#1

die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.06.2011 12:52
von turtle | 6.961 Beiträge

In der DDR gab es neben den Helfern der VP auch Helfer für die Abt.K1 der Kriminalpolizei, In einem anderen Forum habe ich dazu folgendes gefunden:

das K 1 , wird oftmals als der verlängerte Arm des MfS bezeichnet. Das ist vom Grundsatz her total daneben, denn das K 1 war kein Untersuchungsorgan, sondern ein Ermittlungs-rund Fahndungsorgan. Sie war auch nicht die politische Polizei der Kriminalpolizei, wie es so oft dargestellt wird. Es gab aber ein Zusammenwirken zwischen K 1 und MfS bei spezifischen Aufgaben.

Ich denke mit dem MfS haben auf einer bestimmten Ebene alles was mit der VP oder Kriminalpolizei zu tun hat zusammengearbeitet

Im Gegensatz zu den Helfern der VP haben die IM der Abt.K1 Nachteile wie ein offizieller Mitarbeiter des MfS. Ich glaube schon das für viele dieser Helfer die Abt. K1 die Stasi nicht das Gleiche war. Wie denkt ihr darüber? Ist ein IM der Abt.K1 und ein IM der Stasi gleich zu setzen? Wie wurde man überhaupt IM der Abt.K1 ? Wurde man angeworben, oder
Konnte man einfach hingehen und sich bewerben?

Wer kann über die Abt.K1 der Kriminalpolizei näheres sagen.


zuletzt bearbeitet 07.06.2011 16:03 | nach oben springen

#2

die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.06.2011 14:22
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

nach Rücksprache mit dem Beitragsersteller, wurde der Beitrag aus den "Wendeerlebnissen eines ABV" hier her verschoben.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
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#3

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.06.2011 20:33
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von turtle

Ich denke mit dem MfS haben auf einer bestimmten Ebene alles was mit der VP oder Kriminalpolizei zu tun hat zusammengearbeitet

Wurde man angeworben, oder Konnte man einfach hingehen und sich bewerben?

Wer kann über die Abt.K1 der Kriminalpolizei näheres sagen.



Na dann schustern wir mal eigenes und fremdes Gedankengut zusammen und gleich am Anfang möchte ich anmerken, dass es außer IKM (für Inoffizieller Kriminalpolizeilicher Mitarbeiter und nicht IMK wie die BStU immer schreibt) auch noch die KK (Kriminalpolizeilichen Kontaktpersonen) gab.

Zitat von ZAIG-NVA-Forum
Arbeitsgebiet I der Kriminalpolizei:
Aufgabe: Bekämpfung der Kriminalität mit speziellen Mittel und Methoden im operativen Stadium (kein Untersuchungsorgan)
Arbeitsrichtung I / 1: Bekämpfung von Angriffen gegen das sozialistische Eigentum und die Volkswirtschaft sowie von Angriffen gegen die allgemeine Sicherheit
Arbeitsrichtung I / 2: Bekämpfung von Angriffen gegen die DDR, gegen staatliche und öffentliche Ordnung, gegen die Persönlichkeit, die Jugend und Familie
Arbeitsrichtung I / 3: Gewährleistung der operativen Sicherung und Einhaltung der sozialistischen Gesetzlichkeit im Bereich der Tätigkeit von Vereinigungen, insbesondere kleiner Religionsgemeinschaften
Arbeitsrichtung I / 4: Bekämpfung von Straftaten, die von Strafgefangenen während des Strafvollzuges oder vor dem Strafvollzug begangen wurden
Kräfteverteilung: MdI Abteilung I der Hauptabteilung Kriminalpolizei, BdVP Dezernate I der Abteilungen Kriminalpolizei, Kommissariate bzw. Sachgebiete I der Volkspolizeikreisämter / Transportpolizeiämter

Der Leiter der Abteilung I der Hauptabteilung Kriminalpolizei im MdI, dessen Stellvertreter und die Leiter der Dezernate I der BdVP waren Grundsätzlich Offiziere im besonderen Einsatz des MfS. Ebenso die Leiter der Dienststellen I / U. Ansonsten war im Arbeitsgebiet I der Kriminalpolizei ein hoher Anteil an IM des MfS vorhanden.
Die Hauptaufgaben des AG I der Kriminalpolizei waren:
1. Vorbeugung und Verhinderung von bedeutenden Straftaten, insbesondere des ungesetzlichen Grenzübertritts, des unbefugten Waffen-, Sprengmittel- und Munitionsbesitzes und anderen Angriffen, welche die öffentliche Ordnung und Sicherheit durch schwerwiegende politische, ökonomische und ideelle Auswirkungen maßgeblich beeinträchtigen können.
2. Schwerpunktmäßige Erforschung und Bearbeitung der Latenzbereiche insbesondere zum Schutz des sozialistischen Eigentums, der Volkswirtschaft, von Angriffen gegen die allgemeine Sicherheit und die staatliche Ordnung sowie im grenzüberschreitenden Reise-, Transit- und Warenverkehr.
3. Personenkontrolle mit speziellen Mitteln und Methoden besonders gefährlicher Rechtsbrecher, Rückfalltäter und anderer kriminell und asozial gefährdeter Personen, zur rechtzeitigen Aufdeckung von Straftaten, ihrer Verhinderung oder Unterbrechung.
4. Aufdeckung und Verhinderung von Störungen in Vorbereitung und Durchführung von politischen und gesellschaftlichen Höhepunkten und Veranstaltungen.
5. Differenzierte Bearbeitung von Personengruppen in Religionsgemeinschaften und Vereinigungen, die diese Tätigkeit zur Organisierung und Durchführung krimineller und feindlicher Handlungen zu nutzen versuchen.
6. Gewährleistung einer hohen Sicherheit in den Strafvollzugseinrichtungen, insbesondere zur Aufdeckung und Verhinderung von Ausbrüchen, Entweichungen, Angriffen auf das Leben und die Gesundheit von Strafvollzugsangehörigen und anderen bedeutsamen Vorkommnissen.

Für die Durchführung der gestellten Aufgaben arbeitete das Arbeitsgebiet I der Kriminalpolizei mit IKM (Inoffiziellen kriminalpolizeilichen Mitarbeitern zusammen. Dabei gab es folgende Kategorien:
- IKMO Inoffizielle Kriminalpolizeiliche Mitarbeiter für operative Aufgaben,
- IKMS Inoffizielle Kriminalpolizeiliche Mitarbeiter zur Lösung von konspirativen Spezialaufgaben,
- IKMR Inoffizielle Kriminalpolizeiliche Mitarbeiter aus Kreisen der Rechtsbrecher, Asozialen, Rückfälligen und kriminell gefährdeten Personen bzw. mit festen Verbindungen zu diesen Personenkreisen,
- IKMA Inoffizielle Kriminalpolizeiliche Mitarbeiter mit besonderer Aufgabenstellung,
- LIKM Leitende Inoffizielle Kriminalpolizeiliche Mitarbeiter, die beauftragt sind, IKM und KK zu führen,
- TQ Inhaber von Treffquartieren u. a. Möglichkeiten, um die Konspiration der Zusammenarbeit zu sichern.

In der Dienstanweisung 1 / 74 des Ministers für Staatssicherheit legte dieser fest:
Die Funktionen der Leiter der Diensteinheiten des Arbeitsgebietes I der Kriminalpolizei im MdI, in den BdVP, dem PdVP Berlin, dem Gebietskommando der DVP (BS) Wismut, den Volkspolizeikreisämtern der Kategorie I und den Transportpolizeiämtern sind mit Offizieren im besonderem Einsatz zu besetzen. Die Leiter der Bezirksverwaltungen / Verwaltungen des MfS haben entsprechend der Lage und der Situation die Notwendigkeit des Einsatzes von weiteren Offizieren im besonderen Einsatz / Abwehr für Leitungsfunktionen, insbesondere in den Kommissariaten / Sachgebieten I der Kriminalpolizei, zu prüfen und zu gewährleisten. Die Zusammenarbeit mit den Offizieren im besonderen Einsatz hat unter Wahrung der Konspiration und Beachtung der dienstlichen Bestimmungen und Gepflogenheiten der DVP zu erfolgen.
In Leitungsfunktionen der Kommissariate / Sachgebiete I der Kriminalpolizei, in denen keine Offiziere im besonderen Einsatz zum Einsatz kommen, sind qualifizierte IM (Schlüsselpositionen) zu schaffen.
Durch IM und die im Arbeitsgebiet I der Kriminalpolizei eingesetzten Offiziere im besonderen Einsatz ist zu sichern, daß die zuständige Diensteinheit des MfS unverzüglich über alle die Sicherheit im Kaderbestand des Arbeitsgebietes I der Kriminalpolizei gefährdenden Erscheinungen informiert wird. Das bezieht sich insbesondere auf:
- Verletzungen der sozialistischen Gesetzlichkeit und der Geheimhaltungsbestimmungen,
- ernsthafte Verstöße gegen Befehle und Weisungen sowie die Disziplin und Ordnung,
- politisch - ideologische Aufweichungserscheinungen,
- Westverbindungen, persönlich - privater Umgang mit feindlich oder negativ eingestellten bzw. kriminell gefährdeten Personen.

Im Jahre 1989 waren im Arbeitsgebiet I der Kriminalpolizei auf allen Ebenen 459 Personen inoffiziell für das MfS tätig. Das sind rund 20% der Mitarbeiter des Arbeitsgebietes I der Kriminalpolizei.
Um einen Überblick zu geben, welche Positionen bei der Kriminalpolizei innerhalb der BdVP mit OibE des MfS besetzt wurden zwei Beispiele:
BdVP Gera:
Leiter der Abteilung Kriminalpolizei der BdVP = OibE "Kurt",
Leiter des Dezernates I der Abteilung Kriminalpolizei der BdVP = OibE "Klaus",
Leiter der Operativgruppe I / U der BdVP Gera,
Stv. Leiter der Operativgruppe I / U der BdVP Gera,
Leiter des Dezernates II der Abteilung Kriminalpoizei der BdVP Gera = OibE "Horst."

BdVP Dresden:
Leiter des Dezernates I der Abteilung Kriminalpoizei der BdVP Dresden,
Stv. Leiter des Dezernates I der Abteilung Kriminalpolizei der BdVP Dresden,
Leiter der Operativgruppe I / U der BdVP Dresden und zwei weitere Angehörige von I / U der BdVP Dresden
Leiter des Dezernates II der Abteilung Kriminalpolizei der BdVP Dresden,
Leiter der Arbeitsrichtung I der Kriminalpolizei im VPKA Dresden
Leiter Kommissariat I der Kriminalpolizei im Transportpolizeiamt Dresden.

Allerdings muß man dazu bemerken, dass sich diese OibE immer mehr als Polizisten sahen und weniger als Offiziere des MfS. Die OibE hatten faktisch eine Doppelfunktion als Kriminalist der Volkspolizei und neben dieser Tätigkeit noch als Mitarbeiter des MfS.



IKM aller Gruppierungen standen der K I ca. 14000 zur Verfügung. Zur Werbung läßt sich sagen, dass IKM, aufgrund einer RL des MdI, nur nach Abstimmung mit dem MfS geworben werden durften. Dafür wurden durch das MfS im Vorfeld die nötigen Überprüfungshandlungen des Kandidaten durchführt und dieser aufgeklärt, die Akte wurde dann beim MfS abgelegt und der IKM entsprechend im Speicher erfasst.

Die Potenzen des Arbeitsgebiets I der K wurde wurden im Rahmen des POZW regelmäßig durch Linie VII des MfS genutzt, was jedoch nicht zwangsläufig bedeutete, dass die betreffenden MA der K oder gar die IKM davon Kenntnis hatten. Weiterhin waren in der Regel die KA u. KM der K I, und somit die dortigen Verfahren, bekannt. Dadurch ließen sich bei Bedarf die Verfahren schnell übernehmen.

Eine Sonderrolle nahmen sicher die IKMR ein, die teilweise ähnliche Aufgaben wie unsere ZI zu realisieren hatten und mehr fällt mir jetzt auch schon gar nicht mehr ein. Merkur kann sicher noch das eine oder andere Detail ergänzen.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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zuletzt bearbeitet 07.06.2011 20:39 | nach oben springen

#4

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.06.2011 21:01
von Major Tom | 851 Beiträge

Als ich damals festgenommen wurde erzählte mir der Polizist auf der Wache Dinge über mich, die mich hellhörig machten. Auf meine Nachfrage woher er wüsste wo ich mich in der betreffenden Zeit aufgehalten habe kam "wir könnten ihnen auch sagen wann sie das letzte mal Masern hatten" Das sollte wohl heissen dass selbst die normalen Polizeiwachen einen direkten Draht zum MfS hatten.


Man sollte den Kopf nicht hängen lassen wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.
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#5

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.06.2011 21:04
von S51 | 3.733 Beiträge

Die Ablage der Daten im Speicher bzw. in den Dateien des MfS ist bzw. war eine der Hauptursachen für die Probleme, welche die MA der K I heute haben.
Es ist natürlich richtig, dass sie mit dem MfS zusammen gearbeitet haben. Wer hat dies eigentlich ncht? Das war doch eigentlich das Normalste der damaligen Welt. Ganz anders, als heutzutage so gerne behauptet. Aber sie waren eben doch eine Komponente der Kriminalpolizei mit einem Hauptaugenmerk auf die polizeiliche Seite. Wir von der K III haben sehr oft über die Kollegen von der K I relevante Informationen über Einbrecher, Hehler und Gruppenstraftäter (Schläger, die in der Gruppe austicken hauptsächlich) bekommen. Nicht unwesentlich auch waren Zugriffe, die der Dauerdienst am Wochenende durchgeführt hat, von der K I mit vorbereitet. So manche Hehlerbude konnten wir nach Informationen der K I ausheben.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#6

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.06.2011 21:09
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Und Du hast dem geglaubt das die mal so eben Zugriff auf die Speicher des MfS hätten? Nette Antwort um Dich beeindrucken, mehr nicht.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#7

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.06.2011 21:10
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Major Tom
Als ich damals festgenommen wurde erzählte mir der Polizist auf der Wache Dinge über mich, die mich hellhörig machten. ...



Na ja, das ist andererseits jedoch schon immer und immer noch ganz normale Vernehmungstaktik. Einen Teil weiß man, einen Teil reimt man sich aus dem zusammen, was beim Vernommenen erkennbar ist und ein paar "blaue Schüsse" (Vermutungen) sind immer auch dabei. Funktioniert immer und kann den zu Vernehmenden zutiefst verunsichern.
Die K I war mit persönlichen Informationen uns gegenüber immer äußerst sparsam, soweit sie mit dem Tatablauf nichts zu tun hatten.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#8

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.06.2011 22:29
von Major Tom | 851 Beiträge

Zitat von Feliks D.
Und Du hast dem geglaubt das die mal so eben Zugriff auf die Speicher des MfS hätten? Nette Antwort um Dich beeindrucken, mehr nicht.




Mir wurde in der Vernehmung direkt nach der Festnahme auf einem Polizeirevier von einem Polizisten erzählt wo und bei wem ich in einer bestimmten Zeit wohnte. Die wussten so ziemlich genau Bescheid über die letzten Wochen vor meinem Fluchtversuch. Ich vermute da wurde beim MfS nachgefragt welchen "Gast" man da auf der Wache hat.


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#9

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.06.2011 22:46
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Ich kenne Deinen Fall nicht, halte dies aber so ziemlich für Ausgeschlossen. Das mit dem Wohnen zu einer bestimmten Zeit ist eher Ermittlungshandlungen bzw. dem örtlichen ABV zuzuschreiben. Wenn es Speicherabfragen gab dann nur vom MfS beim MdI (PDB) oder anderen staatlichen Stellen, nicht andersrum!


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#10

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.06.2011 22:50
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Major Tom
... Ich vermute da wurde beim MfS nachgefragt welchen "Gast" man da auf der Wache hat.



Nun, so einfach war das nicht.
Ich vermute mal, du wurdest bereits als Verdächtiger/Beschuldigter vernommen. Da hat es vorher Befragungen beim ABV gegeben und der hat entweder selbst die Nachbarn befragt, die Hausbücher eingesehen oder Helfer befragt. Möglich ist auch, dass vor der Vernehmung eine Anfrage bei der K I gestellt wurde. Dann müsste zwischen Anfrage und Vernehmung aber mindestens ein Werktag gelegen haben, weil es selbst in Berlin eben so lange gedauert hat.
Damit der Beschuldigte so etwas nicht mitbekam, wurde meist gar nicht nach ihm sondern nach dritten Personen gefragt und er kam dann so als Randerscheinung in mehreren Vernehmungsbögen vor. Das lieferte dann auch die Randinformationen, die dich so verblüfft haben.
Das MfS hat zwar Informationen von uns angefordert aber eher keine oder nur selten welche geliefert. Deshalb ja die K I. Wenn ein Sachverhalt in deren Zuständigkeit fiel, haben sie mit ihren Informationen "übernommen" und wir waren den Vorgang los. Komplett.
Bei besonders öffentlichkeitswirksamen Straftaten gab es parallele Ermittlungen und dann wurde begrenzt (die Quellen wurden uns meist nicht weiter gegeben) auch zusammen ausgewertet. Republikflucht aber gehörte nicht in diesem Rahmen. Eher vermisste Kinder, besonders brutale Tötungsdelikte, Sexualdelikte in der Öffentlichkeit, besonders schwere Eigentumsdelikte. Insgesamt also eher nicht der Rahmen für die K III außer im Dauerdienst außerhalb der normalen Dienstzeit. In diesen Bereichen (die oben genannten Deliktbereiche) haben K I und MfS auch zusammen gearbeitet. Außerdem allerdings auch bei Straftaten gegen die staatliche Ordnung. Nicht unwesentlich deshalb, weil so mancher Bürgerrechtler auch strafrechtliche Probleme und nicht nur mit der Politik des Staates hatte. Diese Zusammenarbeit wird der K I heute ganz wesentlich zum Vorwurf gemacht.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


zuletzt bearbeitet 07.06.2011 22:56 | nach oben springen

#11

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.06.2011 23:10
von Manfred B. (gelöscht)
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Zitat von Major Tom

Zitat von Feliks D.
Und Du hast dem geglaubt das die mal so eben Zugriff auf die Speicher des MfS hätten? Nette Antwort um Dich beeindrucken, mehr nicht.




Mir wurde in der Vernehmung direkt nach der Festnahme auf einem Polizeirevier von einem Polizisten erzählt wo und bei wem ich in einer bestimmten Zeit wohnte. Die wussten so ziemlich genau Bescheid über die letzten Wochen vor meinem Fluchtversuch. Ich vermute da wurde beim MfS nachgefragt welchen "Gast" man da auf der Wache hat.




Major Tom, die Herren bei Deiner ersten Vernehmung waren bestimmt in Uniform der damaligen Volkspolizei. Es gab auch Vernehmer in Zivil und die waren mit Sicherheit vom MFS. Rein logisch gedacht, das die Herren vom MFS im Hintergrund agierten um an ihr "Ergebniss" zu kommen. Ich kann nicht glauben das die VP so einen Aufwand betreibt um einen ans Messer des MFS zu liefern. Andersrum müßte es auch in Deiner Akte vom BstU stehen.
In meiner Akte, die leider etwas an Zeit gebraucht hat bis diese vollkommen war, stand trotz der "schnellen Vernichtung" vom MFS, alles genau beschrieben. Wahrscheinlich waren einige MA schnell, aber nicht so schnell, dass sie vergassen daß, ihre angelegten Unterlagen / Akten von mir auch in Berlin gespeichert waren.
Fraglich ist doch auch, warum man so viele "Berichte" vernichten musste oder wollte. Wenn alles nicht sooooo schlimm war, dann müssten doch alle Akten da sein, oder?!

Übrigens hatten sich bestimmte Herren vom MFS als Kripo ausgegeben. Die Mittel standen denen ja reichlich zu Verfügung. Die gewissen Herren werden sich jetzt bestimmt in Schweigen halten.

Kurz gesagt, ein Theater hat auch genug Kostüme.


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#12

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.06.2011 23:11
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Hallo S51 schön wenn sich die Berichte aus beiden Organen im Gehalt ergänzen und bestätigen (Speicherabfrage, Vernehmungstaktik, Verfahrensübernahme etc.)! Es freut mich auch mal Beiträge mit Sachverstand und Hintergrundwissen in diesem Teilbereich zu lesen, meistens ist es ja leider anders. Man spürt bei Deinen Beiträgen Du hast dieses Wissen auch selbst erfahren und nicht irgendwo gehört oder eine Doku gesehen.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 07.06.2011 23:17 | nach oben springen

#13

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.06.2011 23:26
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Manfred B.
...
Übrigens hatten sich bestimmte Herren vom MFS als Kripo ausgegeben. Die Mittel standen denen ja reichlich zu Verfügung. Die gewissen Herren werden sich jetzt bestimmt in Schweigen halten.

Kurz gesagt, ein Theater hat auch genug Kostüme.



Das war zumindest ab dem Punkt, wo die jeweilige BV (Bezirksverwaltung MfS) den Vorgang übernommen hat, gegenüber dem Beschuldigten die Regel. Jedoch immer nur am Anfang und ab dem Beginn dieser Vernehmung hatte die Polizei damit auch nichts mehr zu tun. Gar nicht selten ist es dann so, dass in den BSTU-Akten zwar der beim MfS geführte Vorgang existiert, die Polizeiakten jedoch nicht. Einfach deshalb, weil dann die Informationen des MfS für sie aktueller und besser als die unseren waren. Weshalb sie quasi als Ballast allenfalls am Rande und bruchstückweise bestehen blieben. Da sie nach einiger Zeit automatisch vernichtet wurden und werden, bleibt auch immer weniger übrig.
Der Begriff "Theater" trifft es nicht. Denn es war durchaus eine enge Zusammenarbeit, von der beide Seiten gewusst haben und sie so auch wollten. Das diente schließlich dem Schutz des Staates, den beide "Organe", Polizei wie MfS verteidigten.
Der Angreifer war eben nach unserer Lesart der Straftäter in spe oder, wie es heute heißt, das polizeiliche Gegenüber. Der aber war keineswegs so ahnungslos, wie es heute bequemerweise oft dargestellt wird. Der modus operandi war schon allen Beteiligten prinzipiell klar.
Dass der jeweils Beschuldigte da so lange wie möglich über die Details im Unklaren gelassen wurde, war wiederum Ermittlungstaktik. Denn wer "weiß", ist im Vorteil.
Heutzutage auch.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#14

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.06.2011 23:36
von Manfred B. (gelöscht)
avatar

Zitat von Feliks D.
Hallo S51 schön wenn sich die Berichte aus beiden Organen im Gehalt ergänzen und bestätigen (Speicherabfrage, Vernehmungstaktik, Verfahrensübernahme etc.)! Es freut mich auch mal Beiträge mit Sachverstand und Hintergrundwissen in diesem Teilbereich zu lesen, meistens ist es ja leider anders. Man spürt bei Deinen Beiträgen Du hast dieses Wissen auch selbst erfahren und nicht irgendwo gehört oder eine Doku gesehen.




Hallo Feliks, Du bist bestimmt ein netter Mensch, aber für mich gibst Du hier ein sehr merkwürdiges Abbild ab. Ich weiß auch nicht was Du beim MFS gemacht hast. Für mich ist einfach unlogisch an was Du festhälst. Ist es das Du keinen traust? Du rückst auch mit nichts raus... mal ehrlich, davon wird es auch nicht besser.


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#15

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.06.2011 23:38
von Major Tom | 851 Beiträge

Zitat von S51
[quote="Major Tom"]Nun, so einfach war das nicht.
Ich vermute mal, du wurdest bereits als Verdächtiger/Beschuldigter vernommen. Da hat es vorher Befragungen beim ABV gegeben und der hat entweder selbst die Nachbarn befragt, die Hausbücher eingesehen oder Helfer befragt. Möglich ist auch, dass vor der Vernehmung eine Anfrage bei der K I gestellt wurde. Dann müsste zwischen Anfrage und Vernehmung aber mindestens ein Werktag gelegen haben, weil es selbst in Berlin eben so lange gedauert hat.




Ich wurde nach meiner Festnahme auf ein Polizeirevier gebracht, dort vernommen und anschliessend der UHA Halberstadt übergeben. Und eben in der Vernehmung im Revier fielen diese Fragen welche mich zum Grübeln brachten. Es ist natürlich gut möglich dass im Vorfeld schon gegen mich ermittelt wurde, man musste ja damals nur 1+1 zusammenzählen um zu wissen was ich vorhatte und ich war in meinem Vorhaben recht naiv. Arbeitstelle gekündigt, im grenznahen Gebiet in Wismar kontrolliert worden, wahrscheinlich mehrmals im Grenzgebiet Babelsberg beobachtet worden (ich fand einmal meinen Trabbi nach einem Spaziergang im Grenzgebiet geöffnet vor) und ich sowie die komplette Famile hatte einen Ausreiseantrag.


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zuletzt bearbeitet 07.06.2011 23:39 | nach oben springen

#16

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.06.2011 23:40
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Manfred B.
...die Herren bei Deiner ersten Vernehmung waren bestimmt in Uniform der damaligen Volkspolizei. Es gab auch Vernehmer in Zivil und die waren mit Sicherheit vom MFS...



Bitte nicht so plakativ.
Uniform = Schutzpolizist oder ABV, jedoch immer Polizei.
Zivil = Kripo (Polizei) oder eben auch MfS. Ersterer konnte ein Sachbearbeiter des Fachkommissariats sein oder außerhalb der normalen Dienstzeit auch jemand, der einfach Dauerdienst hatte. Dann meist von der K III, die wurden gerne dafür eingesetzt. Weil der meiste Anfall so einer Schicht eben aus dem Bereich der Alltagskriminalität kam und man seine Pappenheimer meist schon ganz gut kannte. Wenn er vom MfS war, dann gehörte er meist zu den Ermittlern der Bezirksverwaltung und dort lief das mit dem Dauerdienst wohl ganz ähnlich ab wie bei uns.


GK Nord, GR 20, 7. GK
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#17

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.06.2011 23:47
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Major Tom
...(ich fand einmal meinen Trabbi nach einem Spaziergang im Grenzgebiet geöffnet vor...



Solche Spielchen haben wir als GAK im Grenzgebiet mit fremden Pkw auch drauf gehabt. Mal nachsehen, ob da nicht einer...
Von dem wahrscheinlichsten Grund, dass du nur jemanden gestört hast, der dein Eigentum bereits als erledigt und umlagerungswürdig ansah. Auf gut deutsch, da wollte dich jemand beklauen und du warst einfach zu früh wieder da.
Manchmal sind die einfachen Dinge wahrscheinlicher. Ich habe früher auch immer geglaubt, praktisch an 365 Tagen mindestens doppelt und dreifach unter Beobachtung zu stehen. Alles Quatsch, das hat niemanden meist auch nur die Spur interessiert.
Ermittlungsergebnisse wurden wie weiter oben geschrieben tatsächlich eben meist doch nur ganz klassisch beschafft.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#18

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 08.06.2011 00:39
von turtle | 6.961 Beiträge

Interessantes gefunden im Flucht und Ausreise Diskussionsforum. Stasi-Überprüfung Abgeordneter verfassungsgemäß.htm

ddp, 1.7.2009

LINKE-POLITIKERIN LEUKEFELD WIEDER PARLAMENTSWÜRDIG

Weimar (ddp-lth). Die Linke-Abgeordnete Ina LEUKEFELD gilt trotz ihrer Spitzel-Vergangenheit nicht mehr als «parlamentsunwürdig».

Das Thüringer Verfassungsgericht gab am Mittwoch einer Klage der Politikerin gegen den Landtag statt, der sie vor drei Jahren wegen ihrer früheren Tätigkeit für die der Stasi nahestehenden Polizeiabteilung K1 entsprechend eingestuft hatte. Die DDR-Kriminalpolizei sei jedoch nicht mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) gleichzusetzen. Es fehle die gesetzliche Grundlage dafür, einen Abgeordneten wegen einer früheren Verstrickung mit der Polizeiabteilung K1 als parlamentsunwürdig zu bezeichnen, urteilten die Richter. Als IM «Sonja» hatte LEUKEFELD von von 1985 an anderthalb Jahre lang im beruflichen Zusammenhang Bericht über Personen in ihrem Umfeld erstattet. Zwar hatte sie dafür eine Verpflichtungserklärung unterschrieben, die Nähe der Polizeiabteilung K1 zur Staatssicherheit habe sie aber nicht gekannt, beteuerte LEUKEFELD. Sie wehrte sich gegen eine Gleichsetzung von DDR-Kriminalpolizei und Stasi.


Ein Bekannter von mir hatte nach der Haftzeit( versuchte R.Flucht) aus Angst vor Repressalien bei der K1 unterschrieben. Ihm wurde die Haftentschädigung deswegen verweigert.
Gibt es hier zweierlei Maß?
Danke Feliks und S51 für Eure Infos


zuletzt bearbeitet 08.06.2011 00:41 | nach oben springen

#19

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 08.06.2011 01:29
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von turtle
.. aus Angst vor Repressalien bei der K1 unterschrieben. Ihm wurde die Haftentschädigung deswegen verweigert.
Gibt es hier zweierlei Maß?
...



Ja, jedoch spielt da die Zeit eine ganz wesentliche Rolle. Heute sehen auch die Gerichte die Dinge öfter etwas sachlicher. Soll heißen, ob ihm heute die Entschädigung auch noch verweigert würde, ist nicht sicher. Allerdings ist Justizia sehr behäbig.
Und bitte, ehe ich deswegen medial gelyncht werde. Es gab gar nicht so wenige Informanten bei der K I, die tatsächlich aus Angst vor Repressalien unterschrieben haben. Anders, als beim MfS war der Hauptaugenmerk eben nicht so sehr die Mitarbeit beim Schutz der Gesellschaft (egal, wie vorgeschoben dies als Argument sein mag, es war eben doch der Hauptgrund) sondern oft die Beschaffung von Informationen aus der kriminellen Szene. Mit allen Begleiterscheinungen wie auch dem damit verbundenen Risiko. Wer in den Ruf kam, für die K zu arbeiten, hatte mitunter eine recht kurze Halbwertzeit. Mancher schützte sich mit der Tätigkeit für die K I, so paradox das klingen mag, vor dem Gerücht eben dies zu tun. Das waren oft die besten Leute.
Viele arbeiteten für die K als Informanten, nicht nur bei der K I, weil sie das Leid der durch kriminelle Handlungen Geschädigten mehrfach pur erlebt hatten und so eine Möglichkeit sahen, Geschädigten zu ihrem Recht zu verhelfen. Das halte ich für durchaus ehrenwert. So mancher und manche sahen dies sogar als eine Möglichkeit, Täter in spe vor einem erneuten Abrutschen zu bewahren. Täter, die auf diese Leute selbst nie gehört hätten, mit den Informationen aber gebremst wurden. Das mag sich naiv lesen, war aber so.
Bitte, wir sprechen hier von einem Millieu das vor allem vor einem keine Achtung kennt, dem Recht der Wehrlosen.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#20

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 08.06.2011 07:31
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Also die Tätigkeit (MfS oder K) an sich ist kein Ausschlussgrund, allein deshalb wird man sie ihm nicht versagt haben. Es kommt ganz bedeutend auf den Umfang der nun folgenden Zusammenarbeit und den Inhalt der Berichte an, diese müssen schon erheblich gegen die Grundsätze der Menschlichkeit und Rechtsstaatlichkeit verstoßen haben. Waren diese geeignet andere einer "ungerechtfertigten" Verfolgung auszusetzen sieht's eher schlecht aus. War er bei Werbung in Haft sieht es als Zwangslage wieder besser aus, war er nach der Haft auch noch sehr aktiv wieder schlehter. Ging es in seinen Berichten um Kriminelle der allg. Kriminalität oder um "politische" usw... So zumindest die heute Rechtsauslegung und dazu gibt es bereits einschlägige Urteile. Was und in welchem Umfang er berichtet hat muss dein Freund ja selbst am besten wissen.

Sieht er für sich gute Chancen dann einfach nochmal probieren und Klage einreichen, das Gericht prüft dann schon sehr genau.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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