#401

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 24.05.2014 15:41
von Alfred | 6.841 Beiträge

E. Krenz äußerte sich auf eine entsprechende Frage wie folgt:


"Am besten lassen wir Fakten sprechen. Das Urteil überlasse ich Ihnen: Die DDR war Teil des Warschauer Vertrages, ihre Grenze zugleich Außengrenze des Bündnisses und erste strategische Verteidigungslinie der Sowjetunion zum Westen. Beiderseits dieser Trennlinie waren die stärksten Militärkräfte der NATO bzw. der Militärkoalition des Warschauer Vertrages stationiert. Jede innenpolitische Zuspitzung in der DDR barg die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den Militärblöcken in sich. Das war für mich die Ausgangslage als mir Mitte Oktober 1989 die politische und militärische Verantwortung für die DDR übertragen wurde. Am 19. Oktober empfing ich den Vorsitzenden der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen der DDR, Bischof Leich. Ich versicherte ihm, es sei mein Anliegen, „ dass es zu keiner Konfrontation, zu keiner unkontrollierten Entwicklung kommt. Politische Fragen müssen politisch gelöst werden.“ Um Provokationen und Missverständnisse zu vermeiden, bat die DDR-Führung das Oberkommando der sowjetischen Streitkräfte in der DDR, dass ihre Einheiten nicht zu den geplanten Herbstmanövern außerhalb ihrer Standorte ausrücken, sondern in „den Kasernen bleiben“. Am 3. November 1989 gab ich in meiner Eigenschaft als Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates der DDR den Befehl: Die „Anwendung der Schusswaffe im Zusammenhang mit möglichen Demonstrationen ist grundsätzlich verboten“. Dieser Befehl galt auch im Falle des Eindringens von Demonstranten in das Grenzgebiet. Als am 9. November 1989 Berliner Bürger zu den Grenzübergängen eilten, weil ein Politbüromitglied sie falsch informiert hatte, waren wir einer bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzung näher als das viele heute wahrhaben wollen. Gorbatschow sah diese Gefahr. In einer Botschaft vom 10. November an die führenden Repräsentanten der drei Westmächte und an Helmut Kohl warnte das sowjetische Staatsoberhaupt, es könne „eine chaotische Situation mit unübersehbaren Folgen entstehen.“ Später präzisierte er, dass die DDR-Führung beigetragen habe, „militärische Aktionen mit weitreichenden Folgen zu verhindern.“ Auch Helmut Kohl war sich dem Ernst der Situation bewusst. Als wir am 11. November 1989 miteinander telefonierten, bedankte er sich für die „Öffnung der Grenzübergänge“, nicht wie es heute heißt, für „den Fall der Mauer“. Letzteres erfolgte erst Monate danach. Während unseres Telefonats meinte der Kanzler, dass „jede Form der Radikalisierung gefährlich ist“. Er unterstrich: „Wir werden uns nicht zu unterhalten brauchen, was für Gefahren das sein können, das kann sich jeder leicht ausrechnen“. Tatsächlich bestand am Abend des 9. November die Gefahr einer militärischen Eskalation, in die auch die Großmächte hätten hineingezogen werden können. Was an diesem Abend für westdeutsche und Westberliner Politiker ein Volksfest war, wurde für mich die komplizierteste Entscheidung meines Lebens! Die sowjetische Seite machte uns am Morgen des 10. November den Vorwurf, die DDR sei wegen des Vier-Mächtestatus von Berlin nicht berechtigt gewesen, die Grenze zu öffnen . Später wurde die Märe verbreitet, Gorbatschow habe die DDR-Führung daran gehindert, militärische Gewalt anzuwenden. Ein solcher Befehl ist bis heute nirgendwo dokumentiert. Er wurde mir nie bekannt. Auch die sowjetische Generalität in der DDR hat ihn nicht erhalten. UdSSR - Botschafter Kotschemassow hingegen hat zu Protokoll gegeben: „ In der dramatischen Phase haben unsere Generäle im Oktober und November 1989 einen militärischen Einsatz erwogen und angeboten.“ Das alles ist jedoch für den Ausgang der Ereignisse von 1989 unbedeutend. Wenn die DDR Gewalt hätte anwenden wollen, wäre sie dazu auch allein in der Lage gewesen. Ihre Armee und Sicherheitsorgane waren stark genug. Dass es ohne Gewalt ausging, hängt mit der Friedensdoktrin der DDR zusammen. Sie sah zwar Widerstand gegen eventuelle Angriffe von außen vor, niemals aber Gewalt gegen das eigene Volk. Die Verfassung der DDR kannte keinen Ausnahmezustand. Es war der Wille der politischen und militärischen Führung der DDR, dass militärische Gewalt gegen das Volk sozialistischen Idealen widerspricht. Dass ich daran mitwirken konnte, empfinde ich als ganz persönliches Glück."

Quelle: Archiv "Alfred"


Damals87, damals wars und ABV haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.05.2014 15:41 | nach oben springen

#402

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 24.05.2014 15:56
von ABV | 4.202 Beiträge

Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass am 09. November 1989, wie bei den gesamten Wendeereignissen, letztendlich die menschliche Vernunft siegte. Und zwar auf allen Seiten! Heute bemühen sich "verkappte Gegner" der DDr darum, den Staat nachträglich noch viel böser erscheinen zu lassen, wie er in Wirklichkeit schon war. Da passen irgendwelche an den Haaren herbeigezogene Ammenmärchen und zusammengereimte Vermutungen gut ins Bild.
Andersherum bemühen sich "verkappte DDR-Verklärer" ebenso leidenschaftlich wie ihre Widersacher darum, die ehemalige DDR-Führung als "toughe Macher" hinzustellen. Die jederzeit das Heft des Handelns in den Händen hielten.
Auch das entspricht nicht der Wahrheit! Seit Wochen hechelte die Regierung der DDR den Ereignissen nur noch hinterher. Kaum lag ein Kompromissvorschlag auf den Tisch, hatte ihn die Dynamik der Ereignisse bereits überholt und damit zur Unwirksamkeit verurteilt.
Es grenzt an ein Wunder, dass zwischen Unfähigkeit, Lähmung und überbordener Euphorie, noch ausreichend Platz für die Vernunft war. Das kann man auch nicht an Einzelbeispielen festmachen. Jeder der in der Situation nicht die Nerven verlor, egal ob es als Grenzwächter oder an der Grenze auf einen Kurztrip in den Westen hoffender, verdient heute größten Respekt.

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#403

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 24.05.2014 16:01
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Was mich rückwirkend wirklich immer wieder erstaunt ist, wie schnell Kohl damals die Ereignisse begriffen hat. Der hat die Lage ja dann ziemlich bald unter Kontrolle bekommen und einfach seinen eigenen Plan durchgezogen. Und dabei durfte er vor allem die vier Siegermächte nicht beunruhigen. Eigentlich unlösbar. Frankreich und England wollten lange kein vereintes Deutschland. Die Amis wollten D weiter in der NATO. Und die SU hatte ihren wichtigsten Vorposten in der DDR.


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zuletzt bearbeitet 24.05.2014 16:03 | nach oben springen

#404

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 24.05.2014 16:02
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #400
Irgendwann wurde es echtes Chaos. Das praktische Ausmaß des Andrangs und das Tempo hat sie überrascht. Vermutlich haben sie schon geahnt, was kommen würde (wozu gabs die Stasi?), und genau deshalb haben sie dieses ganze Verwirrspiel betrieben. Die Sensation Grenzöffnung möglichst beiläufig und zufällig verkünden, aus "Nettigkeit" ("man ist ja kein Unmensch") dann doch gleich aufgemacht und so. Hat nichts genützt. Bei der Volkskammerwahl 90 ist es für die SED auch wieder richtig in die Hose gegangen.


...ich denke die Dokumentation des Funkverkehrs zwischen den MfS-Lagezentren in #387 von @ABV zeigte doch deutlich, dass am 9.11. die eine Hand nicht wußte, was die andere tat, auch bei der Stasi. Das mit der Beiläufigkeit beim Verkünden von wichtigen Nachrichten ist eine typische Eigenheit der SED-Informationspolitik. Deshalb hat der "gelernte DDR-Bürger" auch die Fähigkeit entwickelt z.B. im ND zwischen den Zeilen zulesen.
Originalbeispiel:
typische Äußerung im ND zum militärischen Kräfteverhältnis zwischen Ost und West:
"Westliche Medien behaupten, die Sowjetunion hätte eine Übermacht an Panzerstreitkräften in Mitteleuropa. Solchen Behauptungen kann nur entgegengehalten werden: Der Westen hat auch nicht wenige!"
Klar, was zwischen den Zeilen steht?

Gruß Kalubke



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zuletzt bearbeitet 24.05.2014 16:53 | nach oben springen

#405

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 24.05.2014 16:18
von Thunderhorse | 4.008 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #401
E. Krenz äußerte sich auf eine entsprechende Frage wie folgt:

Quelle: Archiv "Alfred"



Etwas leicht geschönt von K.

Der ganze Schrift- und Telefonverkehr, Protokolle von Tagungen, Treffe nund Regierungsbesuchen, etc., kann seit Jahren nachgelesen werden.
Alles steht aber nicht im WWW.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#406

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 24.05.2014 16:20
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #403
Was mich rückwirkend wirklich immer wieder erstaunt ist, wie schnell Kohl damals die Ereignisse begriffen hat. Der hat die Lage ja dann ziemlich bald unter Kontrolle bekommen und einfach seinen eigenen Plan durchgezogen. Und dabei durfte er vor allem die vier Siegermächte nicht beunruhigen. Eigentlich unlösbar. Frankreich und England wollten lange kein vereintes Deutschland. Die Amis wollten D weiter in der NATO. Und die SU hatte ihren wichtigsten Vorposten in der DDR.

Nun,- Frankreich hat ja letztendlich zugestimmt-nachdem Kohl der Zwangseinführung des Euros im Gegenzug zustimmte !
Ich bin mir sicher ,- daß die anderen Siegermächte auch nochmal richtig abgegriffen haben - Erpressung wäre jetzt wohl ein böses Wort ??

Na- dann nenne ich das eben Ausnutzung einer günstigen Position...


....................................
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#407

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 24.05.2014 16:24
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #403
Was mich rückwirkend wirklich immer wieder erstaunt ist, wie schnell Kohl damals die Ereignisse begriffen hat. Der hat die Lage ja dann ziemlich bald unter Kontrolle bekommen und einfach seinen eigenen Plan durchgezogen. Und dabei durfte er vor allem die vier Siegermächte nicht beunruhigen. Eigentlich unlösbar. Frankreich und England wollten lange kein vereintes Deutschland. Die Amis wollten D weiter in der NATO. Und die SU hatte ihren wichtigsten Vorposten in der DDR.


Deswegen musste er ja auch in der Frage der Ostgebiete einen Rückzieher machen. Ein wenig eitel war auch er. Als am Brandenburger Tor Mitte November ein Grenzübergang eröffnet werden sollte, fühlte er sich persönlich brüskiert und drohte die laufenden Verhandlungen mit der DDR abzubrechen.

Gruß Kalubke



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#408

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 24.05.2014 18:28
von damals wars | 12.134 Beiträge

Die Amis ließen sich von olle Helmut bekanntlich den ersten Irakkrieg bezahlen,
und als sich Schröder weigerte, den Zweiten zu bezahlen, wurde Bush etwas böse!
Mit Mutti wäre das nicht passiert.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#409

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 24.05.2014 23:30
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Hallo @Harzwanderer,

ich habe mir die SPIEGEL-TV Doku noch einmal genau angesehen.

Der Telefondialog zwischen Osl Jäger und Ost Ziegenhorn nach der erfolglosen „Ventilaktion“ wurde wie folgt dargestellt:

Osl Jäger: „Ja hier Jäger. Oberst Ziegenhorn, es werden hier immer mehr Leute. Es ist unglaublich. Was soll ich denn jetzt tun?“
Ost Ziegenhorn: „Hör mal zu, ich rufe im Ministerium an und da ist entweder der Minister dran, oder einer seiner Stellvertreter. Da kannste zuhör’n, was die oben sagen.“

Doku-Kommentar Jäger: Also er (Ost Ziegenhorn) wollte mir zu dieser Zeit oder zu diesem Zeitpunkt vorführ’n, dass (es) von oben keine Hoffnung oder keine Rettung geben wird….. Und dann wurde zurückgefragt: ob denn der Genosse Jäger überhaupt in der Lage ist, die Lage reell einzuschätzen, oder ob er aus Angst handelt. Und das reichte mir.

Osl Jäger: „Es sind viel mehr. Nun hör’n se doch mal selber!“ (hält den Telefonhörer in Richtung Menschenmenge, die gerade „Aufmachen, Tor auf, Tor auf“ ruft)

Doku-Kommentar Jäger: Und wo ich ihn wieder zurückgenommen habe, den Hörer, war nur noch tüt tüt in der Leitung. Ich war mit der Welt fertig. Ich wollte es nicht begreifen, dass man mir keinen Glauben schenkt.


Vorausgesetzt, dass sich die Abläufe so wie dargestellt abgespielt haben, scheint Deine Vermutung, dass die höchste Ebene im MfS mit der entstandenen Situation zu tun hatte, zutreffend zu sein. Aber nicht in Form von minutiöser Planung, sondern im Gegenteil schlicht und einfach durch Untätigkeit und dem Anzweifeln der Glaubhaftigkeit der von den eigenen Mitarbeitern übermittelten Schilderungen der Situation an der Grenze. Sie haben die eigenen Leute ihrem Schicksal überlassen.

Gruß Kalubke



Ostlandritter hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.05.2014 23:41 | nach oben springen

#410

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 24.05.2014 23:40
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Das mag schon stimmen. So eine Situation kriegt auch schnell eine Eigendynamik, die nicht mehr von oben planbar ist.
Ich meinte eher führende SED-Kreise mit Führung und -sicher- die Sowjets. Die müssen das ja mit konzipiert haben und genehmigt. Sie haben ja auffallend still gehalten. Die Amis auch -fast wie beim Mauerbau...


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#411

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 24.05.2014 23:50
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Laut Aussage des Gesandten Igor Maximytschew in der Doku wußte das Personal der Sowjetischen Botschaft in Berlin nichts.



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#412

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 24.05.2014 23:54
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #409
Hallo @Harzwanderer,

ich habe mir die SPIEGEL-TV Doku noch einmal genau angesehen.

Der Telefondialog zwischen Osl Jäger und Ost Ziegenhorn nach der erfolglosen „Ventilaktion“ wurde wie folgt dargestellt:

Osl Jäger: „Ja hier Jäger. Oberst Ziegenhorn, es werden hier immer mehr Leute. Es ist unglaublich. Was soll ich denn jetzt tun?“
Ost Ziegenhorn: „Hör mal zu, ich rufe im Ministerium an und da ist entweder der Minister dran, oder einer seiner Stellvertreter. Da kannste zuhör’n, was die oben sagen.“

Doku-Kommentar Jäger: Also er (Ost Ziegenhorn) wollte mir zu dieser Zeit oder zu diesem Zeitpunkt vorführ’n, dass (es) von oben keine Hoffnung oder keine Rettung geben wird….. Und dann wurde zurückgefragt: ob denn der Genosse Jäger überhaupt in der Lage ist, die Lage reell einzuschätzen, oder ob er aus Angst handelt. Und das reichte mir.

Osl Jäger: „Es sind viel mehr. Nun hör’n se doch mal selber!“ (hält den Telefonhörer in Richtung Menschenmenge, die gerade „Aufmachen, Tor auf, Tor auf“ ruft)

Doku-Kommentar Jäger: Und wo ich ihn wieder zurückgenommen habe, den Hörer, war nur noch tüt tüt in der Leitung. Ich war mit der Welt fertig. Ich wollte es nicht begreifen, dass man mir keinen Glauben schenkt.


Vorausgesetzt, dass sich die Abläufe so wie dargestellt abgespielt haben, scheint Deine Vermutung, dass die höchste Ebene im MfS mit der entstandenen Situation zu tun hatte, zutreffend zu sein. Aber nicht in Form von minutiöser Planung, sondern im Gegenteil schlicht und einfach durch Untätigkeit und dem Anzweifeln der Glaubhaftigkeit der von den eigenen Mitarbeitern übermittelten Schilderungen der Situation an der Grenze. Sie haben die eigenen Leute ihrem Schicksal überlassen.

Gruß Kalubke



Immer frisch nach dem Motto :

Rette sich , wer kann ,- und ich mich zuerst.....


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#413

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 25.05.2014 00:15
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Zitat
Laut Aussage des Gesandten Igor Maximytschew in der Doku wußte das Personal der Sowjetischen Botschaft in Berlin nichts.



Der Botschafter einer Siegermacht war auch deren "Hoher Kommissar" in Deutschland, der Boss in der jeweiligen Besatzungszone. (Bedingungslose Kapitulation und so) und der will es nicht gewusst haben? Nee!
Der soll es eben offiziell genau so sagen. Sind halt verschwiegene Diplomaten.
Hat der nicht sogar an den SED-Politbürositzungen teilgenommen, und zwar weisungsberechtigt?


zuletzt bearbeitet 25.05.2014 00:16 | nach oben springen

#414

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 25.05.2014 00:21
von Kalubke | 2.293 Beiträge

ich glaube der Botschafter hieß Kotschemassow



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#415

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 25.05.2014 00:28
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Stimmt genau.
Hier die Liste aller SU-Botschafter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_s...fter_in_der_DDR


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#416

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 25.05.2014 00:28
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Na dann hier mal ein paar allgemeine Erinnerungen des damaligen Kremlchefs aus dem Herbst 1989. Leider nur in Russisch oder Englisch:

Leben und Reformen Buch 2 Kapitel 37 Honeckers Absage an die Perestroika mit Einschätzungen über die agierenden Köpfe in der DDR

http://www.gorby.ru/gorbachev/zhizn_i_reformy2/page_20/

Vielleicht nicht ganz uninteressant auch mal in Russland im Netz zu schmökern.

LG von der Moskwitschka


eisenringtheo und Kalubke haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#417

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 25.05.2014 08:20
von Alfred | 6.841 Beiträge

Man muss unterscheiden, zwischen Öffnung der GÜSt zur BRD und zu Westberlin.

Die Grenzöffnung am 9.11. in BERLIN war weder mit der sowjetischen Partei und Staatsführung , noch mit dem sowjetischen Generalstab abgestimmt. Sie kam für Gorbatschow, genau wie den sow. Verteidigungsminister Jasow überraschend.

Aus dem Grund gab es ja auch die Verstimmung von Gorbatschow. Diese Verstimmung teilte der Botschafter - Kotschemassow - ja auch in drei Telefonaten am 10.11. den Herren Krenz und Streletz mit. Hier forderte er die DDR - Führung auf, ein entsprechendes Telegramm an Gortbatschow zu fertigen.

Den großen Stress mit Berlin gab es ja "nur" , weil für Berlin der 4 Mächte Status galt und Moskau sich übergangen fühlte.

Was Schabowski betrifft, werden sich die Meinungen immer teilen.
Vergessen sollte man aber nicht, dass Schabowski mal Chef vom "Neuen Deutschland" war und sich mit der Presselandschaft schon auskannte. Weiterhin war Sch. Chef der Bezirkseinsatzleitung Berlin und kannte das Grenzsystem gut und war über die Lage an der Staatsgrenze von verschiedenen Seiten immer gut informiert.


ABV und Rainman2 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#418

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 25.05.2014 09:01
von eisenringtheo | 9.165 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #416
http://www.gorby.ru/gorbachev/zhizn_i_reformy2/page_20/

Vielleicht nicht ganz uninteressant auch mal in Russland im Netz zu schmökern.
LG von der Moskwitschka


Kasernenkommunismus in der DDR---
Theo


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#419

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 25.05.2014 10:18
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #416
Na dann hier mal ein paar allgemeine Erinnerungen des damaligen Kremlchefs aus dem Herbst 1989. Leider nur in Russisch oder Englisch:

Leben und Reformen Buch 2 Kapitel 37 Honeckers Absage an die Perestroika mit Einschätzungen über die agierenden Köpfe in der DDR

http://www.gorby.ru/gorbachev/zhizn_i_reformy2/page_20/

Vielleicht nicht ganz uninteressant auch mal in Russland im Netz zu schmökern.

LG von der Moskwitschka




Wo ist denn hier der button zum Umschalten in "angliski jasijk"?

...bin leider nicht so der Russisch-Crack!

6 Fälle waren für mich damals einfach zu viel.


isvenitje poschalijsta, abbe ich ebben gefuunden obben rechts.



zuletzt bearbeitet 25.05.2014 10:29 | nach oben springen

#420

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 25.05.2014 22:41
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #413

Zitat
Laut Aussage des Gesandten Igor Maximytschew in der Doku wußte das Personal der Sowjetischen Botschaft in Berlin nichts.


Der Botschafter einer Siegermacht war auch deren "Hoher Kommissar" in Deutschland, der Boss in der jeweiligen Besatzungszone. (Bedingungslose Kapitulation und so) und der will es nicht gewusst haben? Nee!
Der soll es eben offiziell genau so sagen. Sind halt verschwiegene Diplomaten.
Hat der nicht sogar an den SED-Politbürositzungen teilgenommen, und zwar weisungsberechtigt?



Ob er weisungsberechtigt an PB-Sitzungen teilgenommen hat weiß ich nicht, aber aus den Memoiren von Krenz geht hervor, dass ziemlich enger Kontakt bestanden hat. Wenn was war, wurde er ziemlich schnell vorgelassen.
Ein weiteres interessantes Detail aus dem o.g. Buch ist dass, als Honecker noch dran war, der sowjetische Politikwissenschaftler Daschitschew 1989 auf einer Fachveranstaltung in Köln erklärt hat, dass die DDR und die anderen WP-Länder für die SU zu einer Zone der Instabilität geworden sind. Da die HV A in den Ostforschungsinstituten einige Quellen sitzen hatte, ist Honecker das anscheinend über die Normannenstraße zu Ohren gekommen und er war entsprechend stinkig. Auf der Tagung des Politisch-Beratenden Ausschusses des Warschauer Vertrages in Bukarest 1989 hat er das Gorbatschow vorgeworfen. Der hat sich erst mal dumm gestellt: "Er kenne keinen Mitarbeiter, der solch einen Unsinn erzählt." Als Krenz dran war, musste auch er feststellen, dass die einst so unverbrüchlich treuen Bündnispartner im Westen schon längst laut über die Wiedervereinigung nachgedacht haben.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 26.05.2014 14:27 | nach oben springen



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