#21

RE: "Unsre Heimat"

in DDR Zeiten 02.06.2011 00:48
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Feliks,
Aus Deinen Zeilen ist zu entnehmen das da viel Frust dabei ist. Deine Heimat war die DDR Diese DDR die Dir so viele Werte vermittelt hat! Nun fühlst Du Dich nicht mehr wohl in diesem Deutschland. Du schreibst :

Seitdem fühle ich mich in diesem Land nicht mehr heimisch und werde mich auch davor hüten irgendetwas als meine 2. Heimat zu bezeichnen, was den Werten und Vorstellungen meiner Heimat nicht im geringsten ähnelt. Aus dieser Grundlage resultiert sicher zu großen Teilen auch die Ablehnung für dieses System.
Die Werte Deiner Heimat habe ich allerdings etwas anders in meiner Erinnerung. Hätte ich da so offen wie Du geschrieben das ich das System ablehne hätte ich bestimmt Besuch von Deinen Genossen gehabt! Glaube mir ich bin auch über einiges enttäuscht was seit der Einheit abgelaufen ist. Es gab zu viele Verlierer. Alles in der DDR kann doch nicht so gut gewesen sein sonst müsste es sie noch geben. Wenn sich Menschen wohl fühlen möchten sie das es so bleibt. Zumindest zur Wende Zeit hat sich die Mehrheit der Bürger in der DDR nicht wohl gefühlt! Dir war doch lange bekannt was in der Bevölkerung so gedacht wird. Gerade das MfS hatte immer beste Informationen. Nun mache ich Dir sogar einen Vorwurf mit. Wieso ward ihr nicht in der Lage beizeiten Änderungen zu bewirken damit der Sozialismus liebenswerter wird?
Ja sicher hätte es Mut erfordert ,denn es wäre nur durch einen Putsch möglich gewesen. Kadavergehorsam gegenüber der Partei hat es verhindert! Ach ja Euer Eid hatte Euch auch gebunden. So habt ihr mit zugesehen wie die Karre immer mehr in den Abgrund rollt. Ich erinnere mich an den Anfang der Montagsdemos da wollten viele nur eine bessere DDR. Da war es aber bereits zu spät für Änderungen und Kohl und Co hatte längst ihre Chance erkannt. Das die Sowjetunion zu dieser Zeit krankte kam natürlich gerade recht. Heute trauerst Du Deiner Heimat DDR nach das es sie nicht mehr gibt. Wie viel Mitschuld hast auch Du? Deine Genossen? Wie viel Mitschuld haben
Unrechtsgesetze? Sicherlich hatte der Sozialismus gerade nach 1945 eine Chance verdient eine bessere Gesellschaft aufzubauen. Nur wie wurde das getan?
Letztendlich habt ihr vom MfS genauso wie Politbüro, die SED und alle die nicht den Mut für Veränderungen aufbrachten mit dafür gesorgt das es Deine Heimat nicht mehr gibt. Als das Volk den Mut für Veränderungen aufbrachte hattet ihr verspielt. Wie sagte da jemand von dem der zu spät kommt…………. Nicht alles an Werten wie auch sie mir besonders als Kind in der DDR vermittelt wurden war schlecht. Als ich reifer wurde und immer mehr feststellen musste was mir nicht gefiel ,wollte ich das Land verlassen. Nein ohne Hass ,ich wollte nur anders Leben. Da habe ich dann die anderen Werte der DDR kennen gelernt!

Bei dem Wort Heimat muss ich auch an die vielen Vertriebenen denken die ihre Heimat durch den Krieg verloren hatten. Aber auch an jene welchen in der DDR ihre Heimat durch die Aktion Ungeziefer und Kornblume verlassen mussten!


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#22

RE: "Unsre Heimat"

in DDR Zeiten 02.06.2011 01:01
von S51 | 3.733 Beiträge

Heimat?
Das hat für mich nichts mit Politik zu tun, nichts mit Gesellschaftsordnungen. Das ist für mich ein schwer zu beschreibendes Gefühl, wenn man auswärts die deutsche Sprache hört. So eine Art Zuhausegefühl, wenn ich von auswärts kommend die Grenze überquere. Wenn ich mal eben wieder das sächsische Wappen neben mir vorbeiflitzen sehe und noch stärker, wenn ich die Silhouette der Region vor mir sehe, wo ich aufgewachsen bin und meine Wurzeln habe. Der vertraute Anblick von Haus und Wald. Dieses Gefühl ist nicht zu beschreiben, daher verstehe ich durchaus meine Eltern oder Großeltern, die seinerzeit als Vertriebene hierher kamen. Doch deren Heimat ist nicht die Meine. Für meine Lütte ist das ungleich komplizierter. Sie sagt immer, sie hat eigentlich zwei Heimaten. Berlin ebenso wie Sachsen und insgesamt eben in Dunkeldeutschland.
Wer da gerade mal wieder was zu sagen hat oder nicht, ist mir diesbezüglich egal. Das sehe ich sowieso pragmatisch oder einfacher eben so, wie ich es gebrauchen kann.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#23

RE: "Unsre Heimat"

in DDR Zeiten 02.06.2011 08:27
von sortca52 (gelöscht)
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Heimat ?????? Was ist für einen Menschen die Heimat ? Ich denke da haben von 100 Leuten die man fragt min. 99 eine andere Vorstellung. Der eine bezeichnet ein ganzes Land als seine Heimat, der andere eine Region von wenigen km².
Bei mir ist´s so das ich als meine "Urheimat" die Region gleich westlich der Mauer bezeichne, heute Teil des Landkreises Havelland. Dort bin ich aufgewachsen, zur Schule gegangen, Beruf gelernt usw. mit allem was ein Heranwachsender so erlebt. In einem kleinen Nest mit damals um die 5000 Einwohnern. Dafür aber in der unmittelbaren Umgebung ca. 50.000 Angehörige der GSSD. Was auch irgendwie mit geprägt hat. Ich konnte z.B. eher russisch sprechen als deutsch schreiben, aber das ist ´ne andere Geschichte.
Ich bin heute noch hin und wieder in dieser Gegend und es befällt mich jedesmal wieder dieses komische Gefühl wenn ich aus Potsdam raus fahre Richtung Falkensee. Da signalisiert dann jedesmal das Herz wieder das ich zu Hause bin.
Seit fast 30 Jahren ist mir aber das Erzgebirge zur Heimat geworden, hier lebe ich und das ist nun meine Heimat und die ist mir inzwischen min. genau so lieb und teuer wie meine "Urheimat".
Ich hätte nach ´89 mehrmals die Gelegenheit gehabt nochmal zu wechseln und entweder in meine "Urheimat" zurück zu gehen oder in die "alten" Bundesländer und dadurch wesentlich mehr Geld zu verdienen als ich´s jetzt tue. Aber warum??? Ich fühle mich wohl im ERZ und dieses Gefühl kann man nicht mit ein paar Euros mehr ersetzen. Also bin ich geblieben wo ich war.
Bliebe noch die Frage nach dem Heimat- oder Vaterland. Das ist und bleibt Deutschland. Ich war, bin und bleibe Deutscher und dabei ist´s mir so ziemlich schnuppe welches Parteibuch gerade angesagt ist um in der Regierung zu sitzen. Das kann sich in der heutigen Zeit so schnell ändern das man dauernd wechseln müßte.
Es war nicht alles gut in der DDR, es war aber auch nicht alles schlecht. Heute ist auch lange nicht alles schlecht, es ist aber auch nicht alles gut. Im Endeffekt zählt doch das was jeder persönlich für sich aus seinem eigenen Leben macht.

Aber mal noch etwas OT :
Warum eigentlich tritt hier immer wieder der Effekt ein das sich einige Leute, kurz nachdem ein Thema eröffnet wurde, anfangen gegenseitig zu "zerfleischen" ??????? Kann mir das mal einer erklären, evtl. in ´nem neuen Thema ??


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#24

RE: "Unsre Heimat"

in DDR Zeiten 02.06.2011 15:14
von Polter (gelöscht)
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Für mich ist das Wort Heimat positiv belegt. Sicher für viele andere Menschen auch. Es sind Gefühle angesprochen. Schöne Ge-
fühle. Gefühle und damit der Begriff Heimat sind leicht zu manipulieren. Heimatstadt, Heimatland klingt harmlos. " Heim ins Reich "
nicht. Weitere Beispiele sind in der Heimatgeschichte reichlich vorhanden.
Bei der Themeneröffnung wurde ein harmloses Liedchen eingespielt und in Verbindung mit bewaffneten Schutz gebracht. Ich hab von Waffen nichts gehört. Ist nicht eher Naturschutz, Tierschutz, Umweltschutz, Verbraucherschutz, Denkmalschutz u.a.m. gemeint? Oder die
Heimatschutzbehörde der USA?
Die andere Frage: Kann Heimat eigentlich einen Volk gehören? Als der Herr die Menschen seinerzeit geschaffen hatte, waren die ersten beiden Menschlein im Paradies. Es gehörte ihnen auch nicht. Sie teilten es mit Tieren und Pflanzen. Und wie es der Teufel wollte, erfolgte auch der Auszug. Die Frage zielt auf den Be-
sitz ab. Wer hat Besitz geschaffen? Besitz entsteht durch Aneignung. Aneignen erfolgt durch den Stärkeren , seltener durch den Schöneren. Die Methoden der Aneignung
sind hinlänglich bekannt, Mord, Totschlag, Eheschließung, Kriege, Kauf- und Verkauf, Erpressung usw. Heute können durch die Börse schnell ganze Völker enteignet werden. Es kursierten doch die Vorstellungen, daß die Griechen ein paar Inseln - Heimat - verkaufen sollten.


zuletzt bearbeitet 02.06.2011 15:16 | nach oben springen

#25

RE: "Unsre Heimat"

in DDR Zeiten 02.06.2011 16:11
von Büdinger | 1.504 Beiträge

... es kommt immer wieder mal bei mir hoch:

http://www.youtube.com/watch?v=tOcNDruYaso&feature=related

Tschüß


.

Ich finde Menschen faszinierend, die meinen mich zu kennen.
Manchmal drängt es mich sie zu fragen, ob sie mir ein bisschen was über mich erzählen können ...

Ich übernehme die Verantwortung für alles, was ich sage, aber niemals für das, was andere verstehen!

.
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#26

RE: "Unsre Heimat"

in DDR Zeiten 14.06.2011 13:41
von Harsberg | 3.248 Beiträge

Zitat von sortca52
Heimat ?????? Was ist für einen Menschen die Heimat ? Ich denke da haben von 100 Leuten die man fragt min. 99 eine andere Vorstellung. Der eine bezeichnet ein ganzes Land als seine Heimat, der andere eine Region von wenigen km².
Bei mir ist´s so das ich als meine "Urheimat" die Region gleich westlich der Mauer bezeichne, heute Teil des Landkreises Havelland. Dort bin ich aufgewachsen, zur Schule gegangen, Beruf gelernt usw. mit allem was ein Heranwachsender so erlebt. In einem kleinen Nest mit damals um die 5000 Einwohnern. Dafür aber in der unmittelbaren Umgebung ca. 50.000 Angehörige der GSSD. Was auch irgendwie mit geprägt hat. Ich konnte z.B. eher russisch sprechen als deutsch schreiben, aber das ist ´ne andere Geschichte.
Ich bin heute noch hin und wieder in dieser Gegend und es befällt mich jedesmal wieder dieses komische Gefühl wenn ich aus Potsdam raus fahre Richtung Falkensee. Da signalisiert dann jedesmal das Herz wieder das ich zu Hause bin.
Seit fast 30 Jahren ist mir aber das Erzgebirge zur Heimat geworden, hier lebe ich und das ist nun meine Heimat und die ist mir inzwischen min. genau so lieb und teuer wie meine "Urheimat".
Ich hätte nach ´89 mehrmals die Gelegenheit gehabt nochmal zu wechseln und entweder in meine "Urheimat" zurück zu gehen oder in die "alten" Bundesländer und dadurch wesentlich mehr Geld zu verdienen als ich´s jetzt tue. Aber warum??? Ich fühle mich wohl im ERZ und dieses Gefühl kann man nicht mit ein paar Euros mehr ersetzen. Also bin ich geblieben wo ich war.
Bliebe noch die Frage nach dem Heimat- oder Vaterland. Das ist und bleibt Deutschland. Ich war, bin und bleibe Deutscher und dabei ist´s mir so ziemlich schnuppe welches Parteibuch gerade angesagt ist um in der Regierung zu sitzen. Das kann sich in der heutigen Zeit so schnell ändern das man dauernd wechseln müßte.
Es war nicht alles gut in der DDR, es war aber auch nicht alles schlecht. Heute ist auch lange nicht alles schlecht, es ist aber auch nicht alles gut. Im Endeffekt zählt doch das was jeder persönlich für sich aus seinem eigenen Leben macht.

Aber mal noch etwas OT :
Warum eigentlich tritt hier immer wieder der Effekt ein das sich einige Leute, kurz nachdem ein Thema eröffnet wurde, anfangen gegenseitig zu "zerfleischen" ??????? Kann mir das mal einer erklären, evtl. in ´nem neuen Thema ??



Das sind die vielen unterschiedlichen Militärangehörigen, jeder weiß es besser


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
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#27

RE: "Unsre Heimat"

in DDR Zeiten 23.06.2011 17:04
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Polter
Für mich ist das Wort Heimat positiv belegt. Sicher für viele andere Menschen auch. Es sind Gefühle angesprochen. Schöne Ge-
fühle. Gefühle und damit der Begriff Heimat sind leicht zu manipulieren. Heimatstadt, Heimatland klingt harmlos. " Heim ins Reich "
nicht. Weitere Beispiele sind in der Heimatgeschichte reichlich vorhanden.
Bei der Themeneröffnung wurde ein harmloses Liedchen eingespielt und in Verbindung mit bewaffneten Schutz gebracht. Ich hab von Waffen nichts gehört. Ist nicht eher Naturschutz, Tierschutz, Umweltschutz, Verbraucherschutz, Denkmalschutz u.a.m. gemeint? Oder die
Heimatschutzbehörde der USA?
Die andere Frage: Kann Heimat eigentlich einen Volk gehören? Als der Herr die Menschen seinerzeit geschaffen hatte, waren die ersten beiden Menschlein im Paradies. Es gehörte ihnen auch nicht. Sie teilten es mit Tieren und Pflanzen. Und wie es der Teufel wollte, erfolgte auch der Auszug. Die Frage zielt auf den Be-
sitz ab. Wer hat Besitz geschaffen? Besitz entsteht durch Aneignung. Aneignen erfolgt durch den Stärkeren , seltener durch den Schöneren. Die Methoden der Aneignung
sind hinlänglich bekannt, Mord, Totschlag, Eheschließung, Kriege, Kauf- und Verkauf, Erpressung usw. Heute können durch die Börse schnell ganze Völker enteignet werden. Es kursierten doch die Vorstellungen, daß die Griechen ein paar Inseln - Heimat - verkaufen sollten.



Das Stichwort mit den Pflanzen läßt sich meines Erachtens recht gut mit dem Begriff Heimat in Zusammenhang bringen.
So gibt es Pflanzen, die schnell Wurzeln schlagen, überall wachsen, sich schnell und unkompliziert vermehren, und solche, die nur an ganz bestimmten Standort gedeihen können, z.B. auf Salzwiesen und im Mittelgebirge.
Versucht man nun letztere irgendwo anders hin zu pflanzen, werden sie mickrig und gehen ein oder derjenige, der sie zu pflegen hat, besitzt einen grünen Daumen und sie gedeihen recht gut, so wie Menschen auch in der Fremde meinen recht gut zurecht zu kommen, in ihrem Inneren aber davon überzeugt sind, nicht dort hin zu gehören, wo man gerade ist.
Trotzdem kann es in diesem Deutschland durchaus Plätze geben, zu denen man sich hingezogen fühlt ohne zu wissen warum das so ist. Für mich sind das neben meiner Mansfelder Heimat die Burgenlandregion (Unstrutbahn...schönste Nebenbahnstrecke der DDR), Mecklenenburger Binnenland (wunderschöne Urlaube in Kindertagen), Saalfeld (Delegierter zur Personalaushilfe, urgemütliche Pension mit Leuten auf meiner Wellenlänge), die Regionen im dazugewonnenen Teil Deutschlands verbinde ich eigentlich nur mit meiner Arbeitsaufgabe, hier bin ich nigends länger als 10-15 Stunden um dann weiter zu ziehen mit meinem Transitzügen.
Die Muse dort mal zu bleiben, um mehr zu sehen habe ich nicht, erklären kann ich mir das auch nicht, zu wertvoll sind wohl die kurzen Aufenthalte daheim, wobei mich aber einige Landstriche, z.B. im Rheinbereich zwischen Remagen und Bingen oder auch die Gegend um das Fränkische Seenland ein wenig neugierig machen, da dort ähnliches passiert war, wie hier vor über 110 Jahren, als ein gesamter See durch den Kupferbergbau innerhalb weniger Wochen bis auf ein paar Restlöcher verschwunden war, bei denen in Oberfranken war ein solcher See einst zurück gekehrt, hier würde das um die 100 Mio Euro kosten (Stromtrassen, Straßenverlegung usw.) , die zuletzt die EU (beantragt war ein Löwenanteil von 80 Mio) nicht freigeben wollte.
Vielleicht liegt aber die Bereitschaft, alles als Heimat zu verstehen am fortschreitenden Alter, mitunter fasse ich aber auch schon den fehlenden MDR im südbadischen Hotelzimmer als Heimatverlust auf.



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