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 Das Leben an und mit der Innerdeutschen Grenze
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turtle Offline



Beiträge: 1.464


20.07.2009 18:40
RE: Zeitgeschichtliche Literatur 1949-89 in Ost und West Zitat · antworten

Jeder Widerstand gegen die Nazidiktatur oder jeder anderen Diktatur muss gewürdigt werden!
Hallo Augenzeuge mein Freund ,
Danke für die Ergänzenden Worte zu Rainer-Marias Geschichte.
Gruß Peter (turtle)

Rainer-Maria-Rohloff Online


Beiträge: 1.945


21.07.2009 13:41
RE: Zeitgeschichtliche Literatur 1949-89 in Ost und West Zitat · antworten

Hallo alle zusammen, gut recherchierte Arbeit, Jörg, das mit Melitta, sie war eine schöne Frau ( auf dem Foto), kein Wunder, das Franz Ludwig seine Tante vergöttert hatte so wie ich meine junge Staatsbürgerkunde- Lehrerin. Das war damals blutjunge Liebe vermischt mit süßer Ideologie, eine gefährliche Mischung. Und ihr, Melittas späterer beruflicher Werdegang, die Frau hatte es einfach drauf, so wie die Frauen im Sozialismus. Ihr Mann Berthold Maria Schenk Graf von Stauffenberg war übrigens gestern zu einer Feierstunde in der Leipziger Friedrich Olbricht Kaserne.
Aber noch einmal zu Claus Graf Schenk von Stauffenberg. Was der Mann und seine Mitstreiter zu jener Zeit getan haben, dafür kann man heute nur den Hut ziehen. Das Wort Zivilcourage müsste um das Wort Militärcourage erweitert werden.
Sie haben es im Endeffekt nicht geschafft, aber sie haben es versucht. Schon dafür gebührt ihnen Respekt und Hochachtung.

Peter, mein Freund, lass mir noch etwas Zeit mit dem Kommunistischen Widerstand. Er wird folgen, versprochen. Sie haben auch nicht gesiegt, die Kommunisten aber sie haben es ebenfalls versucht, bis 1989, na, vielleicht klappt es später noch einmal und besser gemacht wie im ehemaligen Ostblock. Der Tag müsste 48 Stunden haben und nach langer Zeit habe ich mir einmal wieder einen Gesamtüberblick des Forum geleistet, die Neuen aus Ost und West und ihre Beiträge durchgelesen. Die Staatssicherheit hat meine Elbgrenze schon um Längen geschlagen, das kann nicht sein! Susanne mahnte schon zur Friedfertigkeit und du ebenfalls, na, das kann ja heiter werden zum nächsten Treffen…., da schlagen wir uns dann die Biergläser um die Ohren, statt sie zu trinken.
Rainman, Bruder im Geist, das Zitat von Edgar Most auf Seite 8 in System DDR, gut oder schlecht, ein Genuss und Volltreffer wie von der Aurora ins Winterpalais. Meines von Adenauer in Zitate war fast genauso gut, wo er 1952 die „ Befreiung“ der geliebten Ostzone einer Wiedervereinigung vorzog. Der Mann hatte mir absolut nichts getan aber ich konnte sein raubvogelartiges Gesicht nicht leiden, da fehlte irgendwie die soziale Wärme in seinen Gesichtszügen so wie bei Walter Ulbricht. Helmut Schmidt war mir da schon sympathischer, der Mann vereinte irgendwie Dynamik mit Charisma, seine Auftritte im Bundestag waren für mich Jugendlichen Pflichtfernsehen. Nicht das mich wosch aus Kassel jetzt gleich maßnimmt….der, der mit dem Sozialismus nichts anfangen konnte, so wie mw 20900. Lass dich mal nicht entmutigen aber bleib sachlich, 20900, ich hatte es am Anfang auch nicht leicht. Lass einfach die Gefühle weg, damit kann der West- Geborene sowieso wenig anfangen und komm mit Fakten, guten Fakten aus dem Osten. Den sie wurden mit dem Klammersack gepudert, hart gepudert, unsere Brüder und Schwestern und das wirkte sich auf ihre Psyche im späteren Leben enorm aus, wir hingegen mit weicher Florenacreme gesalbt, da entwickelte man schon zarte Gefühle von Kindesbeinen an, griff dem Anderen auch mal unter die Arme , um ihn zu stützen und trat ihn nicht gleich in den Rücken oder stieg über ihn mit teilnahmslosen Blick hinweg, weil er zugedröhnt mitten in der Fußgängerpassage lag, aber derber Ostspass beiseite, Leute, es war erfrischend, die eingestellten Texte zu lesen.

Gruß Rainer- Maria

turtle Offline



Beiträge: 1.464


21.07.2009 23:42
RE: Zeitgeschichtliche Literatur 1949-89 in Ost und West Zitat · antworten

Mein literarischer Freund Rainer-Maria,
In Helmstedt treffen sich nur Freunde und unsere Freundin Susanne! Da trinken wir die Biergläser aus! Wir hauen uns sie nicht um die Ohren. Gruß Dein Freund Peter(turtle)

Heldrasteiner Offline





Beiträge: 1.997


22.07.2009 07:23
RE: Zeitgeschichtliche Literatur 1949-89 in Ost und West Zitat · antworten

In Antwort auf:
Lass einfach die Gefühle weg, damit kann der West- Geborene sowieso wenig anfangen und komm mit Fakten, guten Fakten aus dem Osten.


Nanana, Rainer-Maria!
Hast Du mich etwa als gefühllosen West-Eisblock in Eisenach kennengelernt?
Jetzt bin ich aber enttäuscht - und das, wo ich Deine Beiträge so gern lese (auch, wenn ich nicht immer meinen Senf dazu gebe).

Hilfe noch am Grabesrand wird vom Heldrastein gesandt

CaptnDelta Offline





Beiträge: 1.820


22.07.2009 08:06
RE: Zeitgeschichtliche Literatur 1949-89 in Ost und West Zitat · antworten

Zitat von Heldrasteiner
In Antwort auf:
Lass einfach die Gefühle weg, damit kann der West- Geborene sowieso wenig anfangen und komm mit Fakten, guten Fakten aus dem Osten.


Nanana, Rainer-Maria!
Hast Du mich etwa als gefühllosen West-Eisblock in Eisenach kennengelernt?
Jetzt bin ich aber enttäuscht - und das, wo ich Deine Beiträge so gern lese (auch, wenn ich nicht immer meinen Senf dazu gebe).

Yo, Heldrasteiner, das ist als versuchender Wossie schlecht zu verstehen.

Da ist man eben manchmal der verweichlichte Wessie-Kapitalist, der im taeglichen Leben, in freier Wildbahn ausgesetzt, sofort untergehen wuerde, wenn da nicht die helfende Hand des Helden der Arbeiterklasse gereicht wuerde.
Manchmal ist man eben auch der knallharte Wessie-Kapitalist, der gefuehllos die 90 Euro/Tag sieht, die er dafuer bekommt das er die Brueder im Osten (o.a. im Fernen O.) im Visier hat.
Ich glaub' das zu verstehen nennt sich "Dialektik".

Kleiner Scherz...

-Th

----
"We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness."

Rainer-Maria-Rohloff Online


Beiträge: 1.945


23.07.2009 15:57
RE: Zeitgeschichtliche Literatur 1949-89 in Ost und West Zitat · antworten

Hallo Susanne, ein weiser Mann würde jetzt sagen: „ Siehst Du, Rainer, das ist wie bei Kindern und Betrunkenen. Sie sagen meistens die Wahrheit!“
„ Die in Ihnen schlummert,“ das füge ich jetzt an und Delta würde sagen : Ihre hinterlistige ideologische Einstellung……
Aber ehe ich hier groß in´s Schreiben komme, entschuldige, so sollte der derbe Ostspass nicht herüberkommen. Das war daneben, gebe ich ehrlich zu, den die Gefühlskalten gibt es auch im Osten jede Menge.
Oh, Susanne, tu mir das nicht an, meine Texte nicht mehr zu lesen. Du meine Tischnachbarin in Eisenach mit der Wärme einer jungen Frau.
Manchmal ist schnell etwas geschrieben, so wie heute in Elbgrenze mit Schreibfehlern und Verwechslungen, ich machte den Boxer Rocky zum Einzelkämpfer Rambo, den wieder Delta nicht leiden konnte und das Internet ist anschließend gnadenlos. Da steht es dann auch, man kann es nicht zurückholen, nicht korrigierbar.
Captn Delta seinen Text möchte ich erst gar nicht kommentieren, ich gebe lieber nach und rufe: Frieden, Frieden…..

Gruß Rainer- Maria

Augenzeuge Offline





Beiträge: 2.684


23.07.2009 17:05
RE: Zeitgeschichtliche Literatur 1949-89 in Ost und West Zitat · antworten

Zitat von CaptnDelta

Da ist man eben manchmal der verweichlichte Wessie-Kapitalist, der im taeglichen Leben, in freier Wildbahn ausgesetzt, sofort untergehen wuerde, wenn da nicht die helfende Hand des Helden der Arbeiterklasse gereicht wuerde.
Manchmal ist man eben auch der knallharte Wessie-Kapitalist, der gefuehllos die 90 Euro/Tag sieht, die er dafuer bekommt das er die Brueder im Osten (o.a. im Fernen O.) im Visier hat.
Ich glaub' das zu verstehen nennt sich "Dialektik".



Einfach klasse, dieser Spruch!

"Wenn es ein Geheimnis des Erfolges gibt, so ist es das:
Den Standpunkt des anderen verstehen und die Dinge mit seinen Augen zu betrachten."

Rainman2 Offline




Beiträge: 1.845


23.07.2009 21:32
RE: Zeitgeschichtliche Literatur 1949-89 in Ost und West Zitat · antworten

Hallo Rainer-Maria,

schön, Dich mal wieder in Aktion zu erleben. Aber, wie Du siehst, unsere Kollegen aus dem Westen haben gelernt, mit Dir zu streiten. Das finde ich sehr schön!

Aber nur mal unter uns Männern:

Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
... Du meine Tischnachbarin in Eisenach mit der Wärme einer jungen Frau. ...


Ich würde mal sagen: Das mit den Komplimenten an eine Frau und in der Öffentlichkeit solltest Du nochmal üben.


ciao Rainman

---------------------------------------------------
Forum Admin
http://www.forum-ddr-grenze.de
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Rainer-Maria-Rohloff Online


Beiträge: 1.945


25.07.2009 20:09
RE: Zeitgeschichtliche Literatur 1949-89 in Ost und West Zitat · antworten

Hallo alle zusammen, heute schon mal zum Sonnabend die Erzählung, die eigentlich für den Sonntag gedacht war und ich sagte mir, leg erst mal eine Pause mit dem vielen bürgerlichen Widerstand, dem Kommunismus, der folgen sollte ein. Nimm etwas ganz Anderes, nimm einfach einmal eine Geschichte vom anderen Kontinent aus der Reihe Erzählungen, über die ich hier schon öfters eingestellt habe. Sie ist von Christoph Meckel / Westdeutschland 1978 mit dem schlichten Titel – Eine Erzählung.

Wir begleiteten eine Ladung Affen nach Alamandango . Den Job hatten wir bei einer afrikanischen Company ergattert, und es war unsere Aufgabe, die Tiere gut genährt und vollzählig in Alamandango abzuliefern. Wenn wir an windstillen Tagen in unseren Hängematten lagen, hörten wir das Gebrüll der Affen unter uns, widerhallend in großen Laderäumen, und wir wälzten uns in den Hängematten, hielten uns die Ohren zu und verwünschten den Job. Nachts kletterten wir in das Schiff hinunter und fütterten die Affen, doch Gestank und Gebrüll der gereizten, vom Seegang beunruhigten Tiere trieb uns bald wieder weg, und wir waren froh, wenn eine Fütterung vorbei war.
Tagsüber lagen wir in Hängematten an Deck, rauchten, dösten, schlugen die Zeit tot. Langeweile nahm bald überhand, es fehlten uns Frauen und Zeitungen, und die immer gleiche Grammaphonmusik, der immer gleiche Schnaps, die immer gleichen Würfel- und Kartenspiele reizten uns mehr, als sie uns zerstreuten. Wir warfen leere Flaschen nach Vögeln und Delphinen, später bewarfen wir das Grammaphon. Als die Schallplatten kaputt waren, hörten wir nur noch den Wind und das Brüllen der Affen. Die Nächte verbrachten wir der starken Hitze wegen an Deck, lagen, meist schlaflos, in den Hängematten, sahen in den Himmel und rauchten. Wir redeten von nichts anderem als von Frauen, die wir kannten, und solchen, die wir nicht kannten. Das können Männer tun, wenn sie sich langweilen.
Manchmal sahen wir zu, wenn einer von uns Affen heraufholte und tötete. Das geschah in der Frühe, wenn mit dem Erscheinen des Kapitän nicht zu rechnen war. Die Tiere wurden erschossen, der Schiffskoch schwenkte die Kadaver im Meer, schnitt ihre Köpfe ab, das Blut löste sich im Wasser auf, die Köpfe flogen über Bord. Wir lagen in den Hängematten und hatten keine Lust, etwas dagegen zu unternehmen; es war uns ziemlich gleichgültig, was mit den Affen passierte. Das Fleisch schmeckte bitter, doch man konnte es essen, wenn es in Öl und rotem Pfeffer gebraten war.
Wir fuhren nicht weit von der Küste entfernt nach Norden und beobachteten, was sich an Land abspielte. Wir besaßen Ferngläser, aber es gab nichts Besonderes zu sehen. Urwälder reichten bis ans Meer, dahinter stieg der Himmel weiß und senkrecht in die Höhe. In den ersten Tagen sahen wir nichts als Urwald und flache Streifen hellen Sandes hinter der Brandung. Vogelschwärme, vermischt mit vom Wind abgerissener Blüte, flogen auf, wenn wir, um uns etwas Abwechslung zu verschaffen, mit der Bordkanone in die Wälder feuerten. Ab und zu zeigte sich eine Rauchsäule über den Wäldern. Es gab fremdartige Vögel mit weiter Flügelspanne, sie kreisten über der Küste, doch wir machten uns nur selten die Mühe, sie abzuschießen. Die Tage waren klar und heiß, und das Licht des Südens zermürbte uns von Tag zu Tag mehr.
Nach Wochen langsamer Fahrt traten die Urwälder zurück; Ebenen und Hügel wurden sichtbar, Landhäuser, Gärten, verstreute Siedlungen, wir beobachteten Menschen und Fahrzeuge in Bewegung, es gab Festungen und kleine Häfen, und wir konnten durch unsere Ferngläser die Namen von Strandhotels und Tabakhandlungen entziffern. An einem Morgen beobachteten wir einen Konvoi von Kutschen in unmittelbarer Nähe des Meeres; sie fuhren in gleicher Höhe mit unserem Schiff nach Norden, die auslaufende Brandung schäumte um Kutschenräder und Pferdebeine. In den Kutschen befanden sich Personen, die uns winkten. Wir erkannten Frauen _ Kleider, Haare, entblößte Arme. In ihrer Begleitung befanden sich Männer, die die Frauen vom Winken abzuhalten und die Vorhänge der Kutschenfenster zu schließen versuchten Es mussten sich jedoch sehr viele Frauen in den Kutschen befinden oder nur sehr wenige Männer, den es gelang den Frauen, zu winken, so oft sie wollten. Nach und nach wurden die Vorhänge von den Kutschenfenstern gerissen; sie flatterten, dem Wind überlassen, langsam zu Boden und fielen in die Brandung oder blieben an Bäumen hängen. Wir lagen in den Hängematten, winkten, schrien vor Vergnügen und ermunterten die Frauen. Der Krach, den wir machten, beunruhigte die Affen, ihr Brüllen wurde stärker und hallte in den Laderäumen. Wir konnten jetzt in das Innere der Kutschen sehen, die Kleider der Frauen schimmerten in der Sonne. Wir stellten fest, dass es den Frauen gelungen war, die Männer im Inneren der Kutschen festzuhalten; das freute uns, und wir riefen und schrien heftiger und gaben unsinnige , herausfordernde und obszöne Zeichen. Wir kletterten aus den Hängematten, tanzten an Deck herum und feuerten in den Himmel. Die Frauen winkten mit hellen Tüchern und beugten sich aus den Kutschenfenstern, Schultern und Brüste in offenen Kleidern. Wir schwitzten. Wir hopsten und taumelten über das Schiff, und unser Geschrei und was immer wir riefen, steigerte das Gebrüll der Affen.
In den Nächten setzten die Kutschen ihre Fahrt fort und hielten auch im Dunkeln gleiche Höhe mit uns. Licht schaukelnder Laternen ließ die Umrisse von Kutschen und Pferden erkennen und spiegelte sich in den Kleidern der Frauen und auf der Brandung. An manchen Abenden spannte man die Pferde aus, schlug Zelte auf und machte Feuer. Unter irgend einem Vorwand gelang es uns in solchen Fällen, den Kapitän zu einer Unterbrechung der Fahrt zu bewegen. Wir lagen vor Anker und beobachteten durch Ferngläser die Vorgänge im Nachtlager der Reisenden. Man schlug Zelte in unmittelbarer Nähe des Meeres auf. An Bäumen und Kutschen hängende Laternen sowie große Holzfeuer beleuchteten die sich entkleidenden, badenden, essenden und trinkenden, auf hellen Teppichen lagernden Personen und die im Halbdunkel stehenden Pferde. Wir hatten gleichfalls Laternen aufgehängt, hockten, standen, lagen auf dem Schiff, starrten an Land und hörten durch die Geräusche der Brandung Gelächter und Musik aus beleuchteten Zelten. In solchen Nächten wälzten wie uns schlaflos in den Hängematten.
Wenn es morgens im Lager der Reisenden lebendig wurde, setzten wir die Fahrt fort. Mehrere Tage fuhren die Kutschen in gleicher Höhe mit unserem Schiff nach Norden und der Anblick der Frauen brachte uns fast um den Verstand. Um uns abzulenken, holten wir Affen heraus, legten sie an Ketten, sahen ihren Spielen zu und warfen sie ins Meer. Es war uns gleichgültig, ob wir Affen ablieferten oder nicht. Wortlos stimmten wir darin überein, den Affentransport nicht länger als verpflichtenden Job zu betrachten. Wir fütterten sie nur noch selten und achteten nicht länger auf ihr Gebrüll.
An einem Morgen sahen wir, dass ein Mann aus einer Kutsche geworfen wurde, sich überschlug, in die Brandung rollte und verschwand. Die Frauen rissen sich Kleider vom Leib und winkten mit Tüchern und Röcken. Wir verfielen in einen Zustand völliger Besinnungslosigkeit, hantierten mit Flinten und Messern, betranken uns, kauten Nägel, vergaßen zu winken. Unruhig und erschöpft lagen wir im Licht und starrten mit entzündeten Augen an Land.
An einem Abend beobachteten wir, dass die Reisenden, wie üblich ihr Nachtlager aufschlugen. Wir sahen uns an. Plötzliches Lachen. Als es dunkel geworden war, schwammen wir, ungeachtet der Haie vor dieser Küste, an Land. Zurück blieben Laderäume voll ausgehungerter, brüllender Affen und der seit Tagen unsichtbare Kapitän. Wir hatten unsere Habseligkeiten auf dem Schiff zurückgelassen, und der Gedanke, dass wir ohnehin nichts zu verlieren hatten, machte uns über alle Maßen lustig. Wir lachten, als wir über den Strand liefen und in die Zelte einbrachen.
Wir fanden schlafende Frauen vor, rissen Moskitonetze weg und legten uns zu ihnen. Die Männer versuchten uns von den Frauen weg zu halten, aber wir wurden schnell mit ihnen fertig, banden sie schließlich an Bäume und Zeltpfosten fest. Sie heulten vor Wut, wie die Affen, denn sie konnten sehen, was wir mit den Frauen machten. In dieser Nacht holten wir eine Menge nach, und es freute uns, das die Frauen mitmachten. Am folgenden Morgen erst sahen wir uns ihre Gesichter an.
Keiner hatte Lust, auf das Schiff zurückzukehren. Wir blieben bei den Frauen, lagen im Baumschatten und betrachteten unser Schiff, das draußen in mittäglicher Glut vor Anker lag. Wir sahen den Kapitän – und das steigerte noch unser Vergnügen- auf und abrennen und nach uns, seinen Leuten rufen. In Augenblicken der Windstille hörten wir, undeutlich, das Brüllen der Affen, und es freute uns, dass sie keine Umstände machten, wenn wir was von ihnen verlangten. Und wir freuten uns am Schatten der Bäume und am Licht des Südens, das wir verflucht hatten, solang wir an Bord waren. Die Männer hatten eingesehen, dass gegen uns nichts zu machen war; wir einigten uns.
In Baumschatten und Zelten verbrachten wir die folgenden Tage und Nächte. Wir beobachteten, dass der Kapitän hin und wieder auf dem Schiff auftauchte und schließlich verschwand. Später kamen die Affen. Sie rannten mit peitschenden Schwänzen über das Schiff und kletterten haufenweise in den Mastkorb. Den Kapitän sahen wir nicht wieder. Vielleicht hatten die Affen ihn überwältigt, getötet oder in die Laderäume gesperrt. Gut möglich, das er, verzweifelt oder von Sinnen, Trost bei den Affen gesucht und sie freigelassen hatte.
Wir kümmerten uns nicht mehr um das von Affen wimmelnde Schiff. Im Gepäck der Reisenden fanden wir Vorräte an Brot, Fett, Fleisch, Kaffee, Wein und Kognak. Wir brieten Fische und aßen und tranken viele Tage lang und vergnügten uns mit den Frauen, packten schließlich zusammen, zwängten uns in die Kutschen und fuhren nach Alamandango.

Gruß Rainer- Maria und einen ruhigen Sonntag

Rainer-Maria-Rohloff Online


Beiträge: 1.945


02.08.2009 11:15
RE: Zeitgeschichtliche Literatur 1949-89 in Ost und West Zitat · antworten

Hallo alle zusammen, mir fehlte in der Woche etwas die Zeit und auf Jörg seinen Text in Diskussion, du hast dir die Arbeit gemacht, Dankedafür,s werde ich noch mit einem Extralink antworten, hier erstmal als Einleitung zum kommunistischen Widerstand –Der Reichstagsbrandprozeß - aus dem Buch Leipziger Pitaval / Walter Fellmann / Militärverlag der DDR von 1978. Bericht in 4. Teilen.
Ein kleiner Anhang für den jugendlichen Leser am Schluss.

Hintergründe des Reichstagsbrandes und Verlauf des Leipziger Prozesses sind heute allgemein bekannt. Kein Wunder! Abgesehen vom Nürnberger Kriegsverbrecherprozess hat wohl im zwanzigsten Jahrhundert kein politischer Prozeß die Gemüter so bewegt wie der Reichstagsbrandprozeß. Läßt sich hier auch kaum Neues beisteuern, so soll doch nicht auf einen Bericht verzichtet werden. Ein Leipziger Pitaval ohne diesen Prozeß ist schwer vorstellbar! Wenn diese Zeilen bei dem einen Erinnerungen an stürmische Klassenkämpfe wachrufen und bei dem anderen das im Laufe der Jahre gewonnene Bild von der braunen Ära abrunden, sind sie nicht umsonst geschrieben. Vielleicht wecken sie auch den Wunsch, gelegentlich das Georgie- Dimitroff- Museum in Leipzig zu besuchen, Einblick in die dort ausgestellten 2400 Exponate zu nehmen und im historischen Plenarsaal die Auseinandersetzung zwischen Dimitroff und Göring im Originalton zu hören oder einmal wieder nach der Spezialliteratur zu greifen, etwa nach der noch immer unübertroffenen Monographie „ Freiheit für Dimitroff“ von Ernstgert Kalbe.

Auf einer Wahlkundgebung in Glaucha hatte der Nazigauleiter Mutschmann am 26. Februar 1933 geäußert: „ Ohne Bartholomäusnacht wird es nicht abgehen.“ Tags darauf brannte der Reichstag, für viele das Symbol der bürgerlich – parlamentarischen Republik, und Deutschland hatte seine Bartholomäusnacht. Annähernd 12000 Antifaschisten sind schon in den ersten Stunden nach dem Brand verhaftet und in blitzschnell errichtete Konzentrationslager eingeliefert worden. Auf die Frage, warum die KPD nicht verboten werde, hatte der faschistische Innenminister Frick am 19, Februar 1933 in Dresden geantwortet: „Die KPD muss auf andere Weise niedergekämpft werden.“
Das war sie also, die „ andere Weise!“ Ein Verbot hätte die KPD in eine Märtyrerrolle manövriert, und eben das wollten die Nazis vermeiden. Der Reichstagsbrand war als Beweis für „ bolschewistische Greueltaten“ gedacht, und die Hitlerclique war überzeugt, sie werde in den Augen der Kleinbürger wie der imperialitischen Mächte zu gerade noch rechtzeitig an die Macht gelangten „ Rettern“ vor dem Bolschewismus avancieren.
Wer sich die naheliegende Frage stellte, wem der Reichstagsbrand nutzte, konnte freilich gar nicht auf den Gedanken kommen, die KPD hätte den Brand inszeniert, auch wenn ihm die Politik der Kommunisten ein Buch mit sieben Siegeln war. Was hätten sie schon gewinnen können? Nichts! Den braunen Machthabern aber gab der Brand die ersehnte Handhabe, die Opposition für vogelfrei zu erklären. Im Widerschein der Flammen stehend, kündigte Hitler an: „ Die Reichsregierung wird nunmehr diejenigen Maßnahmen treffen, die zur Niederwerfung und Ausrottung dieser furchtbarsten Gefahr nicht nur Deutschlands, sondern Europas notwendig sind.“ Möglicherweise ließen sich jetzt sogar die militärischen Beschränkungen unterlaufen, die der Versailler Vertrag Deutschland noch auferlegte.
Es hat wahrscheinlich nicht an Hinweisen gemangelt, wo die Provokateure zu suchen waren. Kurz nach einundzwanzig Uhr kam es zum Brand. Die Feuerwehr traf jedoch erst ein, als der Reichstag schon in Flammen stand. Ein kleiner Kellerbrand hätte seinen Zweck nicht erfüllt. Die Leute mussten Ruinen sehen, wenn aus dem Brand politisches Kapital erwachsen sollte. Wie war es überhaupt um die Sicherheitsmaßnahmen bestellt? Reichstagsdirektor Galle meinte in einem Pressegespräch, abends hätten die Täter Störungen nicht zu befürchten gehabt. Nun hatte aber doch die Polizei angeblich am 23. Februar 1933 bei einer Durchsuchung des Karl- Liebknecht- Hauses in Berlin „ geheime Anweisungen“ der KPD gefunden, „ Regierungsgebäude, Museen, Schlösser und lebenswichtige Betriebe in Brand“ zu stecken. Wer solche Dokumente in der Hand hielt, hätte doch unbedingt Sicherheitsvorkehrungen treffen müssen. Aber es geschah nichts. Und welche Erklärung konnte es dafür geben, das ausgerechnet am 27. Februar keine Wahlversammlung der NSDAP stattfand, obwohl der Bürger am 5. März vor die Wahlurne treten sollte?
Die gesamte Führungsspitze hielt sich in Berlin auf. Hitler, Göring und Goebels waren sogar früher am Ort der Katastrophe als der größte Teil der Feuerwehr. War der Reichstagsbrand als „ Wahlbombe“ gedacht? Sollten die sechs Millionen Bürger, die im November 1932 für die KPD gestimmt hatten, geschockt und die Partei isoliert werden? Wie kam Hitler dazu, von Papen gegenüber angesichts des Brandes zu erklären: „ Das ist ein von Gott gegebenes Zeichen. Niemand wird uns daran hindern, die Kommunisten mit eiserner Faust zu vernichten.“ Zu diesem Zeitpunkt waren die Maßnahmen zur Ermittlung der Brandursachen noch nicht einmal eingeleitet. Woher wollte Hitler wissen, dass die KPD verantwortlich war? Warum befand sich die SA gerade an diesem 27. Februar in höchster Alarmbereitschaft? Woher hatte man plötzlich die vielen Haftbefehle? Alleine in Berlin wurden in der Brandnacht 1500 Personen festgenommen. Wann hatte Hitler die Notverordnung „ Zum Schutze von Volk und Staat „ ausgearbeitet, die er zwölf Stunden nach Ausbruch des Feuers dem Kabinett vorlegte? Wahrscheinlich lagen Haftbefehle und Notverordnung schon im Panzerschrank, als die ersten Flammen aus dem Gebäude schlugen.
Auf jeden Fall brachte der Reichstagsbrand den Nazis, was er ihnen bringen sollte: die uneingeschränkte Diktatur. Was brauchten sie nunmehr noch die Wahlen fürchten! Trotz der systematisch geschaffenen Pogromstimmung stimmten dennoch fünf Millionen Wähler für die KPD, doch dank der erwähnten Notverordnung war de facto die Verfassung außer Kraft gesetzt. Die 81 Mandate der KPD wurden annulliert, so dass Hitler den Spielraum besaß, den er brauchte, um am 23. März das Ermächtigungsgesetz durchzupeitschen, das den verbliebenen Freiheiten den Todesstoß versetzte. Zur Zerschlagung der Gewerkschaft und der SPD sowie der „ Selbstauflösung“ der bürgerlichen Parteien war es dann nur ein kleiner Schritt. So war die Opposition mit Hilfe des Reichstagsbrandes ausgeschaltet worden, und am 7. Juli 1933 konnte Hitler Stellvertreter Heß die „ Nationale Revolution“ für beendet erklären.


Wie geschrieben, ein kleiner Satz noch für den jugendlichen Leser, ich selber finde Politik stinklangweilig, meine auch, das die Selbstdarsteller da oben, zu tiefsten DDR Zeiten nannte ich sie die „ Obersten Zehntausend“ mal etwas mehr auf des Bürgers Horizont herunterkommen sollten, klar, auch auf euren jugendlichen……Das werden sie aber nicht und die jugendlichen Aufsteiger in SPD, CDU, Linke, NPD und weiß der Teufel, was es da noch Alles gibt, streiten, streiten und streiten , sind uneinig, Lenin lachte sich tot, wenn er es noch könnte, sie bekommen einfach keine klare Richtung und es dauert gar nicht lange, dann werden sie so wie die Alten, langweilig, selbstgefällig und schlafen schon mal ein während einer Sitzung über wichtige Beschlüsse des Parlament. Oder lassen sich entschuldigen, sind somit nicht präsent! Oder sitzen auf Toilette….
Lange Rede, kurzer Sinn, aber ohne die ganzen Pfeifen geht es nicht, den sonst versinkt ein Land in Anarchie, das Chaos, das will ich nicht, das wollt ihr nicht und „ die da Oben“ auch nicht. „ Weil sie so gerne im Schlaf ihr Geld verdienen“, würde jetzt ein zorniger Arbeiter von Opel sagen. Da mag was dran sein aber noch mal im Klartext: Geschichten, so wie diese sind wichtig, für euren Horizont, sie erzählen über das Land in dem ihr lebt, seine Vergangenheit, warum, wieso, weshalb konnte es überhaupt zu gewissen Ereignissen kommen. Wer stand da hinter wem und legte das Geld in die offene Hand! Hatte da einer geschlafen, im Parlament und der Andere sah seine Chance, war hellwach und dachte: Jetzt aber zugepackt und…..Ich bin schon älter, weiß eigentlich , was ich will. Na gut manchmal auch nicht aber ihr seit noch jung und ich möchte, das ihr euren verdammten Grips gebraucht, auch mal lest, euren Horizont erweitert und dann sagt, bleib ich hier, setze alles dran, um selbst Geld zu verdienen, reiß mir den Arsch auf oder such mir im Ausland ein Berufsfeld, gründe eine kleine Familie .Deutschland oder besser das Kapital denkt eh nicht national, sonst würden die nicht in China, Vietnam, Taiwan usw. produzieren lassen, also können sie auf den ein oder anderen von Euch getrost verzichten. Wichtig ist, das Ihr mit dem Arsch an die Wand kommt, so wie ich damals in der alten DDR. Die und der Sozialismus waren mir zwar auch wichtig, aber noch wichtiger ist, was der Einzelne aus sich macht, auch heute in diesem System des Kapital. Das meine ich nicht mit „ Nur an sich selbst denken“, ne, ne , das meine ich mit Familie gründen, den nur die hilft überleben, Euch zu überleben. Übrigens steht noch eine gute Geschichte über diese Zeit mit dem Titel – Lokführer Steckel- im Thema Buchenwald nach 1945, ihr findet es unter- So war das Leben in der DDR. Und sollte einer noch Fragen haben, Ihr wisst, wo Ihr mich findet aber ich hänge nicht Tag und Nacht an dem Laptop, brauch auch mal Zeit für meine Familie, lasst mir also Zeit mit einer Antwort.

Gruß Rainer -Maria

Zermatt Offline




Beiträge: 2.203


02.08.2009 15:55
RE: Zeitgeschichtliche Literatur 1949-89 in Ost und West Zitat · antworten

Ja der Reichstagbrand kam den Nazis wie gerufen,quasi auf dem goldenen Tablett serviert,auf Bestellung.Wer immer den Brand
gelegt hat,der oder die Täter,mit rechten Dingen ist hier jedenfalls nichts passiert.Hitlers Standardspruch hätte
wohl gelautet: Das grösste Glück,was mir je passieren konnte.

Rainer-Maria-Rohloff Online


Beiträge: 1.945


03.08.2009 21:52
Zeitgeschichtliche Literatur 1949-89 in Ost und West Zitat · antworten

Der Reichstagsbrandprozeß 2. Teil des Bericht aus dem Leipziger Pitaval

Warum dann aber noch dieser Prozeß vor dem Reichsgericht?
Wäre es den Nazis möglich gewesen, sie hätten van der Lubbe in irgendeinem Schnellverfahren abgeurteilt. Sie wussten, welche Risiken eine konstruierte Anklageschrift und gekaufte Zeugen in sich bargen, doch Hitler hatte nun einmal im Reichstag geäußert, dass „ in kürzester Zeit dieses Verbrechen durch die öffentliche Hinrichtung des schuldigen Brandstifters und seiner Komplicen zu sühnen „ sei. Ein Zurück gab es nicht mehr, den im Ausland hieß es ohnehin, die Nazis wollten gar keinen Prozeß, weil sie Grund hätten, das Untersuchungsverfahren zu scheuen. Um der Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen, ordnete Hitler daher am 22. Juli 1933 – fünf Monate nach dem Brand- den Prozeß an.

Einen Angeklagten hatte man: den aus Leiden in Holland stammenden Marinus van der Lubbe, der am Tatort gestellt worden war und offensichtlich auch keinen Versuch gemacht hatte, den Reichstag unbemerkt zu verlassen. Möglich wäre es gewesen, den auch der Abgeordnete Albrecht, der außerplanmäßig noch einmal in sein Büro gegangen war, um dort vergessene Familienpapiere zu holen, kam noch ungehindert hinaus. Irgendwie entstand der Eindruck, van der Lubbe habe das Eintreffen der Polizei abgewartet. Eigenartig war auch, dass er sich sofort als Mitglied der Kommunistischen Partei ausgab. Doch er war es nicht! Er hatte zwar dem Kommunistischen Jugendverband der Niederlande angehört, war aber schon 1931 seiner anarchistischen Haltung wegen ausgeschlossen worden. Einen Täter konnte man jedenfalls vor den Richter bringen! Van der Lubbe hatte aber nicht allein handeln können.
Der „ Berliner Illustrierten“ vom 28. Februar 1933 zufolge vertrat Reichstagsdirektor Galle die Meinung, die Brandstifter hätten „ über gute Ortskenntnisse verfügt und genau gewusst haben müssen, dass sie in der Zeit zwischen acht und zehn Uhr abends ungestört“ sein würden. Woher aber sollte der erst im Januar 1933 nach Deutschland eingewanderte vagabundierende Holländer solche Kenntnisse haben?
Es war anzunehmen, das seine Komplicen über Ortskenntnis verfügt hatten. Helfer mussten ihm zur Seite gestanden haben. Das war nicht nur die Auffassung von Direktor Galle, sondern auch die der Brandsachverständigen Prof. Brüning, Prof. Josse, Dr. Wagner, Dr. Schatz und Oberingenieur Wagner. Die Experten gingen davon aus, dass van der Lubbe unmöglich das Brandmaterial allein in das Gebäude getragen haben konnte. Außerdem war das Feuer mit Kohlenanzünder, Benzin und Petroleum gelegt worden, van der Lubbe aber war nur mit Kohlenanzünder umgegangen. Für eine in Gemeinschaft begangene Tat sprach auch der Umstand, dass gleichzeitig an verschiedenen Stellen Feuer gelegt worden war.
Allgemein wird heute die Auffassung vertreten, das umfangreiche Brandmaterial sei in der Dienstwohnung Hermann Görings gelagert worden. Die Komplicen van der Lubbes dürften der Berliner SA- Obergruppenführer Karl Ernst und dessen Leute gewesen sein, die nach vollbrachter Tat durch einen unterirdischen Gang entwichen, den Holländer, dem wahrscheinlich etwas versprochen worden war, für die Polizisten „ griffbereit“ zurück gelassen.
Göring gab während des Kriegsverbrecherprozesses in Nürnberg nur zu, was er zugeben musste, sehr wohl wissend, dass der maßgebliche Zeuge, Karl Ernst, 1934 von den Nazis selbst erschossen worden war. Möglicherweise war Ernst gerade der Teilnahme an der Reichstagsbrandstiftung wegen umgebracht worden. Er wäre nicht der einzige Zeuge gewesen, dessen sich die Faschisten auf diese Art entledigt hätten.
Die mit der Vernehmung van der Lubbes beauftragten Kriminalkommissare Zirpins und Heisig durften den zu Göring führenden Spuren natürlich nicht nachgehen. Hitler hatte von einer „ internationalen kommunistischen Verschwörung“ gesprochen, und damit war die Richtung gewiesen. Die Untersuchungsorgane mussten möglichst viele Kommunisten auf die Anklagebank bringen, auch ausländische, um den internationalen Charakter des „ Komplotts“ beweisen zu können. Woher aber solche Leute nehmen? Wenigstens der Schein musste gegen sie sprechen, den der Prozeß würde internationales Aufsehen erregen. Nun, der Zufall kam den Nazis entgegen. Gleich zweimal!
Die Reichstagsabgeordneten Ernst Torgler und Wilhelm Koenen hatten den Reichstag am späten Nachmittag verlassen. Sie begaben sich in das Restaurant „ Aschinger, wo sie vom Reichstagsbrand erfuhren. Sie wussten, was das für die KPD bedeutete, verständigten sich über die Notwendigkeit, sich auf die illegale Arbeit einzustellen, und gingen dann auseinander.Koenen glaubte nicht recht zu hören, als ihm mitgeteilt wurde, Torgler habe sich am 28. Februar 1933 der Polizei gestellt. Später äußerte Torgler, er habe dies getan, weil die Presse die Nachricht verbreitet hatte, er und Koenen hätten Zeugenaussagen zufolge Umgang mit van der Lubbe gehabt, und er, Torgler, habe erwartet, „ bei den Richtern eine vollkommen objektive und rein sachliche Würdigung zu erfahren. Daß sich Torgler, damals Vorsitzender der kommunistischen Reichstagsfraktion stellte, kam den Nazis wie ein Gottesgeschenk vor, und ehe sich der an die Objektivität der Nazijustiz glaubende Torgler recht versah, war gegen ihn ein Verfahren wegen „ aufrührender Brandstiftung und Hochverrat“ eingeleitet, obwohl er nichts mit van der Lubbe und der Brandstiftung zu tun hatte.

Gruß Rainer- Maria




Berliner Online





Beiträge: 1.986


03.08.2009 22:43
RE: Zeitgeschichtliche Literatur 1949-89 in Ost und West Zitat · antworten

Hallo Rainer-Maria,

ich wollte nur sagen, es ist schoen dass Du Dich mal von Dir hoeren laesst!

Gruesse aus den USA, Euch einen schoenen Abend,
Berliner

Nichts auf dieser Welt kann die Beharrlichkeit ersetzen.
Talent kann es nicht - nichts ist verbreiteter als erfolglose Maenner mit Talent.
Genie kann es nicht - unbelohntes Genie ist nahezu ein Sprichwort.
Ausbildung kann es nicht - Die Welt ist voll von ausgebildeten Obdachlosen.

Beharrlichkeit und Ausdauer alleine sind allmaechtig.


-Calvin Coolidge

Rainer-Maria-Rohloff Online


Beiträge: 1.945


04.08.2009 22:28
Zeitgeschichtliche Literatur 1949-89 in Ost und West Zitat · antworten

Hallo Berliner, mein amerikanischer Freund, während die Sonne in deinem Land aufgeht, und das natürlich im Osten, diesem friedfertigen Etwas gehe ich ins Bett. Besser ausgedrückt, ich lag schon im Bett während meine Tochter den vorgeschriebenen Text eingestellt hatte. Weil ich weiß, das du die Sprüche aus dem Orient so gerne magst hier noch einer vorneweg:
Er begab sich zu mir, trotz der weiten Entfernung unserer Wohnungen, trotz des weiten Weges und seiner furchtbaren Mühseligkeiten.
( Ibn- Chasm, 11. Jh.)
Zermatt würde jetzt sagen: Und was ist mit mir? Warte, mein Eisenacher Tischnachbar, der du ja zuerst auf diesen Bericht einen Kommentar eingestellt hattest, für dich habe ich auch noch einen, der stammt allerdings nicht aus dem Orient:
„ Die Zuspitzung der Gegensätze Ost- West wird rasch erfolgen.
Die SS wird unentbehrlich werden.
Ich fühle mich absolut sicher.
Ich werde die Entwicklung im verborgenen abwarten.
Die Entwicklung wird schnell für mich arbeiten.“

Heinrich Himmler 1945 in Flensburg zum damaligen deutschen Außenminister Krosigk.
(aus dem Buch-Vietnam in dieser Stunde/ Mitteldeutscher Verlag Halle/ Saale 1968)

Der Reichtagsbrandprozeß 3. Teil des Bericht aus dem Leipziger Pitaval

Die Nazis suchten derweil weiter, den ein „ internationales Komplott“ mit nur zwei Angeklagten, das passte nicht zusammen. Eine Belohnung von 20000 Reichsmark wurde demjenigen in Aussicht gestellt, der bei der Festnahme der Komplicen van der Lubbes behilflich war, und das regte die Phantasie der Spitzel gehörig an. Am 9. März 1933 meldete der Kellner Hellmer, im Berliner“ Bayernhof“ säßen drei „ verdächtige Ausländer“ , die sich früher mit van der Lubbe getroffen hätten. Wenige Minuten darauf war die Polizei zur Stelle und verhaftete die denunzierten Personen, die Bulgaren Georgi Dimitroff, Blagoj Popoff und Vasil Taneff. Untersuchungsrichter Vogt teilte der Presse später mit, die Verhafteten wären in Bulgarien schon wegen eines Anschlages auf die Kathedrale von Sofia zum Tode oder zu Zuchthausstrafen verurteilt worden. Das stimmte nicht, wie nichts an der Untersuchung stimmte. Der brave Bürger aber sollte glauben, wer einen Anschlag auf eine Kathedrale begangen habe, dem sei auch die Reichstagsbrandstiftung zuzutrauen. Wohlweislich hat die Anklagevertretung diese Geschichte außer acht gelassen. Sie war ohnehin nur zur Verdummung des Volkes und nicht für die Anklageschrift bestimmt.
Die Nazis glaubten, mit Dimitroff den „ richtigen Mann“ gefasst zu haben: Er war Mitglied des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale und Vertreter ihres Büros in Westeuropa. Über Dimitroff gedachten sie die gesamte kommunistische Bewegung zu treffen.
In den Wochen darauf wurde die Anklageschrift konstruiert. Sie umfasste am Ende 235 Seiten und stützte sich auf die Aussagen von 169 Nazis und anderen gekauften Zeugen.
Am 22. Juli 1933 wanderte die „ Strafsache van der Lubbe und Genossen“ an den IV. Strafsenat des Rechsgerichtes. Um nicht an Glaubwürdigkeit zu verlieren, wurde ein Senat mit der Prozessführung beauftragt, an dessen Spitze kein Mitglied der NSDAP stand. Die Nazis riskierten deswegen nichts: Senatspräsident Dr. Wilhelm Bünger, ein deutschnationaler Politiker, der eine Zeitlang der sächsischen Regierung als Ministerpräsident vorgestanden hatte, war aber ein weithin bekannter Antikommunist.
Die Verteidiger wurden den Angeklagten zugewiesen. Am schlimmsten erging es Torgler, zu dessen Offizialverteitiger Dr. Alfons Sack ernannt wurde. Sack wäre 1920 von Kapp als Justizminister eingesetzt worden, wenn der Putsch gelungen wäre. Er galt als enger Vertrauter von Graf Helldorf und Karl Ernst, Dimitroff war mit seinem Verteidiger, dem rechtsorientierten Dr. Teichert nicht viel besser dran.
„ Gesiebt“ wie die Verteidiger waren auch die 120 zum Prozeß zugelassenen Journalisten. Die deutsche Linkspresse war ohnehin verboten, und die Vertreter der ausländischen Arbeiterzeitung erhielten keine Akkreditierung. Das Goebelsministerium, das sich die Entscheidung vorbehalten hatte, ließ nicht einmal linksgerichtete bürgerliche Journalisten zu.
Als am 21. September 1933 im überfüllten Senatssaal der Reichstagsbrandprozeß eröffnet wurde, befanden sich die Nazis trotz allem schon in der Defensive. Obwohl sie ihre Macht ausgebaut hatten, war es ihnen nicht gelungen, Protestaktionen zu verhindern. Allein in Berlin wurden binnen zwei Tagen achtzehn so genannte fliegende Demonstrationen registriert. Flugblätter und – schriften wurden in verschiedenen Orten verteilt, darunter auch die im April 1933 in Berlin gedruckte Broschüre „ Im Zeichen des Kreuzes“, eine Schilderung der wahren Hintergründe des Reichstagsbrandes. Im Ausland bestanden natürlich größere Möglichkeiten zur Entlarvung des Faschismus. Das von Alexander Abusch redigierte Braunbuch über den Hitlerterror erschien im August 1933 in 16 Sprachen. Das Vorwort hatte das britische Oberhausmitglied Lord Marlay verfasst.
Am Vorabend des Leipziger Prozesses wurde im Londoner Gegenprozeß das Urteil verkündet. Das unter dem Ehrenvorsitz von Albert Einstein stehende Weltkomitee zum Schutz der Opfer des Hitlerfaschismus hatte im April in Gemeinschaft mit anderen Organisationen einen internationalen Untersuchungsausschuß zur Aufklärung des Reichstagsbrandes eingesetzt und den britischen Kronanwalt Pritt mit der Leitung beauftragt. Der Londoner Gegenprozeß fand vom 14. bis 20. September 1933 statt
Zu den Zeugen, die in London vernommen wurden, gehörten von deutscher Seite die Mitglieder des Reichstages Rudolf Breitscheid und Wilhelm Koenen sowie Ernst Toller und Kurt Torgler, ein Sohn ernst Torglers. Das Gericht gelangte zu dem Schluss, das alle vor dem Reichsgericht stehenden Angeklagten mit Ausnahme van der Lubbes unschuldig seien und der Brand auf das Konto der Nazis käme. Fast alle führenden Radiostationen der Welt berichteten unverzüglich und ausführlich über das Londoner Urteil. Das Prozeßmaterial selbst wurde als Broschüre unter dem Titel „ Wer sind die Brandstifter?“ herausgegeben und verbreitet.
Dimitroff, der Held von Leipzig, wusste von den Vorgängen außerhalb des Gerichts wenig. Trotzdem verließ ihn nie das Gefühl, Verbündete zu haben. Und er kämpfte! Das unterschied ihn von vornherein von Torgler, der hauptsächlich auf sein Alibi bedacht war und bald mehr seiner politischen Überzeugung abtrünnig wurde. „ Wegen seines schmachvollen, eines Kommunisten und revolutionären Proletariers vor Gericht unwürdigen Verhaltens ist er 1935 auf der Brüssler Reichskonferenz einstimmig aus der KPD ausgeschlossen worden. Während des Krieges gehörte er zum Mitarbeiterstab eines Goebbels unterstellten Senders, und nach 1945 landete er schließlich in den Reihen der SPD.
Selbst sieben Monate Haft – davon fünf Monate in Fesseln – hatten Dimitroff nicht zermürben können. Bei seiner ersten Vernehmung am 23. September ließ er bereits erkennen, dass er die gesamte Anklage zu zerschlagen gedachte. „ Mit der Reichstagsbrandstiftung habe ich absolut nichts – weder direkt noch indirekt – zu tun gehabt“, führte er aus. Das war noch Verteidigung. Der Angriff erfolgte unmittelbar darauf: „ Als ich am 28. Februar frühmorgens in den Zeitungen über den Reichstagsbrand las, war ich gleich der Meinung, das die Ausführer dieser Tat entweder niederträchtige Provokateure oder geistig und politisch verrückte Leute sind, auf alle Fälle dem deutschen Proletariat und dem Kommunismus gegenüber Verbrecher gewesen sind. Jetzt bin ich mehr geneigt anzunehmen, dass die Reichstagsbrandstiftung – dieses antikommunistische Unternehmen – durch einen Zweibund von Provokation und Verrücktheit entstanden sein muß.“

Gruß Rainer-Maria

Zermatt Offline




Beiträge: 2.203


05.08.2009 18:18
RE: Zeitgeschichtliche Literatur 1949-89 in Ost und West Zitat · antworten

Hallo Rainer,der Eisenacher Tischnachbar sagte danke,ich lese bei dir auch mal zwischen den Zeilen und weiss,das es bei dir
manchmal ironisch gemeint ist.Vor Eisenach dachte ich-mal sehen was das für ein komischer Vogel ist. Nach Eisenach sagte ich
mir-Der ist echt in Ordnung.

So jetzt bitte mehr aus der Zeit von 33-45.

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