#41

RE: Todesurteil

in DDR Staat und Regime 27.06.2011 16:53
von ABV | 4.204 Beiträge

Zitat von icke46
Irgendwie kann ich nicht so ganz glauben, dass der am 23.06. erstmals gesendete Polizeiruf wegen Parallelen zum Fall Hagedorn verboten wurde.

Durch @eisenringtheo bin ich auf die digitalisierten Ausgaben des "Neuen Deutschland" bei der Staatsbibliothek Berlin aufmerksam geworden. Nun ist Erwin Hagedorn bekanntermassen am 15.09.1972 hingerichtet worden, und ich wollte nachsehen, ob es zu dem Fall bzw. der Hinrichtung eine Meldung im ND gab - so steht es auf der wikipedia-Seite zu Hagedorn.

Dabei bin ich in der Ausgabe vom 20.09. auf eine Fernsehkritik eines Polizeirufs gestossen, der am 17.09.72, zwei Tage nach der Hinrichtung Hagedorns, ausgestrahlt wurde und scheinbar genau diese Thematik aufgegriffen hat. Es handelt sich um die Folge Nummer 9, Titel "Minuten zu spät". Leider ist in der Kritik keine genaue Inhaltsbeschreibung vorhanden. Weiss vielleicht jemand näheres?

Zum Nachlesen: http://zefys.staatsbibliothek-berlin.de/list/ - dort ND vom 20.09.72 auswählen, die Fernsehkritik befindet sich auf Seite 4.

Gruss

icke


Hallo Icke!
Die von dir erwähnte Polizeiruffolge basiert auf dem Buch " Die Brut der schönen Seele" von Horst Bastian. Im Film, wie auch im Buch, wird die Geschichte eines verklemmten, mit Komplexen beladenen Außenseiters erzählt. In seiner Unfähigkeit bei Frauen zu landen, steigert er sich schließlich in einen wahnsinnígen Hass gegen alles weibliche. Da er sich an erwachsene Frauen nicht herantraut, reagiert der Täter seine Aggressionen an kleinen Mädchen ab. Denen nähert er sich stets, um Mitleid zu erregen und Vertrauen aufzubauen, mit einem Rollstuhl. Den Rollstuhl versteckt der Täter stets in seinem Barkas. Im Film erwürgt er in einem Fall beinahe ein kleines Mädchen. Das Kind schwebt zuerst einige Zeit in Lebensgefahr, wird aber dann doch gerettet. Krimiexperten vermuten später, dass man sich seitens des Filmteams nicht "traute", das Mädchen "sterben" zu lassen, um den Zuschauer nicht zu überfordern.
Als Ermittler traten Hauptmann buw. Oberleutnant Fuchs und Leutnant Vera Arndt auf. Unangenehm in diesem Film war der mitunter ziemlich moralisierende Ton von Oberleutnant Fuchs alias Peter Borgelt, der den Eltern des Mädchens Vorwürfe wegen der "aufreizenden" Kleider ihrer Tochter machte. Fuchs brachte damit zum Ausdruck, dass den Eltern eine Mitschuld an dem Verbrechen trifft. Natürlich ist das Blödsinn, es entsprach aber auch dem damaligen noch etwas verklemmten Zeitgeist.
Als der Täter ein zweites Mädchen in seine Gewalt bringt und versucht zu erwürgen, kann sie im letzten Moment von der Polizei gerettet werden. Zuvor werden recht ausführlich die wegen des verschwundenen Mädchens eingeleiteten Fahndungsmaßnahmen gezeigt.
Mit dem Fall Hagedorn hat auch dieser Polizeiruf meines Erachtens nicht viel gemein. Außer vielleicht die Tatsache, dass solche Täter immer "einen an der Klatsche haben" und mit ihrer Umwelt nicht klar kommen.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#42

RE: Todesurteil

in DDR Staat und Regime 27.06.2011 17:10
von eisenringtheo | 9.190 Beiträge

Zitat von ABV
Mit dem Fall Hagedorn hat auch dieser Polizeiruf meines Erachtens nicht viel gemein. Außer vielleicht die Tatsache, dass solche Täter immer "einen an der Klatsche haben" und mit ihrer Umwelt nicht klar kommen.Gruß an alle
Uwe



In Wirklichkeit ist das nicht immer so. Sexualstraftäter werden oft erst nach Jahrzehnten entdeckt, nachdem sie jahrelang als sehr angesehene Lehrer, Sporttrainer, Geistliche, Pfleger usw. tätig waren. Manchmal im Rahmen einer dissoziativen Identitätsstörung, bei der der Täter zwei oder mehrere Persönlichkeiten hat, die voneinander unabhängig sind und die eine nicht weiss, was die andere tut.
http://de.wikipedia.org/wiki/Dissoziativ...4tsst%C3%B6rung
Dass jeder gute Strafverteidiger bei hieb- und stichfester Beweislage, psychiatrische Gutachten einholen lässt und auf diese Schiene gelangen will, um zu einem Freispruch zu gelangen, ist allerdings ein anderes Thema.
Theo


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#43

RE: Todesurteil

in DDR Staat und Regime 27.06.2011 20:02
von Thunderhorse | 4.024 Beiträge

Zitat von Alfred
Peter,

einen Mord hatte H. ausgeführt, da war er schon Volljährig und somit griffen die entsprecheden §.



Bei seiner letzten Tat, Alfred.
Den Doppelmord hat er als Minderjähriger ausgeführt.

Und im StGB der DDR stand:
§ 79 StGB der DDR. Bestrafung in verschiedenen Altersstufen.
(1) Wird die von einem Jugendlichen begangene Straftat erst nach Vollendung seines achtzehnten Lebensjahres abgeurteilt, so dürfen nur die Haupt- und Zusatzstrafen in der Art und Höhe angewandt werden, die für Jugendliche zulässig sind.

(2) Hat der Täter mehrere Straftaten teils vor, teils nach der Vollendung des achtzehnten Lebensjahres begangen und überwiegen die im jugendlichen Alter begangenen Taten, gilt Absatz 1 entsprechend. Anderenfalls gelten die allgemeinen Grundsätze der Bestrafung.


§ 78 StGB der DDR. Ausschluß der Todesstrafe.
Gegen Jugendliche wird die Todesstrafe nicht ausgesprochen.

Im Strafrecht der DDR von 1983 stand zum § 78;
Ausschluß der lebenslänglichen Freiheitsstrafe und der Todesstrafe

Schönes Schwarz - Weiß Denken.


"Mobility, Vigilance, Justice"
zuletzt bearbeitet 27.06.2011 20:03 | nach oben springen

#44

RE: Todesurteil

in DDR Staat und Regime 28.06.2011 07:35
von Freedom (gelöscht)
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Zitat von Feliks D.
Wie oft wollen wir den Teske noch durchkauen?





Große Begeisterung ist nicht zu erkennen!


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