teilt gegenseitig aus.
Das mag auch an der Generation liegen. Als 1970 geborener habe ich die alte BRD leben und lieben gelernt, andere, mir sehr gute Freunde haben es genauso in der DDR erlebt.
Es klingt makaber, aber ist so: Die Zeit heilt auch, die ehem. Betonköppe West wie Ost sind irgendwann nicht mehr da!
In dem Sinne wünsch ich allen eine Gute Nacht!

Viele Grüße
Carsten



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