#1

"Die Worte des Glaubens" von Friedrich Schiller

in DDR Grenze Literatur 18.06.2011 18:04
von wosch (gelöscht)
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Die Worte des Glaubens

"Drei Worte nenn ich euch, inhaltsschwer,
sie gehen von Munde zu Munde,
Doch stammen sie nicht von außen her,
das Herz nur gibt davon Kunde;
Dem Menschen ist aller Wert geraubt,
Wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt.

Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei,
Und würd er in Ketten geboren,
Laßt euch nicht irren des Pöbels Geschrei,
Nicht den Mißbrauch rasender Toren;
Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht,
Vor dem freien Menschen erzitter nicht.

Und die Tugend, sie ist kein leerer Schall,
Der Mensch kann sie üben im Leben,
Und sollt er auch straucheln überall,
Er kann nach der göttlichen streben;
Und was kein Verstand der Verständigen sieht,
Das übet in Einfall ein kindliches Gemüt.

Und ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt,
wie auch der menschliche wanke,
Hoch über der Zeit und dem Raume webt
Lebendig der höchste Gedanke;
Und ob alles in ewigem Wechsel kreist.
Es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist.

Die drei Worte bewahret euch, inhaltsschwer,
Sie pflanzet von Munde zu Munde,
Und stammen sie gleich nicht von außen her
Euer Innres gibt davon Kunde;
Der Mensch ist nimmer sein Wert geraubt,
Solang er noch an die drei Worte glaubt."

Frei nach Friedrich Schiller


zuletzt bearbeitet 18.06.2011 18:25 | nach oben springen

#2

RE: "Die Worte des Glaubens" von Friedrich Schiller

in DDR Grenze Literatur 18.06.2011 19:46
von Polter (gelöscht)
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Frei nach Friedrich Schiller? Nacherzählt, Nachdichtung? Bei " Frei " werd ich immer wach, wie O. v. Bismarck:

" Es gibt kaum ein Wort heutzutage, mit dem mehr Mißbrauch getrieben als mit dem Wort " frei " Ich traue dem Wort nicht, aus dem Grunde, weil keiner die Freiheit für alle will, jeder will sie für sich "


zuletzt bearbeitet 18.06.2011 19:47 | nach oben springen

#3

RE: "Die Worte des Glaubens" von Friedrich Schiller

in DDR Grenze Literatur 18.06.2011 20:05
von eisenringtheo | 9.158 Beiträge

http://www.autoren-gedichte.de/schiller/...es-glaubens.htm

Freiheit, Tugend, Glaube... ok. Postulate der Aufkärung. Ist aber schon etwa 200 bis 300 Jahre her. Sie haben in den Liberalismus geführt mit den bekannten Folgen für die gesellschaftliche Entwicklung: Spät hat man gemerkt, dass Freiheit auch etwas mit sozialem Wohlstand zu tun hat: Wer am Hungertuch nagt, dem nützt seine Freiheit nichts.
Theo


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#4

RE: "Die Worte des Glaubens" von Friedrich Schiller

in DDR Grenze Literatur 19.06.2011 00:59
von utkieker | 2.913 Beiträge

Hier zu noch ein Gedicht!
Der Autor Johann Heinrich Voß 1751 - 1826 - übrigens ein Mecklenburger wie ich, stammt auch aus der Zeit der Aufklärung. Heinrich Heine nannte Voß den zweitgrößten Deutschen nach Lessing und er wußte warum!
Interressant der Prolog des Gedichtes von Christoph Martin Wieland 1733 - 1813

Der Sklave ( Johann Heinrich Voß )

Das heischere Geschrei nach Freiheit ... macht auf alle Menschen, die ihren Kohl in Frieden bauen, und wenig auf die Regierung achtgeben, worunter sie ihn bauen, einen höchst widrigen Effekt.

Wieland


Bei meinem lieben Topf voll Reis
Verschmaus ich, Sklav des großen Deys,
Der Freiheit Last und Kummer.
Von Ketten lieblich eingeklirrt,
Schlaf ich, bis früh die Peitsche schwirrt,
Der Arbeit süßen Schlummer.

Zwar schnaubt mein Dey: Du Christenhund!
Und geißelt mir den Rücken wund,
Und sieht aus wie der Teufel:
Doch jeder hat so seinen Tick;
Und ich verwette mein Genick,
Gut meint er's ohne Zweifel.

Wenn ihr nur seinen Tick nicht reizt,
Und ihm so vor der Nase kreuzt,
Maltesische Verschwörer!
Der Christen Freiheit rächet ihr?
Bei Machmuds Bart! das fühlen wir!
Ihr seid nur Friedensstörer!

Quecksilber hat der Narr im Kopf,
Der nicht mit Lust bei deinem Topf,
Korsarenvater, bleibet!
Du bist ja Herr, und wir sind Knecht!
Das wollte Gott und Völkerrecht!
Ein Meuter, wer sich sträubet!

Das Vaterland? Was Vaterland!
Der Topf, der Topf ist Vaterland!
Das übrige sind Fratzen!
Da sollt' ich mich dem wilden Meer
Und Sturm vertraun, und hinterher
Um Brot die Ohren kratzen!

Bei meinem lieben Topf voll Reis,
Genieß ich, Sklav des großen Deys,
Hans Ohnesorgens Freuden!
Und wenn ich einst bei Laune bin,
So gehe ich zum Mufti hin,
Und lasse mich beschneiden!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
zuletzt bearbeitet 19.06.2011 08:40 | nach oben springen

#5

RE: "Die Worte des Glaubens" von Friedrich Schiller

in DDR Grenze Literatur 19.06.2011 07:10
von bendix | 2.642 Beiträge

Zitat von eisenringtheo
http://www.autoren-gedichte.de/schiller/die-worte-des-glaubens.htm

Freiheit, Tugend, Glaube... ok. Postulate der Aufkärung. Ist aber schon etwa 200 bis 300 Jahre her. Sie haben in den Liberalismus geführt mit den bekannten Folgen für die gesellschaftliche Entwicklung: Spät hat man gemerkt, dass Freiheit auch etwas mit sozialem Wohlstand zu tun hat: Wer am Hungertuch nagt, dem nützt seine Freiheit nichts.
Theo



Ein wahrer und guter Spruch@Theo.

Gruß bendix


Das Zufriedene ist leise,das Unzufriedene ist laut.
Gefreiter der Grenztruppen -1980 GAR 40 Oranienburg/Falkensee-GR 34 Groß-Glienicke 1981-1982
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#6

RE: "Die Worte des Glaubens" von Friedrich Schiller

in DDR Grenze Literatur 06.07.2011 11:48
von tiningler (gelöscht)
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Ach ich liebe Schiller - aber auch ich werde bei dem Wort 'frei' immer hellhörig, weil es für mich meist doch nur eine Form der Interpretation eines bestimmten Gedichtes oder einer Erzählung signifiziert und sich selten an das Original hält. Darum fügt man 'frei' hinzu um sich nicht dafür rechtfertigen zu müssen, sich nicht an das originale Schriftstück zu halten - aber da kann ich natürlich auch total verbohrt sein :)


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