#241

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 27.05.2011 15:18
von Major Tom | 848 Beiträge

@Feliks

Ich bin damals in einer Familie aufgewachsen in welcher durchaus kritische Fragen gestellt werden konnten und nicht nur der Blick stur nach vorne gerichtet wurde nach dem Motto die Partei wirds schon richten. Mich hat ganz ehrlich schon als Jugendlicher die ständige Dominanz dieser Partei in sämtlichen Lebenssituationen genervt, die SED dein ständiger Begleiter und wehe man gibt Vertretern eben dieser Partei die falsche Antwort. Ich musste im Unterricht lügen um meine Noten nicht zu gefährden, musste zu staatlich verordneten Veranstaltungen gehen um diese Partei zu feiern und konnte mit meinen offenen Augen sehen was mit Leuten passierte welche z.B. die Honnecker-Rede in Potsdam auf dem Platz der Einheit vor Ende verlassen wollten, diese wurden brutal festgenommen. Nein, das war nicht mein Staat.

Was ehemalige Stasimitarbeiter betrifft bin ich ganz deiner Meinung. Diese mehr als 20 Jahre nach der Wende wegen ihrer damaligen Tätigkeit zu bestrafen muss nicht sein. Warum hier die Verjährung nicht greift erschliesst sich mir nicht. Ich hatte vor Jahren Einblick in meine Stasi-Akten und musste feststellen dass selbst Schulfreunde mich und meine Familie bespitzelten. Diesen Leuten reiche ich heute die Hand. Ich habe meinen Frieden schon vor Jahren gefunden, ich hege keinerlei Hass in mir. Ich lasse mich aber damals wie heute ungern als Wirtschaftsflüchting verhöhnen, der nur der Bananen wegen in den Westen wollte. Es war das politische System welches die Menschen massenhaft aus dem Lande ekelte, welches Andersdenkende wie Feinde behandelte.


Gruß aus Costa Rica

Tom


Man sollte den Kopf nicht hängen lassen wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.
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zuletzt bearbeitet 27.05.2011 15:49 | nach oben springen

#242

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 27.05.2011 17:03
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Major Tom
@Feliks

Was ehemalige Stasimitarbeiter betrifft bin ich ganz deiner Meinung. Diese mehr als 20 Jahre nach der Wende wegen ihrer damaligen Tätigkeit zu bestrafen muss nicht sein. Warum hier die Verjährung nicht greift erschliesst sich mir nicht. Ich hatte vor Jahren Einblick in meine Stasi-Akten und musste feststellen dass selbst Schulfreunde mich und meine Familie bespitzelten. Diesen Leuten reiche ich heute die Hand. Ich habe meinen Frieden schon vor Jahren gefunden, ich hege keinerlei Hass in mir. Ich lasse mich aber damals wie heute ungern als Wirtschaftsflüchting verhöhnen, der nur der Bananen wegen in den Westen wollte. Es war das politische System welches die Menschen massenhaft aus dem Lande ekelte, welches Andersdenkende wie Feinde behandelte. Gruß aus Costa Rica Tom



Alles richtig Major Tom. Und haben wir, wenn wir ganz ehrlich sind, nicht ein wenig Abstand bekommen im Ausland von dieser Schlammschlacht in Deutschland? Das auch nicht einfach abgetan werden kann mit andere Laender, andere Sorgen. Ich sehe es so, auch wenn wir uns nicht loesen koennen ganz davon, wie man hier sieht.
Zu Bespitzelungen, auch wenn ein paar Genossen und auch die Gegenseite nach dem Lesen meiner Zeilen im Buch nicht damit einversanden waren: die Ueberzahl wiederum war es, und wir wenn nicht hier und heute unsere Erfahrungen offen ehrlich dalegen koennen, unsere Meinung nicht sagen duerfen ohne von der einen oder anderen Seite sofort angeprangert zu werden .......wir einer mir sagte....sei froh, dass Du nicht in Deutschland bist. Ich sehe es in guten Gespraechen so, dass wir auch in unseren gegensaetzlichen Meinungen und Erfahrungen viel mehr gemeinsam haben als angenommen wird.
"
Als die Scheinwerfer ausgingen, die Nachrichten aus Deutschland nicht mehr gefragt waren und die letzten Trabis auf die Halden knatterten, mussten die Menschen ihr Schicksal alleine verarbeiten, das bunter und freundlicher, aber für viele Arbeitslosigkeit und schwere Zeiten bedeutete. Hunderttausende taten sich schwer mit der Tatsache, dass sie über Jahrzehnte nicht nur von ihrem angeblich schlimmsten Feind, dem Ministerium für Staatssicherheit, sondern von Ehepartnern, Kindern, Eltern, von angeblich besten Freunden und von den billigsten Spitzeln verraten und verkauft worden waren, aus welchen Gründen auch immer. Fakt war, dass das Ministerium vom ganz einfachen Menschen auf der Straße riesige Unterstützung erfahren hatte. Diese Erkenntnis war für viele niederschmetternd und in einem solchen Ausmaß nicht vermutet worden.
Keine Geheimagenten, keine ‚Edelsteine‘ waren es, fürwahr. Der gemeine Spitzel hatte denunziert – von der Figur des Agenten fein zu unterscheiden. Der Spitzel stellte den Auftrag selbst her, nahm Gelegenheiten wahr, mehr nicht. So steht selbst der sogenannte ,Verräter‘ über ihm. Der Spitzel arbeitete nicht für eine Sache oder für Träume, schon gar nicht für politische Ziele, und diese Spitzel besaßen auch nicht den Hauch von Souveränität, die der Agent oder Spion einer ausländischen Staatsmacht beanspruchen kann.
Dieses Trauma musste im ostdeutschen Land verdaut werden, konnte nicht so schnell aus der Welt geschafft werden. Wieder ist eine Verarbeitung der Geschichte in Blutwurst-Deutschland nötig. Als weitaus schlimmer empfunden wurde es, von den Elite-Deutschen im Westen milde belächelt zu werden. Jedoch! sogenannte ehemalige Dissidenten und Buchautoren, die sich bereits seit Jahren im freien Westen aufhielten und gefeiert wurden, outeten sich im Nachhinein nicht nur als Spitzel und Mitarbeiter der Staatssicherheit, sondern gaben sich als Nazis zu erkennen. Und diese Westdeutschen vergaßen dabei, dass vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg auch in der westlichen Hemisphäre an jeder Ecke Spitzel am Werk waren.
" copyright M. Powell
Gruss, Larissa,schoenes Wochenende allen


zuletzt bearbeitet 27.05.2011 17:05 | nach oben springen

#243

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 28.05.2011 22:17
von vs1 (gelöscht)
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Zitat von Major Tom

Zitat von vs1


hallo Tom,

zum PS: ich bin hier der einzigste der fragen stellt.

hattest du nicht angst um deine familie, oder war es dir, damals, egal?

gruß vs ... und danke für deine antwort!




Außer meinem Vater wollten so fast alle einfach nur noch raus. Mein Onkel, welcher bei der Handelsmarine fuhr verlor kurz nach meinem Freikauf seinen Job, eine Art Sippenhaft die es außer in der DDR nur im Nationalsozialismus gab.

Gruß Tom




mein damaliger schwager, sohn eines evangelischen pastors, hatte wohl vergleichbare erfahrungen gemacht. wohl nicht so wie du, doch berichtete er von ähnlichen fällen. ausreisewillige stellten sich ein großes A ins fenster, um auf sich öffentlich aufmerksam zu machen. dieses musste dann entfernt werden und es folgten wohnungsdurchsuchungen und verlust des arbeitsplatzes.
geschwister trafen sich, unerlaubt, auf parkplätzen der A2 ... immer die angst im nacken.

gruß vs

ps.: @ Feliks D., ich denke du kannst auch sauber posten und hast es nicht nötig dich klein zu machen.


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#244

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 28.05.2011 23:31
von Manfred B. (gelöscht)
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In einem Grenzgebiet wurde ich noch vor meiner Flucht festgenommen.
Seit ein paar Tagen überlege ich mein Erlebtes aus der damaligen DDR zu schreiben. Schwer ist es allemal… In den 80’er Jahren, ich war noch jung an Jahren und verstand dieses System nicht. Was mach ich, schmiede Pläne daraus zu kommen, gefährliche dazu. Was macht ein junger Mensch der viele Freunde hat? Klar er fragt. Mein Fehler die Falschen zu fragen.
Es kam wie es kommen musste, das MFS wusste genauso viel wie ich über meine Pläne. Damit fing die Schwierigkeit an. Was kam, eine Vorladung zur Klärung eines Sachverhaltes. Okay dachte ich, was kann mir passieren. Ja, Pustekuchen. Nach der Vorladung und Befragung vom MFS sah es für mich nicht gut aus. Es folgte die Verhaftung und Aufnahme in der Untersuchungshaftanstalt. Alles ging sehr schnell und ich war in einer Zelle. Nach diesem Schock war ich erst mal fertig. Meine Gedanken liefen Amok. Was kommt nun, wie geht es weiter. Wie ich dann in der Nacht bemerkte, um was ich mir keine Sorgen mehr machen musste, war sehr schnell begriffen.
Begreifen konnte ich auch nicht den Morgen danach. Ein anderes Leben, ein anderer Tagesablauf, alles hat sich geändert. Nun folgte die Befragung… Fragen, Fragen, immer wieder dasselbe.
Die Fragen die mir gestellt wurden, waren schon so gestellt, das diese nicht nur aus meinem Umfeld her stammen konnten. Das MFS, IM’s etc. hatte hier ihr schon gute Arbeit getan. Das Spiel ging über Stunden, viele Stunden. Tageweise erfolgten keine Vernehmungen, warum entzieht sich meiner Erkenntnis.
Nun folgte die Anklage, angeklagt wegen §213.

Schreibe gerne weiter.


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#245

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 28.05.2011 23:38
von Theo85/2 | 1.198 Beiträge

Zitat von Manfred B.

In einem Grenzgebiet wurde ich noch vor meiner Flucht festgenommen.
Seit ein paar Tagen überlege ich mein Erlebtes aus der damaligen DDR zu schreiben. Schwer ist es allemal… In den 80’er Jahren, ich war noch jung an Jahren und verstand dieses System nicht. Was mach ich, schmiede Pläne daraus zu kommen, gefährliche dazu. Was macht ein junger Mensch der viele Freunde hat? Klar er fragt. Mein Fehler die Falschen zu fragen.
Es kam wie es kommen musste, das MFS wusste genauso viel wie ich über meine Pläne. Damit fing die Schwierigkeit an. Was kam, eine Vorladung zur Klärung eines Sachverhaltes. Okay dachte ich, was kann mir passieren. Ja, Pustekuchen. Nach der Vorladung und Befragung vom MFS sah es für mich nicht gut aus. Es folgte die Verhaftung und Aufnahme in der Untersuchungshaftanstalt. Alles ging sehr schnell und ich war in einer Zelle. Nach diesem Schock war ich erst mal fertig. Meine Gedanken liefen Amok. Was kommt nun, wie geht es weiter. Wie ich dann in der Nacht bemerkte, um was ich mir keine Sorgen mehr machen musste, war sehr schnell begriffen.
Begreifen konnte ich auch nicht den Morgen danach. Ein anderes Leben, ein anderer Tagesablauf, alles hat sich geändert. Nun folgte die Befragung… Fragen, Fragen, immer wieder dasselbe.
Die Fragen die mir gestellt wurden, waren schon so gestellt, das diese nicht nur aus meinem Umfeld her stammen konnten. Das MFS, IM’s etc. hatte hier ihr schon gute Arbeit getan. Das Spiel ging über Stunden, viele Stunden. Tageweise erfolgten keine Vernehmungen, warum entzieht sich meiner Erkenntnis.
Nun folgte die Anklage, angeklagt wegen §213.

Schreibe gerne weiter.



Bitte, das ist sehr interessant!

Theo85/2


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#246

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 29.05.2011 00:08
von Manfred B. (gelöscht)
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Zitat von Theo85/2

Zitat von Manfred B.

In einem Grenzgebiet wurde ich noch vor meiner Flucht festgenommen.
Seit ein paar Tagen überlege ich mein Erlebtes aus der damaligen DDR zu schreiben. Schwer ist es allemal… In den 80’er Jahren, ich war noch jung an Jahren und verstand dieses System nicht. Was mach ich, schmiede Pläne daraus zu kommen, gefährliche dazu. Was macht ein junger Mensch der viele Freunde hat? Klar er fragt. Mein Fehler die Falschen zu fragen.
Es kam wie es kommen musste, das MFS wusste genauso viel wie ich über meine Pläne. Damit fing die Schwierigkeit an. Was kam, eine Vorladung zur Klärung eines Sachverhaltes. Okay dachte ich, was kann mir passieren. Ja, Pustekuchen. Nach der Vorladung und Befragung vom MFS sah es für mich nicht gut aus. Es folgte die Verhaftung und Aufnahme in der Untersuchungshaftanstalt. Alles ging sehr schnell und ich war in einer Zelle. Nach diesem Schock war ich erst mal fertig. Meine Gedanken liefen Amok. Was kommt nun, wie geht es weiter. Wie ich dann in der Nacht bemerkte, um was ich mir keine Sorgen mehr machen musste, war sehr schnell begriffen.
Begreifen konnte ich auch nicht den Morgen danach. Ein anderes Leben, ein anderer Tagesablauf, alles hat sich geändert. Nun folgte die Befragung… Fragen, Fragen, immer wieder dasselbe.
Die Fragen die mir gestellt wurden, waren schon so gestellt, das diese nicht nur aus meinem Umfeld her stammen konnten. Das MFS, IM’s etc. hatte hier ihr schon gute Arbeit getan. Das Spiel ging über Stunden, viele Stunden. Tageweise erfolgten keine Vernehmungen, warum entzieht sich meiner Erkenntnis.
Nun folgte die Anklage, angeklagt wegen §213.

Schreibe gerne weiter.



Bitte, das ist sehr interessant!

Theo85/2





Hallo Theo, das macht mir Mut. Ich schreibe weiter.


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#247

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 29.05.2011 00:22
von ABV | 4.202 Beiträge

Hallo Manfred!
Auch ich würde mich freuen, wenn du deine Geschichte hier vorstellst. Unser Forum lebt von solchen Zeitzeugenberichten.

Viele Grüße vom Oderstrand
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#248

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 29.05.2011 01:17
von Manfred B. (gelöscht)
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Zitat von ABV
Hallo Manfred!
Auch ich würde mich freuen, wenn du deine Geschichte hier vorstellst. Unser Forum lebt von solchen Zeitzeugenberichten.

Viele Grüße vom Oderstrand
Uwe



Hallo Uwe, so wirklich gerne wollte ich meine Gesichte nicht vorstellen. Aber ich tue es. Auf der einen Seite fühle ich mich sehr schlecht es erlebt zu haben, aber ich persönlich empfinde einfach... es muß raus aus mir. Das was mir von der DDR geblieben ist, sind nur Narben. Auch sind es vielleicht verlorende Freunde, meine Familie oder gar meine Heimat. Heute ü 20 Jahre später kann ich anders darüber denken und reden.

Meine Erlebnisse möchte ich hier niederlegen. ALLE !

Gruß aus Kiel


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#249

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 29.05.2011 02:42
von ABV | 4.202 Beiträge

Hallo Manfred!
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das Niederschreiben von Erlebten sehr befreiend sein kann. Meine Erlebnisse in der DDR waren allerdings von anderer Natur als deine. Ich war Volkspolizist und gehörte somit quasi zu den Tätern. Trotzdem, oder vielleicht sogar gerade deswegen, habe ich angefangen meine Erlebnisse während der Wende aufzuschreiben und im Forum vorzustellen. Beim Schreiben unternimmt man quasi eine Zeitreise. Das bedeutet aber auch, dass man alles in Gedanken noch einmal erlebt.

Viele Grüße vom Oderstrand
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

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#250

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 29.05.2011 02:55
von Major Tom | 848 Beiträge

Zitat von ABV
Ich war Volkspolizist und gehörte somit quasi zu den Tätern.



Ich wuerde auch einen ABV nicht Taeter nennen wollen. Die einen haben mehr, die anderen etwas mehr und wiederum andere weniger an die "gute Sache" gedacht, Schuld letztendlich war das System welches die DDR zu dem gemacht hat woran sie 1989 zugrunde ging.

Gruss Tom


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#251

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 29.05.2011 21:33
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Manfred,

mich würde auch sehr interessieren,wie es mit dir nach der Anklage weiter ging.
Schön das du deine Geschichte hier erzählst und uns teilhaben lässt.

Gruß ek40


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#252

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 29.05.2011 21:51
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Major Tom
[quote="ABV"]Ich war Volkspolizist und gehörte somit quasi zu den Tätern.



Ich wuerde auch einen ABV nicht Taeter nennen wollen. Die einen haben mehr, die anderen etwas mehr und wiederum andere weniger an die "gute Sache" gedacht, Schuld letztendlich war das System welches die DDR zu dem gemacht hat woran sie 1989 zugrunde ging.

Hallo an alle!
Mit Sicherheit ist der Begriff Täter in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, unglücklich gewählt. Die Bezeichnung Täter stammt nun einmal aus dem Strafrecht und bezeichnet jemanden, der gegen bestehende Gesetze verstoßen hat. Mit der selben Sicherheit muss ich aber auch sagen, dass auch ich meinen Anteil zum Funktionieren der DDR beigetragen habe. Das geschah teilweise aus Überzeugung, andererseits aber auch aus Pflichterfüllung. Gerade das letztere hatte dazu beigetragen, aufkommende Zweifel beiseite zu schieben.
Noch ein paar Worte zum Aufschreiben von damals erlebten. Egal ob nun jemand in der DDR Sperrbrecher, Volkspolizist, MfS-Mitarbeiter, Grenzer oder Ausreiseantragsteller war, bei allen handelt es sich um Menschen mit Gefühlen, Sorgen und Motivationen. Wenn so viele wie möglich ihre damaligen Erlebnisse aufschreiben und damit auch einen Einblick in ihr Innenleben zulassen, wäre das mit Sicherheit ein großer Schritt zur Annäherung, zum besseren kennenlernen. Das baut Vorurteile ab und hilft mit, den anderen als das zu erkennen was er ist. Als Menschen! Die Aufarbeitung der Geschichte sollte man besser nicht allein den Politikern oder Medien überlassen. Da kommt selten etwas konstruktives dabei heraus

So das war mein Wort zum Sonntag

Gruß an alle
Uwe


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#253

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 29.05.2011 23:01
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von ABV
Hallo an alle!
Mit Sicherheit ist der Begriff Täter in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, unglücklich gewählt. Die Bezeichnung Täter stammt nun einmal aus dem Strafrecht und bezeichnet jemanden, der gegen bestehende Gesetze verstoßen hat. Mit der selben Sicherheit muss ich aber auch sagen, dass auch ich meinen Anteil zum Funktionieren der DDR beigetragen habe. Das geschah teilweise aus Überzeugung, andererseits aber auch aus Pflichterfüllung. Gerade das letztere hatte dazu beigetragen, aufkommende Zweifel beiseite zu schieben.
Noch ein paar Worte zum Aufschreiben von damals erlebten. Egal ob nun jemand in der DDR Sperrbrecher, Volkspolizist, MfS-Mitarbeiter, Grenzer oder Ausreiseantragsteller war, bei allen handelt es sich um Menschen mit Gefühlen, Sorgen und Motivationen. Wenn so viele wie möglich ihre damaligen Erlebnisse aufschreiben und damit auch einen Einblick in ihr Innenleben zulassen, wäre das mit Sicherheit ein großer Schritt zur Annäherung, zum besseren kennenlernen. Das baut Vorurteile ab und hilft mit, den anderen als das zu erkennen was er ist. Als Menschen! Die Aufarbeitung der Geschichte sollte man besser nicht allein den Politikern oder Medien überlassen. Da kommt selten etwas konstruktives dabei heraus
So das war mein Wort zum Sonntag
Gruß an alle Uwe




Zitat von ABV
Hallo an alle!
Mit Sicherheit ist der Begriff Täter in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, unglücklich gewählt. Die Bezeichnung Täter stammt nun einmal aus dem Strafrecht und bezeichnet jemanden, der gegen bestehende Gesetze verstoßen hat. Mit der selben Sicherheit muss ich aber auch sagen, dass auch ich meinen Anteil zum Funktionieren der DDR beigetragen habe. Das geschah teilweise aus Überzeugung, andererseits aber auch aus Pflichterfüllung. Gerade das letztere hatte dazu beigetragen, aufkommende Zweifel beiseite zu schieben.
Noch ein paar Worte zum Aufschreiben von damals erlebten. Egal ob nun jemand in der DDR Sperrbrecher, Volkspolizist, MfS-Mitarbeiter, Grenzer oder Ausreiseantragsteller war, bei allen handelt es sich um Menschen mit Gefühlen, Sorgen und Motivationen. Wenn so viele wie möglich ihre damaligen Erlebnisse aufschreiben und damit auch einen Einblick in ihr Innenleben zulassen, wäre das mit Sicherheit ein großer Schritt zur Annäherung, zum besseren kennenlernen. Das baut Vorurteile ab und hilft mit, den anderen als das zu erkennen was er ist. Als Menschen! Die Aufarbeitung der Geschichte sollte man besser nicht allein den Politikern oder Medien überlassen. Da kommt selten etwas konstruktives dabei heraus

Danke ABV. Das was Du geschrieben hast, sollte jeden Tag auf das Neue von jedem gelesen werden, der hier ins Forum kommt.
Es sind immer wieder so gute Ansaetze da, leider werden solche Worte schnell vergessen....und dann gibt sich eins dem anderen.....
Gruss, Larissa


zuletzt bearbeitet 29.05.2011 23:03 | nach oben springen

#254

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 29.05.2011 23:15
von eisenringtheo | 9.162 Beiträge

Ich finde es falsch, eine Organisation als "schlecht" oder als "Unrechtsorganisation" zu bezeichnen und alle, die dort dabei waren, automatisch zu Unrechtstätern werden zu lassen. Schuld oder Unschuld ist immer etwas Persönliches. Eine wesenlose Sache, auch wenn sie eine noch so grosse Organisation ist, kann nicht schuldig werden, sondern es sind Personen, die sich über Recht und Gesetze hinwegsetzen.
Theo


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#255

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 30.05.2011 00:19
von ABV | 4.202 Beiträge

@Larissa, Danke für deinen Kommentar auf meinen Beitrag
@eisenringtheo. Du beschreibst einen wesentlichen Grund warum es in Deutschland mit Aufarbeitung und Versöhnung nicht so recht klappen will. Es ist die verdammte Pauschalisierung, ohne den konkreten Beitrages des einzelnen zu hinterfragen. Da genügt wirklich die Zugehörigkeit zu irgend einer Organisation der DDR, es muss sich durchaus nicht immer nur um die Stasi handeln, um den denjenigen abzukanzeln und in eine bestimmte Ecke zu drängen. Es ist ganz bestimmt sehr schwer für jemanden dem in der DDR Unrecht geschehen ist, auf einen früheren Angehörigen der Organisation welche für das Unrecht verantwortlich war, zuzugehen. Aber das wäre eine Chance für eine wirkliche Bewältigung der Vergangenheit. Notwendig ist auch, dass die "Täter" von einst auf ihre Opfer zugehen. Aber auch das ist schwer, für sehr viele leider unmöglich.

Gruß an alle
Uwe


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#256

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 30.05.2011 08:23
von Polter (gelöscht)
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Zitat von eisenringtheo
Ich finde es falsch, eine Organisation als "schlecht" oder als "Unrechtsorganisation" zu bezeichnen und alle, die dort dabei waren, automatisch zu Unrechtstätern werden zu lassen. Schuld oder Unschuld ist immer etwas Persönliches. Eine wesenlose Sache, auch wenn sie eine noch so grosse Organisation ist, kann nicht schuldig werden, sondern es sind Personen, die sich über Recht und Gesetze hinwegsetzen.
Theo


Ist vielleicht OT:
Im Deutschen Recht gibt es auch die " Unschuldsvermutung " und das " Recht auf Notwehr ".
In der politischen Abrechnung ( u.a. hier im Forum ) mit der ehemaligen DDR werden diese Prinzipien wenig oder gar nicht angedacht.


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#257

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 30.05.2011 21:00
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Polter

Zitat von eisenringtheo
Ich finde es falsch, eine Organisation als "schlecht" oder als "Unrechtsorganisation" zu bezeichnen und alle, die dort dabei waren, automatisch zu Unrechtstätern werden zu lassen. Schuld oder Unschuld ist immer etwas Persönliches. Eine wesenlose Sache, auch wenn sie eine noch so grosse Organisation ist, kann nicht schuldig werden, sondern es sind Personen, die sich über Recht und Gesetze hinwegsetzen.
Theo


Ist vielleicht OT:
Im Deutschen Recht gibt es auch die " Unschuldsvermutung " und das " Recht auf Notwehr ".
In der politischen Abrechnung ( u.a. hier im Forum ) mit der ehemaligen DDR werden diese Prinzipien wenig oder gar nicht angedacht.





Auch sehr richtig. Richtig wohltuend diese letzten Reden.

Kleine Info, ich habe zuhause Probleme mit dem Internet, total raus, kein Telefon, muss mein cellphone benutzen, so bin ich ein paar Tage raus bis mein Teljack wieder in Ordnung gebracht wird, gestern konnte ich diese reparieren, ging bis heute Morgen um 10.00 Uhr, die leichteste Erschuetterung laesst diese US Wertarbeit auseinanderfallen. Bin zur Zeit bei den Fallschirmjaegern drin. Bin hoffentlich Mittwoch wieder online zuhause.
Tschuess, Larissa


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#258

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 30.05.2011 23:15
von SEG15D | 1.119 Beiträge

Hi Larissa,
hoffe die Hütte bleibt stehen......Ihr habt wohl wirklich kein Talent einen Schuppen so zu bauen, das er nachdem Hurrican immer noch zu sehen ist...



gggg
Ironie aus!


Freue mich immer über Deine Wortmeldungen und punktgenauen Landungen!
Well done! Wie der Engländer sagen würde!. Wir schreiben uns !
Bis bald!
Der SEG15D



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#259

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 30.05.2011 23:26
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von SEG15D
Hi Larissa,
hoffe die Hütte bleibt stehen......Ihr habt wohl wirklich kein Talent einen Schuppen so zu bauen, das er nachdem Hurrican immer noch zu sehen ist...gggg
Ironie aus!
Freue mich immer über Deine Wortmeldungen und punktgenauen Landungen!
Well done! Wie der Engländer sagen würde!. Wir schreiben uns !
Bis bald!
Der SEG15D




Weiss Du was SEG15D, hier fehlen einige 'Talente' so das sprichwortliche deutsche Know How............... wenn ich hier mich so umsehe, dann vergleiche ich oftmals mit RRRussland!
Aber wie gesaget, die Haeuser, auch die stabilsten, halten diesen schweinischen Tornados nicht stand, es werden noch vierzig Menschen vermisst, wirklich schlimm.
So, ich muss rauf auf 6000 ft es geht los.........mal ein bisschen dern Kopf freibekommen.......... der Boss meckert schon wieder ich soll meinen Arsch bewegen........... Larissa


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#260

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 30.05.2011 23:34
von SEG15D | 1.119 Beiträge

So fly and come back to the ground safely Larissa!....see you tomorrow!
Kindly regards!
SEG15D



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