#61

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 29.05.2011 21:25
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von küche69
Bestraffungen gab es bei uns nur für "schwere" Dienstvergehen. Mesitens wurde die zu "AAR" verdonnert, welche aus dem Ausgang total besoffen kamen und dann in der GK noch Unsinn angestellt haben!

Richtig lustig wurde es, wenn "Sackstand" (Besuch fremder Offz. usw) angesagt war, da wurden die Rasenkanten schön weiss gestrichen und zur Not auch noch der Rasenstand mit der Schere bearbeitet!

Aber es kam auch vor, dass Arbeiten wie die Gehwege sowie die Flächen vor den Garagen gefegt wurden, meistens machten das die zur Bestraffung heran gezogenen.

Im Bau war ich selber einmal und durfte meine 12 1/2 Tag in Calbe absitzen!

Ansonsten ging es den normalen Grenzalltag nach und auch Frühsport gab es bei uns nicht!

Grüße von Küche69

___________

"Wer nicht mit beiden Augen sieht, wird nie die ganze Wahrheit sehn!"


Hallo Küche 69,

musstest du wirklich in Calbe/Saale deine Strafe absitzen, oder meintest du Kalbe an der Milde?
In Calbe /S. gab es doch gar kein Militär!?

Gruß ek40


nach oben springen

#62

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 29.05.2011 21:37
von utkieker | 2.925 Beiträge

Hallo Chris,

Ich war bis 1981 in der 2. Grenzkompanie im GR 24 stationiert, und das war in Gollensdorf. Kaulitz war meines Wissens nach die 3. GK. Wahrscheinlich kann ich mich deshalb nicht an Arrestzellen erinnern, weil diese "zweckentfremdet" wurden, nun mir konnte es recht sein.

Herzliche Grüße Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
nach oben springen

#63

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 30.05.2011 11:41
von küche69 | 428 Beiträge

Zitat von ek40

Zitat von küche69
Bestraffungen gab es bei uns nur für "schwere" Dienstvergehen. Mesitens wurde die zu "AAR" verdonnert, welche aus dem Ausgang total besoffen kamen und dann in der GK noch Unsinn angestellt haben!

Richtig lustig wurde es, wenn "Sackstand" (Besuch fremder Offz. usw) angesagt war, da wurden die Rasenkanten schön weiss gestrichen und zur Not auch noch der Rasenstand mit der Schere bearbeitet!

Aber es kam auch vor, dass Arbeiten wie die Gehwege sowie die Flächen vor den Garagen gefegt wurden, meistens machten das die zur Bestraffung heran gezogenen.

Im Bau war ich selber einmal und durfte meine 12 1/2 Tag in Calbe absitzen!

Ansonsten ging es den normalen Grenzalltag nach und auch Frühsport gab es bei uns nicht!

Grüße von Küche69

___________

"Wer nicht mit beiden Augen sieht, wird nie die ganze Wahrheit sehn!"


Hallo Küche 69,

musstest du wirklich in Calbe/Saale deine Strafe absitzen, oder meintest du Kalbe an der Milde?
In Calbe /S. gab es doch gar kein Militär!?

Gruß ek40





Ja natürlich meine ich Kalbe an der Milde, war ein Schreibfehler von mir aus, entschuldigung!



nach oben springen

#64

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 30.05.2011 12:15
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von utkieker
Hallo Chris,

Ich war bis 1981 in der 2. Grenzkompanie im GR 24 stationiert, und das war in Gollensdorf. Kaulitz war meines Wissens nach die 3. GK. Wahrscheinlich kann ich mich deshalb nicht an Arrestzellen erinnern, weil diese "zweckentfremdet" wurden, nun mir konnte es recht sein.

Herzliche Grüße Hartmut!



Sorry Hartmut............meinte die zwoote ab 1982/83. Und ab da war diese ja in Kaulitz.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
nach oben springen

#65

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 30.05.2011 12:57
von bruno | 598 Beiträge

Zitat von schweinegefreiter
im bau war ich einmal , bin mal vom bahnhof abgeholt worden da hat die ganze kaserne den bahnhof abgesperrt ich war der einzige der austieg und verhaftet worde, ein aufgebot nur ohne roten teppich
es war winter und wir im vogtland waren eingeschneit, ich bin bis zwickau gekommen und hatte mich da auch korrekt abgemeldet habe noch 2 schöne feuchtfröhliche tage bei meiner tante verbracht und bin dann auf berlin-- endeffekt war der das sie mich mit dem lkw abholen wollten ich sollte angeblich 100 000 mark dafür zahlen der bahnhof war abgeriegelt die grenze zu und ja --dafür wurde ich von allen geliebt

und dann sollten wir mal ne tasche suchen von einem agenten oder so nja es hatte geregnet und ich war zu faul durch den wald zu laufen und nass zu werden also bin ich den weg lang gelaufen und hab mich verlaufen alle waren weg ich wurde -wieder einmal gesucht- das gab urlaubssperre

und ich käönnte so noch einiges erzählen -lacht




na schweini, da warst du doch mit sicherheit der"liebling der kompanie"


nichts auf der welt ist so gerecht verteilt wie der verstand.
denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.
rené descartes
nach oben springen

#66

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 30.05.2011 22:51
von 94 | 10.792 Beiträge

In den 'Standard'-GK-Bauten gab es sowohl im Keller zwei Arrest-Zellen wie auch ein Photolabor. Da ja sowieso gerade 'alte' Threads durchforstet werden, erspare ich mir jetzt mal den Verweis auf den 500sten Beitrag, ja, der mit dem Grundriß *wink*

Achso, ging ja um Delikte. Nun, offiziell bestraft hat man eigentlich nur im äußersten Notfall. Fiel ja auf den Vorgesetzten selbst zurück, also offiziell. Am 'wirkungsvollsten' war die Dienstplanung, zwei drei Nachtschichten mit dem selbem Posten/Postenführer und Handlungsraum PP+/-50m ... Ansonsten waren die 'Dienstverrichtungen außer der Reihe' bei den Hausmeistern sehr beliebt, besonders wenn fünf Tonnen Kohle bei ebensovielen Grad und leichtem Niesel in den Keller zu schaufel waren. Wimre wurden die Arrestzellen auch als Kohlelager genutzt. Und damit wären meine Ausführungen weiter oben nicht allzu oT *grins*


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


nach oben springen

#67

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 02.06.2011 18:27
von purzel | 2 Beiträge

Hallo Männer
Ich mußte für 3 Tage in den Bau -Grund: WEST-SENDER- gehört
-waren gerade die Olymp. Spiele in Deutschland- und daß als Grenzer


nach oben springen

#68

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 02.06.2011 19:03
von Polter (gelöscht)
avatar

Zitat von purzel
Hallo Männer
Ich mußte für 3 Tage in den Bau -Grund: WEST-SENDER- gehört
-waren gerade die Olymp. Spiele in Deutschland- und daß als Grenzer


3 Tage Bau? da wars doch ruhig - keine Störung! Bestraft auch schon. Da konnteste doch in aller Ruhe hören!


zuletzt bearbeitet 02.06.2011 19:04 | nach oben springen

#69

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.06.2011 08:16
von Harsberg | 3.248 Beiträge

Zitat von purzel
Hallo Männer
Ich mußte für 3 Tage in den Bau -Grund: WEST-SENDER- gehört
-waren gerade die Olymp. Spiele in Deutschland- und daß als Grenzer



Das konnte dir auch nur in Berlin passieren, in jeder anderen GK an der Grünen, wäre ein strenger Verweis und 6 Arbeitsverrichtungen alles gewesen.


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
nach oben springen

#70

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.06.2011 13:41
von praeceptor507 | 233 Beiträge

Zitat
Bei uns,GR-34 Groß-Gliniecke!



Da hast du aber großes Pech gehabt, im GR33 gab es soetwas nicht.,


Komm'se mal zurück Gefreiter! Könn'se denn nich grüßen?
nach oben springen

#71

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.06.2011 13:51
von praeceptor507 | 233 Beiträge

Im Knast in Treptow saß ich nur wegen Ausgangsüberschreitung und zur Ausnüchterung.
Einmal wegen Schlägerei mit den weißumrandeten Schulterstücken.
Da wurden wir sogar von der KD heim nach Treptow kutschiert.
Der KC hat uns früh beim Ernst wieder rausgeholt.
Diesen Weg mußte er zu Diensbeginn öfter gehen.


Komm'se mal zurück Gefreiter! Könn'se denn nich grüßen?
zuletzt bearbeitet 03.06.2011 13:52 | nach oben springen

#72

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.06.2011 14:22
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von praeceptor507
Im Knast in Treptow saß ich nur wegen Ausgangsüberschreitung und zur Ausnüchterung.
Einmal wegen Schlägerei mit den weißumrandeten Schulterstücken.
Da wurden wir sogar von der KD heim nach Treptow kutschiert.
Der KC hat uns früh beim Ernst wieder rausgeholt.
Diesen Weg mußte er zu Diensbeginn öfter gehen.



...........Arrestzellen gab es die noch 89 im GR 33? Weil ich mußte meine zwei "Kandidaten" zum Kupfergraben bringen bzw. von dort abholen. Und interessieren würde mich auch, wo die "Zellen" sich befanden.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
nach oben springen

#73

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 04.06.2011 10:57
von Ludwig | 252 Beiträge

Zitat von mic44
Wie jetzt? War denn keiner von Euch mal im Bau? Ich hab es in Silkerode geschafft,mal für 3 Tage dem Kompanie-idyll zu entkommen,grund waren 3 Bananen,mit denen ich 2 ABgs den rechten weg gewiesen hatte,sie zeigten mir eine Weintraube,was ich mit dem schwenken von Bananen,die es zur Postenverpflegung gab,beantwortete.Leider wurde das als versuchte Kontaktaufnahme gewertet.Noch heute einen herzlichen dank an meinen Posten.



Sagt mal, in was für Kompanien wart Ihr eigentlich ??? Ein Gefreiter vermasselt dem Soldaten den Urlaub (siehe oben), ein Posten zinkt den Postenführer wegen des Bananen-Winkens an. Wäre bei uns 77-79 undenkbar gewesen!! Die beiden hätten sich aber
sowas von einer Pfeife anbrennen können ..............



nach oben springen

#74

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 04.06.2011 12:09
von praeceptor507 | 233 Beiträge

Hallo Chris.

Zitat
Und interessieren würde mich auch, wo die "Zellen" sich befanden.


Zum Knast kamst du so: Durch die Haptwache, dann links abbiegen und bis zum Swimmingpool.
Dann rechts rum und nach ? Metern standest du vorm Knastgebäude.
Oder, immer dem Gehör nach.
Wenn du eine krächzende Stimme gehört hast, die das Lied "Ein Soldat ohne Knaaast, ist wie ein Baum ohne Aaaast"
gesungen hat, warst du 100%ig richtig. 'Knast - Ernst' war nicht zu überhören.


Komm'se mal zurück Gefreiter! Könn'se denn nich grüßen?
zuletzt bearbeitet 04.06.2011 12:10 | nach oben springen

#75

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 04.06.2011 12:18
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Leider wurde das als versuchte Kontaktaufnahme gewertet.Noch heute einen herzlichen dank an meinen Posten.@mic44

Das hätte nach der Schicht die ganze Kompanie gewusst.Und mit Sicherheit hätte mein Freund der Posten keine ruhige Minute mehr gehabt.Also von so einer Sauerei habe ich noch nie was gehört.


nach oben springen

#76

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 04.06.2011 20:35
von don71 (gelöscht)
avatar

Zitat von praeceptor507
Hallo Chris.

Zitat
Und interessieren würde mich auch, wo die "Zellen" sich befanden.


Zum Knast kamst du so: Durch die Haptwache, dann links abbiegen und bis zum Swimmingpool.
Dann rechts rum und nach ? Metern standest du vorm Knastgebäude.
Oder, immer dem Gehör nach.
Wenn du eine krächzende Stimme gehört hast, die das Lied "Ein Soldat ohne Knaaast, ist wie ein Baum ohne Aaaast"
gesungen hat, warst du 100%ig richtig. 'Knast - Ernst' war nicht zu überhören.



Ernst soll angeblich mit seinen Knastbrüdern zu Union zum Fußball gefahren sein 71. Soll danach mächtig Ärger gegeben haben.Wurde so erzählt. Gruß Jürgen


nach oben springen

#77

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 05.06.2011 12:19
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von praeceptor507
Hallo Chris.

Zitat
Und interessieren würde mich auch, wo die "Zellen" sich befanden.


Zum Knast kamst du so: Durch die Haptwache, dann links abbiegen und bis zum Swimmingpool.
Dann rechts rum und nach ? Metern standest du vorm Knastgebäude.
Oder, immer dem Gehör nach.
Wenn du eine krächzende Stimme gehört hast, die das Lied "Ein Soldat ohne Knaaast, ist wie ein Baum ohne Aaaast"
gesungen hat, warst du 100%ig richtig. 'Knast - Ernst' war nicht zu überhören.




............danke Peter, also war der Knast im Gebäude Transportkompanie/Schmandhaus (BS). Komisch, ist mir damals nie aufgefallen. Und vor allem wundert es mich heute - nachdem ich nun weiß, dass es in Treptow auch "gepflegte" Unterbringungsmöglichkeiten gab, dass ich meine zwei "Kandidaten" bis zum Kupfergraben "schleppen" mußte. Die beiden hätten doch im GR-33 eine heimatnahe Verwendung gehabt..


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
nach oben springen

#78

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 05.07.2011 04:41
von grenzsoldat (gelöscht)
avatar

Hatte 10 Tage Arrest in Treptow"

"Bei der schändlichen Straftat, Westradio hören wurde ich erwischt und landete für zehn Tage im strengen Arrest in der Treptower Kaserne. Ich wurde im Kinosaal des Grenzregimentes 35 öffentlich mit weiteren undisziplinierten Kameraden bestraft. Ungefähr die Hälfte des Regimentes musste dieser Zeremonie beiwohnen. Ich wurde auf die Bühne geführt, meine Straftat wurde lautstark verlesen. Oberverdächtig war hier, dass ich ein jugoslawisches Taschenradio "Bambino Eye" in einer aufgeschlitzten Plastefeldflasche verbarg und lieber auf den lauwarmen NVA-Tee großzügig verzichtete, um RIAS, (Radio im amerikanischen Sektor), SFB (Sender Freies Berlin) und AFN (American Forces Network , eine Radio Station der US-Armee in Berlin) im Dienst an der Mauer zu hören.

„Absichtliche vorsätzliche Beschädigung und Vernichtung von Armeeeigentum!“ dröhnte es aus dem Kinolautsprecher und ich wurde auf der Bühne immer kleiner, bekam einen Kloß in den Hals und machte mir bald in die Hosen. Dabei hatte ich mir extra für Eins Fünfzig DDR Mark in einer HO Kaufhalle einen Feldflaschenplasteeinsatz gekauft und ihn aufgeschnitten. Bei der ersten Vernehmung wurde ich angebrüllt, dass die Armee entscheidet, ob ich welches Privateigentum aufschneiden kann oder nicht. Dann baumelte meine vergoldete Pallas ADORA Armbanduhr vor meiner Nase mit der Frage, wo ich die Westuhr denn her hätte. „Na von meiner Mutter, die hat mir die zur Jugendweihe geschenkt!“ „Und wo ist der italienische Westfüller her?“ war die gebrüllte nächste Frage. „Die ist von Oma, den hat sie für mich in Rom in der Vatikanstadt gekauft, als sie dort zu einer Papstaudienz war!“ Noch lauter wurde dann der Vernehmer und quäkte miss gehalten ich solle ihn doch bitte nicht verarschen. Mit solchen Antworten kommt man nach „Schwedt“ und ich wüsste doch sicher was „Schwedt“ bedeutet. Klar wusste ich das, das war der Armeeknast. Aber das meine Mutter mir eine Westuhr schenkt und meine Oma einen harmlosen italienischer Füller von einem Andenkenstand in Vatikanstadt erworben, hatte ich bis zu diesen Zeitpunkt nicht als militärpolitisch verwerflich angesehen. Zu dieser Zeit war aber schon grundsätzlich alles verwerflich was aus dem Westen kam. Es war kalter Krieg und man versuchte jegliche Einflüsse, seien sie dinglich oder auch nur technische Informationen, kulturell, geschweige andere politische Ansichten zu verhindern......

Nach mir wurden weitere drei Kameraden öffentlich bestraft. Ein Unteroffizier wurde zum Soldaten degradiert, weil er Westfußballzeitungen Stapelweise in seinen Besitz hatte. Ein Soldat bekam Urlaubs- und Ausgangssperre, weil er Kin Pin Meh in einer englischen Ausgabe im Spind hatte. Das er englisch kaum lesen konnte, spielte keine Rolle. Das ein chinesischer Mandarin mit dem Kopf und Nase zwischen den Beinen einer Frau grafisch grob dargestellt befindlich war, war tiefgreifende Herabwürdigung sozialistischer Moral und Sitte. Nur, drei Kilometer weiter, in der Karl-Marx-Buchhandlung, in der Stalinallee gab es damals Kin Pin Meh und das Kamasutra per fachgerechtem Reprint und Spezialausgebe im Minibuchformat für aufgeklärtere systemtreue „Genossen“ und andere „Insider“ unter dem Tisch als sogenannte Bückware für wenig Geld zu kaufen. Der stark erotische Einschlag und die bisweilen derb drastische Schilderung von Kin Pin Meh lassen es begreiflich erscheinen, dass das Werk strengen Hütern konfuzianischer Sittlichkeit ein missliebig war und bald nach Erscheinen im Jahre 1610 auf den Index verbotener Bücher gesetzt wurde. 1967 befand die Regimentsführung des Grenzregimentes 35 in Berlin, der Mann gehört wegen der Sauerei bestraft. Wenn der Dusel das in der Karl-Marx-Buchhandlung besorgt hätte, wäre ihm kein Leid getan. Mit englisch beschriebenen Fickorgien aus dem chinesischen, das gehörte bestraft in den Grenzorganen der DDR! Der dritte im Bunde hatte angeblich im Suff seinen Vorgesetzten beleidigt.

In Folge dessen wurde ich erst einmal für unwürdig befunden, für einige Wochen an der Berliner Mauer mit einer "Waffe in der Hand" Grenzdienst zu verrichten und bekam ausführliche Gelegenheiten geboten, den Kasernenhof zu kehren, das Fotolabor aufzuräumen und die Aufnahmen der Fotoaufklärer zu sortieren. Einige interessante und brisante Filme und Dias sortierte ich leichtsinniger Weise in meine Taschen und schickte sie per Schuhkarton nach Hause zu meiner Mutter. Schätze heute, das wären 2-8 Jahre Armeeknast gewesen, wenn ich damit erwischt worden wäre."

Im Arrest lernte ich noch andere "Arrestanten" kennen. Einer war mit einem Schützenpanzerwagen rückwärts durch eine Garagenwand gefahren. Ein anderer Grenzsoldat führ im Suff in der Nähe von Erkner in eine Hühnerzuchtanlage. Es war erbauend und interessant dort. Man lernte täglich neue Kameraden kennen mit den seltsamsten Delikten. Bissel kehren, Kartoffeln nachschälen und Teller waschen war das übelste im Arrestdienst. Nach dem Einschluss 22 Uhr war es ein wenig einsam und zu ruhig. Bei meinen Kameraden war ich dann mit meinen zehn Tagen Bau was besonderes und bekam den Ehrenfeuerwehrhelm der Kompanie aufgesetzt. Auf die Schulterstücke klebte man mir aus Silberpapier links und rechts ein 10 für die nächste Vergatterung.


Fotos: Das Bild von Walter Ulbricht habe ich im Stabsgebäude (Ehem. Waisenhaus) gemaust. Der alte Berliner Feuerwehrhelm wurde irgendwo bei einer Hinterlandstreife durch die Berliner Mietshäuser "hoch gezogen" und diente als "Auszeichnung". Das Thema "Feindsender" hören und dabei erwischt zu werden hatten wir öfter. Die Radios wurden dann konfisziert, aber wir hatten genug in Reserve.

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 05.07.2011 05:11 | nach oben springen

#79

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 20.08.2011 19:52
von Hobbyuffz | 12 Beiträge

An Bestrafungen kann auch ich mich nicht erinnern . Ich denke , dass wurde weitgehend vermieden , denn am " Kanten " wurde jeder einzelne gebraucht . Bei sehr schweren vergehen sah das bestimmt anders aus , aber was man " unter der Decke " halten konnte wurde auch nicht weiter verfolgt .
Selbst bei den Offz . gab es Verfehlungen und somit hat keiner den anderen " angeschissen . Jeder hat doch mal ein " Ding " gedreht .
Natürlich wird es da auch Grenzen gegeben haben , aber die kannten wir ja .
Hobbyuffz


nach oben springen

#80

RE: Bestrafungen in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 20.08.2011 20:31
von Tonberg | 24 Beiträge

Hallo Leute ! Also Frühsport war in unser Kompanie zu meiner dienstzeit ein Fremdwort klar man konnte sich in seinem dienstfrei sportlich
betätigen,das wurde auch begrüsst aber wenn man dienstfrei hatte von 17 uhr bis nächsten tag 17 uhr ging man natürlich erstmal in die
dorfkneibe einen kübeln und nächsten tag wurde bis mittags der rausch ausgeschlafen.da hatte keiner sinn für sport.Auf der kompanie-
eigenen sturmbahn habe ich auch niemals jemanden gesehen .Mit bunten spielen wurden wir verschont es ging einmal im diensthalbjahr
zum schiessen und einmal zu einer taktischen übung.Man war der Meinung in erster Linie musste der Grenzdienst gewährleistet werden
und es musste ein gewisse ruhe in Einheit sein .Bestrafungen gab es nur durch die EKs aber das musste man nicht ernst nehmen,die jungs
hatten oft lange weile und einige haben auch ihren persölnlichen frust abgebaut.mfg Tonberg



nach oben springen



Besucher
25 Mitglieder und 65 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: TalSiar
Besucherzähler
Heute waren 1385 Gäste und 114 Mitglieder, gestern 3936 Gäste und 179 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14372 Themen und 558414 Beiträge.

Heute waren 114 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen