#41

RE: Recht auf Arbeit oder Pflicht zur Arbeit in der DDR

in Leben in der DDR 27.06.2011 10:00
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Feliks D.

Zitat von Nostalgiker

§ 249. Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit durch asoziales Verhalten.
(1) Wer das gesellschaftliche Zusammenleben der Bürger oder die öffentliche Ordnung und
Sicherheit beeinträchtigt, indem er sich aus Arbeitsscheu einer geregelten Arbeit entzieht, obwohl er
arbeitsfähig ist, wird mit Verurteilung auf Bewährung, Haftstrafe oder mit Freiheitsstrafe bis zu
zwei Jahren bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer der Prostitution nachgeht oder in sonstiger Weise die öffentliche
Ordnung und Sicherheit durch eine asoziale Lebensweise beeinträchtigt.
(3) In leichten Fällen kann von Maßnahmen der strafrechtlichen Verantwortlichkeit abgesehen und
auf staatliche Kontroll- und Erziehungsaufsicht erkannt werden.
(4) Ist der Täter nach Absatz 1 oder 2 oder wegen eines Verbrechens bereits bestraft, kann auf
Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren erkannt werden.
(5) Zusätzlich kann auf Aufenthaltsbeschränkung und auf staatliche Kontroll- und
Erziehungsaufsicht erkannt werden."




Die Bekämpfung und Verhütung von Erscheinungsformen asozialen Verhaltens diente in erster Linie der Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Somit war sie eine wichtige Aufgabe aller staatlichen Organe, der gesellschaftlichen Kräfte und zuletzt auch des einzelnen Bürgers. Wichtiges Hilfsmittel zur Klärung der jeweiligen Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten war hier z.B. die "Verordnung über die Aufgaben der örtlichen Räte und der Betriebe bei der Erziehung kriminell gefährdeter Bürger". Zur vorbeugenden Verhinderung asozialer Erscheinungsformen waren durch die zuständigen Organe und Betriebe rechtzeitig alle Möglichkeiten, die ihnen durch das Arbeitsgesetzbuch, die Gefährdeten-VO und anderen gesetzlichen Regelungen zugestanden wurden, in Anwendung zu bringen.

Die strafrechtliche Verantwortung nach Absatz 1 setzte jedoch voraus, dass der arbeitsfähige Täter sich einer geregelten Tätigkeit aus Arbeitsscheu entzog und dadurch das gesellschaftliche Zusammenleben bzw. die Sicherheit und Ordnung beeinträchtigt wurde. Es musste also aus diesem Verhalten heraus, z.B. im Arbeitskollektiv, eine Beeinträchtigung nachgewiesen werden. Dieses musste also fü jeden Einzelfall geprüft und an konkreten Sachverhalten nachgewiesen werden und da werden wir uns bei unserem Erben oder Lottogewinner schwer tun.

Als zweites Tatbestandsmerkmal musste die asoziale Lebensweise auch darauf basieren, dass der Täter sich einer geregelten Arbeit aufgrund seiner Arbeitsscheue enzog. Für die Beurteilung ob in einem Fall nun asoziales Verhalten nach Absatz 1 vorlag, waren also die Art und das Ausmaß einer eventuellen Beeinträchtigung und die Dauer der Nichtarbeit wesentlich. Weiterhin bedeutsam waren u.a. das Verhalten in der Öffentlichkeit, die Motive für die Nichtarbeit und ob bisher erteilte Auflagen befolgt oder missachtet wurden. Konnte bei einer vorliegenden Erscheinungsform alsozalen Verhaltens nicht Absatz 1 zur Anwendung gebracht werden, dann war eine Prüfung und Beurteilung dieser Erscheinungsform nach Absatz 2 zu prüfen.

Beeinträchtigungen nach Absatz 2 waren u.a.
*Nichterfüllung finanzieller Verpflichtungen (Unterhalt, Miete, Kredite, Ordnungsstrafen usw.)
*Vernachlässigen von Erziehungspflichten in nicht unerheblichen Umfang
*Verleiten anderer Bürger zu Prostitution, Arbeitsbummelei oder sonstigen Erscheinungsformen asozialen Verhaltens
* konkret beleg- und nachweisbare Auswirkungen negativer Natur für das gesamte Arbeitskollektive (z.B. Lohn- oder Prämienzahlungen)
* Bestreiten des Lebensunterhaltes durch Einkommen aus Straftaten oder sonstigem ungesetzlichen Verhaltens
*Aushaltenlassen (Ausnahme war die Annahme von materieller Unterstützung durch Angehörige und Verwandte)

Dies sollte an dieser Stelle als kleine Zusammenfassung reichen um zu erkennen, dass es keine undifferenzierte und allgemeine Arbeitspflicht gab wie hier teilweise verlautbart wurde. Man könnte noch die genauen Definitionen von Begriffen wie arbeitsfähig, arbeitsscheu, geregelte Arbeit, Entziehen, vorsätzlich usw. erörtern, dies halte ich jedoch nicht für zielführend im Sinne des Threads.

Wer jetzt noch den §249 bei einem, ansonsten unauffälligen und progressiv eingestellten, Lotto-Gewinner oder Erben, bzw. der nicht arbeitenden Hausfrau zur Anwendung bringen will, der möge mir bitte belegen wie er dies bewerkstelligen möchte.

Ach ja Quelle: Meine Unterlagen






@Feliks das sind ja alles keine besonders guten und menschlichen Verhaltensweisen, die da in dem Gesetz aufgelistet werden. Trotzdem habe ich da eine Frage : ist der Staat berechtigt, Bürger stafrechtlich zu verfolgen, wenn sie einer oder mehreren Verhaltensweisen dieses Gesetzes nicht entsprechen ? So manches kann ja auch durch zivilrechtliche Verfahren geklärt werden, wie z.B. säumige Zahler, Unterhaltsverweigerer usw.
Ich persönlich bin nicht der Meinung, dass man Menschen deshalb kriminalisiert. Ich halte das für einen zu strikten Eingriff in die persönliche Freiheit des Einzelnen.


Gruß Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#42

RE: Recht auf Arbeit oder Pflicht zur Arbeit in der DDR

in Leben in der DDR 27.06.2011 10:04
von eisenringtheo | 9.170 Beiträge

Leider gibt es hier immer mehr "Fullquotes", welche die Beiträge ziemlich unübersichtlich machen...
http://de.wikipedia.org/wiki/Fullquote
Theo


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#43

RE: Recht auf Arbeit oder Pflicht zur Arbeit in der DDR

in Leben in der DDR 27.06.2011 10:24
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von eisenringtheo
Leider gibt es hier immer mehr "Fullquotes", welche die Beiträge ziemlich unübersichtlich machen...
http://de.wikipedia.org/wiki/Fullquote
Theo




Ganz locker bleiben,Theo, ist doch ein so schöner Sommertag, jedenfalls hier in Thüringen wo ich gerade bin.

Gruß Gert


.
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#44

RE: Recht auf Arbeit oder Pflicht zur Arbeit in der DDR

in Leben in der DDR 27.06.2011 10:34
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Gert
... So manches kann ja auch durch zivilrechtliche Verfahren geklärt werden, wie z.B. säumige Zahler, Unterhaltsverweigerer usw.
Ich persönlich bin nicht der Meinung, dass man Menschen deshalb kriminalisiert. Ich halte das für einen zu strikten Eingriff in die persönliche Freiheit des Einzelnen.
...



Das Problem hierbei (heutzutage gefühlt mehr als früher) ist, das solche Menschen meist die Klaviatur recht gut beherrschen und sich selbst durchaus bewußt in eine Lage brachten oder bringen, wo zivilrechtlich nichts mehr zu erreichen ist.
Vor einer Strafverfolgung schützte dies jedoch nicht und so war es eben in berechtigten Fällen doch möglich, eine positive Änderung zu erzwingen, pardon, zu erreichen.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#45

RE: Recht auf Arbeit oder Pflicht zur Arbeit in der DDR

in Leben in der DDR 27.06.2011 11:55
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Gert es war ja nun nicht so, dass jeder säumige Zahler oder jemand der zum ersten Mal auffällig wurde sofort mit dem §249 in Berührung gekommen ist. Das waren dann schon notorische Härtefälle oder schwerwiegendere Sachverhalte.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#46

RE: Recht auf Arbeit oder Pflicht zur Arbeit in der DDR

in Leben in der DDR 27.06.2011 11:57
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Gert schrieb nachfolgenden Gedanken im Zusammenhang zu Threadiskussion:

Zitat
Ich halte das für einen zu strikten Eingriff in die persönliche Freiheit des Einzelnen.



darauf möchte ich Dir folgendes zu bedenken geben.
wir befinden uns im Jahr 2011 und haben uns alle im Nachgang mehr oder weniger fundierte Kenntnisse über die damalige Zeit angeeignet und mit diesem "neuen" Wissen wird auch vieles neu bewertet.

Du hast bis 1965 in der DDR gelebt wen ich richtig lese und da wirst Du Dich bestimmt noch an die "Zehn Gebote der sozialistischen Moral und Ethik" aus dem Jahre 1958 erinnern. Später kam bis zum Erbrechen die Floskel von der "sozialistischen Menschengemeinschaft" hinzu.
Zum Glück wurde beides nicht ewig in der Propaganda strapaziert.

Nur war der Ansatzpunkt bei allem und auch bei der Gesetzgebung das "neue" sozialistische Menschenbild".
Dieses Idealbild eines sozialistischen Menschen stellte die Erfüllung und Befriedigung der Bedürfnisse der Gesellschaft (der Sozialistischen natürlich), der Bedürfnisse des Kollektives als das "Große und Ganze erstrebenswerte Ziel" über die Bedürfnisse des einzelnen Individuums.
Gerade in der Zeit der 50ger und 60ger Jahre war ein ideologischer Kampf gegen diese 'kleinbürgerlich-rückständigen' Auffassungen von der Rolle des Individuums in einer Gesellschaft angesagt.

Anders formuliert, nur durch das aktive Mitwirken jedes Einzelnem im sozialistischen Kollektiv an der Umsetzung des Ziels, dem Aufbau des Sozialismus, verwirklicht sich der Einzelne. Als Teil des Kollektives bist du alles, ohne Kollektiv bist du nichts.
Diese für meinen Geschmack sehr dumpfe Holzhammerpolemik wurde ab den 70gern etwas zurückgedrängt als mit der Propagierung von der "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" entdeckt wurde das auch ein Kollektiv aus einzelnen Individuen besteht und diese eigene Bedürfnisse haben welche auch Befriedigt werden sollten.

Da sich der sozialistische Staat in seinem Selbstverständnis auch als ein "Übervater" sah der die ihm anvertrauten Menschen hegen, pflegen, schützen und auch fordern mußte und konnte, kam er mit dem genannten Paragraphen seiner "Erziehungspflicht" nach.
Wer aus der "Reihe" des Kollektives tanzte bekam damit die "liebevolle" Strenge des "Übervaters" zu spüren welcher seine irregeleiteten Landeskinder mit den entsprechenden Maßnahmen wieder zur Räson brachte. Ob das der Einzelne verstand, akzeptierte oder auch nicht war irrelevant.

Das ist eine in sehr wenigen Sätzen Zusammengefasste Betrachtungsweise aus soziologisch-psychologischer Sicht.
Es gibt zum Thema DDR genügend Literatur wo bestimmte Aspekte des Lebens, Eingriffe des Staates in die persönliche Freiheit des Einzelnen genau unter dieser Sichtweise betrachtet werden.

Es gibt,gerade zum Thema "kollektiver Mensch" aus der DDR-Zeit hochinteressante wissenschaftliche Abhandlungen.
Im Nachhinein frage ich mich natürlich des öfteren, haben die das damals wirklich ernst gemeint?
Offensichtlich ja.

Soweit wie ich mich erinnere wurde nicht jeder säumige Zahler, Unterhaltsverweigerer, etc. mit der Anwendung des Paragraphen bestraft.
Davor stand meist; siehe positive Rolle des Kollektives, die Konfliktkommission des jeweiligen Betriebes vor der der "Sünder" Rede und Antwort stehen mußte. Hatte er sich der Arbeit sowieso entzogen war das mit der Konfliktkommission natürlich etwas schwierig.
Im juristischen Sprachgebrauch waren das die "gesellschaftlichen Gerichte" deren Aufgaben, Zuständigkeit und Grundsätze der Arbeitsweise in entsprechenden Gesetzen niedergelegt wurde.

Natürlich kann ich aus persönlich subjektiven Empfindungen heraus vieles damalige als Unrecht empfinden.
Nur sollte ich immer bedenken, jedes Staatwesen organisiert das Zusammenleben der Bürger welche auf dem Gebiet dieses Staates leben nach seiner Rechts-, Moralauffassung und historisch kulturellen Wurzeln.

Ich verurteile auch nicht per se zum Beispiel die islamische Rechtsauffassung --> siehe Scharia, weil sie meiner eigenen Kultur und damit meiner Rechtsempfinden fremd ist.
Ob die Anwendung und Ausübung der Scharia in Islamischen Ländern noch zeitgemäß ist sei mal dahingestellt.
- Abschweifung -

Ich sollte mich bemühen solche Sachverhalte immer im gesellschaftlich-historischem Kontext zu sehen. Ich muß es nicht akzeptieren aber versuchen es zu verstehen sollte ich ansatzweise.
Ansonsten begebe ich mich in die Position der Rechthaberei und mache meine Auffassungen zum Maßstab aller Dinge und das ist m. E. die falsche Herangehensweise.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

zuletzt bearbeitet 27.06.2011 11:59 | nach oben springen

#47

RE: Recht auf Arbeit oder Pflicht zur Arbeit in der DDR

in Leben in der DDR 27.06.2011 16:25
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von icke-ek71
hallo hackel,weist du eigendlich was für einen schrott du schreibst?nationale besoffenheit..ich glaube die hast du heute noch nicht abgelegt!!..gruß aus berlin



Auch Schrott ist hohen Preisschwankungen unterlegen, Lafontaine gebrauchte im Wahlkampf 1990 den Begriff "nationale Besoffenheit" im Zusammenhang mit den Gefahren einer überstürzten Währungsunion, auch das war damals Schrott und hat der SPD den Wahlsieg gekostet, weil man eher nachhaltige und durchdachte Konzepte für den Weg in die Einheit suchte und nicht das übergroße Belohnungszentrum ostdeutscher Konsumentengehirne bedienen wollte, so wie es die späteren CDU- Wahlsieger taten.
Was zählt ist, daß Lafontaine mit seiner Skepsis Recht hatte wie auch 2007 als er alle erreichbaren Politik- und Wirtschaftseliten vor dem Kasinokapitalismus, konkret vor den Gefahren von ungedeckten Leerverkäufen von Aktien u.v.a. Auswüchsen warnte, die gleichfalls zur Krise geführt hatten.
Oskar muß sich mit seinen Botschaften damals so einsam und unverstanden gefühlt haben, wie einer der 23 Uhr als einziger nüchtern auf einer Party mit grölenden und leicht verzauberten Mitmenschen aufkreuzt und über schwergewichtige Themen philosophieren wollte.
Übrigens mußt Du Dir keine Sorgen machen, Hackel ist auf 0 promille.

Naja, leider werden meine Gedankenspiele nicht weiter inhaltlich aufgegriffen, lediglich die wenigen provokanten Worte werden thematisiert und da ich nicht primär hier bin um zu provozieren, lese ich besser erst mal nur mit.
Viele Beiträge sind auch offensichtlich nicht mit persönlichen Erfahrungen über die ganz konkrete Anwendung dieser Paragraphen im Alltag unterlegt, das wäre allerdings enorm wichtig.
So z.B. über den angeblichen Kollektivzwang, den ich so dramatisch auf keinem Fall als Werktätiger der 1980er Jahre wahrgenommen hatte.
Niemand der die nachmittäglichen Kegelveranstaltungen, das Sportfest des Dienstortes, die Brigadefahrt oder was auch immer ausgelassen hatte, bekam nach meiner Wahrnehmung irgendwelche Probleme, ich hab die Leute von damals doch vor mir.
Das gleiche gilt für die Maidemo oder die Festveranstaltung zum Tag des Eisenbahners, wer nicht kam, der kam eben nicht.
Diese Geselligkeitsmuffel waren ansonsten auch ganz gut innerhalb ihrer Arbeitszeit ins Kollektiv integriert und auch angesehen und auch von den Außenseitern ist beispielsweise jeder Lokführer nach 30 Eisenbahner- Dienstjahren Reichsbahninspektor geworden.
Zum Assiparagraphen fällt mir noch ein, daß die anhaltend arbeitsscheuen Mitbürger am Tag wohl 7 Mark beim Rat der Gemeinde bekamen, damit sie nicht verhungerten, dieses Geld mußte man aber jeden Morgen dort persönlich abholen.



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#48

RE: Recht auf Arbeit oder Pflicht zur Arbeit in der DDR

in Leben in der DDR 27.06.2011 18:36
von Gert | 12.354 Beiträge

@Nostalgiker ich erinnere mich sehr gut an die 10 Gebote und das Neue Menschenbild und die theoretisch vorgetragenen Entwicklungsstufen vom Sozialismus zum Kommunismus. Ich war damals noch ein sehr junger Mensch, aber eines habe ich in guter Erinnerung . als unser Geschi Lehrer davon sprach, dass im Kommunismus das Geld abgeschafft wird und jeder Waren nach seinen Bedürfnissen beziehen kann, habe ich gedacht der ist übergeschnappt. Es war mir in so jungen Jahren schon klar, dass diese Gleichung nie aufgehen kann, weil sie das Ego des Einzelnen und sein Streben nach Besitz und damit Macht überhaupt nicht berücksichtigt. Die nach 1965 stattfindenden gesellschaftlichen Theorien hab ich naturgemäß nicht mehr mitbekommen. Hin und wieder bei Besuchsreisen ( ab 1972 durfte ich wieder in die DDR einreisen ohne eingebuchtet zu werden) wurde mir davon erzählt. Ich war aber so resistent gegen kommunistische Propaganda, dass ich da schon meistens abgeschaltet habe.


Gruß Gert


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#49

RE: Recht auf Arbeit oder Pflicht zur Arbeit in der DDR

in Leben in der DDR 28.06.2011 10:32
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@Gert,

an diese "lustige" Utopie das im Kommunismus das Geld überflüssig ist kann ich mich auch erinnern.
Die Grundlage für solcherlei Zukunftsvisionen lagen unter anderem in den Überlegungen der utopischen Sozialisten welche in ihren Arbeiten der phantasievollen Ausgestaltung der Zukunftsgesellschaft breiten Raum widmeten. und dem der humanistisch-bürgerlichen Aufklärung welche einen Idealtyp des zukünftigen Menschen entwarf. Denke mal an Goethes Gedicht 'Das Göttliche' welches mit den Worten beginnt: Edel sei der Mensch, Hilfreich und gut!

Ich möchte hier keinen Diskurs über Marx und Engels anzetteln.
Ihre These im Kommunistischen Manifest, das "an Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen [eine] Assoziation [tritt], worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist."
Wird von Ihnen, sehr zum Kummer der 'Gläubigen', nicht weiter erläutert. Im Gegensatz zu vielen späteren Verkündern diverser Heilsversprechungen ergingen sie sich nicht in Spekulationen wie schön und rosig sich die Zukunft der freien Menschen gestalten könne wenn „jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“ lebt.

Das in einem Land sich Kaffeehaus-Kommunisten an die Macht putschten unter dem Deckmantel das sie die nicht näher definierte sogenannte revolutionäre und klassenbewußteste Vorhut eines gesichtslosen Proletariats sei brauch ich wohl nicht näher auszuführen. Das sie sich alle Instrumente des Machterhalts schufen auch nicht. Das dieses Modell im Laufe der Zeit auf Staaten übertragen wurde welche nicht ganz freiwillig in den Machtbereich Ersteren gerieten brauche ich auch nicht weiter zu erwähnen.

Gruß
Nostalgiker


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Text: Kurt Demmler

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#50

RE: Recht auf Arbeit oder Pflicht zur Arbeit in der DDR

in Leben in der DDR 29.06.2011 09:54
von sentry | 1.087 Beiträge

Zitat von Nostalgiker
Das in einem Land sich Kaffeehaus-Kommunisten an die Macht putschten unter dem Deckmantel das sie die nicht näher definierte sogenannte revolutionäre und klassenbewußteste Vorhut eines gesichtslosen Proletariats sei brauch ich wohl nicht näher auszuführen. Das sie sich alle Instrumente des Machterhalts schufen auch nicht.



Sprichst Du hier von dem, das uns im Geschichtsunterricht als "Große Sozialistische Oktoberrevolution" verkauft wurde?


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#51

RE: Recht auf Arbeit oder Pflicht zur Arbeit in der DDR

in Leben in der DDR 29.06.2011 10:28
von eisenringtheo | 9.170 Beiträge

Zitat von sentry

Zitat von Nostalgiker
Das in einem Land sich Kaffeehaus-Kommunisten an die Macht putschten unter dem Deckmantel das sie die nicht näher definierte sogenannte revolutionäre und klassenbewußteste Vorhut eines gesichtslosen Proletariats sei brauch ich wohl nicht näher auszuführen. Das sie sich alle Instrumente des Machterhalts schufen auch nicht.



Sprichst Du hier von dem, das uns im Geschichtsunterricht als "Große Sozialistische Oktoberrevolution" verkauft wurde?




Ja die meint er wohl. Der Begriff "Kaffeehaus-Kommunist" soll von Stalin sein und sich auf Trotzki beziehen. Dieser war schon bald der Meinung, dass der Sozialismus bürokratisch, totalitär und nationalistisch geworden sei und deshalb die Utopie einer besseren Gesellschaft gescheitert sei. Andere, wie Stalin, waren der Ansicht, dass der Staat stark regelorientiert handeln müssen, damit mit der Diktatur des Proletariats die bourgeoisen Strömungen eingedämmt bleiben und somit der Kommunismus erst möglich wird.
Theo


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#52

RE: Recht auf Arbeit oder Pflicht zur Arbeit in der DDR

in Leben in der DDR 29.06.2011 11:08
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Theo, der Kandidat hat neunundneunzig Punkte für die richtige Antwort, jetzt darfst Du Dir etwas wünschen.

@Sentry, ob dieser Begriff "Kaffeehaus Kommunisten" wirklich auf eine Äußerung Stalin zurückgeht kann ich nicht genau belegen. Tatsächlich bezog sich diese Charakterisierung auf die späteren "Abweichler", "Trotzkisten" und Trotzki selber.
Hintergrund war das sie sich im Exil; Frankreich, Schweiz; in Kaffeehäusern trafen.
Das Lenin in der Schweiz ebenfalls häufiger Gast diverser Kaffeehäuser war wurde allerdings in dieser Beziehung ausgeblendet.

Diese "Abgrenzung" wurde auch von Stalin vorgenommen weil er zu dem Flügel der Partei gehörte welcher illegal und sich in der Grauzone zur Kriminalität (Beteiligung an Banküberfällen zur Beschaffung von Mitteln zur Finanzierung der Untergrundarbeit) bewegte.
Im Gegensatz zum Kreis um Lenin war Stalin nie im Exil, deswegen auch sein Mißtrauen gegenüber allem Ausländischen und natürlich auch den Genossen welche im Ausland lebten.

So leid es mir auch tut aber nach neuesten Erkenntnissen der Geschichtsforschung wird die These vertreten das die November(Oktober)Ereignisse in Petrograd damals ein Putsch waren.
Die Bevölkerung bekam weder groß etwas von den Ereignissen mit, geschweige denn das sie sich aktiv beteiligte wie uns die damalige Propaganda und Geschichtsschreibung weismachen wollte.

Ich hoffe das Dir diese Auskunft erst einmal reicht.

Gruß
Nostalgiker


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aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#53

RE: Recht auf Arbeit oder Pflicht zur Arbeit in der DDR

in Leben in der DDR 29.06.2011 15:34
von Polter (gelöscht)
avatar

Zitat von Major Tom
Man kann nur froh sein dass dieser Sozialismus vom eigenen Volk ins Klo der Geschichte gespült wurde. Wie sehr dieses sozialistische Paradies ausarten kann sieht man sehr gut in Nordkorea. Das ist den Bürgern der DDR zum Glück erspart geblieben.


Schlechter Tip mit Nordkorea:

/link http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,771247,00.html

Nordkorea ist praktisch im Kriegszustand! Erwarte fast stündlich die Reisewarnung des AA.


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