#1

"Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.06.2011 19:02
von wosch (gelöscht)
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Paßgesetz mißachtet

Die Strafkammer des Kreisgerichts Cottbus-Stadt verurteilte den 21 Jahre alten H.G.E. aus Cottbus wegen versuchten illegalen Verlassen der DDR, dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgend, zu einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis. Gegen den Mitangeklagten 23jährigen H.-J.M. aus dr Bezirksstadt erkannte das Gericht wegen des gleichen Vergehens auf sieben Monate Gefängnis. Beiden Angeklagten wurde die Untersuchungshaft angerechnet.
E. erhielt eine höhere Strafe, weil er schon einmal versucht hatte, die Republik illegal zu verlassen. Deshalb wurde er an 3. Oktober 1961 zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Nachdem er zehn Monate davon verbüßt hatte, bekam er Strafaussetzung mit Bewährungsfrist. er zog jedoch aus seiner Vorstrafe keine Schlußfolgerungen und verstieß erneut gegen das Paßgesetz vom 11. September 1957.
E. und M. stammten aus westdeutschland und wohnten in Cottbus im gleichen Haus. Beide hatten in der DDR um Aufnahme ersucht, die ihnen auch gewährt wuede. M. kam sogar erst nach dem 13. august 1961 in die DDR. Beide erhielten Unterkunft und Arbeit.
Trotzdem beschlossen sie, auf illegalem Weg nach Westdeutschland zurückzukehren.
Am 29.September v0rigen Jahres fuhren beide nach Berlin. Von dort aus begaben sie sich in die Umgebung und beobachteten die Grenze. Da es ihnen aber zu gefährlich schien, die Grenze in der Nähe von Potsdam zu überschreiten, fuhren sie wieder nach Cottbus zurück, um einen neuen Fluchtplan zu entwerfen. Diesmal war das Ziel Thüringen, denn man hoffte, dort leichter über die Grenze gelangen zu können.
Am 15.Oktober trafen E.und M. in Tanner einn. Dort hielten sie sich in einer Gaststätte auf, um am nächsten Tag ihr Vorhaben zu verwirklichen. Der Wirtin war aber das eigenartige Benehmen der beiden fremden Gäste aufgefallen. Sie schöpfte Verdacht und verständigte die Grenzpolizei, die E. und M. festnahm. Beide gaben zu, daß sie unsere Republik illegal verlassen wollten. Das Urteil soll beiden Angeklagten deutlich zum Bewußtsein bringen, daß sie als Bürger der DDR die Gesetze einzuhalten haben und sie nicht gegen den Strom schwimmen können.

...........................................................................................

Anmerkung von mir (Wosch): Eine "schöne" Wirtin, die ihre Gäste in die Pfanne haut, man wird sich bei ihr schon mit irgend etwas bedankt haben. Ob sie wohl auch noch stolz darauf war, ich hätte sie gerne persönlich gefragt.
Schönen Gruß aus Kassel.


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#2

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.06.2011 19:19
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Na wenn das nicht Ausdruck des humanistischen Wesens der Rechtssprechung der DDR ist! Da bekommt selbst ein Wiederholungstäter eine niedrigere Strafe als bei der ersten Tat, um ihnen weiterhin die Hand zu reichen damit sie auf den rechten Weg zurückfinden.

Der Wirtin höchstes Lob, hat sie doch durch ihre Meldung einer bevorstehenden Straftat eventuell weit schlimmeres verhindert.

Ne Wosch


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 16.06.2011 19:23 | nach oben springen

#3

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.06.2011 19:33
von wosch (gelöscht)
avatar

Zitat von Feliks D.
Na wenn das nicht Ausdruck des humanistischen Wesens der Rechtssprechung der DDR ist! Da bekommt selbst ein Wiederholungstäter eine niedrigere Strafe als bei der ersten Tat, um ihnen weiterhin die Hand zu reichen damit sie auf den rechten Weg zurückfinden.



.......................................................................................................................................................................

Feliks, ganz ehrlich, ich bin hocherfeut daß ich in Dir einen "Stammleser" meiner Zeilen gefunden habe und hoffe daß Du mir auch weiterhin die Treue halten wirst. Aber noch viel ehrlicher: Um über solch solch ein "Handreichen" erfreut sein zu können müßte man schon dem "Sado-Maso-Kult" zugeneigt sein und @Hilde Benjamin als Freiheitsgöttin angesehen haben.
Schünen Gruß aus Kassel.

PS: für die ewas Unwissenden, Die Frau Benjamin war in der DDR jahrelang verantwortlich für Todesurteile die schon vor der Verhandlung feststanden. Hoffe daß ich damit nicht im eigenen Thread OT geworden bin.


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#4

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.06.2011 19:42
von Pitti53 | 8.785 Beiträge

Zitat von wosch

Zitat von Feliks D.
Na wenn das nicht Ausdruck des humanistischen Wesens der Rechtssprechung der DDR ist! Da bekommt selbst ein Wiederholungstäter eine niedrigere Strafe als bei der ersten Tat, um ihnen weiterhin die Hand zu reichen damit sie auf den rechten Weg zurückfinden.



.......................................................................................................................................................................

Feliks, ganz ehrlich, ich bin hocherfeut daß ich in Dir einen "Stammleser" meiner Zeilen gefunden habe und hoffe daß Du mir auch weiterhin die Treue halten wirst. Aber noch viel ehrlicher: Um über solch solch ein "Handreichen" erfreut sein zu können müßte man schon dem "Sado-Maso-Kult" zugeneigt sein und @Hilde Benjamin als Freiheitsgöttin angesehen haben.
Schünen Gruß aus Kassel.

PS: für die ewas Unwissenden, Die Frau Benjamin war in der DDR jahrelang verantwortlich für Todesurteile die schon vor der Verhandlung feststanden. Hoffe daß ich damit nicht im eigenen Thread OT geworden bin.




doch biste Wosch aber es sei dir verziehen...aber nicht übertreiben


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#5

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.06.2011 19:47
von glasi | 2.815 Beiträge

republikflucht ist kein verbrechen. was ist das für ein verbrechen wenn mann von deutschland nach deutschland will. aber ich glaube da können wir uns noch in 100 jahren streiten. zu der wirtin. wenn sie noch lebt, dann will sie heute bestimmt davon nichts mehr wissen.. diese kleinen IM SPITZEL



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#6

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.06.2011 19:58
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von glasi
republikflucht ist kein verbrechen. was ist das für ein verbrechen wenn mann von deutschland nach deutschland will.



Ach so...

1. Wenn schon von der DDR nach der BRD oder West Berlin, so genau müssen wir schon sein.
2. Darf dies wohl jeder Staat selbst festlegen!

Dies sah im Übrigen auch Eduard Lintner, ehemals Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, so

Zitat
Frage: „Der tägliche Dienst eines Grenzers, eines Angehörigen der Passkontrolleinheit, bedeutet doch Einschränkungen der freien Reise der DDR Bürger. Ist das nicht schon gegen die Grundsätze der Menschlichkeit?“

„Soweit kann man glaube ich nicht gehen. Jeder Staat ist natürlich in der Lage, und die DDR war ja zuletzt ein völkerrechtlich anerkannter Staat... die Frage, unter welchen Voraussetzungen seine Bürger den Staat verlassen können, reisen können, kann er schon mit einem gewissen Spielraum selbst regeln.“


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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zuletzt bearbeitet 16.06.2011 19:59 | nach oben springen

#7

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.06.2011 20:06
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat

Zitat von Feliks D.

Zitat von glasi
republikflucht ist kein verbrechen. was ist das für ein verbrechen wenn mann von deutschland nach deutschland will.



Ach so...

1. Wenn schon von der DDR nach der BRD oder West Berlin, so genau müssen wir schon sein.
2. Darf dies wohl jeder Staat selbst festlegen!

Dies sah im Übrigen auch Eduard Lintner, ehemals Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, so

Zitat
Frage: „Der tägliche Dienst eines Grenzers, eines Angehörigen der Passkontrolleinheit, bedeutet doch Einschränkungen der freien Reise der DDR Bürger. Ist das nicht schon gegen die Grundsätze der Menschlichkeit?“

„Soweit kann man glaube ich nicht gehen. Jeder Staat ist natürlich in der Lage, und die DDR war ja zuletzt ein völkerrechtlich anerkannter Staat... die Frage, unter welchen Voraussetzungen seine Bürger den Staat verlassen können, reisen können, kann er schon mit einem gewissen Spielraum selbst regeln.“



ja ich weiß felix..aber es war nicht menschlich. das müßt ihr doch mal entlich zugeben. ihr könnt euch doch nicht immer hinter denn gesetzten eures landes verstecken



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#8

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.06.2011 20:17
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Wer hatte denn einen Alleinvertretungsanspruch verfochten und die Bürger eines anderen Staates als seine eigenen angesehen?

Von Seiten der DDR wäre, bei Verzicht auf diese Doktrin und Behandlung der DDR-Bürger durch die BRD wie alle anderen nicht EU-Bürger (Visum, Ausweisung usw.) wäre durchaus eine andere Reiseregelung denkbar gewesen. Da waren also nicht nur unsere Gesetze Schuld an den Zuständen.

Hätte die BRD ihre Politik überdacht, und da kommen wir wieder zurück zum Thema, wären eine andere Rechtslage möglich und damit solche Urteile wie das des Kreisgerichts Cottbus-Stadt unnötig gewesen.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#9

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.06.2011 20:37
von eisenringtheo | 9.160 Beiträge

Zitat von Feliks D.
(...)Hätte die BRD ihre Politik überdacht, und da kommen wir wieder zurück zum Thema, (...)


Ja warum hat sie das eigentlich nicht?
Vermutlich weil die DDR Bürger keine Devisen gebracht hätten. Ich bin oft im Schwarzwald in den Ferien gewesen und mein Schweizer Franken wurde dort gerne genommen. Wäre man in der DDR auf grosse Erdölvorkommen gestossen, wäre die deutsche Einigung früher möglich gewesen..
Theo


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#10

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.06.2011 20:49
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von wosch
Paßgesetz mißachtet

Die Strafkammer des Kreisgerichts Cottbus-Stadt verurteilte den 21 Jahre alten H.G.E. aus Cottbus wegen versuchten illegalen Verlassen der DDR, dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgend, zu einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis. Gegen den Mitangeklagten 23jährigen H.-J.M. aus dr Bezirksstadt erkannte das Gericht wegen des gleichen Vergehens auf sieben Monate Gefängnis. Beiden Angeklagten wurde die Untersuchungshaft angerechnet.
E. erhielt eine höhere Strafe, weil er schon einmal versucht hatte, die Republik illegal zu verlassen. Deshalb wurde er an 3. Oktober 1961 zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Nachdem er zehn Monate davon verbüßt hatte, bekam er Strafaussetzung mit Bewährungsfrist. er zog jedoch aus seiner Vorstrafe keine Schlußfolgerungen und verstieß erneut gegen das Paßgesetz vom 11. September 1957.
E. und M. stammten aus westdeutschland und wohnten in Cottbus im gleichen Haus. Beide hatten in der DDR um Aufnahme ersucht, die ihnen auch gewährt wuede. M. kam sogar erst nach dem 13. august 1961 in die DDR. Beide erhielten Unterkunft und Arbeit.
Trotzdem beschlossen sie, auf illegalem Weg nach Westdeutschland zurückzukehren.
Am 29.September v0rigen Jahres fuhren beide nach Berlin. Von dort aus begaben sie sich in die Umgebung und beobachteten die Grenze. Da es ihnen aber zu gefährlich schien, die Grenze in der Nähe von Potsdam zu überschreiten, fuhren sie wieder nach Cottbus zurück, um einen neuen Fluchtplan zu entwerfen. Diesmal war das Ziel Thüringen, denn man hoffte, dort leichter über die Grenze gelangen zu können.
Am 15.Oktober trafen E.und M. in Tanner einn. Dort hielten sie sich in einer Gaststätte auf, um am nächsten Tag ihr Vorhaben zu verwirklichen. Der Wirtin war aber das eigenartige Benehmen der beiden fremden Gäste aufgefallen. Sie schöpfte Verdacht und verständigte die Grenzpolizei, die E. und M. festnahm. Beide gaben zu, daß sie unsere Republik illegal verlassen wollten. Das Urteil soll beiden Angeklagten deutlich zum Bewußtsein bringen, daß sie als Bürger der DDR die Gesetze einzuhalten haben und sie nicht gegen den Strom schwimmen können.

...........................................................................................

Anmerkung von mir (Wosch): Eine "schöne" Wirtin, die ihre Gäste in die Pfanne haut, man wird sich bei ihr schon mit irgend etwas bedankt haben. Ob sie wohl auch noch stolz darauf war, ich hätte sie gerne persönlich gefragt.
Schönen Gruß aus Kassel.



.................ruf sie doch einfach an. Vielleicht erreicht man ja diesmal die "Richtige".


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
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#11

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.06.2011 21:41
von 94 | 10.792 Beiträge

Also eins muß man @wosch lassen, er bringt Content und sogar welchen, der Leben in die Bude bringt! Deswegen finde ich die letzte Bemerkung, ... naja. Hoffentlich weiß nicht nur ich wie's gemeint war und wische mir gerade eine Schmunzelträne aus dem Augenwinkel @Stabsfähnrich. Der @wosch wird's nicht nur verkraften, sonder vielleicht sogar mitschmunzeln.

Aber was mich eigentlich in diesem Thread an die Tasten und aus dem schönen Grenzradio treibt, ist die Äußerung von @glasi, Zitat: republikflucht ist kein verbrechen. Genau da rennt mMn die Katze ins Wasser.
In der DDR war es ein Verbrechenstatbestand und demzufolge und vor allem desderwegen begannen Fluchtwillige auch wie Verbrecher zu handeln. In letzter Konsequenz sogar bis zur Tötung eines anderen Menschen.
Nicht jetzt wieder die alte Aufrechnungsdiskussion ... ich wollte damit auf eine Kausalkette in Zusammenhang mit dem §213 hinweisen. Denn dort ist mMn das Grundübel aller Toten und Verletzten an dieser innerdeutschen Staatsgrenze zu finden.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 16.06.2011 21:42 | nach oben springen

#12

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.06.2011 21:44
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat

Zitat von Feliks D.
Wer hatte denn einen Alleinvertretungsanspruch verfochten und die Bürger eines anderen Staates als seine eigenen angesehen?

Von Seiten der DDR wäre, bei Verzicht auf diese Doktrin und Behandlung der DDR-Bürger durch die BRD wie alle anderen nicht EU-Bürger (Visum, Ausweisung usw.) wäre durchaus eine andere Reiseregelung denkbar gewesen. Da waren also nicht nur unsere Gesetze Schuld an den Zuständen.

Hätte die BRD ihre Politik überdacht, und da kommen wir wieder zurück zum Thema, wären eine andere Rechtslage möglich und damit solche Urteile wie das des Kreisgerichts Cottbus-Stadt unnötig gewesen.


ein anderes reisegesetz????? das wäre der untergang der DDR gewesen.



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#13

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.06.2011 21:47
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von glasi
ein anderes reisegesetz????? das wäre der untergang der DDR gewesen.


Wieso im Konjunktiv?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#14

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.06.2011 10:17
von SanGefr | 218 Beiträge

Republikflucht? Versuchte Republikflucht? Vorbereitung zur Republikflucht? Aus dem Bericht von "wosch" geht mMn nicht eindeutig hervor, wo die beiden von der Grenzpolizei festgenommen wurden. Ich gehe mal davon aus, noch in der Gaststätte bzw. in näherer Umgebung derselben? Dann kann es keine versuchte Republikflucht gewesen sein. Vorbereitung zur Republikflucht? Dafür gab es wohl keine Beweise. Bleibt nur noch die Aussage, dass die beiden die DDR illegal verlassen wollten. Ich habe auch schon oft gesagt, dass ich den Einen oder Anderen gerne mal den "Hals umdrehen" könnte (damals am liebsten unbequeme Lehrer/innen) und wurde weder wegen versuchten Mordes/Totschlags oder Vorbereitung einer Tötung inhaftiert noch angeklagt oder schäl angesehen. Das fällt unter dem Artikel der freien Meinungsäusserung (GG), welcher in der Verfassung der DDR anscheinend fehlte oder so ausgelegt wurde, wie es den Gerichten in den Kram passte. Man kann viel sagen, wenn der Tag lang ist, solange die Ankündigungen nicht in Taten umgesetzt werden. In dem obigen Falle konnte es mit der hier von Feliks D. erwähnten Rechtsprechung der DDR nicht weit her gewesen sein.


zuletzt bearbeitet 17.06.2011 10:20 | nach oben springen

#15

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.06.2011 10:38
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Versuch nach 213 lag bereits mit dem Verlassen der Wohnung zum Zwecke des ungesetzlichen Verlassens der DDR vor, da dies der Beginn der Ausführungshandlungen war. Dieses Tatbestandsmerkmal war hier also eindeutig gegeben, daher erfolge die Verurteilung zu Recht.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#16

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.06.2011 10:53
von eisenringtheo | 9.160 Beiträge

Zitat von Feliks D.
Versuch nach 213 lag bereits mit dem Verlassen der Wohnung zum Zwecke des ungesetzlichen Verlassens der DDR (...).


Das ist wohl richtig, aber die Beweislage ist wohl ungenügend, wenn man jemand schon an der Haustüre verhaftet. Im Gegensatz zur Festnahme in Tanne...
Achtung Minen-Gesperrt-Lebensgefahr. (2)
Theo


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#17

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.06.2011 11:07
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Richtig Theo ich wüsste auch von keinem der an der Haustür schon verhaftet wurde und wegen Versuchs belangt wurde, er hätte ja auch nur Einkaufen gehen können. Lagen hier ausreichen Hinweise vor so kam Vorbereitung zum tragen. Trotzdem musste natürlich rechtlich eine Grundlage geschaffen werden um Vorbereitung, Versuch und Vollendung klar voneinander abzugrenzen und Versuch begann danach mit dem Verlassen der Wohnung zum Zwecke...


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#18

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.06.2011 13:40
von Thunderhorse | 3.997 Beiträge

Zitat von 94
Also eins muß man @wosch lassen, er bringt Content und sogar welchen, der Leben in die Bude bringt! Deswegen finde ich die letzte Bemerkung, ... naja. Hoffentlich weiß nicht nur ich wie's gemeint war und wische mir gerade eine Schmunzelträne aus dem Augenwinkel @Stabsfähnrich. Der @wosch wird's nicht nur verkraften, sonder vielleicht sogar mitschmunzeln.

Aber was mich eigentlich in diesem Thread an die Tasten und aus dem schönen Grenzradio treibt, ist die Äußerung von @glasi, Zitat: republikflucht ist kein verbrechen. Genau da rennt mMn die Katze ins Wasser.
In der DDR war es ein Verbrechenstatbestand und demzufolge und vor allem desderwegen begannen Fluchtwillige auch wie Verbrecher zu handeln. In letzter Konsequenz sogar bis zur Tötung eines anderen Menschen.
Nicht jetzt wieder die alte Aufrechnungsdiskussion ... ich wollte damit auf eine Kausalkette in Zusammenhang mit dem §213 hinweisen. Denn dort ist mMn das Grundübel aller Toten und Verletzten an dieser innerdeutschen Staatsgrenze zu finden.




Grundsätzlich; Nein

Auch im § 213 StGB der DDR wurde differenziert.
Der Grundtatbestand der sog. Republikflucht war kein Verbrechen.

TH


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#19

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.06.2011 13:56
von 94 | 10.792 Beiträge

Ach TH, um was habe ich im von Dir zitierten Post gebeten, hä?

Nicht jetzt wieder die alte Aufrechnungsdiskussion ...

An wievielen Verhandlungen in denen der §213 zur Anklage stand hast du beigewohnt? Siehste!
Und besonders der Absatz 3 Punkt 3 'die Tat mit besonderer Intensität durchgeführt wird' wurde dort gerne strafverschärfend gummiartig ausgedehnt.
Auf jeden Fall möchte ich nochmal auf die Kausalkette hinweisen, allein das ein Gesetzgeber gewisse Handlungen unter Strafe stellt, werden sich über Kurz oder Lang die davon betroffenen 'Gesetznehmer' auch in anderen Punkten strafbar verhalten. In Punkten, welche sie NIE negiert hätten, wenn die Ausgangshandlung nicht strafbewährt wäre.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 17.06.2011 13:57 | nach oben springen

#20

RE: "Neue Cottbusser Zeitung" vom Januar 1963

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.06.2011 14:01
von Thunderhorse | 3.997 Beiträge

Zitat von 94
Ach TH, um was habe ich im von Dir zitierten Post gebeten, hä?

Nicht jetzt wieder die alte Aufrechnungsdiskussion ...

An wievielen Verhandlungen in denen der §213 zur Anklage stand hast du beigewohnt? Siehste!
Und besonders der Absatz 3 Punkt 3 'die Tat mit besonderer Intensität durchgeführt wird' wurde dort gerne strafverschärfend gummiartig ausgedehnt.
Auf jeden Fall möchte ich nochmal auf die Kausalkette hinweisen, allein das ein Gesetzgeber gewisse Handlungen unter Strafe stellt, werden sich über Kurz oder Lang die davon betroffenen 'Gesetznehmer' auch in anderen Punkten strafbar verhalten. In Punkten, welche sie NIE negiert hätten, wenn die Ausgangshandlung nicht strafbewährt wäre.



Nix Aufrechnung.
Selbst an der OHS wurde dies erkannt.

Gibste den § 213 StGB der DDR deutlich wieder und machste keine Pauschalumschläge.

Wenn dann die DDR-Gerichte daraus Gummi gemacht haben, tja!


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